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Full text of "St Petersburger Medicinische Wochenschrift 16.1891"

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St Petersburger 


UEDICINim WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio, Dr. Johannes Krannhals, 

Dorpat. Biga. 

Dr. Theodor y. Sehröder, 

8t. Petersbarg. 


XVI. JAHRGANG 

(NEUE FOLGE VIII. JAHRGANQ). 




ST. PETERSBURG. 

Buchdrnckerei von Wienecke, Katherinenhofer-Prosp., Nr. 15. 

1891. 


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INHALTS-VERZEICHNISS. 

(Die mit * bezeichnten Zahlen beziehen sich auf Original-Arbeiten, die eingeklammerten anf die russische Literatur-Beilage) 


-A.. 

Abducens, s. Nervus abducens. 

Abführmittel f. Kinder 28. 

Abscess, Behandl. tuberculöser — e. 
m. d. Heisswasserstrahl etc. 392. 

Accumulator d. — en i. Dienste d. 
Laryngologie 219. 

Aerztetag d. Gesellschaft livländischer 
Aerzte 304, 332, 467, 476. 

Aether, — injectlonen b. Gallenstein¬ 
kolik 28. 

Aethylenum bromatum b. Epilepsie 348. 

Agaricinsäure, schweisswidrige Wirk, 
d. — 266. 

Akinesia algera, tib. — 392. 

Akne, Salbe gegen — 9. 

—, Behandl. d. — mit heissem Was¬ 
ser 79. 

—, Schftlpasta b. — 126. 

Akranius, Demonstr. eines — 86. 

Akromegalie u. Akromikrie 897* 409*. 

—, Fall v. — 443. 

Aktinomykose — d. Menschen 104. 

—, Anwönd. Koch’scher Injectionen 
b. — d. Menschen 113. 

—, Fall v. primärer Darm — 206. 

Albuminurie, b. Gebrauch v. Bal¬ 
sam 9. 

—, z. Kenntn. d. cyklischen — 146. 

—, Fall v. periodischer — 191, 349. 

—, üb. phvsiol. — 199, 349. 

—, b. Syphilis (22). 

Algesimeter, ein neuer — 216*. 

Alkalien, Einfl. d. — auf d. Galle 
62, 81*. 

Alkohol, d. d. — hervorgeruf. psych. 
Veränder. 9. 

—, Einfl. d. — s. auf d. Magen¬ 
verdauung 96. 

—, Ein wirk. d. — s. a. d kindlichen 
Organismus 247. 

—, als Sparmittel f. Eiweiss 366. 

—, tib. —lähmung (6). 

Alkoholismus, z. Therapie d. — (17). 

—, Behandl. d. chron. — m. Stry¬ 
chnin (lö). 

Amenorrhoe, Fall v. mechan. Behandl. 
chlorotischer — 271*. 

Ammenwesen, gesetzliche Bestimm, 

nb; d. — »1. 


Sach-Riegister. 

Ammonium bromatum b. Epilepsie 
208. 

Amputation, z. Technik d. —en u. 

Exarticulationen 263. 

—, d. Oberschenkels n. Sabanejew 

( 21 ). 

Anaemie. Blutuntersuch, b. — 1*. 
416. 

—, üb. intravenöse Kochsalzinfusionen 
b. acut. — 488. 

Anaesthesie, Anwend, flüssiger Koh¬ 
lensäure z. localen — 358. 
Aneurysma, Heil. d. — durch Erzeu¬ 
gung weisser Thromben 77. 

—, Fall v. — d. Aorta 266. 

—, z. Gasuistik d. — d. Aorta 368*. 

—, Fall v. — d. Aorta ascendens (19). 
Angina pectoris, Nitroglycerin b. — 
18. 

Anilinfarbstoffe als Antiseptica etc. 
85, 145. 

—, s. a. Pyoktanin Methylenblau. 
Anode, d. kataphorische Kraft d. — 
435. 

Anthrax s. Milzbrand. 

Antipyrese d. — b. acuten Infections- 
krankh. i. Kindesalter (15). 
Antipyrin b. Geburtswehen 79. 

—, b. Hemeralopie 86. 

—, u. Ammon, brom. b. Epilepsie 
208. 

—, calorimetr. Unters, üb. d. Wirk. 

d. Chinins u. — 8 414. 

—, b. Diabetes insipidus (27). 
Antiseptik, intestinale — b. Brombe- 
handl. 192. 

—, bakteriol. Untersuch, üb. — b. d. 
Geburt etc. (19). 

Antiseptol, Ersatz f. Jodoform 332. 
Antrophore 36. 

Anurie, Fall v. hysterischer — 886. 
Aorta, Ruptur d. — 264. 

—, Fall v. Aneurysma d. — 265. 

—, z. Casuistik d. Aneurysmen d. — 
363*. 

Apfelwein (86). 

Apotheken, Üb. d. Stellung d. — (5) 
—, soll d. Landschaft — eröffnen? 
(16). 

Aristol, Anwend. v. Jodlösung u. — 
i. d. Chirurgie (24). 


Arsen, — melanose 18. 

Arsenik — innerlich gegen Warzen 
394. 

Arteria hyaloidea persistens, Fall v. 
- ( 12 ). 

— centralis retinae, Fall v. Embolie 
d. — etc. (31). 

Arterienspannung, Herabsetz. d. — 
b. Lungenkranken 386. 

Arthritis, s. Gelenk, Gicht. 

Arthrodesis, 2 Fälle v. — 406. 

Arzt, inwieweit ist die Weigerung 
eines —es, einen Patienten zu be¬ 
suchen, ein Vergehen? (20). 

—, 25jähr. Thätigkeit d. —e, d. d. 
Kais. med. chir. Academie 1865 
absolvirten (26). 

Aseptinsäure, üb. d. Anwend. d. — 
122. 

Asphyxie, Anwend. d. Donders’schen 
Gesetzes z. Erklär, d. — (29). 

Astasie — Abasie üb. — 858. 

Asthma, Verordnung gegen — bron¬ 
chiale 416. 

Ataxie, Sensibilitätsstörung u. —153. 

Atherom, heterotopische Entwickel. 
eines — s (10). 

Atropin, sedative u. hypnot. Wirk, 
d. — u. Duboisin 135. 

—, b. Halsstarre 416. 

Auge, Fall v. Fremdkörper i. — 
(Elektromagnet) 276. 

—, Fall v. Lepra d. —s 298. 

—, Fall v. Filaria i. menschL — 394 

—, üb. d. Einfl. vasomotor. Nerven 
b. Erkrank, d. — n (25). 

—, eigenthttml. Verletzung d. —s (34). 
Fall v. epibulbärem Melanosarkom 
d. —s (34). 

Angenheilanstalt, Bericht üb. d. — 
zu Odessa (25). 

Augenheilkunde, Lehrb. d. — 44. 

—, Beiträge z. — 248. 

—, Lehrb. d. — 286. 

Augenkrankheiten n. Influenza (4). 

—, Beobacht, üb; — i. Perm’schen 
Gouv.-Hospital (4). Beobacht, tib. 
-(12). 

—, Bericht üb. d. — im Wladimir- 
schen Gouv. - Landschaftshospital 
(26). 


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rr 

Augenlid, Ulcus d. ob. —es 8. 

—, üb. —Kantenoperation etc. 189. 
—, Ulcus rodens d. —er (25). 
Augenmuskeln, directe Galvanisation 
d. — 20. 

—, üb. d. Anwend, starker Prismen 
b. —lähmungen (12). 

Auscultation d. kindl. Herzens 69. 
Ausstellung, d. medicin. u. hyg. Ab¬ 
theil. d. wissensch.-gewerbl. — zu 
Kasan (28). 

B. 

Bacillus pyocyaneus, Culturen v. — 
265. 

Bäder, Einfl. aromatischer — auf As¬ 
similation und Stickstoffwechsel (3). 
—, Einfl. d. Salz— auf d. Fett¬ 
assimilation (2). 

—, Einfluss v. Salz—n auf d. Stick¬ 
stoffumsatz etc. (13). 

—, Einfl. heisser Luft— a. d. Assi- 
milat u. d. N—Umsatz (32). 
Bakterien, über eiterungerregende 
Stoffe in d. —zelle 69. 

—, Diagnostik d. — 207. 

—, üb. d. Bedeut, d. Leukocyten b. j 
Infection d. Organismus d. — 356. . 
—, Einfl. d. Dämpfe aetherischer 
Oele a. d. — d. Typhus, d. Tuber- \ 
culose u. d. Milzbrandes (18). 

—, d. Einwirk. d. Lichtes a. — (34). 
Balantidium coli, Fall v. — (1), (24). 
Balneotherapie 332. 

Bauch, z. Wahl d. Einstichstelle b. 

d. Paracenthese d. —höhle 206. 

—, Abscess d. vorderen —wand (1). 
—, üb. d. extraperitonealen Eiterung. 

d. —Becken Wandungen (10). 
Bauchfell s. Peritoneum, Peritonitis. 
Becken, Mater, z. Therapie d. Geburt 
b. engen — (29). 

—, üb. Schwank, d. — maasse b. 

Gebärenden etc. (34). 

Belladonna b. Pavor noctumus 257. 
Benzin b. Trichinose 182, 208. 

Bericht d. Ammen- u. Kinderasyls d. i 
Gr. Kuschelew-Besborodko 37. 

—, d. Baracke d. Rothen Kreuzes auf 
den NamenKaiser Alexander 11.(11). 
—, d. Chirurg. Abtheil. d. Gouv.- 
Landsch.-Hospitals i. Perm (11). 

—, d. Moskauer ophthalmologischen 
Gesellschaft (12). 

—, über eine Reise durch Persien j 
(13). 

—, d. gynaekolog. Abtheil. d. St. Pe- 
tersb. Gebäranstalt (20). 
Bienenstiche, multiple — 188*. 

—, Seesalz gegen — 358. 

Bismuthum salicylicum als Antiseptic. 
f. d. Intestina 28. 

Blausäure, üb. Cyanmethaemoglobin u. 

d. Nachweis d. — 433. 

Blei, Fall v. —lähmung 275, 293. 

—, d. —gewinnung u. Fabrikation v. 

— Präparaten i. sanit. Bezieh. (31). 
Blepharospasmus, zeitweilige Blind¬ 
heit nach — (11). 

Blindheit, transitorische — b. Keuch- , 
husten 208. j 


Blindheit, zeitweilige — nach Ble¬ 
pharospasmus (11). 

Blut, —Untersuch, b. d. d. Phthisis 
etc. bedingt. Anaemie l*. 415. 

—, Verhältniss d. Oedeine z. Hä¬ 
moglobingeh. d. —es 246. 

—, d. weissen —körperchen 289*. 
—, üb. d. Bedeut, d. weissen —kör¬ 
perchen b. Infection d. Organismus 
m. Bakterien 356. 

I —, z. Kenntn. d. Krankh. d. —es 404. 
—, z. Morphol. d. —es b. croupöser 
Pneumonie (1). 

—, z. Morphol. d. —es b. Febris 
recurrens (2). 

—, üb. —untersuch, b. Febris recur¬ 
rens (15). 

1 —, üb. d. morpholog. Veränder. d. 
j —es b. Injectionen d. Koch’schen 

Flüssigkeit (23). 
j — , s. a. Hämoglobin. 

| —, Verhalt, d. Gefässwand b. d. 

Auswander, der weissen —körper- 
| chen 443. 

Blutung, üb. gastro-intestinale —en 
65*. 

—, üb. —en nach Tracheotomie 257. 
—, Fall v. Lungen— bei einem 
Neugeborenen 266. 

—, Fall v. —en aus Ohren, Nase und 
Augen 358. 

Borax b. Epilepsie. 145. 

Borsäure, über die therap. Verwerth. 
d. — etc. 366. 

Brausemischung als Schlafmittel 386. 
Brustdrüse, Hypertrophie d. — 386. 
—, Tuberculose, d. — 415. 

—, Metastasenb. Carcinomd. — 416. 
Brustwarze, Mittel gegen Risse d. —n 
9, 28, 71, 219. 

Bursitis mucosa subiliaca (2). 
Butylchloralhydrat als Antineuralgi- 
cum 145. 

c. 

Cactin, — b. Herzkrankh. 385. 
Calomel, Anwend. d. — z. Schmier- 
cur b. Syphilis 386. 

—, b. Typhus abdominalis (28). 
Camphorsäure als schweisswidriges 
Mittel 227. 367. 

Cantharidin, d. Wirk. d. Salze d. — s 
b. Tuberculose 77, 211*. 

—, Bemerk, üb. d. —saure Kali (20). 
Carbolsänre, zerstäubte — b. einge¬ 
klemmt. Hämorrhoiden 114. 
Carcinom, d. charakteristische Orga¬ 
nismus d. —s 111. 

Castration, z. Casuistik d. — 323. 
i Catgut, üb. —infectionen b. trockener 
Wundbehandl. 190. 

Chemie, Lehrb. d. physiol. — 59. 
Chinin, Verdeckung d. —geschmacks 
192. Fall v. —amaurose 192. 

— calorimetr. Unters, über die Wirk. 

d. —s u. Antipyrins 414. 

—, z. -amaurose (11). 

—, üb. d. spec. Wirk. d. —s bei 
Malaria (21). 

I —, cutane Application d. —s bei 
Kindern (21). 


Chinin, üb. d. Einfl. d. —s a. d. Bild. 

v. Granulationsgewebe (23). 
Chloräthyl, üb. — (22). 

Chloralhydrat gegen Milzbrand 267. 
—, b. Keuchhusten 416. 

Chloroform, Aufnahme u. Vertheil. d. 

—s i. Organism. 28. 

—, Fall v. —tod 28. 

—, —wasser b. Pseudocroup 267. 
—, üb. d. Einfl. d. —sa. d. Erschei¬ 
nen v. Eiweiss i. Harne (17). 
Chlorose, Behandl. d. — m. Ader¬ 
lässen u. Schwitzcuren 316. 

—, Stickstoffumsatz bei d. — (5). 
Cholera, Salol b. — 37. 

—, üb. Wesen u. Behandl. der — 
infantum 236. z. Prophylaxis u. 
Therapie d. — infantum 236. 

—, Theorien üb. Entstehung u. Ver¬ 
breit. d. — u. d. Typhus abdo¬ 
minalis (2). 

—, die in Russland projectirten Maass¬ 
nahmen gegen d. — (28). 

Chorda dorsalis, Ent Wickel, d. — 97. 
Chorea, Exalgin b. — 145. 

—, kann d. Schule f. d. Auftreten 
v. — minor verantwortlich gemacht 
werden? 237. 

—, z. Symptomatol. d. — (23). 
Chorioidea, Colobom d. — (4). 
Circulation, üb. Störungen d. — 276. 
Cocain b. Geburtswehen 79. 

Collaps, Verordnung gegen — 145. 
Collodium cantharidale, Bereitung d. 
— 324. 

Colobom d. Aderhaut (4). 
Compressen, heisse — b. chron. Ent¬ 
zündung 228. 

Conjunctiva, Schleimpolyp d. —bulbi 
(31), eine Cilie unter d. —bulbi 
(34). 

Conjunctivitis, Fall v. croupöser — 
(34). 

Congress, IV. — russischer Aerzte 
20. (6). (13). (19). 

—, X. — für innere Medicin zu 
Wiesbaden 276. 

—, Dermatologen— zu Leipzig 358 
Copaivabalsam b. Lebercirrhose (22). 
üb. — (32). 

Cornea, üb. d. n. Staarextractionen 
auftretende Trübung d. — 332. 

—, die Nerven d. — (11). 

Croup, z. Behandl. d. — 228. 

—, Chloroformwasser b. Pseudo—267. 
Cystoskopie, Atlas d. — 357. 

TD. 

Darm, Dünn — Verdauung etc. 36. 
—, üb. Magen — blutungen 65*. 

—, z. Frage d. localen Meteorismus 
b. —occlusion 168. 

—, Fall v. Syphilis d. —es 171. 

—, üb. Anastomosenbild. zwischen 
versch. Theilen d. Magen—tractus 
182. 

—, Fall v. primärer Aktinomykose d. 
—es 205. 

—, z. Fr. v. d. —steinen (21). 

—, s. a. Duodenalgeschwür, Hämor¬ 
rhoiden, Ileus, Perityphlitis, Rectum. 


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I 


Darm, üb. d. pliysiol. Bedeutung d. 
—saftes 433. 

Dermatol, üb. — 246, 248, 340, 342, 
376. 460. 

Dermatomyositis acuta 95. 
Desinfection, die Moskauer städtische 

— skammer (13). 

—, d. — d. pathol.-anat. Instituts 
des städt. Barackenhosp. (27). 
Diabetes, Sulfonal b. — mell. 9. 

—, Stickstoffwechsel b. — mellitus (3). 
—, Wirk. d. Syzygium jambolanum 
b. — mellitus (3). 

—, üb. d. Einfl. d. Syzygium jam¬ 
bolanum b. — mellitus (17). 

—, über syphilit. — insipidus (17). 
—, Fall v. Polyneuritis b. — melli¬ 
tus (24).- 

—, Antipyrin b. — insipidus (27). 
—, s. a. Zucker. 

Diagnostik, bakteriologische — 20T. 
Diarrhoe, Flores rosarum b. chron. 
—n 136. 

—, Salol b. — d. Kinder 386. Milch¬ 
säure b. — 386. 

—, Heidelbeeren (Vaccinium myr- 
tillus) b. — 442. 

Diazo-Reaction, z. klin. Bedeut, d. — 
111. 

Diphtheritis, z. Therapie d. — (3). 
—, Chromwasser b.— 114. 

—, Ti. nicotiana empyreumatica b. 

— 114. 

—, Erfahr, üb. Intubation b. — 294. 
—, üb. d. Behandl. d. — i. d. Pri¬ 
vatpraxis 294. 

—, z. Behandl d. — 303. 

—, z. Behandl. d. — 324, (32). 

—, Entwickel. und Verlauf d. — in 
Rostow a. D. (16). 

—, z. Fr. v. d. Mitteln zur Behandl. 
d. — (22). 

—, Tracheotomie b. — der Kinder 
(27). 

—, Salzsäure b. — 424. 

—, Methylenblau b. — 435. 

Diuretin s. Theobromin. 

Duboisin, sedative u. hypnot. Wirk. 

d. Atropin u. — 135, 315. 
Duodenalgeschwür 27. 

—, üb. d. runde — 327*. 
Dysenterie, üb. d. Pathogenese d. — 
amöben 207. 

—, z. Behandl. d. — m. Spülungen d. 
Dickdarms (3). 

—, Fall v. intermittirender — (23). 
Dysmenorrhoe, d. Behandl. d. — 365. 

E. 

Echinococcus, durchbrechender — d. 
Leber 45. 

—, retroperitonealer — 274. 

— d. Gehirns 364*. 

—, vereiterter Leber— (2). 

—, — multilocularis d. Leber (20). 
—, d. Muscnlus latiss. dorsi (27). 
Eiermilchsuppe b. Diarrhoe etc. 359. 
Eisen, üb. d. jetzigen Stand der —frage 
73*, 97. 

—, üb. resorbirbare — präparaet 
439*, 444. 


V 


Eisenbahn, a. d. Sanitäts-Statistik d. 
—en etc. (13). 

Eiter, über d. blauen — u. s. Mikro¬ 
organismen (3). 

Eiweiss, — gehalt pathol. Flüssigk. 
35. 


Eklampsie, Frühgeburt wegen — 8. 

—, b. d. Geburt u. im Wochenbett 

( 6 ). 

Ektropium, Verfahren b. — d. un¬ 
teren Lides u. Blepharitis 173. 

Ekzem, Pilocarpin b. chron. — 267. 

Elektricität, Behandl. d. Uterusmyome 
m. (19). 

Elektrisirung, directe — der Augen¬ 
muskeln 20. 

—, neue Methode d. direct. Magen— 
285. 


Elektrolyse u. Katalyse 227. 

—, d. — i. d. Chirurg, d. Nase u. 
d. Kehlkopfs (21). 

Elektromagnet, Extract. ein. Fremd¬ 
körpers a. d. Glaskörper m. d. —en 
27. 

—, Anwend. d. —en bei Fremdkör¬ 
per i. Auge 276. 

Elektrotherapie s. a. Galvanisation. 

Elephantiasis, Fall v. — 172. 

Embolie, Fall v. — d. Art. centr. re¬ 
tinae etc. (31). 

Empyem s. Pleuritis. 

Endokarditis, üb. experiment. bakte- 
ritische — 286. 

—, acuta ulcerosa idiopath. (27). 

Endometritis, primäre tuberculöse — 
(21). 

Entropium, üb. —Operation. (25). 

Enuresis nocturna, d. manuelle ße- 
handl. d. — 414, (23). 

Ephedra vulgaris, z. Wirk. d. — (27). 

Epicystotomie s. Harnblase. 

Epidemie, d. letzte Influenza — (13). 
! —, üb. d. Ursach. d. Pocken —n u. 
i Vaccination (20), (34). 

—, d. Influenza— i. d. Garnison v. 
Riga (28). 

—, d.Influenza—des Winters 1889/90 
Beilage *. 

—, Verbreitungsweise dreier —n i. 
Dorpat 423. 

Epilepsie, Fall v. «ansteckend«*» — 
57*. 

! —, Borax b. — 146. 

! —, Antipyrin u. Ammon, bromat. 
' b. — 208. 


—, z. Behandl. d. — (Status epi- 
lept.) 267. 

—, Aethylenum bromatum b. — 348. 
—, Fall v. partieller —n. Hemiplegie 
350. 


; —, d. Behandl. d. — mit Hypnotismus 
' 403*, 404*, 460*. 

' —, üb. Hemiparesen b. — (7). 

—, üb. Blutcirculation im Gehirn b. 
| - (23). 

; —, Verhalt, d. Patellarreflexe b. ex- 
perim. — (23). 

Epispadie, Fall v. — 60. 

| Erbrechen, Mittel gegen — d. Schwan- 
I geren (Kreosot) 118. 
i —, Fall v. — d. Schwangeren m. 
I Ikterus (24). 


Ergotin b. chron. Gonorrhoe 113. 

—, z. subcutanen Anwend. d. — 367. 

Erhängen, d. Todesursache b. — (31). 

Ernährung, d. — d. gesunden und 
kranken Menschen 388. 

—, Versuch einer — v. Kranken n. 
d. Gasthaussystem (22). 

-, Methode d. künstl. — d. Säug¬ 
linge i. Auslande (29). 

—, Üb. d. Wachsthum d. Säuglings u. 
d. — desselb. m. Kuhmilch 434. 

Erstickung d. eine Ascaride (29). 

Erysipel, eitrige Kniegelenkentzünd, 
b. — (23). 

—, Fall v. Verschwinden einer Pa¬ 
rotitis d. — (27). 

—, z. Behandl. d. — s (27). 

Erythema nodosum 87. 

Erythropsie, zur Lehre v. d. — und 
Xanthokyanopsie (12). 

Eserinum, Wirte, d. — sulfur. u. 
salicyl. a. Accomodat. u. Pupille 
(36). 

Eukalyptol b. Tuberculöse 172. 

Enphorin, üb. — 182. 

Europhen, üb. — 322. 

Exalgin b. Neuralgien etc. 52, 

—, b. Chorea 145. 

Exarticulation, z. Technik d. Ampu¬ 
tationen u. —en 263. 

Extremität, congenit. Mangel d. obe¬ 
ren —en (27). 

F. 

Fabrik, über die Morbiditätsverhält¬ 
nisse i. d. Papier—en 358. 413. 

—, — medicin u. Landschaftsmedicin 
(16). Organisation d. —medicin 
(16). 

—, z. Fr. d. Sanitätscontrolle d. — en 
(28). 

Favus, Einwirk. v. Medicamenten auf 
Culturen v. — und Trichophyton 
219. 

—, Mittel gegen — 886. 

Febris recurrens s. Typhus recurrens. 

Ferienkolonien i. Anslande u. i. Russ¬ 
land (16). 

Fett, Methode d. Darreichung v. —en 
i. grossen Quantität. (31). 

Fibula, angeb. Luxation d. — 36. 

Fieber s. Antipyrese. 

Filaria, Fall v. — i. Glaskörper 394. 

Findelhaus, üb. d. Sterblichkeit der 
Zöglinge d. —es 335*, (22). 

Fischgift, üb. das Wesen d. —es 340, 

( 22 ). 

Flores rosarum bei chron. Diarrhoen 
136. 

Fractnr, d. Grenzen d. Immobilisirung 
u. d. Nutzen v. Bewegung b. d. 
Behandl. v. —en (10). 

—, Fall v. indirecten Schädel — en 
etc. (11). 

Frauenkrankheit, Diagnostik d. — en 
274. 

Fremdkörper, Extract. v. —n aus der 
Nase 37. 

—, über operat. Behandl. d. — in 
d. Paukenhöhle 208. — i. Auge. 
276. 


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fl 


Fremdkörper, i. Oesophagus (3), (2 7). 
—, i. Rectum (31), i. d. Urethra (33). 
Frühgeburt wegen Eklampsie 8. 
Furunkel, Behandlungsmeth. d. — 435. 
Fussschwei8se, Holzgeist bei —n 20. 
Liquor ferri sesquichlor. b. —n 86. 

ö. 

Gallaktophenon, d. — als Ersatz d. 
Pyrogallols 432. 

Galle, Einfl. d. Alkalien auf d. — 
62, 81*. 

Gallenblase, Ruptur d. — etc. 274. 
Gallenstein, Aetherinject. b. —kolik 
28. 

Gallenwege, eitrige Entzünd, d. — 
d. Injection v. Bakterium coli 228. 
—, eitrige Entzünd, d. — 275. 

—, üb. d. Einfl. d. Ligatur d. — a. 

d. Stoffwechsel (31). 

Gangrän, üb. arteriosklerotische — 
384. Ueb. symmetrische — 385. 

—, Fall v. symmetrischer — d. 

Unterschenkel (3). 

—, üb. symmetrische — (13). 
Gardone-Riviera a. Gardasee 170. 
Gastrostomie b. Undurchgängigkeit d. 
Oesophagus (17). 

Gebiss, Feststell, d. Identität durch 
ein künstl. — 394. 

Geburt, Therapie d. Schwangerschaft 
u. — b. Fibromen d. Uterus (17). 
—, bakteriol. u. experiment. Unters. 

üb. Antiseptik b. d. — (19). 

—, Mater, z. Therapie d. — b. engen 
Becken (29). 

Geburtshilfe, Lehrb. d. operat. — 287. 
Geburtswehen, Cocain u. Antipyrin b. 

— 79. 

Gehirn, Schussverletzung d. —s 28. z. 
Casuistik d. —abscesse 39*. z. Ca- 
suistik d. Tumorend. kleinen —s 61. 
—, üb. primäre, acute —entzünd. 198. 
—, Erkrank, d. Mittel—region 207. 
—, Entfern, einer Hälfte d. grossen 
—s b. Hunde 207. 

—, Bedeut, d. Gesichtsfeldunter- b. 

—krankheiten 2b5. 

—, Echinococcus d. —s 364*. 

—, Erkrank, i. Gebiet d. —Schenkels 
(2). 

—, Einfl. einiger Nervina auf d. Circu- 
lation i. — (3). 

—, z. Pathogenese d. Muskelatrophien 
b. —erkrankung (6). 

—, s. a. Pons Varoli, Meningitis. 

—, —Verletzungen u. Körpertempe¬ 
ratur 421. 

Geisteskranke, üb. d. Thätigkeit d. 

Magens b. —n 261*. 

—, Bericht d. Privatheilanstalt f. 

— a. d. Erdberge bei Wien 357. I 
—, Unterbringung —r in Irrenan- j 

stalten (7). 

Geisteskrankheit, —en i. der Schule i 
303. 

—, üb. d. Rolle d. Individualität i. 1 
d. Entwickel. v. — en (7). 

—, üb. d. Einfl. v. Erkrank, d. Ge- . 
hörorgans auf d. Entwickel. u. d. 
Verlauf v. — en (7). i 


Geisteskrankheit, in Folge od. in Er- 
1 wart, eines Trauma (14), (24). 

I —, Fall v. — n. croup. Pneumonie 
(28), s. a. Irresein. 

Geistesstörung, Sachverständigen-Thä- 
1 tigkeit b. —en 7. 

Gelenk, üb. d. Indicationsgebiet der 
—resectionen 89*. 

—, üb. — erkrankungen b. Tabes 
dorsalis 96. 

, —, —Veränderungen b. Syringo¬ 
myelie 135. (23). 

' —, Resection d. — pfanne d. Hüfte 
1 b. sept. Epiphysenßnienentzttndung 
1 159. 

| —, Ankylose d. Ellenbogen—es m. 
Muskelatrophie (2). 

—, üb. Muskelatrophie b. —leiden 

i (6). 

-, üb. bisher nicht aufgeklärte 
| —entzündungen (14). 

—, Fall v. eitriger Knie—sentzün- 
| düng b. Erysipel (23). 

, —, s. a. Gicht, Arthrodese. 

I Gelenkrheumatismus, üb. d. Selbstän- I 
I digk. d. Fiebers b. — 382. 
i Gelenktuberculose s. Tuberculose. 

Genitalien, Einfl. d. Entfern, d. — a. ! 
I d. Stoffwechsel (34). 

Geschlecht, üb d. Vertheil. d.—er i. 

I verschied. Ländern (20). 

Geschoss, —Wirkung der Kleinkaliber- 
' gewehre 19. 

—, üb. d. zerstörende Wirk, d.jetzigen 
I -e (13). 

Geschwür, Natr. sozojodolic. b. Unter- 
| Schenkel-en 113. 

—, z. Behandl. d. varicösen Bein- 
1 —e 145. 

, — salbe f. Unterschenkel—e 394. 
—, z. operat. Behandl. v. Unter¬ 
schenkel—en (11). 

—, s. a. Magengeschwür, Duodenal¬ 
geschwür. 

' Gesichtsfeld, d. — d. Epileptischen 
1 u. d. geboren. Verbrecher 180. 

—, d. Bedeut, d. — untersuch, b. Ge- 
hirnkrankh. 265. 

Gicht, Mittel gegen d. Schmerz b. — 
28. 

—, d. — u. ihre Behandl. 323. 

Gilles de la Tourette’sche Krankheit, 
Fall v. — 341. 

Glaukom, z. Prognose d. — Operation 
(11). 

—, z. Fr. d. Heilbarkeit d. — s (26). 
—, Fall v. traumat. — (31). 

! Glüheisen, d.—i. d. Gynaekologie(34). 

! Glyceria fluitans s. Manna. 

Goldchlorid, z. Behandl. d. Tubercu¬ 
lose m. — (24), (28). 

Gonokokken, üb. d. Vorkomm. v. — 
b. chron. Urethritis 208. 

Gonorrhoe, Ergotin b. chron. — 113. 
—, üb. chron. u. latente — 379*, 
406, 445. 

—, Behandl. d. — m. Seewasser 
406. 

—, z. Therapie d. acut. — (24). 

—, z. Lehre v. d. — 442. 
Granulationsgewebe, üb. d. Einfl. d. 
Chinins a. d. Bildung v. — (23). 


Graviditas extrauterina s. Schwanger¬ 
schaft. 

• Guajacol, Behandl. d. Tuberculose m. 

— 414. 

Guttapercha, pharmaceut. Verwen¬ 
dung d. — 324. 

K. 

Haarwuchs, Mangel d. — es 27. 
Hämatokrit, d. — v. Hedin 386. 
Hämoglobin, Einwirk. (L Milzzellen 

a. d. — 256. 

Hämophilie, Fall v. renaler — 113. 
Hämorrhoiden, zerstäubte Carbolsäure 

b. eingeklemmten — 114. 

| —, z. Behandl. d. — 190. 

! — Salbe b. schmerz. — 416. 

! —, üb. d. Ligatur b. — blutungen (14). 
—, Klysmata b. — 435 
Haloiva, ein Substitut d. Chinins 386. 
Halsstarre, Atropin b. — 416. 
Handwörterbuch d. gesammt. Medicin 
112. 

Harn, Modificat. d. Gährungsmethode 
z. Bestimm, d. Zuckers i. — 256. 
—, Ehrlich’s — probe b. Typhus abdo¬ 
minalis 257. 

—, annähernde quant. Zuckerbestimm, 
i. — 350. 

—, pilztödtende Wirk. d. frischen —s 
406. 

—, eigenthüml. Pilzvegetationen i. 

— 416. 

—, Auftreten v. Eiweiss i. — b. 

Chloroformiren ('7). 

—, s. a. Albuminurie, Diabetes. - 
Harnblase, 2 Fälle v. Bauch — nspalte 
125. 

—, Methylenblau b. Erkrank, d. — 
286. 

—, z. Frage d. Hernien d. — (3). 

—, d. — nsteinkrankh. i. Kaukasus 
(11). 

—, Zertrümmerung v. — nsteinen. 
(Lithotripsie, Lithoplaxie) b. Kindern 
(14), (27). 

—, z. Beurtheil. d. hohen — nstein- 
schnittes ( 4). 

—, Klin. Beobacht, üb. d. Behandl. 
d. —n Scheidenfisteln (20). 

| —, z. Casuistik d. Tumoren d. — (22). 
—, Material, z. Beurth. d. mitt¬ 
leren — nsteinschnittes (24). 

—, z. Statistik d*—nsteinschnittes(25). 
— s. a. Cystoskopie. 

—, z. Fr. d. —nsteinschnitt-Methode 
(32), 2 Fälle m. mittlerem —stem- 
schnitt (33). 

Harnfistel, z. Therapie d. callösen 

— n (10). 

Harnwege, z. Kenntniss d. Tuberculose 
d. - (1). 

Haut, üb. d. Pathogenese d. Pigmen- 
tirungen u. Entfärbungen d. — 302. 
üb. Anat. u. Entwickel. d. — Pig¬ 
mentes b. Fröschen 302. 

—, s. a. Transplantation. 

—, z. Fr. v. d. Resorptionsfähigkeit 
d. - (31). 

Hautkrankheit, internationaler Atlas 
seltener — n 316. 


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VI 


Heidelbeeren (Vacclnium myrtillns) 
b. Diarrhoe 442. 

Helminthiasis, Verbreit, d. — unt. d. 

Schülern (21). 

—, Naphtalin b. — (24). 
Hemeralopie, Antipyrin b. — 86. 
Hemiatrophia faciei, üb. — 349. 
Fall v. — (23). 

Heraikranie,-Pasta Gnarana b. — 28. 
Hernie, Heftpflasterverband z. Ver¬ 
hütung v. — n u. Laparotomien ln3. 

— incarcerirte Inguinal —, Darm- 
resection, Tod 188*. 

—, Punction incarcer. — n 416. 
Herz, Auscultation d. kindl. —ens 
69. 

— d. Lues d. — ens 218. 

— Entstehung u. Bedeut, d. ge¬ 
spaltenen zweiten — tones 279*. 

— Differentialdiagnose d. Perikar¬ 
dialexsudates u. d. —dilatation 285. 

—, z. Casuistik d. angeborenen — 
fehler 371*. 

—, complic. Klappenfehler d. —ens 
(22). 

—, Wirk. d. Theobrominum natrio- 
salicyl. b. —kranken (27). 

—, s. a. Endokarditis Perikarditis. 
Hilfsbüchlein, ärztliches — 293. 
Höhle, z. Behandl. seröser u. syno¬ 
vialer —n (15). 

Hörrohr, ein nepes — 192. 

Hornhaut, s. Cornea. 

Hospital, d. Stadt — i. d. kleinen 
Stadt, 476. 

Hydramnion, Fall v. — 96. 
Hydrargyrum, - salicylicum b. Syphilis 
31*. —thymolo-aceticum b. Sy¬ 
philis 62. 

—, Behandl. d. Lungentuberculose m. 

—thymolo-aceticum 134. 

—, z. Behandl. d. Syphilis m. sus 
pend. —präparat. (29). 

—, s. a. Calomel, Sublimat. 

—, b. Malleus (31). 

Hydrastis canadensis gegen Nacht- 
schweiss 228, 394. 

Hydrocele, üb. d. Radicalheilung d. 

- (U). 

Hydrocephalus, Fälle v. chron. — beh. 
m. Punction 368. 

Hydrotherapie d. — a. physiol. u. klin. 

Grundl. 44. 

—, Lehrb. d. — 332. 

Hydroxylamin, b. Lupus u. Sykosis 
163. 

Hygiene, d. Methoden d. prakt. — 191. 
—, d. — i. Mittelalter 219. 
Hyperemesis gravidarum, s. Erbrechen. 
Hypnotismus, d. — 19. Einheitliche 
d. — b. Mensch u. Thier 20. 

—, d. —, seine psycho-physiol. etc. 

Bedeut, u. seine Handhabung 349. 
—, d. — u. seine Anwend. i. d. prakt. 
Medicin 367. 

—, d. Behandl. d. Epilepsie m- — 
403*, 404*, 460*. 

—, d. therap. Anwend. d. — (7). 

—, s. a. Suggestion. 

Hysterie, üb. Anästhesie b. — 122. 
—, d. Behandl.d. —Neurasthenie etc. 
227. 


Hysterie, Fall v. — nach Luftdruck - 
veränd. 416. 

; —, Fall v. — m. Taubstummheit 
(19). 

—, d. — unter d. Soldaten (21). 
1 —, s. a. Anurie 

I. 

Ichthyol, b. Schrunden d. Brustwar¬ 
zen 71 

—, Wirk. d. —s b. Frauenkrankh. 
207. 

Ichthyol, i. d. Gynäkologie (19). 

] Ileus, üb. — 415 
! Immunität, Verlust d. — durch 
Hunger 145. 

—, u. Wechsel d. Umgebung 316. 

Index, bibliograph. d. russ medic. 
i Literatur 36. 

| Infection, Fall v. puerperal. — eines 
Neugeborenen 423 

; —, üb. d Bedeut, d. Leukocyten b. 

! — d. Organismus m. Bakterien 

356. 

i —, Fall v. extragenitaler — m. Sy¬ 
philis (24). 

—, Fall v. — m. Milzbrand (31). 

Infectionskrankheiten, üb. grosse 
! Wasserzufuhr b. — 292. 

—, "Antipyrese b acut. — i. Kindes¬ 
alter (15). 

—, Bedingung, f. d. Kampf, m. d. — 

j (16). 

i —, z. Aetiol. d. — i. d. kaukasischen 
Bädern (20). 

I —, Transport infect. Kranker i. Hosp. 

als Mittel i Kampfe m. d. — (22). 

| —, s. a. die einzelnen Infections¬ 
krankheiten. 

I Influenza, Immunität d. Revaccinirten 
j gegen — 9. 

—, üb. Psychosen b. — 145. 

—, Augenerkrankungen n. — (4). 

—, d letzte —epidemie etc. (13). 

• —, d. — i. Moskauer Militär-Hosp. 
1 (19). d. — i. Moskauer- Militär- 

! bezirk (19). 

| —, einige Fälle v. — ausserhalb d. 
Epidemie (20). 

! — Epidemie i. d. Garnison v. Riga 

I (28). 

i —, d. —epidemie d. Wintersl 889/90. 
Beilage*. 

Infusion, subcutane — v. Kochsalz 
162, 170, intravenöse — 433. 

! Intubation, b. acut. Larynxstenose 28. 

| —, Erfahr, üb. — b. Diphtheritis 294. 

Iris, Fall v. Ruptur d. Sphinkters 
d. - (12). 

Irrenanstalt, d. Provinzial — zu Göt¬ 
tingen 304. 

Irrenfreund, d. 160. 

! Irresein, üb. moralisches — 160. 

! —, d. Mystik i. — 383. 

—, üb. d. acuten Formen d. —s(7). 

—, üb. recurrirenden Typus d. —s 
(21). 

1 Isar, d. —winkel, ärztlich-topograph. 
geschild. 442. 

Ischias, Skoliosen nach — 218. 

—, Fälle v. krampfhafter — 228. 


J". 

Jahrbuch, klinisches 8. 

Jod, Verhalten d. u. Salicylpräparate 
bez. d. Ausscheidung etc. 144. 

) —, Nachweis d. — i. Exsudaten 192. 

—, organ. —Verbindungen (Jodopy- 
rin etc.) 332. 

—, Darreich, v. — m. Glykose 386. 

—, Anwend. v. —lösung. u. Aristol 
i. d Chirurgie (24). 

Jodismus, Verhüt, d. — 37. 

—, Üb. acuten — 23 1 *. 

Jodkalium, Anwend. d. —sb. Höhlen¬ 
wunden 26. 

Jodkalium, intern. Anwend d. —s b. 
Höhlenwunden 112. üb. —wirk. u. 
Combinirung d. Koch’schen Methode 
m. intern. —behandl. 112. 

Jodoform, Mittel gegen d. —geruch. 
9, 145. 

—, — injectionen b. weichen Kröpfen 
367. 

—, Behandl. d. Tuberculose m. — u. 
Hundeblutserum 386. 

k: 

Kaiserschnitt, — n. Porro wegen 
engen Beckens 9. 

—, z. Fälle v. — (3,8). 

Kalender,Reichs-Medicin.— f. Deutsch¬ 
land 466. 

Kali bichromicum, b. Diphtheritis 114. 

— hypermanganicum als Gegenm. 
d. Phosphors 460. 

Kalk, Gyps, u. Ceraentfabrication 
i. sanitärer Hinsicht (13). 

Kapselpincette, eine neue —* (9). 

Kartonfabrikation üb. — i. sanitärer 
Bezieh. (31). 

Katarakte, üb d. nach—extractionen 
auftretende Hornhauttrübung 332. 

—, z. Frage d. —extraction ohne 
Iridektoraie (8), (12). 

—, Ber. üb. 300 —Operationen (12). 

—, Extract, einer — b. Morbus Ba¬ 
sedow» (25) 

—, Bericht üb. 97 -extractionen i. 
d. Landpraxis (25). 

Katheter a demeure (14). 

Kawa—Kawa, z. Pharmakognosie d. 
- (19). 

Keuchhusten, ein werthvolles Mittel 
gegen — (thymus vulgaris) 180. 
367. 

—, transitorische Blindheit b. — 208. 

- , Mischung z. Pulverisation b — 
376. 

—, Chloralhydrat b. — 416. 

Kind, Fürsorge f d. ausgesetzten —er 
(16). 

Klumpfuss, s. Pes varus. 

Klysma, üb. d. Nährwerth d. Eier- 
—ta 198. 

—, Eier u. Kochsalz f —ta 386. 

—, Anwend, defibrinirt. Blutes i. — 
406. 

—, — gegen Oxyuris 416. 

—ta, b. Hämorrhoiden 435. 

Knochen Verarbeitung, i. sanitärer 
Hinsicht (3). 


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Kohlensäure, flüssige — als locales 
Anästheticum 358. 

Kolanüsse, z. physiol. Wirk. d. — 
(22). 

—, Kolpokleisis, Fall v. — 443. 
Körpergewicht, d. — als Merkmal j 
f. d. Tauglichkeit z. Militärdienst j 
(13). 

—, üb. Schwankungen d - es u. d 
Temperatur b. Neugeborenen (20). 
Kreosot, b. Erbrechen d. Schwange¬ 
ren 113. 

—, b. Tuberculose 172 
Kreuzbein, Resection d. —s n. Kraske 
i. d. Gynäkologie (15). 

Kropf, Jodoforminjection b. weichem 
— 367. 

—. d. Chirurg. Behandl d.—es 422. 
Krystalle, üb. Charcot’sche — i. Ge- j 
webssafte 207. 

Kumyschka, d. — (28). 

Kurort, Erricht, eines klimat. —es i. 
d. Krim (28). 

Kurpfuscherei — u Wissenschaft 
172. 195*. 

ILi. ' | 

Landschaftsärzte, Daten üb d. (Kon¬ 
gresse d. — (3). 

Laparotomie — b. Tuberculose d. 

Peritoneums 4* 275. 

—, Heftpflasterverband z. Verhütung 
v Bauchbrüchen n. — 153. 

—, Fall v. extrauteriner Gravidität 
geh. durch — 353*. 

—, — b einer Neugeborenen 386. 

35 —n (5) 

—, — b. tubercul Peritonitis u. 1>. 

Neubild, i -Peritoneum (27) 
Lappenbildung, üb. — a. d. Unter¬ 
kinnhaut b Exstirpat. v. Carcino- 
men d. Unterlippe 160. s. a. Trans 
plantation. 

Laryngologie, d. Accumulatoren i 
Dienste d. — 219 

—, Kliu. Atlas d. — u. Rhinologie ■ 
219. 

Laryngoskop, Demonstrations — 424. : 
Laryngospasmus, Verdick, d. Uvula j 
„ als Ursache d. — 359. Riech- j 
mittel b. — 386. 

Larynx, Intubation d. — b. acut 
—Stenose 28. 

—, z. Chirurg. Behandl. d. —tuber¬ 
culose 177*. 

—, Diagnost u. Therapie d. — 257 
—, Krankheit d. Naso u d. — 257. 
—, kann b. —tuberculose durch 
endolaryngeale chir. Behandl. ra- 
dicale Heilung erzielt werden? 264. 
—, üb. (Kombination v. Syphilis u. 

Tuberculose d. — etc. 293. 

—, z Therapie d. membran —Ste¬ 
nosen (10). 

—, s. a. Diphtheritis, Croup, Trache¬ 
otomie, Intubation. 

Latwerge, abführende 9 
Lazareth, d. — a. d. Lande 475. 
Leber, hypertroph Cirrhose d. — 7 
—, Echinococcus d. — 45. 

—, üb. atrophische Stauungs—125 


Leber, Bestimm, d. unt. —randes d, 
Auscultation 238, z. Prognose d. 

— cirrhose 241 # , 

—, üb. d unlösl Grundstoff d. 

Lymphdrüsen u —zellen 247. 

—, Fall v. acuter gelber —atro- 
phie 265, (2). 

—, vereiterter Echinococcus d. — 
(2). 

—, z. Pathol. d.—(2). 

—, z. Prognose d — cirrhose (5). 
—, Echinococcus multilocularis d. 

— (20). 

—, Sarkom d. — m. Fieber. (21) 
—, Copaivabalsam b.—cirrhose (22) 
—, üb. —cirrhose etc (27). 

Leichen, z Fr. d.—conservirung (28). 
Lepra, Fall v. — i. Smolenski’schen 
Gouv. 162. 

—, Anwend. d. Koch’schen Mit¬ 
tels b. — 226, 449*, 460. 

—, neue Färbemethode f —ba- 
cillen 237. 

—, 2 Fälle v. — nervorum 247. 
—, Fall v. — d. Auges 293. 

—, z. Contagiosität <L — 384. 

—, üb. d. — i. Norwegen (5). 

—, Gesellschaft z. Bekämpf, d. — 467. 
—, z. Bakteriol. d. — (31). 
Leproserie üb. d. —n in Norwegen 
345*. 

Leukocyten, s Blut. 

Leukoderma syphiliticum z. Fr. v. — 
(28). 

Leukoplacia buccalis, Milchsäure b. 
— 305. 

Lexikon, therapeutisches — 237 
Ligatur, d. Art u Vena femoralis (2). 
—, Fall v. isolirter — d. Vena 

femoralis 1 23). 

Linse, Luxation d. — (4), (25), Ekto- 
pie d. — (25). 

Lithopaedion 125. 

Lithotomie, Lithotripsile, s.Harnblase. 
Luft, Bestimm, d. CO 2 i. d. — (18). 
—, z. Fr. v. d. Giftigkeit d. Ex- 
spirations — (27). 

—, üb. d. Apparat Schidlowsld’s z. 

Bestimm, d. CO 2 d. — (31). 
Lumpen, z. Regulir. d. —gewerb. (35). 
Lunge, z. Therapie d. —ngangrän 
422. 

—, z. Diagnosed.—cavernen71 
—, Fall v. —blutung b. einem 
Neugebornen 266. 

—, s. a. Pneumonie, Tuberculose. 
Lupus, Hydroxylamin b. — 153. s. 
a. Tuberculose. 

Luxation, angeb. — d. Fibula 36 
, —, — d. Linse (4, 25). 

; Lymphdrüsen, üb. d. unlöslichen Grund¬ 
stoff d. — u Leberzellen 247. 
Lyssa, Behandl. d. —n. d. Pas- 
teur’schen Methode 424. 

im:. 

Mag^n, Ausnutzung d. Nahrung b. 
—kranken 7. 

—, Bez. d. Dünndarmverdaunng z. 

— Verdauung 35. 

—, üb. —darmblutungen 65*. 


Magen, Einfl. d. Alkohols a. d. —Ver¬ 
dauung 96. 

—, z. Kenntn. d. nervösen Dys¬ 
pepsie d.—s. 112. 

—erweiterung a. Ursache d. Neur¬ 
asthenie 113. 

—‘ Hyperästhesie d. —Schleimhaut b. 

Anaemie u. Chlorose 144. 

— üb. Pathol. u. Ther. —katarrhs 
(Gastritis glandul. chron. simpl.) 180. 
—, Fall v. Ulcus u. Carcinum d. —s 

181, 191. 

—, üb. Anastomosenbild. zwischen 
versch. Theilen d. —darmtractus 

182. 

—, z. Differentialdiagnose zwischen 
—gesellwür u. —krebs 190. 

—, üb. einige Erschein, i. Verl. d. 

—geschwüres etc. 206. 

—, z. Lehre v. d. Beweg, d.—s etc. 
237. 

—, üb. d. Thätigkeit d. —s. b. Gei¬ 
steskranken 261*. 

1 —, Fälle v. Carcinom d. —s 266, 267. 
j —, neue Methode d. direct. —elek- 
j trisirung 285. 

| —, üb. —erweiterung n. Duodenal¬ 
stenose 286. 

| —, Pathol. u. Therapie d. Krankh. d. 
Speiseröhre u. d. —s (d. Verdau¬ 
ungsorgane) 316. 

—, Pyoktanin b. —carcinom 359. 
i —, üb. d. Bedeut, d. fehlenden HC1- 
Nachweises i. —safte b. Carcinom 
1 375. 

—, Functionen d. —s b. Nephritis(2). 
—, Innervation d. —driisen (3). 

—, Einfl. d. Rauchens auf d. —thä¬ 
tigkeit (5). 

—, Fall v. partieller Resection d.—s 
wegen Carcinom. (11). 

—, d. Methoden v. Winter, Sjüquist 
u. Minz z. Analyse d.—saftes (17). 
—, klin. Methode z. quantit. Bestimm. 

d. Peptone i. —safte (17). 

—, z. Lehre v. d. Neurosen d. —s 
; (18). 

—, Fall v. —erweiterung geh. d. 

I Massage (22). 

! —, Veränd. d. —saftes b. Gebr. v. 
i Condurango u. N. vomica (23). 

—, üb. d. Ueberg. d. Speise v. — in 
i d. Duodenum etc. (23). 

I —, Wirk. d. Salpeters. Strychnins a. 
d. —functionen (35). 

—, üb. d. Winter’sche Methode d. 

Analyse d. —saftes (31, 32). 

—, z.Kenntnissd. Atrophie d. —Schleim¬ 
haut 466. 

| —, s. a. Gastrostomie. 

: Magerkeit, «kleine» Brust als Ursache 
unheilb. — (18). 

Malaria, üb. d. —lieber Roms 152. 
i — , Entwickel. d. J-amöbe 227. 

—, z. diagnostischen Verwerthung d. 
—plasmodien 286. 

—, z. Parasitologie u. Therapie d.— 
I 297*, 307*. 

' —, Methylenblau b. — 385. 

—, Mikrobien d. acut. u. chron. — 
infection b. Hühnern u. Menschen (ß). 
—, üb. d. Bau d —mikrobien (6). 


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IX 


Malaria, üb. d. spec. Wirk. d. Chinins 
b. - (21). 

—, z. Casuist. d. bösartigen —fieber 
(23). 

Mallein, d. Diagnose d. Malleus mittels 
subcut. Inject, v. — 104, neue Ex¬ 
perimente m. — 393. 

Malleus d. Diagnose d. — mittels 
subcut. Inject v. Mallein 104. 

—, Fall v. chron. — d. Haut (18). 
—, Immunisirung gegen — mittels j 
Inject, sterilis. Culturen (24). 

— d. Menschen behandelt m. Queck- j 
Silber (31). 

Manna d. — (glyceria fluitans) (13). 
Massage, Mechanotherapie(— u. Gym¬ 
nastik) 169. 

—, Abhandl. üb. — 341. 

—, b. Agalaktie (6). 

—, d. Augenlider u. d. Conjunctiva 
(17). 

Mastdarra, s. Rectum. 

Materia medica, moderne — 383. 
Mediastinum, Tumor d. — (2 Fälle) 
276. 

Medicin, Atlas d. gerichtl. —19,311. 
—, Lehrb.d.gerichtl. — 19, 198, 349. 
—, Handwörterbuch d. gesammt. — 
112. 

—, Compendium d. praktischen — 341. 
—, Aufgaben d. russ. — (17). 

Mehl, Methode z. Bestimm, d. Güte 
d. Roggen—s etc. (35). 

Meningitis, Fall v. — basilaris syphi- 
lit. 199. 

—, üb. Kaltwasserbehandl. d. — tu- 
berculosa 203. 

—, z. Lehre v. d. tuberculösen— j 
(21). ! 
Methylenblau, Anwend. d. — b. Cys- j 
titis etc. 286. 

—, gegen Malaria 385. 

—, als Antineuralgicum 405. 

—, b. Diphtheritis 435. 

Mikrocephalie 27. 

Mikrocidin, ein neues Antisept. 342. 
Mikwy, d. — i. Gouv. Grodno (29). 
Milch, Apparat z. Sterilisiren d. —19. 
—, modiftc. — sterilisationsappar. n. 
Eicher ich 37. 

—, tlb. —sterilisirung z. Zwecke der 
Säuglingsernährung etc. 144. 

—, —diät b. Skorbut 160. 

—, Ueberg. v. Eiterkokken i. d.— 369. 
—, condensirte — als Constituens f. 
Emulsionen 359. 

—, Färb. d. Tuberkelbacillen i. d. — 
376. 

—, Behänd], d. —mangels (Agalaktie) 
m. Massage (5). 

—, d. — ihre häuf. Zersetz, u. Ver¬ 
fälsch. etc. 422. 

—, üb. d. Ernährung d. Säuglings m. 
Kuh— 434. 

—, Stickstoffumsatz b. —diät etc. (35). 
Milchsäure, gegen Leukoplacie 305. 

—, b. Diarrhoe 386. 

Milchzucker, s. Zucker. 

Milz, Einwirk. d. —zellen a. d. Hä- 1 
moglobin 256. i 

Milzbrand, Chloralhydrat gegen — 267. | 
—, z. Frage d. Immunität geg. — (17). [ 


Milzbrand, üb. d. Behandl. d. —es m. I 
Fäulnisstoxinen (21). 

—, üb. d. Behandl.-Methoden d. —es : 
(27). 

—, Fall v. Infection m. — d. d. un ] 
verletzte Haut (31). ! 

Mineralquellen, d. — v. Essentuki, ! 
ihre Bedeut, f. d. Gynaekologie j 
(29). 

—, d. — v. Borshom (31). 
Missbildung, Fall v. — 384. 

Morbus Addissonii, Fall v. — (15). 
—, Fall v. — 423. 

Morbus maculosus, Fall v. — 37, 65*. 

. Mord, oder unglückl. Zufall? (29). 

—, Beitr. z. Lehre v. Kindes —e 422. 
Mortalität, d. — i. Dorpat 269*. 

—, üb. d. — d. Zöglinge d. St. Pe- 
tersb. Findelhauses 335*, (22). 
Mumps, s. Parotitis. 

Mund, Mittel gegen Geruch a. d.—e 
28. 

—, üb. Lymphangiome d.—höhle 218. 
—, s. a. Stomatitis. 

Mundfäule, d. — (Aphthae epizoo- 
ticae) b. Menschen (21). 
Mundwässer, 305, 342. 

Muskel, üb. progressive —atrophie 86. 
—, z. Pathol. d. progress. —atrophie 
223*. 

—, z. d. krankhaft. Veränderung, d. 

quergestreift. —faser 276. 

—, Fall v. progressiv. —atrophie 
beh. m. Suspension 342. 

—, Fall v. atyp. progress. —atro¬ 
phie 250. 

—, rechtsseitige —atrophie m. Anky¬ 
lose d. Ellenbogengelenkes (2). 

—, üb. —atrophie b. Gelenkleiden (6), 
z. Pathogenese d. —atrophien b. 
Gehirnkrank. (6). 

Myopie, operative Behandl. d. — 26, j 
172, 199, 251*, 375. 

Myotonie, z. Lehre v. d. — (2z), | 
Fall v. — (22). 

OST. 

Nährboden, üb. Zubereit, einiger — 
(17), (18). 

Naphtalin als Antihelrainthicum (24). 
Nase, Extract. v. Fremdkörpern a. d. 

— 37. 

—, z. Pathol. u. Therapie d. Erkr. 

d. — u. ihrer Nebenhöhlen 69. 

—, üb. adenoide Vegetationen d. — 
96. 

—, Krankh. d.—u. d. Kehlkopfes 257. 
—, Bez. gewisser —n — u. Rachen- ; 

leiden z. Stottern 316. 

—, Bemerk, üb. Hals- u. —nkrank- 
heiten (2). 

—, d. Elektrolyse i. d. Chirurg, d. 

— u. d. Kehlkopfes (21). 

—, Demonstr. einer Prothese d. — 
434. 

—, z. Casuist. d. —nsteine 423. 

—, s. a. Rhino —. 

Natrium sozojodolicum, b. Ulcus cru- 
ris u. Verbrennungen 113. 

Natrium telluricum als schweisswidri- 
ges Mittel 227. 


Nephritis, z. Aetiol. d. acut. — etc. 
286. 

—, Üb. Aetiol., Pathol. u. Therapie 
d. bacillären interstit. — 364. 

—, üb. d. Functionen d. Magens b. 
- (2), (22). 

—, d. histol. Veränder. d. Retina u. 

Chorioidea b. — (8). 

—, Einfl. d. Eieressens a. d. Albu¬ 
minurie b. — (18), (22). 

! —, z. Diagnose d. chron. diffusen — 
(23). 

—, Wirk. d. Theobrominum natrio- 
salicyl. b. — (27). 

| , s. a. Albuminurie. 

| Nephrolithiasjs, üb. d. Behandl. d.— 
427*. 

: Nerv, Färbung d. Markscheiden d. 

I —en 416. 

| —, Bau u. Eigenschaft, d. Axency- 
linders d. —en, d. Axolemmas etc. 

I (7). 

—, üb. d. Einfl. vasomotor. —en b. 

Erkrank, d. Augen (25). 

-, Schwank, d. Sensibilität d. —en 
u. Einfl. v. Kälte u. Wärme (27). 

; Nervenkrankheiten, d. Princip d. An- 

l staltsbehandlung b. — 171. 

' Nervus abducens, Fälle v. primärer 

I intracranieller traumatischer Läh¬ 
mung d. — 389*, (34). 

) Nervus oculomotorius, doppelseitige 
Lähmung d. —- 86. 

i —, recidivirende (periodische) Läh¬ 
mung d. — (Migraine ophthalmi- 
que) 206. 

Nervus opticus, üb. hyaline Bildung. 

i. — u. i. d. Retina (o). 

Nervus radialis, Fall v. Bleilähmung 
d. — 276, 293. 

Nervus trigeminus, üb. eine Reflexer¬ 
scheinung d. — etc. 220. 

Netzhaut, s. Retina. 

Neubildung, Behandl. nicht operabler 
bösartiger —en 50. 

Neuralgie, Exalgin b. —en etc. 52. 
Neurasthenie, Magenerweiterung als 
Ursache d. — 113. 

—, d. — 466. 

—, d. Behandl. d. Hysterie, — etc. 
227. 

—, Varicocele u. — 405. 

, Neuritis, — multiplex b. Diabetes 
mellitus (24). 

Neurose, d. Behandl. d. — n 227, 

—, üb. reflector. — n ocularen Ur¬ 
sprunges (9). 

Niere, Fall v. Haemophilie d. — 113. 
- , Einfl. d. Kleidung a. d. Entsteh, 
d. Wander— 192. 

—, z. Casuist. d. beweglichen — 323. 
393, 394. 

—, Einwirk. d. Albuminate a. d. 

Thätigk. d. — 303. 

—, üb. d. Druck i. d. —n etc. (14). 
—, Fall v. angeb. Mangel (d. — 20). 
—, üb.d. Behandl. d.—nsteinkrankheit 
427*. 

—, s. a, Nephritis, Nephrolithiasis. 

—, s. a. Albuminurie. 

Nitroglycerin, b. Angina pectoris 18. 
Nystagmus, neue Form v. — 267. 


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X 


O. 

Oculomotorius, s. Nervus o. 

Oedem, Verhältn. d. —e z. Hämo- 
globingeh. d. Blutes 246. 

—, 11b. einige Fälle v. —en ohne 
Albuminurie (15). 

Oel, Einfl. d. Dämpfe aetherischer —e 
a. d. Bakterien (18). 

Oesophagitis, exfoliativa 69. 
Oesophagomalacie 171. 
Oesophagotomie, wegen Fremdkörpers 
(3). 

—, d. — b. Fremdkörp. i. Oesophag. 
v. Kindern (27). 

Oesophagus, Perforation d. — durch 
einen Knochen (1). 

Ohrenheilkunde; Lehrb. d. — 248, 
Vorlesung, tlb. — 248. 
Ohrenkrankheiten, d. — i. Ujasdow- 
schen Militärhosp. (18). 

—, Pyoktanin b. — 172. 

Orexin, üb. d. Wirk. d. — s (23). 
Osteomyelitis, d. acute — etc. (1). 
Otitis media, Styron b. — (1). 
Ovarium, Dermoidcyste d. —s 8, 9. 
—, multiloc. Cyste d. -^s 36. 

—, z. Lehre v. d. Dermoidcysten d. 

- (34). 

Oxynris vermicnlaris, Klysma gegen 

— 410. 

3?. 

Paget’sche Krankheit, d. sogen. — 43, 
(24). 

Panaritium, z, Statistik d. —s. (11). 
Pankreas, z. Frage d. — glykosurie (2). 
Paralyse, z. Frage d. Heilung d. pro¬ 
gressiv. — (18). 

Paralysis agitans, z. patholog. Ana¬ 
tomie d. — 166*. 

Parasiten, Qnassia gegen — 192. 
Parotitis b. croup. Pneumonie (18). 
—, Fall v. Verschwinden einer — d. 
Erysipel (27). 

Pasta Guarana, b. Hemikranie 28. 
Pathologie, Handb, d. spec. — und 
Therapie 19. 

—, Grundzüge d. allgem. — 257. 

—, Handb. d. speciellen —u. The¬ 
rapie 367. 

Pemphigus neuri icus (2). 

Pental, d. — als Anaestheticum 433. 
Perforation, üb d. Indicationen z. — 
d. Schädels b. lebend. Frucht (19). 
Perikarditis, z. Differentialdiagnose d. 

— u. d. Herzdilatation 285. 
Perinaeorhaphie, d. Lappenmethode 

d. — (33). 

Peritoneum, z. Casnist. d. d. Bauch- 
schnitt geh. Tuberculose d. — s 
4*, 276. 

—, • Tuberculose d. —s und ihre 
Heilung 7. 

—, Bildung v. Adhaesionen am — 71. 
—, üb. Blutergüsse i.—180. 

—, üb. Tuberculose d. —s 226. 

—, operative Behandl. d. Papil¬ 
lome d. —8. (2). 

—, Laporotomie wegen Neubildung i. 

- (27). 


Peritonitis, Fall v. purulenter —, 
geh. d. Laparotomie 206. 

—, üb. d. operative Behandl. d. tu- 
bercnlösen — d. Kinder (17). 

—, Laporotomie b. tuberculöser — 
(27). 

Perityphlitis, Resultate d. Behandl. 
d. — 366. 

Pes varus, Fall v. — oper. nach 
Phelps 405. 

—, keilförmige Resection d. Fus- 
ses b. — (2). 2 Fälle v. ope¬ 
rativer Heilung d. — (10). 
Phantasometer, Construction eines —s 
218*. 

Pharynx, primäre acute Phlegmone 
d. — 13*. 

Phenocollum hydrochloricum, ein neues 
Antipyreticum n. Antirheumatic. 
198. 

Phlegmone, primäre acute — d. Pha¬ 
rynx 13*. 

—, üb. d. tiefen —n d. Regio in- 
fraclavicularis etc. (10). 

—, z. Casuist. d. — n. d. Regio 
sublingualis (27). 

Phosphene, üb. d. — i. Auge (12). 
Phosphor, Kali hypermanganic. als 
Gegenmittel d. —s 4u0. 

Phthise, s. Tuberculose. 

Pigment, üb. d. Pathogenese d. — 
bildung. u. Entfärbung d. Haut 302, 
üb. Anat. u. Entwickel. d. Ober¬ 
haut —es b. Frosche 302. 
Pilocarpin, b. chron. Ekzem 257. 
Pilzvergiftung, üb. — 463*, 471*. 
Piperazin, Lösung d. Harnsäure d. 

— 386. 

Pithyriasis rubra, Bestimm, d. Stick¬ 
stoffs I. d. Schuppen b. — (22). 
Pleuritis, z. Behandlung d. serösen 

— 35. 

—, Beweglichkeit d. — exsudate 70. 
—, sero-purulente — b. peritrachea- 
lem Abscess (2). 

—, z. operativen Behandl. d. — 
(2). 

—, üb. d. Behandl d. exsudativen — 
etc. (5). 

I - , z. Technik d. Thorakotomie b. 
eitriger — (22). 

Pneumokokken, üb. Immunisirung n. 
i Heilung b. d. — infection 856. 
Pneumonie, kann ein Trauma z. acut. 

— führen? 162. 

—, d. acut. —en als Infectionskrankh. 
375. 

| —, pathol. - anat. Veränd. b. aus- 
geblieb. Lösung d. croupösen — (1). 

’ -, z. Morphol. d. Blutes b. crou- 
pöser (1). 

i —, z. Aetiol. d. croupösen — (2). 

1 —, Infectiosität d. croupösen — (2). 
—, 2 Fälle v. Parotitis b. croup. 

— (1&). 

—, z. Lehre v. d. croupösen — (24). 
' —, d. croup. — (Statistik) (28). 
i —, Fall v. Psychose n. croupöser 
- (28). 

Pneumothorax, Zusammensetz. d. b. 

— Vorhand. Gase 152. 

Pocken, Heil. d. Tubercutose d. — 126. 


Pocken, üb. d. Zunahme d. — i. St. 
Petersburg (3). 

s—, Immunität durch — Schutzim¬ 
pfung u. Impftechnik (16). 

—, Wechselwirk, zwischen Syphilis 
u. — (20). 

—, üb. d. Ursach. d. —epidemien 
u. Vaccination (20), (34). 

—, z. —epidemie u. —impfung i. 
Dagestan (28). 

Pons Varoli, z. Symptomatol. u. Diag- 
nost. d. Geschwülste d. — 317. 
Processns vermiformis, Hydrops d— 
163. 

Projectil, s. Geschoss. 

Prostitution, sanitäre Beaufsicht. d. 

— i. Paris u. Brüssel (13). 
Protokolle d. Ges. prakt. Aerzte zu 

Riga 8, 26, 44, 60, 69, 88, »6, 
160, 170, 264, 384, 466. 

—, d. Vereins St. Petersburger 
Aerzte 27, 35, 61, 70, 113, 123, 
135, 163, 162, 172, 180, 191, 199, 
349, 375, 406, 445. 

—, d. Dorpater medic. Facultät 97, 
125, 358, 385, 442, 443. 

—, d. deutschen ärztl. Vereins zu St. 

Petersb. 266, 274, 293, 823, 393. 

—, d. medic. Gesellsch. zu Dorpat 
415, 423, 433. 

Protoplasma; üb. einen neuen Eiweiss 
liefernd. Bestandth. d. — 247. 
Protozoön. d. — als Krankheitserre¬ 
ger etc. 383. 

Pruritus. Behandl. d. senilen — 207. 
Psoriasis, qualit. Zusammens. d. Harns 
u. d. Epidermis b. — universalis 75*. 
Psychose, s. Geisteskrankheit. 
Psychiatrie, klin. Vorl. üb. — 19. 
Ptomal'ne üb. d. Einfl. d. Temperat. 

etc. a. d. Entwickel. v. —n. (23). 
Pulsus differens, üb. d. — etc. 227. 
Purpura, üb. d. Aetiol. u. d. Kennt- 
niss d. — hämorrahagica 883, s. a. 
Morbus maculosus. 

Pyämie, Nachweis v. Eiterkokken i. 

Schweisse b. — 273. 

Pyoktanin, b. Maul- und Klauen¬ 
seuche 86. 

—, Anwend. d. —s b. Ohrenkrankheit. 
172. 

—, Mittel gegen —flecke 257. 

—, b. Augenkrankheit. 850. 

—, b. Magencarcinom 359. 

—, b. bösartigen Neubildungen 416 

gä. 

Quassia, gegen Parasiten 192. 
Quecksilber, s. Hydrargyrum. 

K. 

Rauehen, Einfl. d. —s auf d. Magen- 
thätigk. u. d. Säuregeh. d. Harnes 

(5). 

Rectum, z. operativen Behandl d. 

Prolaps d. —s (2). 

—, z. Exstirpation d. Carcinoms d. 

— s (3). 

—, Vorfall d. —s syphilit. Ur¬ 
sprungs (21). 


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XI 


Rectum, z. Casuist. d. Fremdkörper i. — 
(31). 

—, Fall y. Atresie d. —s (33). 

Reflex, üb. d. Genital — 219, üb. 
einen — d. N. trigeminus 219, d. 
Anal — 247. 

—, üb. d. Patellarsehnen — b. Ta¬ 
bes dorsalis 286. 

—, üb. d. Messung d. Patellar —es 
(17). 

—, graph. Methode d. Unters, d. 
Sehnen—e etc. (21). 

—, Verhalt, d. Patellar —e b. ex- 
perim. Epilepsie (23). 

—, Auslös. v. —en d. Summation v. 
Hautreizen 474. 

Refraction, üb. ophhalraosk. —sbestim- 
mung i. d. Schulen (9). 

Regenbogenhaut, s. Iris. 

Reise, Fluss—n v. medicin. Standp. 
(21), 

Resection, d. Kreuzbeins n. Kraske 
i. d. Gynaekologie (15). 

Resorption, üb. — v. frischen u. gra- 
nnlir. Wunden (23). 

—, z. Fr. v. d. —sfähigkeit d. intact. 
Haut (31). 

Respiration, üb. d. Cheyne-Stoke’sche 
— 444. 

Respirationsorgane, Morbidität d. Land¬ 
bevölker. i. Bez. a. d. — (28). 

Retina, Entwickel. d. Pigmentepithels 
d. — 97. 

—, üb. hyaline Bildung: i. N. opt. 
u. i. d. — (8). 

—, d. histolog. Yeränder. d. — u 
Chorioidea b. Morb. Brightii (8). 

Retinitis pigmentosa, z. pathol. Ana¬ 
tomie d. — (4). 

Rheostat, verbessert, flüssig. — (19). 

Rhinologie, klin. Atlas d.Laryngologie 
u. — 219. 

Rhinosklerom, eine neue Form d.—s 
(13), 

Rückenmark, z. Lehre v. d. symme¬ 
trischen und pseudosymmetr. Er¬ 
krank. d. —es. (7). 

—, Fall v. Compression. d. Hals- 
theils d. —es 444. 

Rumination, d. — b. Menschen (21). 

—, Fall v. — 432. 

©. 

Salbe, Resorption v. Medicamenten 
ans —n 122. 

Salicyl, Verhalten d. Jod- u. —prä- 
parate bez. d. Ausscheidung etc. 144. 

Salicylsäure, Löslichkeit d. — i. Was¬ 
ser 317. 

Salol, b. Cholera 37. 

—, b. Diarrhoe d. Kinder 386. 

Salzsäure, b. Diphtheritis 424. 

Säugling, s. Ernährung. 

Scarlatina. s. Scharlach. 

Schädel, Tumor d. mittleren —grübe 
360. 

—, Fall v. oper. Angiora d. —s 
359. 

—, Lappenwunde d. —s. etc. (1). 

—, Fall v. iadirecten —Fracturen 
eto. (11). 


Schädel, z. Fr. v. d. Trepanation d. —s 
(32). 

—, Fall v. —fistel (24). 

—, s. a. Trepanation. 

Scharlach, z. Fr. d. sogen. Chirurg, 
-s (21). 

Schielen, s. Strabismus. 

Schlaf, Untersuch, üb. d. Tiefe d. 
—es 331. 

Schleimbeutel, s. Bursitis. 

Schule, d. — i. d. Aetiologie d. Cho¬ 
rea minor 237. 

—, Geistesstörungen i. d. — 303. 

—, d. Volks—n d. Romanow-Borisso- 
glebski’schen Kreises. (13). 

—, Beleuchtung i. d. — (16). 

—, üb. d. Methode d. anthropometr. 

Messung, i. d- —n (21). 

—, Hygiene d. — i. Bern (29). 
Schulfrage, einige Worte z. — (16). 
Schwangerschaft, extrauterine — 23*, 
Fall v. schwerer —erkranküng 60. 
—, üb. extrauterine —123,124,135, 
136. 

—, Fall v. extrauteriner — d. Opera¬ 
tion geheilt 172. 

—, Fall v. extrautemer — geh. d. 

Laparotomie 293, 355*. 

—, Beitr. z. Lehre v. d. ektopisbhen 
- ( 6 ). 

—, üb. d. Methoden d. Behatidl. d. 
ektopischen — (6), Laparotomien 
wegen extrauterin. — (6). 

—, üb, — b. unzureichender Ernäh¬ 
rung (17). 

—, Therapie d. — u. Geburt b. Fi¬ 
bromen d. Uterus (17). 

—, extrauterine — geh. d. Lapa¬ 
rotomie (20). 

—, Complicat. d. ' — d. Myome d. 
Uterus etc. (22). 

—, Fall v. secundärer Abdominal — 
442. 

Schweiss, Uebergang v. Mikroorganis¬ 
men i. d. — 273, 376. 
Schwindsucht, s. Tuberculose. 

Secale cornütum, Vergift, m.— (Krie- 
belkrankh. Rhaphanie) i. Wjatka- 
schen Gouv. (20). 

—, s. a. Ergotin. 

Sectio caesarea, s. Kaiserschnitt. 
Sedimentator d. — v. Stenbeck 386. 
Seesalz gegen Bienensiche 358. 
Seeschlamm, d. — etc. 33*. 
Seidenpapiercharpie 237. 
Selbstmisshandlnng, z. Casuistikd.— 
(28). _ 
Selbstmord, d. Aufhängen u. Erhän¬ 
gen (13). 

—, Stellung d. Gesetzgeb. z. — e 
(28). 

Senfteig, d. — als Narkoticum b. 
Öusten (31). 

Sexualempfindung, z. perversen — 293. 
Simferopol, medicin. tOpograph. Skizze 
d. Stadt — (28). 

Sklerodermie, z. Pathogen, d. — (24). 
Skoliose, —n nach Ischias 218. 
Skorbut, Behandl. d. — m. Milch¬ 
diät 160. 

Soda, Einfl. d. — auf Assimilation u. 
Stickstofffrechsei (3). 


Sozojodol, z. therap. Verwend. d. —s 
i. d. Gyhaekologie (33). 

Speculum, s. Vagina. 

Speichel, z. klinischen Pathol. d. —s 
(32). 

Spermin 126. 

Station, d. medicin. — 475. 
Steinkrankheit, s. Harnblase. 
Steinschnitt, s. Harnblase. 
Sterblichkeit, s. Mortalität. 

Stomatitis, Fall v. ulcerosa m. tödtl. 
Ausg. 274. 

Stottern, Bez. gewisser Nasen- und 
Rachenleiden z-. — 316. 

—, üb. d. — 357 
Strabismus, z.*Lehre v. — (12). 
Struma, s. KrOpf. 

Strychnin, b. chron. Alkoholismus (18). 
—, üb. d. Wirk. d. Salpeters. —s a. 

d. Magenfunction (35). 

Styron, b. chron. Otitis mecUa (1). 
Sublimat, üb. d. Gebr. d. —s i. d. 

geburtshilfl. Praxis (24). 

Suggestion, z. Lehre v. d. — 132*. 
—, —s. Gymnastik 349. 

—, Erzeugung v. Blasen auf d. Haut 
d. - (2). 

Sulfonal, b. Diabetes mell. 9. 

—, b. Trismus neonatorum 145. 
Suspensionsbehandl. b. progress. Mus¬ 
kelatrophie 342. 

Sykosis, Hydroxylamin b. — parasi¬ 
tär 153, Jodoform b. — 228. 
Syphilis, Fall v. — d. Darmes 171. 
—, — d. Herzens 218. 

—, üb. Combination v. — u. Tu¬ 
berculose d. Kehlkopfes etc. 298. 

—, üb. — d. Wirbelsäule 302. 

—, d. —, deren Wesen, Verlauf u. 
Behandl. 304. 

—, Formulare f.—Krankengeschich¬ 
ten 323. 

—, Anwend. d. Calomel z. Schmier¬ 
ern* b. —- 386. 

—, Anwend. d. Anthropometrie z. 

Studium d. — (12). 

—, Diabetes insipidus b. — (17). 

—, d. Wärme i. d. Therapie d. — (17). 
—, Wechselwirk zwischen — n. Va¬ 
riola (20). 

—, Albuminurie b. — (22). 

—, Fall v. extragenitaler Infhction 
m. — (24). 

—, z. Behandl. d. m. Infectionen 
suspendirten Hg-präpärate (28). 

—, s. a. Hydrargyrum. 

—, Leukoderma syphilit. 

—, üb. —bacillen 474. 

Syringomyelie, Gelenkveränderung, b. 

— 136, (23). 

—, z. Casuist. d. — (32). 

Syzygium jambulanum, b. Diabetes 
mellitus (3), (17). 

T. 

Tabes doräalis, üb. Gelenk erkrankun- 
gen b. — 96. 

—, entstand, durch Maschinennähen 
113. 

—, üb. d. PäteUarSehnenreflex b. — 
285. 


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i ff 

Tabes, Fall v. — tfauinat. Ursprungs 
m. Mal perforant (24). 
Tapetenfabrikation d. — i. sanitärer 
Bezieh. (36). • 

Taschenkalender, ärztlicher — 26,460, 
474, 475. 

Taschenwörterbuch, medicin. — 367. 
Temperatur, üb. Schwankungen d. 
Körpergewichtes u d. — b. Neu¬ 
geborenen (20). s. a. Wärme. 
Tenalgia crepitans (21). 

Tetanie, Fall v. — 264. 

Tetanus, Urethan b. — traumat 162. j 
—, z. Aetiol. d. Trismus sive — j 
neonatorum 266. 

Thee, d. — hervorgeruf. psych. Ver- 
änder. 9. j 

Theobrominum natrio-salicyl. Diuretin 
b. Nephritis u. Herzkrankh. (6) ! 
(27), (35). I 

Therapie, Handb. d. spec 26. 

Thilanin, üb. — 466. 

Thiol, b. Frauenkrankheiten 208. 
Thorax, Einfl. tiefer Inspirationen aul i 
Capacität etc. d. — (3). 

Thränensack, cannellirte— sonden 9 i 
—, üb. d. sogen. — Blennorrhoe b j 
Neugeborenen 466. 

Thymus vulgaris, b. Keuchhusten 180 j 
367. 

Tic convulsif, Fall v. — (27). 

Tinctura nicotianae empyreumatica b. 

Diphtheritis 114. 

Tod, d. Kampf mit d. —e 20. 
Tracheotomie, üb. Blutungen nach — | 
267. 

—, b. Diphtheritis der Kinder (27). j 
Trachom, üb. d. Beziehungen swischen j 
— u. Folliculärkatarrh. (7), z. Be- . 
handl. d. —s (8). 

—, nochmals d. — (34). 
Transplantation, üb. Thiersch’sche | 
Haut —en i. d. Augenchirurgie 
139*, 149, (8). 

—, üb. Haut u. Schleimhaut — am 
Auge 189. 

—, Win. Material z. Fr. d. Schleim¬ 
haut — (34). 

Trepanation, — wegen intracraniellen 
Angioms 359. 

—, z. Casuist. d. — d. Process. ma- 
stoid. (14). 

—, 2 Fälle v. — d. Schädels b. 

Spiitterbrüchen (23). 

—, z. Fr. d. — d. Proc. mastoid 
(2), (4). 

-, z. Fr. d. — d. Schädels (26). 

—, z. Fr. v. d. — d. Schädels 
(32). 

Trichinose, Benzin b. — 182, 208. 

—, z. Diagn. u. pathol. Anat. d. — 
(21). 

Trichophyton, Impfung d. — a. d. 
Menschen 77. 

—, Einwirk. v. Medicamenten auf Cul- 
turen v. Favus u. — 219. 

Trismus neonatorum, Sulfunal b. — 
146. 

—, s. a. Tetanus. 

Trochanteritis, üb. — (24). 

Tuben, Entzünd, u. Retentionscysten 
d. — (33). 


Tubercufose, z. Casuist. d. d. Bauch¬ 
schnitt geh. Peritoneal — 4*. 

—, peritoneale u. ihre Heilung 7. 

—, R. Koch’s Heilmittel gegen — 
(Tuberculin) u. seine Anwend. 16*, 
17, 18, 20, 26,43,47*, 61, 62, 58, 
60, 62, 69, 78, 99*, 101*, 107*, 
111, 112, 113, 117*, 163, 154, 
161, 162,170,172,185*, 219, 226, 
276, 277, 293,341, 382, 413,444, 
(9), 14), (17), (21), (22), (23), 
(27), (28), (31), (32). 

—, Chirurg. Behandl. d. Lungen — 
68. 

—, Injectionen v. Hundeblutserum 
b. Lungen — 68. 

—, Uebertragung d. — durch Obst 71, 
—, Behandl. d. —m. cantharidinsauren 
Salzen 7;, 85, 211*. (20). 

—, üb. d. larvirte Form d. Lungen 

— 78. 

—, Heil, v — d. Variola 126. 

—, intratracheale u. intrabronchiale 
Inject, b. Lungen — 126. 

—, Behandl. d. Lungen — m. Hy- 
drargyr. thymolo-acet. 134. 

—, ein neues Heilmittel gegen — 
(Russ) 134. 

—, Fall v. foetaler — d. Rindes 

136. 

—, Behandl. d. — m. comprimirter 
Luft (Kreosot u. Eukal yptol) 172. 
—, Chirurg. Behandl. d. Kehlkopf 
—177*. 

—, z. Prophylaxe d. — 179. 

—, Chirurg, u. klimat. Behandl d. 

Lungen — etc. 190. 

—, üb. — d. Peritoneums 226. 

— , Blutserum-Injectionen b. 228. 

- , kann b. — d. Larynx durch 
endolaryngealechir. Behandl. radicale 
Heilung erzielt werden 264. 

—, Methode d. Umwandl. tubercu- 
loser Gewebe b. — d. Gelenke 
etc. 272. 

—üb. Combination v. Syphilis u. 

— d. Kehlkopfes etc. 293. 

—, üb. Fälle y. acuter Miliar — b. 
Abwesenheit Koch’scher Bacillen 
319*, (23). 

—, Behandl. d. — m. Jodoform u. 

Hundeblutserum 386. 

—, d. — i. d. Strafanstalten 392. 

—, d. Amphibien u. Vögel 405, 

—, Behandl. d. — m. Transfusion v. 
Ziegenblut 406. 

—, Behandl. d. — m Guajacol 414. 
-, — d. Brustdrüse 415. 

—, z. Kenntniss d. — d. Harn¬ 
wege (1). 

—, prophylaktische Maassregeln ge¬ 
gen — (9), üb. d. Therapie d. Lun¬ 
gen — (9). 

—, üb. — d. Lymphdrtisen a. Halse 
(14). 

—, üb. d. operat. Behandl. d. — d. 
Hüft. u. Kniegelenkes b. Kindern 
(14). 

—, Castration b. — d. Testikel (14). 

—, Maassregeln gegen Verbreit, d.— 
(16), Verbreit, d. — d. Nahrungs¬ 
mittel (16). 


| Tubercnlose, d. Lungen — b.d. Unter- 
militärs (17). 

[ —, üb. d. Wirk. d. Fäulniss— u. 
i Tuberkeltoxine “u. ihren Einfl a. d. 
j Verl. d. — (17). 

—, üb. Prophylaxe u. Therapie d. 

| - (17). 

1 —, Anwend. d. Brown-S6quard’schen 
| Flüssigk. b — (18). 

Fall v. secundärer localer — d. 
Mundes u. Rachens ( 9). 

—, z. Lehre v. d. — d. pia mater 
(21). 

—, primäre — d. Uterus (21). 

—, z. Behandl. d. m. Goldtrichlorid 
i (24). 

—, Fall v. — d. Trachea u. d. Bron¬ 
chen m. tödtl. Ausg. (28). 

—, d. Behandl. d. Lupus u. d. — m. 
Goldchlorid (28). 

—, d. Grundlagen d. Kampfes m d. 

Lungen — (28). 

—, s. a Meningitis, Peritonitis. 

—, z. Lehre v. d. — d. weibl. Ge¬ 
nitalien (31). 

Tuberkelbacillen, neue Färbung9meth. 
f. — 79, 237, Auffindung d. — i. 
Sputum 79, 375, 405, Färb, d—e 
i d. Milch 376. 

i Tumor, z. Casuistik d. —en b. Kin- 
j dern (17). 

; Tussis convulsiva s. Keuchhusten. 

Typhus abdominalis, seltene Compli- 
I cationen b. — 129*. 

! —, Ehrlich’s Harnprobe b. — 257. 
—, Theorien üb. Entsteh, u. Vertreib. 

der Cholera u. d. — (2). 

—, Schwankungen d. Körpergewicli- 
tes im — (2). 

—, d. — i. Ujasdowschen Militär- 
Hosp. (18). 

| —, z. Behandl. d. — m. grossen Ca- 
lomeldosen (28). 

—, reichliche Zufuhr v. Flüssigkeit b. 

— 436. 

Typhus exanthematicus, Mortalität a. 

— i. St. Petersb. (6). 

—, z. Aetiol. d. — (21). 

Typhus recurrens, z. Morphol. d. Blu¬ 
tes b. — (2). 

—, b. entmilzten Affen (6). 

—, Blutuntersuch, b. — (15), 

—, d. fernere Schicksal d. Spirochä¬ 
ten i. Blutb. — (20). 

TT. 

Umschläge, üb. kalte — 205. 
Unterbindung, s. Ligatur. 

Urethan. b. Tetanus traumaticus 162. 
Urethra, üb. d. Endoskopie u. Thera¬ 
pie d. weibl. — 406, 419*. 

—, Fähigkeit d. weibl. — d. Sphink¬ 
ter vesicae z. ersetzen (31), z. Ca¬ 
suistik d. Fremdkörper i. d. — (33). 
Urticaria, b. Säuglingen u. Kindern 51. 
Uterus, Behandl. v. Retroflexionen u. 
Prolapsen d. — 59, Fibrom d. — 
60, intraligament, Fibromyora d. 
— 62. 

—, üb. Stenose des Oreficium extern 
d. — 93* 


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Uterus, Fibromyom d. —, Kolpomyo- 
raotomia-Heilung 157*. 

—, Laparotomie wegen Myom d. 

— 170. 

—, z. Behandl. d. —blutungen 204. 
—, Rnptur d. puerperalen — 293. 

—. 23 Fälle v. totaler —exstir- 
pation (6). 

—, üb. d. Veränder. d. Tuben b. 

Fibromyomen d. — (5). 

—, Fall v. Laparokolpohysterek- 
tomie b. Krebs u. Fibromyom d. 

- (11) 

—, Fall z. Inversion d. — (17). 

—, Therapie d. Schwangerschaft u. 

Geburt b. Fibromen d. — (17). 

—, Behandl. d. Myome d. — m. 
Elektricität (19). 

—, Ventroflxatio b. Prolaps d. (18, 
- (20). 

—, primäre Tuberculose d. —r (21). 

—, Complicat. d. Schwangerschaft 
Myom d. — etc! (22). 

—, Fall v. Ecochleation eines puer- ; 

peralen — (22). I 

—, s. a. Endometritis. < 

—, Modific. d. Technik d. Operat. v. t 
—myomen (31). 

—, Hysteropexia abdom. anter. b. 

Retrodeviationen d. — (33). i 

—, Fall v. angeborener Hydrometra i 
d. - (34). 

V. 

Vaccination, üb. d. Ursach. d. Pocken- | 
epidemien u — (20). 

Vagina, Betz’ neues — lspecnlum 71, 
—, Ruptur d. — inter partum (6). 

—, aseptisches — lspecnlum (28). 

—, (phlegmon. Entzünd, d. — (Pa- ; 
ravaginitis phlegmonosa dissecans ! 
27). | 


Vagina, s. a. Kolpokleisis. 

Varicocele, u. Neurasthenie 405. 

Variola, s. Pocken. 

Venen, üb. Abnormitäten i. d. Lage 
d. — d. Schlüsselbeingegend (3) 

Verbrecher, anthropolog. Untersuch, 
d. — (28). 

—, anthropol. Untersuch, üb. —innen 
(Diebinnen) (35). 

Verbrennung, Natr. sozojodolic. b. 
oberflächl. —en 113. 

Verbrühung üb. d. Todesursache b. 
—en 356. 

Verdauung. Dünndarm- u. Magen — 
35, Einfl. d Alkohols a. d. Magen 
— 96. 

Vergiftung, — d. animalische Nah¬ 
rungsmittel 44. 

— m. Jod 231*. 

— m. Blei 275, 293. 

— m. Chinin (11). 

— d. Fische (22), d. Pilze 463*. 

i —, Kali hypermangan. b. Phosphor— 
460. 

Verletzung, Schuss — d. Gehirns 28. 

— en d. Gehirns u. Körpertemperatur 
421. 

— d. Schädels (1). 

— d. Auges (4). 

— d. Schädels (11). 

—, Klassification d. nicht tödtlichen 
—en (13). 

— d. Auges (25), (34). 

— m. stumpfer Waffe oder Schuss?(29). 

Viburnum prunifolium, gegen Waden- 

krämpfe. 

Vorstellung, Möglichk., d. Geschwin- 
digk. d. —en.z. messen 218. 

W. 

Wärme, Untersuch, üb. d. —centren 
342. 


xm 

Wärme, Gehirnverletzungen u. Kör¬ 
per— 421. 

Wasser, reichl. —Zufuhr b. Typhus 
435. 

—, üb. grosse —zufuhr b. Infections- 
krankh. 6, 292. 

—, Analyse v. flltrirt. u. nicht flltrirt 
- (27). 

—, s. a. Hydrotherapie, Balneothe¬ 
rapie. 

Wasserkur, d. — u. ihre Anwend. 
322. 

Wasserstoffhy peroxyd, Zusatz v.Aether 
z. — 885. 

Wein, d. Verdauung verbess. —e 9. 

—, z. Fr. d. Untersuch, d. —es 

(2o). 

Werkstätten, sanitär. Zustand d. — 
L Bogorodsk(16). 

Wirbelsäule, üb. syphilit. Erkrank, 
d. — 302. 

Wunde, Resorption v. frischen und 
granulir. —n (23). 

Z. 

Zahncaries, Mittel gegen — 28. 

Zange, d. geburtshilfl. —n etc. (28). 

—, d. geburtshilfl. —n etc. (13). 

Zinkßnlphit, e. nicht giftiges, nicht 
reizendes antisept. Verbandmittel 
111 . 

Zonula Zinnii, z. normal, u. pathol. 
Anat. d. — (25). 

Zucker, Modificat. d. Gährungsmethode 
z. Bestimm, d. —s L Harn 266. 

—, annähernde quantit Bestimm, 
d. —s i. Harn 350. 

—, z. diuretischen Wirk. d. Milch—s 
(3). 

—, Wirk. d. Sizygium jambola- 
num auf d. —menge i. Harn b. 
Diabetes (3). 


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Namen-Register. 


Abramow + 45. Bekmann + 446. Braun, C. v. Fernwald Dahmen 375. j Engstad 199, 386. 

Achun (25). Beljakow (7). + 114. Dana 122. i Epow (7). 

Adams, A. + 267. Beljawin (18). Braun, J. 394. iDanielsen 460. Epstein 236. 

Adamük (34). Beloussow (16). Braunstein (4). Danilewski 20, (5). i Ergolski (18). 

Adelheim (9). Below (12). Bredow, R. t 114. iDanillo (17), (22). i Erismann 20. 

Adolphi, H. 271*. Benett, J. t 326. Brissaud 218. Darkschewitsch (6). Escflerich 144. 

Afanassjew (27). Benczdru. Csatary 246. Brunner, C. 237, 375. Dattilo, V. t 305. |Essaulow, N. + 164. 

Albrandt 78. Benzenger, W. f 468. Brunner, L. 335*, (22). Debove u. R6mond 416. Etlinger 371*. 

Alessi 376. Berent, J. + 436. Brunner, W. (23). Dehio, K. 1*, 97, 279*,: Eversbuseh 304. 

Alexandrow, C. t 350. Berenyi 145. Bruns 19. 385, 415, 423, 434.'Ewald 52. 

Alexandrow (1), (14), Beresowski (1), (15). Bubnow (16). Dehio, H. 61. 

(17), (27). Berg 60, 161, 384. Buch 172, 196*, 203*. Delbaneo 317. 1 Federici 406. 

Alexejewski 136. Bergengrün 9. ! 216*. Demidowitsch, G. + 317. Fedorow(20), (29),(34). 

Alizon 435. Bergmann, A. 69, 89*.j Büchner, 69, 110. Demme, R. 247. Feldmann, J. + 258. 

Alroasow, A. t 173. 161, 170, 384. iBudberg, H. + 220. Demme, W. 247, Fenomenow (5). 

Altdorfer 316. Berlioz 342. Bujko (22). Denotkin (12). F6r6 192. 

Antonow (1). Bernazki, M. t 342. Bujwid424. Dettweiler 276. Ferrand 9. 

Annfrijew (24). Bernazki (22). Bum 169, 237. Dijond u. Lallier 14'). Ferreira 52. 

Arbuthuot Lane 274. Bernhardt 113. Burchardt 58, 357. Draitrijew, Th. + 105. Fialkowski, S. t 805. 

Arenski, S. + 182. ; Bernheim 406. Buschujew (21), (32). Dobbert 124. Finkler 376. 

Aronson 67*. Bernstein + 52. Butjagin (14). Dobradin (18). Fischei + 377. 

Arronett (10). Bertels 177*. Butkin, A. t 79. Dobrochotow (14). i Fiwejski (28). 

Arustaraow 340, (22). Berthenson (28). Butz (32). Dobroklonski (24). ' Flavel Tiffany 192. 

Aschendorf 192. Besser (5). Buzzard 20. iDogel (11). j Fleischl, E. v. Markow 

Assmuth 379*, 406. Betz, 0. 71. Bylinski, J. + 136. jDolgopolow (16). i + 377. 

Astapenkow, 0. t 182. Betz, ]*. 228. Bylinski, W. + 325. JDolshenkow (16). ! Forel 349. 

Aue (3). Beyer 435. Byrne, + 38. Dombrowsky 123, 153.! Förster 474. 

Aufrecht 357. Bidder 135, 293. 276, 293, 394. Fraenkel, A. 17. 

Auvard 79. Biedert 79, 357. Canalis und Morporgo Donath 348. | Fraenkel, B., s. Hey- 

Awdakuschin (29). Biel 36. 145. Dor, s. Bechag u. D. mann und F. 

Awgustinowitsch, Th. Bienert 9, Cassarelli 9. Downarowitsch,J.+350. Frantzen 36. 

+ 406. Billroth 113. Caston + 317. Dowodtschikow, (13). Fratkin (11). 

Awilow, A. + 436. Bing 248. Cecherelli 416. ;Draispul (21). Fremmert 358, 413. 

Awssitidijski (14), (24). Blagorasumow, M. + Celli u. Marchiafava 152. Drosdowski (27), (35).: Freund 71, 287. 

208. Chalfin, S. + 342. Dsirne 157*. j Frey, H. + 29. 

Babes u. Kalendero43. Blagoweschtschenski, Charcot 206. Dubizki, J. + 376. ! Frey, L. + 394. 

Babuchin, A. + 192. | (25), (28), (28), (32). Charrin u. Roger 228. Dubrowo (25). 1 Freyhan 432. 

Babuschkin (13). j Blanc 9. Chatunin (27). iDujardin-Beaumetz 28,j Fromme 475. 

Baculo 342. | Blaschko 323. Cholmogorow (23). | 113. I Fuchs 286. 

Badikow (28). Blochmann 9. Ciechanowitsch + 136. Dussimetier (35). j Fürbringer 18, 367. 

Baillarger + 21. Blodig, C. + 86. Citron 36. Dworjaschin (16). Fukala 26, 173. 

Barabaschew (11). Boas 35. Clemenz 124. j 

Baraz (31). Bobrizki (33). Colcott Fox 51. 'Ebermann 406, 4l9*,i Gaiger, G. + 200. 

Bardenheuer 169. Bogajewski (11). Combemale 227, 256. | (10), (16). I Gamper (35). 

Barfurth 97. Bogoslowski + 325. Conrady + 63. Ebstein 17. . jGans 256. 

Barker 392. I Bogoslowski (9). Cornet 392. Eggeling 86. ! Garin (5). 

Bamowin 317. Bokai n. Koranyi 460. Cr6quy 192. Ehrlich 2;>7. | Garnier (25), (31). 

Bashenow, 8. Ssokolow Bontschkowski (13). Cruse 228, 394. 's. a. Guttmann und E. 1 Gärtner, 0. f 461. 

und B. Borissow (27). Csatary, s. Benczür 11. Eichhoff 153, 322. 1 Gastfreund, A. f 416. 

Bashore 267. Boschno, B.+ 136,1G3. Cs. Eichhorst 45, 286, 367 ! Gauthier (24). 

Bechag u. Dor 126. j ßostroem 104. Csillag 414. Einhorn 285, 286. I G6an 359. 

Bechterew (21). Boushat + 446. jCurschmann 276. Eiseisberg 273, 369. 1 Gegello, J. + 114. 

Bechtin (27). Bouveret 466. |Czaplewski 405. Eisenberg 207. Geissler (5), (22). 

Beckmann 37, 55*. Bovero, s. Ruata u. B.i Engelhardt 466. Gellhorn 315. 

Behse 476. Brandt, E. + 436. jDahlfeld 86, 265. lEngelmann 443. jGelpke 9. 


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Xf 


Georgjewski (22). 
Germann 376. 
Girgensohn 477. 

Gläser 248. 

Gluchowski, S. + 387. 
Godnew (20). 

Goetschel 170. 

Gold (29). 

Goldenberg 363*. 
Goldschmidt 9. 
Gokielow (31). 

Golgi 227. 

Goll 208. 

Golowatschew t 29. 
Golowin 427*. 

Goltz 207. 

Golynez (6). 
Gontscharow (27). 
Gopadse (22). 

Goralewitsch (18). 
Gorbatschew (1), (2), 
(22), (23), (27). 
Gorodzow (31). 

Gotard 474. 

Gottlieb 414. 

Gottschalk 208. 

Grabe 261*. 

Grabowski, s. Kosten- 
ko u. G. 

Grammatikati (29). 
Grandclement 86. 
Gränpner 227. 
Greidenberg (7), (21), 
(25). 

Grodzinski, D. + 106. 
Grödinger (28). 

Grubert 39*, (3). 
Grünberg 69. 

Grusdew (21). 

Giintz 114. 

Gurwitsch (8). 
Guttmann 163, 
Guttmann n. Ehrlich 62, 
226, 386. 

Guttstadt 111. 
Gwosdew (2). 

Hach 9. 

Hagen-Torn 86. 

Haken 266. 
Hammarsten 60. 
Hampeln 66*, 69, 17», 
266. 

Hare 146. 

Hartmann, F. + 294. 
Hayem 386. 

Hehis 37. 

Heilig (17). 

Heimann 162. 

Heinz 112, 248. 

Heinz n. Liebrecht 246. 
Helbach, S. + 394. 
Helbing b83. 

Heilat 172. 

Hellmann 104. 
Helmsing 60. 

Helly, C. + 296. 
Henoch 206. 

Hericonrt, s. Riehet 
und H. 

Hering 264. 

Hermann 186*; 


Hern 416. 

Herschkowrtsch + 416. 
Hertel 198. 

Hertel u. Noorden 286. 
Herzberg, L. + 192. 
Herzog 112. 

Hess, N. + 446. 
Heubner 146, 276. 
Heussler (32). 

Heusten n.Tiehborn 111. 
Hey mann (18). 
Heymann u. Fränkel 85. 
Hewelke 422. 

Hewett, P. G. + 238. 
Hinkson 386. 

Hinze, V. (24). 

Hinze, V. + 367. 
Hippius 19. 

Hirschler, J. + 416. 
Hjort 190. 

Hochhaus 286. 
Hochsinger 69. 

Hoefler 442. 

Hofmann 19, 198, 349. 
Höhlein 13*, 256. 
Hollaender 433. 
Holmer, A. f 424, 436. 
Holst 227, :j 86, 476. 
Höppener, J. + 97. 
Hoppe-Seleyr 152. 
Hörschelmann, 37, 61. 
Houston 350. 

Huber 198, 386. 
Huchard 9, 416. 
Hübbenet (21). 

Hübner 45. 

Huebner + 46. 
Hugenberger, Th. + 238, 
257. 

Hughes 219. 

Hunter, Y. 386. 
Huntington, Bosworth 
257. 

Ignatjew (16), (27). 
Ignatowski (31). 

Iljin, W. f 238. 
Illinski + 29. 
Immerwahr 405. 
Induty, P. + 126. 
Introsinski 145. 

Isaac 126. 

Ishboldin (2). 

Israel 79. 

Iwanow, N.+ 360,894 
Iwanow, S. + 369. 
Iwanow (28). 

Jacobson (10). 

Jacoby, L. + 192. 
Jacoby, W. 208. 
Jaenicke 366. 

Jaesche 269*, 477. 
Jaksch 276, 386. 
Jakubowski, R. t 461. 
Jalan de la Croix 181. 
191, 267, 274, 275. 
349. 

Jankau 349. 

Janson (20). 

Jarisch 302. 

Jasinski 302. 


IJawem (3), (17), (31),'Kollmar 190. 

(32). :Kondarski (81). 

Jaworski, s. Korczynski König 7 


und J. 

Jegorowski (6). 
Jelissejew (13). 
Jendrassik, E. f 86. 
|Jenko (18). 

Jensen, J. +164. 
Jeshewski + 126. 
Jewezki (4). 
[Jewgenjew, B. + 192. 
Joffroy 416. 


iKöniger 170. 

Konjajew (27). 
Konowalow (20). 

Koppe 33*, 476, 477. 
Koranyi,s.a. Bokaiu.K. 
iKoranyi 192. 

|Körber 476. 

Korczynski u. Jaworski 
206. 


.Kordi (34). 
Jogiches (2), (24), (27). Kordi, G. + 446. 
Johannsen, O. 93*. (Körner 237. 


Johannson 86. 
Johnson Taylor 37. 
Jophe (34). 
jJordanski (22). 
Joseph 306. 

Jurkewitsch (27). 


(Kader 168. 

Kadjan (2). 

Kafemann 316. 

Kalaschnikow (17). 

'Kalendero, s.Babes u.K. 
Kannegiesser, S. f 79. 

Kaposi 302. 

Kappeller + 62. 

Karejew (35). 

Kartulis 207, 226. 

Katterfeld 476, 477. 

(Katz (25). 

(Kazaurow (8), (12). 

Kehrer 287. 

Keilberg + 21. 

Kelterborn 71. 

Kernig 99*, 113, 267, 

274, 275, 276. 

Kerstens (19). 

Kessler, N. + 173. 

Kessler, L 231*. 

Ketscher (5). 

Kieseritzky 129*. 

Kijanizyn (23 J 
Kijanowski (3). 

Kikodße (1). 

(Kilian 424. 

Kingzett 386. 

Kirikow. 8. + 163. 

Kischkin (9). 

|Kissel (15). 

Kiwull 96. 

Klebs 219, 418. 

Klemm 190. 

Klemperer, G. u. F. 356 
Klikowitsch (19). 

Klopseh, C. + 842. 

Klotz 267. 

Knauer 446. 

Knaut 289*. 

Knoll 276. 

Knüpfer 247. 

Kobert 73*, 97, 126*Lamy 228. 
433,439*, 444, 463*jLand 228. 


Korssakow (7). 

Korytin (3) 

(Koschlakow +21. 
IKoshewnikow (6). 
Kossorotow (29). 
Kostemirowski, J, +97. 
Kostenko u. Grabow¬ 
ski (22). 

Kostjurin u. Krainski 
(17), (21). 

Kotelmann 219. 
jKotelnikow + 267. 
Kotljar (22). 
Kotowitsch (19). 
Kotowschtschikow, N. J. 
477. 

Kowalewski, N. + 333. 
Kraepelin 9. 

(Krainski, s. Kostjurin 
und K. 

Krannhals27,171, 264, 
265, 327*, s. a. Bei¬ 
lage*. 

Krasnopewzew, J. +406. 
Kraszewsky 424. 
Krawkow 76*,(2), (31). 
iKroeger 185*. 

'Krüger + 208. 
jKriiger 433, 434. 
Krupin (27). 

Kubassow (18), (28). 
Kügelgen 477. 

Kürt 220. 

Küster (1 ). 

Küstner 69, 125, 442, 
443. 

Kums 28. 

Kunze 341. 

Kunze n. Schilling 26. 
Kurotschkin, PI. + 79. 
Kuskow 819*, (28), 
|Kusmin (14), (24). 
Kusnezow(8),(18), (21). 


Laillez 324. 

Lallier, s. Dijond u. L 
Lamann 219. 

Lambert d’Ansay, A. 
+ 10 


471*. 

Kobylin (12). 

Koch, R. 16*, 382. 
Koch, J. + 817. 
iKoch, W. (21). 


(Länderer 19. 
Landgraf 172. 
Lannelongue 272. 
Lapin (33). 
Larjonow (11). 


Kokscharow, N. + 79.|Lasarewitseh (22) 


Lasarik, N. + 267. 

Lass (21). 

Latyschew, P. + 178. 
Lawrence 126. 
Lawrowskaja (I), (24). 
Leache 228. 

Lebedinöki, J. + 162. 
Lebedinski, M. (2). 
Legonx 86. 

Lehfeldt 3i7. 

Lehmann 191, 349. 
Lehmann, C. Fr. + 477. 
Leontjew, K. + 446. 
Leppmann 7. 
Leschtschinski (36). 
Lesser 19, 341. 

Lessig, E. + 360. 
Leszynsky 416. 
Letzerich 384, 383. 
Leuch 192. 

Leviseur 79 
Lewaschew (2), (31). 
Lewin (2), (21). 

Lezius 31*. 

Liebmann 52. 

Liebrecht, s. Heinz n. L. 
Liebreich, 77. 

Li6geois 366. 

Lieven 293, 323. 
Lifschitz (23). 

Lihotzky 886. 

Liman, C. + 424. 
Limbeck 28. 

Linde 122 
Lindenbaum (14). 
Lintwarewa, S. + 468. 
Lipski (3), (13), (28). 
Litten 303. 

Ljubimow (20). 
Ljubomudrow, B. + 238. 
Löffler 324. 

Lösch (2l). 

Löwenstern, D. + 1 4. 
Löwenthal 62. 
Loshetschnikow 1 (9), 
(11), (26), (84). 
Lubarsch 206. 
Lubelski, W. + 182. 
Lucca + 10. 

Luczkiewicz, H. + 126. 
Luff 122. 

Lunin 28. 199. 

Lütkens (31). 

Lwow (21). 

Maass 257. 

Macewen 77. 
Mackenzie, M. 386. 
Magawly 27. 
Makawejew (17). 
Malinowski, J. + 208. 
Malow, W. + 238. 
Mann 386. 

Mannaberg 286. 

Manos, J. + 200. 
Mantle 869. 

Maragliano 404. 
Marchiafava, s. Celli 
and M. 

Maresti 162. 

Marfan 386. 
Margewitsch + 446. 


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Google 



Merk (17). 

»iMYcha.kö 474. 

Ma schall, J. f 10. 
Martin, A. t 268. 
Martin 416. 

Masing 37, 266, 276, 
294, 323, 393. 
Mnssalitinow (23). 
Mr.ssen (1' ). 
Muximowitsch(18),(22). 
.Vedwedew (7). 

Meinert 236. 

Meinhard (11). 
Mo.linger 332. 

Menthin (21). 

Menzi, W. f 86. 
Mereklin 162. 
Merschinski (31). 
Merzalow, P. f 71. 
Meyer, L. 304. 

Meyer, J. 423, 477. 
Meyers 386. 

Meynert 19. 

Michael 61. 

Michajlow (14), (16). 
Michel 44. 

Michelson 331. 
Michnewitsch, E. f 7]. 
Middendorp 341. 
Milotworski (13). 

Minke witsch (13). 

Minor (7). 

Minz (31). 

Miram 266. 

Miroljnbow (27). 
Mironow (33). 
Mirowitsch (24). 

Misejewitsch (17). 
Mobitz (2). 

Möbius 392. 

Mollesson (21). 
Moncorvo 146. 

Moras 146. 

Moritz 36, 47*, 113, 
163, 191, 293, 349. 
Morosow (18), (22). 
Morpurgo, s. Canalis 
und M. 146. 
Mosetig-Moorhof 60, 
367. 

Müller, 0. f 220. 
Müller, F. 293, 332. 
Müller, P. 394. 

Müller, J.476, 476,477. 
Munk u. Uffelmann 383. 
Münzer 332. 

Muratow (6), (23). 
Murreil 18. 

Muisin (24). 

Nadeslidin (24). 

Kögel;. 0. f 173. 
Nagorski (IG). 
Natanson (3), s. a. 

Schroeder u. N. 
Nel.er, P. f 71. 
Neboljubow (20). 
Neovius 180, 367. 
Neswizki (21). 
Netschajew, W, f 79 
Netschajew,. P. 356. 
Netschajew, N. (13). 


Neudörfer 263. |Popow(l),(2),(6),(14), 1 Rossbach 237. 

Nikiforow, P. 461. | (20), (24), (27), (28;. Rossolirao 247. 


Nikolajewski f 21. 
Nikoljukin (25). 
Nikolski (13), (27), (28). 
Nissen 62, 81* 
Nitschraann 113. 
Noorlen 7, 365. s. a. 

Hertel u. N. 
Norstroem 341. 
Nosdrowski (1). 

Obersteiner f 38. 
Oberth 207. 

Obolenski (31). 

O’Brien 406. 

Oefele 359. 
Omeltschenko (18). 
Openchowsky 199, 35 . 
Orlow (20), (28), 
Orschanski (7). 
Oserezki (19). 
Ostermayer 135. 

Ott (5), (18). 

Otto 423, (31). 
Ottolenghi 180. 


Porywajew (34). 
Pospelow (13), (24). 
Potozki (2). 

Potter 182, 2-)8. 
Predtetschenski (21). 
Preller 322. 
Preobrashenski (23). 
Presnizki (24). 
Preyer 19. 

Prior 303. 


Pronin, G. + 114. 

Protopopow, N. f 342. 

Prziborowski, W. f 192.'Rybalkin (2), (17). 
Pulawski 303. 


Rothenberg, S. f 173. 
Rothmund, F. f 436. 
Roux 415. 

Rovighi 70. 

Ruata u. Bovero 3b 6 
Rücker, R. t 463. 
Rudenko (19). 

Rudolski (17). 
Rütimeyer 111. 

Rumpf 71, 153. 
Russell 111. 

Russin (24), (28). 


Puschkin (25). 
Puriz (17), (21). 

Quincerot 342. 
Quincke f 52. 

.Rabinowitsch (11). 
iRadecki 96, 384. 
Radsewitsch (11). 


Pauck, E. t 376. 
Pander 8. 

Parijski (28). 
Paschkowski (16). 
Paschtschewski, H 
228. 

Pasternazki (20). 


;Saalfeld 466. 
'Sacharjewski(20), (34).! 
Sacharjin 218. 

Sachs 207. 
jSackur 342. 

Sahli 6. 

Sahmen 423. 

Sajai'zki (15). 

Salvioli 356. 


Radulowitsch (16), (22). Samschin (19). 
Radwilowitsch, C. f 8G. ; Samter 218. 


97. 


Raehlmann 189. 
Raigrodski, 0. t 
iRandolph 113. 
’Raschkowitsch (16). 
tjRassudow, J. -f 416. 
Rauchfuss 294. 
Rawikowitsch (23). 


Lich- 

2 -) 8 . 


Pawlow u. Schumowa- ( Reformatski (20). 

Ssimanowskaja (3). Regnier 160. 
Pawlowski (13). 


Pawpertow (6). 
Pearson 3'3. 
Pechow, N. t 86. 
Peiper 256. 

, Pemb. Peake 28. 


Pentschkowski j- 45. 

Perepelkin, N. f 267. 

Perschin (20). 

Peschkewitsch, L. 112». Reschetniko w (28). 
Petersen 62, 162, 172, i Rethi 257. 


Reich (12). 

;Reichmann 69. 

Rein (6). 

Rejpolski r 29). 
Rekowski 432. 

Remond, s. Debove u. R. 
[Rennenkampff 211*. 
‘Rentein 62, 136. 
Reprew (34). 


345*, 368, (22) 
Peters 466. 

Peterson 436. 

Petrow, W. (22). 
Petrow, N. f 333. 
Petrow, N. (23). 
Petrowski (16). 
Pfeiffer, E. 323. 

: Pfeiffer, L. 383. 
Pfeiffer, B. f 406. 

I Philipp, J. 406. 

Pick 134. 

| Pinsker, L. f 477. 
jPircher, J. f 146. 
j Pissarew, M. f 369. 
Pitschugin, D. t 182. 
Podbelski (20), (31). 


iReyer, A, f 416. 
jReyher, C f 9. 
Richet 68. 


Sansoni 182. 

!Sass 165* 247. 
Sassjadko (22) 
Seanzoni, F. v. 

tenfels f 199, 
Schabert 44. 

Schalkowski (3). 
Schapiro 241*, (5). 
[Scharff 77. 

Schauenstein, A. i 394. 
iSchawlowski (5), 
'Scliebajew, B t 377. 

!Scheller 264. 

Schemiot (29). 
Schemnizew (27). 
Schepilewski (28). 
Scheremetewski, F. -)• 
295. 

Scherschewski (2), (18). 
Schischow (24). 
[Schilling, s. Kunze u. 
i Sch. 

ISchlau, H. f 208. 


Richet u. Hericourt 22ö. Schleich 26. 112. 
Richter, P. f 249. Schlesinger 293. 

iRichter 406. iSchmid376. 

|Robinson 435. ISchmidt, N. f 424. 

:Rodde, C. f 306. iSchmidt, Max 60, 69 
[Roger, s. Charrin u. R.[Schmidt, V. 97. 
Roger, f 424. 


Schmidt, Moritz 276. 
Schmidt, J. f 406, 435 
Schmitz, Am. 4*, 275 
405. 


^oicki 113. 

'Romanowski - Romanko 
i + 446. 

Romanowski297*,307*,[Schmitz, A. 145. 
, (6), (21), (29). (Schneider (23). 
'Roseubach u. Pohl 144. Schnirer 71. 


Rosenblatt (3). 


Podgajezki, B. f 468. Rosengart (3). 
Podwyssozki 257. |Rosenhart, S. f 114 * 
Pogoshew (28). Rosenhart, M. + 249. 

Pohl 28, s. a. Rosen-Rosenheim 144, 317. 


bach und P. 
Pollak, J. t 360 
Ponamarew (22) 
Popow, D. t 424 


Rosenow, C. t 
Rosenstein 7. 
Rosenthal 340. 
Rosinski 199. 


114. 


Schnitzler 219, 293. 
Schüller 414. 

Scholl 422. 

Scholz, H. f 468. 
Schomacker 37, 62, 
a. Severin n. Sch. 
[Schott 285. 

Schrenck 172, 181, 

363*. 


Schroeder, Th. 28, 172. 
199, 251*, 276, 293, 
376, 389*, (34). 
Schroeder, Th. und Na¬ 
tanson 139*, 149*. 
Schtscheglow (15). 
Schtscherbak (3). 
Schtscherbakow (16'. 
Schtscherbinski (24). 
Schubert 316. 

Schultz, Fr. 27, 467. 
Schultz, H. f 60. 

Schulz 342. 

Schulz, K. (6). 

Schulz, Fr. (13). 

Schulz, N (17). 

Schulz, M. (18). 

Schulz, H. 478. 
Schumowa - Ssimanow - 
skaja, s. Pawlow und 
Sch. 

Schuster 304. 

Schwarz, Ed. 27, 86. 
476. 

Schwartz 449*. 
Schwengers 219. 
Schwitzer 114. 

Scoliotti, V. f 228. 

S6e 172. 

Seiche, J. f 200. 

Seiler 350. 

Seitz 59. 

Selenkow 182. 

Semmola 386. 

Senator 113. 

Senenko (3). 

Senez (2). 

Severin u. Schomacker 
162. 

Shbankow (3). 
Shdan-Puschkin (5), s. 
a. Shongolowitsch u. 
Shd. 

Shirnow (27). 

; Shongolowitsch u.Shdan 
Puschkin (31). 

Sibley 405. 

! Siebei 322. 

! Sihle 403*, 460*. 

, Sklifassowski 20, (14). 
i Skutschinski (35). 
j Slawjanski (33). 

. Slutschewski (2). 

| Smirnow f 38. 
j Smirnow, N. f 333. 
j Snegurski, (24), (28). 
Snow 416. 

Sonnenburg 25, 68,277. 
Specht 383. 

Spengler 190. 

Spinlder, J. + 424. 
Spisharnyj (14). 

Spohn 267. 

Sprenshin u. Welitsch- 
kin (32). 

Ssadowski (24). 
Ssadykow f 446. 
Ssalischtschew (32). 
Ssapeshko (34). 

Ssawej - Mogilewitsch 

i (7). 

i Ssaweljew (28). 


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Ssawostjanow,W. f 461. 
Ssawtscheiiko (17). 
Ssegal (12), (29). 
Ssemenow (19). 
Ssenkowski, J. f 182. 
Sserbski (7). 
Sserebrjannikowa (4), 
( 12 ). 

Ssergejew (33). 
Ssikorski 367, (7). 
Ssimanowski (2). 
Ssinizyn (14). 

Ssokolow 136,(2), (17), 
(23). 

Ssokolow, W. u. Ba- 
shenow (27). 
Ssokolowitsch 78. 
Ssokolowski, A. t436. 
Ssolodownikow (15). 
Ssudakow (2). 

Ssutugin (2), (17). 
Stafiewski f 360. 
Stakmann 9. 

Stas, J. f 461. 

Stefani 386. 

Stein, S. t 360. 

Stembo 132*, 223*, 341 . 

397*, 409*. 

Stepanow (23). 

Stephen 386. 

Stilling 146. 

Stilling n. Wortmann 1 
85. 

Stoll (20). 

Stolypinski (34). 
Stricker 79. 

Strojkow, J. f 377. 
Strtlmpell 198. 

Stryk 8. 

Stschastnew, S. f 154. 
Studenski, N. 360. 


Subkowski (18). 
Sujew (28). 
Suruktschi (17). 
Süssmann (12). 
Sutton, II. f 208. 
Svetlin 357. 
Swentizki f 416. 
Swetuchin (32). 
Swjatlowski (3), 
(31), (35). 

Sykow f 387. 
Szadek 62. 
Szokalski, V. f 10. 


Tadorski (23). 

Talko (4). 
Tarnowskaja (36). 
Tatarinow, F. f 140. 
Tauber (17). 

Teleky 154. 


Trojanow (23), (27). 
Truhart 226. 

Trzebicky 206. 
Tschansclianski, N. f 86. 
Tscharnomskaja (11). 
Tschelzow 160,(1),(23). 
Tscherbischewitsch, K. 
; f 369. 

(13),|Tschernow (5). 
Tschernyschew (4). 
Tschirkow (9, 15). 
Tschish 443. 

Tschistowitsch (2), (23), 
(24). 

Tschlenow (23). 
Tschudnowski(17),(28). 
Turanski, N. f 200. 


Ucke 97. 
iUfer 303. 


95, 107*, 


406. 


Ter - Michaeljanz (17), Uffelmann, s. Munk u. 

(18), (20), (22). , U. 

Thoma 125, 443. ;Unna 237. 

Thomas 435. Unverricht 

Thomson 433. 

Tyschko (23). 

Thyssen 368. 

Tichborn, s. Heusten 
und T. 

Tiling 160, 393, 406. 

Timofejew (3). 

Tischutkin (18). 

Tokarski (7). 

Tolmatschew (20). 

Tolski f 62. 

Topolew, N. f 360. 

Tranjen 134. 

Trapesnikow (21), (31) 

Treu 477. 

Treymann 23*. 

Trol'zki (21). 


117*, 358, 404*, 444. 
Urbantschitsch 248. 
Urnjasch f 63. 

Uskow (2). 

Uspenski, W. f 
Uwarow (6). 

Valentini 292. 

Veit 180, 274. 
Verneuil 114. 
Versträten 238. 
Vierordt 226. 

Villaret 112. 

Vogt, A. f 228. 
Volland 179. 

Vollert 365. 

Voss 96, 477. 


Wadsinski (35). 
Wagner, K. (17), (23), 
(32). 

Wagner, W. (25). 
Wallner 394. 
Ward-Richardson 324. 
Warlomont f 38. 
Wassiljew, N. f 97, 10». 
Wassiljew,M.(ll), (27). 
Wassiljew, W. (23). 
Wassilkow, G. f 192. 
Weber-Liel 436. 

Weber, W. t 220. 
Weber 386. 

Wedernikow, D. |39J. 
Wedl, C. f 342. 
Welitschkin, s. Spreu- 
shin u. W. 

Weigert 416. 

Weiss, Wilh. t 228. 
Weiss, W. f 277. 
Wendel 422. 

Werner 476. 

Wertheim 442. 
Wesselowski f 
Westphal 207. 
Westphalen 101* 

375. 

Wetschtomow (20). 
Wetterstrand 357. 
White 421. 

Wiebeck, E. f 368. 
Wiedemann 123. 
Wiederhold 405. 
Wiesendanger 358. 
Wikham 43. 

Wilken 171. 

Wilms, G. f 360. 
Winternitz 44, 442. 
jWirenius (29). 
Wistinghausen.C. j-268. 


287. 


180, 


Witakowski, J. + 238. 
Witas-Rhode 434. 
Witkowski (3 i). 

Witte (16). 

Wittkowsky 332. 
Wittram, E. f 386. 
Wnukow (31). 

WOlfler 422. 

Wojnow (17), (31). 
Wojnowitsch (27). 

Wolf 37. 

Wolferz, J. 146. 
Wolffhardt 96. 

Wolfram 170. 

Wolkow (8), (12). 
Wolkowitsch (21). 
Wolsla, C. f 258. 

Wood 208. 

Woronichin (26). 
Wortmann, s. Stilling 
u. W. 85. 
Woskressenski (3). 

W wedenski (13). 
Wyciiodzew (31). 

Wyss 18. 

Yion 032. 

Zander (,’), (11). 
Zaufal 20b. 

Zdekauer (2o), (34). 
Zeidler (2). 

Zesarewski (13). 
Ziegler 276. 

Ziemssen 227, 277. 
Zitowitsch (19). 

Zitrin (28). 

Zmigrodski (2), (10). 
Zoege-Manteuffel 415, 
477. 

Zwingmann 8. 


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XVI. JAHRGANG. 


ST. PETERSBURGER 


Neue Folge VIII. Jalirg. 



k 






unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medieinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.— Der Ahonnementapreia ist in Russland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Xnaertionspreis 
für die 3mal gespaltene Zeile in Petit ist 10 Kop. oder 35 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Rogen honorirt. 

NI St. Petersburg, 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet mau ausschliesslich an die Ruchhandlung von Carl Ricker in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect JVs 14, zu richten. — Manuscripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Schröder in 
St. Petersburg, Malaja Italjanskaja 33, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 

5. (17.) Januar 1891 


Inhalt Karl Dehio: Blutuntersuchungen bei der durch Phthisis pulmonum, Oarcinom, Syphilis und Bothriocephalus latus be¬ 
dingten Anämie. — Arnold Schmitz: Zur Casuistik der durch den Bauchschnitt ausgeheilten Peritonealtubereulose. — Referate: 
Sahli: lieber Auswaschung des menschlichen Organismus und über den Werth und die Methoden der Wasserzufuhr in Krank¬ 
heiten. — C. v. Noorden: lieber die Ausnutzung der Nahrung bei Magenkranken. — Rosenstein (Leiden): Zur hypertrophischen 
Cirrhose der Leber. — König: Die peritoneale Tuberculose und ihre Heilung durch den Bauchschnitt.— Bücheranzeigen und 
Besprechungen: A. Leppmann: Die Sachverständigen-Thätigkeit bei Seelenstörungen. — Klinisches Jahrbuch. — Auszug 
aus den Protokollen der Gesellschaft praktischer Aerjzte zu Riga, —- Kleinere Mittheilungen und therapeu¬ 
tische Notizen. — Wirklicher Staatsrath Dr. med. Karl Reyher f. —Vermischtes. — Vacanzen.— M'ört'alitäts- 
Bulletin St, Petersburgs. — Anzeigen. . 


ABONNEMENTS-AUFFORDERUNG. 

Die St. Petersburger 

Medieinische Wochenschrift 

wird auch im Jahre 1891 unter der jetzigen Redaction und nach 
dem bisherigen Programm erscheinen. Sic bleibt ihrer Aufgabe 
getreu, ein Organ für practische Aerzte zu sein und letztere durch 
Originalarbeiten sowohl als durch Referate und Besprechungen neu 
erschienener Werke mit den Ergebnissen zeitgenössischer medici- 
nischer Forschung bekannt zu erhalten. — Wie bisher werden die 
wissenschaftlichen Verhandlungen der Dorpater medicin. Facultät in 
der Wochenschrift erscheinen und wird dieselbe als Organ nach¬ 
stehender Vereine und Gesellschaften 4'ortfahren mit der Veröffent¬ 
lichung der Protokolle des allgem. Vereins St Petersburger Aerzte, i 
des St. Petersburger Vereins deutscher Aerzte, der Gesellschaft prak¬ 
tischer Aerzte za Riga and der Gesellschaft livländischer Aerzte. — . 
Besondere Aufmerksamkeit wird die Wochenschrift auch fernerhin i 
der russischen medicinischen Literatur widmen und in gleicher 
Weise, wie im vorigen Jahre, auch weiterhin durch fortlaufendeRe- 
ferate über alle wichtigeren in russ. medicin. Journalen erscheinenden I 
Arbeiten, s owie über die Verhandlungen russischer medicinischer Ge¬ 
sellschaften, den mit der russischen Sprache nicht vertrauten Fach- 
genossen die Einsicht in diese stetig an Bedeutung gewinnende Li¬ 
teratur ermöglichen. — Der Abonnementspreis ist incl Zustellung in 
Russland 8 Rbl. für das Jahr, 4 Rbl. für ein halbes Jahr; ln den 
anderen Ländern 20 Mark für das Jahr, 10 Mark für ein halbes Jahr. 
Abonnements-Aufträge bittet man an die Buchhandlung von 0. Ricker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect Äs 14, Hanusoripte sowie alle 
auf die Redaction bezüglichen Mittbeilungen an den geschäfts- ; 
führenden Redacteur Br. Theodor von Schröder (Malaja Italjan- i 
skaja , Hau s J3, Quart. 3) zu richten. | 

Blutuntersuchungen 
bei der durch Phthisis pulmonum, Carcinom, Sy- I 
philis und Bothriocephalus latus bedingten Anämie. 

Von ! 

Prof. Dr. Karl Dehio 
in Dorpat. 

Ein auf dem zweiten livländischen Aerztetage zu Wenden im 
August 1890 gehaltener Vortrag. 

M. H.! Ein Blick auf die Entwickelung unserer medici¬ 
nischen Kenntnisse lehrt uns, dass alle wesentlichen Fort¬ 
schritte derselben gebunden sind an die Entwickelung und 


Vervollkommnung der Hilfsmittel und Methoden unserer 
Untersuchung. So verhält es sich auch auf dem Gebiete, 
auf das ich Sie mir heute zu folgen bitte. 

Die Blutarmuth ist eine Krankheit von so augenfälligen 
Symptome?, dass dieselbe wohl zu den ältestbekannten 
Krankheitsbildern gezählt werden muss. Ihre Bedeutung als 
primäre, anscheinend idiopathische Erkrankung, wie beson¬ 
ders auch als Begleiterscheinung sonstiger schwerer Gesund¬ 
heitsstörungen und Cachexien ist allbekannt und von jeher 
anerkannt worden und dennoch waren die Anschauungen, 
die wir von den bei der Blutarmuth vor sich gehenden ma¬ 
teriellen Veränderungen im Blute hatten, nur ganz vage 
und unbestimmte; wenn man in einem Fall eine Oligocyt- 
hämie, im anderen Fall eine Hypalbuminose oder Hypinose 
annahm, so waren das eigentlich mehr theoretisch construirte 
Begriffe, für die man nachträglich in der Natur die Bestä¬ 
tigungsuchte, als Veränderungen, welche sich durch die un¬ 
mittelbare Naturbetrachtung ergaben. 

Erst seit wir in den Besitz von Untersuchungsmethoden 
gelangt sind, welche es uns gestatten auch am lebenden 
Menschen über die morphotischen Bestandteile des Blutes 
und gewisse quantitative Verhältnisse der Blutzusammen¬ 
setzung, wie namentlich über die Zahl, Grösse und Form 
der Blutkörperchen und über den Träger der Oxydations- 
processe des Organismus, das Hämoglobin, Aufschluss zu 
erhalten, erst seitdem haben wir wenigstens für einen Theil 
der Anämien charakteristische Blutveränderungen kennen 
gelernt, welche uns gleichsam die pathologisch-anatomische 
Basis für dieselben bieten. 

Was zunächst die Zählung der iq der Cnbikeinheit Blutes 
enthaltenen BlutkÖrperchen-anlängt, so .können wir die¬ 
selbe mit Hülfe eines der "unter Sem Namen Blutkörper¬ 
chen-Zähler bekannten Apparate ausführen; welchem unter 
denselben der Vorzug der Genauigkeit gebührt, will ich 
dahingestellt sein lassen; es dürfte dabei die persönliche 
Uebung wol den Ausschlag geben. Ich habe anfänglich 
viel mit dem Hayem schen Blutkörperchenzähler gearbeitet, 
gebe aber jetzt dem von Thomaund Zeiss zusammenge¬ 
stellten Apparat den Vorzug. 


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2 


Die Form und durchschnittliche Grösse der Blut¬ 
körperchen kann sehr bequem nach einer von Laache 
angegebenen Methode geprüft werden, welche die zu unter¬ 
suchenden Bluttröpfchen auf einen schwach erwärmten Ob- 
jectivträger in dünner Lage ausstreicht und antrocknen lässt. 
Hierbei erhalten sich die rothen Blutkörperchen in ihrer 
Form vollkommen intact, so dass sie bequem unter das 
Mikroskop gebracht, betrachtet und mit Hülfe eines Ocu- 
larmikrometers auch gemessen werden können. Es lässt 
sichrso die durchschnittliche Grösse der Blutkörperchen be¬ 
stimmen und wenn man gewisse Mittelmasse festsetzt, auch 
eruiren, wie viel % der Blutkörperchen über dem Mittel- 
maass, wie viele unter demselben stehen, und wie viele 
der Mittelgrösse entsprechen. Doch hat, wie mir scheint, 
diese Grössenbestimmung der Blutkörperchen klinisch eine 
weit geringere Bedeutung, als die Untersuchung der Form 
derselben und das Fahnden nach der mehr oder weniger 
häufigen Anwesenheit von Poikilo-, Makro- und Mikrocythen. 

Wie die rothen, so können wir natürlich auch dieweissen 
Blutkörperchen zählen und das relative Mengenverhältniss 
der weissen zu den rothen feststellen. 

Ein sehr wichtiger Theil der Blutuntersuchungen besteht 
nun in der Bestimmung des Hämoglobingehaltes des 
Blutes und es lässt sich wohl sagen, dass die Blutkör¬ 
perchenzählungen ein höheres klinisches Interesse erst seit 
der Zeit gewonnen haben, seitdem sie mit den Hämoglobin¬ 
bestimmungen combinirt werden können. Es ist das Ver¬ 
dienst von Malassez, in seinem Hämochromometer zuerst 
einen, auch für klinische Zwecke brauchbaren Messappa¬ 
rat angegeben' zu haben, mit welchem der procentische Ge¬ 
halt des Blutes an Hämoglobin mit annähernder Genauig¬ 
keit festgestellt werden kann. Klinisch von noch grösserer 
Handlichkeit ist der neuerdings und auch vpn mir viel¬ 
fach benutzte von Fleischl von Marxow erfundene Hämo¬ 
meter, welcher übrigens auf demselben colorimetrischen Prin- 
eip beruht, wie der eben genannte Malassez’sche Apparat. 

Nach den soeben erwähnten Methoden hat nun der Nor¬ 
weger L a a c h e x ) das Verdienst, zuerst längere Untersuchungs¬ 
reihen bei den veschiedensten Formen von Anämie aus¬ 
geführt zu haben. Das wichtigste und interessanteste Re¬ 
sultat derselben besteht wohl in dem Nachweis, dass den 
Hauptformen der primären idiopathischen Anämie, zu denen 
ja auch die Chlorose gerechnet werden muss, ganz be¬ 
stimmte klinisch erkennbare Blutveränderungen zu Grunde 
liegen. So hat Laache gezeigt, dass bei der so häufigen, 
gewöhnlichen, durch schlechte Ernährung und ungünstige 
Lebensverhältnisse hervorgerufenen, einfachen idiopa¬ 
thischen Anämie die Zahl der in der Cubikeinheit Blutes 
enthaltenen rothen Blutkörperchen mehr oder weniger hoch¬ 
gradig herabgesetzt, ja bis auf 50% der Norm vermin¬ 
dert sein kann, und dass der Hämoglobinreichthum des 
Blutes sich in demselben Verhältniss vermindert. Die Form 
und Grösse der rothen Blutkörperchen und die Zahl der 
Leukocythen zeigt keine hochgradigeren Abweichungen von 
der Norm, oder mit anderen Worten: das Blut der Anä¬ 
mischen ist blutkörperchenärmer geworden, das einzelne 
Blutkörperchen, für sich genommen, befindet sich nach wie 
vor im Besitz seines normalen Hämoglobingehaltes. 

Bei der perniciösen Anämie dagegen ist die Zahl der 
rothen Blutkörperchen viel bedeutender herabgesetzt, und 
Laache sowie auch Graeber beschreiben Fälle, wo statt 
der normalen 5—5 Va Millionen Blutköiperchen nur noch 
700,000, 600,000 ja 400,000 Blutkörperchen im Cubikmilli- 
meter Blutes vorhanden waren. Der Hämoglobingehalt des 
Blutes ist gleichfalls herabgesetzt, jedoch, und das ist cha¬ 
rakteristisch, in relativ weniger hohem Grade als die Zahl 
der Blutkörperchen. So beschrieb z. B. Graeber einen 
Fall, wo nur noch 710,000 Blutkörperchen im Cubikmilli- 
meter, also etwa 14% der normalen Blutkörperchenzahl 
vorhanden war, während der Cubikmillimeter Blutes noch 


8. Laache. Die Anämie. Christiania 1883. 


etwa 0,03 Milligramm Hämoglobin, also annähernd 25% 
des normalen Hämoglobingehaltes besass. Hieraus folgt, 
dass bei der perniciösen Anämie das Blut, abgesehen von 
der Poikilocythose und der geringen Vermehrung der Leuko¬ 
cythen, eine sehr hochgradige Einbusse an rothen Blutkör¬ 
perchen erfährt, dass aber das einzelne Blutkörperchen als 
solches keine Verminderung seines Hämoglobingehaltes er¬ 
leidet, sondern eher hämoglobinreicher wird. 

Für die Chlorose ist zum Theil schon von Laache 2 ), 
vor allen Dingen aber von Graeber 8 ) in München, ein 
ganz entgegengesetztes Verhalten constatirt worden. Bei 
dieser AfFection pflegt die Anzahl der in der Maasseinheit 
Blutes vorhandenen rothen Blutkörperchen entweder gar- 
nicht oder nur sehr wenig herabgesetzt zu sein, während 
der Hämoglobingehalt in relativ viel höherem Maasse ver¬ 
ringert ist. So habe ich z. B. in einem Fall von Chlo¬ 
rose bei 5,000,000 Blutkörperchen pro Cubikmillimeter Blut 
nur noch 52% des normalen Hämoglobingehaltes vorge¬ 
funden, so dass also das einzelne Blutkörperchen nur etwa 
die Hälfte seiner normalen Hämoglobinmenge übrig behalten 
hatte. Das Blut der Chlorotischen ist somit durchaus nicht 
übermässig arm an rothen Blutkörperchen; wohl aber ent¬ 
hält das einzelne Körperchen eine subnormale Menge Blut¬ 
farbstoff, was sich auch bei der mikroskopischen Betrach¬ 
tung des chlorotischen Blutes an der blassen Färbung der 
rothen Blutkörperchen leicht erkennen lässt. Kurz zu¬ 
sammengefasst können wir nochmals sagen: 

1) Bei gesunden Individuen ist die Zahl der Blutkör¬ 
perchen und der Hämoglobingehalt normal. 

2) Bei der einfachen Anämie ist die Blutkörperchen¬ 
zahl und das Hämoglobin im Verhältniss zum Blutquan¬ 
tum gleichmässig vermindert. 

3) Bei der perniciösen Anämie ist die Blutkörperchen¬ 
zahl sehr bedeutend, der Hämoglobingehalt des Blutes in 
relativ geringerem Maasse vermindert. 

4) Bei der Chlorose ist die Blutkörperchenzahl nur wenig 
oder gamicht, und der Hämoglobingehalt des Blutes in be¬ 
deutend höherem Maasse vermindert. 

Diese charakteristischen und sicheren Resultate der kli¬ 
nischen Blutuntersuchungen ermuntern natürlich dazu, auch 
sonstige Formen der Anämie und besonders die im Gefolge 
anderer Krankheiten auftretenden secundären Anämien 
nach denselben Untersuchungsmethoden zu prüfen. 

Aus diesem Grunde hat daher zunächst Dr. Neubert 4 ) 
auf meine Veranlassung das Blut von 24 Kranken, welche 
an Phthisis pulm. iir den verschiedensten Stadien litten, 
nach den angegebenen Richtungen untersucht. Obgleich 
schon ziemlich zahlreiche Blutkörperchenzählungen bei Phthi¬ 
sikern ausgeführt worden sind, und auch schon einige ein¬ 
schlägige Hämoglobinbestimmungen vorliegen, so variiren 
doch die von den verschiedenen Autoren gewonnenen Resul¬ 
tate so bedeutend, dass die von Neubert an einem grösseren 
Krankenmaterial gewonnenen Untersuchungsreihen nicht 
ohne Interesse sind. Obgleich Neubert die Resultate der¬ 
selben in seiner Dissertation und kurz auch in der St. Pet. 
Med. Wochenschrift 5 ) vor Jahresfrist publicirt hat, möchte 
ich, nur um Ihnen die Uebersicht zu erleichtern, doch ganz 
kurz seine Befunde recapituliren. 

Die Zahl der Blutkörperchen zeigte ziemlich beträchtliche 
Schwankungen; meist war sie vermindert, oft aber war sie 
auch normal, ja in 3 von den 24 Fällen überschritt sie sogar 
ein wenig die Norm. Letzteres war mit grosser Wahrschein¬ 
lichkeit darauf zurückzuführen, dass die betreffenden Pa¬ 
tienten an starken Säfteverlusten durch Nachtschweisse und 
Durchfälle litten, welche zu einer Eindickung des Blutes ge- 


3 j E. Graeber. Zur klinischen Diagnostik der Blutkrankheiten. 
Leipzig 1888. 

*) G. Neubert. Ein Beitrag zur Blutuntersuchung, speciell bei 
der Phthisis pulmonum und dem Carcinom. — Dorpater lnaugural- 
Dissertation 1889. 

6 ) G. Neubert. Diese Wocbenschr. 1889. 32. 


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3 


fühlt hatten. Der relative Hämoglobingehalt des Blutes war 
dagegen constant herabgesetzt und zwar in höherem Maasse 
als die Blutkörperchenzahl, so dass der Hämoglobingehalt 
des einzelnen Blutkörperchens bei Frauen auf 73%>, bei 
Männern auf 85% des normalen gesunken war. Als charak¬ 
teristische Veränderung bei der Anämie der Phthisiker 
haben wir also die, wenn auch nicht hochgradige, so doch 
zweifellose Hämoglobinarmuth der einzelnen Blut¬ 
körperchen anzusehen, während die Zahl derselben 
sich wechselnd verhalten kann, meistens jedoch 
auch vermindert ist. 

Ganz analoge Veränderungen fand Neubert in 5 Fällen 
von Carcinoma oesophagi und 4 Fällen von Carcinoma 
ventriculi. Auch hier war der Hämoglobingehalt des Blutes 
in höherem Maasse verringert als die Zahl der Blutkörperchen, 
so dass das einzelne Blutkörperchen durchschnittlich nur 
70—85% seiner normalen Hämoglobinmenge besass. Zu¬ 
gleich hat Ne u b e r t aber auch die Beobachtung H a m p e 1 n ’ s 
bestätigen können, dass sich bei der Carcinose zwei verschie¬ 
dene Typen der Cachexie entwickeln können: Beim soge¬ 
nannten marastischen Typus, bei dem die Kranken hoch¬ 
gradig abmagern, an Kräften- verlieren und ein erdfahles 
Aussehen haben, ist die Verarmung des Blutes an Hämo¬ 
globin und Blutkörperchen relativ gering; bei dem soge¬ 
nannten anämischen Typus der Carcinose dagegen, bei 
dem die Krankheit schliesslich das vollkommene Bild der 
pemiciösen Anämie mit wachsfarbener Blässe der Haut und 
leichten Oedemen bietet, hat Neubertdie Blutkörperchen¬ 
zahl auf 3,400,000 pro Cubikmillimeter, d. h. auf 60% der 
Norm sinken und den Hämoglobingehalt des Blutes sich auf 
44% des Gewöhnlichen verringern sehen.—Noch hochgradi¬ 
gere anämische Blutveränderungen bei Carcinose beschreibt 
Helling, welcher unter Dr. H a m p e 1 n’s Leitung in einem Fall- 
von Carcinoma ventriculi nur noch 1,900,000 Blutkörper¬ 
chen im Cubikmillimeter gefunden hat. 

Im Allgemeinen lässt sich aus N e u b e r t’s Untersuchungen 
der Schluss ziehen, dass bei der chronischen Cachexie 
derPhthisiker undCarcinomatösendasHämoglobin, 
als der empfindlichste Bestand theil der rothen Blut¬ 
körperchen, schneller und stärker den schädlichen 
Einflüssen unterliegt, als das Stroma des Blutkör¬ 
perchens selbst. Es entsteht dadurch eine Entmischung 
des Blutes, welche, wie Sie sehen, einige Aehnlichkeit 
mit der chlorotischen Blutbeschaffenheit hat. Hier 
wie dort sind die Blutkörperchen hämoglobinärmer als nor¬ 
mal; der Unterschied besteht nur darin, dass bei der Chlorose 
die Verarmung der einzelnen Blutkörperchen an Blutfarb¬ 
stoff eine viel hochgradigere ist, und dass andererseits die 
Abnahme der auf die Volumeinheit Blutes kommenden Zahl 
rother Blutkörperchen bei der Cachexie der Phthisiker und 
Carcinomatösen viel auffallender ist, als bei der gewöhn¬ 
lichen Chlorose. 

Sehr deutlich tritt uns diese Analogie mit der Chlorose 
auch bei einer anderen Form der secundären Anämie ent¬ 
gegen, welche Dr. Lezius 8 ) mit mir gemeinschaftlich unter¬ 
sucht hat. Es ist das die sogenannte syphilitische Chlo¬ 
rose. Bekanntlich stellt sich bei der grossen Mehrzahl der 
syphilitischen Kranken, um die Zeit des Beginns der secun¬ 
dären Periode, gleichzeitig mit dem Ausbruch der Roseola, 
der ersten Schleimhauterkrankungen und den sonstigen 
Symptomen der stattgefundenen Allgemein-Infection des 
Körpers, eine mehr oder weniger hochgradige Anämie ein, 
deren klinische Symptome — Hautblässe, allgemeine Ab¬ 
magerung, Ermüdungsgefühl etc., — schon vielfach beschrie¬ 
ben worden sind. Lezius hat nun bei 20 männlichen und weib¬ 
lichen Kranken in diesem Stadium continuirliche Blutunter¬ 
suchungen vorgenommen und typische Veränderungen der 
Zusammensetzung des Bluts nachgewiesen: Die Zahl der 
rothenBlutkörperchen ist in derRegel vermindert, 


•) Aug. Lezius Blutveränderungen bei der Anämie der Sy¬ 
philitischen. Dorpater Inauguraldissertation. 1889. 


doch ist diese Verringerung durchschnittlich keine 
sehr hochgradige und pflegt Zahlen zu ergeben, die 
zwischen 80 und 90% des Normalen schwanken. — Der Hä¬ 
moglobingehalt ist dagegen zur Blüthezeit des Exanthems 
stets bedeutend stärker, und zwar durchschnittlich auf 
65—67% des Normalen herabgesetzt, so dass die ein¬ 
zelnen Blutkörperchen nur noch etwa 70% ihres normalen 
Hämoglobingehaltes besitzen. In seltenen Fällen, wo die 
syphilitische Anämie nur wenig ausgeprägt ist, scheint die 
Zahl der Blutkörperchen gar keine Einbusse zu erleiden; 
dennoch erweist aber die nähere Untersuchung, dass der 
Hämoglobinreichthum des Blutes immerhin gesunken ist, 
und dass somit der verderbliche Einfluss der syphilitischen 
Infection auf diesen wichtigsten Bestandthe.il des Bluts auch 
hier nicht ausgeblieben ist. — Bei passender Behandlung 
(durch Quecksilber) hebt sich in gleichem Schritt mit der 
Besserung der sonstigen Krankheitserscheinungen sowohl der 
Hämoglobingehalt wie die Blutkörperchenzahl, wobei auch 
das Allgemeinbefinden zur Norm zurückkehrt. Der Ein¬ 
wand, dass diese Anämie der Syphilitischen vielleicht nur 
auf die ungünstigen allgemeinen Einflüsse des Hospitalauf¬ 
enthaltes oder auf die Quecksilberbehandlung zurückzu¬ 
führen sei, haben wir durch Parallelversuche an nicht syphi¬ 
litischen Hospitalkranken mit Sicherheit widerlegt. — Sie 
sehen also, m. H., dass die alte Bezeichnung „syphilitische 
Chlorose“ für die soeben besprochenen Zustände auch jetzt, 
im Licht unserer neueren Untersuchungen sehr gut zutrifft. 

Ganz besonders hat mich schliesslich in letzter Zeit eine 
Form der Bluterkrankung interessirt, welche als bei uns zu 
Lande endemisch bezeichnet werden kann. Ich meine 
die durch den Bothriocephalus latus verursachte 
Anämie, welche zuerst von Reyher in Dorpat und ferner 
von Runeberg in Helsingfors und Botkin, Schapirou. A. 
in St. Petersburg beschrieben worden ist. Klinisch verläuft 
dieselbe bekanntlich unter den Erscheinungen einerschweren, 
progressiven Anämie, die man als eine pemiciöse bezeichnen 
könnte, wenn es nicht in vielen Fällen gelänge, durch 
Abtreibung des Bandwurmes Besserung und schliesslich Ge¬ 
nesung zu erzielen. Ich habe fünf einschlägige Fälle genau 
beobachtet und gemeinsam mit Dr. Lezius, welcher die fort¬ 
laufenden Blutuntersuchungen ausführte, theils im Hospital, 
theils poliklinisch behandelt. Die Zeit erlaubt mir nicht, 
näher auf dieselben einzugehen; ganz kurz muss ich sie aber, 
namentlich in Bezug auf den Blutbefund, welchen sie dar¬ 
boten, referiren: 

1. J. L. 28 jähriger Arbeiter leidet seit 2 Monaten an Durch¬ 
fällen, welche zuweilen blutig gewesen sein sollen; er zeigt die 
Erscheinungen einer hochgradigen Anämie: Apathie, Schwindel 
wenn man ihn aufrichtet. Ohrenklingen, Vertauben der Hände und 
Füsse, Herzklopfen, wachsgelbe Hautfarbe, hochgradige Abmage¬ 
rung, und ist so schwach, dass er weder stehen noch sitzen kann. 
In den flüssigen Stühlen massenhafte Eier von Bothriocephalus lat. 

17. IV. Die Blutuntersuchung ergab: 

Hämoglobingehalt *) Hb.: circa 22% des Normalen (abgelesen 
19%); rothe Blutkörperchen r. Btc.: 965,000 im Cub.-Mm. 
(=17°/o des Normalen). 

22. IV. Hb.: circa 21°/o des Normalen (abgel. 18°/o): r. Btc. 880,000 
im Cub.-Mm. (— 16°/o des Normalen). 

Patient verliess das Hospital vor Beendigung der Kur. 

2. A. S. 35 jährige Arbeitersfrau, hat seit 6 Jahren Abgang 
von ellenlangen Bandwurmfetzen gehabt und leidet seit 5 Monaten 
an progressiver Körperschwäche und Anämie. Bei der Aufnahme 


*) Anmerkung: Durch Controlversuche, welche in den obener¬ 
wähnten Dissertationen von N e u b e r t und Lezius ausführlich be¬ 
sprochen sind und auf welche ich hier nicht näher eingehen kann, 
ist festgestellt worden, dass der Hämometer, mit welchem wir 
arbeiteten, für den Hämoglobingehalt des Blutes constant zu nie¬ 
drige Zahlen angab. Je nämoglobinärmer das untersuchte Blut 
war, desto grösser wurde die Differenz, so dass wir eine regel¬ 
mässige Tabelle zusammenstcllen konnten, nach welcher sich die 
am Apparat abgelesenen Zahlen annähernd corrigiren Hessen. 
Alle bisher in der vorliegenden Arbeit angegebenen Durch schnitts- 
zalden des Hämoglobingehaltes sind nach dieser Tabelle berich¬ 
tigt worden. In den nun folgenden Krankengeschichten habe ich 
jedoch neben den corrigirten Zahlen stets auch die abgelesenen 
uueorrigirten Zahlen in Klammern beigefügt um dem Vorwurf zu 
entgehen, als hätte ich die Zahlen zu meinen Gunsten abgeändert. 


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i* 



4 


in’s Hospital: alle Erscheinungen einer schweren Anämie. Oedeme 
der Unterschenkel, geringe Dilatation des Herzens: keine. Albu¬ 
minurie. 

4. IX. Die Blutuntersuchung ergab: 

Hb.: c. 25% d. Norm, (abgel. 22%); r. Btc.: 1,215,000 im OMm. 
(= 22% d. Norm.): Poikilocythose, Megalocythen und ein¬ 
zelne Mikrocythen. 

Einige Wochen nach einer erfolgreichen Bandwurmkur hatte 
Pat. sich gut erholt und an Kräften gewonnen. Keine Oedeme. 

7; X. Die Blutuntersuchungiergab nun: 

Hb.: 54 % d. Norm, (abgel. 47%); r. Btc.: 3,042,500 im CMm. 
(= 59% d. Norm.). 

Von nun an fortschreitende Besserung des Allgemeinbefindens. 

3. Herr J. R. 63 Jahr alt. Landwirth. Seit 5 Wochen blass und 
mager geworden, leichte Oedeme der Unterschenkel, geringe Dila¬ 
tation aes Herzens, leises systolisches Blasen an der Herzspitze. 
Wachsartige Blässe der Hautdecken. Keine Albuminurie. In den 
Faeces reichliche Bothriocephaleneier. 

23. V. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 41 % d.Norm, (abgel. 32°/«): r. Btc.: 1,500000 im CMm. 
(~:27% d. Norm.). 

Am. 29. IV. wird ein grosses Convolut von Bothrioccphaleu mit 
drei Köpfen abgetrieben. 

2. V. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 37% d. Norm, (abgel. 28%): r. Btc.: 1,600000 im CMm. 
(— 28 % d. Norm.). 

15. V. Hb.: c. 43 % d. Norm, (abgel. 34%); r. Btc..: 1,645000 im 
CMm. (= 29 % d. Norm.). 

Die Oedeme haben abgenommen, das Geräusch am Herzen ist 
kaum noch zu hören. 

30. V. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 54 % d. Norm, (abgel. 46%): r. Btc.: 2,300000 im CMm. 
f— 40 % d. Norm.). 

Pat. hat sich gut erholt und hat sich uns nicht weiter vorgestellt. 

4. Stud. A. K. 21. Jahr alt. Hat vor drei Jahren an Nasen¬ 
bluten und au hochgradiger Blutarmuth gelitten. Soll vor einem 
Jahr an einem suspecten Lungenkatarrh behandelt worden sein. 

Vor 3 Wochen Abgang eines % Fuss langen Bandwurmstückes. 

Hochgradige Magerkeit und Blässe, Kopfweh und Schwindel. 
Oedematöse Gedunsenheit des Gesichtes und der Unterschenkel. 
Auf den Lungen objectiv nichts zu finden. Keine Albuminurie. 
Reichliche Bothriocephaleneier in den Faeces. 

20. VIII. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 30 % d. Norm, (abgel. 25,5%); r. Blc.: 1,787,500 im CMm. 
(= 32 % d. Norm.). 

Nach einer am 22. VHI. begonnenen Bandwurmkur ist ein grosses 
Convolut von Bothrioeephalen abgegangen. Darnach hat Pat. 
sich besser gefühlt. Am 1. IX. ist er schon im Stande zu Fuss 
von Hause bis in’s Hospital zu gehen, was er früher nicht konnte. 
Bothriocephaleneier sind in den Faeces nicht mehr zu finden. 

1. IX. Blutuntersuchuqg: 

Hb.: c. 37 % d. Norm, (abgel.: 28°,o); r. Btc.: 2,027.000 (- 36 % 
d. Norm.). 

Weiterhin erholte sich Pat. sehr rasch. 

19. IX. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 66% d. Norm, (abgel. 63%): r. Btc.: 3,700.000 im CMm. 
(= 66% d. Norm.). 

Pat. fühlt sich kräftiger und besucht schon das Colleg, bekommt 
Farbe im Gesicht. Appetit und Stuhl normal. Keine Oedeme. 

12. X. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 85 % d. Norm, (abgel. &3%): r. Btc.: 3,907,500 im CMm. 
(= 71 % d. Norm.). 

Pat. fühlt sich ganz gesund, sieht nur etwas mager und blass aus. 
Appetit und Verdauung vortrefflich. In den Faeces keine Helmin¬ 
theneier. 

18. XI. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 97 % d. Norm, (atigel. 96%); r. Btc.: 5,100,000 im CMm. 
(= 93 % d. Norm.). 

Pak fühlt sich vollkommen wohl und kräftig, sieht frisch und 
blühend aus. — In den Faeces keine Helmintheneier. Da das Blut 
einen in die Grenzen des Normalen fallenden Befund ergiebt, 
wird Pat. als genesen entlassen. 

5) Herr H. S. 60 Jahr alt. Nivelleur. Vor 4 Wochen mit 
Magensymptomen erkrankt, rasch abgemagert und blass geworden. 
Wachsblässe der Haut und aller Schleimhäute, extreme Körper¬ 
schwäche. so dass Pat. kaum im Stande ist durchs Zimmer zu 

S 2 hen. Schwindel und Ohnmachtsanfälle: kleiner frequenter Puls: 

edem um die Fussknöchel. Dilatation des Herzens, systolisches 
Geräusch am untern Ende des Sternum, präsystolisch-systolischer 
Halsvenenpuls. Keine Albuminurie. In den Faeces reichliche 
Mengen von Bothriocephaluseiern. welche den Zuhörern demon- 
strirt werden. 

18. IV. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 26 % d. Norm, (abgel. 23%); r. Btc.: 1,200.000 im CMm. 
(= 22 % d. Norm.). 

Es werden nun mehrfache Bandwurmkuren vorgenommen, welche 
jedoch keinen Erfolg haben. Während dessen fortschreitende 
Verschlimmerung des Zustandes. Pat. ist am 1. V. nicht mehr 
im Stande das Bett zu verlassen. In den Faeces lassen sich an 
diesem Tage keine Bothriocephaleneier anffinden. 


1. V'. Blut Untersuchung: 

Hb.: c. 19 % d. Norm, (abgel. 15%); r. Btc.: 930,000 im CMm. 
(= 16 % d. Norm.): geringe Poikilo- und Mikrocythose. 

Es wurden am 1. V. vermittelst der ZreMssEN’schen Blutinfusiou 
200 Ccm. defibrinirten Blutes in das subcutane Gewebe der Ober¬ 
schenkel injicirt, jedoch ohne Erfolg. 

4. V. Blutuntersuchung: 

Hb.: c. 18 % d. Norm, (abgel. 14%). Die Hämoglobinbestimmung 
ist wegen der blassen Farbe der Blutmischung schwierig 
und unsicher: r. Btc.: 550,000 im CMm. (= 10 % d. Norm.); 
reichliche Mikrocythen. 

Am 6. V. erfolgt der Tod. 

Die Section ergab ausser hochgradiger Abmagerung und ex¬ 
tremer Blutarmuth aller Organe nichts Auffallendes. Trotz sorg¬ 
fältigen Suchens Hess sich kein Bandwurm im Darmtractus auf¬ 
finden *). 

M. H.! Diese Fälle, so gering sie auch an Zahl sind, bestä¬ 
tigen doch die Thatsache, dass sich bei Menschen, welche 
am Bothriocephalus lat. leiden, eine schwere Form der Anä¬ 
mie entwickeln kann, die ganz andere Blutveränderungen 
setzt, als wir sie bei den Phthisikern, Carcinoinatösen und Sy¬ 
philitischen zu Gesichte bekamen. Bei der durch den Bo- 
thriocephaluslat. bedingten Anämie ist die Zahl der 
rothen Blutkörperchen auf ein Minimum reducirt; 
statt 5 Millionen und mehr finden sich unter Umständen nur 
noch 500,000 Blutkörperchen im Cub.-Mm., und was das 
Hämoglobin betrifft, so ist dasselbe zwar auch sehr bedeutend 
vermindert, aber dennoch ergeben sich bei der quantita¬ 
tiven Bestimmung desselben durchschnittlich nicht niedrigere 
sondern eher etwas höhere Procentzahlen, als bei den ent¬ 
sprechenden Blutkörperchenzählungen. Die einzelnen 
Blutkörperchen als solche sind also nicht hämoglo¬ 
binärmer geworden, sondern enthalten eher etwas 
mehr als zu wenig Blutfarbstoff. Wir finden also hier 
dasselbe Verhalten wieder, welches wir schon als charakte¬ 
ristische Eigentümlichkeit der schweren idiopathischen und 
perniciosen Anämie kennen gelernt haben. 

Dem entspricht auch das Krankheitsbild der Bothrioce¬ 
phalus-Anämie und oft der Verlauf dieser Erkrankung. Wo 
es nicht gelingt, der Indicatio causalis durch die Abtreibung 
des Bandwurmes gerecht zu werden, da scheint auch jeder 
andere Heilungsversuch vergeblich. Wenigstens habe ich 
mich im letzten von mir referirten Fall umsonst bemüht das 
letale Ende abzuwenden. 


Zur Casuistik der durch den Bauchschnitt aus¬ 
geheilten Peritonealtuberculose. 

Von 

Dr. Arnold Schmitz 
in St. Petersburg. 


Die derzeit noch durchaus räthselhafte, doch keineswegs 
mehr anfechtbare Heilwirkung der Laparotomie auf viele 
Fälle von Bauchfelltubereulose fordert zur sorgfältigen Re- 
gistrirung aller einschlägigen Erfahrungen auf. Eine von 
Prof. König — Göttingen veranlasste und auf der chirur¬ 
gischen Section des letzten internationalen Congresses zu 
Berlin raitgetheilte Durchmusterung der neuen Literatur 
hat bereits die respectable Zahl von 131 für die betreßende 
Frage verwendbaren Fällen ergeben. Es ist anzunehmen, 
dass diese Ziffer in nächster Zeit bedeutend wachsen wird, 
und es steht zu hoffen, dass damit auch Licht in das hier 
noch bestehende Dunkel gebracht werde. 

Nachfolgende Krankheitsgeschichte möge den bisher ver¬ 
öffentlichten angereiht werden. Sie hat das Interessante 
für sich, dass 1'/- Jahr nach vollzogenem Bauchschnitt einein 
hervorragenden Chirurgen Deutschlands Gelegenheit ge¬ 
geben wurde, durch eine Autopsia in vivo die definitive Aus¬ 
heilung der Krankheit zu constatiren. 

*) Anmerkung: Die Thatsache, dass sich in vielen Fällen trotz 
des sichern Nachweises der Bothriocet>haleueier in den Dcjcc- 
tionen dennoch post mortem kein Bandwurm im Darm auflinden 
lässt, ist nicht nur mehrfach von mir. sondern auch von andern 
Autoren constatirt worden. 


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5 


Im September des Jahres 1888 wurde ich von einem hier an¬ 
sässigen deutschen Kaufmann, Herrn D., ersucht, ein damals VI* 
jähriges Mädchen, das er als Pflegekind anzunehmen beabsich¬ 
tigte. auf seinen Gesundheitszustand' zu prüfen. Ich fand ein 
hochblondes, etwas blasses und etwas pastöses, doch im Uebrigen 
durchaus nichts Krankhaftes darbietendes Kind; der Leib war 
allerdings etwas stark, doch liessen sich sonst keine Abnormitäten 
an und in ihm nachweisen, so dass das Aufgetriebensein nur als 
Folge der bisherigen groben Kost aufgefasst werden konnte. Nir¬ 
gends am Körper waren Drüsenanscnoppungen zu finden, auch 
sollten überhaupt früher keinerlei Zeichen von Scrophulose bemerk¬ 
bar gewesen sein. Das Körpergewicht von 127o0 Gr. entsprach 
einem gut genährten Kinde des gleichen Alters.—Von den Eltern 
der Kleinen war der Vater am Leben und von guter Gesundheit, die 
Mutter dagegen war vor V* Jahr gestorben und zwar, wie es hiess, 
an einem Brustleiden. Spätere Erkundigungen ergaben, dass die¬ 
selbe bald nach Entwöhnung des Kindes, welches sie gegen 12 
Monate selbst gestillt hatte, an einer hochfieberhaften acuten exsu¬ 
dativen Pleuritis erkrankt und circa 2 Monate im hiesigen 
evangelischen Hospital behandelt worden war (Mai und Juni 87). 
Wiederholte Punctionen hatten damals ein blutiges Exsudat ent¬ 
leert, so dass der Verdacht auf tuberculöse Natur der Pleuritis 
sich nicht abweisen liess. Patientin war gebessert, doch nicht 
gesund aus dem Hospital entlassen worden und im Frühjahr 1888 
zu Hause'gestorben. 

Bis Ende Februar 1889 war laut Aussage der Pflegeeltern an 
unserer kleinen Patientin nichts Besorgnisserregendes zu bemer¬ 
ken gewesen, — in den ausgezeichneten äusseren Verhältnissen, 
in welche sie jetzt hineingekommen war, und bei der idealen 
Pflege, wie sie ihr zu theil ward, gedieh sie scheinbar durchaus 
gut. Ich hatte die Kleine seit Mitte Deceraber nicht mehr ge¬ 
sehen, als ich am 24. Februar 1889 einer Verdauungsstörung 
wegen Gelegenheit hatte ihren Leib abzutasten. Hierbei ent¬ 
deckte ich nun eine Geschwulst im Abdomen, die bei der 
Untersuchung im Sept. a. p. sicher nicht existirt hatte. Dieselbe 
nahm die Mitte des nur massig meteoristisch aufgetriebenen Un¬ 
terleibes ein, reichte nach oben c. 2 Cm. über den Nabel, seitlich 
bis auf etwa 3 Cm. an die Spinae ilci ant. sup. heran und er¬ 
streckte sich nach unten in aas grosse Becken. 

Nach oben rechts sandte der Tumor einen c. 4 Cm. langen und 
etwa ebenso breiten Fortsatz gegen die Regio hypocbondriaca 
aus, — einen gleichen, nur etwas kleineren zum finken Hypo- 
chondrium hin. Die Grösse der ganzen Geschwulst liess sich mit 
der einer starken Mannesfaust vergleichen; ihre Oberfläche war 
durchweg glatt, die Consistenz nicht überall gleich, stellenweise 
halt, stellenweise vielleicht fluctuirend (?). Der Percussionston 
ira ganzen Bereich des Tumors leer, nur oberhalb der Symphyse 
fand sich eine schmale tympanitische Zone. Nirgends bestand 
Druckempfindlichkeit. Bei aer doppelten Untersuchung per rec¬ 
tum und durch die Bauchdecken, in der Narkose, liessen sich die 
seitlichen Grenzen der Geschwulst deutlich abtasten, indem der 
Finger zwischen sie und beide Darmbeingruben hineindrang; doch 
die untere Grenze erschien undeutlich, und über den Ausgangs¬ 
punkt des Tumors liess sich nichts Sicheres feststellen. Etwas 
Beweglichkeit schien zu bestehen. Im übrigen waren Lungen 
und Herz durchaus gesund, weder Leber nocn Milz vergrössert, 
keinfreierErguss in der Peritonealhöhle. Die Verdauung war 
im Allgemeinen regelmässig, doch hatten die Stühle eine auffal¬ 
lend helle, fast graue Färbung; zugleich bestanden häufig Klagen 
vor dem Stuhlgang wie auch vor dem Urinlassen, ohne dass letz¬ 
teres häufiger als normal erfolgte. Im Harn liessen sich Spuren 
von Eiweiss nachweisen. Häufig sollen abendliche Kopfschweisse 
bemerkbar gewesen sein. 

In der nächsten Zeit aufmerksamster Beobachtung waren local 
keine wesentlichen Veränderungen zu constatiren, wohl aber ein 
rapides Zurückgehen der Ernährung, und Haut und Schleimhaut 
wurden erschreckend blass. Die Körpertemperatur, noch in den 
ersten TagenJdesTMärz normal und subnormal (bis 36,3°) fing vom 
9. März an abends fieberhaft zu werden (bis 38,9°); morgens blieb 
sie normal oder sank bis 36,2° herab. — Alles dieses bewog mich zu 
einer Laparotomie zu rathen, wenn auch nur um sich von der 
Inoperabilität der Geschwulst zu überzeugen, und da sowohl die 
Pflegeeltern als auch der leibliche Vater sofort darauf ein¬ 
gingen, so wurde dieselbe am 20. März 1889 von mir ausgeführt. 

Der Bauchschnitt begann entsprechend der oberen Gescnwulst- 
grenze, also etwas oberhalb des Nabels, und reichte bis auf zwei 
Finger an die Symphyse heran. Die Fascia transversa erschien 
im unteren Theil der Wunde leicht ödematös. Nach Durchtren¬ 
nung des Peritoneum zeigte sich eine lockere Verklebung des¬ 
selben mit dem Tumor im ganzen Bereiche des Schnittes. Vor¬ 
sichtig wurde sie an den Wundrändem in der Breite von nur 
einigen Centimetem, dagegen nach oben links so weit mittelst 
der Finger gelöst, dass diese hier über die Grenze der Geschwulst 
hinaus frei in die Peritonealhöhle hineinlangten und glatten Dann 
fühlen konnten. Weder früher noch jetzt entleerte sich 
auch nur eine Spur von flüssigem Exsudat. Geschwulst wie 
parietales Peritoneum, soweit sichtbar, dicht besät mit linsengros¬ 
sen, etwas glasig aussehenden, leicht blutenden Granulationen. — 
Zum Zweck mikroskopischer Untersuchung wurde ein schmaler 
Streifen des parietalen Bauchfells cxcidirt, im Uebrigen jedoch von 


J eder weiteren Manipulation abgesehen. — Es folgte eine leichte 
odoform-Einstäubung und die volle Vernähung der Wunde. 

Die mikroskopische Untersuchung des excidirteinStückes Pe¬ 
ritoneum, ausgeführt von Dr. Frankenliäuser, ergab: Die Knöt¬ 
chen meist stark vascularisirt, bestehen aus Anhäufungen von 
kleinen Rundzellen und von grossen polyedrischen Zellen, die 
zum Theil ganz ausgesprochene Riesenzellen mit zahlreichen Ker¬ 
nen sind. An keiner Stelle zeigen die Knötchen beginnende oder 
ausgebildete Verkäsung. Tuberkelbacillen nicht nachweisbar. — 
So sehr nun auch dieses Bild dem einer frischen Tuberculöse 
entsprach, so glaubte Frankenhäuser doch, in Anbetracht des 
Fehlens der Bacillen, mehr für Sarkommetastasen sich aus¬ 
sprechen zu müssen. 

Der Wund verlauf war ein durchaus günstiger. Irgend welche 
peritonitische Erscheinungen machten sich nicht bemerkbar. Am 
Abende des Operationstages stieg die Temperatur unter massi¬ 
gem Schweissausbruch allerdings auf 38,8°, fiel jedoch zum näch¬ 
sten Morgen auf 36,5° und blieb nun bei fortdauernden Schweissen 
absolut normal die ganze erste Woche hindurch. Nach 7 Ta¬ 
gen wurden die Nähte entfernt, — es war volle prima intentio 
eingetreten. Zwei Tage später öffnete sich ein Stichkanal und 
sonderte etwas blutige seröse Flüssigkeit ab; fast gleichzeitig 
ging auch die Schnittwunde auf einer weniger als centimeter- 
grossen Strecke auseinander und secernirte, bei leichtem Abend¬ 
fieber (max. 38,3°) ein minimales Quantum dünnen Eiters. In der 
zweiten Hälfte des April schloss sich diese Wunde, die Darm¬ 
entleerungen, welche einige Tage nach der Operation häufiger 
(bis zu 6 in 24 St.) und dünnbreiig geworden waren, wurden nor¬ 
mal, und das Kind verliess das Bett. Es wurde nun eine inner¬ 
liche Iodoformkur eingeleitet 

In der nun folgenden Zeit besserte sich das Allgemeinbefin¬ 
den zwar langsam, doch stetig, das Körpergewicht nahm zu, in 
3 Monaten ein Plus von 400 Gr., und Mitte Juli war der Zu¬ 
stand derart, dass an eine Reise und eine Badekur gedacht wer¬ 
den konnte. Aeusserer Umstände wegen wurde das kleine Sool- 
bad Oldesloe in Holstein gewählt. Schon auf dem Wege dorthin 
öffnete sich wiederum an der früheren kleinen Stelle die Opera- 
tionsnarbe, es etablirte sich eine mässig secernirende Wunde, 
die erst im April des folgenden Jahres sich definitiv schloss. 
Aus Oldesloe erhielt ich von Dr. Bertheau bereits recht gute 
Nachrichten über das Befinden des Kindes, die dann später durch 
Dr. Max Schede in Hamburg, den zu consultiren ich dringend 
angerathen hatte, bestätigt wurden. Und als ich inden ersten Ta¬ 
gen des Oktober (1889) wieder Gelegenheit hatte die Kleine hier 
zu sehen, war ich in der That nicht wenig erstaunt über die in¬ 
zwischen erfolgte Veränderung sowohl im localen Befunde als 
im allgemeinen Zustande. Statt der früheren, gut mannesfaust- 
grosseu Geschwulst im Abdomen fand sich jetzt etwas unterhalb 
des Nabels ein c. 3 —i Cm. hoher, von rechts nach links etwa 
10 Cm. messender, wurstförmiger Tumor (Netz?), dessen oberer 
Rand leicht concav, unterer etwas convex erschien, derb, schmerz¬ 
los. Und statt des oft w irklich erschreckend blassen, fast wachs¬ 
gelben und apathischen Mädchens von damals stand jetzt vor 
mir ein frisch und gesund aussehendes lebensfrisches kleines Wesen. 

Im Laufe des Winters 89/90. bei monatelang durchgeführtem 
Gebrauch des schon von Schede verordneten Kreosots (c. 15 Gr. 
im Ganzen), das später dem Gebrauch von frischem Kalbsblut 
Platz machte, nahm der noch restirende Tumor immer mehr und 
mehr ab und zwar von links nach rechts; im April schloss sich, 
wie schon oben erwähnt, die kleine Wunde definitiv, und im 
Mai liess sich von der früheren Geschwulst nur noch rechts von 
der Mittellinie eine etwas vermehrte Resistenz bei leichter Däm¬ 
pfung des Percussionstones nachweisen. — Für den Sommer 
schickte ich die Kleine an den Ostseestrand nach Scharbentz. 
Hier machte sich eine allmälig zunehmende, wenn auch weiter 
keine Beschwerden verursachende Hervorwölbung der Bauch¬ 
narbe bemerkbar und zwar dort, wo die Fistel bestanden hatte, 
und als derentwegen das Kind im August Schede vorgeführt 
wurde, constatirte dieser einen Bauchbruch. Bei Gelegenheit des 
bald darauf ausgeführten Bauchschnittes hat nun Schede sich von 
der vollkommenen Ausheilung des früheren Leidens 
überzeugen können und solches den Eltern des Kindes mündlich 
und mir brieflich ! ) mitgetheilt. 

Zur Zeit lässt sich an dem Gesundheitszustände des nunmehr 
bald 5jährigen Kindes absolut nichts aussetzen, — es ist ein blü¬ 
hendes, frisches Mädel, an dem nur die Farbe Zeugniss ablegt 
davon, dass dort etwas gewesen. Von einem Tumor in dem durch¬ 
aus normale Configuration zeigenden Abdomen lässt sich nichts 
mehr fühlen. Das Körpergewicht weiset für 1 */a Jahre ein Plus 
von fast 5000 Gr. auf. 

Dass es sich im vorliegenden Falle um eine Bauchfelltuber- 
culose, die einen Tumor vortäuschte a ), gehandelt hat, dürfte 
wohl keinem Zweifel unterliegen trotz des negativen Befun- 


’) Schede schreibt mir: „Das Bauchfell erwies sich bei der 
kleinen Patientin ietzt als ganz gesund, — von Recidiv war 
keine Spur vorhanden“. 

*) Cf. König Centralblatt für Chirurgie. 1884, A? 6. 


“j 



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6 


des derbakterioskopischen Untersuchung. Sowohl das makro- 
als mikroskopische Bild, zumal aber der ganze Verlauf des 
Leidens post operationem lassen jegliche andere Er¬ 
krankung, insbesondere auch das Sarkom, mit Sicherheit 
ausschliessen. Eine derartige Heilwirkung des einfachen 
Bauchschnittes wie in unserem Falle kennen wir bislang nur 
bei der Tuberculose des Bauchfells. Es muss ja 0. Vierordt 
(deut. Arch. f. klin. Med. 46 pag. 381) gewiss im Allgemeinen 
Recht gegeben werden, wenn er für eine völlig ein wandsfreie 
Statistik nur diejenigen laparotomirten Peritonealtubercu- 
losen verwendet wissen will, welche durch den Befund von 
Bacillen im Gewebe oder durch Ueberimpfung auf Thiere 
als solche legitimirt sind. Dennoch glaube ich, dass auch 
er meinem Falle mehr als „einengewissen allgemeinen Werth“ 
beilegen wird in Anbetracht des so verschiedenen Befundes 
der Ocularinspection bei der Operation und 1 x /z Jahre 
später, — dort ein von Granulationen dicht besätes, hier ein 
vollkommen glattes Bauchfell. 

Von wo aber der Process seinen Ausgang genommen, muss 
ich dahingestellt sein lassen. Es bestanden allerdings ge¬ 
wisse Erscheinungen seitens des Darmes: helle, fast graue 
Färbung der Excremente, unbestimmte Beschwerden vor 
dem Stuhl, hier und da auch eine kleine Diarrhoe; doch 
waren sie nicht genügend, um ein tuberculöses Darmgeschwür 
diagnosticiren zu lassen. — Auch die Annahme des Durch¬ 
bruches einer erweichten tuberculösen Mesenterialdrüse und 
einer Aussaat in die Unterleibshöhle möchte ich ausschliessen, 
weil es dann entweder zu einer über das ganze Bauchfell 
verbreiteten tuberculösen Peritonitis oder doch mindestens 
zu einem abgekapselten Exsudate gekommen wäre. Was 
ich bei der Operation, nach Eröffnung der Peritonealhöhle, 
Lüftung der Wundränder auf einige Centimeter hinaus und 
Entblössung eines Theiles der Geschwulst bis zu ihrer 
Grenze hin, vor mir sah, war eine localisirte miliare 
Tuberculose, offenbar noch ganz frisch, zugleich im 
ganzen Bereiche des zu Tage liegenden Bezirks jedenfalls 
trocken. Es lässt sich ja freilich nicht mit apodiktischer 
Gewissheit ausschliessen, dass nicht doch irgendwo, zwischen 
den Därmen, unten im Becken, kleinere Exsudatanhäu¬ 
fungen bestanden, — doch dem Auge waren sie nicht sicht¬ 
bar und entleert wurde bei der Operation absolut 
nichts. Auch war, wie schon früher erwähnt, vor der 
Operation kein freier Erguss nachweisbar, und die damals 
notirten „vielleicht fluctuirenden“ Stellen beruhten auf 
Täuschung. 

Ich glaube deshalb in meinem Falle wohl den Beweis 
sehen zu dürfen, dass der einfache Bauchschnitt auch ohne 
Ablassung von Exsudat zur Ausheilung der Tubercu¬ 
lose des Peritoneum führen kann. Und diesen Punkt möchte 
ich ganz besonders betonen entgegen der Ansicht vieler 
Autoren, die gerade in der Entleerung des Exsudates 
und in der Entlastung des Bauchfells das Heilkräftige der 
Operation sehen wollen. 

In seinem anfangs erwähnten Vortrage auf dem letzten 
internationalen Congress will König bei Beurtheilung der 
thatsächlichen Ausheilung operirter Peritonealtuberculosen 
eine Recidivfreiheit von 2 Jahren als Maasstab feststellen, 
ähnlich wie bei der Statistik der Geschwülste. Meinem 
Falle fehlen nun freilich an diesem Tennine noch einige Mo¬ 
nate; doch halte ich seine augenscheinliche klinische Heilung 
auch pathologisch-anatomisch gesichert durch die Autopsia 
in vivo, zu welcher Schede Gelegenheit geboten wurde. 
Ich zähle ihn deshalb zu den statistisch verwerthbaren. 

Es wäre mehr als gewagt, gestützt auf eine einzige 
Beobachtung den Versuch einer Erklärung dessen zu machen, 
wodurch der Bauchschnitt bei der Peritonealtuberculose 
wirkt. Bisher eben „stehen wir noch vor einem Räthsel“ 
(König). Hoffen wir, dass die neueste Errungenschaft Ro¬ 
bert Koch’s auch hier nicht in allzulanger Zeit den Schleier 
lüften wird. 

St. Petersburg, im December 1890. 


Referate. 

Prof. Sahli: Ueber Auswaschung des menschlichen Orga¬ 
nismus und über den Werth und die Methoden der 
Wasserzufuhr in Krankheiten. (Corr.-Bl f Schw 
Aerzte 17). 

Au die enorme therapeutische Bedeutung jener Maassnahme 
erinnernd, welche sich auf die Eliminirung der die Autointoxi- 
cationen veranlassenden Gifte beziehen (mag es sich nun um Urä¬ 
mie, Coma diabet. oder schwere Begleiterscheinungen mancher 
Infectionskrankbeiten u. s. w. handeln), findet S., dass es nahe 
liege, dabei das Hauptaugenmerk auf die Vermehrung der Diurese 
zu richten. Wenn die Herzkratt absolut oder im Verhältniss zu 
den Widerständen in den Nieren zu gering ist, käme die Digi¬ 
talis mit ihren Analogis dieser Forderung allerdings nach und 
wirke geradezu lebensrettend, — wo aber Herz und Nieren nor¬ 
mal sind, könne sich kein zur Entgiftung des Organismus be¬ 
nutztes diuretisches Mittel mit dem physiologischen Diureticum, 
dem Wasser, auch nur einigermaassen messen. Dass aber die 
durch vermehrte Wasseraufnahme ausgelöste Diurese wirklich 
einer Auswaschung des Körpers gleichkomme'sei hinsichtlich des 
Harnstoffes schon früher namentlich von 0 p p e n h e i m und I. M e y e r, 
hinsichtlich der Gesammtrückstände des Harns jetzt auch von S. 
nachgewiesen worden; — die Ausscheidung dieser letzteren kann 
auf mehr als das Dreifache gesteigert werden und lässt sich aus 
therapeutischen Erfahrungen und aprioristischen Gründen darauf 
schliessen, dass mit ihnen ebenfalls die theils noch unbekannten, 
theils sehr schwer erkennbaren, specifischen Gifte der Autointo- 
xicationen den Organismus in stark vermehrter Menge verlassen. 
Bloss die Schwierigkeit einer reichlichen Wasserzufuhr bei Er¬ 
brechen, Diarrhoe, Bewustlosigkeit etc. hindert uns in vielen 
Fällen, den Urin beliebig zu vermehren, eine eigentliche Urina 
otus hervorzurufen und veranlasste S., falls der Jndication auch 
urch die Schlundsonde oder das Klystir nicht genügt werden 
konnte, den subcutanen Weg einzuschlagen. Durch die „Hypo- 
dermoklyse“, wie sie von Samuel und Cant an i für die Cholera¬ 
behandlung, von Michael, Münchmeyer und Web er (Colombier) 
bei schweren Blutverlusten empfohlen worden, waren ohnehin be¬ 
reits die Vorarbeiten gegeben und nach mannigfachen eigenen 
Untersuchungen und Erwägungen blieb Verf. bei folgender Me¬ 
thode stehen. Statt der sogenannten continuirlichen subcutanen 
Infusion, welche gleichzeitig an vier Stellen mit Capillartroicarts 
vorgenommen wurde und, bei einer Dauer von vielen Stunden, 
auch eine complicirtere Regulirung der Einströmungstempera¬ 
tur erforderte (in einem Falle wurden so mehrmals 4 bis 5 Liter 
Flüssigkeit am Tage infundirt und Diuresen von 4000—5000 Ccm. 
erzielt), macht ST jetzt sehr rasche d. h. 10—15 Min. währende 
Eingiessungen mittelst einer stricknadeldicken Hohlnadel. In 
dieser Weise kann jeweilig nur 1 Liter Flüssigkeit infundirt wer¬ 
den, dem Pat. ist aber die kurzdauernde Procedur, selbst bei 
etwaigen öfteren Wiederholungen, angenehmer und scheint auch 
die Schmerzhaftigkeit, welche le nach dem Fall sehr verschieden 
ist, ja die Narkose nöthig machen kann, geringer als beim con- 
tinmrlichen Verfahren zu sein. — Zur Infusion, welche unter 
streng antiseptischen Cautelen (sorgfältige Reinigung der Haut 
etc.) am Bauch oder allenfalls an den Oberschenkeln vorgenom¬ 
men wird, braucht S. die von Kroneckerfiirdie Injection in die 
Blutbahn empfohlene 0,73°/o sterilisirte Kochsalzlösung; diese lässt 
er aus einem Erlenmeyer’schen, gut verschlossenen, mit einem 
Thermometer, einem die Hohlnadel tragenden Infusionschlauch und 
einem mit sterilisirter Watte leicht verstopften Luftrohr versehe¬ 
nen Kolben, der verschieden hoch gehoben werden kann, unter 
die Haut fliessen und achtet darauf, dass die Temperatur der 
Flüssigkeit im Kolben, welcher seinerseits in warmem Wasser 
steht, 40—45° C. beträgt. Nach der Infusion wird die Stichöff¬ 
nung mit aseptischer Watte und Collodium geschlossen und sind 
niemals Zeichen von Entzündung oder Infection an der Injections- 
stelle gesehen worden. 

Die praktischen Erfolge des Verf. erstrecken sich, obgleich das 
Verfahren einer ziemlich ausgedehnten Anwendung bei den man¬ 
nigfaltigsten Intoxicationen und Autointoxicationen ; beilnfections- 
krankheiten, septischen Zuständen und dergl. fähig ist, vorwiegend 
auf die Behandlung von Urämien und von Status typhosus. ln 
beiden Zuständen schien die subcutane Wasserzufuhr mehr zu 
leisten als andere therapeutische Maassnahmen und übte sogar in 
den Fällen, wo eine Vermehrung der Diurese ausblieb, offenbar 
durch Verdünnung des im Körper circulirenden oder in Gewe¬ 
ben deponirten Giftes, die günstigste Wirkung aus. Ausser zu 
Entgiftungen dürfte sich aber die S.’sche Methode auch über¬ 
all da empfehlen, wo gefahrbringende Wasserverarmung der Ge¬ 
webe eingetreten (Kmderdiarrnoe, Cholera nostras), absolute 
Schonung von Magen und Dann geboten (bei Perforationen, Pe¬ 
ritonitiden, Ileus etc.) oder intravenöse Salzwasserinfusion (bei 
hochgradiger Anämie nach Blutverlusten) angezeigt ist; Contra - 
indication besteht nur bei höheren Graden von allgemeinem Hy¬ 
drops und bei drohendem Lungenödem. Verf. empfiehlt jedem prak¬ 
tischen Arzt die Anschaffung eines Infusionsapparates. 

Fremmert. 


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7 


C. v. Noorden, lieber die Ausnutzung der Nahrung bei 
Magenkranken. (Zeitschr. f. kl. Med. Bd. XVII. H. 1,2,5,6)- 
Verf. beschäftigt sich nik der Frage, was aus der Nahriuig 
weiter werde, nachdem sie den krankhaft functionirenden Magen 
verlassen hat und in den Dann übergetreten ist. Zu ihrer Be¬ 
antwortung stellte er Versuche an mit 7 Patienten, bei welchen 
die Salzsäureabscheidung des Magens bis auf Spuren geschwun¬ 
den und die Fortschaffung der Ingesta in den Darm eine so 
schnelle war, dass die etwa eingetretene Milchsäuregährang nicht 
den Grad erreichen konnte, welcher zur Peptonisirung des Ei- 
weisses im Magen genügt. Das Propepsin wurde in allen seinen 
Fällen in hinreichender Menge abgeschieden. Als Resultat stellte 
sich heraus, dass in Uebereinstinnnung mit den thierexperimen- 
tellen Forschungen vonOgata selbst bei gänzlicher Ausschaltung 
der Salzsäurenepsiuverdauuug des Magens, der Dann in voll¬ 
kommenem Maasse die Stellvertretung für letzteren übernehmen 
kann, da das Eiweiss, in Fonn von zartem Schinken, Wild, Ge¬ 
flügel, Ei, Milch, rohem und zubereitetem geschabtem Fleisch 
verabreicht, einer sehr guten Ausnutzung unterlag, sobald un¬ 
nützer oder reizender Ballast vermieden worden war. 

Die trotz alledem bei chronischen Magenleiden auftretende 
Consumption des Körperbestandes führt Verf. auf eine ungenü¬ 
gende Nahrungszufuhr zurück, weil die zwei anderen in dieser 
Hinsicht beschuldbareu Factoren, nämlich Bildung von Giften 
oder eine zu weitgehende Zersetzung der Eiweissstoffe im Darme, 
als Folge einer durch mangelhafte Desinfection seitens des anor¬ 
malen Magensaftes bedingten Gährum? auszuschliessen seien. 
Ueberhaupt wirke die Chlorwasserstonsäure des Magens nicht 
über die Grenze des Organes hinaus desinticirend und habe 
insbesondere mit der Desinfection des Darmes nichts zu thun. 
Andererseits wurde immer ein Stickstoffansarz erreicht, wenn die 
Patienten eine genügende Menge von Eiweiss zu sich nahmen. 

Auch gegen die vielfach behauptete motorische Insufficienz des 
Magens bei Catarrhen wendet sich Verf., da erstere aus dem 
Zcichenbilde der Gastritis schwindet, wenn man durch ordent¬ 
liche Säuberungen der Magengährungen Herr geworden. Die 
Verzögerung der Magenentleerung sei lediglich die Folge einer 
krampferregenden Wirkung namentlich organischer Säuren auf 
den Pvlorus. 

Verf. stellt zum Schluss als Grundgedanken bei der Therapie 
der cliron. Gastritis die Forderung auf. durch Zuführung genau 
derjenigen Menge von Eiweiss, Fett und Kohlenhydraten, welche 
von Voit verlangt wird, den Allgemeinzustand zu heben und so 
das locale Leiden durch Venneidung aller überflüssigen Nahrung 
günstig zu beeinflussen. Der Appetitmangel soll durch den 
Willen des Pat. überwunden werden. Reizmittel ad hoc zu geben 
verwirft er und warnt besonders vor Orexin, welches nur schäd¬ 
liche Wirkungen entfalte. Um den Magen durch geringere Nah- 
rungszufuhr zu schonen, soll Bettruhe angeordnet werden. Als 
besonders empfehlenswert h um dem Körper Fett und Kohlen¬ 
hydrate zuzumhren sind Milch, namentlich Butter und Milch¬ 
zuckerzusatz zur ersteren angeführt. W. Ger lach. 

Prof. Rosenstein (Leiden) Zur hypertrophischen Cirrhose 
der Leber. (Vortrag gehalten auf dem 10. intemat. Con- 
gress zu Berlin. Herl. klin. Wochenschrift JV» 38). 

R. constatht zunächst, dass die zum Tlieil sich widersprechen¬ 
den Ansichten über die hypertrophische Cirrhose der Leber ihre 
Erklärung in dem nicht gleich häufigen Vorkommen der Krank¬ 
heit in den verschiedenen Ländern Europas fänden. So seien die 
französischen Beobachter 01 i v i e r, C o r n i 1, C h a r c o t. und H a n o t, 
die häutig die klinischen Erscheinungen mit den Ergebnissen der 
Autopsie vergleichen konnten, zum Schlüsse gekommen, dass die 
mit Icterus verbundene, durch Vermehrung von Bindegewebe be¬ 
dingte und chronisch verlaufende Lebervergrösserung eine Krank¬ 
heit sui generis sei und sich histologisch streng von der später 
mit Verkleinerung der Leber endenden sogenannten Laenuer¬ 
sehen Cirrhose unterscheide. 

Die deutschenForscherhiugegen, wieBrieger, Litten, Man- 
elsdorff und Ackermann behaupten, dass diese histologischen 
nterscldede in Wirklichkeit gamicht beständen, und sind viel¬ 
mehr, mit Ausnahme von Ackermann, zu dem Schlüsse gekom¬ 
men, dass die mit Icterus verbundene hypertrophische Cirrhose 
nur ein Vorläuferstadium der atrophischen Form darstelle. 

Zu diesen beiden sich stark widersprechenden Anschauungen 
nimmt Rosenstein in der Weise Stellung, dass er einerseits die 
streng histologischen Unterschiede zwischen beiden Krankheits¬ 
bildern nicht gelten lassen will, andererseits aber auch die 
Existenz eines vorhergehenden hypertrophischen Stadiums im 
Sinne der deutschen Autoren bei der atrophischen Lebercir- 
rhose für nicht sicher bewiesen erachtet. Zwar kommen hin 
und wieder Fälle vor, in denen nach einer Lebervergrösserung 
eine allmälige Verkleinerung derselben constatirt werden könne, 
doch seien das nur secundäre Schrumpfungen, welche nichts 
gemein haben mit dem Beginn der yon vorne herein atro- 
phirenden Form; R. ist der Meinung, das sdie hypertrophische 
und die atrophische Cirrhose zwei vollkommen ver¬ 
schiedene Krankheitsprocesse seien, und gründet diese 
Ansicht auf die Verschiedenheit der Dauer, des Verlaufe und 


der Symptome bei deu Erkrankungen sowie darauf, dass die 
atropnische Lebercirrhose eine Krankheit des höheren Alters 
ist, während die hypertrophische Form meist vor dem 40. Lebens¬ 
jahr auftritt. Während erstere, sehr häufig eine Folge des 
Alkoholismus, sich schnell entwickele und meist in zwei Jahren 
zum Tode führe, habe letztere wahrscheinlich eine Infection zur 
Grundlage z. B. Malaria und dauere häufig 7, ja 10 Jahre lang 
ohne schliesslich zur Atrophie zu führen. Dass ein Tlieil der 
Symptome beiden Krankheiten gemeinsam sei, könne in keiner 
Weise verwirrend wirken; hätten wir doch bei der Niere etwas 
ganz Analoges und hielten hier doch die Formen einer „grossen 
Niere“, einer „gemeinen Schrumpfniere“ und einer „secundär 
geschrumpften Niere“ streng auseinander. Wie die grosse Niere 
in secundäre Schrumpfung übergehen könne, dieses aber meist 
nicht thue, so auch die hypertrophische Leber. 

Gehe nun die vergrösserte Leber ausnahmsweise in secun¬ 
däre Schrumpfung über, dann finde man auch alle der Schrumpf¬ 
leber zugehörigen Stauungsmerkmale im Wurzelgebiet der Vena 
portae und entstehe ein klinisches Bild, das die anfänglichen 
Unterschiede beider Processe nicht mehr erkennen lasse. Nie¬ 
mals jedoch erreichte diese Verkleinerung der Leber den Grad 
der Atrophie, welche bei der genuinen Schrumpfleber entstehe. 

Zum Sculusse berührt R. die Frage, wie bei der hypertrophischen 
Form der Icterus zu erklären sei, und spricht sich daliin aus, 
dass es sich hier wahrscheinlich um ein Missverhältnis zwischen 
reichlicher Gallenabscheidung und erschwerter Gallenausschei¬ 
dung handele. C. Tomberg. 

Professor König. Die peritoneale Tuberculose und ihre 

Heilung durch den Bauchschnitt. Centralbl. f. Chir. 

1890, Jfc 35. 

Seit Königs Arbeit über Peritonealtuberculose (1884) ist die La¬ 
parotomie bei dieser Krankheit in 131 Fällen gemacht worden. 
Unter den Operirten sind 120 Frauen und 11 Männer. (Aus den 
Sectionsbüchern des pathologischen Instituts in Göttingen ergiebt 
sich, dass 107 Fälle von Bauchfelltuberculose 89 Männer und 
18 Frauen betrafen; dieser Contrast erklärt sich wohl dadurch, 
dass meist Frauen wegen vermeintlicher Unterleibsgeschwülste 
operirt wurden). Von den Operirten waren 30% unter, 70% über 
20 Jahre alt. Von den 131 (Jperirten wurden 107 in befriedigen¬ 
dem Zustande entlassen. Von diesen 107 waren 23 gebessert und 
84 (65%) geheilt. Von diesen 84 sind 54 weniger als 2 Jahre lang 
beobachtet worden. Lässt man nur die über 2 Jahre geheilten 
gelten, wie bei der Statistik von Geschwülsten, so bleiben 30 Ge¬ 
nesene übrig (24%). Also wurde % aller Operirten geheilt. Die 
Sterblichkeit durch den Eingriff beträgt c. 3%. Dass die klinische 
Heilung auch anatomisch vorhanden sein kann, ist durch die Sec- 
tion mehrerer später, an anderweitigen Krankheiten, Gestorbenen 
erwiesen. 

Das in allen Fällen gemeinsame Verfahren ist nur die Ausfüh¬ 
rung des Bauchschnitts und Manipulationen in der Bauchhöhle. 
Es wurde 1. entweder eine diagnostische Incision gemacht oder 

2. nach gemachter Incision die Flüssigkeit möglichst entleert; 

3. die soliden Producte wurden verschieden behandelt: erkrankte 
Ovarien, Darm etc. oder Schwarten wurden mit Löffel, Scheere.oder 
Messer entfernt. Mit allen diesen Verfahren wurden Heilungen 
erzielt. — Auch die verschiedensten antibacteriellen Mittel hatten 
keinen wesentlichen Einfluss. Es scheint sogar, dass ohne Desin- 
ficientien mehr Heilungen erreicht wurden. — Die pathologisch- 
anatomischen Befunde waren sehr verschieden. Der Erguss war 
serös, serös-fibrinös oder eitrig, diffus oder abgesackt, die Tu¬ 
berkel an Masse und Grösse sehr verschieden, das Peritoneum 
glatt, getrübt, verdickt oder mit Schwarten besetzt. Patienten 
aller dieser Formen kamen zur Heilung. 

Auch die besondere Aetiologic der Fälle hat keinen Einfluss 
auf ihre Heilbarkeit. Wo die Bauchfelltuberculose eine Theiler- 
scheinung der allgemeinen miliaren Tuberculose ist, scheint auch 
durch die Operation Heilung erzielt werden zu können. Viel häu¬ 
figer entsteht die tuberculösc Peritonitis im Anschluss an primäre 
tuberculose Erkrankung einzelner Organe, meist des Darms, aber 
auch der Pleura diaphragmatica, der Milz, der Nieren, der Leber, 
der Nebennieren und der Genitalorgane. Nur selten sind bei den 
Operirten die primären Herde entfernt worden: es scheint also, 
dass es eine grosse Zahl von ausheileuden Fällen, namentlich von 
Darmtuberculose giebt, wofür auch klinische Erfahrungen bei Kin¬ 
dern und das Vorkommen von Narben im Dann anderweitig tu- 
berculöser Personen sprechen. Zuweilen trägt wohl die Bildung 
von narbigen Schwielen oder Peritonealverwachsung zur Heilung 
bei. Der eigentliche Vorgang der Heilung ist uns aber vorläufig 
vollständig räthselhaft und ganz ohne Analogie bei anderen Or¬ 
ganen. Wanach. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 

A.Leppmann. Die Sachverständigen-Thätigkeit bei Seelen¬ 
störungen. Ein kurzgefasstes Handbuch für die ärztliche 
Praxis. Berlin, Enslin 1890. 273 p. 

Das vorliegende Buch lehnt sich eng an die deutsche Reichs- 
gesetzgqeung an. der Verf. beabsichtigt den deutschen Aerzten 


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8 


ein praktisches Vademecum für die Sachverständigen-Thätigkeit 
bei Seelenstörungen zu geben. Wir stehen nicht an, das Buch 
auch unseren Collegen. soweit sie die gleiche Thätigkeit auszu¬ 
üben haben, zu empfehlen, es enthält so klare und praktische 
Anweisungen, dass es auch bei uns Verbreitung verdient. Ein 
allgemeiner, einleitender Theil, enthält ausführliche Anleitung 
zum Abfassen von Gutachten, bespricht eingehend Formen und 
Inhalt der Untersuchung von Geisteskranken und geht dann 
zur Diagnose der Formen von Seelenstörung über. Hierbei 
werden die einzelnen Formen kurz vorgeführt, wobei die ge¬ 
botene knappe Darstellung einen gewissen Schematismus nach 
sich ziehen musste. Ob der Verf. Recht daran thut, das mo¬ 
ralische Irresein noch als besondere Form darzustellen, möchten 
wir in Frage ziehen. Zum Schluss des I. Theils giebt der Verf. 
einige Winke zur Beurtheilung von Simulation und theilt 3 
hierher gehörige Berichte mit. 

Der zweite, specielle Theil enthält in zwölf Capiteln die von 
der psychiatriscn sachverständigen Begutachtung abhängigen 
Fragen des praktischen Lebens. Eine reiche Sammlung von Gut¬ 
achten ist in diesen Theil verflochten. Die Anordnung des Stoffs 
ist eine sehr übersichtliche, die Sprache überall auch für den 
psychiatrischen Laien verständlich. 

So sei denn das auch äusserlich durch eine geschickte Tvpen- 
wahl sehr gut ausgestattete Buch der Beachtung der Collegen 
empfohlen. M er c kl in. 

Klinisches Jahrbuch. Im Aufträge Sr. Exc. des Ministers 
der geistl., Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten 
Dr. von Gossler, unter Mitwirkung der Vortragenden Käthe 
Prof. Dr. C. Skrzeczka und Dr. G. Schöufeld, herausge¬ 
geben von Prof. Dr. A. GuttStadt, II. Band. Berlin 1890. 
Julius Springer. 754 Seiten, 11 Tafeln. 

Ueber den ersten Baud des klinischen Jahrbuches haben wir 
im vorigen Jahr in A« 34 dieser Wochenschrift berichtet. Der In¬ 
halt des im Juni dieses Jahres herausgegebenen zweiten Bandes 
zerfällt in folgende Abschnitte: 

A) Abhandlungen. 

B) Baubeschreibungen. 

C) Statistik der stationären Kliniken und Polikliniken der preuss. 
Universitäten für das Jahr 1888/1889. 

I Verwaltungsnachrichten der klin. Anstalten. 

II Morbiditätsstatistik „ „ „ 

in Unterrichtsstatistik „ „ „ 

IA r Bibliographie * * „ 

D) Verschiedene Mittheiluugen. 

E) AmtlichelBekanntmachungen. 

Die 16 Abhandlungen sind der Ausbildung der Ärzte’in Deutsch¬ 
sand und anderen Ländern gewidmet. Ein ausführliches Referat 
über dieselben zu bringen ist aus räumlichen Rücksichten nicht 
möglich. Wirjjmfissen uns damit begnügen kurz die Themata der 
lenzeinen Aufsätze zu nennen: Zur Geschichte der Pharmakologie 
in Deutschland (Binz); über den Unterricht in der pathologi¬ 
schen Anatomie (Virchow). in der Augenheilkunde (Hippel), in 
der Hygieine (Rubner), in der Kinderheilkunde (Henoch), über 
dieBerliner Poliklinik rar Hals- und Nasenkrankheiten (Fränkel), 
über niedicinische Poliklinik (Schreiber), über die für den Unter¬ 
richt nöthigeu Räume in Frauenkliniken (Fritsch), über Stadt¬ 
asyle und psychiatrische Kliniken(Wernicke), über die Nothwen- 
digkeit von Specialkliniken für Haut- und venerische Kranke 
(Ne iss er), über den medicinischen Unterricht in Oesterreich-Un¬ 
garn (Puschmann), in England (Güterbock), in Frankreich 
Jössel), in Italien (Cantani), in der Schweiz (Wyss), in Chile 
Valenzuela). 

Unter den Baubeschreibungen ist besonders ein Aufsatz von 
Lorenz, über zweckmässige Einrichtung von Kliniken, hervorzu¬ 
lieben. 

Die vorzügliche, nach allen Seiten vollkommen ausgearbeitete 
Statistik der preussischen Universitäts-Kliniken lässt garnichts zu 
wünschen übrig, namentlich die Morbiditätsstatistik ist ein Quel¬ 
lenwerk ersten Ranges. 

Die äussere Ausstattung des Buches entspricht allen Anforde¬ 
rungen. Der Preis beträgt 20 Mark. Wan ach. 

Auszug aus den Protokollen 

der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. 

1148. Sitzung am 5. September 1890. 

1. Dr. v. Stryk: Eine 19jährige Patientin im Diakonissenhause 
ab an vor ungefähr 3 Monaten nach vorübergehender fieber- 
after Erkrankung die Menses verloren zu haben; seit 3 Wochen 
Schmerzen im Leibe und Fieber. Untersuchungsbefund: Leib 
aufgetrieben, links oben tympanitischer.Percussionsschall. Dämpfung 
unterhalb einer Linie von der Spina ant. sup. sinistra zur Leber: 
per rectum et vaginam fluctuirende Vorwölbungen fühlbar. — 
Probeaspiration ergiebt grünlichen übelriechenden Eiter. — Unter 
Annahme einer eitrigen Parametritis am 24. August Incision 
rechts über dem Lig. Poupartii; in der Bauchhöhle der Tumor 
sichtbar; bei Punction desselben entleert sich foetider grünlicher 
Eiter und mehrere IJaarhsüehcl: ein in der Tiefe der Dermoid¬ 


cyste fühlbares kieferähnliches Gebilde lässt sich nicht ent¬ 
fernen. Medianer Laparotomieschnitt bis zum Processus xiphoideus 
ermöglicht nicht die Lösung des breit verwachsenen Sackes. Naht, 
Drainage durch die unteren Winkel beider Schnitte. Temp. vor 
der Operation 39,8; nach der Operation nur noch geringe Tem¬ 
peratursteigerungen (38,3). Reichliche Secretion durch die Drains, 
tägl. Verbandwechsel, Jodoform-Stifte. Dr. v. Stryk, hält die 
Prognose für schlecht, weil die zurückgebliebenen Dermoidreste 
eine beständige Eiterungsgefahr involviren und erörtert, wie Anam¬ 
nese und Befund eine eitrige Parametritis vortäuschten. 

Dr. Mir am erörtert die Frage des Ausgangsortes des Tumors 
und beantwortet sie dahin, dass das rechte Lig. latum dafür ge¬ 
halten werden müsse. 

2. Dr. H. Pan der leitete die Frühgeburt im 7. Monat wegen 
Eklampsie bei hochgradiger Nephritis mittelst Tamponade des 
Cervix mit Jodoformgaze ein. Cnloroformnarkose una Morphium 
ohne Einfluss auf die Eklampsie; 5 l /a Stunden nach ausgeführter 
Tamponade ist — während dieser Zeit nur eine Wehe —der in¬ 
nere Muttermund bei erhaltener Cervix für 3 Finger durchgängig; 
combinirte Wendung. Nach weiteren 3 Stunden spontane Ge¬ 
burt unter einigen sich schnell folgenden Wehen. Mangelhaft 
entwickelte, toate Frucht, — Bis auf einen eklamptischen Anfall 
am Tage normales Wochenbett; rasch abnehmender Albumingc- 
halt des Harns, nach einem Monat nur noch Spuren. 

Die Tamponade der Cervix mit Jodoformgaze behufs Einlei¬ 
tung der Frühgeburt habe gewisse Vorzüge: 1. Auslösung der 
Uterinthätigkeit durch den starken mechanischen Reiz; 2. Er¬ 
weiterung der Cervix; 3. das lange Erhaltenbleiben der Frucht¬ 
blase (gegenüber dem Blasenstich); 4. Verschontbleiben des Uterus- 
cavum von jeder Berührung von Aussen (gegenüber der Ein¬ 
führung des elast. Bougie). 

ln der Discussion sprechen sich Dr. Rulle für die Scheiden¬ 
tamponade und Dr. Worms für die Einführung elastischer Bougies 
behufs Einleitung der Frühgeburt aus, wogegen Dr. v. Strvk, 
P and er und Treymann der Cervixtamponade den Vorzug geben 
als einer Methode, die sicher wirkt, weniger schmerzhaft ist, als 
der Colpeurynter und das Missliche des Bougie, die Uterushöhle 
zu berühren, vermeidet. 

Nachdem Dr. Treymann die Tamponade der Cervix auch in der 
Behandlung des Abortus empfohlen,bespricht er die Indicationen 
zur Einleitung der Frühgeburt bei Eklampsie und kommt zu dem 
Resultat, dass es meist die Nephritis sei, die letztere indicire. 
Zuweilen verlaufen allerdings auch bei schwerer Nephritis Schwau- 

? erschaft und Geburt normal, wofür Beispiele von Dr. Tr. und 
)r. SrtPyk angeführt werden; letzterer will die Frühgeburt bei 
Eklampsie überhaupt nur eingeleitet wissen, wenn jede andere 
Therapie erfolglos gewesen. Dr. T r. erwähnt, dass zwischen der 
Exacerbation einer chronischen Nephritis während der Gravidität 
und der sogen. Schwangerschaftsnephritis ein Unterschied zu 
machen sei; letztere habe eine gute Prognose. Bei Eklampsie 
ohne Albuminurie hat Dr. T r. gute Resultate von grossen Gaben 
Opiumtinctur (60 Tropfen in 2 Stunden) gesehen. 

Dr. Rulle hat in zwei Fällen von Eklampsie nach grösseren 
Gaben Antifebrin vollen Erfolg registriren können. 

1149. Sitzung am 15. September 1890 
(Stiftungstag der Gesellschaft,) 

Zu ui Präses für das nächste Biennium wird gewählt Dr. Th.Tilin g. 
Zum Secretair für das nächste Gesellscnaftsjahr wird gewählt 
Dr. R. Heerwagen. z. Z. Secretair: Dr. R. Heerwagen. 

1150. Sitzung am 3. October 1890. 

Anwesend 48 Mitglieder u. 8 Gäste. 

1. l)r. Zwing mann stellt einen Fall von ulcerösem Defect der 
nasalen Hälfte des linken oberen Lidrandes vor. Derselbe ent¬ 
stand bei einem seit 3 Jahren constitutioneil syphilitischen jungen 
Manne im Laufe einer Woche schmerzlos aus einem Gerstenkorn. 
Jetzt ausser allgemeiner Drüsenschwellung mässigen Grades keine 
anderen luetischen Erscheinungen. Der die ganze Liddicke durch¬ 
setzende Defect maass, als Pat. vor 5 Tagen in Behandlung kam-, 
in seiner grössten Breite 10 Mm. — jetzt 13; in der Höhe 5 Mm., 
jetzt 6. Der nach Aversion des Lides gestreckte Geschwürs¬ 
boden war 20, jetzt 23 Mm. lang und 5 jetzt 6 Mm. breit (Lid¬ 
dicke). Diese Vergrösserung ist vielleicht allein auf die sofort 
gemachte Auskratzung und energische Lapisätzung des Geschwürs¬ 
grundes zu beziehen, der übrigens noch fast dasselbe speckige 
Aussehen zeigt wie anfangs. 

Ulceröse Liddefecte sind relativ selten; Vortragender sieht 
einen solchen zum ersten Mal. Bei der Weichheit des Geschwürs¬ 
bodens war am ehesten an Ulcus molle zu denken, doch stellt 
Pat. jede Möglichkeit einer Infection in Abrede' es wird ange¬ 
sichts der constitutioneilen Lues ein gummöser Ursprung wahr¬ 
scheinlicher, obgleich die in der Literatur (Alexander, Syphilis 
und Auge u. A.) zu findenden Charakteristica gummöser Lidge¬ 
schwüre, wie harter, infiltrirter Geschwürsgmnd und bei rascher 
Entwickelung, wie in vorliegendem Falle, starke Lidschwellung 
und grosse Schmerzhaftigkeit völlig fehlen '). 

>) Unter Emplastr. merc. und Schmiercur ist das Geschwür 
verheilt. 24. Octob. 1890. 


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9 


i)r. Mandelstamm und Dr.Stavenhagen bestätigen aus ihrer 
Erfahrung die Seltenheit ulcerativer Liadefecte. Ersterer be¬ 
richtet über einen Fall, wo eine Impfpustel am Augenlide einen 
enormen Substanzverlust und einen diagnostischen trrthum ver- 
anlasste; man hatte anfangs an syphilitische Infection gedacht; 
Patientin hatte sich die Vaccine unbewusster Weise von ihrem 
eben geimpften Kind aufs Augenlid übertragen. Dr. St. referirt 
über einen am untern Augenlid beobachteten weichen Schanker, 
der in 4 Tagen das halbe Lid zerstörte. 

2. Dr. Bergengrün demonstrirt eine tags zuvor von l)r. Hach 
exstirpirte multiloculäre Dermoidcyste, deren verschiedene Kam¬ 
mern eine Reihe knöcherner und knorpliger Gebilde, llaare etc. 
enthalten. 

Dr. Hach ergänzt hierzu, dass der Tumor bei einem 17jährigen 
Mädchen in 3 1 /* Monaten bis zur Grösse eines iin (5. Monate 
schwangeren Uterus gewachsen sei. Multiloculäre Dermoidcysten 
seien überhaupt selten; dass aber ein Dermoid aus so ungeheuer 
viel Kammern besteht, wie der vorliegende Tumor, sei eine äusserste 
Rarität. 

3. Dr. Hach macht Mittheilung über einen mit glücklichem Er¬ 
folge für Mutter und Kind von ihm wegen ankylotisch schrägver¬ 
engten Beckens ausgeführten Kaiserschnitt nach Porro. 

(Der Vortrag ist zum Druck in der Petersburger med. Wochen¬ 
schrift bestimmt). 

Discussion. Dr. Treymann: Eine Einigung darüber, ob die 
intra- oder extraperitoneale Stumptbehandlung den Vorzug ver¬ 
diene, sei immer noch nicht erzielt. Die Mehrzahl der Operateure 
bevorzuge die intraperit. Methode, trotzdem dass hierbei durch die 
Cervix eine Infectionspforte fürs Peritoneum gegeben sei. Er er¬ 
innert an die hohe Mortalität der Freund’schen Operation und er¬ 
wähnt, dass Kaltenbach und Braun sich in neuester Zeit für die 
extraperiton. Methode ausgesprochen haben. Frank habe neuer¬ 
dings den Vorschlag gemacht, eine Inversion des Stumpfes auszu¬ 
führen und dann Suturen durchzulegen, was Dr. Tr. technisch 
schwierig, aber.sehr praktisch scheint. 

Dr. Taube: seiner Ansicht nach sei der Porro in Dr.Hach’s Falle 
nicht indicirt gewesen; er sehe keinen plausiblen Grund für die 
Vornahme dieser Operation. Der gewöhnliche Kaiserschnitt hätte 
Mutter und Kind dieselben Chancen gegeben. Im Falle einer zu¬ 
künftigen Gravidität hätte man ja dann auch noch ausser der 
Wiederholung des Kaiserschnitts die künstliche Frühgeburt ins 
Auge fassen können. 

Dr. Hach giebt zu, dass der stricte Wunsch des Ehepaares, keine 
weitere Gravidität voller Gefahr zu sehen, sowie die Furcht vor 
Blutung ihn zur Vornahme des Porro bewogen. — Den Vorschlag 
von Frank halte er auch für sehr beachtenswerth; in seinem Falle 
konnte diese Methode nicht in Betracht kommen, weil er bei be¬ 
reits verstrichener Cervix operirte. Seines Erachtens werde im 
Allgemeinen <Iie extraperitoneale Stumpfbehandlung bevorzugt; bei 
der intraperitonealen halte er eine lnfectionsgefahr durch die 
Cervix für ausgeschlossen, wenn die Vagina erst sorgfältig desin- 
ficirt und nachher mit Jodoformgaze tamponirt werde. Den Guin- 
mischlauch aber wolle er in Zukunft vermeiden und lieber mit 
Seide die Abschnürung vornehmen. 

z. Z. Secretair: Heerwagen. 

Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

— Zur Beseitigung der Excoriationen und Rhagaden der 
Brustwarzen empfiehlt Blochmann diese letzteren, nach¬ 
dem sie leicht angefeuchtet worden sind, mit einem mehrfach 
perforirten Goldschlägerhäutchen zu bedecken. Dasselbe wird 
vor dem Anlegen des Kindes mit etwas Zuckerwasser bestrichen; 
nach Beendigung des Säugens muss es wieder entfernt werden, 
weil sich sonst leicht einige Tropfen Milch uuter ihm ansam¬ 
meln, die sauer werden und dadurch dem Säugling schaden, 
oder, indem sie gerinnen, die Mündungen der Drüsengänge 
verlegen könnten. Unter dieser Behandlung hören nicht nur 
die Schmerzen beim Anlegen des Kindes alsbald auf, sondern 
die Fissuren heilen auch in einigen Tagen. 

(Journ. d. mal. cut. — D. M. Z. A* 94). 

— Gelpke empfiehlt in den „Therap. Monatsheften“ eannel- 
lirte Sonden zur Behandlung von Thränenschlauch- 
Stricturen; dieselben sind nach Art der Bowmann’schen 
Sonden geformt und mit 4 longitudinalen Rinnen versehen. Die 
Sonden werden in folgende verflüssigte Salbe (Unna) getaucht: 

Rp. Butyri Cacao 100,0 
Cerae flavae 2—5,0 
(Je nach der Aussentemp. mehr.) 

Argent. nitrici 0,5—1,0 
Bals. Peruviani 2,0. 

bis sie ganz mit derselben bedeckt und die Rinnen ausge¬ 
glichen sind; dann lässt man sie 24 Stunden lang erkalten (im 
Dunkeln) und entfernt vor dem Gebrauch den Salbenbezug 
bis auf die der Strictur etwa entsprechende Stelle. 

— Huchard (Bullet, med, 1890 Jfc 35) empfiehlt folgende, die 
Verdauung verbessernde Weine. 1) Rp. Glycerini 30,0 Extr. 
Chmae, 20,0 Tct. Cinnamom. 15,0 Tinct. Aurant. 25,0 Vini 


Lunel 450,0. M. filtra. DS. 1 Spitzglas nach dem Essen; bei 
Neigung zu Verstopfung an Stelle der Tct. Cinnam. Tct. Rhei. 

Bei Appetitmangel 2) Rp. Glycerini 10,0, Extr. Chinae 12,0 
Tct. nucis vomic. gtt. 40, Tct. Aurantior 10, Vini Lunel 300,0 
MS. 1 Esslöffel voll vor dem Essen. (Med. Obosr. JV»A6 13 und 14. 

— Prof. Kraepelin (Dorpat) (Centralbl. f. Nervenheilk. XI. 
p. 344) theilte in der Section für Neurologie und Psychiatrie 
auf dem 10. intern, med. Congresse seine Erfahrungen über die 
durch Alkohol und Thee hervorgerufenen psychischen Verände- * 
rungen mit wobei er, sich auf die Voraussetzung stützend, dass 
eine Beschleunigung der psyclrscheu Acte eine Erleichterung 
dieser bedeute, sich der psychischen Zeitmessung bediente. Er 
fand, dass durch kleine Alkoholgaben der Act der Wahl sehr, 
der der Unterscheidung und der Association nicht erheblich be¬ 
schleunigt werde. Die psychischen Acte höheren iutellectuellen 
Werthes zeigten sich wenig zugänglich, während die Association 
von Gleichklängen und die rein äusserlichen, besonders die 
Klaugassociationen stark durch Alkohol beeinflusst werden. 

Dr. Dehio, Kräpeliirs Assistent fand, dass der Thee eine 
dem Alkohol ganz entgegengesetzte Wirkung ausübe. Bei An¬ 
wendung einer anderen Methode (continuirliches Rechnen der 
Versuchspersonen und Constatirung der Arbeitsleistung einiger 
Stunden) fand Kr., dass Alkohol das Auswendiglernen beschleu¬ 
nige, das Rechnen aber verlangsame und dass Thee in entge¬ 
gengesetzter Weise wirke. Es folge hieraus, dass der Alkohol 
die Auslösung motorischer Impulse erleichtere, während Thee 
die Auffassung und Verarbeitung äusserer Eindrücke günstig 
beeinflusse. Der Dynamometerdruck wird schon bei kleinen 
Gaben geringer. 

— Zur Entfernung des Jodoformgeruchs von den 

Händen, empfiehlt Bienert ein- bis zweimaliges Waschen mit 
Leinsamenmehl und Wasser. Der Geruch soll überraschend 
schnell verschwinden. (Pharm. Zeitschr. f. Russl.) 

— M. Blanc empfiehlt bei Acne des Gesichts folgende Mi¬ 
schungen : 

Kalii sulf. 

Zinc. oxyd 
Zinc. sulf. 

Glycerini aa 8,0 

Aquac Rosarum 100,0 oder 

Ichthyol 20,0 

Acidi salicyl. 2,5 

Yaselini 50,0 f. unguentum 

(Sem. medie. Ae 52). 

— Abführende Latwerge (Ferrand, Bullet, de ther.A: 10). 

Rf>. Mannae 25,0 Magnes ust., Fl. Sulphur aa 50, Mellis albi 

20,0 M. DS. 1—2 Löffel in warmer Milch oder Thee. 

Ralph Stakman (Report on the exeretion of balsams 
in the urine Brit. med. Journ. 1890, 14 June p. 1365) hat an 
sich selbst, einem anderen Arzte und an Kaninchen Versuche 
mit 3 Balsamarten und 1 Harz (Peru, Styrax, Tolu und 
Benzoeharz) angestellt, welche Mittel immer Zimmt- oder Ben- 
zoösäure oaer beide zusammen enthalten und ist zu folgenden 
Schlüssen gekommen. Alle genannten Mittel können selbst in 
grossen Gaben innerlich gegeben werden, ohne dass die Nieren 
angegriffen werden, bei Nephritikern kann aber Nierenreizung 
auftreten; das von den Autoren beschriebene Auftreten 
von Eiweiss im Harn gesunder Menschen nach Ge¬ 
brauch von Balsamen beruht auf einem Beobachtungs¬ 
fehler, da sie die, von den Nieren abgesonderte har¬ 
zige Substanz für Eiweiss hielten. (Med. Obosr. AeAe 13 
und 14). 

— Cassarelli hat das Sulfonal mit gutem Erfolge bei Diabetes 
mellitus angewandt. Mit Dosen von 1—2 Gramm pro die erzielte 
er eine Verminderung der Zuckermenge im Harn, Abnahme der 
Polyurie und Polydipsie. (Med.-chir. Centralblatt Ae 35. 1890). 

— Goldschmidt (Madeira) will die Beobachtung gemacht 

haben, dass alle (wegen einer herrschenden Pockenepidemie) 
mit Erfolg revaccinirten Individuen von der Influenza verschont 
blieben; seine Beobachtungen betrafen 210 Revaccinationsfälle. 
Deshalb sollen auch Kinder um so mehr verschont bleiben, je 
jünger sie siud (diese Beobachtung ist nach den von den Kinder¬ 
ärzten St. Petersburgs seiner Zeit gemachten Mittheilungen nicht 
richtig. Ref.). (Berl. klin. Woch. Ae 50). 


Wirklicher Staatsrath. 

Dr. med. Karl Reyher f. 


Am 30. December 1890 verunglückte Dr. Karl Reyher auf 
der Elennjagd in Belo-Ostrow, momentaner Tod setzte seinem 
rüstigen rastlosen Schaffen ein Ziel. 

Karl Reyher, Sohn des Protokollführers am livl. Hofgericht 
Karl R. wurde 1846 d. 23. Oct. zu Riga geboren, absolvirte das 
dortige Gouv.-Gymnasium und bezog im August 1865 die Uni- 


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versität Dorpat. Mit voller Hingabe und hervorragendem Fleissc 
widmete er sich dem Studium der Medicin; schon früh zogen 
ihn die exaeteren Gebiete der Medicin, die Anatomie und 
Chirurgie an. eine grosse Dexterität schien diese Liebhaberei 
zu sauctioniren.' Kurz vor dem Examen rigor, stehend dul¬ 
dete es R. doch nicht daheim, als der deutsch-französische 
Krieg ausbrach: als Arzt des IX. Armeecorps der III. Armee 
war er thätig bei Weissenburg, Wortb. Gravelotte, Pont a 
Mousson, Metz; in Nancy arbeitete er als Assistent von Prof. 
Heine. Durch dies* Erlebnisse war R’s Specialisirung zum 
Chirurgen entschieden. 1871 machte er sein Examen rig. auf 
den Grad eines Dr. med. und wurde Assistent der Dürptschen 
Chirurg. Klinik unter Prof. v. Bergmann, der in ihm den rastlos 
aufstrebenden, tleissigen, geschickten angehenden Chirurgen er¬ 
kannt hatte und R. durch Jahre wohlwollend förderte und unter¬ 
stützte in seinen Bestrebungen. 1872 wurde R. zum Dr. med. 
promovirt und sehr bald darauf zum Priv.-Docenten für Chirurgie 
approbirt, 1874 zum etatmässigen Doceuten ernannt. 1873—74 
reiste R. auf Wunsch von Prof. v. Bergmann nach England, 
um in Edinburg bei Lister dessen neue Lehre zu studiren 
und seine Methode zur Bekämpfung der Wundkrankheiten im 
Detail sich anzueignen, sowie die nöthigen Apparate zu erwerben, 
da Bergmann vom II. Semester 1874 an in Dorpat zu „listern“ 
gedachte. Hoch begeistert kehrte R. von Edinburg heim. 
187(5 zog R. an der Spitze des Dorpater Sanitäts-Train’s nach 
Serbien und entwickelte dort in Swilainatz mit wenig Mitteln 
aber starkem Willen eine imposante Thätigkeit, indem er fast 
aus Nichts ein allen Anforderungen genügendes Sommerlazareth 
für 100 Schwervenvundete schuf, das die Aufmerksamkeit des 
ganzen Landes sowie der maassgebenden Kritiker wie Baron 
Dr. Mundy’s auf sich zog. Nach der Heimkehr verliess R. den 
bis dahin verwalteten Posten eines Assistenten der chir. Klinik, 
blieb Docent und begab sich, sobald 1877 der Krieg der Türkei 
erklärt war, mit einem grossen Stabe von Aerzten, Studenten 
und barmherzigen Schwestern nach Transkaukasien, wo ihm 
vom rothen Kreuz ein grosses Hospital vor Kars übergeben 
und er zum Oberarzt der kaukasischen Abtheilung des rothen 
Kreuzes ernannt wurde. Tag und Nacht buchstäblich arbeitete 
dort R. im Hospital und auf den Verbandplätzen, mit zäher 
Energie auch unter ungünstigen Umständen das Lister’sche 
Verfahren übend und erprobend. Die Frucht dieser rastlosen 
Bemühungen war die allbekannte Brochüre über die antisep¬ 
tische Wundbehandlung in der Kriegschirurgie, die leider keine 
Fortsetzung erlebt hat, in welcher nie speciellen klinischen Be¬ 
richte folgen sollten. 

- Im Herbst 1877 wurde R. zum Consultantchirurgen der kau- 
kas. Armee ernannt und verliess seine bisherige Thätigkeit. 
Nach Beendigung des Krieges siedelte R. von Dorpat nach St. Pe¬ 
tersburg über, wo er wiederum, wie auf den früheren Schauplätzen 
seiner Thätigkeit sich in überraschend schneller Zeit eine Allbe¬ 
kanntheit und grossen Ruf in der Welt der Aerzte und Laien 
sowie ein grossartiges Arbeitsfeld eroberte, wie es anderen nur 
im Laufe vieler Jahre zuweilen gelingt- 1878 wurde er Consul¬ 
tantchirurg des Nicolai-Militärhospitals, zugleich Leiter der chi¬ 
rurgischen Klinik der medicinischen Frauencurse, succesive und 
gleichzeitig Consultant der Maximilians-Heilanstalt, des Hospi¬ 
tals des rothen Kreuzes und der Feldscherinnen-Schulc der 
Herzogin von Edinburg; dann dirigirender Arzt der ehirurg. 
Abtheilung des Marien-Hospitals, Consultant aller Anstalten der 
Kaiserin Maria Feodorowna, Oberarzt des Ssemönowschen Ale¬ 
xander-Militärhospitals und berathendes Mitglied des militär- 
mcdieinischen gelehrten Comite’s; endlich Leiter seiner eigenen 
Privat-Heilanstalt für ehirurg. Kranke. Als Mitglied des mil.- 
med. gelehrten Comites widmete sich R. vornehmlich den Ar¬ 
beiten zur Organisation von kriegschirurgischen Vorbereitungen 
für einen kommenden Krieg. 

Ein Leben rastloser Thätigkeit, gekrönt von ungewöhnlichen 
Erfolgen, oft getrübt durch schwere Enttäuschungen, versüsst 
durch grossen Ruhm, nicht selten verbittert durch harte Con- 
flicte, ungewöhnlich wechselvoll und ereignisreich ist es über 
R. dahingewogt in schnellem Tempo um in der Vollkraft der 
Jahre mit jähem Ende abzuschlicssen. 

In all’ den verschiedenen Lebensphasen und Lebensstel¬ 
lungen haben ihm nah und fern Respect und Achtung erworben 
seine Begeisterung für die Medicin, sein nimmermüder Fleiss, 
seine grossen Kenntnisse, seine ungewöhnlich grosse Dexterität, 
seine Kühnheit im Entschluss, seine unbeugsame Energie, die 
keine Hindernisse kannte und achtete bei Erreichung des Vor¬ 
gesetzten Zieles! 

Friede seiner Asche! 

Ausser sehr vielfachen Mittheilungen in ärztlichen Gesell¬ 
schaften, die in den bezüglichen Protokollen enthalten sind 
und neben den Arbeiten seiner Schüler und Assistenten hat 
Dr. Karl Reyher folgende wissenschaftliche Arbeiten ver¬ 
öffentlicht: 

1. Zur Pathologie und Therapie der Cholera (13 Bluttrans¬ 
fusionen). Dissertation. 

2. Ueoer Veränderung der Gelenke bei dauernder Ruhe 
(Deutsche Zeitschr. f. Chir. III). 


3. Zur Behandlung der Kniegelenkentzündung mittelst der 
permanenten Extension, (lb. IV.) 

4. On the cartilages and synovial membranes of the joints. 
(Journ. of Anat. and Physiol. VIII.) 

5. Ueberdie Lister’sche Wundbehandlung(Verhandl. d.deutsch. 
Gesellsch. f. Chir. III Congress 1874). 

6. Ueber Larvngostrictur, ihre Heilung und den künstlichen 
Kehlkopf (lb. IV). 

7. Studien über die Entwickelung der Extremitäten des 
Menschen und besonders der Gelenkflächeu (zusammen mit W. 
Henke. Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. Wissensch. IX. 1874). 

8. Behandlung der Spondylitis dorsalis und luiubalis mit dem 
Zug und Gegenzug. (v. Langenbeck’s Arch. XIX). 

9. Antisepti.sche und offene Wundbehandlung. (Ib) 

10. Hydrocelenschnitt (St. Petersb. med. Wochenschr. 187;).) 

11. Zur Behandlung der Pseudarthrosen (Ib. 187(5). 

12. Zur Laryngotomie und Kehlkopfexstirpation (Ib.) 

13. Ueber die Behandlung der Kniegelenkschüsse (Ib. 1877). 

14. Antiseptische Wundbehandlung in der Kriegschirurgie 
(Volkmann’s Sammlung klin. Vorträge -Ns 142—143). 

15. Ueber primäres Debridement der Schusswunden (Transact. 
of the International Med. Congress London 1881. II.) 

16. Bericht an das Militair-Medicinische gelehrte Gönnte: 

Unser Torfmoos und seine Verwendbarkeit zum Wund verbände 
(BoeHHO-MeA. mypHa.Tb 1890. ABrycn.). T. 


Vermischtes. 

— Verstorben: 1) In Moloskowizy (Gouv. St. Petersburg) 
Collegienrath Dr. Alexander Lambert d’Ansay im 73. Le¬ 
bensjahre. Geboren am 12. Oct. 1818 in Livland, studirte L. 
von 1839—44 Medicin in Dorpat und war nacli Absolvi- 
rung des Arztexamens successive Arzt im Eisenbahnressort. 
1849—53 praktischer Arzt im Peterhofschen Kreise. 1853—64 
Bezirksarzt des St. Petersburger Findelhauses und zugleich 
Friedensvermittler. In den Jahren 1864—66 fungirte der Hin¬ 
geschiedene als Kreishauptmann im Kreise Zarskoje Sselo. dann 
als Friedensrichter im Peterhofschen Kreise und war seit 1875 
Beamter im Ministerium der Wege-Communication in St. Pe¬ 
tersburg. 2) Am 26. December a. pr. in Warschau der be¬ 
rühmte Augenarzt, Prof. Dr. Victor Szokalski, in hohem 
Alter. Der Hingeschiedene war bereits während der ersten 
polnischen Revolution (1830), obschon noch sehr jung, als Arzt 
im polnischen Nationalheere in Wilna thätig. Der Verschickung 
nach Sibirien entging er durch die Flucht nach Deutschland, 
wo er auf der Universität Giessen seine medicinischen Studien 
fortsetzte. Nach Erlangung der Doctorwürde daselbst i. J. 
1834 widmete er sich in Würzburg2 Jahre lang der Augenheilkunde, 
worauf er nach Paris ging, um unter dem damals als Ophthal¬ 
mologen hervorragenden Prof. Sichel (einem geborenen Frankfur¬ 
ter) sich weiter zu vervollkommnen. Im Jahre 1853 erhielt 8 z. 
die Erlaubniss zur Rückkehr nach Warschau, wo er eine 
Augenklinik eröftnete und nach Errichtung der medico-chi- 
rurgischen Academie daselbst anfangs die Professur der Phy¬ 
siologie und dann die der Augenheilkunde (übernahm. Als 
die russische Unterrichtssprache an der Academie eiugeführt 
wurde (1871). legte Sz. die Professur nieder und widmete sich 
ausschliesslich seinen Studien. Der Verstorbene hat an der 
Entwickelung der Augenheilkunde einen hervorragenden An- 
theil gehabt und seine zahlreichen, zum Theil grundlegenden 
Arbeiten auf diesem Gebiet in polnischer, französischer und 
deutscher Sprache veröffentlicht, aa er alle drei Sprachen gleich 
gut beherrschte. 3) In Marienbad der Nestor der dortigen 
Badeärzte, Dr. S. Lucca, welcher nicht geringe Verdienste 
um diesen Badeort hatte, im 89. Lebensjahre. 4) In London der 
berühmte Chirurg Prof. John Marshall. Ehe er sich der 
Chirurgie zuwandte, war er, wie das in England üblich ist, 
lange Zeit Anatom. Zuletzt fungirte M. auch als Präsident 
des „General Medical Council“. 

— Ordensverleihungen: Der St. Alexander-Newski- 
Orden — dem berathenden Mitgliede des Medicinalraths, Ge¬ 
heimrath Dr. Lenz. Der St. Stanislaus-Orden I. Classe 
dem Director des Medicinaldeparteinents, wirkl. Staatsrath Dr. 
Ragosin; dem Präsidenten des VeterinärcomitSs, wirkl. Staats¬ 
rath Dr. Jerussalimski und dem Gouvernements-Medicinal- 
inspector von Grodno, wirkl. Staatsrath Dr. Reipolski. 

— Befördert für Auszeichnung: Zum wirklichen Ge¬ 
heimrath— der omeritirte Professor der Chirurgie an der 
Kiewer Universität, l)r. Wl. Karawajew. Zum Geheimrath — 
das berathende Mitglied des Medicinalrathes und des Vete- 
rinär-Comit6s, Dr. Ucke; der ord. Professor der Chirurgie an 
der Moskauer Universität, Dr. Sklifassowski. 

— Laut telegraphischer Meldung aus Berlin hat Koch die 
Herstellungsweise seines Mittels gegen die Tuberculose veröffent¬ 
licht. Dasselbe ist ein Glycerinextract aus Reinculturen der 
Tuberkelbacillen und enthält Stoffwehselproducte der letzteren, 
welche in gewisser Concentration lebendes Protoplasma tödten. 
Im abgestorbenen Gewebe geht der Bacillus allmälig zu Grunde. 


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XVI. JAHRGANG. 


Neue Folge VIII. Jahrg. 


ST. PETERSBURGER 

MEDICINI5CIEIOCIENSCIRIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 

Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden I Abonnementa-Aufträge aowle all« Inserat« 

Sonnabend. — Der Abonsementipreia ist in Russland B Rbl. für das bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Rioker in 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen ! St. Petersburg, Newsky-Prospect As 14, zu richten. — Kanusoripte 
Ländern 20Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Xnsertionspreis ' sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mitteilungen bittet man an 
für die 3mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn. — Den den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von 8ohröder in 
Autoren werden 26 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — St.Petersburg, Malaja Italjanskaja 33, Quart. 3, zu richten. Sprach- 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen lionorirt. stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 


St. Petersburg, 12. (24.) Januar _ 1891 

Inhalt N. Höhlein: Ein Fall von primärer acuter infectiöser Phlegmone des Pharynx. — R. Koch: Fortsetzung der Mittheilungen 
über ein Heilmittel gegen Tubereulose. — Referate: Wilhelm Ebstein: Mittheilungen über die auf der medicinischen Klinik 
seither angesteüten Versuche mit dem Koch’schen Heilmittel gegen Tuberculose. — A. Fracnkel: Beobachtungen über die An¬ 
wendung des Koch’schen Heilverfahrens. — P. Fürbringer: Vierwöchentliche Koeh’sche Behandlung in ihrer Bedeutung für die 
Abweichung vom Schema. — Murreil: die systematische Behandlung der Angina pectoris mit Nitroglycerin. — 0. Wyss: Ueber 
Arsenmelanosc. — Bücheranzeigen und Besprechungen: Albert Länderer: Handbuch der allgemeinen chirurgischen Pa¬ 
thologie und Therapie in 40 Vorlesungen für Aerzte und Studirende. — Adolf Besser: Atlas der gerichtlichen Medicin. — Eda- 
ard u. v. Hofmann: Lehrbuch der gerichtlichen Medicin. — Paul Bruns: Die Geschosswirkung der neuen Kleiukaliber-Gc- 
wehre. — W. Preyer: Der Hypnotismus. Vorlesungen gehalten an der K. Friedrich-Wilhelms-Uuiversität zu Berlin. — Th. Mey- 
nert: Klinische Vorlesungen über Psychiatrie. — Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen.— Vom IV. Cou- 
gress rassischer Aerzte zum Andenken Pirogow’s. —Vermischtes. — Mortalitäts- Bul letin St. Petersburgs. —An zeige n. 


ABONNEMENTS-AUFFORDERUNG. 

Die St. Petersburger 

Mediciaische Wochenschrift 

wird auch im Jahre 1891 unter der jetzigen Redaction und nach 
dem bisherigen Programm erscheinen. Sie bleibt ihrer Aufgabe 
getreu, ein Organ für practische Aerzte zu sein und letztere durch 
Originalarbeiten sowohl als durch Referate und Besprechungen neu 
erschienener Werke mit den Ergebnissen zeitgenössischer medici- 
uischer Forschung bekannt zu erhalten. — Wie bisher werden die 
wiseeuohaftlionen Verhandlungen der Borpater medioin. Facultät in 
der Wochenschrift erscheinen und wird dieselbe als Organ nach¬ 
stehender Vereine und Gesellschaften fortfahren mit der Veröffent¬ 
lichung der Protokolle de« allgem. Vereint St Petersburger Aerzte, 
des St Petersburger Vereins deutscher Aerzte, der Gesellschaft prak¬ 
tischer Aerzte zu Riga und der Gesellschaft livl&ndisoher Aerzte. — 
Besondere Aufmerksamkeit wird die Wochenschrift auch fernerhin 
der russischen medidnisohen Literatur widmen und in gleicher 
Weise, wie im vorigen Jahre, auch weiterhin durch fortlaufendeRe- 
ferate über alle wichtigeren in russ. medioin. Journalen erscheinenden 
Arbeiters owie über die Verhandlungen russischer mediolnisoher Ge¬ 
sellschaften, den mit der russischen Sprache nicht vertrauten Fach¬ 
genossen die Einsicht in diese stetig an Bedeutung gewinnende Li¬ 
teratur ermöglichen. — Der Abonnementspreis ist incl. Zustellung in 
Russland 8 Rbl. für das Jahr, 4 Rbl. für ein halbes Jahr; in den 
anderen Ländern 20 Mark für das Jahr, 10 Mark für ein halbes Jahr. 
Abonnements-Aufträge bittet man an die Buchhandlung von O.Ricker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect X 14, Kanusoripte sowie alle 
auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen an (len geschäfts- 
ftthrenden Redacteur Br. Theodor von Schröder (Malaja Italjan¬ 
skaja, Haus 33, Quart. 3) zu richten. 

Ein Fall von primärer acuter infectitfser Phleg¬ 
mone des Pharynx. 

(Aus dem Deutschen Alexanderhospital für Männer in St, Petersb.) 

von 

Dr. N. Höh lein. 

In Anbetracht der geringen Anzahl der unter obigem 
Namen veröffentlichten Krankheitsfälle dürfte ein weiterer 
casuistischer Beitrag gerechtfertigt erscheinen. 

Max H. 32 Jahre alt, in einer Bronzegiesserei als Meister 
beschäftigt, will immer einer guten Gesundheit sich erfreut haben: 
nur vor 1 Jahre etwa erkrankte Patient, angeblich an einem 


llachengcschwür, das jedoch in einigen Tagen aufbrach, worauf 
sehr schnell alle Beschwerden schwanden. Am 21. Januar 1890 
erkrankte Patient unter einem leichten Schüttelfröste an Schluck¬ 
beschwerden, die immer mehr an Intensität Zunahmen und von 
hohem Fieber begleitet wurden. Am anderen Tage, den 22. Ja¬ 
nuar, liess sich bei der Untersuchung Folgendes constatiren: 

Temperatur gegen 39°: Puls ziemlich voll, recht frequent 
(100—110). Das Schlucken in hohem Grade erschwert; das Ge¬ 
sicht wird bei jeder Schluckbewegung schmerzhaft verzogen, 
dabei schiessende Schmerzen im linken Ohr. Am Halse keine 
Schwellung; keine Druckempfindlichkeit. Zunge dick belegt, 
lästiger Speichelfluss. Rachengebildej(starkjgeröthet, die linke 
Tonsille vorgedrängt; hinter derselben eine starke, auf Be¬ 
rührung sehr schmerzhafte, nicht 3.fluctuirende ^Schwellung der 
seitlichen Pharynxwand. Athmung vollkommen frei: Sprache 
heiser, doch nicht leise. 

Nach einer sehr qualvollen, vollkommen schlaflosen Nacht 
speit Patient am 23. Jan. stark stinkenden Eiter in massigen 
Mengen aus, doch tritt darnach nur ganz geringe Erleichterung ein. 
Temperatur 39,5. Geringe Druckempfindlichkeit am linken Un¬ 
terkieferwinkel, doch keine sichtbare stärkere Schwellung. 

Am 24. Jan. Zunalime der Schluckbeschwerden, Beklemmungs¬ 
und Angstgefühl auf der Brust. Athmungletwas frequent, doch 
nicht stenotisch; an der linken Seite des Halses sind die Lymph- 
drüsen deutlich geschwollen und schmerzhaft. Eine Incision in 
die seitliche Pharynxwand fördert nur sehr wenig Eiter her¬ 
aus und bringt kaum Erleichterung. 

Am Abend verschlimmert sich der Zustand. Patient macht 
den Eindruck eines sehr schwer Leidenden. Der Puls wird 
deutlich kleiner, 140. Temperatur 40,2. Der ganze Hals beider¬ 
seits vom Unterkiefer ab gleichmässig geschwollen^ und druck¬ 
empfindlich, nicht geröthet: die Schwellungaist eine weiche, zeigt 
nirgends Fluctuation und erstreckt sich bis aufs~Manubrium 
j sterni; die Fossa jugularis vollkommen verstrichen; anfangs links, 
später rechts von der Cartilago cricoidea starke circumscripte 
Itruckempfindlichkeit. Die Schluckbeschwerden geringer, doch 
besteht starkes Oppressionsgefühl hinter dem Sternum. Die Schwel¬ 
lung hinter der linken Tonsille erstreckt sich auch weiter nach 
unten längs der seitlichen Pharynxwand; eine wieder vorge¬ 
nommene Incision schafft weder Eiter heraus noch bringt sie 
irgend welche Erleichterung. 

Stiche im Rücken; über den unteren Lungenpartien beiderseits 
etwas feinblasiges nicht klingendes Rasseln. Der Urin dunkel, 
deutlich eiweisshaltig. 

In der Nacht zum 25. Januar plötzlich äusserst heftige Schmerzen 
im Epigastrium von ausgesprochen cardialgischem Charakter: 
dabei erweist sich das Epigastrium als stark druckempfindlich. 
Der Sclimerz wird durch grosse Gaben Opium kaum gelindert 
und lässt erst gegen Morgen nach. Die Temperatur ist bis auf 
38,4 heruntergegangen. Kalter klebriger Schweiss bedeckt den 


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14 


Körper. Das Bekleinmungsgcfühl auf der Brust wird so heftig, 
dass Patient sich unruhig hin und her wirft. Die Schwellung 
am Halse wird grösser, so dass sämmtliche Gruben verstrichen 
sind; rechts über der Clavicula deutliches Emphysemknistern; 
dabei bleibt die Athmung frei, ist nicht stenotisch. An die 
rechte Grenze der absoluten Herzdämpfung schliesst sich eine 
etwa 2 Finger breit den rechten Stemalrand überschreitende 
Dämpfung an, über welcher bronchiales Athmen und verein¬ 
zeltes ganz feines Knistern hörbar ist. Der Puls wird immer 
dünner, kaum fühlbar. Patient wirft sich ängstlich hin und her, 
klagt über furchtbaren Druck und Schwere auf der Brust, so dass 
er zu Selbstmordgedanken getrieben wird, bis endlich um 5 Uhr 
Nachmittags der Exitus letalis eintritt. Das Sensorium bleibt 
bis V* Stunde vor dem Tode vollkommen frei; erst ganz zuletzt 
nach einer Morphiuminjection, treten Delirien auf. 

Section am 26. Januar 9 Uhr Morgens (Dr. Westphalen): 
Kräftig gebaute Leiche. An den abhängigen Körpertheilen dif¬ 
fuse biaurothe Todtenflecke. Stark ausgebildete Todtenstarre. 
Paniculus adiposus stark entwickelt. Die Muskulatur trocken, 
röthlich glänzend. Der Hals von gedunsenem Aussehen. Die 
Haut der Halsregion, das Platysma myoides, die Mm. sterno-cleido- 
mastoidei, die Mm. omo-hyoidei, die Gefässschcide, die A. carotis 
die V. jugularis und der’N. vagus auf beiden Seiten ohne Ver¬ 
änderung. Die Lymphdrüsen, welche auf beiden Seiten des 
Halses der Gefässscheide aufliegen, vergrössert, hyperämisch ge¬ 
schwellt. 

Nach Entfernung der genannten Theile erkennt man, dass 
das Gewebe zwischen den Mm. sternohyoideus und sterno-thy- 
reoideus und der Schilddrüse beiderseits mit missfarbigem Eiter 
infiltrirt ist, dessen Anwesenheit sich nach oben bis über das 
Zungenbein hinaus, nach unten bis hinter das Manubrium sterni 
verfolgen lässt. Die zuletzt genannten Muskeln erscheinen von 
missfarbigem Aussehen und sind in hohem Grade zerreisslieh. 

Lagerung der Baucheingeweide normal. Die Bauchhöhle ohne 
abnormen Inhalt. Die Peritonealblätter unverändert. Das Zwerch¬ 
fell nicht wesentlich hinaufgedrängt. Das grosse Netz sehr fett¬ 
reich. 

In der linken Pleurahöhle mässige Mengen einer dünnflüs¬ 
sigen, stark eitrig getrübten Flüssigkeit; in der rechten Pleura¬ 
höhle der gleiche Befund, doch tritt hier die eitrige Beimengung 
weniger stark hervor. 

Das vordere Mediastinum etwas vorgedrängt, lebhaft iujicirt, 
diffus eitrig infiltrirt und von zahlreichen Gasblasen durchsetzt. 
Die Lungenränder beiderseits leicht zu den Seiten hin ver¬ 
drängt. Im Herzbeutel beträchtliche Mengen einer trüben eiter¬ 
ähnlichen Flüssigkeit, Das Pericardium parietale und viscerale 
verdickt, lebhaft injicirtj ecchymosirt und mit zottigen und netz¬ 
förmig verzweigten Fibnnlagen belegt. 

Das Herz annähernd von normaler Grösse. Die Herzhöhlen, 
namentlich rechts, mit frischen Gerinnungen stark erfüllt. Die 
Tricuspidalis, die Pulmonal- und Aortenklappen unverändert. 
Der rechte Ventrikel ziemlich weit, sein Myokard ohne grobe 
Veränderung. Der linke Ventrikel ziemlich 'eng, sein Myokard 
sehr breit, von normaler Beschaffenheit. Der freie Rand der 
Mitralis bindegewebig verdickt. Intima der Aorta asc. normal 
beschaffen; in der Intima der Art. coronariae einige sklerotische 
Flecke. 

Linke Lunge: der Pleuraüberzug getrübt, ecchymosirt und fibri¬ 
nös belegt. In den Bronchien blutig schaumige trübe Flüssigkeit. 
In den Pulmonalarterienzweigen flüssiges Blut und frische Ge¬ 
rinnungen. Lungeugewebe überall lufthaltig, hyperämisch und 
ödematös. Die rechte Lunge von derselben Beschaffenheit wie 
die linke. 

Die Milz leicht vergrössert, ihre Kapsel gerunzelt, zart. Das 
Milzgewebe stark hyperämisch; Trabekel und Malpighi’sche 
Körper deutlich sichtbar; Pulpa etwas vermehrt. 

Pankreas und Nebennieren unverändert. 

Die linke Niere zeigt starke foetale Lappung; die Kapsel 
zart, Oberfläche glatt; das Nierengewebe mässig blutreich; die 
Rinde deutlich getrübt. Die rechte Niere von derselben Be¬ 
schaffenheit wie die linke. Das Mesenterium fettreich; Mesen¬ 
terialdrüsen unverändert. Die Leber von annähernd normaler 
Grösse- in der Gallenblase mässige Mengen dunkelgrüner faden- 
ziehenaer Galle. Die Gallenblasenschleimhaut unverändert. Die 
Leberoberfläche glatt. Das Lebergewebe mässig blutreich und 
getrübt Läppchenzeichnung verwischt. 

Bei der Herausnahme der Rachenorgane und des Oesophagus 
aus dem Körper erkennt man zu beiden Seiten der Speise¬ 
röhre längs der Wirbelsäule bis zum Zwerchfell eine serös eitrige 
Infiltration des perioesophagealen Zellgewebes; die perioesopha- 

S ealen Lymphdrüsen stark geschwollen und durchfeuchtet. Im 
,achen erscheint die Schleimhaut beiderseits, besonders aber 
links hinten in hohem Grade geschwellt, blauroth verfärbt und 
stärker schleimbelegt; es finden sich ferner in der Schleimhaut 
einige grössere und kleinere eitrig belegte Defecte. Das sub- 
mucöse Gewebe der Pharynxwand daselbst stark sulzig und 
eitrig imbibirt und von einigen grösseren und kleineren Eiter¬ 
herden durchsetzt. Uvula ödematös; beide Tonsillen nicht 
wesentlich verändert. 


Die Schleimhaut des Oesophagus blass, unverändert, in Längs¬ 
falten gelegt. 

Beiderseits über den Cart. arytenoideae und rechts über deii 
aryepiglottischen Falten ist die Schleimhaut gefaltet (vorangc- 
gängenes Oedem dieser Theile). Kehlkopfinneres und Trachea 

g eröthet, schleimbelegt. Zwischen Trachea und Oesophagus das 
ewebe serös eitrig infiltrirt. Die im mediastinalen Gewebe 
belegenen Lymphdrüsen stark geschwellt und durchfeuchtet 
Aorta thoracica und abdominalis bis auf einzelne Bindegewebs- 
flecke in der Intima unverändert. 

Der Magen von mittlerer Grösse, enthält ca. 80 Ccm. eines 
braunen säuerlich riechenden Speisebreies. Die Mucosa na¬ 
mentlich im Bereiche des Fundus lebhaft geröthet. stark ecchy- 
mosirt, geschwollen und mit dickem Schleim belegt. Im Be¬ 
reiche der Curvatura maj. einige längliche Schleimnautdefecte 
mit steil abfallenden Rändern; es hat den Anschein als ob diese 
Defecte aus einer grösseren Ecchymosirung der Mucosa her¬ 
vorgegangen wären. 

Das Duodenum namentlich auf der Höhe der Falten lebhaft 
iujicirt, im Uebrigen unverändert. Im Dünndarm und Colon 
gallig gefärbter flüssiger Koth. Die Schleimhaut des Jeiunum 
und Ileum ziemlich unverändert; die solitären Follikel und 
Peyer’schen Plaques im untern Abschnitt des Ileum deutlich 
hervortreteud. Colonschleimhaut von normaler Beschaffenheit. 
Harnblase leer, von normalem Aussehen. 
AnatomischeDiagnose: Serös eitrige Infiltration des linken 
peripharyngealen und perioesophagealen Zellgewebes am Halse 
zwischen den beiden Blättern der mittleren Halsfascie; serös¬ 
eitrige Mediastinitis serösfibrinöseitrige Pericarditis und beider¬ 
seitige Pleuritis. Oedem der aryepiglottischen Falten. Trübung 
der parenchymatösen Organe. Milztumor. Acuter Katarrh des 
Magens mit Bildung hämorrhagischer Erosionen in der Mucosa. 
Lungenödem.—Zur mikroskopischen Untersuchung wurden Stücke 
aus dem Perikard, einer Halslvmphdrüse, dem Magen, der Leber 
und den Nieren genommen, dieselben wurden in Alkohol ge¬ 
härtet und mit Haeraatoxylin und Alauncarmin gefärbt. Der 
Befund war folgender: 

Am Perikard konnten die Erscheinungen einer schon makros¬ 
kopisch diagnosticirten fibrinöseitrigen Perikarditis constatirt 
werden. Dasselbe erwies sich ausserdem fast durch die ganze 
Dicke durchsetzt von zahlreichen mehrkernigen lymphoiden 
Elementen. In der Perikardialflüssigkeit fanden sich stark zer¬ 
fallene lymphoide Elemente, die bei Essigsäurezusatz mehrere 
Kerne in ihrem Innern erkennen .Hessen. Geringe Mengen 
dieses Exsudats wurden mit sterilisirter Pipette der Leiche ent¬ 
nommen und in zugeschmolzenen Röhrchen Dr. Wladimiroff 
in Dorpat zur gütigen Untersuchung überwiesen. Letzterer konnte 
in denselben verschiedene Bacterienarten nachweisen; ketten¬ 
förmig angeordnete Kokken konntenjedoch nicht entdeckt werden. 
Züchtungsversuche im Hinblick auf etwa vorhandene gasbildende 
Bacterien hatten keinen positiven Erfolg. 

Magen: Untersucht wurden Schnitte aus dem Fundus, der 
Kardia, der grossen und der kleinen Curvatur. Es fand sich 
eine mässige kleinzellige Infiltration der tieferen Drüsenschich¬ 
ten der Schleimhaut und der Submucosa; ferner eine Bräunung 
der Muscularis mucosae, welche auf einer Pigmentanhäufung 
um die Kerne der einzelnen Muskelzellen beruhte. Die dem 
Defect entsprechenden Schnitte zeigten eine im Allgemeinen 
normale, nur an einzelnen Stellen eccliymosirte Mucosa; daneben 
fand sich eine Region, wo das Gew'ebe der Mucosa zerstört 
war, sich ungenügend tingirte, Detritusmassen enthielt und von 
Blutkörperchen durchsetzt erschien. 

Dieser Befund dürfte im Allgemeinen mit der gangbaren 
Anschauung übereinstimmen, nach welcher die Entstehung eines 
Magenulcus erklärt wird durch die peptische Einwirkung des 
Magensaftes auf eine ursprünglich hämorrhagische Erosion der 
Mucosa. Leider ist verabsäumt worden die Mucosa in frischem 
Zustande zu untersuchen und danach e n Urtheil über etwaige 
Degenerationsvorgänge am Drüsenzellenprotoplasma sich zu bilden. 

In den Deckglaspräparaten aus dem Mageninhalte, die mit 
Methylenblau und nacli Gram gefärbt waren, fanden sich ver¬ 
schiedene Mikrobien: zunächst kurze dicke Stäbchen, theils frei¬ 
liegend, theils kettenförmig angeordnet; ferner kleine kugelför¬ 
mige, als Kokken imponirende Gebilde, theils isolirt, theils hier 
und da gruppenweise bei einander liegend: doch traten die 
Kokken vor den Stäbchen an Zahl bedeutend zurück; deutliche 
kettenförmige Kokken sind nicht zu erkennen. 

Die Lymphdrüse zeigte im Allgemeinen das Bild einer klein¬ 
zeiligen Hyperplasie: Structur verwischt, nur hier und da eine 
Andeutung von Follikeln und Marksträngen. Lymphbahnen 
schwer erkennbar; wo man sie jedoch erkennt, sind sie erfüllt 
von grossen Zellen mit bläschenförmigem granulirtem Kerne, von 
ein und mehrkernigen Lymphkörpercnen und von feinkörnigen 
Massen. 

Niere: Dieselbe bietet im Allgemeinen die Zeichen einer leich¬ 
ten Trübung des Epithels der Tubuli contorti. An denHenle- 
schen Schleifen nichts Abnormes, ebensowenig an den Tubuli 
recti: dagegen findet sich das Epithel der Bowmannschen Kapsel 
in Proliferation und Abstossung begriffen und im Kapsclraum 
feinkörnige Massen coagulirten Eiweisses. Hier und da ent- 


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15 


deckt man endlich die Erscheinungen einer chronischen intersti¬ 
tiellen Nephritis sehr mässigeu Grades. Bacterien lassen sich in 
Schnitten aus der Niere nicht auffinden. 

Die Leber zeigt die Erscheinung einer leichten Trübung. 

Treten wir nun an die Diagnose des vorliegenden Falles 
heran, so glaube ich dieselbe auf „primäre acute infectiöse 
Phlegmone des Pharynx“ stellen zu müssen. Unter diesem 
Namen hat Senator 1 ) 4 Krankheitsfälle veröffentlicht, die 
sich in Bezug auf ihre Symptomatologie und ihren Ausgang 
mit unserem Falle ziemlich decken; ähnliche Fälle be¬ 
schreiben auch Landgraf 2 ), Hager 8 ), Baruch 4 ). 

In hll den veröffentlichten Fällen handelt es sich um 
Patienten, die ziemlich plötzlich ohne nachweisbares ätio¬ 
logisches Moment an Halsschmerzen und Schluckbeschwer¬ 
den unter mässigen Temperatursteigerungen erkrankten 
und in sehr kurzer Zeit unter dem Bilde einer bösartigen 
septischen Infection zu Grunde gingen, und zwar meist 
nicht an Erstickung in Folge von Larynxödem, sondern 
an Herzparalyse. Die Section ergab übereinstimmend 
eine diffuse eitrige Infiltration der Pharynxschleimhaut, 
die sich von olsen aus mehr oder weniger weit im Hals- 
zellgewdbe ausbreitete; daneben fast constant Milzschwel¬ 
lung, Trübung der parenchymatösen Organe und eine hä¬ 
morrhagische Gastritis. Der Hager’sche Fall, der eben¬ 
falls unter dem Bilde einer allgemeinen Septicäraie her¬ 
vortrat, zeichnet sich insofern von den übrigen aus, als 
derselbe chronisch verlief (ca. 1 Mon.) und trotz der be¬ 
drohlichsten Erscheinungen (multiple Gelenkentzündungen, 
Pleuraerguss, Milzschwellung, schwerer Collaps) schliess¬ 
lich in Heilung überging. 

Das Charakteristische der genannten Erkrankung ist 
nach Senator darin zu suchen, dass wir es mit einer 
primären Phlegmone des Pharynx zu thun haben und 
nicht mit secundären Processen, wo die vorher schon 
entzündlich oder traumatisch afficirte Schleimhaut Keime 
in sicli aufnimmt; auch nicht secundäre Eiterungen oder 
Metastasen, wie sie sich in schweren Fällen von Scarlatina 
oder Diphtherie manchmal entwickeln. Es sind das Fälle, 
die Senator in eine Rubrik bringt mit den relativ selte¬ 
nen Fällen primärer eitriger Pleuritis, primärer eitriger 
Peritonitis und primärer infectiöser Osteomyelitis, die in 
kürzester Zeit unter typhösen Erscheinungen zum Tode 
führen. Und in der That, um wie viel eher ist das Ein¬ 
dringen böser infectiöser Keime vom Pharynx aus möglich, 
der doch in unmittelbarster Berührung mit der Aussen- 
welt steht durch die eindringende Athmungsluft einer¬ 
seits und die eingeführten Speisen und Getränke anderer¬ 
seits. 

Wenn in der Discussion über den obengenannten Vortrag 
Senator's, letzterem von Virchow entgegen gehalten 
wurde, dass secundäre metastatische phlegmonöse Erkran¬ 
kungen des Rachens, Kehlkopfs und des Oesophagus be¬ 
sonders im Wochenbette gar nicht selten seien, anderer¬ 
seits von Sonnenburg die acuten septischen Phlegmonen 
der Chirurgen als hierher gehörig bezeichnet wurden, 
so hat dem gegenüber Senator ausdrücklich die primäre 
phlegmonöse Entzündung des Rachens in seinen Fällen 
betont. Ob sich jedoch dieser Krankheitsbegriff mit der 
als erysipelatöse Entzündung des Pharynx und Larynx 
schon bedeutend früher beschriebenen Erkrankung deckt, 
wie das von Guttmann behauptet wird, ist wohl eine 
schwer festzustellende Thatsache, wenn nicht gleichzeitig 
Erysipel der äusseren Hautdecken besteht oder wenn es 
nicht gelingt durch bakteriologische Untersuchung des 
Gewebes Erysipelkokken nachzuweisen. (Beides ist Se¬ 
nator in seinen Fällen nicht gelungen). Jedenfalls hat 
Senator dem praktischen Arzte durch die Beschreibung 
seiner Fälle ein gut präcisirtes eigenartiges Krankheits- 


*) Berl. klin. Wochenschrift 1888 5. 

*) ibidem. 1888 X 6. 

J ) ibidem. 1888 Jfc 12. 

4 ) ibidem. 1888 X 13. 


bild geliefert und ist jeder neue casuistische Beitrag, so 
lange die Literatur hierüber noch keine reiche ist, sehr 
erwünscht. 

Ob es sich bei der genannten Erkrankung (die even¬ 
tuelle erysipelatöse Natur des Leidens können wir wohl 
füglich ausser Acht lassen) um ganz specifische Mikro¬ 
organismen handelt, ist eine bisher noch offenstehende 
Frage; es wurden allerdings im Land graf’sehen Falle aus 
dem erkrankten Gewebe des Pharynx und der Milz Strepto¬ 
kokken dargestellt, während im Senator’schen Falle Lan¬ 
ger h ans aus der Milz verschiedene nicht näher definirte 
Bakterien und Kokken zur Cultur brachte, doch Impf¬ 
versuche bei Kaninchen und Meerschweinchen ergaben 
stets ein negatives Resultat. 

Wenden wir uns nun zu unserem Falle, so zeichnet 
sich derselbe vor den veröffentlichten durch grössere Schwere 
der Infection und durch grössere Mannigfaltigkeit des 
pathologisch-anatomischen Befundes aus, stimmt jedoch 
im Wesen der Erkrankung vollständig mit denselben 
überein. Es erkrankt ein kräftiger, vorher ganz ge¬ 
sunder Mensch ziemlich plötzlich mit mässigem Fieber 
unter Schluckbeschwerden und Halsschmerzen; es treten 
geringfügige Symptome von Seiten des Larynx (leichte 
Heiserkeit und geringe Dyspnoe) erst später hinzu; die 
Erkrankung nimmt sehr bald den Charakter einer schweren 
septischen Infection an und führt in kürzester Zeit unter 
den Erscheinungen von Herzparalyse zum Tode. Es sei 
mir noch erlaubt auf eine Erscheinung besonders hinzu¬ 
weisen, die unser Fall mit fast allen beobachteten ge¬ 
mein hat; es ist das die acute Gastritis, die bei unserem 
Patienten schon während des Lebens deutlich zu Tage 
trat: der übermannend heftige Schmerz in der letzten 
Nacht vor dem Exitus letalis lässt sich kaum anders 
erklären; auf diesen kardialgischen Anfall dürfte wohl 
auch die Entstehung des Geschwüres im Magen zurückzu¬ 
führen sein. (Gefässruptur und Magen Verdauung. Talma 5 ). 

Was unseren Fall von den übrigen bekannt gewordenen 
auszeichnet, ist die Schwere der Infection und das hier¬ 
aus resultirende mannigfaltigere pathologisch-anatomische 
Bild; es sei hier nur in aller Kürze darauf hingewiesen: 
Die diffus eitrig jauchige Infiltration vom Pharynx aus¬ 
gehend, erstreckt sich hier nicht nur im periösopha- 
gealen Zellgewebe bis zum Magen hinunter, sondern er¬ 
greift auch die von der mittleren Halsfascie begrenzte 
Muskulatur und die Glandula thyreoidea bis in’s Medias¬ 
tinum ant. hinunter; es findet sich ferner eine beider¬ 
seitige Pleuritis und eine exquisite Perikarditis, auf die 
wohl das starke Oppressionsgefühl intra vitam zurück¬ 
zuführen ist; es findet sich endlich eine deutliche Trübung 
der parenchymatösen Organe. 

Zum Schluss sei es mir noch gestattet folgenden von 
Dr. Taube fast um dieselbe Zeit behandelten Fall in 
Kürze mitzutheilen: 

Die Krankheitsgeschichte lautet: „Dr. A. H., 34 ,1. alt, Dircc- 
tor einer Salpeterfabrik, erkrankte am 19. Januar 1890 unter 
Schüttelfrost und leichten Schlingbeschwerden. Da Pat. früher 
mehrfach Halsentzündungen durchgemacht hatte, legte er der 
Erkrankung keine grosse Bedeutung bei und verordnete sich 
selbst Kal. chlor, zum Gurgeln und feucht warme Compresscn. 

Am darauf folgenden Tage, den 20. Januar sah ich den Pat. 
T. 38,5, P. 92, voll, kräftig, rhytmisch. Die Fauces lebhaft ge- 
röthet, Schleimhaut der hinteren Rachenwand und der seitlichen 
Partien geschwellt und auffallend gelockert, rechts hinten ein 
nach unten hinziehender Wulst, Die Schlingbeschwerden haben 
zugenommen: Pat. schluckt nur mit Mühe flüssige Nahrung, 
klagt über Stiche im rechten Ohr. Nirgend eine Spur von Be¬ 
lag. Allgemeinbefinden befriedigend. Am 21. Jan. ist der Zu¬ 
stand in sofern verändert, als das Fieber 39,5 erreicht. Es las¬ 
sen sich beiderseits einzelne vergrösserte, druckempfindliche an¬ 
gulare Lymphdrüsen durchpalpiren. Bei der Palpation vom Ra- 
: eben aus constatirt man hinten rechts einen von oben nach un¬ 
ten verlaufenden Wulst, der sich härtlich anfühlt, eher promi¬ 
nenter ist, als am Tage vorher und keine Fluetuation aufweist. 
Es lag nahe an einen in Bildung begriffenen Retropharyngeal- 
abscess zu denken. 

*) Zeitschrift für klin. Med. XVII, Hft. I. 

2 * 


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16 


Am folgenden Tage, den 22. Januar hatte .sich das Bild im 
Pharynx wesentlich geändert: die Schwellung der Schleimhaut 
hatte allseitig abgenommen, dieselbe sah weniger injicirt aus, 
der seitliche Wulst war abgeflacht und sah mein 1 verbreitert aus. 
Dagegen hatte das Allgemeinbefinden sich verschlechtert. T. 39,8; 
P. 112—120, kleiner, leerer. Patient klagt über ein quälendes 
Druckgefühl unter dem Sternum und im Epigastrium; das Ath- 
men erschwert; Patient ist sehr unruhig, ln der Nacht wurde 
ich wieder zum Patienten gerufen. Ich fand ihn in grösstem Angst- 
efühl im Bette sitzend; die geringste Bewegung rief heftige 
tiche im unteren Abschnitt des Thorax und im Epigastrium 
hervor. Das Epigastrium stark druckempfindlich; eine Mor- 
phiuminjection schaffte nur für kurze Zeit Erleichterung der Be¬ 
schwerden. 

Am nächsten Morgen, den 23. war ich erstaunt über die inzwi¬ 
schen eingetretene Veränderung: Gesichtszüge verfallen, Scleren 
leicht ikterisch. P. 130—140 klein, aussetzend. Was besonders 
auffiel, war eine Volumzunahme der ganzen Halsgegend: der Hals 
sah unförmlich dick aus, ein teigiges Infiltrat erstreckte sich über 
den Nacken und die seitlichen Halsregionen und reichte nach 
vorn und unten bis zum Manubrium sterni herab. In den Grenzen 
dieser teigigen Infiltration war überall Hautemphysem zu con- 
statiren. 

Die Herzdämpfung erschien im Breitendurchmesser vergrössert; 
die Herztöne dumpf hörbar. 

Der quälende Schmerz im untern Thoraxabschnitte und im 
Epigastrium bestand unverändert fort, Pat. athmete schwer und 
sprach mit aphonischer Stimme. Das Schlucken jedoch war leichter 
geworden. 

In diesem Zustande sah auch Dr. Moritz, den ich hinzuge¬ 
beten hatte, den Pat. und wurde beschlossen, denselben behufs 
eventueller chirurgischer Hülfeleistung in’s Deutsche Alexander- 
Hospital überzuführen. Am Nachmittage desselben Tages, also 
am 28. Januar erfolgte bereits der Exitus letalis. 

Die Section, die ich am nächsten Morgen, in Abwesenheit des 
Collegen Dr. Westphalen, selbst vornahm, ergab in den Haupt¬ 
zügen eine Vereiterung des peripharyngealen und nerioesopna- 
gealen Zellgewebes, ein sulzigeitriges Infiltrat des Mediastinum 
anticum, ein serofibrinöses pericardiales Exsudat, Auflagerungen 
auf dem visceralen und parietalen Blatte des Penkards und Lun- 

S enöden. Leider hatte ich es unterlassen die Section auch auf 
ie Bauchorgane auszudehnen“. 

Vergleichen wir nun die eben beschriebene Taube’sche 
Krankengeschichte mit der meinigen, so springt die auf¬ 
fallende Uebereinstimmung beider, die fast bis in’s kleinste 
Detail geht, unwillkürlich in die Augen. Es verdient ferner 
noch hervorgehoben zu werden, dass beide Patienten fast 
um dieselbe Zeit erkrankten (es liegt nur ein Zeitunter¬ 
schied jron 2 Tagen vor), ohne dass sie nachweislich je 
einander gekannt hätten oder mit einander in Berührung 
gekommen wären. Ich glaubte bei der Seltenheit dieser 
Erkrankungsform das ausdrücklich betonen zu müssen, 
besonders da auch Dr. Dombrowsky im Peter Paul Hos¬ 
pital einige Tage später einen Fall behandelt hat, der 
sich den beiden obigen anzuschliessen scheint, der jedoch 
nach einem chirurgischen Eingriff noch in Heilung überging. 


Fortsetzung der Mittheilungen 

Ober ein Heilmittel gegen Tuberculose. 

Von 

Professor R. Koch, Berlin. 

(Aus der „Deutschen Medicinischen Wochenschrift“ vom 
15. Januar). 

Seit der vor zwei Monaten erfolgten Veröffentlichung meiner 
Versuche mit einem neuen Heilverfahren gegen Tuberculose 
haben viele Aerzte das Mittel erhalten und sind dadurch in 
den Stand gesetzt, sich durch eigene Versuche mit den Eigen¬ 
schaften desselben bekannt zu machen. So weit ich die bisher 
hierüber erschienenen Publicationen und die an mich gelang¬ 
ten brieflichen Mittheilungen übersehe, haben meine Angaben 
im Grossen und Ganzen volle Bestätigung gefunden. Darüber, 
dass das Mittel eine spezifische Wirkung auf tuberculöses Ge¬ 
webe ausübt und infolge dessen als ein sehr feines und siche¬ 
res Reagens zum Nachweis versteckter und zur Diagnose zwei¬ 
felhafter tuberculöser Processe verwerthet werden kann, ist man 
wohl allgemein einig. Auch in Bezug auf die Heilwirkung des 
Mittels wird von den Meisten berichtet, dass trotz der verhält- 
nissmässig kurzen Dauer der Cur bei vielen Kranken schon 
mehr oder weniger weitgehende Besserung eingetreten ist. In 
nicht wenigen Fällen soll, wie mir berichtet wurde, selbst Hei¬ 
lung erzielt sein. Nur ganz vereinzelt ist behauptet, dass das 
Mittel nicht allein bei zu weit vorgeschrittenen Fällen gefähr¬ 


lich werden könne, was man ohne weiteres zugeben wird, son¬ 
dern dass es den tubereulösen Process geradezu befördere, also 
an und für sich schädlich sei. Ich selbst habe seit anderthalb 
Monaten Gelegenheit gehabt, an etwa 150 Kranken mit Tuber¬ 
culose der verschiedensten Art im städtischen Krankenhaus zu 
Moabit weitere Erfahrung über die Heilwirkung und die dia¬ 
gnostische Verwendung des Mittels zu sammeln, und kann nur 
sagen, dass Alles, was ich in letzter Zeit gesehen habe, mit 
meinen früheren Beobachtungen im Einklang steht, und dass 
ich an dem, was ich früher berichtete, nichts zu ändern habe •). 

So lange es nur darauf ankam, meine Angaben auf ihre Rich¬ 
tigkeit zu prüfen, war es nicht erforderlich zu wissen, was das 
Mittel enthält und woher es stammt. Es musste im Gegentheil 
die Nachprüfung um so unbefangener ausfallcn, je weniger von 
dem Mittel selbst bekannt war. Nachdem nun aber die Nach¬ 
prüfung, wie mir scheint, in hinreichendem Maasse stattgefunden 
und die Bedeutung des Mittels ergeben hat, wird es die näch¬ 
ste Aufgabe sein, das Mittel auch über den bisherigen Bereich 
der Anwendung hinaas zu studiren und womöglich die Prinei- 
pien, welche der Entdeckung desselben zu Grunde liegen, auch 
auf andere Krankheiten anzuwenden. Diese Aufgaben verlan- 

S i selbstverständlich die volle Kenntniss des Mittels, und ich 
te deswegen den Zeitpunkt für gekommen, dass nach dieser 
Richtung hin die erforderlichen Angaben gemacht werden, was 
in Folgendem geschehen soll. 

Ehe ich auf das Mittel selbst eingehe, halte ich es zum bes¬ 
seren Verständniss der Wirkungsweise desselben für geboten, 
ganz kurz den Weg anzugeben, auf welchem ich zur Entde¬ 
ckung desselben gekommen bin. 

Wenn man ein gesundes Meerschweinchen mit einer Rein- 
cultur von Tuberkelbacillen impft, dann verklebt in der Regel 
die Impfwunde und scheint in den ersten Tagen zu verheilen; 
erst im Laufe von 10 bis 14 Tagen entsteht ein hartes Knöt¬ 
chen, welches bald aufbricht und bis zum Tode des Thieres 
eine ulcerirende Stelle bildet. Aber ganz anders verhält es 
sich, wenn ein bereits tubereulös erkranktes Meerschweinchen 
geimpft wird. Am besten eignen sich hierzu Thiere, welche 
4—6 Wochen vorher erfolgreich geimpft wurden. Bei einem 
solchen Thier verklebt die kleine Impfwunde auch anfangs, aber 
es bildet sich kein Knötchen, sondern schon am nächsten oder 
zweiten Tage tritt eine eigenthümliche Veränderung an der Impf¬ 
stelle ein. Dieselbe wird hart und nimmt eine dunklere Fär¬ 
bung an, und zwar beschränkt sich dies nicht allein auf die 
Impfstelle selbst, solidem breitet sich auf die Umgebung bis zu 
einem Durchmesser von 0,5—1 cm. aus. An den nächsten Ta¬ 
gen stellt sich dann immer deutlicher heraus, dass die so ver¬ 
änderte Haut nekrotisch ist, sie wird schliesslich abgestossen, 
und es bleibt dann eine flache Ulceration zurück, welche ge¬ 
wöhnlich schnell und dauernd heilt, ohne dass die benachbarten 
Lymphdrüsen inficirt werden. Die verimpften Tuberkelbacillen 
wirken also ganz anders auf die Haut eines gesunden, als auf 
diejenige eines tubereulösen Meerschweinchens. Diese auffal¬ 
lende Wirkung kommt nun nicht etwa ausschliesslich den le¬ 
benden Tuberkelbacillen zu, sondern findet sich ebenso bei den 
abgetödteten, ganz gleich, ob man sie, wie ich es anfangs ver¬ 
suchte, durch niedrige Temperaturen von längerer Dauer, oder 
durch Siedehitze, oder durch gewisse Chemikalien zum Abster¬ 
ben gebracht hat. 

Nachdem diese eigenthümliche Thatsache gefunden war, habe 
ich sie nach allen Richtungen hin weiter verfolgt, und es ergab 
sich dann weiter, dass abgetödtete Reinculturen von Tuberkel¬ 
bacillen, nachdem sie verrieben und in Wasser aufgeschwemmt 
sind, bei gesunden Meerschweinchen in grosser Menge unter die 
Haut gespritzt werden können, ohne dass etwas anderes als 
eine locale Eiterung entsteht 2 ). Tuberculöse Meerschweinchen 
werden dagegen schon durch die Injection von sehr geringen 
Mengen solcher aufgeschwemmten Culturen getödtet, und zwar 
je nach der angewendeten Dosis innerhalb von 6—48 Stunden. 
Eine Dosis, welche eben nicht mehr ausreicht, um das Thier zu 
tödten, kann eine ausgedehnte Nekrose der Haut im Bereich 
der Injectionsstelle bewirken. Wird die Aufschwemmung nun 
aber noch weiter verdünnt, so dass sie kaum sichtbar getrübt 
istj dann bleiben die Thiere am Leben, und es tritt, wenn die 
Iiyectionen mit ein- bis zweitägigen Pausen fortgesetzt werden, 
bald eine merkliche Besserung im Zustande derselben ein; die 
ulcerirende Impfwunde verkleinert sich und vernarbt schliesslich, 
was ohne eine derartige Behandlung niemals der Fall ist; die 
geschwollenen Lymphdrüsen verkleinern sich; der Ernährungs¬ 
zustand wird besser, und der Krankheitsprozess kommt, wenn 

') In Bezug aut die Dauer der Heilung möchte ich hier an- 
führeu, dass von den Kranken, welche von mir vorläufig als ge¬ 
heilt bezeichnet waren, zwei in das Krankenhaus Moabit zur 
weiteren Beobachtung wieder aufgenommen sind, und dass sich 
seit drei Monaten keine Bacillen im Sputum gezeigt haben; auch 
die physikalischen Symptome sind bei denselben allmälich voll¬ 
kommen verschwunden. 

*) Derartige Injectionen gehören zu den einfachsten und si¬ 
chersten Mitteln ; um Eiterungen zu erzeugen, welche frei von 
lebenden Bakterien sind. 


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17 


er nicht bereits zu weit vorgeschritten ist und das Thier an 
Entkräftung za Grunde geht, zum Stillstand. 

Damit war die Grundlage für ein Heilverfahren gegen Tuber- 
culose gegeben. Der praktischen Anwendung solcher Auf¬ 
schwemmungen von abgetödteten Tuberkelbacillen stellte sich 
aber der Umstand entgegen, dass an den Injectionsstellen die 
Tuberkelbacillen nicht etwa resorbirt werden oder in anderer 
Weise verschwinden, sondern unverändert lange Zeit liegen blei¬ 
ben und kleinere oder grössere Eiterherde erzeugen. 

Das, was bei diesem Verfahren heilend auf den tuberculöseu 
Process wirkt, musste also eine lösliche Substanz sein, welche 
von den die Tuberkelbacillen umspülenden Flüssigkeiten des 
Körpers gewissermaassen ausgelaugt und ziemlich schnell in den 
Säftestrom übergeführt wird, während das, was eitererzeugend 
wirkt, anscheinend in den Tunerkelbacillen zurückbleibt oder doch 
nur sehr langsam in Lösung geht. 

Es kam also lediglich darauf an, den im Körper sich abspie¬ 
lenden Vorgang auch ausserhalb desselben durchzuführen und 
womöglich die neilend wirkende Substanz für sich allein aus den 
Tuberkelbacillen zu extrahiren. Diese Aufgabe hat viel Mühe 
und Zeit beansprucht, bis es mir endlich gelang, mit Hilfe einer 
40—50° o Glycerinlösung die wirksame Substanz aus den Tu¬ 
berkelbacillen zu erhalten. So gewonnene Flüssigkeiten sind es 
gewesen, mit denen ich die weiteren Versuche an Thieren und 
schliesslich am Menschen gemacht habe, und welche zur Wie¬ 
derholung der Versuche an andere Aerzte abgegeben sind. 

Das Mittel, mit welchem das neue Heilverfahren ge¬ 
gen Tuberculose ausgeübt wird, ist also ein Glycerin- 
extract aus den Reinculturen der Tuberkeloacillen. 

In das einfache Extract gehen aus den Tuberkelbacillen na¬ 
türlich neben der wirksamen Substanz auch alle übrigen in 50°/o. 
Glycerin löslichen Stoffe über, und es finden sich deswegen da¬ 
rin eine gewisse Menge von Mineralsalzen, färbende Substanzen 
und andere unbekannte Extractivstoffe. Einige dieser Stoffe 
lassen sich ziemlich leicht daraus entfernen. Die wirksame Sub¬ 
stanz ist nämlich unlöslich in absolutem Alkohol und kann durch 
denselben, allerdings nicht rein, sondern immer noch in Verbin¬ 
dung mit anderen ebenfalls in Alkohol unlöslichen Extractiv- 
stoffen ausgefällt werden. Auch die Farbstoffe lassen sich be¬ 
seitigen, so dass es möglich ist, aus dem Extract |eine farblose 
trockene Substanz zu erhalten, welche das wirksame Princip in 
viel concentrirterer Form enthält, als die ursprüngliche Glyce¬ 
rinlösung. Für die Anwendung in der Praxis bietet diese Rei¬ 
nigung des Glycerinextractes indessen keinen Vortheil, weil die 
so entfernten Stoffe für den menschlichen Organismus indifferent 
sind, und also der Reinigungsprocess das Mittel nur unnötiger¬ 
weise verth euem würde. 

Ueber die Constitution der wirksamen Substanz lassen sich 
vorläufig nur Vermuthungen aussprechen. Dieselbe scheint mir 
ein Denvat von Eiweisskörpern zu sein und diesen nahe zu ste¬ 
hen, gehört aber nicht zur Gruppe der sogenannten Toxalbu- 
mine, da sie hohe Temperaturen erträgt und nn Dialysator leicht 
und schnell durch die Membran geht Das im Extract vorhan¬ 
dene Quantum der Substanz ist allem Anscheine nach ein sehr 
geringes; ich schätze es auf Bruchtheile eines Procents. Wir 
würden es, wenn meine Voraussetzung richtig ist, also mit ei¬ 
nem Stoffe zu thun haben, dessen Wirksamkeit auf tuberculös 
erkrankte Organismen weit über das hinausgeht, was uns von 
den am stärksten wirkenden Arzneistoffen bekannt ist. 

Ueber die Art und Weise, wie wir uns die speaifische Wir¬ 
kung des Mittels auf das tuberculöse Gewebe vorzustellen ha¬ 
ben. lassen sich selbstverständlich verschiedene Hypothesen auf¬ 
stellen. Ich stelle mir, ohne behaupten zu wollen, dass meine 
Ansicht die beste Erklärung abgiebt, den Vorgang folgender- 
maassen vor. Die Tuberkelbacillen produciren bei ihrem Wachs¬ 
thum in den lebenden Geweben ebenso wie in den künstlichen 
Culturen gewisse Stoffe, welche die lebenden Elemente ihrer 
Umgebung, die Zellen, in verschiedener Weise und zwar nach¬ 
theilig beeinflussen. Darunter befindet sich ein Stoff, welcher 
in einer gewissen Concentration lebendes Protoplasma tödtet und 
so verändert, dass es in den von Weigert als Coagulationsne- 
krose bezeienneten Zustand übergeführt wird. In dem nekro¬ 
tisch gewordenen Gewebe findet der Bacillus dann so ungünstige 
Ernähruugsbedingungen, dass er nicht weiter zu wachsen ver¬ 
mag, unter Umständen selbst schliesslich abstirbt. Auf diese 
Weise erkläre ich mir die auffallende Erscheinung, dass man 
in frisch tuberculös erkrankten Organen, z. B. in der von grauen 
Knötchen durchsetzten Milz oder Leber eines Meerschweinchens, 
zahlreiche Bacillen findet, während letztere selten sind, oder gar 
fehlen, wenn die colossal vergrösserte Milz fast ganz aus weiss- 
licher, im Zustande der Coagulationsnekrose befindlicher Sub¬ 
stanz besteht, wie man es häufig beim natürlichen Tode tuber- 
c.ulöser Meerschweinchen findet. Auf grosse Entfernung vermag 
der einzelne Bacillus deswegen auch nicht Nekrose zu bewirken; 
denn sobald die Nekrose eine gewisse Ausdehnung erreicht hat, 
nimmt das Wachsthum des Bacillus und damit die Production 
der nekrotisirenden Substanz ab, und es tritt so eine Art von 
gegenseitiger Compensation ein, welche bewirkt, dass die Vege¬ 
tation vereinzelter Bacillen eine so auffallend beschränkte bleibt, 
wie z. B. beim Lupus, in scrophulösen Drüsen u. s. w. In sol¬ 


chem Falle erstreckt sich die Nekrose gewöhnlich nur über 
einen Tbeil einer Zelle, welche dann bei ihrem weiteren Wachs¬ 
thum die eigenthümliche Form der Riesenzelle annimmt; ich 
folge also in dieser Auffassung der zuerst von Weigert gege¬ 
benen Erklärung von dem Zustandekommen der Riesenzellen. 

Würde man nun künstlich in der Umgebung des Bacillus den 
Gehalt des Gewebes an nekrotisirender Substanz steigern, dann 
würde sich die Nekrose auf eine grössere Entfernung ausdeh¬ 
nen, und es würden sich damit die Ernährungsverhältnisse für 
den Bacillus viel ungünstiger gestalten, als dies gewöhnlich der 
Fall ist. Theils würden alsdann die in grösserem Umfange ne¬ 
krotisch gewordenen Gewebe zerfallen, sich ablösen und, wo dies 
möglich ist, die eingeschossenen Bacillen mit fortreissen und 
nach aussen befördern; theils würden die Bacillen soweit in 
ihrer Vegetation gestört, dass es viel eher zu einem Absterben 
derselben kommt, als dies unter gewöhnlichen Verhältnissen 
geschieht. 

Gerade in dem Hervorrufen solcher Veränderungen scheint 
mir nun die Wirkung des Mittels zu bestehen. Es enthält eine 
gewisse Menge der nekrotisirenden Substanz, von welcher eine 
entsprechend grosse Dosis auch beim Gesunden bestimmte Ge- 
webselemente, vielleicht die weissen Blutkörperchen, oder ihnen 
nahestehende Zellen schädigt und damit Fieber und den ganzen 
eigenthümlichen Symptoraencoraplex bewirkt Beim Tuberculö- 
sen genügt aber schon eine sehr viel geringere Menge, um an 
bestimmten Stellen, nämlich da, wo Tuberkelbacillen vegetiren 
und bereits ihre Umgebung mit demselben nekrotisirenden Stoff 
imprägnirt haben, mehr oder weniger ausgedehnte Nekrose von 
Zellen nebst den damit verbundenen Folgeerscheinungen für den 
Gesammtorganisinus zu veranlassen. Aut solche Weise lässt sich, 
wenigstens vorläufig, ungezwungen der specifische Einfluss, wel¬ 
chen das Mittel in ganz bestimmten Dosen auf tuberculöses Ge¬ 
webe ausübt, ferner die Möglichkeit, mit diesen Dosen so auf¬ 
fallend schnell zu steigen, und die unter nur einigermaassen gün¬ 
stigen Verhältnissen unverkennbar vorhandene Heilwirkung des 
Mittels erklären. 

Referate. 

Wilhelm Ebstein (Göttingen). Mittheilungen über die 
auf der medicinischen Klinik seither angestellten Ver¬ 
suche mit dem Koch’schen Heilmittel gegen Tu¬ 
berculose. (Deutsche med. Woch. J'fe 51). 

Bericht über 30 nach Koch behandelte Patienten. Bei Lupus 
constantes Auftreten der localen Reaction. Von Interesse ein 
Fall von Tuberculose der Harnröhre: 17jähriger Weber mit ei¬ 
ner Affection (Schrumpfung?) beider Lungenspitzen; hochgra¬ 
dige Phimose, aie openrt wurde. Im Corpus cavernosum ureth- 
rac hinter der Eichel eine verhornt sich anfühlende, rundliche 
5 Cm. lange Stelle, auf Druck nicht empfindlich, Cutis und sub- 
cutanes Gewebe normal. Urin 990—1300 Ccm., rothgelb, sauer, 
mässige Menge Eiweiss. Im Sediment Eiter, rothe Blutkörper¬ 
chen und sehr zahlreiche Tuberkelbacillen. Beim Druck auf 
die Harnröhre hinter dem Infiltrat lässt sich bacillenhaltiger Ei¬ 
ter aus der Harnröhre ausdrüeken. 

Hoden und Prostata zeigen nichts Abnormes. Nach der 5. In- 
jection trat eine massig ausgeprägte Allgemeinreaction auf, aber 
keine locale. Der Kranke belnelt seinen Appetit, hat sogar 3 Pf. 
an Körpergewicht zugenommen. Eine Besserung in dem localen 
Process nicht zu constatiren. 

Bei einem 23jährigen Mädchen mit Hirntuberculose traten 
nach den Injectionen neben Fieber häufige Krampfanfälle auf, 
was Verfasser auf die Einwirkung der Koch’schen Lymphe be¬ 
ziehen möchte. 

Bei 2 der Lungentuberculose verdächtigen Patienten blieb die 
erwartete Reaction gänzlich aus, bei den übrigen Tuberculösen 
(14 Fälle) trat dieselbe ein. Meist waren es mittelschwere oder 
schwere Fälle von Schwindsucht, die behandelt wurden. Beson¬ 
dere Erfolge hatte hier die Lymphe nicht aufzuweisen. In ei¬ 
nem Fall von ausgesprochener Lungen- und Kehlkopftubercu- 
lose stieg trotz Injectionen steigender Dosen (0,001—0,01) die 
vorher normale Temperatur nicht, im Gegcntheil sie wurde sub¬ 
normal: dabei fortdauernde Albuminurie, Abnahme des Körper¬ 
gewichts. Am Kehlkopf traten Reactionserscheinungen auf, und 
es schien eine Besserung eingetreten zu sein. Als Contraindi- 
cation der Koch’schen Behandlung stellt Verfasser auf: 1) Darm¬ 
geschwüre, welche sich vor kurzem durch Darmblutungen mani- 
festirten. 2) Das Bestehen circumscripter Peritonitis in Folge 
tiefgehender Dannulcerationen (constante Schmerzhaftigkeit und 
Druckempfindlichkeit an umschriebenen Stellen des Leibes). 
3) Colliquative Durchfälle. 4) Tuberculöse Peritonitis mit flüssi¬ 
gem Exsudat (hier giebt Verfasser der Laparotomie den Vorzug). 

Abelmann. 

A. Fraenkel. Beobachtungen über die Anwendung des 
Koch’schen Heilverfahrens. Deutsche med. Woch. .>6 51. 

32 Fälle, davon 27 mit unzweifelhafter Lungenphthise, meist 
Fälle von beginnender Erkraukung. Bezüglich des Verhaltens 


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18 


der Allgeineinreaction stellt Fraenkel 3 Kategorien von Fällen 
auf: 1 solche, die gleich im Beginn der Behandlung oder einige 
Tage später bei fortgesetzter Injection steigender Dosen eine 
typische Allgemeinreaction darbieten; 2) solcne Fälle, bei denen 
dieselbe nur inässig ausfällt; 3. solche, bei welchen sie vor der 
Hand gänzlich fehlt. Auf den Grad der Reaction uebt die In¬ 
oder Extensität des Localleidens keinen aasschlaggebenden Ein¬ 
fluss aus. Wo die Pulsfrequenz wenig Tendenz zum Ansteigen 
aufweist, können die Dosen schneller erhöht werden. Bei den 
meisten Patienten constatirte Verfasser zunächst eine deutliche 
Vermehrung des Auswurfs (bei zweien trat später eine Vermin¬ 
derung ein), einen grösseren Reichthum desselben an Bacillen, 
die oft häufchenförmige Anordnung und ein geringeres Tinctions- 
vermögen zeigten. Veränderung der physikalischen Erscheinun¬ 
gen über den Lungen wurde in einigen Fällen beobachtet (Zu¬ 
nahme des Infiltrats, Auftreten von Reibegeräuschen etc.). Be¬ 
sonders interessant sind folgende Fälle: 1. Doppelseitiger 
Spitzenkatarrh. Otitis media tuberculosa «extra: schon 
nach der ersten Injection erreichte der eitrige Ohrenfluss eine 
während der vorangegangenen Behandlung nie beobachtete In¬ 
tensität, massenhafte Bacillen in häufchenförmiger Anordnung 
traten auf. Unter dem Einfluss fortgesetzter Injectionen nahm 
nach wenigen Tagen die Secretion ah, die Perforationsöffnung 
des Trommelfells verkleinerte sich und die subjectiven Be¬ 
schwerden seitens des erkrankten Ohres hörten gänzlich auf. 

2. Peritonitis tuberculosa diffusa suppurativa. Nach 
König operirt, später Injectionen von 0,004—0,05 keine locale 
Reaction: dieser Fall soll den hohen Werth der Operation bei 
tuberculösem Exsudat des Peritoneum demonstriren. 3. Pseu- 
doleukaemie—keine locale, wohl aber hochgradige allgemeine 
Reaction (Ikterus, Albuminurie). 4. Pleuritis exsudativa 
scro-fibrinosa; 5 Fälle, in zweien deutliche Verkleinerung 
des doppelseitigen Exsudats, in den übrigen Fällen nur allge¬ 
meine Reaction. 5. Diabetes mellitus mit Lungenphthise, 
Dosen von 0,001—0,01—keine Reaction. Abelmann. 

P. Fürbringer. Vierwöchentliche Koch’sche Behand¬ 
lung in ihrer Bedeutung für die Abweichung vom Schema. 
Deutsche Med. Wochenschr. j\° 52. 

Zur Injection gebrauchte Verf. die neue G. Mever’sche Stem¬ 
pelspritze mit dem durch einfache Schraube stellbaren Asbest¬ 
ring zwischen Hartgummiplatten. Die Reaction trat in der Regel 
5—8 Stunden nach der Injection auf, jedoch kamen Ausnahmen 
von 20—21 ständigen Latenzstadien vor. Auffallend ist die Regel¬ 
widrigkeit rücksichtlich der Beziehungen der Reactionsstärke. 
In der Reihenfolge der Injectionen z. B.: 34jährige phthisische 
Frau, reagirt aut 0.002—0,01 schwach und undeutlich, auf Dosen 
von 0,01—0,02 stark, auf grössere Dosen (0,02—0,04) kaum oder 
gar nicht. 24jähriges Mädchen, febrile Lungentuberculose im 
1.—2. Stadium. Auf 0,004 — keine Reaction; auf 0,006 gefahr¬ 
drohende Reaction, welche Camphereinspritzungen nötliig macht; 
auf 0,006—0,015 —kaum erkennbare Reaction; auf 0,02 — inten¬ 
sive, 0,03 — hochgradigste (41°), 0,04 intensive Reaction. Dieses 
unberechenbare Schwanken der Reaction ist nur in einzelnen 
Fällen auf den sog. HcrzerytInsmus (labiler, schuellcr Puls der 
Phthisiker) zurückzuführen.' Als diagnostisches Mittel ist das 
Kochin hoch auzupreisen, jedoch kommen Ausnahmen vor: 

23jährige Kachektica mit massigem Fieber, deutlich ausge- 
irägter Spitzeninfiltration. Kein Sputum. Die Koch’sche Be- 
landlung ändert Nichts am objectiven Befund resp. subjectiven 
Verhalten. — 20jühriger Jüngling im 3. Stadium der Phthise. 
Massenhafte Bacillen. Hektik. Impfung von 0,0005—0.01 keine 
Reaction. — 16jähriger Junge; chronische Cvstopyelitis. leichte 
Bronchitis, massiges Fieber. Verdacht auf Tubcrculose. Nach 
den Injectionen keine deutliche Reaction. 2 ähnliche Fälle 
werden noch angeführt. 

Verf. ist der Ansicht, dass die vorgeschrittene Lungenphthise 
mit Cavemenbildung von der Cur nicht auszuschliessen ist. Bei 
nicht hochgradiger Haemoptoe kann man ebenfalls eiue Injection 
wagen. Unter 5 Fällen sistirte die Blutung 2 mal nach der 
l. bezw. 2. Injection. Absolut contraindicirt ist die Behandlung 
bei Basalmeningitis. Was den therapeutischen Erfolg anlangt, 
so zeigen 10 von 41 Schwindsüchtigen auffallende, frappante 
Besserung (Zunahme des Körpergewichts, Aufhellen der Däm¬ 
pfung, Rückgang der Rasselgeräusche, entsprechendes Verhalten 
des Auswurfs und der Bacillen). Zu diesen 10 Fällen von Besse¬ 
rung tritt ein Fall von relativer Heilung: Das 24jährige Mädchen 
(1. Stadium, Haemoptoe) weist bei völliger Euphorie keine Lungen¬ 
veränderung mehr auf, Husten und Auswurf sind verschwunden. 

Abel mann. 

Murrell, die systematische Behandlung der An¬ 
gina pectoris mit Nitroglycerin. (Therap. Mo- 
natsh. XI). 

Im Allgemeinen hat Verfasser bei dieser Behandlung glän¬ 
zende Resultate erhalten, doch räth er mit der Prognose vor¬ 
sichtig zu seinlund streng zu individualisiren, da das Nitrogly¬ 
cerin bei Structurveränderungen des Herzens, Klappenfehlern 
und Sklerose der Gefässe weniger erfolgreich wirkte; wie es 
scheint, litten die Murre Eschen Kranken an schmerzhafter Ste- i 


nocardie. Er räth das Mittel in 1% spirituöser und nicht in 
wässriger Lösung, am besten mit Spiritus Chloroform ii, Tct. 
Capsici und Aqua Menth, piperit. zu geben, da dasselbe in die¬ 
ser Form leichter assimilirt wird; die im Handel vorkommen¬ 
den Chocoladenplätzchen mit Nitroglycerin sind wegen ihrer 
eringeren Löslichkeit weniger zu empfehlen. Die Dosirung 
ietet auch einige Schwierigkeiten, bei nervösen, schwächlichen 
Damen sah Verf. schon nach ’/ioo Gr. Kopfweh und lästiges 
Klopfen der Gefässe auftreten, anderseits giebt es eine Gewöh¬ 
nung an das Mittel. M. räth mit ’/ioo Gr., d. h. mit einem 
Tropfen zu beginnen und diese Gabe alle 3 Stunden zu wieder¬ 
holen, ausserdem jedes Mal bei den ersten Anzeichen des An¬ 
falls. Dann werden die Gaben vorsichtig vergrössert und bis 
zum Aufhören der Paroxysmen weiter gegeben, was bei einigen 
Kranken mit geringen Unterbrechungen 5—6 Jahre lang ge¬ 
macht worden ist; die günstige Wirkung tritt gewöhnlich recht 
rasch ein. In schweren Fällen gebraucht M. nebenbei noch 
Massage der Brust und der Arme und Elektrisation der Hals¬ 
gegend mit dem constanten oder inducirten Strom. M. räth, 
mit der Flüssigkeit gefüllte Fläschchen in der Westentasche 
zu tragen, damit die Mischung vor dem Einnehmen bis fast 
auf die Körpertemperatur erwärmt werde und zieht das Nitro¬ 
glycerin dem Amylnitrit vor, weil die Wirkung dieses letzteren 
eine viel flüchtigere ist. Verfasser illustrirt seine Methode durch 
einen sehr instructiven Fall. Hinze. 

Prof. 0. Wyss: Ueber Arsenmelanose (Corr.-Bl. f. Schw. 

Aerz. 1890 Jfc 15). 

Schon vor Jahren ist, namentlich in englischen und ameri¬ 
kanischen Journalen (Brown, Dawis, Leszynsky etc.), auf 
eine durch innerlichen Arsengebrauch hervorgerufene Hautver¬ 
färbung, die der bei Morb. Addisonii gleicht, aufmerksam ge¬ 
macht und zugleich betont worden, dass es sich nicht (wie bei 
der Argyrie) um metallische Ablagerungen, etwa Schwefelarsen, 
sondern um einen, dem Bilirubin ähnlichen, veränderten Blut¬ 
farbstoff, ein achtes, anormales, organisches Pigment handele, 
welches, vorübergehend oder bleibend, besonders am Halse, 
Rumpfe und den Extremitäten auftrete. An zwei von H afft er 
im vorigen Jahre beschriebene Fälle anknüpfend, theilt nun auch 
W. eigene Beobachtungen mit, wo sich bei zwei Kindern nach 
vielwöchentlichem Gebrauch vonTSolut. Fowleri mehr oder we¬ 
niger intensive Braunfärbung der Haut, besonders am Halse, in 
den Achselhöhlen, Kniekehlen, an den Streckseiten der Ell¬ 
bogen, in der Inguinalgegend und am Anus einstellte. In 
beiden Fällen schwand diese Färbung nach Veränderung der 
Ordination allmälig vollkommen, trat aber, als eine zweite Ar- 
sencur vorgenommen werden musste, bei dem einen Kinde 
wieder zeitweilig auf (bei Haffter’s Pat, von denen eine mehr 
als 3 Jahre fast ununterbrochen Liq. Fowl. zu 15—30 Tropfen 
täglich genommen hatte, schienen die äusserst starken Pigment¬ 
ablagerungen nicht abnehmen, geschweige denn vergehen zu 
wollen). W. hat an kleinen Hautstücken, die bei einer seiner 
eigenen und einer Haffter’schen Kranken excidirt worden waren, 
mikroskopische Untersuchungen vorgenommen und festgestellt, 
„dass der gelb- bis röthlicn- bis schwarzbraune Farbstoff, in 
körniger Gestalt, in den Lymphbahnen der Papillen und in ge¬ 
ringerem Grade in denjenigen der Cutis bei frischen und leich¬ 
teren Fällen abgelagert ist; reichlicher, ja massenhaft und viel¬ 
fach in Form grösserer Klumpen findet er sich im erweiterten 
Lymphgefässnetz der Cutits bei älteren und schwereren Fällen 
der Arsenmelanose.“ Was den Farbstoff selbst anbetrifft, so 
kann man annehmen, dass er zersetztes Hämoglobin ist. 

[Ref. hat Gelegenheit gehabt, das Vorkommen der Arsenme¬ 
lanose vollauf bestätigen und einen einschlägigen Fall mehreren 
Collegen demonstriren zu können. Im Laufe von vier Jahren, 
seit October 1886, machte qu. Patient drei grössere Arsen- 
curen, die zusammen 20 Monate mit einem Gesammtverbrauch 
von 4,5 arseniger Säure umfassten, durch und wurde an ihm 
leich in der ersten, namentlich aber während der zweiten Be- 
audlungsperiode im Sommer und Herbst 1887, eine immer 
dunkler werdende, schmutzig-braune Verfärbung der Haut am 
Halse und Nacken bemerkt. Diese zunächst für einen Rück¬ 
bildungsvorgang des existirenden Hautleidens (Lichen ruber) 
ehaltene, zum Theil auch der Einwirkung der sommerlichen 
onnenstrahlen zugeschriebene und damals überhaupt wenig be¬ 
achtete Braunfärbung schwand in der darauf folgenden, 2 1 /* Jahr 
dauernden, Curpause allmälig wohl vollkommen, fiel aber im 
Verlaufe der dritten Cur, die vom Mai bis November 1890 währte, 
wieder auf. Allerdings erinnerte man sich jetzt, dass auch 
während des früheren Arsengebrauches der Hals sehr braun 
gewesen, aber die damalige Erklärung schien z. Z. ebenfalls 
noch anwendbar und erst dieWyss’scne Publication veranlasste 
eine nähere Untersuchung. Da fand sich denn eine deutliche 
Pigmentation nicht allein am Halse, sondern auch an allen von 
W. angegebenen Stellen der Körperoberfläche und konnte diese 
einerseits, z. B. hinsichtlich der Achselhöhlen, nicht als solare 
Bräunung aufgefasst, andererseits aber auch nicht mit dem liche- 
nösen Process in Zusammenhang gebracht werden. Der letz¬ 
tere spielte nämlich nur an den Plantarflächen der Füsse. wo 
- ganz wie in den W.’schen Fällen, keine Spur einer Verfärbung 


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wahrnehmbar war und hatte auch früher, zur. Zeit seiner höch¬ 
sten Entwickelung, immer andere Regionen als die braun wer¬ 
denden bevorzugt. Im December 1890, vier Wochen nach Be¬ 
endigung der Arsencur, waren die pigmentirten Stellen schon 
wesentlich blasser geworden, Hessen sich aber immer noch deut¬ 
lich erkennen. Fremmert. 

BDcheranzeigen und Besprechungen. 

Dr. Albert Länderer (Leipzig). Handbuch der allge¬ 
meinen chirurgischen Pathologie und Thera¬ 
pie in 40 Vorlesungen für Aerzte und Studirende. 
Wien und I^eipzig 1890. Urban und Schwarzenberg. 700 
Seiten, mit zahlreichen Holzschnitten. 

Ein sehr sympathisches Buch, durchaus auf der Höhe der 
Zeit stehend. Nach Durchmusterung desselben findet man die 
Worte der Vorrede: ,,Die unmittelbare Anschauung und frische 
Auffassung ist gerade m unserem Fache wichtiger und erspriess- 
lieher. als t.rockeuc Büchergelehrsamkeit“, — vollkommen ge¬ 
rechtfertigt. Das Bucli enthält gar keinen „alten Kram“, ist 
nirgend gedehnt oder langweilig, zielt stets nach den Bedürf¬ 
nissen der praktischen Chirurgie. Die Darstellung ist klar und 
lebendig, die Abbildungen fast durchweg gut. Um Etwas zu 
tadeln, möchte Ref. aut die Betitelung der 14. bis ifi. Vorle¬ 
sung aufmerksam machen; während Entzündung und Eiterung 
an der Wunde. Lymphangitis, Phlegmone, Erysipel, Prämie, Septi- 
cämie unter „Störungen der Wundheilung“ gehen, sind Tetanus 
undZoonosen unter den Titel „accidentelle Wundkrankheiten“ 
gesetzt worden. Es wäre doch wohl zeitgemäss alles Genannte 
unter „infectiöse Wundkrankheiten“ zusammenzufassen und die 
alte fatalistische Bezeichnung „accidentell“ aus der Nomencla- 
tur zu streichen. In der Behandlung der Fracturen fällt die 
Proclamation der. Alleinherrschaft des Gypsverbandes sowie die 
völlige Verdammung des Kleisterverbandes um so mehr auf, 
als doch eine ganze Reihe von Chirurgen nie mehr einen Gyps- 
verband anlegt, sondern stets den leichten und zugleich festen 
Pappschienen-Kleistermarly-Verband benutzt, welcher durch 
die genannten Eigenschaften viel besser befähigt ist, den phy¬ 
siologischen Bedürfnissen der Extremität während der Fractur- 
heilung gerecht zu werden. 

Jedenfalls ist das Buch Studirenden und Aerzten warm zu 
empfehlen. Selenkow. 

Prof. Adolf Lesser: Atlas der gerichtlichenMedicin. II Ab¬ 
theilung. Lieferung 1—3. Klein Folio. Breslau 1890. Verlag 
vorm. S. Schottländer. 

Die vorüegeudeu 3 Lieferungen bilden mit ihren 9 grossen Ta¬ 
feln und 110 Seiten Text dio erste Hälfte der zweiten Abtheilung 
des gesammten Werkes. Während die erste Abtheilung die Ver¬ 
giftungen zu behandeln hatte, soll die zweite Abtheilung „die trau¬ 
matischen Verletzungen, die bedeutungsvollsten Befunde am Neu¬ 
geborenen und (He wesentlichsten Leichenerscheinungen in sorg- 
samst ausgewählten typischen Objecten wiedergeben“. Die bis¬ 
her erschienenen Tafeln beziehen sich auf die Verletzungen 
(der Haut, des Gehirns und Rückenmarks, der Schädclknocnen, 
aes Halses, der Brust- und Bauchorganc) und bieten neben einer 
Fülle von naturtreu eolorirten Darstellungen zahlreiche Bleistift¬ 
zeichnungen und Wiedergaben mikroskopischer Präparate. In 
dem begleitenden Text ist der Verfasser bemüht, an der Hand 
der gegebenen Fälle alles dasjenige aus dem Capitel der Ver¬ 
letzungen zu erörtern, worüber der Geriebtsarzt unterrichtet sein 
muss, um die Befunde an der Leiche correct beurtheilen zu kön¬ 
nen. Hierdurch empfiehlt sich das Werk besonders den prakti¬ 
schen Aerzten unserer Heimath, wo nach dem Gesetz ieder Arzt 
zur gerichtlichen Obduction requirirt werden kann. Das Mate¬ 
rial ist in der Tliat, wie der Prosjicct besagt, „sorgsamst ausge¬ 
wählt“, umfasst aber ausser den „typischen Objecten“ auch solche, 
welche nicht zu den alltäglichen Erscheinungen auf dem Seetions- 
tisch zu zählen sind,— ein Umstand, der den Atlas selbst dem 
erfahrenen Gerichtsarzte als Nachschlagewerk sicherlich willkom¬ 
men erscheinen lassen wird! 

Die Reproduction der Zeichnungen und Aquarelle macht dem 
Verlage alle Ehre; auch Druck und Ausstattung lassen nichts zu 
wünschen übrig. Wladimir off. 

Prof. Eduard R. v. Hofmann: Lehrbuch der gerichtlichen 
Medicin. V. Auflage, erste Hälfte (Bogen 1—30). Verl, 
v. Urban und Schwarzenberg, Wien und Leipzig 1890. 

Unter den Lehrbüchern der gerichtlichen Medicin giebt es 
schwerlich eines, welches sich grösserer Beliebtheit und wei¬ 
terer Verbreitung erfreut, als dasjenige von E. v. Hofmann. 
Alle 3 Jahre ist der Verf. genöthigt gewesen sein Werk von 
Neuem aufzulegen, wodurch ihm die Möglichkeit geboten wurde, 
dasselbe beständig mit Verbesserungen und Ergänzungen zu 
versehen und so stets auf der Höhe der Wissenschaft zu er¬ 
halten. Die V. Auflage weist, wie aus der vorliegenden ersten 
Hälfte zu ersehen ist, gegenüber der in. Auflage (ein Exem¬ 
plar der IV. steht dem Ref. nicht zu Gebote) manche bedeu¬ 
tende Erweiterung auf. Abgesehen davon, dass die einschlägige 


Literatur bis in die jüngste Zeit hinein Berücksichtigung ge¬ 
funden hat und die Zahl der Holzschnitte um ein Beträcht¬ 
liches gewachsen ist, sind auch noch viele neue casuistische 
Mittheilungen zu den früheren hinzugefügt worden. Man kann 
kaum eine Seite aufschlagen ohne an ihr sofort die sorgfältig 
ausbauende Ueberarbeitung zu entdecken. Die übersichtliche 
Anordnung des Materiales und die klare Form des Ausdruckes 
sind aus den früheren Auflagen zu bekannt, als dass sie beson¬ 
ders hervorgehoben zu werden brauchten. Als eine sehr an- 
enehrne äusserliche Neuerung muss der leserliche fette Klein¬ 
ruck, in welchem die casuistischen Mittheilungen und gewisse 
ln den Text eingefügte Abschnitte wiedergegeben sind, begrüsst 
werden. 

Die 2. Hälfte des Werkes soll noch im Laufe dieses Jahres 
erscheinen. Wladimir off. 

Prof. Dr. Paul Bruns. Die Geschosswirkung der neuen 
Kleinkaliber-Gewehre. Mit 7 Tafeln in Lichtdruck. 
Tübingen 1889. Laupp’sche Buchh. Pr. 5 Mk. 40. 

Wer sich für die betr. Frage intercssirt. möge die schön aus¬ 
gestattete Arbeit, welche als Fortseszung und Controle der be¬ 
kannten Versuche von Reger. Beck, Chauvcl u. A. auftritt, 
nicht ungelesen lassen. Verf. kommt zu dem Schlüsse, dass 
die kleinkaliber Projectile mit Panzer (Mausergewehr), weil 
sie mit grosser Durchschlagskraft eine verhältnissmässig ge¬ 
ringe Sprengwirkung verbinden, „nicht bloss die beste, sondern 
zugleich die humanste Waffe“ seien. W. Popow, welcher in 
St. Petersburg ähnliche Versuche gemacht, konnte nicht zum 
gleichen Schlüsse kommen. (Cf. Verli. d. Congr. russ. Aerzte. 
St. Petersburg 1889. — Ref.). Selenkow. 

W. Preyer. Der Hypnotismus. Vorlesungen gehalten 
an der K. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. 
Mit 9 Holzschnitten. Wien und Leipzig, Urban und Schwar¬ 
zenberg 1890. VI. 217 S. gr. 8. 

Man sollte meinen, dass cs unmöglich sei, bei der ungeheuren 
Zahl von Abhandlungen und Werken über Hypnotismus (nach 
Dessoir’s Verzcichniss gegen 1000) noch etwas Brauchbares 
über dieses Thema veröffentlichen zu können und hat solches 
Prof. Preyer doch mit seinem Werke geleistet. Er hat seine 
Vorlesungen ergänzt und wie es Ref. seneint, den von ihm be¬ 
absichtigten Zweck, seine Theorie des Hypnotismus fester zu 
begründen, erreicht. Die Hypnose entsteht seiner Ansicht 
nach durch eine Ermüdung und Functionslosigkeit 
gewisser Bezirke der Grosshirnrinde und ist im we¬ 
sentlichen eine Art künstlich erzeugter Hysterie. 
(Cf. pag. 134—145). Er ist Anhänger der Nancyer Schule und 
giebt in kurzen, sehr klar und übersichtlich abgefassten Ab¬ 
handlungen den gegenwärtigen Stand der Lehre vom Hypno¬ 
tismus und der Suggestion wieder. Sehr interessant sind ver¬ 
schiedene historische, für die vorligende Frage sehr wichtige 
Abhandlungen; zum Schlüsse ist eine deutsche Uebersetzung 
einer bisher unveröffentlichten Schrift von James Braid über 
die Unterschiede des nervösen uud des gewöhnlichen Schlafes 
1845 abgedruckt, welche nach Ref. Meinung nicht ohne Be¬ 
deutung für die Lehre von Hypnotismus ist.— Es sei hiermit 
das Werk den Lesern bestens empfohlen. Hinze. 

Th. Meynert. Klinische Vorlesungen über Psychiatrie. 

Wien, Braumüller 1890. 297 pag. 

Bei der Anzeige des obigen Werkes können wir uns kurz 
fassen. Ist es an sich ein Genuss, das Gebiet der Psychiatrie 
in der unmittelbaren Anlehnung an das lebendige Wort in Form 
von Vorlesungen vorgeführt zu erhalten, so wird dieser unge¬ 
wöhnlich erhöht, wenn ein Forscher von der Bedeutung Mey¬ 
nert’s Wort und Feder führt. Schon bei flüchtiger Berührung 
mit diesem Buch wird der Leser das wahrnehmen, was auch 
dem tieferen Studium desselben einen eigentümlichen Reiz 
verleiht: die Genialität in Gedanken und Ausdrucksform. Nur 
ein ausführliches Eingehen, für welches hier nicht der Ort ist, 
könnte dem allgemeinen psychiatrischen Standpunkt Meyncrt’s 
gerecht werden. Es ist aus früheren Werken M.’s bekannt, dass 
er durch genaue Berücksichtigung des feinen anatomischen Baus 
des Centralorgans und der den einzelnen Theilen zugedachten 
Functionen zu einer erklärenden Psychiatrie vorzudringen strebt. 
Neben diesen Erklärungsversuchen, welche die Kritik der Fach¬ 
genossen mehrfach beschäftigt haben und sie weiter beschäftigen 
werden, enthalten die Vorlesungen kHnische Thatsachen in reich¬ 
ster Fülle, aus umfassender und feiner Beobachtung zu zusam¬ 
menfassender Darstellung herangezogen. In classilieatorischer 
Hinsicht verdient das Buch besondere Aufmerksamkeit. Wir 
verweisen hierbei nur auf den Abschnitt Amentia, die Verwirrt¬ 
heit—an welchem Niemand vorübergehen wird, der für die Um¬ 
grenzung der psych. Krankheitsformen ein Interesse besitzt. 

_Mercklin. 

Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

— A. Hippius (Moskau) empfiehlt einen neuen, von ihmcon- 
struirten Apparat zum Steri.lisiren der Milch. Derselbe 
zeichnet sich vor dem S o x h 1 et’schen dadurch aus, dass das ganze 


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nöthige Quantum in einem leicht zu reinigenden Gefäsae gekocht 
wird, aus dem die zur Mahlzeit erforderliche Menge durch einen 
Hahn abgelassen werden kann. Bestandthcile: 1) eiförmiges. 
2000 Ccm. fassendes Glassgefäss mit hermetisch schliessendem 
DcckeLGlashahnzumAbHuss.im Innern Glascylinderzumgleichmäs- 
sigen Durehkoebcn der Milch; 2) Blechuntersatz. Das Kochen ge¬ 
schieht auf dem Herde oder auf einer Benzinküche. Die ge¬ 
naueren Angaben zur Benutzung des Apparates, der hier bei 
J. Rüting zu haben ist, siehe in „Berl. klin. Woeli. Ai 45“. 

— Blizzard (Vol. IX Trausact. ot' ophthalm. Soc.) erinnert 
an seine im Lancet 1875 bereits beschriebene Methode directer 
Galvanisation gelähmter Augenmuskeln, welche in Fol¬ 
gendem besteht. Feuchte Elektrode (An?) am Nacken, die andere 

leichfalls gut angefeuchtete Elektrode (Ka?) in der linken Hand 
es Arztes, dessen rechter^ mit einer einzigen gut befeuchteten 
Musselinscnicht bedeckter Zeigefinger auf das Auge in der Rich¬ 
tung des M. rect. externus gelegt wird; die Conjunctiva wird 
vorläufig mittelst Cocaln’s anästhetisch gemacht. Durch abwech¬ 
selndes Aufheben und Aufsetzen des Fingers wird der Strom 
von 1,5—2 M. A. geschlossen und geöffnet, wobei der Finger 
einen kleinen elektrischen Schlag fühlt. Der Vorzug dieser 
Methode besteht nach B. darin, dass der Finger als empfindende 
Elektrode auf alle Tbeile des Auges sehr genau aufgesetzt werden 
und der Arzt in jedem Augenblicke die Stromstärke beurtheilen 
kann. Centralbl. f. Nervenh. XI, JV» 346, p. 370 

— Gegen übelriechenden Fussschweiss: Man wäscht 
dieFüsse vor dem Schlafengehen mit sehr heissem Wasser, zieht 
dann reine Baumwollenstrümpfe an und taucht sie in Holzgeist 
(Methylalkohol). Die Strümpfe lässt man über Nacht au den 
Füssen und verfährt in gleicher Weise jeden Abend während einer 
Woche, nach welcher Zeit Heilung eintritt. 

(Rundsch. f. Pharm. — D. M. Z. 98. 


Vom IV. Congress russischer Aerzte zum An¬ 
denken Pirogow’s. 

Am 3. d. M. ist in Moskau der IV. Congress russischer Aerzte 
feierlich eröffnet worden. Aus allen Tneilen Russlands sind 
die Vertreter des ärztlichen Standes zusammongeströmt um so¬ 
wohl an den wissenschaftlichen Verhandlungen, wie an der Be¬ 
sprechung ärztlicher Standesfragen Theil zu nehmen. Wenn¬ 
gleich die Betheiligung dieses Mal ein wenig geringer ist, als 
am letzten in Petersburg vor zwei Jahren stattgenabten Con¬ 
gress. so hat sich doch bis zum 8. Januar d. M. die stattliche 
Anzahl von 1358 Mitgliedern zusammengefunden, von denen 
etwa die Hälfte von in Moskau ansässigen Aerzten gebildet wird. 

Die Versammlungen des Congresses werden in 12 Sectionen 
geführt, von denen sich die erste mit normaler und patholo¬ 
gischer Anatomie und Physiologie, die 2. mit Chirurgie, die 
3. mit inneren Krankheiten und Pharmakologie, die 4. mit Ner¬ 
ven- und Geisteskrankheiten, die 5. mit Geburtshülfe und Frauen¬ 
krankheiten, die 6. mit Ophthalmologie, die 7. mit Kinderkrank¬ 
heiten, die 8. mit venerischen und Hautkrankheiten, die 9. mit 
erichtlicher Medicin, die lO.mitPharmacie und Pharmakognosie, 
ie 11. mit öffentlicher Wohlfahrt und Hygiene und die 12. mit 
Fragen des ärztlichen Lebens zu beschäftigen hat. 

Die Verhandlungen werden sich vom 3. bis zum 9. Januar 
d. M. hinziehen, und aus diesem nicht geringen Zeitraum, den 
der Congress beansprucht, lässt sich auf die Reichhaltigkeit 
und Zahl der angemeldeten Vorträge und Verhandlungen ein 
Schluss ziehen. Wir werden selbstverständlich nicht verfehlen 
über die letzteren im Interesse unserer fremdsprachigen und 
ausländischen Leser ausführliche Referate zu bringen, sobald 
die Arbeiten des Congresses in extenso erschienen und einer 
sachlichen Wiedergabe zugänglich sein werden. Für heute sei 
es gestattet uns auf die Eröffnungsfeier und einige allgemeine 
Eindrücke zu beschränken, die wir von dem Moskauer Con¬ 
gress davon getragen haben. 

Um ein Uhr Mittags des 3. Januar versammelte sich im gros¬ 
sen, prunkenden Saal der russischen Adelsgesellschaft zu Mos¬ 
kau ein zahlreiches und erlesenes Publicum, welches den riesi¬ 
gen Raum bald Kopf an Kopf erfüllte und nicht nur aus Ver¬ 
tretern des ärztlichen Standes bestand, sondern sich auch aus 
den Spitzen und Gliedern der gesammten Moskauer eleganten 
und gebildeten Gesellschaft zusammensetzte. Unter ihnen be¬ 
merkten wir viele hohe Beamte und Militairs mit ihren Ge¬ 
mahlinnen. Nachdem Prof. Sklifassowski (Moskau) den Con¬ 
gress für eröffnet erklärt und die Nationalhymne der Festsit¬ 
zung die Weihe verliehen hatte, hielt Prof. Sklifassowski die 
Begrüssungsrede. Er erörterte zunächst die Bedeutung des Con¬ 
gresses für Russland, für das Gedeihen des russischen ärztli¬ 
chen Standes und für das wissenschaftliche Zusammenwirken 
der russischen Universitäten und wandte sich sodann derjeni¬ 
gen wissenschaftlichen Frnge zu, welche heute die ganze Welt 
bewegt und.deren Bedeutung sich selbstverständlich ein ärzt¬ 
lich er Congress erst recht nicht entziehen kann — ich meine 
die neuesten Entdeckungen Koch’s.—Sklifassowski sagte hie¬ 


rüber folgendes:. „Die ganze Welt steht unter dem Eindruck 
der Entdeckung des Prof. Koch und erwartet mit begreiflicher 
Ungeduld Aufklärung und Antwort auf Fragen, welche die ge¬ 
summte Gesellschaft aufs Tiefste erregen. Zwar ist das neuent¬ 
deckte Mittel noch nicht Gemeingut des ärztlichen Standes — 
es ist ein Geheimniss Prof. Kocn's, was in völligem Wider¬ 
spruch steht zu den moralischen Anforderungen, denen ein Ge¬ 
lehrter und besonders ciu Arzt zu genügen hat (anhaltendes Bei¬ 
fallsklatschen)—nichts desto weniger wird dieses Geheimraittel, 
horribile dictu, in fieberhafter Eile leichten Herzens am Kranken¬ 
bett angewandt, und von wem? von denselben Vertretern der Wis¬ 
senschaft, welche bei ihrem Eintritt in den ärztlichen Stand feier¬ 
lich gelobt haben, niemals Geheimmittel zu gebrauchen. (Beifalls¬ 
klatschen). Die erregte öffentliche Meinung, hingerissen von 
der Erwartung eines aussergewöhnlichen Heils, das dieses Mit¬ 
tel bringen soll, bemerkt nicht die tiefe Ungereimtheit, welche 
der Strudel birgt, von dem die ganze ärztliche Welt erfasst 
ist; sic erwartet gierig eine Antwort auf die Frage nach der 
Heilbarkeit der Tuberculose. Ist doch die Tuberculose eine 
schreckliche Geissei der Menschheit: etwa 5°/o der Erdbevölke¬ 
rung fällt ihr zum Opfer. Hieraus erklärt sich die allgemeine 
Aufregung und unser Congress hat die moralische Verpflich¬ 
tung Stellung zu nehmen dazu, was Jeden von uns in diesem 
Augenblick bewegt. 

Zum Schluss seiner Rede gedachte Sklifassowski in pietät¬ 
vollen Worten des am 12. Dec. 1889 verstorbenen Prof. Botkin 
und forderte die Mitglieder des Congresses auf, sich an der 
Stiftung eines Asyls für mittellose Aerzte und deren Familien 
auf den Namen Botkin’s zu betheiligen. 

Hierauf erfolgte die Promulgation der Wahlen, welche als 
Ehrenpräsidentendes Congresses Dr.Ssutugin und als Ehren- 
secretair Prof. Danilewski (Charkow) ergeben hatten. 

Als erster Festredner betratsodann Prof. Erismann (Moskau) 
die Tribüne. Er sprach mit warmen und beredten Worten 
über den „Kampf mit dem Tode“ und setzte in alljjemeinver- 
ständlicher und doch auch für den Mediciner hochinteressan¬ 
ter Weise die Möglichkeit auseinander, durch hygienische Maass¬ 
regeln die Mortalitätsziffer kleinerer und grösserer Bevölke¬ 
rungsgruppen, ja ganzer Völker und Reiche zu verringern. 
„Nicht in der Heilkunst, deren Object immer nur das schon 
erkrankte Individuum ist, liegt der Schwerpunkt der Frage 
vom Kampf gegen den Tod“. „Die Sterblichkeit, als ein allge¬ 
meines UebeY, verlangt nicht sowohl eine individuelle als eine 
generelle Bekämpfung“ und hierzu bedarf es „einer gewissen 
Organisation, eines planmässigen Vorgehens eines leitenden 
Gedankens und des Verständnisses für die Interessengemein¬ 
schaft ganzer Bevölkerungsgruppen“; die Kindersterblichkeit 
soll vor allen Dingen dadurch verringert werden“, dass „den 
Neugebomen ihre Mütter wiedergegeben werden“; das waren 
die Punkte, welche der Zuhörerschaft wohl besonders eindring¬ 
lich an’s Herz gelegt wurden. 

Prof. Danilewski (Charkow) sprach sodann „über die Ein¬ 
heitlichkeit des Hypnotismus bei Menschen und Thieren“. So 
sehr auch der Vortrag allgemeines Interesse erregte, so eignet 
er sich doch nicht zu einem kurzen Referat, in welchem der 
Gedankengang des Redners nicht wiedergegehen werden könnte. 
Zum Schluss erhob sich derselbe zur Frage von der ethischen 
Bedeutung des Hypnotismus und von der Bedeutung, welche 
analoge Beeinflussungen des persönlichen Ich’s z. B. für die 
Erziehung haben können. 

Hiermit schloss die Eröffnungsteier des IV. russischen Aerzte- 
congresses. Am folgenden Tage begannen die Sectionsverhand- 
lungen. Wie cs nicht anders sein konnte, trat die Frage über 
die Wirkungsweise der Koch'sehen Inieetionen überall, na¬ 
mentlich aber bei den Verhandlungen der Chirurgen, Thera- 
euten und Pathologen so sehr in den Vordergrund, dass an- 
erweitige Themata grösstentheils auf die späteren Sitzungen 
verlegt werden mussten. Während auf der Eröffnungssitzung 
das Publicum nur zum Theil und vielleicht zum kleineren Theu 
aus Medicinem bestand, und demgemäss die Beifallsäusserungen, 
mit denen Prof. Sklifassowski überschüttet wurde, mehr als 
Aeusserungen derjenigen Stimmung betrachtet werden müssen, 
welche sich der gesammten Moskauer gebildeten Gesellschaft 
angesichts dev Koch'sehen Entdeckung und deren Geheim¬ 
haltung bemächtigt hatte, so lag in den Sectionssitzungen die 
Sache anders. Hier wollte Jedermann positive Facta erfahren 
und wo möglich selbst Beobachtungen machen: aber leider 
war dazu die Gelegenheit nicht günstig. Die Zahl der nach 
der Koch’schen Methode in Russland Behandelten ist noch zu 
klein und die Dauer der Behandlung zu kurz 2 als dass man 
wagen dürfte ein Urtheil zu fällen. Die Missstimmung, welche 
unverkennbar auch im ärztlichen ruKsischen|Publicum in Folge 
der Geheimhaltung des Mittels entstandeu*war, äusserte sich 
vornehmlich darin, dass ungünstige Resultate der Behandlung, 
wie sie z. B. Sklifassowski (ein Todesfall auf seiner Klinik) 
bekannt gab, sowie die bekannte Virchow’sche Rede über^die 
Wirkungen der Koch’schenLvmphemit unverhohlenem Beifall 
aufgenommen wurden, einem ßeifall der zweifellos etwas nach 
Schadenfreude schmeckte — während diejenigen Redner, welche 
günstige klinische Erfahrungen mit dem Koch’schen Mittel 


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gemacht haben (wie z. B. Prot Tschirjew in Moskau) nur 
wenig Eindruck machten. Zum Glück erfolgte noch während 
der Dauer des Congresses die Veröffentlichung der letzten 
Koch’sehen Publication über die Herstellung seiner Lymphe 
auch in russischer Sprache, so dass von einer Verheimlichung 
seiner Entdeckung nicht weiter die Rede sein konnte. Dem 
entsprechend hat sich dann auch die Aufregung bald gelegt; 
Prof. Pawlowski aus Kiew hat das Verdienst, die Bedeutung 
der Koch’schen Entdeckungen rückhaltslos anerkannt zu haben 
und es lässt sich hoffen, dass von jetzt ab auch in den russi¬ 
schen ärztlichen Kreisen und namentlich auch auf dem IV. Con- 
gress die Beurtheilung dieser grossen und zweifellos nicht durch 
hochtrabende Worte umzustossenden deutschen Entdeckung in 
ruhigere und leidenschaftslosere Bahnen einlenken wird. 


Vermischtes. 

— Ordensverleihungen: Der St. Wladimir-Orden 
II. C lasse — dem Director und Oberarzt des St Petersburger 
Nikolai-Kinderhospitals, wirkl. Staatsrath Dr. Tomaschewski, 
Der St. Wladimir-Orden III. Classe — dem Geholfen des 
Directors des St. Petersb. Findelhauses, wirkl. Staatsrath Dr. 
Bock, dem Director des Gromow’schen St Sergius-Kinderasyls 
in St. Petersburg, wirkl. Staatsrath Dr. Boerling, dem Prof, 
der Chirurgie in Kiew, wirkl. Staatsrath Dr. Rin eck u. dem 
Prof, der Therapie in Charkow, wirkl. Staatsrath Dr. Obo- 
lenski. Der St. Stanislaus-Orden I. Classe— dem Flagg- 
mannarzte des Geschwaders des Stillen Oceans, wirkl. Staats¬ 
rath Dr. Nowik und dem Armenärzte des Alexander-Newski- 
Stadttheils in St. Petersb., wirkl. Staatsrath Dr. Lebedinski. 

— Befördert: Zum wirklichen Staatsrath — der Pro¬ 
fessor der Anatomie in Charkow, Dr. Wagner und der ältere 
Ordinator am Nikolai-Kinderhospital in St. Petersburg, Dr. Koch. 

— Verstorben: 1) Am 6. Januar der frühere Professor der 
internen Medicin an der militör-medicinischen Academie, Ge¬ 
heimrath Dr. Demetrius Koschlakow, im 57. Lebensjahre 
an einem organischen Herzfehler. Der Verstorbene war der 
Sohn eines Geistlichen aus dem Gouvernement Kursk und hatte 
seine medicinische Ausbildung an der medico-chirurgischen Aca¬ 
demie in St Petersburg erhalten, an welcher er i. J. 1861 den 
Cursus mit dem Arztgrade und der silbernen Medaille absol- 
virte. Nach Erlangung der Doctorwürde im J. 1864 und Ab- 
commandirung behufs weiterer Ausbildung an ausländische Uni¬ 
versitäten wurde K. i. J. 1867 zum Professor-Adjunct und i. J. 
1875 zum ausserordentlichen Professor der internen Medicin 
ernannt und übernahm 1883 als ordentlicher Professor die Lei¬ 
tung der therapeutischen Hospitalklinik an der Academie. Im 
October vorigen Jahres sah er sich durch ein schweres Leiden 
(Herzfehler in Folge von Rheumatismus) gezwungen, seine Lehr¬ 
tätigkeit an der Academie aufzugeben. Der Hingeschiedene 
erfreute sich eines guten Rufes als Kliniker und Specialist für 
Kehlkopfkrankheiten. 2 ) In Irkutsk am 14. November 1890 
der frühere Oberarzt <les dortigen Kusnezow’schen Kranken¬ 
hauses, RufusKellberg im 49. Lebensjahre. Seit mehreren 
Jahren hatte K. seine ärztliche Thätigkeit aufgegeben und mit 
der Goldwäscherei sich beschäftigt, bei welcher er sein ganzes 
Vermögen einbüsste, so dass er seine Frau mit 8 Kindern ganz 
mittellos hinterlassen hat. — 3) Am 24. Decembcr in Moskau 
der dortige Arzt W. J. Nikolajewski. 4) In Paris der be¬ 
rühmte Irrenarzt JulesBaillarger, der hervorragendste Schüler 
Esquirols im 82. Lebensjahre. 

— Mit der soeben erfolgten Veröffentlichung der Dar¬ 
stellung des Koch’scheu Heilmittels gegen Tuberculose 
und des Weges, auf dem Koch zu seiner epochemachenden 
Erfindung gekommen, wird die Entrüstungskomödie, welche be¬ 
sonders russische und französische Fachnlätter wegen der Ge¬ 
heimhaltung der Darstellungsweise des Mittels in Scene gesetzt 
haben, hoffentlich ihr Ende finden. Wenn der verdiente und 
hochherzige Forscher durch dieselbe wohl auch nicht weiter 
altcrirt worden ist, so wäre es doch wohl Zeit, dass diese klein¬ 
lichen, unwürdigen, die Ehre des ärztlichen Standes schädigen¬ 
den Angriffe gegen denselben amhörten. Es ist ein klägliches 
Schauspiel zu sehen, wie selbst sonst geachtete Blätter sich darin 
gefallen, alle diese abfälligen Urtheile, schmutzigen Insinua¬ 
tionen und boshaften Witze über Koch und sein Heilmittel, 
sowie dessen Geheimhaltung zu sammeln und wiederzugeben. 
Besonders der „Wratsch“ hat sich in dieser Richtung ausge¬ 
zeichnet, wohl ohne zu bemerken, dass er sich damit auf gleiche 
Stufe mit kleinen Klatschblättern, wie l’Union in6d. und ähn¬ 
liche stellt. Bei gar zu schmutzigen Insinuationen, wie die des 
Betruges etc. gieDt er wohl in Parenthese sein abweichendes 
Urtheu, vergisst aber dabei, dass schon die Wiedergabe von 
Verläumdungen und schmutzigen Insinuationen allein, auch mit 
solcher Reserve, einem Gentleman nicht möglich sein sollte, 
vollends wenn er, wie der „Wratsch“, stets die ethischen For¬ 
derungen des ärztlichen Standes betont hat. Ausserd«'in aber 
weiss ja der „Wratsch“ ganz ebensogut, wie wir alle, dass von 
dem Koch’schen Mittel nicht wie von einem der sonstigen Ge¬ 
heimmittel die Rede sein kann, da Koch selbst es oft genug 
laut wiederholt hat, dass zunächst erst Versuche mit demselben 


augestellt werden, die erst erweisen sollen, ob es wirklich die 
Heilkraft gegen Tuberculose besitzt, wie es der Fall zu sein 
scheint. Wenn zahlreiche Aerzte auf jedem Wege den Erfinder 
bedrängt haben, um ihm das Mittel abzuringen und auch an 
diesen Versuchen theilzunehmen, wenn noch mehr Kranke sich 
herangedrängt, um an sich die Versuche anstcllen zu lassen 
(auch nur zu Versuchen in Hospitälern ist es bei uns gestattet), 
wo liegt das Unrecht des Erfinders, der die Darstellung des 
Mittels nicht früher angeben wollte, als bis die Versuche die 

g ünstige Wirkung desselben gezeigt hatten? Keip leidenschaftslos 
rtheflender wird darin ein Unrecht finden können; das weiss 
der „Wratsch“ auch, wenn er sich die Sache ruhig überlegt. - 
Also wozu der hässliche Lärm? 

— Prof. Robert Koch wird zu Osteru London einen Besuck 
abstatten, den er seinen Freunden und Verehrern schon für 
Weihnachten in Aussicht gestellt hatte. Wie Sir Joseph Lister 
der „Pall Mall Gazette“ mittheilt, könnte nur der ausdrückliche 
Wunsch Koch’s die hiesigen Aerzte bewegen von einer öffent¬ 
lichen Kundgebung zu Ehren desselben Abstand zu nehmen. 

— Aus Madrid wird gemeldet, dass die spanischen Aerzte 
das Koch’sehe Mittel bei drei Leprösen angewandt haben und 
nach Einspritzungen von 1—5 Milligramm stets dieselben all¬ 
gemeinen Reactionen, wie bei Lupus- und Tuberkelkranken, er¬ 
langt haben. Eine merkliche Besserung wurde nicht constatirt, 
jedoch bei Allen eine bemerkenswertlie Zunahme des Appetites 
während des Reactionsfiebers und bei einem Kranken Ver¬ 
schwinden der früheren Nervenschmerzen. 

Prof. Babes in Bukarest hat ebenfalls gefunden, dass die Im¬ 
pfungen mit Koch’scher Lymphe nicht blos bei tuberculösem 
Aussatz, sondern auch bei anästhetischer und nervöser Lepra 
sehr bestimmte, allerdings bei den einzelnen Kranken verschie¬ 
dene Reactionserscheinungen, sodann aber auch bemerkens- 
wertlic Zeichen von Besserung hervorzubringen vermögen. 

— In der hiesigen Entbindungsanstalten der Nadeshdin- 
skaja) sind mit dem Beginn dieses Jahres neue Regeln für 
die Aufnahme von Gebärenden in Kraft getreten, nach 
welchen die bisher existirenden 72 unentgeltlichen Betten aus¬ 
schliesslich für unverheiratete Gebärende bestimmt sind. Für 
verheirathete Frauen ist eine besondere Abtheilung von 16 
Betten eingerichtet worden, in welche die Gebärenden nur ge¬ 
gen Zahlung von 6 Rbl. für ein Bett in dem allgemeinen Zimmer 
nd von 15 Rbl. in einem separaten Zimmer aufgenommen wer- 
en. Die Wöchnerin darf nur 9 Tage in der Anstalt bleiben 
und muss gleich nach ihrem Eintritt ihren Pass vorweiseu, was 
bisher nicht der Fall war. Diese Reform ist durch die Ueber- 
füllung der Entbindungsanstalt nothwendig geworden, welche 
ursprünglich für 1500 Geburten im Jahr bestimmt war, in den 
letzten Jahren aber 4000 Gebärende jährlich aufgenommeu hat 
und dabei häufig noch wegen Raummangels die Aufnahme ver¬ 
weigern musste. In den letzten Jahren hat namentlich der Pro¬ 
centsatz der verheiratheten Frauen, welche in die Anstalt auf¬ 
genommen wurden, stetig zugenommen und im J. 1889 bereits 
42% erreicht. Dabei hat die Beobachtung erwiesen, dass die 
Mehrzahl der verehelichten Frauen nicht aus Armuth, sondern 
wegen des grösseren Comforts (Reinlichkeit Ruhe, stete Anwe¬ 
senheit des Arztes u. s. w.) und aus öconoinischen Gründen 
zur Entbindung in die Anstalt kommt und dadurch den unver¬ 
heirateten Gebärenden, welchen die Anstalt meist als der ein¬ 
zige Zufluchtsort für die Zeit des Wochenbettes dient, die Mög¬ 
lichkeit benimmt, dort ein Unterkommen zu finden. Mit Rück¬ 
sicht auf diese Gründe ist die unentgeltliche Aufnahme von ver¬ 
heiratheten Gebärenden (mit Ausnahme von ganz armen) in die 
Entbindungsanstalt abgeschafft und für dieselben eine beson¬ 
dere Abtheilung gegen Zahlung eingerichtet worden. 

— Am 15. Decembcr ist in Italien die Verordnung getroffen 
worden, in Folge deren auf Grundlage des neuen Sanitätsge¬ 
setzes über Geheimmittel die Behandlung mit der Koch’schen 
Flüssigkeit verboten wird; oine Ausnahme machen übrigens hier¬ 
von die Universitätskliniken und einige Aerzte, welche hierzu 
sich die Erlaubniss ausgewirkt haben. (Deutsch. Med. Z. 25/XL) 
— Die Gouvernementslandschaft von Woronesh hat 125,000 
Rubel zur Errichtung einer Irrrenanstalt zum Gedächtniss an 
das 25jährige Bestehen der Landschaftsinstitutionen bestimmt. Wr. 

— Herrn Gasehinskv, Lehrer am Gymnasium zu Tobolsk, 
welcher eifrig sich mit Wasserbehandlung nach der Methode des 
Baron’s Wrewski beschäftigt hat, ist vom Minister des Innern 
diese Beschäftigung verboten worden. Er hat an den Senat 
appellirt und zu seinem Sachwalter den Baron Wrewski selbst 
erwählt. (W r) 

— In Milwaukee (Nordamerika) erscheint ein neues Cen- 
tralblattfar Psychiatric und Nervenkrankheiten unter 
dem Titel „The Review of Insanity andNervous Disease“, 
welches von Dr. Bride herausgegeben wird. 

— Die Zahl der Betten in den Pariser Hospitälern 
beträgt 18985). Von diesen haben eine specielle Bestimmung: 
1248 für Geburten, 1973 für kanke Kinder, 570 für Syphili¬ 
tische, 625 für Hautkranke (St. Louis), 1576 für Geisteskranke 
(a56 Männer in Bicfetre, 720 Weiber in der Salpetriere). (Progr. m6d.) 

— In Kiew ist der Curpfuscher Schunlo, dessen unortho- 
graphische Reclamen in der letzten Zeit im. ganzer Gouverue- 


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22 


ment cursirten, vom Friedensrichter zu 1 Monat Gefängniss 
und zur Zahlung von 15 Rbl. (für die Untersuchungseiner 
Heilmittel) verurtneilt worden. Man hatte hei einer Haus¬ 
suchung in seiner Wohnung eine Vorrichtung zum Druck der 
Reclamen und verschiedene starkwirkende Mittel, wie Sublimat, 
Aloe, spanische Fliegen etc. gefunden. 

— Am 26. December a. pr. beging der Oberarzt der hiesigen 
Irrenheilanstalt „Nikolai Tschudotworez“, Privatdocent der mi- 
litär-medicinischen Academie Dr. 0. A. Tschetschot, das 25jäh- 
rige JubiläunUseiner ärztlichen Thütigkeit. Bei dieser 
Gelegenheit wurde ihm von den (’ollcgen ein silbernes Werth¬ 
geschenk dargebracht. 

— Im December vorigen Jahres vollendeten sich 50 Jahre, 
seit der berühmte Leipziger Physiologe Prof. Ludwig in Mar¬ 
burg das Doctordiplom erworben. L. steht gegenwärtig im 74. 
Lebensjahre und wurde bereits yor ca. 45 Jahren zum Pro¬ 
fessor ernannt. Um dieselbe Zeit haben zwei hervorragende 
Berliner Universitätslehrer, die Prof. Li man und Skrzeczka, 
welche beide gerichtliche Mediein dociren, ihr 25jähriges Pro- 
fcssoren-Jubiläum gefeiert 

— Das Medicinal-Departement bringt zur Öffentlichen Kennt- 
niss, dass der Medicinalrath auf Grund des Berichts der zur 
Prüfung der Sperminfrage niedergesetzten Commission von Ex¬ 
perten es für nothwendig erachtet hat, den Ablass der Sper- 
minpräparate aus den Apotheken auch auf Recepte 
von Aerzten hin zu verbieten. 

— Die Gesammtzahl der Kranken in den Civilhospi- 
tälcrn St. Petersburgs betrug am 30. December 1890—6480 
(38 mehr als in der Vorwoche); darunter 394 Typhus — (28 mehr), 
619 Syphilis —(64 weniger), 121 Scharlach —(5 weniger), 11 
Diphtherie — (5 weniger), 9 Masern —(1 mehr) und 105 Pocken¬ 
kranke (20 weniger als in der Vorwoche). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für dfb Woche vom 23. December bis 29. December 1890. 
Zahl der Sterbefälle: 


M. W. Sa. 


1) nach Geschlecht und Alter: 



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302 247 549 120 27 69 18 * 8 13 51 62 54 51 37 29 10 0 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 9, Febris recurrens 3, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 9, Masern 4, Scharlach 
10, Diphtherie 21, Croup 4, Keuchhusten 3, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 34, Erysipelas 2, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 1, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 3, Pyämie uud Septicaemie 7, Tu- 
berculose der Lungen 87, Tuberculose anderer Organe 5, Alko¬ 
holismus und Delirium tremens 8, Lebensschwäche und Atrophia 
infantum 56, Marasmus senilis 21, Krankheiten des Verdauungs- 
canals 51 , Todtgebor ene 34. __ 

Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 22. Januar 1891. 

Annahme der Mitgliedsbeiträge und Abonnements auf die 
„St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 14. Januar 1891. 


ANNONCEN JEDER ART werden ausschliesslich in der Buchhandlung 
von CARL RICKER in St. Petersburg, Newsky-Prospect N* 14, angenommen. 



Soeben wurde vollendet: 

's Dr. A., Handwörterbuch. 
der gesamten Mediein. 


In Verbindung mit Fachgelehrten herausgegeben. 2 Bände. COUPLET. 
Lex.-8°. Brosch. M. 48.—, in eleg. u. solidem Halbfranzband geb. M. 54.— 

VERLAG VON FERDINAND ENKE IN STUTTGART. 

Ein Werk mühevollsten Fleisses bat in Villaret’s Handwörterbuch soeben 
seinen Abschluss gefunden. 

Seinem obersten Grundsatz: LAS WEBE SOLL EIN HILF3BÜCH FÜB LEN 
PRAKTISCHEN ABZT SEIN — überall treu bleibend, führt dasselbe die gesamte 
moderne wissenschaftliche Mediein in alphabetisch geordneten Einzel-Artikeln 
vor. Streng wissenschaftliche Basis, knappe Fassung bei er¬ 
schöpfender Gründlichkeit, sowie die Möglichkeit, raschester und 
sicherster Orientierung bezügl. jedes Details — diese Vorzüge dürften 
das Werk bald jedem Mediciner wahrhaft unentbehrlich machen. 

Bei den Schlagwörtem ist die Etymologie, sowie der entsprechende 
französische, englische und italienische Ausdruck angegeben. 1—1 



Kemmerich’s Reisch-Pepton 


Nach den von den Herren Professoren Ludwig —Wien. 
Fresenius—Wiesbaden, König—Münster, Stutzer—Bonn 
ausgcführten Analysen enthält das Eemmerioh’sche 
Flei8oh-Pepton ca. 18% leicht lösliche Eiweissstoffe und 
ca. 39% Pepton. Eemmerich's Fleisch-Pepton hat an¬ 
genehmen G e s c h m a c k uud Gerne h. —Kem- 
merieh’s Pepton ist käuflich in vie 1 cn Apo- 
t heken und Droguenhandlungen. 

En gros-Niederlage für ganz Russland bei der 
Südrussischen Pharmaceutischen Handels-Ge- 
_Seilschaft in Kiew. 9 (5) 


Dr. PETER KAÄTZER’s 

Cur- und Pflegeanstalt 

für Lungen- und Halskranke. 

Königl. Bad Rehburg 

(Hannover). 117 (1) 


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A»au. ueua. Cn6.-12 Humpn 1891 r. Herausgeber: Lr. Th. ▼. Schröder. Buchdruckerei von A. L. Ebkrhann, Baskoff Per. \i 4 


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XVI. JAHRGANG. 


ST. PETERSBIMIR 


Neue Folge VIII. Jahrg. 


KEDICII1SGEE W0CHEISC1EIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 


St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Afconnementapreis ist in Russland 8 Rbl. für das 
Jahr 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 

N3 St. Petersburg, 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Carl Bicher in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect JVs 14, zu richten. — Kanuscripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Schröder in 
St. Petersburg, Malaja ItaljanskajaJe 33, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 

.9. (31.) Januar 1891 


Inhalt M. Treymann: lieber Graviditas extrauterina. — Referate: Sonnenburg: Das Koch’sche Heilverfahren combinirt 
mit chirurgischen Eingriffen. — Schleich: lieber die interne Anwendung des Jodkaliums bei der Heilung von Höhlenwundeu. — 
Fukala (Pilsen-Karlsbad): Operative Behandlung der höchstgradigen Myopie durch Aphakie. — Bücheranzeigen und Bespre¬ 
chungen: Aerztlicher Taschenkalender für das Jahr 1891. — C. F. Kunze und Fr. Schilling: Handbuch der speciellen Therapie 
mit besonderer Berücksichtigung der Prophylaxe. — Auszug aus den Protokollen der Gesellschatt praktischer Aerzte 
zu Riga. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Kleinere Mittheilungen und therapeutische 
Notizen. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber Graviditas extrauterina. i 

Vortrag, gehalten auf dem II. Aerztetage der Gesellschaft In¬ 
ländischer Aerzte, ; 

von 

# Dr. M. Treymann. 

' ■ (Riga). 

Ueber die Graviditas extrauteiina oder die ektopische | 
Schwangerschaft ist in den letzten Jahren von autoritati- i 
ver Seite so viel berichtet worden, dass ich es nicht un- ' 
ternehmen würde, über dies Thema vor Ihnen zu reden, 
wenn ich nicht im Laufe der letzten beiden Jahre 3 in¬ 
teressante Fälle dieser schweren Erkrankung selbst beob¬ 
achtet und operirt hätte. Ich habe ausführlich über den 
Verlauf derselben in der „St.Pet. med. Woch.“ (1889 .V 36 
und 37, 1890 J6 16, pg. 141) berichtet und möchte hier 
nur diejenigen Thatsachen aus den Krankengeschichten 
hervorheben, welche einen Beitrag zur Diagnose und Be¬ 
handlung des qualvollen, gefährlichen und seltenen Lei¬ 
dens zu liefern geeignet sind. 

Wenn auch die Acten über die Häufigkeit des Vor¬ 
kommens der Extrauteringravidität noch nicht geschlos¬ 
sen sind, so geht doch aus den resp. Zusammenstellun¬ 
gen das Eine hervor, dass sie glücklicher Weise zu den 
Seltenheiten gehört. 

Löw rechnet auf 500,000 Geburten 1 Fall, 

Ban dl „ „ 60,000 „ 3 Fälle, 

Winckel hat unter 20,000 „ 13 Fälle erlebt, l 

Arneth rechnet auf 3,542 klinische Geburten 1 Fall. 

(Winckel’s Geburtsh. 1889, pg. 271). 

Was die Aetiologie der Extrauteringravidität anbe¬ 
trifft, so wissen wir durch Virchow und Hecker, dass 
die partielle Peritonitis, sofern sie zur Verengung und 
Knickung der Tuben beiträgt, eine der häufigsten Veran¬ 
lassungen bietet. Am wichtigsten ist jedoch in praktischer 
Beziehung der von Wyder nachgewiesene Verlust resp. 
Defect der Wimperung des Tubenepithels, wodurch 
die Vorwärtsbewegung des Eies gehemmt oder unmöglich 
wird (Winckel). Auf die grosse Rolle, welche hiernach 
die gonorrhoische Salpingitis in der Aetiologie der ekto¬ 


pischen Schwangerschaft spielt, hat die ärztliche Thätig- 
keit ihr Augenmerk zu richten und den ernstlichen Mahn- 
ruf Sänger’s bezüglich der Gonorrhoe beim Manne und 
Weibe zu beherzigen. 

Wenn Prof. Winckel die Meinung ausspricht, dass die 
Diagnose der Extrauteringravidität in der That nicht so 
schwierig ist, so werden ihm vielleicht Viele nicht bei¬ 
stimmen, wohl aber Alle ihm darin Recht geben, dass 
eine gewisse Aufmerksamkeit für die Diagnose vonnöthen 
sei, d. h. dass man bei der gynaekologischen Untersu¬ 
chung, besonders in gewissen näher zu bezeichnenden 
Fällen, sich die Möglichkeit einer Extrauteringravidität 
vor Augen halten müsse. Zu diesen Fällen gehört: 

1) Die Haemotocele retrouterina, von der Lawson 
Tait bekanntlich gesagt hat, dass sie in jedem Fall einer 
ektopischen Schwangerschaft ihre Entstehung verdanke. 
So häufig dies der Fall sein mag, so bin ich doch sicher, 
dass die Sache nicht so einfach liegt, weil ich mehrmals 
auffallend rasche Resorption plötzlich entstandener Hae- 
matocelen habe eintreten sehen und einmal bei der Sec- 
tion eine enorme Haematocele retrouterina beobachtet habe, 
wo von einer Extrauteringravidität keine Rede sein konnte. 

2) ist bereits häufig die Verwechslung mit Ovarial¬ 
tumoren, Beckenexsudaten und Abscessen vorge¬ 
kommen. Veit giebt als differentiell-diagnostisches Merk¬ 
mal die elastische, nicht fluctuirende Beschaffenheit des 
extrauterinen Fruchtsackes gegenüber der harten oder fluc- 
tuirenden Beschaffenheit der Ovarialtumoren etc. an. Dies 
ist gewiss ganz richtig, aber nicht in jedem Falle zu ver¬ 
werten. Oft stellt nur eine wiederholte Untersuchung 
und längere Beobachtung die Sachlage klar, wie in dem 
ersten von mir beschriebenen Fall geschah. Im Verein 
mit vier Collegen habe ich mich einige Zeit vergeblich 
bemüht, eine sichere Diagnose zu stellen, weil nur die in¬ 
traligamentär sich entwickelnde und sehr rasch wachsende 
Placenta linksseitig zu tasten war, während die Contou- 
ren des dünnwandigen Fruchtsackes niemals palpirt wer¬ 
den konnten. Nur die auffallende Weichheit des Uterus, 
dessen Dickendurchmesser nicht vergrössert war und des- 

i sen Längsdurchmesser im Laufe des 3. Schwangerschafts- 


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24 


liionats nicht wuchs, fühlte bei den gleichzeitig vorhan¬ 
denen allgemeinen Zeichen der Gravidität auf die rich¬ 
tige Diagnose, die durch Abgang einer Decidua und den 
daran sich schliessenden Nachweis der Leere des Uterus 
sicher gestellt wurde. Als nun der Fruchttod und eine 
allmälige starke Blutung in den Fruchtsack erfolgte—wo¬ 
bei derselbe sich bis unter das linke Hypochondrium und 
seitlich nach rechts bis über die Mittellinie ausdehnte, so 
dass er bei der Operation circa 4 Liter zersetzten Blu- 
• tes enthielt — deutete nichts im Allgemeinbefinden 
der Patientin auf diesen gefahrdrohenden Um¬ 
stand hin. Die zunehmende Yergrösserung des Leibes 
wurde als Ascites, die linksseitigen Schmerzen als mas¬ 
sige partielle Peritonitis gedeutet, und wenn auch der 10 
Tage lang bestehende Ikterus auf die Resorption des Blu¬ 
tes aus dem Fruchtsack hindeutete, so hatten wir doch 
keine Ahnung von seiner enormen Ausdehnung. So kam 
die Operation, die wegen der infectiösen Endometritis hin¬ 
ausgeschoben werden musste, fast zu spät, während frei¬ 
lich der Fruchtsack ringsum mit den Bauchwandungen in 
dieser Zeit durch frische, breite Adhäsionen derartig ver- 
löthet wurde, dass nicht die Bauchhöhle, sondern nur der 
Fruchtsack eröffnet und entleert werden konnte. Es ko¬ 
stete vielvMühe, unter den alten und frischen Blutgerinn¬ 
seln den 3 V* monatlichen Foetus aufzufinden. Und wäh¬ 
rend die Gravidität sicher nur 3 Vs Monate lang bestand, 
repräsentirte die Placenta die Grösse und Dicke einer 
7—8 monatlichen. Wie leicht man sich also über der¬ 
gleichen Zustände täuschen kann, geht aus dieser Dar¬ 
stellung hervor. Als Curiosum erwähne ich hierbei, dass 
ich bei einer bimanuellen Untersuchung der Patientin of¬ 
fenbar den Foetus an die hintere Wand des Uterus an¬ 
gedrückt habe. Während ich mir eben über die plötz¬ 
liche Vergrößerung des Uterus Gedanken machte, glitt 
mir der Foetus unter den Fingern fort. Hierbei wurde 
die Patientin ohnmächtig, obwohl die Untersuchung eine 
sehr schonende war. 

Ich möchte hier einige Worte über die Sondirung des 
Uterus und den Nachweis der Leere desselben hinzufü¬ 
gen. Ich halte diesen Nachweis für sehr schwierig. Einer 
meiner verehrten Lehrer hat einmal einen schwangeren 
Uterus sondirt und eine chronische Metritis diagnosticirt, 
mir ist dasselbe ein paar Mal in meiner Praxis passirt— 
und die Gravidität nahm in diesen Fällen ihren ungestör¬ 
ten Fortgang. Wenn also eine Sonde in einen schwan¬ 
geren Uterus ohne Blutung und ohne merkliches Hinder¬ 
niss eingeführt und herausgezogen werden kann, so be¬ 
weist dies Experiment jedenfalls nicht immer, dass der 
Uterus leer ist. Ich erwähne dieser wohl allen Gynae- 
kologen bekannten Thatsache auch nur deshalb, um zu 
zeigen, mit welchen Schwierigkeiten die Diagnose zu kämp¬ 
fen hat. 

3) ist die Grav. extrauterina öfter mit Retroflexio 
uteri gravidi verwechselt und dann auch wohl die hintere 
Wand des Uterus durchschnitten worden. Bei meinem 
zweiten Fall wurde von einem Collegen der Einwand er¬ 
hoben. dass es sich um Graviditas im retrofiectirten Ute¬ 
rus handeln könnte. Der Nachweis der Extrauteringravi¬ 
dität—diesmal im 8. Monat bei lebendem Kinde—konnte 
nur dadurch geliefert werden, dass in Chloroformnarkose 
mit der ganzen Hand in die Vagina und dann erst mit 
dem Finger in den sehr hochstehenden leeren Uterus ein¬ 
gegangen wurde, der sich nunmehr als der vorderen Bauch¬ 
wand anliegend erwies. Wie schwierig die sichere Dia¬ 
gnose zu stellen war, wird dadurch klar, dass eine Heb¬ 
amme und ein Arzt nach geschehener Untersuchung den 
Fall für eine normale Schwangerschaft erklärt und die 
Frau zur Ruhe und Geduld ermahnt hatten. 

4) ist die Gravid, extraut, fälschlicher Weise bei har¬ 
ten und unebenen, meist malignen Tumoren angenom¬ 
men worden. Ich habe in der „St. Pet. med. Woch.“ (1889, 
A? 38) einen Fall von doppelseitigem Sarkom der Ovarien 


| mitgetheilt. wo ein Sarkom über dem andern lag und die 
1 Configuration des im Scheidengewölbo zu tastenden unte¬ 
ren Pols des unten liegenden Tumors allen untersuchen¬ 
den Aerzten Kindstheile vortäuschte. Dazu kamen die 
anamnestischen Daten und Anderes, was für Gravidität 
sprach, so dass w ir bis zur Eröffnung der Bauchhöhle we¬ 
nigstens die Möglichkeit des Vorhandenseins eines abge¬ 
storbenen Foetus gelten lassen mussten. 

Nimmt man nun noch hinzu, dass die Menses, die frei¬ 
lich in der Mehrzahl der Fälle von Extrauteringravidität 
ausbleiben, zuweilen ganz regelmässig eintreten, und dass 
sie bei (h arialtumoren, wie z. B. in dem eben erwähnten 
Fall von doppelseitigem Sarkoma ovarii, ausbleiben kön¬ 
nen. ferner, dass bei Ovarial- und Uterintumoren die Brü¬ 
ste Colostrum enthalten, die Linea alba pigmentirt sein 
kann etc., so leuchtet die Schwierigkeit der Diagnose (ins¬ 
besondere für die ersten 3—4 Monate) ohne Weiteres ein. 

Jedenfalls kann man sagen, dass die Diagnose dann am 
schwierigsten ist. wenn die Laparotomie die besten Chan¬ 
cen böte, nämlich in dem ersten Drittel der Gravidität, 
und dass die 1 )iagnose dann am leichtesten ist, weim die 
(Iperation mit den grössten Gefahren verknüpft ist, näm¬ 
lich gegen Ende der Gravidität bei lebendem Kinde. 

Dies führt uns zur Behandlung der Extrauteringra¬ 
vidität. Sie hat in den letzten Jahren manche Wandlun¬ 
gen erfahren. 

Vor Allem hat man stets, angesichts der Thatsache, 
dass die Extrauteringravidität gewöhnlich unter den gröss¬ 
ten Qualen verläuft und das Leben der Mutter in jedem 
Augenblick aufs äusserste bedroht, das Leben des Kindes 
mit Recht nicht in Betracht gezogen und im Beginn der 
Schwangerschaft den Fruchttod künstlich herbei¬ 
zuführen gesucht: 

1) durch Punction. Sie fühlt aber nicht mit Sicher¬ 
heit den Fruchttod herbei und ist sehr gefährlich. Gail¬ 
lard Thomas hat beispielsweise 3 Fälle punctirt und 
verloren. Er räth in Folge dessen dringend, die Punc¬ 
tion ganz fallen zu lassen. Bei meinem 3. Fall ergoss 
sich bei der Sondirung des Uterus eine beträchtliche Menge 
grüngelben klaren Fruchtwassers durch die Tube aus dem 
Uterus und trotzdem wurde das Kind bei der 3 Wochen 
später gemachten Laparotomie noch lebend entwickelt (im 
0. Monat). Häutig ist bei der Punction Ruptur des Frucht¬ 
sackes eingetreten. 

2) ist durch den faradischen Strom der Tod der 
Frucht herbeigeführt worden. Viel ungefährlicher als die 
Punction, ist dies Verfahren neuerdings mit Erfolg, beson¬ 
ders in Amerika, geübt worden. 

3) ist der Fruchttod mit Erfolg durch Morphium- 
injection in den Fruchtsack erzielt worden. Das 
Verfahren ist von Jo ulin 1862 zum ersten Mal erprobt 
und dann 1864 von Friedreich (2 Mal), später von 
Koeberle (1 Mal), FournierO Mal) Iiennert (1 Mal), 
Winckel (6 Mal) versucht worden. Dann ist noch ein 
Fall im vorigen Jahre hinzugekoiumen. Von diesen 12 
Fällen sind nur 3 zu Grunde gegangen. Winckel ist 
noch heute ein eifriger Fürsprecher dieser Methode. Er 
macht alle 6 Tage eine Injection in den Fruchtsack mit 
langer Pravaz’scher Nadel von 0,03 Gnu. Morphium. 
2—3 Injectionen genügen. Er meint, dass sie für die 
ersten 3 Monate das beste Verfahren seien, aber auch 
noch bis in den 5. Monat lünein $pte Resultate ergeben, 
weil bis dahin die Knochen des Kindes noch weich und 
resorptionsfähig seien. Ohne Zweifel sind die bisherigen 
Erfolge so zufriedenstellend, dass diese Methode in ge¬ 
wissen Fällen nicht von der Hand zu weisen ist. Den¬ 
noch sind die Nachtheile klar. Immerhin bleiben Frucht¬ 
reste zurück, die durch Entzündung und Eiterung das 
Leben der Mutter nachträglich noch gefährden können. 
Zweitens ist die Wahl der Einstichstelle gewiss oft schwie¬ 
rig, ja unmöglich. In meinem ersten Falle z. B. hätte 
man, da die Contouren des Fruchtsackes oberhalb der Sym- 


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25 


physe nie zu palpiren waren, den Einstich durch's Scheiden¬ 
gewölbe gemacht und dabei die Placenta durchstochen. — 

Wegen der Nachtheile dieser Methoden hat man natürlich, 
mit immer grösserem Erfolge, nach der Radicalheilung 
gestrebt. Sie ist Veit und Lawson Tait, so wie An¬ 
deren, oft gelungen, indem durch Laparotomie bei recht¬ 
zeitiger Diagnose die im 1. Drittel der Gravidität befind¬ 
liche Tube abgebunden und herausgeschnitten wurde. 
Auch nach geschehener ltuptur der Tube hat Lawson 
Tait unter 5 operirten Fällen 4 gerettet — ein glänzendes 
Resultat! 

Hat sich nun aber die Extrauteringravidität intra¬ 
ligamentär entwickelt und ist sie weiter vorge¬ 
schritten, hat der extrauterine Fruchtsack zu Verwach¬ 
sungen mit der Umgebung geführt und sind Lebens¬ 
zeichen seitens des Kindes bereits zu constatiren, 
so beruht die Lebensgefahr für die Mutter — bei der Un¬ 
möglichkeit, den Fruchtsack in toto zu exstirpiren—haupt¬ 
sächlich darin, dass die grosse und blutreiche Placenta 
nicht ohne bedeutende Blutung zu entfernen ist. Bei dem 
Versuch, die Placenta zu lösen, sind sehr viele Mütter 
zu Grunde gegangen. Man wartete daher in solchen 
Fällen den Fruchttod ab, um 10—12 Wochen nach 
demselben die Operation zu machen. Litzmann 
u. A. hatten nachgewiesen, dass so viel Zeit vergehe, bis 
die Placenta veröde. Sie kann dann ohne Gefahr der 
Blutung als verödetes Gewebe durchschnitten werden. Es 
sind mehrere derartige Operationen mit Glück gemacht 
worden, obwohl es, noch neuerdings wieder, vorgekommen 
ist, dass die angeschnittene Placenta auch 16—18 Wochen 
nach erfolgtem Fruchttod heftig geblutet hat. 

Sehr oft war aber wegen der grossen Schmerzen und 
Qualen, wegen Fieber etc. das Abwarten unmöglich. In 
solchem Zustande befanden sich meine beiden letzten 
Fälle. Die eine Frau befand sich im 8. Schwangerschafts¬ 
monate und litt unsägliche Schmerzen, kam überdies be¬ 
reits inficirt in’s Krankenhaus, die andere befand sich im 
6. Schwangerschaftsmonat, war entsetzlich abgemagert und 
litt in gleicherweise. — In solchen Fällen bleibt nun 
nichts übrig, als entweder die Laparotomie oder Kol- 
potomie s. Elytrotomie, mit Zurücklassung der Pla¬ 
centa zu machen. 

Die meisten Autoren sind darüber einig, dass der La¬ 
parotomie der Vorzug gebührt. In der That lässt sich 
hierbei Alles besser übersehen und auch etwa vorhande¬ 
nen Entzündungsprocessen oder Eiterungen entgegenwirken. 

In allen 3 Fällen, die ich beobachtete, haben wir die 
I »lutreiche Placenta zurüeklassen müssen und davon keinen 
Nachtheil gesehen. Selbstverständlich müssen wegen der 
stärkeren Secretion die Verbände häufiger gemacht wer¬ 
den und der Heilungsprocess zieht sich im Ganzen circa 
3 Monate hin. Die Placenta scheint 2 , / 4'—3 Wochen zur 
spontanen Lösung zu bedürfen. Die Ausfüllung des 
Fruchtsackes mit dem von Freund und Kaltenbach 
empfohlenen Salicyl-Tannin-Pulver haben wir unterlassen, 
dagegen erfolgreichen Gebrauch von der Jodoformbe¬ 
handlung, namentlich von den Breisky'sehen fingerdicken 
Jodoformdochten gemacht, mit welchen wir den Sack 
drainirten. Dabei erfolgten Blutungen aus der sich spon¬ 
tan lösenden Placenta nur bei der septisch inficirteu 
Kranken. — Nach den geringen Erfahrungen, die ich ge¬ 
macht habe, möchte ich nun aber doch die Kolpotomie 
nicht ganz und gar verwerfen. Ja, ich gestehe, dass ich 
im Grunde bedaure, sie im 3. Fall nicht anstatt der La¬ 
parotomie gemacht zu haben. Die Kolpotomie wird, 
glaube ich, ihren Platz behaupten dürfen in denjenigen 
Fällen, wo die Kindstheile im Scheidengewölbe leicht zu¬ 
gänglich sind, während die Placenta vorn oben sitzt, was 
beiläufig nach Litzmann in 6 Fällen 1 mal vorkommt. 
In meinen letzten Fällen, wo es sich um lebende Kinder 
handelte, lagen diese Verhältnisse vor, und der Sitz der 
Placenta war sicher zu diagnosticiren. Man denke sich 


nun einen mit der Hinterwand des Uterus, mit den Diinn- 
und Dickdärmen verwachsenen Fruchtsack, dessen ganze 
vordere Fläche von der grossen Placenta eingenommen 
wird. Von dem colossalen Blutreichthum aller Gewebe 
kann sich wohl nur derjenige eine Vorstellung machen, 
der die Operation bei der Extrauteringravidität selbst ge¬ 
macht hat. Im 3. Fall gelang es nur oben links mit 
der Hand an die Seite des Fruchtsackes zu gelangen, ihn 
ziemlich gewaltsam in die Bauchwunde zu ziehen, anzu¬ 
nähen und zu entleeren. Die Placenta musste Zurück¬ 
bleiben. Erst am 17. Tage, als der Sack schon eingeheilt 
war, erfolgte der Tod. Es fand sich ein kleiner Abscess 
in der linken Bauchwand. Die Erschöpfung der Wöch¬ 
nerin war unter den Erscheinungen einer Puerperalpsy¬ 
chose erfolgt. Jedenfalls war die Laparotomie in diesem 
Fall die denkbar schwierigste, während die Kolpotomie 
ebenso leicht gewesen wäre, wie in dem 2. Fall, wo sie 
wegen der gleichen Lage der Placenta und der leichten 
Zugänglichkeit der Kindstheile in der That ausgeführt 
wurde. Ohne die bestehende Sepsis hätte sie, meine ich, 
Erfolg gehabt, so wie sie ja von Ernest Hermann, 
Pinard und Matthieson (in Ontario: von dem letz¬ 
teren wurde dabei ein lebendes Kind mit dem Forceps 
entwickelt) mit Glück gemacht worden ist. 

Dass nun aber bei vorgeschrittener Schwangerschaft 
und lebender Frucht auch die Placenta kein „Noli me 
tangere“ ist, sonderndass auch sie zuweilen ohne 
Gefahr gelöst, ja wenn gestielt—wie Prof. Olshausen 
von einem Fall berichtet — abgebunden und abgeschnitten 
werden und dass auch zugleich der ganze Frucht¬ 
sack mit Erfolg exstirpirt werden kann, haben die 
Meister in der Laparotomie, wie Breisky, Olshausen. 
Braun und A. bewiesen. Sehr lehrreich und interessant 
sind in dieser Beziehung die letzten 9 von Olshausen 
in der „Deutsch. Med. Woch.“ publicirten Fälle. 

Es liegt auf der Hand, dass dies Ideal der Radical¬ 
heilung in jedem Fall anzustreben ist, ohne dass irgend 
welche Rücksicht auf das Leben des Kindesj genommen 
wird. Die Extrauteringravidität ist — wie Prof. Küstner 
in seiner Bearbeitung des Thema’s in Müllef’s Hand¬ 
buch der Geburtsh. ausführt — gleich einer malignen Neu¬ 
bildung anzusehen und demgemäss zu behandeln, d. h. 
möglichst frühzeitig und vollständig zu beseitigen. 

Von meinen 3 Kranken hat die erste 8 Wochen nach 
der Operation das Bett verlassen, ist in 4 Monaten voll¬ 
kommen geheilt worden und erfreut sich dauernden Wohl¬ 
befindens, während die beiden Anderen, die in der 2. Hälfte 
der Gravidität mit lebenden Kindern sich befanden und 
von denen die eine bereits septisch inficirt war. leider 
samiut den Kindern zu Ci runde gegangen sind. 

Ich hoffe und wünsche, hoehg. Uollegen, dass Sie bei 
der Behandlung dieser leidensvollen und lebensgefähr¬ 
lichen Erkrankung, falls das Geschick dem Einen oder 
Andern sie nahe bringen sollte, glücklichen Erfolg haben 
mögen. Ich wäre zufrieden, wenn meine kurze Skizze 
auch nur das Geringste dazu beitragen dürfte. 

Referate. 

Prof. Sonnenburg. Das Koch"sehe Heilverfahren com- 
binirt mit chirurgischen Eingriffen. Deutsche med. 
Wochensehr. .V 1. 1891. 

Bericht über 4 Patienten mit Lungencaverneik die auf An¬ 
regung von Prof. Koch chirurgisch behandelt wurden. Es han¬ 
delt sich 3 mal um Tavernen in der Lungenspitze, wobei Ver¬ 
wachsungen der Pleura und Lungen vorhanden waren: in einem 
Falle lag die Caverne tiefer, aber sehr oberflächlich. Adhae- 
sioucn fehlten. — Der Schnitt ging parallel der Clavicel, Daumen¬ 
breit unter derselben, am Manubrmm beginnend und 2 Quer- 
fingcr breit vor dem Processus coracoideus aufhörend. Nach 
Durchtrennung der oberflächlichen Schichten (Haut, Platysma, 
M. pectoralis major), der tiefen Brustfascie kommt der Kami 
des Pectoralis minor zum Vorschein. Führt man den Schnitt 
nicht zu weit nach aussen, so bekommt man die A. und V. sub¬ 
clavia gar nicht zu Gesicht. Vermieden wird auch die A. main- 

3 * 


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26 


maria int., welche hinter den Rinpenknorpeln einen Finger breit 
vom Sternalrande entfernt aus der Subclavia vor der Lungen¬ 
spitze herabkommt. Das eigentliche Operationsfeld wird be¬ 
grenzt nach oben vom Schlüsselbein, nach innen vom Manu- 
brium sterni, nach aussen vom Pectoralis minor, nach unten 
von der 2. Kippe und dem nach abwärts gezogenen Pectoralis 
major. Jetzt wird der sehnig-periostale Üeberzug der ersten 
Rippe durchtrenut, sowie die Fasern der Mm. intercostales in- 
temi und zuletzt das Periost von vorne und hinten. Dann wird 
ein bogenförmiges Stück der ersten Rippe, soweit diese vom 
Schlüsselbein unbedeckt bleibt, resecirt. Nun schreitet man zur 
Eröffnung der Caverne. Da an der Lungenspitze Verwach¬ 
sungen zwischen Pleura und Lunge bestehen, ist Pneumothorax 
leicnt zu vermeiden. Mit einer nicht zu kleinen Punctions- 
spritze wird durch die Pleura in die Caverne eingestochen, der 
zähe Eiter entleert. Dann wird mit einem spitzen Thermo¬ 
kauter (rothglühend) die Pleura und das Lungengewebe langsam 
bis zur Caverne durchtrennt, dabei muss man sich immer der 
Lage der grossen Gefässe bewusst sein. Der Zugang zur Ca- 
veme kann vorsichtig erweitert werden. Alsdann werden die 
Wunde und die Lungenhöhle mit Jodoformgazetampon ausge¬ 
füllt, darüber der Verband. Nachträglich tritt nach Abstossung 
des Brandschorfes eine Vergrösserung und Freilegung der Höhle 
von selbst ein. — Nach der Operation trat bei den Patienten 
eine geringe Temperatursteigerung auf, die aber bald zurück¬ 
ging. Complicationen von Seiten der Lunge (Infiltration, Ent¬ 
zündung, Haemoptoe) traten nicht auf. Bald nach der Opera¬ 
tion wurde eine weitere Behandlung der Patienten mit dem 
Koch in vorgenommen. Die Einspritzungen wurden gut vertragen. 
Die allgemeinen Reactionserscheinungen waren gering. Trotz 
der kurzen Beobachtungszeit lässt sich jetzt schon die Wirkung 
des Kocb’schen Verfahrens auf die Beschaffenheit der Caver- 
nenwand demoustriren. Abelmann. 

Schleich. Ueber die interne Anwendung des Jodkaliums 
bei der Heilung von Höhlenwunden. (Therap.Monatsh.XI). 

Verf. hatte 1888 bei experimenteller Nachprüfung des Sc he de- 
scheu Blutschorfes an Thieren u. a. die Beobachtung gemacht, 
dass decalcinirte, mit Jodkaliumlösung getränkte Schwämme, 
mit welchen die künstlich geschaffenen Knochenhöhlen ausge¬ 
füllt waren, eine auffallend reiche Einwanderung von Leuko- 
cyten aufwiesen, sogar reichlicher als in das Blutcoagulum hin¬ 
ein; dasselbe san er bei interner Anwendung des Jodkaliums. 
Er schloss aus diesen Versuchen, dass das Jodkalium die leu- 
kocytären Processe an dem Orte einer durch chirurgische Ein¬ 
griffe gestörten Circulation zu steigern vermag, kann aber noch 
nicht sicher entscheiden, ob diese Vermehrung der Leukocytcn 
an Ort und Stelle durch eine medicamentöse Leukocythämie, 
wie einige Blutproben von Menschen und Thieren zeigten, oder 
nur local durch das Mittel hervorgerufen wurde. Schl, hat an 
92 chirurgischen Fällen (14 Knochenhöhlenwunden, 17 Geschwulst¬ 
exstirpationen ohne primäre Naht, 50 tieferen phlegmonösen 
Processen, 11 primär nicht geschlossenen Exarticulations-, Re- 
scctions- und Amputationswunden) diese Methode angewandt. 
In 25 Fällen waren die Wundflächen glatt, schmutzig grau, theil- 
weise mit Fibrin überzogen und erhielten bei internem Jodka¬ 
liumgebrauch bereits nach 4 Tagen ein gutes Ansehen, bei den 
übrigen 77 Kranken wurde bei guten Granulationen die Hei¬ 
lungsdauer bedeutend abgekürzt die Granulationsbildung bei 
stärkeren Gaben des Mittels luxunirend, schwammig, hyperseecr- 
uirend. Verf. reichte das Jodkalium in Lösung von 5:200, bei 
Kindern 3:200, 3 mal täglich 1 Esslöffel voll. Hinze. 

Fukala. (Pilsen-Karlsbad). Operative Behandlung der 
höchstgradigen Myopie durch Aphakie, (v. Graefe’s 
Archiv Bd. 36. II). 

Kurzsichtigkeit zu beseitigen resn. wesentlich zu verringern 
galt bisher für unmöglich. Die Längsaxe des kurzsichtigen 
Auges lässt sich eben nicht verkürzen und durch Abflachung der 
Hornhaut die Brechkraft herabzusetzen ist bisher in befriedi¬ 
gender Weise auch nicht gelungen. Jeder einigermaassen erfah¬ 
rene Augenarzt hat aber Fälle beobachtet, wo ein hochgradig 
kurzsichtiges Auge wegen Staar onerirt wurde und nach der 
Operation Verlangte das Auge ein Glas, wie es entweder einem 
sehr schwach kurzsichtigen oder schwach weitsichtigen Auge 
zukommt. Die Entfernung der getrübten Linse hatte also nicht 
nur den Staar beseitigt, sondern auch die Brechkraft herabge¬ 
setzt d. h. die Kurzsichtigkeit vermindert. 

Diese allgemein bekannte Thatsache hat F. als erster prak¬ 
tisch benutzt zur Behandlung der höchstgradigen Myopie ohne 
dass zugleich Staar vorlag. F. wählte Fälle aus, in denen 
die Kurzsichtigkeit höher als 13 D. (V* nach altem System) war 
und womöglich nur ein Auge diese Kurzsichtigkeit aufwies. F. 
hat im Laufe von 3 Jahren 19 derartig kurzsichtige Augen ope- 
rirt. Es waren alles jugendliche Leute bis zu 24 Jahren, das 
Sehvermögen des kurzsichtigen Auges war ein relativ gutes, 
und fanden sich am Augengrunde keine chorioidealen oder Netz¬ 
hauterkrankungen. In der Mehrzahl der Fälle discidirte F. die 
Linsenkapsel, wartete die Trübung, Quellung und Resorption 


ruhig ab und machte dann auch die Discision des Nachstaares. 
In mehreren Fällen — bei älteren Individuen — schickte er der 
Discision die vorbereitende Iridectomie voraus. Die mitgetlieilten 
Krankengeschichten sprechen durchaus zu Gunsten dieses jeden¬ 
falls rationellen Vorgehens. Die wesentlichsten Vortheile dieser 
Behandlung der höchstgradigen Kurzsichtigkeit bestehen in der 
Wiederherstellung des Deuthchschens in der Ferne, Vergrössc- 
rung der Netzhautbilder und vielfacher Verbesserung der Seh¬ 
schärfe für die Ferne. German. 


BUcheranzeigen und Besprechungen. 

Aerztlicher Taschenkalender für das Jahr 1891. 
(KajeeAapfc äih ßpaseft Bcbxi bIiaomctbx), unter der Re¬ 
daction von Prof. W. Aurep und Dr. N. Woronichin 
herausgegeben von Kicker. St. Petersb. Verlag von 
C. Kicker. XXIII. Jahrg. kl. 8". 2 Thle. (Russisch). 
Preis in Callico geh. 180 h., in Leder geb. 210 Kop., für 
Postübersendung 20 Kop. 

Der uns vorliegende 23. Jahrgang des bekannten für die 
Aerzte aller Ressorts bestimmten ärztlichen Taschenkalenders 
ist ebenso, wie seine Vorgänger seit sechs Jahren, in zwei 
Theilen erschienen, die durch ihre praktische Einrichtung und 
ihren die Bedürfnisse des prakticirenden Arztes Rechnung tra¬ 
genden reichen Inhalt sich vortheilhaft auszeichnen. Der erste 
256 Seiten umfassende handlich eingerichtete Theil, welcher 
den Arzt als geschäftliches Taschenbuch auf der Praxis be- 
leiten soll, enthält, wie im vorigen Jahre, ausser dem Kaleu- 
arium, den Post- und Telegrapnenregeln, in- und ausländi¬ 
schen Maasse. Gewichte und Münzen, ein Notizbuch für alle 
Tage des Jahres, sowie mannigfache für den Arzt auf der 
Praxis nothwendige Auskünfte, wie Dosirung und Preis der 
Arzneimittel, Taxe für Anfertigung von Medicamenten nach 
Recepten, erste Hilfeleistung bei Unglückställen, Symptome und 
Behandlung der acuten Vergiftungen, Maasse und Gewichte 
des menschlichen Körpers, Scnwangerschaftstabelle und dergl. 
mehr. Der zweite, für den Arbeitstisch des Arztes bestimmte 
Theil (566 Seiten) ist gegen das vorige Jahr um 100 Seiten 
stärker geworden und weist mehrere neu hinzugekoinnieue Ar¬ 
tikel aut, so Anleitung zur Untersuchung des Wassers und zur 
Bestimmung der Güte der Kuhmilch von Dr. P. 0. Smolenski: 
die neuesten Fortschritte der Bakteriologie, der Infectionskrank- 
heiten und der Parasitologie von Prof. M. J. Afanassjew: Ac- 
tiologie, Prophylaxis und Therapie der Zalincaries von Dr. A. 
L i m b e r g; Recepte zu kosmetischen Mitteln nach Dr. P a s c h k i s; 
neue Gesetzesbestimmungen für Aerzte; neue Heilmittel u. s. w. 
Das in dem II. Theil enthaltene Personalverzeichniss der Aerzte 
Russlands ist verbessert und vervollständigt und nimmt jetzt 
mit dem Namenregister 275 Seiten (32 S. mehr als im vorigen 
Jahrgange) ein. Leider ist ein vollständiges nnd zuverlässiges 
Verzeichniss der Provinzärzte nicht möglich, so lange die Mehr¬ 
zahl der Aerzte Russlands, namentlich aber die Medicinalin- 
spectoren, denen doch Verzeichnisse der in ihrem Bezirk prak¬ 
ticirenden Aerzte zur Verfügung stehen, nicht helfend mitwirken. 

Druck und Papier sind gut. der Einband des für die Tasche 
des Arztes bestimmten I. Theiles (nach Wunsch in Callico oder 
Leder) ist solide und geschmackvoll; — es entspricht der Ka¬ 
lender somit inhaltlich sowohl als auch seiner Ausstattung nach 
allen Anforderungen des praktischen Arztes. Bf. 

C. F. Kunze und Fr. Schilling: Handbuch der speciellen 
Therapie mit besonderer Berücksichtigung der Pro¬ 
phylaxe. Stuttgart, Ferdinand Enke. 1890. 

Das ziemlich umfangreiche Werk wird seines klaren und 
verständlich abgehandelten Inhaltes wegen und wogen der vielen 
guten, aus langjähriger Erfahrung gegebenen praktischen Lehren 
und Rathschläge gewiss sich eines grossen Leserkreises zu er¬ 
freuen haben. Unter Vorausschicken des anatomischen und 
klinischen Bildes und der Aetiologie der Krankheit werden 
zunächst die Wege, welche die Prophylaxis einzuschlagen hat, 
geschildert und dann die therapeutischen Maassnahmen. Mit 
Recht legt der Verf. (Schilling) grosses Gewicht auf das diä¬ 
tetische Verfahren, das ausführlich abgehandelt wird: auch die 
Klimato- und Balneotherapie finden genügende Berücksichti¬ 
gung. Unmittelbar dem Texte ist eine Menge gut zusammen- 
estellter Receptformeln beigefügt. Als letztes Capitel werden 
ie am häufigsten vorkommenden Intoxieationcn abgehandelt 
(Blei, Phosphor, Quecksilber, Arsenik, Nikotin und Alkohol), 
und auch die hygieinischen Maassi egeln zur Verhütung der Ver¬ 
giftungen in Fabriken berücksichtigt. Abel mann. 

Auszug aus den Protokollen 

der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. 

1151. Sitzung am 24. October 1890. 

Anwesend 42 ord. Mitglieder und 13 in Riga ansässige Aerzte 
als Gäste. 

Nachdem der Praeses die Gäste begrüsst und die für die Biblio¬ 
thek eingegangenen Drucksachen vorgelegt, stellt 


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1. Dr. Fr. Schultz einen 35jührigen Mann vor. dem jeglicher 
Haarwuchs — bis auf etwa 10 um die Mundwinkel gruppirte und 
1—1*/* Ctm. lange Härchen — mangelt. Er giebt an, seine El¬ 
tern seien gesunde und normalbehaarte Leute gewesen, er sei 
haarlos geboren und habe nie irgend welche Kopf-, Bart-, 
Achsel- oder Schamhaare, auch keine Augenbrauen und Wim¬ 
pern gehabt. Er ist ein sonst gesunder, physisch intacter und 
kräftiger Mann, an dem ausser einer Hernie keinerlei Miss¬ 
bildung, namentlich auch nicht an den Zähnen, zu entdecken 
ist. —Er giebt an, 2 Schwestern litten auch an angeborenem 
Mangel jeglichen Haarwuchses. 

Die Atnchia adnata scheint eine ausserordentliche Selten¬ 
heit zu sein. Soweit Dr. Sch. die Literatur zugänglich ge¬ 
wesen, hat er keinen Autor gefunden, der diese Hemmungsbil¬ 
dung gesehen. 

2. Dr. Eduard Schwarz stellt zwei mikrocephalisehe 
Geschwister vor (Juden). Die Eltern sind normal gebildete 
Leute; Lues wird geleugnet, Aborte sind nicht vorgekommen. 
Sie haben 7 Kinder gehabt, von denen zwei im 2. Lebens¬ 
jahre an „Krämpfen“, eins c. 9 Jahre alt an einer Lungenaffec- 
tion und ein viertes in einem ähnlichen Zustande, wie seine jetzt 
noch lebende 8 jährige Schwester, gestorben ist. — Von den 3 le¬ 
benden Kindern hat ein öiähriges Mädchen einen normal ge¬ 
bauten Kopf (Umfang 500 Min.) und ist gesund. 

Das jüngste, 9monatliche Kind hat einen Schädelumfang von 
342 Mm. Nähte vollkommen consolidirt. Eine Störung der 
Intelligenz nicht nachweisbar; keine Atrophien, keine Lähmungen. 
Tremor des Kopfes. 

Das 8 jährige Mädchen hat einen Schädelumfang von 405 Mm., 
Intelligenz und Sprache auffallend wenig gestört. Kein Ny¬ 
stagmus. Ausgedehnte Muskelatrophien an den Extremitäten, 
elektrische Erregbarkeit theilweise erloschen. Starker Tremor, 
namentlich der Arme; an den Beinen wegen fast völliger Läh¬ 
mung nicht sehr hervortretend. Sensibilität stark herabgesetzt. 
Harn- und Stuhlincoutinenz. 

Nachdem Dr. Ed. Schw'arz das in diesem Falle familiäre 
Auftreten der Mikrocephalie betont und der II 0111611 ’sehen Fälle 
Erwähnung gethan, wendet er sich gegen Carl Vogts atavi¬ 
stische Auffassung derselben und schliesst sich Virchow u. A. 
an, die in der Mikrocephalie eine Folge intrauterin oder in 
frühester Jugend acquirirter Himlaesion sehen. Die ausge¬ 
dehnten Lähmungen und Atrophien weisen auch im demon- 
strirten Falle auf secundäre degenerative Mikromyclie. 

In der Discussion machen Dr. Holst und Rautenfcld aut 
die Unterschiede zwischen den eben demonstrirten und den 
vonllomeu beschriebenen Fällen aufmerksam.—Dr. Schwarz ist 
auch blos durch das auch infldiesemJFalle familiäre Auftreten 
einer Laesionjdes Centralnervcnsystcms an die Ho mön’sehen 
Fälle erinnert worden. 

Dr. Tiling: Mikrocephalie sei unter Idioten eine recht häu¬ 
fige Erscheinung: unter 100 Idioten seien etwa 37 mikrocephal; sie 
stellen noch durchaus nicht die niedrigste Stufe des Idiotismus 
dar. — Mikrocephalen leiden an nicht progressiver Hirnlaesion 
aus dem Foetallebeu, während ihm in Dr. Sch’s Fällen das 
progressive Verhalten auffalle. 

3. Dr. Krannhals: Ueber das runde Duoden’algeschwür. 

Vortr. giebt die Krankengeschichte eines 40jährigen Juden, 

den er am 15. Aug. c. zum ersten Mal in seiner Ambulanz sah. 
Saurer Geschmack im Munde, Druckgefühl im Epigastrium nach 
der Mahlzeit ohne eigentliche Gastralgien; guter Appetit, träger 
Stuhl; keine Uebelkeit, kein Erbrechen. Säuren, Mehlspeisen, 
Süssigkeiten werden schlecht vertragen, Fleisch dagegen gut. 
In letzter Zeit Kissingen mit gutem Erfolge gebraucht. — Fat. 
ist gut genährt, der onjectivc Untersuchungsbefund normal; na¬ 
mentlich keine Magendilatation, kein Druckschmerz im Epi¬ 
gastrium. 

Am 25. Aug. fieberhafte Erkrankung unter unbestimmten All- 
gemeinerscheinungen. 30. Aug.: Ikterus, Erbrechen, Obstipation. 
Nach einem Abführmittel bleiben die Stühle diarrhoisch. Seit 
dem 2. Sept. werden schwarze theerartige Massen entleert; ein 
Mal wurden auch schwarze Massen erbrochen. Die schwarzen 
Stühle wurden immer häufiger und copiöser, Pat. collabirt.— 
Als Dr. Krannhals ihn am 5. Sept. zum zweiten Mal sieht 
massiger Ikterus, leicht aufgetriebencs Abdomen, im Wesent¬ 
lichen normaler Organbefund; tiefer Collaps. Tod am selben 
Tage. — Section verweigert. 

Da die theerartige Beschaffenheit der Stühle Haemorrhoidal- 
blutung ausschloss, Darmtuberculose, Typhus abd. und Stauung 
im Pfortadersystem nach Verlauf und objectivem Befund nicht 
in Betracht kommen, ebenso eine Blutungsquelle im Circulations- 
oder Respirationsorgan nicht vorhanden war, Pat. aber an saurer 
Dyspepsie gelitten, so kam Ulcus ventriculi sive duodeni dia¬ 
gnostisch in Betracht. Zu letzterer Diagnose sieht sich Dr. K. 
veranlasst: 1. weil das Blut fast ausschliesslich nach unten ent¬ 
leert worden; 2. weil das einmalige Blutbrechen beweist, dass 
die Blutungsquelle nicht allzuweit vom Pvlorus entfernt sein 
konnte und 3. weil der Ikterus sich für den Sitz der Erkran¬ 
kung im Duodenum verwertlien lässt. 

Im Anschluss hieran berichtet Dr. Kr. über 3 Fälle, wo das 
Ulcus rot. duodeni im Krankenhause Sectionsbefund war. Im 


ersten Falle war das Ulcus bei einem 41jährigen Phthisiker 
völlig latent verlaufen. Im zweiten Falle verstarb eine dccre- 
pide Greisin mit der Diagnose Pleuritis exsudativa. Das Ulcus 
duodeni sowie dessen Perforation nebst consecutiver Peritonitis 
waren ohne bemerkbare Symptome verlaufen: letzteres natürlich 
nur durch den hochgradigen Marasmus der Kranken zu er¬ 
klären. Im dritten Falle handelt es sich um einen 5jährigen 
Knaben, der wegen eines Abseesses in den Weichtheilen des 
Oberschenkels hi der chirurgischen Abtheilung lag. Nachdem 
der Abscess gespalten und der Verlauf in den ersten Tagen 
ungestört gewesen, erkrankte Pat. an heftigen Durchfällen, die 
vom 7. Tage ab blutig-schleimig werden. Am 11. und vom 
15. Tage ab neben den blutig-schleimigen Ausleerungen Ent¬ 
leerung grösserer Blutgertnsel unter starken Koliken. Tod im 
Collaps am 19. Tage. — Die Section ergiebt für den Dickdarm 
den gewöhnlichen Befund der Dysenterie. Im Duodenum zwei 
typische Ulccra rotunda, von denen das eine perforirt, jedoch 
vom anliegenden Leberlappen geschlossen ist. Der übrige ana¬ 
tomische Befund normal. Es ist also anzunehmen, dass die 
grossen Blutmengen, welche ausser dem blutigen Schleim ent¬ 
leert wurden, aus dem Ulcus duodeni herstammten. 

Nachdem Dr. Kr. ausgeführt, wie das Duodenalgeschwür ge¬ 
netisch und anatomisch dem runden Magengeschwür durchaus 
gleichzustellen, und statistische Angaben über die Seltenheit er- 
sterer Erkrankung referirt, bespricht er die Symptomatologie der¬ 
selben. Dieselbe deckt sich im Allgemeinen mit der des Magen¬ 
geschwürs, nur pflegt Erbrechen und spontaner Schmerz seltener 
zu sein, sowie die Druckempfindliehkeit rechts von der Para¬ 
sternallinie zu liegen. — Verlauf und Ausgang wie beim Magen¬ 
geschwür. 

Dr. Bergmann äussert sich darüber, dass das Ule. duod. in 
so zartem Alter kaum noch beobachtet und doch offenbar älter 
als die Dysenterie bei dem kräftigen und wohlgenährten Knaben 
völlig latent verlaufen sei. Da sonst keinerlei Ursache für die 
Entstehung des Abseesses zu finden, müsse für denselben das 
Ulcus duodeni als Infeetionspforte herangezogen werden. Der 
von Dr. Krannhals referirte Fall erinnere ihn lebhaft an einen 
andern, der 3—4 Wochen nach einer überstandenen Operation 
unter Entleerung grosser Blutmengen tief collabirte. 

Dr. llehn nimmt in dem eben von Dr. Bergmann ange¬ 
führten Fall kein Duodenalgeschwür an. weil 1. das Blut nicht 
halbverdaut erschien und 2. der Collaps nicht dem Beginn der 
blutigen Ausleerungen vorausging, sondern zeitlich mit ihm zu- 
sammenficl. Dr. Hehn sicht sich hierdurch veranlasst, die Blu¬ 
tungsquelle in den Dickdarm zu verlegen. 

Dr. Krannhals: ihm sei kein Fall aus der Literatur erin¬ 
nerlich, wo Ulcus duodeni bei Kindern beobachtet. Eichhorst 
erwähne ein Ule. ventric. bei einem 3jährigen Kinde. Bei Er¬ 
örterung der Frage, ob das Duodenalgeschwür nicht auf dem 
Wege der Embolie vom dysenterischen Dickdarm her entstanden 
sein könne, kommt Dr. K. zu dem Schluss, dass dieser Gedanke 
wegen der dazu gegebenen kurzen Frist von 3—4, höchstens 
7 Tagen ahzulehncu sei. 

Dr. Hampeln schliesst sich in der Diagnose des von Dr. 
Krannhals nur intra vitam beobachteten Falles letzterem au 
und betont nochmals das häufig völlig latente Verlaufen der 
Duodenalgeschwüre. Er sei mehrfach in der Lage gewesen bei 
Patienten, die unerklärter Weise sehr anämisch wurden, Intes¬ 
tinalgeschwüre (duodeni sive ventriculi) anzunehmen. Die Stuld- 
beschaffenheit ist in der Praxis oft gar nicht zu ermitteln; aber 
selbst wenn man die Stühle regelmässiger inspection unterwerfe, 
könne eine Blutung von 50, 100, ja seihst 500 Gramm pro die 
sich der (’onstatirung durch einfache Besichtigung entziehen. 
Dr. Hampeln referirt über einen hochgradig anämischen Mann, 
dor blos früher einmal schwarze Stühle gehabt zu haben angab. 
Er wurde Vegetarianer und genas. (Solilern giebt an, dass 
vorherrschend Vegetabilien essende Menschen selten an Ulcus 
erkranken.). Ein zweiter Fall von anscheinend hartnäckiger 
Chlorose genas rasch bei einer Karlsbader Cur. Heerwagen. 

Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

Sitzung am 1(5. October 1890. 

1) Dr. GrafMagawly referirt über einen Fall von erfolg¬ 
reicher Extraction eines Eisensplitters aus dem Glas¬ 
körper mittelst des Elektromagneten und stellt den betr. 
Pat. vor. Herr P. 56. J. a., Landwirth, verletzte sich das linke 
Auge beim Meissein durch einen vom Instrument abspringenden 
Splitter. Vortr. hatte den Pat. bereits früher behandelt; das 
rechte Auge war von Jugend auf wegen Cataract und Astigma¬ 
tismus irregularis amblyopisch, das linke hatte eine Sehschärfe 
von 0,5 (Astigmatismus). Als Pat. sich am Tage nach der Ver¬ 
letzung vorstellte, wurde eine perforirende Wunde im inneren 
Quadranten der Hornhaut, ferner eine Wunde der Iris und eine 
feine strichförmige Trübung der Linse constatirt, welche den 
muthmaasslichen Weg des Fremdkörpers anzeigte; es bestand 
heftige Injection, Irishyperacmie und Trübung des Kammerwas¬ 
sers. v = Fingerzählen in 1‘ 2 Meter. Nach Erweiterunglder 
Pupille durch Atropin wurde im vorderen Theile des Glaskör¬ 
pers der glänzende Splitter deutlich wahrgenommen. Die sofort 


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vorgeschlagene Entfernung des Fremdkörpers konnte erst 8 Tage 
später vorgenommen werden, da Pat. sich nicht früher dazu ent- 
>chloss. Operation (unter (’ocain und strengster Aseptik): me- 
ridionaler Schnitt durch die Sklera zwischen den Mm. rectus 
• xternus und rectus inferior. Die erweiterte Pupille gestattete 
es, den in den Glaskörper eingeführten Elektromagneten deut¬ 
lich zu sehen und zu verfolgen. Nach zweimaligem Versuche 
gelang es, den Splitter an den Magneten zu locken und mit die¬ 
sem herauszuführen. Conjunctivalnaht; Heilung per priinam. Die 
Sehschärfe des operirten Auges beträgt jetzt 0.4; die Linsentrü¬ 
bung hat nicht zugenommen. 

Dr. v. Schröder weist darauf hin, dass es sich in diesem 
Falle als vortheilhaft erwies, hei Tageslicht zu operireu: der 
Gang des Magneten konnte so vom Assistenten verfolgt und di- 
rigirt werden: die Beobachtung mit dem Augenspiegel seitens 
des Operateurs wird dadurch erschwcit, dass nach erfolgtem 
Glaskörperverlust die Hornhaut sich faltet. 

2) Dr. v. Schrocdcr berichtet über folgenden, am heutigen 
Tage in der Augenheilanstalt stattgehabten Fall von Chloro¬ 
form tod. Dem 40 jährigen Bauern Fedossej Grigorjew sollte 
der linke Bulbus wegen Totalstaphylom und Sekundärglaukom 
enucleirt werden. Pat. war Potator, zeigte aber weder auffallende 
Härte der Arterien noch auch Veränderungen am Herzen, war 
gut genährt und gab an, stets gesund gewesen zu sein. Die 
Chlorofonnnarkose wurde von Dr. Natanson in Gegenwart der 
Dr.Dr. Magawly und v. Schroeder eingeleitet. Der Puls hatte 
bei Beginn der Narkose 68 Schläge i. d. Min., war regelmässig. 
Die Athmung war frei. Das Chloroform wurde, wie üblich, auf 
eine Flanellkappe aufgegossen, so dass die Luft daneben reich¬ 
lich Zutritt hatte. Ausserdem wurde eine subcutane Injection 
von Cocain (gr. V s) in den Arm gemacht. Nach einem leichten 
Exaltationsstadium, nachdem während einer Viertelstunde etwa 
,3jjj—<5 1V Chloroform verbraucht worden waren, und ehe noch 
mit der Operation begonnen worden war, traten plötzlich Cya- 
nose und Krampf in den Masseteren ein; gleichzeitig erfolgten 
zwei krampfhafte Respirationen und verschwand ebenso plötzlich 
der Puls, der bis dalnn regelmässig gewesen war; die Pupille 
des rechten Auges war plötzlioh ad maximuni erweitert. Sofort 
wurde zu energischer künstlicher Athmung, zu Aetherinjectionen. 
zu elektrischer Reizung der Phrenici (constanter Strom einer 
Tauchbatterie von 20 Elementen mit häufigen Stromunterbre¬ 
chungen). zu Bastonnade etc. gegriffen. Die Zunge wurde vor 
den Zähnen fixirt, der Kopf hintenüber gelegt, so dass die Luft 
bei der künstlichen Athmung ganz frei durch die Luftwege 
strich. Alle diese Wiederbelebungsversuche, die ununterbrochen 
V« Stunden fortgesetzt wurden, blieben jedoch erfolglos; weder 
Puls noch Athmung kehrten wieder. Als wahrscheinliche Todes¬ 
ursache ist hier eine plötzliche Herzlähmung anzunehmen, da die 
Respiration frei war und der Puls ganz plötzlich aufhörtc. l'eber 
das Ergcbniss der Scction soll nächstens berichtet werden. 

Dr. Schmitz weist auf die Wichtigkeit der Pupillensymptomc 
bei der Narkose hin; besonders bei Kindern, an denen der Puls 
wegen unruhigen Gebahrens schwer zu controlliren ist, giebt das 
Verhalten der Pupillen den sichersten Anhalt für die Tiefe und 
das Stadium der Narkose. Eine plötzliche Erweiterung der in 
tiefer Narkose stets verengten Pupillen ist immer ein sehr omi¬ 
nöses Zeichen. 

8) l)r. Luniu spricht über Intubation (nach O'Dwycr» 
bei akuter Larvnxstenose. 

Ein 5 jähriger Knabe, der an Piphtlicritix des Pharynx und 
Larynx litt, wurde wegen starker Laryngostenose init der 
O’Dwyer'sehen Tube behandelt. Die Einführung derselben gelang 
leicht, ilie Stenose war gehoben. Pat. starb 40 Stunden nach 
der Intubation. Die Section ergab eine ausgebreitete Bronchi¬ 
tis tibrinosa. Im Kehlkopf fand sich ein oberflächlicher Substanz¬ 
verlust in Folge des Druckes der Tube. 

Anschliessend an diesen Fall bespricht Vortr. die Vortlieilc 
und Nachtheile der Intubation. Die jetzigen Statistiken erge¬ 
ben bei Kindern unter drei Jahren bessere Resultate nach Intu¬ 
bation als nach Tracheotomie, doch kann der Grund hierfür da¬ 
rin gesucht werden, dass man sich zur Intubation leichter ent- 
schliesst, als zur Tracheotomie. 

Einen grossen Ucbelstand der Intubation sieht Vortr. darin, 
dass wenn die Tube wegen Verlegtscins mit Schleim oder Mem¬ 
bran entfernt wird, dieselbe nach ‘/V—2 Stunden wieder einge¬ 
führt werden muss, — also bei einem intubirten Kinde ein Arzt, 
der zu intubiren im Stande ist, dejouriren muss. 

Die Tracheotomie gestattet eine unmittelbare Einwirkung auf 
die Schleimhaut der Trachea und auf die. Membranen (z. B. Tam¬ 
ponade der Trachea oberhalb der Canule bei nur im Kehlkopf 
localisirter Diphtheritis; Inhalationen durch die Trachealcanule 
mit Membranlösenden Mitteln wie Papayotin, Alkalien etc.). Bei 
secundärer Diphtheritis sprechen sich die meisten Autoren für 
Tracheotomie aus, weil die Tube leicht zu ausgebreitetem Druck- 
decubitus führt. 

Die Intubation wird nicht im Stande sein die Tracheotomie 
zu verdrängen, wohl muss ihr aber bei der Behandlung der La¬ 
rynxstenose ein hervorragender Platz eingeräumt werden. 

(Fortsetzung folgt). 


Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

— Gegen üblen Geruch aus dem Munde wird in der Me¬ 

dicinischen Presse folgende Flüssigkeit zur Ausspülung ange¬ 
geben: Natri bicarbon., Saccharini, Acidi salicylic. aa 5,0, Spir. 
vini 150.0— 1 Theelöffel auf 1 Tasse Wasser, öfters am Tage 
auszuspülen. (D. med. Woch. As 2). 

— Salbe gegen Risse der Brustwarzen. Rp. Balsam, 
peruvian., Tinet. Arnic. aa 2,0, 01. Amygdal. dulc. 30,0. Aqua 
Calcis 15,0. Mf. Liniment. Ds. jedes Mal nach dem Säugen 
auf die Warze zu streichen. (Progr. med. As 47). 

— Im Verein deutscher Aerzte m Prag sprach Pohl über 
die Bedingungen der Aufnahme und Vcrtheilung des 
Chloroforms im Organismus; seine Thierversuche zeigten, 
dass das Blut narkotisirter Tliiere beträchtlich kleinere Men¬ 
gen Chloroform enthielt, als das Blut oder Blutwasser ausser¬ 
halb des Körpers aufzunehinen vermag; diese kleinen Chloro- 
forinmengen werden aber mit solcher Zähigkeit vom Blute fest- 
gehalten, dass es tagelangen Luftdurchtreioens bedarf, um al¬ 
les Chloroform wiederzugewinueu. Weitere Versuche ergaben, 
dass das Chloroform vorwiegend an die rothen Blutkörperchen 
gebunden kreist und dass die letzteren durch ihren Gehalt an 
chlorofonnlöslichen Bestaudtheilen (Cholestearin. Lecithin, Ce- 
rebrin) zu einer derartigen Bindung befähigt sind. Chloroform¬ 
wasser von jenen Concentrationcn, wie das Chloroform im Blute 
sich findet, rufen an isolirten Ganglienzellen keine sichtbaren 
morphologischen Veränderungen hervor. 

(Prag. med. W. As 45). 

— Peinbertön Peake (Leicester) lobt die Pasta Guarana 
bei der Behandlung der Hcmicranie. Sobald die bekannten 
Vorläufer des Anfalles in Erscheinung treten, nimmt der Pa¬ 
tient 1—2 Gramm Pasta Guarana ein, desgleichen etwas Bouil¬ 
lon und legt sich nieder um, wo möglich, zu schlafen: während 
des 2. Stadiums thut der Patient gut durch Unterhaltung oder 
leichte Lectüre den Geist ein wenig zu beschäftigen Die An¬ 
fälle werden gewöhnlich abgekürzt. (The Lancet XIII Vol. ID. 

— Als antiseptisches Mittel für die Intestina verord¬ 
net Dujardin-Beaumetz das ßismuthum salicylicum in 
folgender Mischung: 

1. Bism. salicyl., Magn ustac, Natr. bicarbon aa 10,0 divido 

in partes acq. 30. 

2. Bism. salicyl., Calc. praep., Calo, phosphor. aa 10,0 divido 

in p. aeq. 30: 3 mal tgl. 1 Pulver. 

3. Bism. salicyl., Beta naphtol., Carl», puh. aa 10,0 div. in 

p. acq. 30. 

4. Bism. salicyl., Salol., Carb. pulv. aa 10,0 div. in p. aeq. 30. 

(D. med. Woch. As 46). 

— Gegen den Schmerz au der mit Gicht behafteten grossen 
Zehe empfiehlt sich folgende Mischung: 

Collodii 5,0 | 

iveid! 6alkyL°4,0 «•»«''* 

Morph, muriat. 1,0 J 

(I). med. Woch. As 46). 

— In der Union medic. wird folgende Mischung als Abführ¬ 
mittel für Kinder empfohlen: 

l»p. Podophyllin 0,1 
Spirit, vini 10,0 
Syrup. ruh. id. 90,0 

— Limbeck (Prag. med. Wocheusehr. As 45) beschreibt 
einen sehr interessanten Fall von Schussverletzung der 
linken Grosshiruhemisphäre; die Kugel war durch den 
harten Gaumen eingedrungen; etwa 1 Jahr nach der Ver¬ 
letzung zeigte die 20jährige Kranke folgende nervöse Stö¬ 
rungen: complete Lähmung des linken Oculomotorius, rechts¬ 
seitige homonyme Hemianopie, rechtsseitige Hemiplegie, cor- 
ticale motorische Aphasie mit verbaler Alexie, aber mit Er- 
haltenseiu des Ziffern-Verständnisses. der Fähigke t Ziffern spon¬ 
tan zu schreiben und dieselben zu addiren, sowie des Repro- 
ductionsvermögens von Melodien. L. nimmt an, dass das Pro- 
jectil folgenden Weg genommen: von der Eintrittsstelle am 
harten Gaumen nach links hinten (mit Zerstörung des linken 
Oculomotoriusstammes); hierauf durch das Broca’sehc Spracli- 
centrum und einen Theil der Stabkranzfaserung der inneren 
Kapsel in den Hinterhauptslappen. 

— Subcutane Aetherinjectionen werden von Kunis getjen 
Gallensteinkoliken empfohlen. Es genügten bei seinen Er¬ 
suchen meistens 2 Injectionen in die Lebergegend um bald Er¬ 
leichterung zu verschaffen. 

— Um Zahncaries zu verhüten wird in Med. News, folgende 
Lösung empfohlen: Tanniui 5,0, Tinet. Jodi, Tinet Myrrhae 
aa 2,5, Kali jodati 1,0, Aq. Rosar 180,0: Jeden Morgen einen 
Theelöffel in einem Glase heissen Wassers zur Mundausspülung. 

(D. med. Woch. As 2). 


Vermischtes. 

— ln Mitau beging vor Kurzem der allgemein hoch geachtete 
Nestor der dortigen Aerzte, Dr. Carl Bluhm mit seiner Ehe- 


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29 


gattin Elisabeth, geh. Worms in bester geistiger und kör- 
nerlieher Frische und Rüstigkeit das seltene Fest der goldenen 
Hochzeit. B. hat im October des vorigen Jahres das 78. Le¬ 
bensjahr überschritten und vor 54 Jahren die Doctorwürdc in 
Dorpat erhalten. 

— Dem Lcibaccoucheur und Professor, Geheimrath Dr. Kras- 
sowski, ist eine goldene .mit den Initialen Kaiser Ale¬ 
xander HL und mit der Kaiserlichen Krone in Brillan¬ 
ten verzierte Tabatiöre Allerhöchst verliehen worden. 

— Ordensverleihung: Der St. Stanislaus-Orden II. 
('lasse— dem Professor der Anatomie au der Universität Dor¬ 
pat, Staatsrath Dr. Räuber. 

— Ernannt: Der Divisionsarzt der I. Infant. Divis., Staats¬ 
rath Dr. Goroshankin — zum Gehülfen des Warschauer Be- 
zirks-Militär-Medicinalinspectors: der Divisionsarzt der II. kau¬ 
kasischen Kosakendirision, Staatsrath Dr. Parshnizki—zum 
Corpsarzt des II. Armeecorps. 

— Verstorben: 1) Am 10. December a. pr. der Stadtarzt zu 
Porchow Dr. Hugo Frey nach langer Krankheit. Am 7. Juli 
1838 zu Dorpat geboren,' widmete sich Frey im J. 1860 dem 
Studium der Medicin an der dortigen Universität und erhielt 
im J. 1870 bei der Prcisvertheilung für eine pathologisch-ana¬ 
tomische Arbeit die goldene Medaille. Nach Absolvirung des 
Doctor-Examens im J. 1873 wurde er Arzt am Landschaftshos¬ 
pital in Gdow und fungirte einige Jahre gleichzeitig auch als 
Kreisarzt daselbst. Im Jahre 1879 siedelte er nach Estland über, 
wo er Landarzt im Jeweschen Kirchspiel bis 1881 war. Im letzt- 

f enannten Jahre wurde er zum Stadtarzt von Porchow (Gouv. 
’leskau) ernannt, wo er zugleich das dortige Landschaftshos¬ 
pital leitete. 2) Am 31. December a. pr. in St. Petersburg Ge- 
neimrath Dr. J. St. lllinski, beständiges Mitglied des muitär- 
medicinischen gelehrten Comites und beratendes Mitglied des 
Medicinalraths beim Ministerium des Innern. Nach Absolvirung 
des Cursus in der medico-chirurgischen Academie trat J. 1851 in 
den Militär-Medicinaldienst und war successive Arzt am Hos¬ 
pital für Landtruppen, Tischvorsteher im Militär-Medicinal-De- 
partement, Secretär des milit.-med. gelehrten Comites. Im Jahre 
1880 wurde er zum Geheirarath befördert und zum beständigen 
Mitgliede des mil.-med. gelehrten Comites sowie des Medicinal¬ 
raths ernannt, in welchen Stellungen er bis zu seinem Lebens¬ 
ende verblieb. Einige Zeit war II. auch Vicepräsident des phi¬ 
lanthropischen Comites, welches ihn später für seine Verdienste 
um dasselbe zum Ehrenmitgliede erwählte. Anfangs hatte der 
Hingeschiedene auch eine ausgebreitete ärztliche Praxis, die er 
aber bereits vor 15 Jahren wegen Zunahme der amtlichen Ge¬ 
schäfte aufgab. 3) Am 26. December a. pr. in Minsk der frü¬ 
here Gehülfe des dortigen Medicinaliuspcctors J. P. Golowat¬ 
sch ew an Phthisis Der Verstorbene hat seine Familie in äus- 
serst bedrängten materiellen Verhältnissen zurückgelassen. Die 
Beerdigungskosten mussten durch Collecte unter den Collegen 
beschafft werden. 

— Am 5. Januar beging der Gehülfe des Oberarztes des hie¬ 
sigen MarienhospitalSj wirkl. Staatsrath S. J. Ssabinski, sein 
25jähriges Dienstjubiläum. Dem Jubilar zu Ehren fand 
ein Diner statt. 

— Als Candidaten für den erledigten Lehrstuhl der 
Hospitalklinik an dermilitär-medicinischen Academie 
werden die Privatdoceuten der Academie F. J. Pasternazki. 
W.J.Drosdow, N. J. Ssokolow, N. P. Wassiljew und der 
frühere Professor Kremjanski genannt. Als Bewerber um die 
nach der Ernennung Prof. Paschutin’s zum Chef der Academie 
vacant gewordene Professur der allgemeinen Pathologie 
an der Academie sind ausser Anderen auch zwei frühere Privat- 
docenten dieser Academie, Prof. Kostjurin in Charkow und 
Prof. Albizki in Tomsk, aufgetreten. 

— In Jekaterinodar, der Hauptstadt des Kubangebietes, 
hat sich ein medicinischer Verein gebildet, welcher unter dem 
Namen „Kubanäche medicinische Gesellschaft“ am30.De¬ 
cember a. pr. seine erste Sitzung abgehalten hat. 

— Behufs Errichtung eines Denkmals für den grossen 
Arzt und Chirurgen Pirogow in Moskau, ist, wie der Prä¬ 
sident Prof. Sklifassowski dem IV. Congresse russischer Aerzte 
mittheilte, eine Subscription im ganzen Reiche Allerhöchst 
genehmigt worden. Während des letzten ärztlichen Congresses 
war bereits ein Entwurf des Denkmals, welcher von dem Aca- 
demiker Sherwood angefertigt ist, im Moskauer Universitäts¬ 
gebäude ausgestellt. Dasselbe stellt den grossen Chirurgen auf 
einem Stuhle sitzend dar mit einem Schädel in der Hand und 
einem aufgeschlagenen Buche zu Füssen. Auf den Seiten des 
Piedestals befinden sich Lorbeerkränze und an der Facadc die 
Inschrift: „Nikolai lwanowitsch Pirogow, — dem Denker-Chi¬ 
rurgen 1810—1881“. 

— Das von uns in der vorigen JVs mitgetheiltc Verbot des 
Medicinalraths bezüglich des Ablasses von Spermin aus den 
Apotheken ist auf Grund eines Gutachtens erfolgt, welches von 
der zur Prüfung des Poehl’schen Spcrmins eingesetzten Exper¬ 
tencommission, zu welcher die Professoren Bei Ist ein, Dianiu, 
Konowalow, Mendclejew und Trapp gehörten, abgegeben 
worden ist. In N: 50, Jahrg. 1890 des „Wratsch“ veröffentlichen 
nun die Prof. Beilstein, Trapp nnd Dianin die Resultate 


| der von ihnen ausgeführten Untersuchung des Poehl’schen Sper- 
! mins. Sie fanden nicht die von Dr. Schreiner für'das Sper¬ 
min angegebenen charakteristischen Reactionen bei der Prüfung 
des PoehPschen Präparates. Nach Mischung des letzteren mit 
phosphorsaurem Natron Dessen sich unter dem Mikroskop in 
den Rückständen keine charakteristischen Krystalle des phos¬ 
phorsauren Salzes erkennen, und zwar entweder, weil in den 
l’oehl’schen Ampullen kein Spermin enthalten war oder weil die 
Menge fremder Beimischungen sie nicht entdecken liess. Pep¬ 
tone wurden unter den Beimengungen deutlich nachgewiesen. 
Es lösten sich auch die Niederschläge, welche auf Zusatz von 
phosphors. Natron aus den PoehPscnen Präparaten erhalten 
wurden. beim Kochen mit Wasser grösstentheils nicht in Wasser, 
wodurch aufs Klarste bewiesen wurde, dass die Hauptmasse 
des PoehPschen Spermins nicht aus Spermin besteht. 
Reines Spermin, heisst es zum Schluss, kann man nur erhalten, 
wenn man dasselbe mit Phosphorsäure niederschlägt und den 
Niederschlag durch Kristallisation aus Wasser reinigt Eine 
solche Reinigung habe Poehl aber nicht ausgeführt. Alles, was 
durch Phosphorwolframsäure niedergeschlagen wird, nenne er 
Spermin. Schon die obcrtlächliche Untersuchung eines solchen 
Präparates beweise, dass die Hauptmasse des PoehPschen Prä¬ 
parates nicht aas Spermin. sondern aus fremden Beimischungen 
bestellt. 

— Am 12. Januar beging die Moskauer Universität ihren 
137. Stiftungstag. Aus dem auf dem Festact verlesenen Jah¬ 
resberichte gebt hervor, dass die Gesammtzahl der Studi- 
renden am 1. Januar d. J. sich auf 3473 belief, von denen 1180 
Medicin studiren. Ausserdem besuchen noch die Vorlesungen 
290 Pharmaceuten und 19 freie Zuhörer. Das Lehrpersonal 
der Universität bestand aus 94 Personen (48 ordentliche und 
32 ausserordentliche Professoren), von denen 37 (15 ordentliche. 
14 ausserordentliche Professoren und 8 Prosectoren) der medi- 
cinischen Facultät angehören. 

— Prof. Roh. Koch tritt in diesen Tagen eine Erholungs¬ 
reise nach Aegypten an. Er soll im März wieder zurückkehren, 
um die Leitung des bis dahin fertig gestellten neuen Instituts 
für Infectionskrankheiten zu übernehmen. Die Ausgaben des 
Koch’schen Instituts sind auf 235,405 Mark berechnet, und zwar 
20,000 M. als Gehalt für den Director (Koch); je 6000 Mark 
für die Vorsteher der wissenschaftlichen und der Krankenab- 
theilung, 7650 M. für 4 Assistenten und 3 Unterärzte, 10000 M. 
zur Remunerirung von wissenschaftlichen Hülfskräften, 50,000 M. 
zu wissenschaftlichen Untersuchungen 45,000 Mark für Verpfle¬ 
gungskosten u. s. w. Als Einnahme der Krankenabtheilung aus 
Cur- und Verpflegungskosten sind 70,000 Mark in Anschlag ge¬ 
bracht. (A. m. C.-Ztg.). 

— Die Gesammtzahl der Kranken in den Civilhospi- 
tälern St.Petersburgs betrug am 6. Januar 1891—6699 (219 
mehr als in der Vorwoche); darunter 452 Typhus — (58 mehr). 
618 Syphilis — (1 weniger), 125 Scharlach — (4 mehr), 19 Diph¬ 
therie — (8 mehr), 15 Masern — (6 mehr) und 90 Pockenkranke 
(15 weniger als in der Vorwoche). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 30. December 1890 bis 5. Januar 1891. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


rS t- !_ t, U (h U U. 

JZ l SaSc3oScSeScSdcacica 


M. W. Sa. 2 ■- 2 

an 

332 254 586 109 42 66 10 


IC 


, f !■!!!! 

9 15 60 68 43 58 62 31 


H = 

1 s 

2 — 
3 C 

00 

12 1 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. nbd. 8, Febris recurrens 5, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 8, Masern 2, Scharlach 
14, Diphtherie 10, Croup 1, Keuchhusten 0, Oroupöse Lungen¬ 
entzündung .38, Erysipelas 5, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Meningitis l. Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 1, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 0, Pyärnie und Septicaemie 5, Tu- 
berculosc der Lungen 112, Tuberciilose anderer Organe 7, Alko- 
holismus und Delirium tremens 5, Lebensschwäche und Atrophia 
infantum 32. Marasmus senilis 29. Krankheiten des Verdauungs- 
canals 46, Todtgeborcne 28. 

gfl|r Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 22. Jannar 1891. 

Annahme der Mitgliedsbeiträge und Abonnements auf die 
„St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. Februar 1891. 


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30 


ANNONCEN JEDES AST werden ausschliesslich in der Buchhandlung 

von CASL SICKES in St. Petersburg, Newsky-Prospect .V? 14, angenommen. 


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Gesellschaft 

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[ sky, gegenüber der Kirche. 

Im Laboratorium werden nach wie 

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1 Untersuchungen von: 

Harn, Concrementen etc., 

1 Sputum auf Tuberkelbacillen, 
[Faeces auf Parasiten etc. etc., 
i Nahrungs- und Genussmittel. 

' Chemisch-technische Analysen. 



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Nach den von den Herren Professoren Ludwig—Wien. 
Fresenius—Wiesbaden, König—Münster, Stutzer—Bonn 
ausgeführten Analysen enthält das Kemmerioh'sche 
Fleisch-Pepton ca. 18°/o leicht lösliche Eiweissstoffe und 
ca. 39°/o Pepton. Kemmerich’s Fleisch-Pepton hat an¬ 
genehmen Geschmack und Geruc h.-Kem- 
merich’s Pepton i s t käuflich in vielen Apo¬ 
theken und Droguenhandlungen. 

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Südrussischen Pharmaceutischen Handels-Ge- 
Seilschaft in Kiew.9 (4) 


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usAaBaeHuü uojti pejaicuieD 
AKaÄeuHKa A. fl. KpaccOBCKaro, npo<J)oceopa 
K. 4». CaaBSHCKaro ji aouchtu M. H. CMoaeHCKaro. 

EyaeTB buxoahtb bb 1891 roAy exe- 

M'fcca'IHO KHHXKäMH BB 4—6 JieTaTHHXB 
ihctobb. HporpaMMa: 1) OpurHHajibHHH 
CTaxtu, aeKitiu h KaayiicxnKa (pycc.Kia h 
nepeBOÄHH«), 2) Pediepaxii, 3) KpiiTHKa 
h onöiiorpaijufl, 4) IlpoTOKOJH aackAamfi 
AKymepcKo-rHHeKOjrorn'iecKaro OßigecTBa 
bb C.-IIeTepöyprk, 5) KoppecnoHaeBgiH, 
6) OöxaBieHia. 

HoAUHCHaa gkna Aia HHoropoAHtixB cb 
ÄOCT aBEO» 8 p. 3a rojB, Ä-Jn ropoacKHXB 
—7 p. 50 k., oesB aoctebkh 7 p. floAnncKa 
npHHHMaeTca bt. peflaKgiH: C.-IIeTepöyprT., 
BiaAHiripcKi8 npocn., 13, kb. 16, y jt-pa A. 
K. TepMomyca. CiaTLH npncHiaioTca, oöa- 
saTeiLHO sa hoahhcbio aBTopoBi, bt> pejtaE- 
nii) hjh ea hmh OAHoro H8B peaaKTopoBt: 
A.H.KpaccoBcaaro (Ha^esÄHHCKaa, j. As5), 
mh K. 4>. CaaBaHCKaro (JlmeftHuft npocu., 
Ä. Jfc 24, kb. As 15). 06T.flBjenia npnHn- 
Ma»Tca iio coraameHiio cb pejaKnieio. 0 
nocTynaenin bb pe^aic giio Knun, h 6po- 
miopB, npHcbuaeMHXB aBTopaMH, öyäctb 
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XVI. JAHRGANG. 


Neue Folge VIII. Jahrg. 



MEDICIIICCHE WOCHENSCHRIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erseheiut jeden 
Sou nabend.— Der Abonnementspreis ist in Bussland B Rbl. für das 
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Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


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bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Bioker in 
St. Petersburg, Newsky-I’rospect Jü 14, zu richten. — Hanusoripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet mau an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Sohröder in 
St.Petersburg, Malaja Italjanskaja .\» 83, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 


N4 


St. Petersburg, 2G. Januar (2. Februar) 


1891 


Inhalt. Aug. Lezius: Ein Beitrag zur Behandlung der Syphilis mit Injectionen von Queeksilhersalicylat. — 0. Koppe: Der 
Seeschlamm, sein Ursprung und seine Verwendung in der Hydrotherapie. — Referate: H. Citron: Zur klinischen Würdigung 
des Eiweissgehaltes und des specifischcn Gewichts pathologischer Flüssigkeiten. — J. Boas: Ueber Dünndannverdauuug beim 
Menschen und deren Beziehung zur Magenverdauung. — Bücheranzeigen und Besprechungen: Bibliographischer Index der 
russischen medicinischen Literatur. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Kleinere Mittheilungen 
und therapeutische Notizen. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ein Beitrag zur Behandlung der Syphilis mit In- j 
jectionen von Queeksilhersalicylat. 

Aus der Hospitalklinik des Herrn Prof. Dr. K. Dell io in Dorpat. 

Von 

Dr. med. Aug. Lezius. 

Unter den unlöslichen Quecksilbersalzen, welche in 
neuerer Zeit in suspendirtem Zustande zur Behandlung 
der Syphilis empfohlen wurden, hat das Hydrargyrum 
salicylicum innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes 
eine weite Verbreitung gefunden. Dasselbe wurde, ob¬ 
gleich es schon im Jahre 1881 von Lajoux und Grand¬ 
val ') dargestellt und seine physiologische Wirkung von 
Puprat*) geschildert worden war, doch erst im Jahre 
1887 von Silva Aranjo 3 ) in der Praxis in Anwendung 
gebracht. Sowohl innerlich in Pillenform als auch ausser- 
lieh in Form von Streupulvern, Umschlägen und Salben ist 
es darauf vielfach angewandt worden. Anfänglich mit 
einigem Enthusiasmus als bestes antisyphilitisches Prä¬ 
parat empfohlen 4 ), hat es auch weiterhin eine Reihe von 
Arbeiten und Veröffentlichungen hervorgerufen, welche 
sich alle mehr oder weniger günstig über die Anwen¬ 
dung des Hydrargyrum salicylicum in der Syphilisthe¬ 
rapie aussprachen. Als solche will ich hier die Ar¬ 
beiten von Epstein 5 ), Hahn •), Müller 7 ), Linden¬ 
born »), Neumann •), Tschistjakow 10 ), Ssirski ll ), 


‘) Journal de pharm, et chim. 1882 p. 39. 

2 ) Bull, de la soc. de biol. de Paris 1886. 

*) Bull, de ther. 1888, 8. — Giornale ital. delle malattie vener. 
c dclla pelle. 1887. 

*) cf. Die Untersuchungen von: 

Ellenberger und Hofmeister. Therap. Monatsli. 1888 Aug. 
Plumert. Viertelj. f Derm. u. Syph. 1888, 5. 

Jadassohnu. Zeising Viertelj. f. Derm. und Syph. 1888,5. 
Schadek. Monatsh. f. prakt. Demi. 1888, 10. 

5 ) Münch, med. Wochenschr. 1888, 33. 

•) Arch. für Derm. u. Syph. 1889, 3. 

7 ) Monatsh. f. prakt. Derm. 1889, 7. 

*) Therap. Monatsh 1890 p. 215. 

°) Wiener med. Woch. 1888, 47 u. 48, 

,0 ) Berichte d. IU Congresses russ. Aerzte in St. Petersburg 1889. 
") Wiener med. Woch. 1889, 8 u. 9. 


Schwimmer 12 ) und Bender 13 ) erwähnen. Jedoch wur¬ 
den in letzter Zeit auch Stimmen laut, welche sich im Ganzen 
gegen das Hg. sal. ablehnend verhalten und mehrfache 
Nachtheile und Unzuträglichkeiten hervorheben, die mit 
dem Gebrauch desselben verbunden sind. Von We- 
lander M ), Selenew 15 ) und Fischer 16 ) wird theils eine 
zu schwache antisyphilitische Wirksamkeit, theils die 
Bildung von Erythemen, grössere Schmerzhaftigkeit und 
öfteres Auftreten von Stomatitiden dem Salicylqueck- 
silber vorgeworfen. 

An dieser Stelle nun will ich die in der Universitäts¬ 
abtheilung des Dorpater Stadthospitals an Syphilitischen 
bei der Anwendung von Hg. salicyl. gefundenen Resul¬ 
tate auftühren. Ich sehe mich hierzu durch den Um¬ 
stand veranlasst, dass meine unmittelbaren Vorgänger 
im Amte eines Assistenten der Universitätsabtheilung 
des hiesigen Stadthospitals Dr. Haudring und Dr. Hart¬ 
mann, ihre Erfahrungen mit anderen unlöslichen Queck¬ 
silberverbindungen, welche sie unter genau denselben 
Bedingungen und an dem gleichen Krankenmaterial au- 
wandten, schon in dieser Wochenschrift veröffentlicht 
haben. Eine Vergleichung ihrer Resultate mit 
den meinigen dürfte daher für die Beurtheilung 
der Vorzüge des einen oder des anderen Prä¬ 
parates nicht ohne Interesse sein. 

Zu subcutanen oder intrarausculären Injectionen ist 
das Hg. salicyl. in verschiedenen Modificationen gebraucht 
worden: Jadassohn und Zeising benutzten eine 10°/o 
Suspension in Paraffinmn liquidum, Plumert eine eben¬ 
solche in Kal. carbon. und Aq. dest., Schadek in Gummi 
arab. und Aq. dest., Selenew in Vaselin, puriss. und 
01. vaselin., Epstein in 01. oliv. Wir haben das 
Mittel nach folgender Formel angewandt: Hg. salicyl 1,0 
Vaselini liquidi 10,0. Jeder Patient erhielt wöchentlich 
eine Pravaz’sche Spritze, i. e. 0,1 pro dosi. Der Ort 


**) Ot*. OTT. H8l MeÄHUUHCK. CÖopH. 50. 
'*) Monatsh. f. prakt. Derm. 1890 p. 491. 
,4 j Archiv f. Derm. und Syph. 1889, 4. 

’ 5 ) MeAHnnHCKoe oöoaptuie 1890, 8. 

16 ) Diss. Würzburg 1889, 


1 

•I 


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der Injection waren stets die Nates in ihrem mehr me¬ 
dialen Theile, woselbst die etwa stricknadeldicke und ca. 
5 Ctm. lange Nadel senkrecht in ihrer ganzen Länge 
hineingestossen wurde, so dass sie sicher bis in die 
Musculatur hineingelangte. Nachdem die Spritze ziem¬ 
lich langsam entleert worden, wurde der Stichcanal so¬ 
fort mit einem Stücke Heftpflaster geschlossen. 

Seit dem ersten Januar des laufenden Jahres habe ich 
nun auf Vorschlag von Prof. Dehio in dieser Art an 
25 Patienten 126 Injectionen ausgeführt. Dreizehn Fälle 
wiesen die ersten Allgemeinerscheinungen einer frischen 
Lues auf — maculöse und papulöse Exantheme, Drüsen¬ 
anschwellung, Plaques im Rachen und Condylomata lata — 
und waren bisher keiner Quecksilbercur unterworfen ge¬ 
wesen. Die übrigen Kranken, welche vorher schon mit 
anderen Mitteln behandelt waren, wurden wegen des 
Auftretens von Recidiven in Behandlung genommen. 
Das Krankenmaterial bestand fast ausschliesslich aus 
Männern (im Ganzen 16) der niederen städtischen Volks¬ 
schichten und aus Prostituirten (im Ganzen 9), und zwar 
waren gs Individuen im Alter von 17 bis 26 Jahren. 
Eine Patientin mit cerebraler Lues hatte das 46. Jahr 
erreicht. Neben der Allgemeinbehandlung wurden auch 
die localen Affectionen behandelt, und zwar die flachen 
Condylome mit Calomelbepuderungen, die Schleimhaut¬ 
papeln des Rachens mit 2°/o Sublimatglycerin. 

Was die antisyphilitische Wirksamkeit des Salicylqueck- 
silbers betrifft, so konnten im Ganzen recht günstige 
Resultate verzeichnet werden. Die erste syphilitische 
Roseola verschwand stets nach 2, in 2 Fällen nach 3 In¬ 
jectionen. Papulöse Exantheme bedurften einer 3 ma¬ 
ligen Wiederholung der Einspritzung. Aehnlich verhielten 
sich die Plaques muqueuses im Rachen, während die 
Condylomata lata der Anal- und Schamgegend nach der 
4. bis 5. Injection stets verschwunden waren. Die mul¬ 
tiplen indolenten Drüsenanschwellungen pflegten dagegen 
während der Injectionszeit nicht vollständig zu schwinden. 
Im Durchschnitte erhielten die Patienten, welche zum 
ersten Male behandelt wurden, 6 Injectionen, während 
bei Recidiven durchschnittlich 3 Einspritzungen zur Be¬ 
seitigung der Symptome genügten. In einem besonders 
hartnäckigen Falle mussten bei einer recidivirenden Sy¬ 
philis, welche sich in einem papulo-pustulösen Exan¬ 
theme äusserte, 5 Injectionen gemacht werden. In dem 
schon erwähnten Falle von cerebraler Lues, wo gefähr¬ 
liche Hirnsymptome, wie Unbesinnlichkeit und Krampf¬ 
anfälle vorhanden waren, liess sich schon nach der er¬ 
sten Injection eine überraschende Besserung constatiren 
und konnte Patientin nach 4 Injectionen anscheinend 
geheilt entlassen werden. 

Reactionserscheinungen am Orte der Injection sind nur 
in geringem Maasse vorhanden. In einem einzigen Falle 
kam es zu einer etwa apfelgrossen Infiltration, die jedoch 
nach ca. einer Woche spontan zurückging—Abscesse sind 
niemals vorgekommen. Die entstandene Infiltration liess 
sich vielleicht dadurch erklären, dass, da Patientin ein 
ungemein dickes Fettpolster an den Nates hatte, das 
Quecksilber nicht intramusculär sondern subcutan depo- 
nirt worden war. Ausserdem hatte die Kranke bei einer 
im vorhergehenden Jahre stattgefundenen Behandlung 
mit Calomelölsuspensionen 4 Abscesse gehabt. Es musste 
bei derselben also geradezu eine besondere Neigung zu der¬ 
artigen Complicationen angenommen werden. Wenn nun 
auch die objectiven Reactionserscheinungen verschwin¬ 
dend geringe waren, so konnte ich doch in Betreff der 
subjectiven Schmerzhaftigkeit nicht so günstige Resul¬ 
tate feststellen. Zwar gingen die Aussagen der Kran¬ 
ken in diesem Puncte ziemlich weit auseinander, allein 
im Durchschnitte haben stets die Schmerzen an der In- 
jectionsstelle etwa 3 Tage gedauert. Hierin muss ich 
mich den Angaben Welander’s anschliessen. Solche 
Patienten, welche vorher mit Calomelinjectionen behan¬ 


delt worden waren, behaupteten, die Schmerzhaftigkeit 
sei bei beiden Mitteln die gleiche. Somit hat nach mei¬ 
nen Befunden das Salicylquecksilber in dieser Beziehung 
vor dem Calomel keinen Vorzug. 

Die toxischen Eigenschaften des Quecksilbers auf den 
Magendarmcanal machten sich vielleicht in einem Falle 
geltend. Nach der 2. Injection trat eine leichte Gas¬ 
troenteritis auf, die nur auf die Quecksilberwirkung zu¬ 
rückgeführt werden konnte. Zwei ähnliche Angaben fin¬ 
den sich in der Selenew’schen Arbeit. Die Durch¬ 
fälle dauerten etwa 8 Tage. Späterhin, als die Injectio¬ 
nen wiederaufgenommen wurden, traten dieselben nicht 
mehr auf. In Bezug auf sonstige Vergiftungserscheinun¬ 
gen durch das Quecksilber muss ich hervorheben, dass 
eine stärkere Stomatitis nicht vorkam. In 16% der Fälle 
kam es zu leichter Gingivitis, ohne Salivation, und ohne 
Zerfall des Zahnfleisches. Erytheme, wie sie mehrfach 
von Pluraert, Hahn, Selenew und Fischer beschrie¬ 
ben worden sind, kamen nicht zur Beobachtung, ebenso 
wenig embolische Infarcte 17 ). 

Was nun die Häufigkeit der nach dem Gebrauch des 
einen oder des anderen Präparates auftretenden Reci- 
dive betrifft, so ist es ungemein schwer, ja fast unmög¬ 
lich, bei einem in so ausserordentlich mannichfacher Wei¬ 
se auftretenden Krankheitsbilde, wie bei dem der Lues zu 
sagen, in wie weit einem der gebräuchlichen Quecksilberprä¬ 
parate vor den anderen der Vorzug zu geben ist. In einem 
meiner Fälle trat einen Monat nach dem Aussetzen der 
Injectionen eine acute Iritis syphilitica auf, die jedoch 
nach Anwendung einer Inunctionscur mit entsprechender 
localer Behandlung glücklich beseitigt wurde. Nocli bei 
2 anderen Kranken traten im Verlaufe von 3 bis 4 Mo¬ 
naten manifeste Symptome auf. Weitere Recidive ge¬ 
langten bei der allerdings nur kurzen Beobachtungszeit 
von 9 Monaten nicht zur Cognition. 

Bei der Zusammenfassung unserer Resultate können 
wir unsere Schlüsse etwa dahin formuliren, dass erstens 
die 10% Hydrargyrum-salicylicum-Vaselinemulsion inso¬ 
fern Vorzüge vor den übrigen in derselben Weise ge¬ 
brauchten unlöslichen Quecksilbersalzen besitzt, als sie 
eine unleugbar kräftig zu nennende antisyphilitische Wir¬ 
kung mit nur geringen Reactionserscheinungen und einer 
nur minimalen Gefahr toxischer Erscheinungen verbin¬ 
det. Vergleichen wir unser Präparat mit der früher 
in der Universitätsabtheilung des Dorpater Stadthospi¬ 
tals von Hau dring 18 ) angewandten 10% Calomelölsus- 
pension und der von Hartmann ,9 ) gebrauchten 10% 
öligen Suspension von Hydrargyrum oxydulatum nigrum, 
so hat das Salicylquecksilber vor beiden den Vor¬ 
zug, geringere örtliche Reactionserscheinungen 
hervorzurufen, während die curative Wirkung doch 
keine schwächere genanrlt werden kann, wie solches aus 
den eben citirten Arbeiten hervorgeht. Allenfalls mag 
zugegeben werden, dass die von Hau dring ausgeführten 
Calomelinjectionen zuweilen die syphilitischen Krankheits¬ 
erscheinungen etwas rascher zum Schwinden brachten. 
Doch dürfte es darauf wohl kaum sehr ankommen. Da¬ 
gegen besitzt das Hg. salicyl. einen anderen Vorzug. Wäh¬ 
rend nämlich auf 274 von Haudring ausgefiihrte Calo¬ 
melinjectionen 6 Abscedirungen und auf 294 von Hart¬ 
mann gemachte Einspritzungen von Hg. oxydul. nigr. 
10 Vereiterungen kommen, habe ich bei 126 von mir 
applicirten Injectionen des Hg. salicyl. keinen ein¬ 
zigen Abscess beobachtet. Da ich meine Injectionen 
genau nach demselben Verfahren und mit denselben Cau- 
telen, wie Haudring und Hartmann ausführte, so kann 
ich diesen günstigeren Procentsatz nur der geringeren 
localen Reizwirkung des injicirten Salicylpräpa- 
rates zuschreiben. Aus diesem Grunde möchte ich in 

,7 ) Lesser. Vierteljahrschr. f. Demi, und Syph. 1888, P. 914. 

1B ) „St, Petersb. med. Woch.“ 1888, JV« 43. 

’ 9 ) „St. Petersb. med. Woch.“ 1890, ft 3. 


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33 


Uebereinstimmung mit den meisten Autoren, welche in 
dieser Angelegenheit das Wort ergriffen haben, dem Hg. 
salicyl. vor dem Calomel und dem schwarzen Quecksilber¬ 
oxydul bei der Behandlung der Syphilis den Vorzug geben. 

Wenn ich der schon so ansehnlich angewachsenen Li¬ 
teratur über das Hg. salicyl. noch meine Resultate hin¬ 
zufüge, so glaube ich zu meiner Berechtigung den Aus¬ 
spruch Neisser’s 20 ) anführen zu können, dass man zur 
Würdigung der Einverleibung schwerlöslicher Quecksil¬ 
bersalze einmal eine Art Sammelforschung anstellen sollte, 
und dass man erst bei einer Zusammenstellung aller der¬ 
artig behandelten Fälle durch das vorhandene grosse sta¬ 
tistische Material zu einer richtigen Beurthcilung kom¬ 
men könnte. 

Der Seeschiamm, sein Ursprung und seine Ver¬ 
wendung in der Hydrotherapie. 

Vortrag, gehalten auf dem II. livlündischen Aerztetage 
von 

Dr. 0. Koppe 
in Pernau. 

M. H.! Es sind die Anschauungen über das Wesen 
und die Bedeutung des Seeschlammes sowohl unter den 
Laien als den Aerzten selbst noch derart getheilt, dass 
ich es nicht für überflüssig hielt, diesen Stoff, der doch 
im Badeleben unserer Provinzen eine so hervorragende 
Rolle spielt, hier zum Gegenstände einer Erörterung zu 
machen. In allen flachen und windgeschützten Buchten 
der baltischen Küste, welche bei der eigentümlichen 
Bodenformation unseres Festlandes meist nach Süden ge¬ 
legen sind, findet sich dort, wo ein thonhaltiger Boden 
einen Pflanzenwuchs ermöglicht, auch eine mehr weniger 
mächtige Schicht Seeschlamm abgelagert; insbesondere 
sind es die Mündungen der Flüsse und Bäche, sowie die 
flachen communicirenden Bassins, welche einen grossen 
Schlammreichthum aufweisen. Grosse Schlammbecken 
finden sich z. B. in der Hapsalschen Bucht, der südlich 
davon gelegenen sogenannten Matzal-Wieck, an der Süd¬ 
küste Estlands, im kleinen Sunde, an der Südküste Oe- 
sels, in der Pernauschen Bucht u. s. w. 

Beobachtet man in einer besonders windstillen Bucht 
die Bildung des Schlammes, so sieht man den im Früh¬ 
jahr klaren Wasserspiegel sich im Sommer mit einer 
buntschillernden Schlammschicht bedecken, welche sich 
alsbald zu Boden senkt und von der Sonne bebrütet 
wird. Bei näherer Untersuchung des im Laufe der Jahre 
derart angesammelten Schlammes findet man obenauf¬ 
liegend eine schwärzliche lockere Masse, welche von kreuz 
und quer verlaufenden halbverwitterten Tflanzenstengeln 
durchsetzt ist, dann folgt eine compactere bläuliche seifen¬ 
artig glatte Masse, welche sich in den Fingern voll¬ 
ständig verreiben lässt: der eigentliche Badeschlamm; 
darunter liegt eine Schicht reinen Lehms, welcher seiner¬ 
seits dem sandigen Meeresboden aufliegt. Während die 
eigentliche Schlammschicht meist nur einige Zoll bis ein 
Paar Fuss mächtig ist, kann sie in tiefen Gruben und 
Löchern dadurch, dass sie dieselben bis zum Rande aus¬ 
füllt, bis zu ein Paar Faden Tiefe anwachsen. Stösst 
man die Ruderstange in diese weiche Masse, so haftet 
sie fest in dem darunter liegenden Lehm und es steigen 
lebhaft Gasblasen auf, während sich ein starker Geruch 
nach SHs entwickelt. An der Luft trocknet der Schlamm 
zu einer bräunlichen lehmartigen Masse ein, welche 
den von feinen Pflanzentäden durchsetzt ist und sich zwischen 
Fingern leicht zu einem feinen Pulver verreiben lässt. 

Es unterliegt somit keinem Zweifel, dass der See¬ 
schlamm, soweit sein organischer Ursprung in Betracht 
kommt, aus Vegetabilien (Schilf, Binsen, Tangen, Schma- 


P. 


*•) Verhandl. der deutschen dermat. Gesellsch. I Congress. 
335. 


rotzerpflanzen etc.) sich bildet; im Uebrigen ist die Haupt¬ 
masse mineralischer Natur, nämlich kieseis. Thonerde, 
Lehm. Das lehrt seine Entwickelungsgeschichte, das lehrt 
der äussere Augenschein, das lehrt seine Schwere und 
schliesslich die chemische Analyse. Für die skeptisch an¬ 
gelegten Herren Collegen habe ich einige Schlammproben 
aus Hapsal und Pernau vom Töpfer brennen lassen; Sie 
sehen wie daraus ganz respectable Ziegelsteine entstanden 
sind, wenn ihnen auch die Härte und Festigkeit abgeht, 
was sich aus dem dumpfen Klang und der grossen Brü¬ 
chigkeit erkennen lässt. 

Genaue chemische Analysen des Seeschlammes besitzen 
wir von Herrn Prof. C. Schmidt in Dorpat. Ich lege 
Ihnen eine solche des Hapsalschen Schlammes vom Jahre 
1880 vor. Der Uebersichtlichkeit wegen ist die Reihen¬ 
folge der Stoffe von mir etwas abgeändert worden: 

CHEMISCHE ANALYSE 
des Hapsalschen Badeschlammes 

von Prof. C. Schmidt, Dorpat 1880. 

Wasser mit SHs und CO 2 gesättigt. . . 44,592 


Thonerde und Silicate. 48,926 

Organischer Glühverlust.2,36G 

95,884 


In Wasser lösliche Salze: 

Chlornatrium. . . . 

Schwefels. Kalk. . . 

Chlorkalium .... 

Schwefels. Magnesia. . 

Schwefelammonium. . 

Schwefelcalcium . . . 

Chlorcalcium ... . 

Chlormagnesium . . . 

Brommagnesiura . . . 

Natr. an CO 2 gebunden 

Kohlensaurer Kalk . . 

Schwefeleisen. . . . 

Phosphors. Kalk . . 


Sie sehen, m. H., dass Lehm und Sand die überwie¬ 
gend grösste Masse ausmachen. Von 55,5 Theilen fester 
Substanz entfallen darauf ca. 49 Theile; in die übrig¬ 
bleibenden ca. 6 Theile theilen sich: organ. Substanz 
mit 2,3 Theilen, in Wasser lösliche Salze ebensoviel, wo¬ 
von aber fast Alles auf Rechnung des Kochsalzes kommt. 
Den Rest bilden unlöslicher kohlensaurer Kalk und Schwe¬ 
feleisen. Von den so viel betonten Jodsalzen finden wir 
nichts, von Bromverbindungen nur Spuren, die nicht in 
Betracht kommen. Wir werden uns also wieder dem 
Lehm zuwenden und die Rolle, die er dabei spielt, näher 
betrachten müssen. Auf den ersten Blick sollte man 
glauben, der Lehm selbst bilde sich aus der Zersetzung 
der organischen Substanz, stelle gewissermaassen das End- 
product derselben dar; doch ist gerade das Umgekehrte 
der Fall. Die Pflanzenasche enthält bekanntlich gar keine 
Thonerde; die letztere ist ein Schwemmproduct des Granits, 
speciell des Feldspaths, welcher aus kieselsaurem Alkali 
und kieselsaurer Thonerde besteht. Von glühend heis¬ 
sen Wassermassen in Lösung gebracht, soll die schwei- 
lösliche kieselsaure Thonerde, wie die Mineralogen an¬ 
nehmen, als feiner Niederschlag sich abgelagert haben. 

Die Wasserströmungen schwemmten diese Lehmtheil- 
chen immer mehr in die Flussbetten hinein, wo sich 
dann mächtige Lager bildeten, die sich auch weit um 
die Mündungen in’s Meer hinein erstrecken. Der Lehm 
führt nun vermöge seiner Bindigkeit und seines Absorp¬ 
tionsvermögens für gasförmige Stoffe eine Menge Nähr- 

4* 

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1,960 

0,154 

0,126 

0,091 


Spuren. 


2,331 

0,424 

1,362 

Spuren. 

T/786 

100,000 
















34 


material dem Pflanzenwuchse zu, welcher seinerseits den 
Lehm durchsetzt und ihm die lockere Beschaffenheit 
ertheilt, welche den Seeschlamm auszeichnet. Auf dieser 
Wechselbeziehung zwischen Lehm und organischer Sub¬ 
stanz scheint mir die Eigentümlichkeit des Seeschlammes 
zu beruhen. Die oft mehrere Faden mächtigen Thon¬ 
lager, welche sich in den Flussniederungen träge flies- 
sender Bäche abgelagert finden (z. B. des Embachs, der 
Kurischen Aa, des Kasargenschen Baches in Estland 
u. a.) mögen gerade dem Reinigungsprocess des Pttanzen- 
wuchses ihre Güte verdanken; auch der Lehm unter 
dem Seeschlamm wird von Ziegelbrennern sehr geschätzt. 

Worin bestellt nun die unleugbare Wirkung des See- 
schlammes? 

Da von chemischen Substanzen nur die Gase die Haut 
im Bade durchdringen, so müssten wir, eine chemische 
Wirkung des Schlammes angenommen, die CO 2 und den 
SH 2 als die heilsamen Factoren betrachten; CO 2 haltige 
Bäder werden ja verabfolgt, aber doch nur um einen 
Hautreiz auszuüben; von einer directen Wirkung der 
CO 2 aufs Blut können wir uns nur einen deletären Ein¬ 
fluss versprechen, ist sie doch ein Exhalationsproduct; 
zudem wäre die im Schlamm enthaltene Menge viel zu 
gering um in Betracht zu kommen. Noch weniger lässt 
sich eine günstige Wirkung des SH 2 Gases denken, da 
dasselbe notorisch giftig wirkt. Es müsste denn jede 
Cloakenausdünstung sich medicinisch verwerthen lassen. 
Wohl aber sehen wir Badende in schlecht ventilirten 
Schwefelbädern blass und ohnmächtig werden und hef¬ 
tige Kopfschmerzen davontragen. 

Bei Hautkrankheiten wäre ein Erfolg denkbar, doch 
perhorresciren bekanntlich manche Autoren die Bäder 
überhaupt bei Hautkrankheiten. Wie aber soll der SH 2 
auf eine Spondylitis, eine Parainetritis, eine Coxitis oder 
Gonitis etc. günstig einwirken V 

Es blieben also, um von einer chemischen Wirkung 
des Seeschlammes zu sprechen, nur die hautreizenden 
Stoffe, d. h. die in Wasser löslichen Salze übrig. Wie 
wenig wir aber im Allgemeinen von Hautreizen Wirkung 
erwarten können, wissen wir aus der internen Therapie; 
das kräftigste Blasenpflaster hat nur eine beschränkte 
Indication; was können wir da von einem Hautreiz er¬ 
warten, der die Haut nicht einmal röthet? Ganz anders 
ist der Hautreiz des Seewassers, wo der Kältereiz mehr¬ 
fachen Indicationen entspricht. Im warmen Schlammbade 
ist der Hautreiz = 0, sollte es wenigstens sein, denn 
was würde entstehen, wenn alle Schlammbadenden Haut¬ 
ausschläge bekämen, anstatt die etwa vorhandenen zu 
verlieren! 

Da es die chemischen Eigenschaften also nicht sind, 
welche dem Seeschlamm die oft erstaunliche Wirkung 
verleihen, so bleibt meiner Meinung nach nur seine phy¬ 
sikalische, d. h. die Wärmewirkung übrig. Stellen wir 
uns die Aufgabe den menschlichen Körper auf die wirk¬ 
samste und doch schonendste Weise zu erwärmen. Wir 
werden dazu dasjenige Medium wählen, welches bei ge¬ 
ringstem Temperaturunterschiede dennoch seine Wärme 
gleichmässig und nachhaltig überträgt. Im anderen Falle, 
bei plötzlicher Uebertragung höherer Temperatur müsste 
eine Verbrennung stattfinden. Das Eisen würde seine 
Wärme abgeben und selbst erkalten; in heissem Zu¬ 
stande würde es den Körper verbrennen, in kaltem zum 
Erfrieren bringen. Ausserdem bestände die Schwierigkeit 
den ganzen Körper damit in gleichmässige Berührung 
zu bringen. Die Luft, als Wärmeinedium betrachtet, eignet 
sich nicht sonderlich dazu, eine schnelle Wirkung zu er¬ 
zielen. Der menschliche Körper ist darauf angelegt grosse 
Temperaturunterschiede der Luft unbeschadet zu ertragen. 
In der Hitze besizt er in der Schweissecretion einen 
Wärmeregulator, der die Haut entsprechend abkühlt, in 
der Kälte ziehen sich die Hautcapillaren zusammen und 
geben weniger Wärme ab. Wirksamer ist die feuchte 


resp. von Wasserdämpfen gesättigte Luft. Hier kann 
keine Verdunstung von Schweiss eintreten, daher der¬ 
selbe alsbald in Tropfen herabriunt. Konnten wir im 
trocknen Heissluftbade („türkischen“ „römisch-irischen“) 
Temperaturen bis 60° R. vertragen, so sind uns hier 
schon 45° R. drückend. Hier haben wir also die ge¬ 
wünschte Wirkung in milder Form, welche sich dabei 
gleichmässig auf den ganzen Körper, die Lungen mit ein¬ 
begriffen, erstreckt. Verzichten wir aber auf die Lungen 
und den Kopf und wollen wir auf den übrigen Körper 
die Wärme noch energischer einwirken lassen, so werden 
wir ein Wasserbad herrichten. Das Wasser umspült den 
Körper nicht nur gleichmässig und gleicht durch die stete 
Bewegung die eigene Temperatur beständig aus, es nimmt 
auch vermöge seiner hohen Wärmecapacität (10 Mal grösser 
als Eisen) viel Wärme auf und giebt sie langsam ab. 
Diese Uebertragbarkeit der Wärme können wir beliebig stei¬ 
gern, wenn wir feste Stoffe im Wasser in Lösung oder 
feinste Verkeilung bringeu. Das letztere ist beim Schlamm 
der Fall, der sich im Wasser in vorzüglicher Weise auf¬ 
schwemmen lässt, wodurch alle Lehmtheilchen ihre Wärme¬ 
wirkung auf den Körper entfalten können. Dass der 
gesteigerte Wasserdruck dabei auch eine Rolle spielt, ist 
sehr wahrscheinlich. Steigt man in ein Schlammbad, so 
hat man das Gefühl, als wäre das Bad viel heisser als 
es in Wirklichkeit ist. 

Man könnte fragen, warum nicht einfach Lehmbäder 
angerichtet werden. Es gelingt das, wie Verfasser sich 
selbst überzeugt hat, nicht. Der Lehm hat so grosse 
Neigung sich zu festen Klumpen zusammenzuballen, dass 
er sich nur schwer erwärmen lässt und sich in der Wanne 
sofort am Boden ablagert. 

Von denselben Principien ausgehend coustruiren wir 
auch die Moorbäder, wo der Kranke in einen compacten 
Brei von erwärmter Moorerde gesetzt wird. Hier haben 
wir eine zum grösseren Theil organische Substanz von 
hoher Wärmecapacität, welche ihre Wärme langsam und 
gleichmässig überträgt. 

Auch „Schlempe-“ oder „Brage“-Bäder entsprechen in 
hohem Grade den oben erwähnten Anforderungen. Die¬ 
selben haben ausserdem den Vortlieil, dass sie während 
des Winters sich billig herstellen lassen, indem man die 
heisse Schlempe aus einer Brennerei bezieht und sie 
ohne Weiteres benutzen und später noch dem Vieh ver¬ 
füttern kann. 

Was die Anwendungsweise des Seeschlammes betrifft, so 
muss es uns zunächst darauf ankommen, ihn von aller 
Beimischung, von Pflanzenfasern, Sand und Steinen durch 
Durchseihen zu reinigen; sodann werden wir auf die 
gründliche Erwärmung desselben unser Hauptaugenmerk 
richten. Ein einfaches Bebrühen mit heissem Wasse 
dürfte kaum genügen; es ereignet sich dabei leicht, 
dass der nur oberflächlich erwärmte Schlamm sich als¬ 
bald in kalten (Klumpen am Boden der Wanne abla¬ 
gert. Ein gründliches Durchkochen unter ständigem 
Umrühren scheint daher geboten, sei es auch nur, um 
alles animalische Leben sicher abzutödten. Dass für aus¬ 
reichende Ventilation der Baderäume Sorge getragen werden 
muss, ist selbstverständlich. Es dürfte praktisch sein, die 
Wanne stets mit einem Holzdeckel zu versehen, um so¬ 
wohl die Einathmung der Gase, als auch die Abkühlung 
des Bades zu verhindern. Wollen wir einzelne Körper- 
theile einer möglichst energischen Schlamm Wirkung aus¬ 
setzen, so bereiten wir uns Leinwandsäcke, welche mit 
compactem Schlammbrei gefüllt, entweder als Kataplasmen 
aufgelegt oder in welche in der Wanne die Extremitäten 
gesteckt werden; auch kann man isolirte Arm- und Bein¬ 
wannen construiren. 

Das Wesentlichste obiger Darstellung lässt sich in 
nachstehende Sätze zusammenfassen: 

1) Die Bedingungen für die Bildung des Seeschlammes 
finden sich überall da, wo in flachen Buchten der thon- 


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haltige Meeresboden einen reichlicheren Pflanzen wuchs 
ermöglicht. 

2) Es kommt beim Seeschlamm nicht auf die chemi¬ 
sche Zusammensetzung, sondern auf seine physikalischen 
Eigenschaften an. 

3) Der Schlamm muss geruchlos sein und darf keine 
hautreizenden Stoffe enthalten. 

4) Die Schlammwirkung ist im Wesentlichen eineLehm- 
wirkung, d. h. eine Wärmewirkung. 


Referate. 


H. 


des Eiweissge- 
pathologischer 


Citron. Zur klinischen Würdigung 
haltes und des specifischen Gewichts 
Flüssigkeiten. (Deutsch. Arch. f. kl. Med. B. 4(5. H. 2.) 

Verf. beantwortet die Fragen: welchen Werth die Eiweiss- 
und Dichtebestimmungen in den pathol. Flüssigkeiten tür die 
klinische Diagnose bieten und ob der Eiweissgehalt zum spec. 
Gewicht in Beziehung stehe und durch welche hormel diese 
Beziehung sich ausdrücken lasse. Die Runeberg’sehe Formel 
ergiebt nur in 50°/o richtige Resultate, ist also für den einzel¬ 
nen Fall werthlos. Der Reuss’sehen Classification der Trans- 
und Exsudate nach dem spec. Gewichte weist er eine bis 
84,6°/o hinaufreichende Häufigkeit der Ausnahmen nach und 
fasst seine Resultate in folgenden Worten zusammen: „Selbst 
die sorgfältigste Ermittelung des spec. Gewichtes gestattet einen 
nur annähernden Schluss anf den Eiweissgehalt patholog. h lüs- 
sigkeiten, und 2) das spec. Gewicht, wie der Eiweissgehalt sind 
nur mit grosser Vorsicht für die Diagnose zu verwenden; ins¬ 
besondere sind entzündliche Erkrankungen bei niedrigen Wcr- 
then nicht mit Sicherheit auszuschliessen. Die Wahrschein¬ 
lichkeit eines entzündlichen Processes wächst, je mehr das spec. 
Gewicht 1016, der Eiweissgehalt 3°/o überschreitet. Der letzte 
Satz wird durch zwei Krankengeschichten belegt. 

W. Gerlach. 

J. Boas. Ueber Dünndarniverdauung beim Menschen 
und deren Beziehung zur Magenverdauung (Zeitsehr. 
f. kl. Med. Bd. XVII. H. 1, 2). 

Verf. theilt seine künstlichen Verdauungsversuche mit, welche 
er an einem Darmsecrete angestellt hatte, das mittelst einer 
Schlundsonde dem nüchternen Magen solcher Individuen ent¬ 
nommen worden war, bei denen in 90 n /o der Fälle eine durch 
habituelles Erbrechen entstandene „Hvperactivitätsparese des 
Pylorus das Regurgitiren des Darmsaftes in den Ventrikel ge¬ 
stattete. Die so gewonnene Flüssigkeit war, abgesehen von ein¬ 
zelnen Schleimflocken, völlig klar, moosfarbig, alkalisch und 
sehr leicht faulend. Sie enthielt Pankreasfermente, Galle, Leucin, 
Tyrosin, kein Eiweiss und keinen Zucker. Ihre amylolytische 
Wirkung war etwa ebenso stark wie die des Speichels, die tryp- 
tische geringer als die peutonisirende des Magensecretes. hett 
wurde zwar gespalten doch nicht emulgirt. , 

Durch Mischung dieses Secretes mit einem während der Ma- 
genthätigkeit entnommenen Magensafte in einem eigens dazu con- 
struirten Apparate, sucht Verf. der natürlichen ^ erdauung mög¬ 
lichst analoge Verhältnisse zu gewinnen und gelangt so zur 
Aufstellung dreier Stadien der Darmverdauung: 1) „praeparato- 
rische“ Dünndarmverdauung, 2) eine 2 —7 Stunden andauernde 
Magensaftverdauuug und 3), wenn keine Salzsäure mehr aus 
dem Magen dem Darme zugeführt wird, die eigentliche Darm¬ 
verdauung, wobei das durch die Säure in der zweiten Periode 
naralvsirte Pankreasferment von neuem wirksam werden kann. 
Da jedoch Verf. unter Anderem den Saft des thätigen Magens 
mit demjenigen des unthätigen Darmes zusammenbringt, so er¬ 
scheint eine Uebertragung dieser Resultate auf die normale 
Darmverdauung als gewagt und es haben daher auch des y ert. s 
Betrachtungen in Bezug auf die Darmverdauung bei Magen¬ 
krankheiten nur bedingten Werth. Sie lassen sich kurz dahin 
zusammenfassen, dass bei Abschwächung der motorischen Kraft 
des Magens sofort eine günstige Darmverdauung mit etwas pro- 
trahirtem Verlaufe sich einstellt; dass bei der Hyperacidität so¬ 
fort das zweite Stadium, also die Magensaftverdauung eintritt 
und bis zum Schlüsse bleibt und eine mangelhafte Ausnutzung 
von Fett und Amylaceen erzeugt;—dass bei Anacidität von 
Anfang bis zum Ende eine Darmsaftverdauung stattfindet, dabei 
jedoch die Gefahr der Zersetzung der Ingesta durch Gallen- 
und Bauchspeichclfäulniss vorliegt, und dass endlich bei llypaci- 
dität die Ausnutzung der Nahrung eine etwa normale ist. 

Therapeutisch verwirft Verf. bei Auacidität die Salzsauredar- 
reichung während der Magen Verdauung, empfiehlt sie dagegen, 
an der aarmdesinficirenden Kraft der l hlorwasserstoffsäurc test¬ 
haltend, auf der Höhe der Darmverdauung. um so der Fäulniss 
entgegen zu wirken. w - Gerlach. 


BUcheranzeigen und Besprechungen. 

Bibliographischer Index der russichen medicini- 
schen Literatur herausgeg. v. Dr. K. I. Zmigrodsky. 

I. Jahrg. Lief. 1 u. 2 (Jan.—Juni 1890). St. Petersb. 1890. 

r»H6jiiorpa(|)HnecKiö yaaaaTe.ih pocciäcKoft MejH- 
UHHCKOÄ JHTepatypu Hawaii. ,J-poin. K. H. 3mh- 
rpojCKKMi, roÄ"B nepßuft, BhinycKi. uepBufl h BTopofi 
(flHBapb— Iiohb 1890). C.-HeTepöyprb. 1890. 

Wir begrüssen in dieser Publication ein literarisches Unter¬ 
nehmen, welches gewiss eine empfindliche Lücke in der russi¬ 
schen medicini8chen Presse ausfüllen und einem tliatsächlich 
vorhandenen Bedürfnisse aller literarisch thätigen inländischen 
Collegen entsprechen wird. Der geehrte Herr Redacteur und 
Herausgeber hat sich die dankenswerthe Aufgabe gestellt, in 
diesem Index ein möglichst vollständiges und genaues Verzeich¬ 
niss sämmtlicher im russischen Reiche verfassten, in russischer 
oder in einer anderen Sprache, im Inlande wie im Auslande 
erscheinenden medicinischen Publicationen zu geben. Wie schon 
aus dem Worte „pocciflcKofl“ (nicht etwa „pyccicoft“) hervorgeht, 
sollen auch die polnischen Landestheile, die Ostseeprovinzen 
und Finland berücksichtigt werden. Ein jedes der vier im 
Laufe eines Jahres erscheinenden Hefte gliedert sich nach den 
einzelnen Disciplinen in einundzwanzig Abschnitte, innerhalb 
welcher die Titel- und Quellenangaben in der alphabetischen 
Reihenfolge der Antorennamen aufgeführt werden (erst die rus¬ 
sischen, dann die deutschen, polnischen, schwedischen etc., end¬ 
lich die Uebersetzungen ins Russische); am Schlosse des Jahr¬ 
ganges wird ein Sach- und Namenregister erscheinen. Sollte 
das Unternehmen den erwünschten Erfolg haben, was wir und 
unsere Leser hoffen wollen, so ist eine zweite Ausgabe des In¬ 
dex in französischer Sprache in Aussicht genommen. Ferner 
beabsichtigt die Redaction mit der Zeit nicht nur Titelangaben 
sondern auch Referate und Besprechungen der wichtigeren Ar¬ 
beiten zu bringen. Endlich sollen auch biographische Notizen 
über hervorragende inländische Aerzte Aufnahme finden. Der 
Abounementspreis beträgt nur 2 resp. 3 Rbl jährlich, Druck 
und Ausstattung lassen Nichts zu wünschen übrig. Aus dem im 
Vorworte der Kedaetion enthaltenen historischen Rückblicke ist 
zu ersehen, dass die bisherigen Versuche auf dem Gebiete der 
russischen medicinischen Bibliographie sich leider einer sehr ge¬ 
ringen Unterstützung von Seiten der ärztlichen Kreise zu er¬ 
freuen hatten. Um so dringender möchten wir unsererseits zu 
einer recht energischen Förderung dieses ebenso sympathischen 
wie nützlichen Unternehmens auffordern. Solches hätte sowohl 
durch möglichst zahlreiche Abonnements wie durch gewissen¬ 
hafte Zusendung von Separatabzügeu oder genauen Titelanga¬ 
ben von Seiten der Autoren an den Redacteur des Index zu 
geschehen. Herrn l)r. Zmigrodsky aber wollen wir einen er¬ 
folgreichen Fortgang seiner mühevollen Arbeit wünschen and 
ein herzliches „Glück auf!“ zurufeu. B. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

Sitzung am 16. October 1890. 

(Fortsetzung). 

4) Dr. Moritz giebt einen Beitrag zur Behandlung serö¬ 
ser Pleuraexsudate. Eine seröse exsudative Pleuritis gehört 
zwar nicht zu den sehr gefährlichen Krankheiten, indem die 
meisten Patienten davon genesen; manchmal jedoch wird das 
Exsudat im weiteren Verlaufe eitrig oder es wird eine bis dahin 
latente Lungentuberculose zur Phtnise; einen direct tödtlichen 
Ausgang einer einfachen serösen Pleuritis hat Vortr. zuletzt vor 
20 Jahren gesehen, heut zu Tage wird einem solchen wohl im¬ 
mer durch die Operation vorgebengt. Dennoch ist es nicht un¬ 
wichtig, eine zuverlässige, allgemein anwendbare Methode zu 
besitzen, welche geeignet ist, möglichst rasch die Resolution des 
Exsudates zu bewirken. Denn je länger das Exsudat die Lunge 
comprimirt hält, desto schlechter sind die Chancen für das spä¬ 
tere Leben, desto grösser die Gefahren etwaiger Folgezustände. 
Manche Autoren verlangen die operative Entfernung des Exsu¬ 
dates nach Ablauf von 3 Wochen, falls keine Resorption begon¬ 
nen hat; wenn man aber auch über die Nothwendigkcit einer 
operativen Behandlung nicht nur eitriger sondern auch hartnä¬ 
ckiger seröser Ergüsse im Allgemeinen einig ist. so bestehen doch 
Differenzen in Bezug auf den Zeitpunct des Eingriffes, die Me¬ 
thode der Operation etc. Für diejenige Periode der Krankheit, 
in welcher die Aufgabe der Therapie in der Beförderung der 
Resolution besteht, giebt es keine allgemein gütigen Normen 
für die Behandlung. Vortr. hat zu verschiedenen Zeiten gleich¬ 
falls verschiedene Mittel angewandt: Milch, Diuretica. Schwitz- 
curen, Ableitungen etc., in den letzten Jahren aber besonders 
gute Erfolge von einem im Folgenden näher anzugebenden Ver¬ 
fahren gesehen, welches, an sich nicht neu, durch die Combiua- 
tiou und zeitliche Aufeinanderfolge bereits bekannter Heilpoten¬ 
zen sich als sehr wirksam erweist. Dasselbe hat in der Kegel 
zu Ende der ersten oder zu Anfang der zweiten KrankheitsWo¬ 
che zu beginnen, d. h. za einer Zeit, wo das Fieber nicht mehr 


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ansteigt, die Stiche geschwunden sind und ein umfangreiches 
flüssiges Exsudat nachweisbar ist; es besteht in einer energi¬ 
schen Diaphorese, bei welcher das Antipyrin die Haupt¬ 
rolle spielt. Der meist noch fiebernde und das Bett hütende Pat. 
erhält bald nach der Hauptmahlzeit 1,5—2,0 Grm. Antipyrin, 
und zugleich eine Compresse echauffante um den Thorax; da¬ 
bei ist es von Wichtigkeit, dass die Compresse nur etwa 8 /< des 
Thoraxumfanges einnehme und 7< desselben nur vom trocknen 
Flanell umspannt werde, damit bei ausgiebiger Athmung die 
unnachgiebige Compresse nicht Luft zwischen sich und den 
Thorax ansauge. Darnach pflegt eine mässige Transspiration 
einzutreten; ist der Schweiss profus, so vermindert man die An- 
tipyringabe oder lässt die Compresse fort. Am Abend, nach 
der letzten Mahlzeit, wenn Pat. sich zur Nachtruhe bereitet hat, 
erhält er wiederum eine solche Compresse und diesmal 1,5— 
2,5 Grm. Antipyrin zugleich mit einem warmen Getränk, am 
besten heissem Punsch. Diese Combination äusserer und inne¬ 
rer Diaphoretica producirt meist eine profuse Transpiration 
welche 1—2 Stunden anhält und auch während des darauf fol- 

enden Schlafes, nach Entfernung der Compresse und Wechsel 

er Wäsche, von massiger Schweissabsonderung gefolgt ist; am 
Morgen findet man die Temperatur gewöhnlich gesunken, Pat. 
ist etwas matt, aber fühlt sich behaglich und hat Appetit. Diese 
schweisstreibenden Proceduren werden Nachmittags und Abends 
etwa 2—3 Wochen lang wiederholt; dazwischen kann ein Vesi- 
cator für einige Tage die Compresse ersetzen, während die An¬ 
tipyrin- und runscn-Cur ohne Unterbrechung fortgeht. Die 
Diät ist eine leichte, flüssige; es wird viel Milch, wenn möglich 
saure Milch, gereicht. Unter dieser Behandlung resorbiren sich 
die meisten serösen Exsudate ziemlich rasch; sehr bald tritt als 
Zeichen beginnender Resorption wieder pleuritisches Reiben 
auf. Selbstverständlich passen nicht alle Fälle für diese Be¬ 
handlung, welche auch je nach Umständen zu modificiren ist. 
Perikarditis giebt im Allgemeinen keine Contraindicatiou, doch 
wird man bei derselben, wie überhaupt da, wo das Herz nicht 
ganz zuverlässig ist. besonders aufmerksam das Verhalten des 
Pulses während und nach den Schwitzproceduren controlliren; 
auch die Antipyringaben dürfen in solchen Fällen nicht allzu 
dreist sein, Vesicatoren dagegen sind sehr zu empfehlen. Auch 
eine gleichzeitig vorhandene tuberculöse Spitzenaffection contra- 
indicirt das genannte Verfahren nicht, es sei denn, dass hekti¬ 
sches Fieber mit profusen Schweissen bereits besteht. Bei chro¬ 
nischen Spitzeninnltraten wird man je nachdem Kreosot, Ter- 
penthin etc. anwenden können; solchen Kranken hat Vortr. 
zur Unterstützung der Diaphorese des Abends anstatt ander¬ 
weitigen Getränkes einen heissen Eiergrog gereicht. Das We¬ 
sentliche der hier beschriebenen Behandlung liegt in der Dia¬ 
phorese; das Antipyrin hat Vortr. zu diesem Zwecke stets gute 
Dienste geleistet, doch kann es auch durch andere analoge Mit¬ 
tel: Antifebrin, Phenacetin, Natr. salicyl. etc. ersetzt werden; 
Pilocarpin scheint wegen der Wirkung auf das Herz bedenk¬ 
licher. 

Veranlassung zu obiger Mittheilung hat der Umstand gege¬ 
ben, dass im Juli-Heft der Therapeutischen Monatshefte sich 
ein Aufsatz von Dr. Tetz (Ljublin) findet, in welchem die frü¬ 
her von Aufrecht eingeführte Behandlung der serösen Pleu¬ 
ritis mit Natr. salicyl. warm empfohlen wird; letztere Behand¬ 
lungsmethode war vortr. nicht bekannt, die grosse Ueberein- 
stimmung in der Wirkungsweise des Natr. salicyl. und des An¬ 
tipyrin berechtigen ihn jedoch, seine Antipynn-Erfolge auch 
als Empfehlung für die verwandte Behandlungsweise Aufrecht’s 
anzusenen, ebenso wie er umgekehrt die günstigen Resultate 
des Natr. salicyl. als Stütze für seine Antipyrin-Behandlung in 
Anspruch nehmen möchte. 

Dr. Lunin bemerkt hierzu, dass es bei innerer Darreichung 
von Natr. salicyl. gelungen ist, dasselbe im pleuritischen Exsu¬ 
date direct nachzuweisen; für das Antipyrin liegt ein solcher 
Naclweis noch nicht vor, doch wird er kommenden Falles viel¬ 
leicht geliefert werden können. 

5) Dr. Biel (Gast) zeigt einige neue, im Auslande herge¬ 
stellte Antropnore für die Urethra, die Prostata und den 
Uterus. 

Dr. Petersen hat Kölner Antrophorc gebraucht anstatt In- 
jectiouen; dieselben wurden gut vertragen und erwiesen sich 
sehr wirksam. 

Dr. Assmuth ist mit den ausländischen Antrophoren, beson¬ 
ders mit solchen von Thallin bei Prostataleiden gleichfalls zu¬ 
frieden gewesen, kann ihnen besondere Vorzüge aber nicht zu¬ 
erkennen. 

Dr. Biel weist darauf hin, dass bei einem guten Antrophor 
die in der Achse desselben verlaufende Spirale niemals zum Vor¬ 
schein kommen darf; die inländischen Antrophorc scheinen 
aber dieser Anforderung nicht zu genügen. 

Sitzung am 30. Octobcr 1890. 

ln Ergänzung des Protokolls der vorigen Sitzung theilt Dr. 
v. Schröder mit, dass bei dem in der Chloroformnarkose Ver¬ 
storbenen die von Dr. Kuskow (Marienhospital) ausgeführte Sec- 
tion in Bezug auf die Todesursache ein negatives Resultat er¬ 
geben hat; weder am Herzen, noch auch an den grossen Ge- 


fässen waren krankhafte Veränderungen sichtbar, abgesehen 
von einigen kleinen atheromatösen Plaques in der Aorta; die 
Respirationsorgaue zeigten, ausser einigen Adhäsionen der Lün¬ 
en, nichts Abnormes; es bestand kein Respirationshinderniss; 
ie Leber nur vergrössert. Als Todesursache ist demnach wohl 
eine Herzlähmung anzunehraen. 

Zu dem in voriger Sitzung von Dr. Lunin gehaltenen Vor¬ 
trage über Intubation bemerkt Dr Schmitz, dass sich neuer¬ 
dings sehr maassgebende Stimmen gegen dieses Verfahren er¬ 
heben; so sei dasselbe z. B. in der Thiersch’schen Klinik 
ganz aufgegeben worden. Dr. Lunin glaubt in seinem Vor¬ 
trage die Vortheile und Nachtheile der Intubation gegenüber 
der Tracheotomie genügend erörtert und besonders auch jene 
Fälle erwähnt zu haben, in welchen, durch Hinabstossen der 
Membranen durch die Tube, die sofortige Tracheotomie notli- 
wendig werden kann; in den Fällen von Thier sch scheint es 
sich vorwiegend um sehr schwere Diphtheritis gehandelt zu 
haben. 

1) Dr. Hagen-Torn stellt einen Knaben im Alter von 1 
Jahr und 3 Monaten vor, mit (doppelseitiger) angeborener 
Luxation des unteren Endes der Fibula. Die genannte 
Anomalie findet sich in den gebräuchlichen Handbüchern nicht 
erwähnt; Vortr. hat dieselbe bisher zweimal zu sehen Gelegen¬ 
heit gehabt: 

Vor 4 Jahren wurde ihm in Tawolshanka (Gouv. Kursk) die 
5 Tage alte Tochter einer früheren Wärterin des dortigen Kran¬ 
kenhauses zur Untersuchung gebracht, mit der Angabe, dass 
das Kind die Dorsalflexion des rechten Fusses zu ausgiebig aus¬ 
führe. An der Stelle des Malleolus externus war ein Grübchen 
vorhanden, das untere Ende der rechten Fibula nach rückwärts 
verschoben, so dass der Sulcus retromalleolaris verstrichen er¬ 
schien; die das Talo-cruralgelenk bildenden Knochen hatten im 
Uebrigen eine normale Form; keine Unebenheiten an der Dia- 
physe der Fibula. 

Dorsalflexion und Abduction am rechten Fusse beträchtlich 
ausgiebiger als am linken; der Malleolus externus war mit Leich¬ 
tigkeit fast in seine normale Stellung zu bringen, glitt jedoch, 
sich selbst überlassen, wieder zurück. Das Kina war ohne Kunst¬ 
hilfe in Schädellage geboren worden; sechs Wochen vor der 
Geburt hatte die Mutter einen schweren Tisch gehoben und 
beim Anstemmen des Tischrandes gegen den Leib Schmerzen 
bekommen; stärkere Kindsbewegungeu glaubte sie danach nicht 
gefühlt zu haben. So wenig wahrscheinlich die Annahme auch 
sein mochte, dass das Kind dem Drucke des Tischrandes nicht 
ausgewichen wäre, glaubte Vortr. damals doch eine intrauterine 
traumatische, durch dorsale Hyperflexion entstandene Luxation 
vor sich zu haben. Nach 2 wöchentlicher Behandlung mittelst 
eines, nach Reposition des Knöchels, in dem Sulcus retromal¬ 
leolaris durch Gypsverband fixirten Wattebausches wurde eine 
Verringerung der Beweglichkeit des unteren Fibulaendes con- 
statirt. Das Kind soll bald darauf au Durchfall zu Grunde ge¬ 
gangen sein; das Präparat hat Vortr. nicht erhalten können. 

Der zweite Fall betrifft den hier vorgestellten Knaben; der¬ 
selbe wurde dem Vortr. vor ca. 4 Wochen in der Ambulanz der 
Obuchow-Stahlgiesserei vorgestellt, wegen multipler Abscesse im 
Unterhautgewebe; ein Abscess am Scrotum wurde gespalten. 
Bei Gelegenheit des Verbandwechsels gab die Mutter an, dass 
das Kina noch gar keine Gehversuche mache. Das für sein 
Alter recht kleine Kind sitzt gut, mit gekreuzten Beinen, wel¬ 
che ihre Stellung auch dann beibehalten, wenn dasselbe empor¬ 
gehoben wird; es besteht angeborener Strabismus convergens. 
Au beiden Fussgelenken ist die im obigen Falle beschriebene 
Anomalie vorhanden, stärker ausgeprägt am linken Fusse. 
Stellt man das Kind auf die Ftisse, so tritt bei Contraction der 
Mm. peronei die durch letztere bewirkte Rück- und Vorwärts¬ 
bewegung des unteren Endes der Fibula deutlich zu Tage. Die 
Mutter hat während der Schwangerschaft kein Trauma erlitten; 
die Geburt erfolgte bei Schädellage ohne Kunsthilfe; es soll viel 
Fruchtwasser gewesen sein. Auch in diesem Palle soll eine 
orthopädische Behandlung versucht werden. Vortr. glaubt beide 
Fälle als angeborene Luxation des unteren Endes der Fibula 
(analog der angeborenen Hüftgelenksluxation) auffassen zu sol¬ 
len, wofür auch das Fehlen entzündlicher Erscheinungen an 
den Fussgelenken sowie im zweiten P'alle das doppelseitige 
Auftreten der Anomalie zu sprechen scheinen. 

2) Dr. Frautzen demonstrirt ein von ihm am 25. October 
in der Wassili-Ostrow’schen Privat-Heilanstalt operirtes multi- 
loculäres Ovarialcystom. Pat. 26 J. a., vom 14. Lebens¬ 
jahre an regelmässig menstruirt, wurde im Juni 1889 in der 
Gebäranstalt mit der Zange entbunden; damals wurde auch 
schon der Tumor im Abdomen constatirt: derselbe hat sich 
seitdem um das Doppelte vergrössert; seit der Entbindung sind 
die Menses nicht wiedergekehrt. Status: grösster Umfang 
des Leibes 100 Ctm.; die Geschwulst reicht bis 2 Ctm. unter 
den Proc. xiphoid; dieselbe ist beweglich, fluctuirend, weist 
einzelne begrenzte harte Partien von Wallnussgrösse auf; 
Uterus klein, beweglich, dextrovertirt, durch einen? daumen¬ 
dicken Stiel mit dem Tumor verbunden; linkes Ovarium klein¬ 
apfelgross, beweglich. Die Operation war einfach, da nur 
wenige Adhäsionen vorhanden waren und der Tumor sowohl 


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wie das gleichfalls cystisch degenerirte linke Ovarium sich 
leicht entfernen Hessen. Der Bauchschnitt reichte vom Nabel 
bis 2 Ctm. über die Symphyse; die angestochene grosse Cyste 
entleerte ca. 9000 Gnn. einer Kaffeesatzfarbenen Flüssigkeit 
die Tochtercysten hatten colloiden Inhalt. Der Verlauf nach 
der Operation war gut höchste Temperatur: 37,5°. Bei der 
Operation leistete die von Trendelen bürg angegebene, von 
Leopold neuerdings im „Centralblatt für Gvnaekologie“ em- 

J ifohleue Hoch läge rung der Patientin sehr gute Dienste. 
Der Kopf ruht auf dem Operationstische (auf einem Kissen), 
ie Schultern berühren den Rand der Stellplatte, Rücken, 
Nacken und Oberschenkel liegen auf der schrägen Stellplatte 
selbst während die Unterschenkel an einer herabhängenden 
Platte befestigt werden). Der von Leopold angegebene Stell¬ 
apparat hat folgende Maasse: Grundplatte: 128 Ctm. lang, Stell- 

S latte 93 Ctm., Unterschenkelplatte 40 Ctm.; Fuss zum Heben 
er Stellplatte 51 Ctm. Vortr. hat'sich iedoch persönlich davon 
überzeugen können, dass bei dieser Höne des Fusses die Hoch¬ 
lagerung zu steil ausfällt und daher ein starker Blutandrang 
zum Kopfe stattfindet; er hat diesen Uebelstand dadurch ver¬ 
mieden, dass er den Fuss nur 36 Ctm. hoch hat machen lassen. 
Der Vortheil dieser Art der Hochlagerung besteht darin, dass 
die Därme in die Zwerchfellhöhlung zurücksinken und folglich 
nicht in die Wunde vorfallen; im vorliegenden Falle hat Vortr. 
während der ganzen Operation nicht eine Darmschlinge zu Ge¬ 
sichte bekommen. Da ferner die Därme auf diese Weise bei 
der Operation nicht gereizt werden, treten keine Koliken nach 
derselben auf; endlich ist dabei auch die Verdunstung geringer 
und das Durstgefühl nach der Operation weniger quälend. Die 
Narkose verläuft bei dieser Lagerung gut, wenn Leopold da¬ 
bei öfter Cyanose sah, so mag das seinen Grund in der zu 
steilen Lage (bei einer Fusshöhe von 51 Ctm.) gehabt haben. 
Der Stellapparat kann von jedem Tischler hergestellt werden 
und kostet nur 5 Rbl. 

3. Dr. Masing demonstrirt Präparate von einer Section, 
die er vor wenigen Stunden ausgeführt hat. Es handelt sich 
um ein ßjähriges Mädchen, das nach fast ganz überstandener 
schwerer Rachen- und Nasendiphtheritis vor 5 Tagen an hoch¬ 
gradigem Erythema nodos um erkrankt und unter meningi- 
tischen Erscheinungen gestern gestorben war. Die finger- 
uagelgrossen Erythemknoten bedeckten alle 4 Extremitäten, 
waren aber aucli auf den Wangen und vereinzelt am Rücken zu 
sehen. Die DDr. Reimer und Börling hatten sich auch durch¬ 
aus für Erythema nodosum ausgesprochen, die Diagnose darf 
somit als berechtigt angesehen werden. Da Sectionen von 
frischen Fällen von Erytnema nodosum nur sehr selten Vor¬ 
kommen, so verdient jeder einzelne Fall Erwähnung. Die Sec¬ 
tion ergab folgendes: 

Das Herz war ganz gesund, speciell das Endokardium überall 
intact. (Auf Endokarditis wurde besonders gefahndet, weil das 
Ervth. nodos, in manchen Fällen durch Embolien entstehen soll). 

Die Lungen gesund, nur die rechte mit Ausnahme der Spitze, 
die frei war, in toto mit der Brustwand schwer trennbar ver¬ 
wachsen. (Referent hatte das Kind an einer rechtsseitigen 
croupösen Pheumonie am Schlüsse des ersten Lebensjahres be¬ 
handelt; es hatte somit die Verwachsung der Pleurablätter 
5 Jahre bestanden, ohne das Wachsthum der Brusthälfte irgend 
zu beeinträchtigen). 

Die Leber stark vergrössert, durchweg fettig. Auf der hell¬ 
gelben Oberfläche einige Stellen noch ganz besonders weisslich. 

Nieren ganz gesund. (Es war auch keine Albuminurie im 
Leben gewesen). Milz nicht vergrössert. 

Aus dem Sägeschnitt des Schädels flicsst viel blutiges Serum 
aus. Dura mater auf der Scheitelhöhe noch nicht von der Innen¬ 
seite des Schädels trennbar. Die Hirnoberffäche sehr blutreich. 
Pia mater auf beiden Hemisphären auf der Scheitelhöhe trübe, 
etwas verdickt, nicht von der Hirnrinde trennbar und durch¬ 
setzt von feinen Körnchen. (Die mikroskopische Untersuchung 
wird entscheiden, ob es sich um bacilläre Tuberkeln oder begin¬ 
nende Pacchionische Granulationen handelt). An der Hirnbasis 
ist die Pia durchaus gesund, weder in den Sylvi’schen Furchen, 
noch an dem Chiasma Trübung oder Granulation. Die Seiten¬ 
ventrikel enthalten sehr wenig Serum, das Ependym intact, 
keine Erweichung der angrenzenden Theile, z. B. der Com- 
missura mollis. In den Hemisphären beide Substanzen, die 
graue wie die weisse, blutreich. 

Dr. Sesemann hat noch kürzlich einen Fall gesehen, in 
welchem ein Eryth. nodosum einer Lungentuberculose voranging; 
im Gesichte hat S. das Eryth. nodos, bisher nicht beobaentet. 
Dr. Moritz erwähnt einen s. Z. von Pospelow in der St. Pe¬ 
tersburger medic. Wochenschr. mitgetheilten Fall von Eryth. 
nodos, des Gesichtes mit Infiltrationen im Rachen; übrigens ist M. 
der Ansicht, dass die beiden Formen: Eryth. nodosum und 
Eryth. multiforme nicht streng zu scheiden seien, oft neben ein¬ 
ander bestehen oder auch in einander übergehen. Dr. Schmitz 
verweist in Betreff dieses Punctes auf Bohn, der die in Rede 
stehenden Formen von Erythem nicht scheidet. Dr. Scho- 
macker ist der Meinung, dass es sich auch in dem hier be¬ 
sprochenen Falle um einen Uebergang eines Er. multifonne in 
ein Ei*, nodosum gehandelt habe, da die knotigen Anschwel¬ 


lungen sich erst im weiteren Verlaufe entwickelten. Dr. Sese¬ 
mann glaubt dagegen beide Formen streng von einander scheiden 
zu sollen: das Eryth. multif. ist nie schmerzhaft, zeigt nur 
Röthe, keine Härte’ das Eryth. nodos, dagegen geht mit Fieber 
und Schmerzen einher, bildet knotige Anschwellungen und giebt 
ein der Lymphangitis ähnliches Bild. 

4) Dr. Schomacker demonstrirt einen von ihm moditicirten 
Milchsterilisationsapparat nach Eschcrich; derselbe 
ist einfacher zu bedienen als der Soxhleth’sche, ist billig (3 Rbl.) 
und lässt sich für Anstaltszwecke entsprechend grösser con- 
struiren. 

5. Dr. Hörschelmann verliesst einen (zum Druck bestimm¬ 
ten) „Bericht über das Ammen- und Kinderasyl des 
Grafen Kuschelew-Besborodko in St Petersburg (ge¬ 
stiftet von Dr. E. Meyer 1852)“ und demonstrirt zugleich den 
in der Anstalt gebräuchlichen Konrad’schen Apparat zur 
Untersuchung der Milchj 

Sitzung am 13. November 1890. 

Dr. Beckmann referirt über einen im Evangelischen Ho¬ 
spital beobachteten, durch Ilirnhaemorrhagie töatlieh verlau¬ 
fenen Fall von Morbus maculosus Werlhofii (derselbe ist 
zur Veröffentlichung bestimmt). Zugleich demonstrirt Vortr. 
die eine Niere der Defuncta nebst dem Ureter: im Nierenpa¬ 
renchym, unter der Kapsel und im Nierenbecken finden sich 
umfangreiche Blutergüsse, der Ureter ist ganz von Gerinnseln 
erfüllt. Secretär: Dr. E. Blessig. 


Kleinere Mittheilungen .und therapeutische Notizen. 

— In der Lancet vom 8 Nov. v. J. beschreibt Johnson Tay¬ 
lor eine Methode Fremdkörper aus der Nase zu ent¬ 
fernen: das Ende des Politzerballes wird in das frei gebüebene 
Nasenloch eingeführt, dem Kinde Wasser in den Mund gereicht 
und während des Schlingactes das Instrument von Luft entleert. 
In demselben Moment fliegt dann der Fremdkörper aus dem 
anderen Nasenloch. Kindern, die nicht gut zu schlucken ver¬ 
stehen, bringt man am besten das Instrument während des 
Schreiens in die freie Nasenöffnung. 

— Gegen Migräne wird folgende Combination empfohlen: 

Coffeini citrici 0,9 (!) 

Phenacetini 0,1 

Sacch. lactis. 0,25 Stündlich 1 Pulver bis zur Wirkung. 

— Zur Verhütung des Jodismus bei Verabreichung grosser 
Gaben von Jodkali empfiehlt Wolf das Mittel in Reissab¬ 
kochung zu geben, da hierdurch Jodstärke gebildet wird. 

(ty med. Woch. 49). 

— Während der letzten Choleraepidemie in Indien hat 
Dr. He bis eine Reihe von Patienten erfolgreich mit Salol be¬ 
handelt. Das Mittel wurde in Gaben von 0,6 mit 15 Tropfen 
Chloroformspiritus 2 stündlich verabreicht. Nach wenigen Dosen 
sollen die Patienten heftigen Durst bekommen, viel Flüssigkeit 
zu sich nehmen, so dass die Herzaction sich kräftigt und Zeichen 
von Uraemie nicht cintreten. Die Reconvalescenz ist eine 
raschere, die Anacmie nicht so hochgradig. In einigen Fällen 
versagte das Mittel seine Wirkung. (Wien. med. Blätter As 50). 


Vermischtes. 

— Prof. Joseph Hyrtl ist im Besitz des Schädels von Mo¬ 
zart, den er der Stadt Salzburg testamentarisch vennacht hat. 

— Die Redaction der „New-Yorker deutschen mcdici- 
nischen Monatsschrift“ hat, an Stelle des zurückgetretenen 
Dr. Seibert, jetzt Dr. Ileppenheimer übernommen. 

— Es soll, wie neuerdings verlautet, zwar nicht die Herstel¬ 
lung, aber doch der Vertrieb des Koch’sehen Mittels staat¬ 
lich monopolisirt werden. Der Staat wird die Lymphe herstelleu, 
aber auch anderweitig hergestellte Lymphe, sofern sie geprüft, 
wirksam befunden und mit dem Staatsstempel versehen worden 
ist, als Arzneimittel zulassen. Die Apotheker sollen nur mit dem 
Stempel versehene Lymphe verkaufen dürfen. — (A. m. C.-Ztg.) 

— Der preussische Unterrichtsminister Dr. v. Gossler hat die 
Vorsteher der Kliniken, Polikliniken und pathologisch-anato¬ 
mischen Anstalten der preussischen Universitäten aufgefordert, 
sich Uber ihre Erfahrungen mit dem Kochschen Mittel 
zu äussern. 

— Die Socialdemokratcn haben beim deutschen Reichstag den 
Antrag eingebracht, dass das Reich hinfort den gesammten 
Apothekenbetrieb in eigene Verwaltung nehme und die Arz¬ 
neien zum Selbstkostenpreise abgebe. 

— Die chinesischen Aerzte Dr. Chon-yuanyeh und Dr. Cheng- 
bhi-Piao sind von ihrer Regierung zum Studium des Koch¬ 
schen Heilverfahrens in Berlin abcominandirt worden. 

— Von dem Friedensrichter-Plenum in Riga sind am 11 Januar 
die rigaschen Arzte Dr. Bergengrün, Götschel, Halicki, 
Helmsing und N. Schwartz wegen Nichtbefolgung der polizei¬ 
lichen Vorschrift, ihre deutschen Namensschilder durch solche 
in russischer und deutscher Sprache zu ersetzen, in zweiter ln 
stanz zu einer Strafzahlung von je 16 Rbl. verurtheilt worden. 


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38 


— Professor E. v. Bergmann hat sich vor etwa drei Monaten 
bei Ausübung seines Berufes eine Verletzung an einem Finger der 
rechten Hand zugezogen, welche in der Folge einen so bös¬ 
artigen Charakter annahm, dass mehrmals zu operativen Ein¬ 
griffen geschritten werden musste. Erst neuerdings ist in dem 
Befinden Prof v. Bergmanns, wie aus Berlin berichtet wird, 
eine erfreuliche Wendung zum Besseren eingetreten. Er ist be¬ 
reits fieberfrei, fühlt sich noch aber recht schwach, so dass er 
noch einige Zeit zu seiner Genesung bedürfen wird. 

— Bestätigt: in der Würde eines Professor emeritus: 
der Prof, der Pharmakologie an der Universität Kiew, Staats¬ 
rath Dr. Heubel; der Prof, der Embyrologie, Histologie und 
vergleichenden Anatomie an der Moskauer Universität, wirkl. 
Staatsrath Dr. Babuchin. 

— Ernannt: der Privatdocentder mil.-med.Academie, Dr.Do- 
broklonski —zum ausserordentlichen Professor der speciellen 
Pathologie und Therapie an der Warschauer Universität. 

— Für den erledigten Posten eines Docenten der Physio¬ 
logie an der St.-Petersburger Universität ist, wie der 
„Herold“ erfahrt, Dr. Mendelsohn, welcher seine wissen¬ 
schaftliche Ausbildung an der Warschauer Universität erhalten 
hat, in Aussicht genommen. 

— Am 16. Januar vollendeten sich 20 Jahre, seit der Director 
der St.-Petersburger geburtshülflichen Anstalt (in der Nadcsh- 
dinskaja), Leibaccoucuer Prof. Dr. Anton Krassowski, die 
Leitung der genannten Anstalt inne hat. Bei dieser Gelegen¬ 
heit wurden ihm von den Aerzten der Anstalt eine Adresse 
sowie ein zu Ehren des Jubilars geprägtes Jeton und von den 
Hebammen und Hebammenschülerinnen Ehrengaben überreicht, 

— Verstorben: 1) Am 22. Decamber a. pr. in Kronstadt der 
Marinearzt S. P. Smirnow im 33. Lebensjahre. Der Verstor¬ 
bene hatte seine medicinische Ausbildung an der Moskauer 
Universität erhalten und war anfangs Ordinator an der Bas- 
man’schen Abtheiluug des Moskauer Arbeiterhospitals, seit 1888 
aber im Marinedienste. Er hat seine Wittwe ganz mittellos 
hinterlassen. 2) In Wien Dr. Heinrich Obersteiner, ehe¬ 
maliger Leibarzt des Erzherzogs Maximilian und Mitbesitzer 
der Leidesdorfschen Heilanstalt in Wien, 71 Jahre alt. 3) In 
Dublin der Professor der Geburtshülfe Dr. A. Byrne. 4) In 
Brüssel der bekannte Augenarzt Dr Warlomont. 

— Der fetteste Mensch in der Welt lebt gegenwärtig in Dan- 
ville (Vereinigte Staaten von Amerika): es ist Mr. John Ilan- 
son Craig, 35 Jahre alt, welcher 907 amerikanische Pfd. 
(=925 russ. Pfd.) wiegt. (Pearson’s Weckly-Wr.) 


Die Gesammtzakl der Kranken in den Civilhospi- 
tälern St, Petersburgs betrug am 13. Januar a. p. 6830 (131 
mehr als in der Vorwoche); darunter 474 Typhus — (22 mehr), 
628 Syphilis — (10 mehr), 143 Scharlach —(18 mehr), 12 Diph¬ 
therie— (7 weniger). 9 Masern — (6 weniger) und 90 Pocken¬ 
kranke (20 weniger als in der Vorwoche). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 6. Januar bis 12. Januar 1891. 
Zahl der Sterbefälle; 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


M. W. Sa. 


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S - 0 
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318 237 555 119 34 74 20 5 22 44 53 60 43 43 27 11 0 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typli. abd. 7, Febris recurrens 6, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 5, Masern 3, Scharlach 
18, Diphtherie 13, Croup 2, Keuchhusten 1, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 28, Erysipelas 3, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyämie und Septicaemie 5, Tu- 
berculosc der Lungen 87, Tuberculose anderer Organe 10, Alko¬ 
holismus und Delirium tremens 6, Lebensschwäche und Atrophia 
infantum 37 Marasmus senilis 31, Krankheiten des Verdauungs¬ 
canals 54, Todtgeborene 25. 

Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 5. Februar 1891. 

Annahme der Mitgliedsbeiträge und Abonnements auf die 
„St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. Februar 1891. 


ANNONCEN JEDER ART werden ausschliesslich in der Buchhandlung 

von CARL RICEER in St. Petersburg, Newsky-Prospect .\? 14, angenommen. 


Dr. RADLAüER’s 

S OM NI I, 

( Putc m tirt). (Aethyl. Chloral-l retlian). 
100 Gramm = 5 Mark. 

Dr. Radlauer’s Kronen-Apotheke, Berlin W. 

99 " Depot in St. Petersburg in der 
Russ. Pharmaceut. Handels-Gesellschaft; in 
Moskau bei Carl Ferroin und Robert 
Köhler & Co.; in Kiew in der Süd russ. 
Pharmac. Handels-Gesellschaft: in Wilna 
bei J. S. Segall, Droguerie. 132 (2) 


Analytisches Laboratorium 

der Allerhöchst bestätigten 

St. Petersburger Pharmaceutischen 
Gesellschaft 

Wosucssenski-Prosp. 31, Haus Sklär- 
sky, gegenüber der Kirche. 

Im Laboratorium werden nach wie 
vor ausgeführt: 3—3 

Untersuchungen von: 

Harn, Concrementen etc., 

Sputum auf Tuberkelbacillen, 
Faeces auf Parasiten etc, etc., 
Nahrungs- und Genussmittel. 
Chemisch-technische Analysen." 



DIE MINERALWASSER-ANSTALT 

der Allerhöchst bestätigten Gesellschaft 

BEIHANN h GS, 


PEREWOSNAJA JV: 6—8, 

empfiehlt den Herren Aerzten ihre bekannten Curwässer: Ems 
Kränchen, Soden Ns 3, Vichy gr. gr., Vichy celestins, Carlsbad, 
Pyrophosphorsaures Eisenwasser, Lithionwasser u. a.; ausserdem 
Selters, Soda, Apollinaris, Gieshübler. 


Von 20 Flaschen an Zustellung gratis. 
Bei Verordnung pro paupero Rabatt 25°/o. 


4—1 



Kemmerich’s Fieisch-Pepton. 

Nach den von den Herren Professoren Ludwig—Wien. 
Fresenius—Wiesbaden, König—Münster, Stutzer—Bonn 
ausgeführten Analysen enthält das Kemxnerioh'sche 
Fleisch-Pepton ca, 18°/o leicht lösliche Eiweissstoffe und 
ca. 39°/o Pepton. Kemmerich’e Reisch-Pepton hat an¬ 
genehmen Geschmack und Geruch.— Eem- 
merich's Pepton ist käuflich in v i e 1 e n Apo¬ 
theken und D r o g u e n h a n d 1 u n g e n. 
99“ En gros-Niederlage für ganz Russland bei der 
Südrussischen Pharmaceutischen Handels-Ge¬ 
sellschaft in Kiew. 9 (3) 


Ao 3 b ueua. Cn6. 25 JfaBapa 1891 r. Herausgeber: Dr. Th. ▼. Schröder. Buchdruckerei von A. L. Ebermann, Baskoff Per. .Ns 4. 


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XVI. JAHRGANG. 


Neue Folge VIII. Jahrg. 


ST. PETlKSttURfiER 


HEDIMIISCIE WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Xrannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.— Der Abonnementapreii ist in Btuslanä 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Inaertlonepreii 
für die 8 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


SV Abonnömenti-Aufträg# sowie alle Xneerate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Rioker in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect J'e 14, zu richten. — Xannsoripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsfuhrenden Redacteur Dr. Theodor von Sohröder in 
St.Petersburg, Malaja Italjansk^ja .N: 83, Quart. 8, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 


N5 


St. Petersburg, 2. (14.) Februar 


1891 


Inhalt Edgar Grubert: Zur Casuistik der Gehirnabscesse. — Referate : V. Babes und N. Kalendero : lieber die Wir¬ 
kung des Koch’scheu Heilmittels bei Lepra. — L. Wikham: Ueber die sogenannte Paget’sche Krankheit. — Bücheranzeigcn 
und Besprechungen: Wilhelm Winternitz: Die Hydrotherapie auf physiologischer und klinischer Grundlage. — J. Michel: 
Lehrbuch der Augenheilkunde. — Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Klei¬ 
nere Mitteilungen und therapeutische Notizen. — Vermischtes. — Anzeigen. 


Zur Casuistik der Gehirnabscesse. 

Von 

Edgar Grubert. 

Ordinator. am Wilnaer Militär-Hospital. 

Casuistische Beiträge zur Hirncbirurgie sind in den 
letzten Jahrgängen der periodischen inedicinischen Litera¬ 
tur mit einer gewissen Regelmässigkeit veröffentlicht wor¬ 
den, besonders reichlich in England, wo der Ausbau dieses 
Theiles unserer Disciplin durch die epochemachenden Ar¬ 
beiten von Bennett und Godlee, Gowers und Barker, 
Ferrier, Horsley, Macewen u. A. einen mächtigen Im¬ 
puls erhielt. In Frankreich haben Broca und Sebileau, 
in Deutschland von Bergmann eine zusammenhängende 
Uebersicht des Erreichten gegeben und die Wege zu wei¬ 
terem Fortschritt vorgezeichnet. Immerhin aber ergiebt 
sich aus der lichtvollen Darstellung des Letzteren, wie¬ 
weit der Bau doch noch von seiner Vollendung entfernt 
ist, ja an wie vielen Stellen selbst das diagnostische Fun¬ 
dament desselben sich noch nicht über seine ersten An¬ 
fänge erhebt. Noch auf lange hinaus wird jede Bereiche¬ 
rung unserer Erfahrungen willkommen sein und dürfte 
daher auch folgende Mittheilung ihre Stätte linden. 

I. Abscess im Marklager der linken Kleinhirn- 
hemisphaere nach artelicieller acuter Mittelohr¬ 
entzündung. 

Der 22 Jahre alte, äusserst kräftige Rekrut Dmitrii Gerassiin- t 
tschik erschien am Abend des 10 Februar 1890 im Hospital mit j 
einem blutdurchtränkten Verbände auf dem linken Ohre. Nach j 
Entfernung des Verbandes constatirte der Dujourarzt ein ziem- j 
lieh reichliches Aussickern flüssigen Blutes aus demselben. Die j 
Umgebung des äusseren Gehörganges, sowie die Regio inasse- | 
terica und die Wange linkerseits waren geschwollen. Der V^r- ; 
band wurde erneuert, musste aber bald wieder gewechselt wer- ' 
den, da sich während der Defäcation die Blutung wiederholte, j 
Hierbei erwies sich der äussere Gehörgang mit Blutgerinnselu | 
angefüllt und, nach Entfernung derselben und Auswaschung mit 
Carlxdlösung. als verengt und, soweit übersehbar, mit Granula¬ 
tionen ausgekleidet. Die äussere OcfFnung“hat eine unregelmäs¬ 
sig ausgenagte Form. Tamponade des äusseren Gehörganges. 
Verband. Ahcndtemperatur 37,8. 

II. H. 37,1—37,9. Die linke Gesichtshälfte gelähmt Aus dem 


äusseren Gehörgang ragen wuchernde Granulationen hervor. 
Keine Blutung. Ausspülung des Ohres mit 3°/o Borlösung. 

Um 10 Uhr Abends wiederholte Blutung aus dem äusseren 
Gehörgang. Nach Aussage des Kranken bemerkte er, plötzlich 
erwachend, dass ihm das Blut über die Wange strömte. Beträcht¬ 
licher Blutverlust. Nach Eutferuung des Verbandes durch den 
Dujourarzt sickerte nur noch etwas dunkeles Blut in kleinen 
Tropfen aus den den äusseren Gehörgang anfüllende» Granula¬ 
tionen. Druckverband. 

12. II. 37 5_38 5. 

13. II. 37,8—38,2. Um 1 Uhr und um 4 Uhr in der Nacht 
wiederholte Blutungen. Verbandwechsel durch den Dujourarzt. 
Application einer Eisblase auf die linke Kopfhälfte. 

Um 4'/* Uhr Nachmittags erneute, ziemlich reichliche arte¬ 
rielle Blutung. Tamponade des äusseren Gehörganges mit in 
Eisenchloridlösnng getränkter Watte. Darüber Druckverband 
und Eisblase. 

14. II. 38,1—38,7. Im Laufe der Nacht und des Morgens hat 
sich die Blutung nicht wiederholt. 

15. II. 38.0—38,8. Um 4 Uhr Nachmittags erneute, ziemlich 
! reichliche Blutung. Verbandwechsel wie am 13. II. 

16. II. 38,6—39,2. Um 4 Uhr Morgens abermalige Blutung, 
t UeberfÜhrung des Kranken aus der Ohrenabtheilung in die chi¬ 
rurgische. Unterbindung der linken Carotis communis (durch 
den College» W. A. Mylzew, welcher in der Folge dieselbe 
Operation auch rechterseits ausführte). Irgend welche Gehirn- 
erscheinungen kamen dabei nicht zur Beobachtung. Die Blutung 
stand jetzt. Durch den äusseren Gehörgang, sowie durch eine 
Oeffnung, die sich in der Haut der Regio parotidea, etwa dem 
freien Rande des Ohrläppchens entsprechend, gebildet hatte 
und mit jenem communicirte, wurden Tampons eingeführt. 

17. II. 38,7—39,1. Puls gut. Athmung schnarchend. Stimme 
hcis6i* 

18. II. 38,5—38,8. Heftiger Husten.—Ordinirt:2Moipli. niuriat. 
gr.l Aq. amygdal. amar. Natr. bicarb. aa ,3j- Aq dest. ,)vi. 

19. II. 38,5—38,7. Stuhlverstopfung. — 01. Ricini. 

20. II. 37,0—38,0. Genügende Abführung. Klagt über Ohren¬ 
sausen und Kopfschmerzen. 

21. II. 37,7—38,0. Verbandwechsel. Die Wunde am Halse 
ist vollkommen reizlos. An Stelle des äusseren Gehörganges be¬ 
findet sich eine unregebnässig gestaltete Oeffnung von reiclilicli 
2 Ctm. Durchmesser, durch welche man in einen Hohlraum von 
Wallnussgrösse geräth. Derselbe ist mit seiner Längsaxe parallel 
der Felsenbeiupyramide medialwärts und nach vorne gerichtet, 
nuten mit Granulationen ausgekleidet und oben von der ent- 
blössten Schädelbasis begrenzt Aus der Regio parotidea führt 
direct in diesen Hohlraum die oben (16. II.) erwähnte Haut¬ 
perforation. Vom Trommelfell, den Gehörknöchelchen nnd dem 
nicht knöchernen Theil des äusseren Gehörganges nichts zu sehen. 
Eine Untersuchung des knöchernen Gehörganges und der Pau- 


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40 


kenhöhle wurde aus Furcht vor erneuten Blutungen unterlassen. 
Entzündungserscheinungen fehlen auch in der Umgebung des 
Ohres vollständig. 

22. II. 37,6—37,9. Klagt über Kopfschmerzen. Kein Stuhl. 
Der Husten hat aufgehört. — Mixtur ausgesetzt. 

23: n. 37,5 — 38,5. Einmaliger Stuhlgang. 

24. II. 37,7—38,1. Aus der Wunde am. Halse lässt sich ein 
Tropfen Eiter ausdrücken, augenscheinlich aus der Umgebuug 
der Seideuligatur. Klagt spontan über offenbar sehr heftige 
Kopfschmerzen, die er in der Umgebung des Ohres loealisirt. 

25’. II. 37,6—38,7. Intensive Kopfschmerzen. 

26. II. 37,4—37,9. St. idem—Orainirt: Kali broniat. in grossen 
Dosen. 

27. II. 37,2—37,5. Rasende Kopfschmerzen. Patient wimmert 
und stöhnt beständig. Irgend weiche Herdsymptome von Seiten 
des Gehirnes sind nicht zu constatiren. Patient ist vollständig 
bei Besinnung, liegt aber den ganzen Tag in vollständiger Theil- 
nahmlosigkeit da, meist auf der rechten Seite. Auf an ihn 
gerichtete Fragen antwortet er mit augenscheinlicher Unlust, 
meist nur kurz bejahend oder verneinend. Nach Aussage seiner 
Umgebung begiebt er sich zur Verrichtung seiner Nothdurft 
stets hinaus in den allerdings nahe gelegenen Abtritt. Die Secre- 
tion aus der oben beschriebenen Wundhöhle ist dünnflüssig und 
ziemlich reichlich. Am Proc. mastoideus nichts Abnormes zu 
entdecken. 

Trepanation: Oberhalb und etwas hinter der Ohrmuschel, 
mit der Spitze fast an deren Insertion heranreichend, wird ein 
zungenfönniger Lappen mit oberer Basis Umschnitten. Abscha¬ 
bung desselben, inclusive einer dünnen Knochenschicht mittelst 
eines breiten Meisseis. Ausmeisselung einer Knochenlückc von 
1,5X2,0 Ctm. Ausdehnung bis auf die Dura in der unteren 
Hälfte der entblössten Partie. Die Hirnhäute und die Oberfläche 
des freigelegten Schläfenlappens von vollständig normalem Aus¬ 
sehen. Au verschiedenen Stellen dieser Knochenlücke wurde 
eine Hohlnadel von der Dicke eines Probetroicars sowohl senk¬ 
recht, als auch schräg nach hinten und unten in der Richtung 
des Kleinhirnes bis 2,5 Ctm. tief eiugescnkt. Gleichzeitige Aspi¬ 
ration mittelst einer Pravaz’schen Spritze förderte inaess nur 
einige Brockel von Hirnfasern zu Tage. — Hierauf wurde in «ler 
Verlängerung der hinteren Grenze des’oben beschriebenen Lap¬ 
pens ein Schnitt über den Warzeufoitsatz nach abwärts ge¬ 
führt, und letzterer mit dem Meissei eröffnet, ohne jedoch etwas 
Abnormes zu finden. Jetzt konnte auch in der alten Wundhöhle 
die Schädelbasis; bis an das Foramen caroticum abgetastet wer¬ 
den, ohne dass man übrigens auch hierdurch irgend welche 
neue Fingerzeige erhielt. Es wurde also die Operationswunde 
durch einige Nähte vereinigt, und an nässenden Stellen Jodo¬ 
formgazetampons unter die Ränder derselben geschoben. Verband. 

28. n. 37j4—38,3. EKeine Veränderung. Obstructio alvi. — 
01. Ricini. Portwein. 

1. III. 37,8-37,9. St. idem. 

2. III. 37,6. P. 76, regelmässig und voll. — 38,4. Starke Ei- 
terung^aus dem Ohr. Die Operationswunde reizlos. 

Um 1 Uhr Nachmittags Nasenbluten, um 4 Uhr profuse Blu¬ 
tung aus dem Ohr, so (lass Patient, welcher bisher noch immer 
einen recht vollblütigen Eindruck gemacht hatte, in kurzer 
Zeit sichtlich collabirte. Verbandwechsel durch den Dujourarzt. 

3. III. 38,5. P. 100, ziemlich voll. — 38,6. Unterbindung der 
rechten Carotis communis. Irgend welche unmittelbare Reaction 
des Gehirns auf diesen Eingriff wurde auch diesmal nicht beob¬ 
achtet. 

4. III. 37,7. Puls 120, regelmässig und voll. Athmung nor¬ 
mal. Der Schlingact schmerzhaft, wahrscheinlich wegen der durch 
die Operation gesetzten A'erletzuug des tiefen Halszellgewebes. 
Eine Besichtigung des Rachens wegen des Verbandes nicht 
auszuführen. Die nach der gestrigen Operation eingetretene 
Blässe des, Gesichtes schon vergangen. Die rechte Pupille be¬ 
deutend weiter als die linke, was gestern nicht constatirt wer¬ 
den konnte. Die rohe Kraft der linken Hand steht, wie es 
scheint, um mehr als das physiologische Maass hinter der der 
rechten zurück. Eigentliche Lähmungserscheinungen sind (ab¬ 
gesehen vom linken N. facialis) nicht vorhanden. — Abendtem¬ 
peratur 39,4 

5. III. 39,0. P. 128. Resp. 20. Sopor. Die Kopfhaut in der 
Umgebung des Ohres teigig iufiltrirt. Abendtemperatur 40,0. 

6. III. 39,3. P. 148. R. 16. Zunge vollkommen trocken. Abend¬ 
temperatur 39,7. 

7. III. 39,2. P. 132. R. 28. Seit 3 Tagen kein Stuhl. Auf 
dem Nasenrücken ist eine verdächtige Röthe erschienen. Die 
Kopfhaut noch immer teigig anzufühlen. — Klysma. Verband¬ 
wechsel. Abendtemperatur 39,9, 

8. III. 39,3. P. 144. Ausgesprochene Gesichtsrose. Stuhl ge¬ 
wesen. — Energischer Jodaustrich. Die Wunde mit einer Com- 
presse bedeckt. 

9. HI. 38,7—37,7. Ueber Nacht hat das Erysipel sich rasch 
ausgebreitet. — Tr. jodi 3 mal täglich. 

10. III. 37,5—37,8. Das Erysipel coupirt. Allgemcinzustand 

unvergleichlich besser. Aus dem Ohr wie früher reichliche Ab¬ 
sonderung. ' 

11. III. 37,8-37,2. 


12. III. 36,2-36,8. 

13. III. 36,1. Die letzte Unterbindungswunde per primam ver¬ 
heilt Reichliche Eiterung aus dem Onr. Verstopfung. 

14. III. 36,7—37,2. 

15. IH. 36,6—37,1. 

16. IH. 36,5—36,8. Hartnäckige Verstopfung. 

17. IH. 36.3—36,6. Patient wird von Tag zu Tage schwächer 
und ^apathischer. Während des Umbettens fiel derselbe in 
Ohnmacht. Puls nicht schlecht. Die Wunden schlaff und ato- 
nisch. Profuser Ausfluss aus dem Ohr. 

18. I1I.*36,1. St. idem. Im Laufe des Tages wurde der Zu¬ 
stand des Patienten vollständig comatös. Der Puls blieb voll. 
Temperatur um 6 Uhr Abends 38,6; um 9 Uhr 38,8. 

19. HI. Am frühen Morgen äusserster Kräfteverfall. Puls sehr 
klein und unzählbar. Cheyne-Stokes’sches Athmen: 4 Athem- 
züge in der Minute. Um 57» Uhr Exitus letalis. 

Sectionsbefund. Die Carotiden ober- und unterhalb 
der Ligaturen von festen Gerinnseln erfüllt. Die Ligaturen 
haben auf beiden Seiten durchgeschnitten. Die Venae jugu- 
lares normal. Die linke Art. vertebralis-in ihrem unteren freien 
Ende fast bis zum Umfang einer Carotis interna erweitert An 
der rechten nur eine geringe Erweiterung zu constatiren. — 
Der Mitfelpunct der Trepanationsöffnung liegt 3,5 Ctm. über 
und 1,5 Ctm. hinter dem Mittelpunct des knöchernen Meatus 
auditorius externus. Der deckende Lappen ist nur in seinen 
Weichtheilen stellenweise angewachsen; die demselben anhaf¬ 
tende Knochenschicht dagegen von Granulationen nicht bedeckt. 

— Die untere Fläche des linken Felsenbeines bis zum Caualis 
caroticus entblösst. Die knöcherne Wand des letzteren von der 
Paukenhöhle her in mehr als linsengrosser Ausdehnung zerstört 
Das Tegmen tympani nekrotisch. — Die Hirnhäute normal. Das 
Gehirn oedematös. Die Seitenventrikel erweitert. Ihr flüssiger 
Inhalt nicht unbedeutend vermehrt, dabei vollkommen klar. In 
der weissen Substanz der linken Kleinhirnhemisphaere, dicht 
hinter der Felsenpyramide ein reichlich mandelgrosser, nicht 
deutlich abgekapsclter Abscess, angefüllt mit dickflüssigem, grün¬ 
lichem, nicht besonders übelriechendem Eiter. An dem umge¬ 
benden Kleinhirngewebc ist eine ausgesprochene Erweichung 
nicht zu constatiren. — Au den inneren Organen nur die bei 
fieberhaften Erkrankungen gewöhnlichen Veränderungen. 

Wie weit die uns in diesem Falle vorliegende Zerstö¬ 
rung des äusseren und mittleren Ohres vorgeschritten war, 
konnten wir in ganzer Ausdehnung erst übersehen, als 
unter der Einwirkung von mit Eisenchlorid getränkten 
Tampons ein grosser Theil der die Wundhöhle ausfül¬ 
lenden Granulationen zerfiel. Es unterliegt wohl keinem 
Zweifel, dass eine so energische corrosive Wirkung nicht 
dem Eiter einer chronischen Mittelohrentzündung zur Last 
gelegt werden kann. Letztere kann wohl den Verlust des 
Trommelfelles und der Gehörknöchelchen und auch theil- 
weise Nekrose der knöchernen Taukenhöhlenwand ungen 
nach sich ziehen, reicht aber jedenfalls nicht zur Zer¬ 
störung des knorpeligen Theiles des äusseren Gehör¬ 
ganges hin. 

Fälle dieser Art haben sich übrigens in unserem Hos¬ 
pital während der letztverflossenen Einberufungsperiode 
geradezu gehäuft. Einmal waren uns drei Wehrpflich¬ 
tige aus einer und derselben Bauerngemeinde zur Beob¬ 
achtung zugeschickt, alle drei schon nahe dem Endsta¬ 
dium von ähnlichen energischen Eingriffen: der totalen 
Obliteration des äusseren Gehörganges. Ueberdies ge¬ 
hörte der Patient der Secte der Molokanen an, welche 
dafür bekannt ist, dass sie den Militärdienst aufs Aeusserste 
verabscheut. Natürlich war von ihm selbst über die Ent¬ 
stehungsursache seines Leidens keinerlei Auskunft zu er¬ 
langen, wie er denn überhaupt auf unsere seinen Zustand 
betreffenden Fragen nur mit unverkennbarer Unlust und . 
misstrauischer Zurückhaltung antwortete, und zwar auch 
nur so lange, als das Krankheitsbild noch nicht von den hef¬ 
tigen Kopfschmerzen beherrscht wurde. 

Angenommeu also, es handelte sich hier um die Wir¬ 
kung von ins äussere Ohr gegossenem Scheidewasser oder 
irgend einer anderen Mineralsäure, so dürften wir kaum 
fehlgehen, wenn wir die Zeit, in der sich die Wundhöhle 
in der beschriebenen Weise mit Granulationen gefüllt, 
und bis sich der Sequester aus der Wand des Canalis 
caroticus gelöst hatte, auf höchstens zwei Monate ’ ab- - 
schätzen. Danach mochte also das Verbrechen in den er¬ 
sten Wochen der Einberufungsperiode begangen sein, was 
auch sonst einige Wahrscheinlichkeit für sich hat. 


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Was den bei der Section gefundenen Kleinhimabscess 
anbetrifft, so bin ich leider nicht im Stande, seine muth- 
maassliche Dauer innerhalb des so umschriebenen Zeit¬ 
raumes noch genauer einzugrenzen, da irgend welche un¬ 
zweifelhafte Anzeichen seiner Entstehung uns nicht be¬ 
kannt geworden sind. Abgekapselt war derselbe nicht; 
ebenso wenig aber schien die umgebende Kleinhimsub- 
Stanz noch in progredientem Zerfall begriffen zu sein. 
Ganz frischen Datums ist der Abscess also wohl kaum 
gewesen. 

In diesen Verhältnissen liegt das wesentlichste Inte¬ 
resse unseres Falles. Noch in der ersten Auflage seiner 
bekannten Monographie über „die chirurgische Behand¬ 
lung von Hirnkrankheiten“ ! ) stellte von Bergmann das 
Vorkommen von Hirnabscessen nach acuten Affectionen 
des Mittelohres in absolute Abrede. Ebenso bezweifelte 
auch Barr 2 ) die Wahrscheinlichkeit eines solchen Zusam¬ 
menhanges. In der zweiten, in Buchform 3 ) veröffent¬ 
lichten Auflage seiner Arbeit kennt der Erstere jedoch 
bereits 4 zweifellose Fälle dieser Art (von Schmidt, 
I. Gruber, Barr-Macewen und Ferrier-Horsley). 
Hierzu kommt, wie es scheint, nur noch ein Fall von 
Greenfield 4 ), in welchem 10 Wochen vor der Aufnahme 
eine augenscheinlich ziemlich leichte Otitis media bestan¬ 
den und auch zu einer kleinen Perforation des Trommel¬ 
fells geführt hatte. Unser Fall wäre demnach in 
dieser Beziehung erst der sechste seiner Art. 

Der Diagnose bot derselbe jedenfalls bedeutende Schwie¬ 
rigkeiten. Wir hatten 1) einen schweren acuten Eite- 
rungsprocess im Mittelohr mit Usur der Paukenhöhlen¬ 
wandung; 2) ein niedriges, wenig charakteristisches Fie¬ 
ber, das sich ein paar Mal bis gegen und auch wohl 
etwas über 39° erhoben hatte, dann aber auch wieder 
bis zu siibfebrilen und hochnormalen Graden gesunken 
war; und 3) einen allmälig grade zu unerträglich gewor¬ 
denen Kopfschmerz, den der Patient constant über und 
hinter dem Ohre localisirte. Es fehlten die Anzeichen 
einer Thrombose des Sinus transversus (Thrombose der 
Iugularis interna, Schüttelfröste), sowie einer allgemeinen 
Meningitis. Es fehlten aber auch jegliche Herdsymptome 
Der Warzenfortsatz war nicht afficirt. 

Von den positiven Anhaltspunkten hat das Fieber na¬ 
türlich nur einen sehr geringen Werth, da dasselbe sehr 
wohl durch den localen Process im Mittelohre bedingt 
sein konnte. Andererseits Hess sich auf Grund desselben 
aber auch ein Hirnabscess nicht ausschliessen; denn letz¬ 
terer verläuft ja meist unter niedrigen Fiebergraden oder 
auch zeitweise bei ganz normaler Temperatur. Unzweifel¬ 
haft wichtiger war indess das Factum einer Knochen¬ 
nekrose an der Schädelbasis und die localisirten Kopf¬ 
schmerzen, zumal im Verein mit den negativen Befunden. 

Am nächsten lag hier wohl die Annahme einer Pachy- 
meningitis externa purulenta. An eine solche hat man 
nach Hoffnvann 5 ) jedesmal zu denken, wenn bei einer 
Mittelohrentzündung der Knochen afficirt ist und nach 
Eröffnung des Warzenfortsatzes die bedrohlichen Erschei¬ 
nungen nicht aufhören. Die Eröffnung des Warzenfort¬ 
satzes fehlte nun allerdings noch, war aber auch nicht 
erforderlich, da die Knochenaffection in unserem Falle 
nachweislich an anderer Stelle lag und der Secretabfluss 
von derselben in keiner Weise behindert erschien. Ebenso 
wenig aber konnte die Vermuthung eines Himabscesses 
von der Hand gewiesen werden, da unter «len obwaltenden 
Umständen Herdsymptome von der Anwesenheit eines 
solchen nicht einmal zu erwarten waren. Dagegen sprach 
hauptsächlich die Seltenheit eines solchen Vorkommens 
bei einer acuten Mittelohraffection. 


') Archiv für klinische Chirurgie. Bd. XXXVIII, p. 759—872. 
*) British Medical Journal. April 2, 1887. 

*) Berlin, 1889. Verlag von Aug. Hirschwald. 

4 ) British Medical Journal. February 12, 1887. 

•) Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. Bd. XXVIII, p. 458—493. 


Wie dem auch sein mag, jedenfalls schien die Trepa¬ 
nation durch den Zustand des Patienten vollkommen in- 
dicirt zu sein. Selbst von Bergmann, welcher sonst 
seine ganze Autorität gegen eine Operation ohne genaue 
Diagnose einsetzt, statuirt für diese Fälle eine Ausnahme, 
da man sonst in den meisten Fällen zu spät kommen 
dürfte. 

Den Ort für die Ausführung der Trepanation wählten 
wir so, dass dadurch der Schläfenlappen frei gelegt wurde. 
Bestimmend hierfür waren einmal die Umstände, dass die 
Wundhöhle an der Schädelbasis in der Richtung nach 
innen und vorne der Felsenbeinpyramide folgte, 2) dass 
die Knochennekrose in der Nähe des Canalis caroticus 
entsprechend dem inneren Ende dieser Wundhöhle vor¬ 
ausgesetzt werden musste, und 3) dass der Warzenfort¬ 
satz frei schien. Dann aber mussten wir auch nach Aus¬ 
weis der Statistik einen Hirnabscess eventuell am ehesten 
im Schläfenlappen erwarten. Barr (1. c.) fand unter 76 
Fällen nach Otitis media 55 mal (= 73%) den Scbläfen- 
lappen, 13 mal das Kleinhirn, 4 mal Klein- und Gross¬ 
hirn, 2 mal den Pons und 1 mal das Grus cerebelli als 
Sitz von Abscessen. (Ueber einen Fall fehlt die Angabe). 
Desgleichen zählt Lasegne fl ) unter 131 Fällen 101 Gross¬ 
und nur 28 Kleinhirnabscesse auf; und nach Soüques 7 ) 
bedingt Caries der oberen Fläche des Felsenbeines ge¬ 
wöhnlich Abscessbildung im Schläfenlappen, während bei 
Eiterung im Warzenfortsatz das Kleinhirn gefährdet ist. 

Wir wurden in unseren Erwartungen getäuscht. Trotz¬ 
dem dass thatsächlich eine Nekrose des Tegmen tympani 
bestand, waren die Meningen in der durch Trepanation 
ei öffneten mittleren Schädelgrube normal; und mehrfache 
Probepunctionen blieben ohne Resultat, obgleich die Na¬ 
del unter anderem auch in der Richtung eingeführt wurde, 
in welcher sich später bei der Autopsie der Cerebellar- 
abscess vorfand. 

Ueber den muthmaasslichen Mechanismus des Zusam¬ 
menhanges, in welchem letzterer mit der Mittelohreiterung 
doch jedenfalls gestanden hat, finden sich in der Kran¬ 
kengeschichte keine positivenAngaben. Sinus transversus 
und Meningen erwiesen sich auch in der hinteren Schä¬ 
delgrube als normal. Eine Möglichkeit ist indess nicht 
ausgeschlossen, da mir der betreffende literarische Hin¬ 
weis zu jener Zeit nicht bekannt war. 

In der Sitzung der Edinbourgh Medico-Chirurgical So¬ 
ciety vom 2 März 1887 8 ) berichtete M’Bride über seine 
Erfahrungen in intracraniellen Complicationen der Otitis 
media. Seine persönliche Statistik zählte damals 42 
Fälle, darunter 15 Grosshirn- und 7 Kleinhirnabscesse, 
12 Fälle von eitriger Meningitis und 8 Fälle von Sinus¬ 
thrombose. Bei der Betheiligung des inneren Ohres an 
der Eiterung fand er häufiger Cerebellar-, als Grosshirn- 
abscesse. Lasse sich also mittelst der Stimmgabel aus 
dem Fehlen der Knochenleitung eine Affection des Laby¬ 
rinthes resp. des Acusticus erschliessen, so liege die An¬ 
nahme eines Kleinhirnabscesses im Bereiche der Wahr¬ 
scheinlichkeit. Dieser Versuch ist von uns aus dem er¬ 
wähnten Grunde nicht ausgeführt worden, und auch bei 
der Section wurde die Möglichkeit einer Labyrintheite¬ 
rung nicht in Betracht gezogen, was sich an dem Prae- 
parat natürlich nicht nachholen lässt. 

Das durch Schwindel und Coordinationsstörungen cha- 
rakterisirte Krankheitsbild eines Kleinhirnabscesses hat 
übrigens bisher überhaupt nur einmal — dem italienischen 
Chirurgen Ceci — Veranlassung zu einer glücklichen Er¬ 
öffnung der Schädelkapsel gegeben °). Hier handelte es 
sich aber um eine wahrscheinlich durch Vermittelung einer 
Periphlebitis des Sinus transversus entstandene Eiteran¬ 
sammlung zwischen Tentorium und Occipitallappen, zu 

*) Centralblatt für Chirurgie. 1889, p. 468. 

7 j Ibidem, p. 470. 

8 ) British Medical Journal. March 19, 1887. 

®) v. Bergmann, 1. c. p. 80. 


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42 


der von aussen ein Fistelgang durch den Knochen führte, 
und welche auf die Kleinhimrinde gedrückt hatte. Wir 
hatten in Folge der Resultatlosigkeit unserer Punctionen 
und der auf alle Fälle noch ausgeführten Eröffnung des 
Zitzenfortsatzes den Gedanken an einen Kleinhirnabscess 
zu früh fallen lassen. In ähnlicher Lage würde ich jetzt 
nicht mehr zögern, eine zweite Trepanationsöffnung an 
entsprechender Stelle anzulegen. 

Die Technik dieser Operation anlangend, so bediente ich 
mich des von W. Müller 10 ) in Aachen empfohlenen Ver¬ 
fahrens, zugleich mit dem Weichtheillappen eine Schicht 
Knochensubstanz vom Schädel abzulösen, welche zur nach- 
herigen Deckung der Trepanationslücke bestimmt ist. Es 
dürfte zweckmässig sein, diese Knochenschicht vor der 
Schliessung der Wunde auf eine dem ausgemeisselten 
Loche entsprechende Grösse zu reduciren, damit dieselbe 
bis auf die Dura hindurchsinken kann und die Bildung 
eines todten Raumes vermieden werde. Dieses Bedürfnis 
ist übrigens natürlich nicht vorhanden, wenn wirklich ein 
Abscess gefunden würde. 

Für die probatorische Punction der Hirnsubstanz würde 
ich jetzt eine Aspirationsnadel dickeren Calibers, oder 
nach der Vorschrift von Berginann’s, direct das Scal- 
pell vorziehen. Auch die Tiefe der Punction hatte ich 
wohl zu schüchtern bemessen. In der Richtung von 
meiner Trepanationslücke gegen den später aufgefundenen 
Abscess hin hätte die Nadel durch die ganze Länge der 
linken Kleinhimhemisphaere fortgeführt werden können, 
ohne zu lebensgefährlichen Verletzungen zu führen. Haben 
doch neuerdings von Bergmann n ) und Keen 12 ) die 
Punction der Seitenventrikel sogar zu curativen Zwecken 
empfohlen. 

Das den Wundverlauf complicirende Erysipel erheischt 
ein Wort der Entschuldigung. Dasselbe kam augen¬ 
scheinlich zu Stande, als gelegentlich der letzten heftigen 
Nachblutung das dünnflüssige und gerade damals recht 
reichliche Wundsecret durch kräftige Tamponade gewaltsam 
zurückgehalten wurde. Es gelang uns, dieser Complica- 
tion mit der Promptheit Herr zu werden, welche meiner 
Erfahrung nach nur einer energischen Jodbehandlung 
eigen ist. 

Die Erweiterung der rechten Pupille und die Muskel¬ 
schwäche der rechten Hand nach Absperrung der rechten 
Carotis communis lassen kaum eine andere Deutung zu, 
denn als Anzeichen einer auf die rechte Hirnhälfte be¬ 
schränkten oder doch dieselbe vorzugsweise betreffenden 
Anämie. Diese Erscheinung kann uns indess nicht 
Wunder nehmen, da wir ja durch die Versuche van 
Sch ulten’s 1S ) darüber unterrichtet sind, dass der Blut¬ 
druck in den Aesten der Carotis interna (z. B. der re¬ 
lativ leicht zugänglichen Art. ophthalmica, an der Verf. 
seine Bestimmungen ausführte) nur durch Absperrung 
des gleichnamigen Stammes bedeutend, durch die der 
entgegengesetzten Carotis nur in geringem Maasse be¬ 
einflusst wird. Mit anderen Worten, beide Gehirn¬ 
hälften sind in Bezug auf ihre Circulationsverhältnisse in 
bedeutendem Grade von einander unabhängig. Freilich 
soll durch den Circulus arteriosus Willisii einer etwa noth- 
leidenden Hälfte die vicarirende Zufuhr aus den gegen¬ 
überliegenden Bahnen gesichert sein, aber nicht immer 
firne tionirt dieser Apparat hinreichend gut und nament¬ 
lich nicht hinreichend rasch, um den schweren Störungen 
vorzubeugen, welche auch nach einseitigen Carotisunter¬ 
bindungen oft genug beobachtet worden sind. Dass auch 
das entgegengesetzte Extrem Vorkommen kann, dafür 
bietet unser Fall mit seiner profusen Nachblutung, 14 Tage 
nach der ersten Unterbindung, ein eindrucksvolles Bei¬ 
spiel. 

,0 ) Centralblatt für Chirurgie. 1890. te 4. 

u ) 1. c. pg. 185 u. ff. 

>») Centralblatt für Chirurgie. 1889. Aste 42 und 48, 

4 *) Archiv für klinische Chirurgie Bd. XXXII H. 2— i. 


Wir kommen zum Schluss, dem Hirnoedem und dem Hy- 
drocephalus internus, welche als die unmittelbaren Todes¬ 
ursachen anzusehen sind. Schon in den letzten Lebens¬ 
tagen hatte sich dieser Ausgang durch immer zunehmende, 
zuletzt gradezu idiotische Apathie angekündigt. Das Zu¬ 
standekommen desselben nach doppelseitiger Unterbindung 
beider Carotidenstämme bei ungehindertem venösem Ab¬ 
fluss kann nur durch Rückstauung des Liquor cerebro¬ 
spinalis aus Mangel an genügender vis a tergo erklärt 
werden. Der arterielle Blutdruck ist der hauptsächlichste 
Motor der Cerebrospinalflüssigkeit, ein Vacuuin in der 
Schädelhöhle nicht denkbar, die Hirnmasse eine jedesmal 
gegebene Constante. Ein Minus an Blut hat daher ein 
Plus an Cerebrospinalflüssigkeit zur unabwendbaren Folge. 
Also ist unser Patient nicht an den Folgen des Hirn- 
abscesses, sondern an denen der doppelseitigen Carotis¬ 
unterbindung gestorben. Sein Schicksal war besiegelt, 
auch wenn wir den Abscess gefunden hätten. 

II. Abscess in der weissen Substanz des rechten 
Schläfenlappens mit Durchbruch in den Seiten¬ 
ventrikel, entstanden im unmittelbaren Anschluss 
an eine complicirte Schädelfractur. 

Der Dragoner Wassilij Pawlow, 26 Jahre alt, war am 1. April 
1890, am Ostersonntage, gelegentlich einer Prügelei durch einen 
Schlag mit einem Stein an der rechten Kopfseite verwundet 
worden. Das Bewusstsein hatte er nicht verloren, sich auch 
nicht krank gemeldet, sondern bis zum 6. IV. seinen Dienst als 
Officicrsburscue fortgesetzt. An diesem Tage fing er an, über 
Kopfschmerzen zu klagen und wurde gegen Abend ins Hospital 
geschickt, wo man ihm die Wunde verband, drei Unzen Inf. 
sennae salin. eingab und einen Eisbeutel applicirte. — Abend¬ 
temperatur 39,2. 

7. IV. 38,8—39,1. Drei Ctm. hinter dem rechten Ohre und 
etwas oberhalb seines oberen Randes wird eine unreine Quetsch¬ 
wunde constatirt, umgeben von phlegmonöser Infiltration der 
Kopfhaut. Im Boden der Wunde ist der Schädel entblösst 
und weist einen Sternbruch mit seichter Depression, doch ohne 
Klaffen der Fragmente auf. Irgend welcne ^ausgesprochenen 
Hirnsymptome sind nicht vorhanden, es sei denn, dass man 
einen leichten Grad von Schlafsucht so auffasst. Ausgiebiges De- 
bridement der Weichtheilwunde. Feuchter Verband. 

8. IV. 40,1. Gegen Morgen sind furibunde Delirien mit voll¬ 
ständigem Verlust des Bewusstseins eingetreten. Opisthotonus. 
Puls frequent. Die entzündliche Infiltration der Kopfhaut ist ver¬ 
gangen. — Freilegung der Bruchstelle unter Zuhilfenahme eines 
zweiten Schnittes, senkrecht zur vorhandenen Wunde. Ausmeis- 
selung der ganzen deprimirten Partie bis über die Grenzen des 
Sternoruches hinaus in der ungefähren Ausdehnung eines Silber¬ 
rubels. Etwa dem Centrum der so gewonnenen Oeffnung ent¬ 
sprechend findet sich in der Dura ein kleiner Einriss, aus wel¬ 
chem einige Tropfen stinkenden Eiters, gemischt mit Gasbläschen 
hervortreten. Spaltung der Dura in der ganzen Ausdehnung der 
Knochenlücke. Die Pia stark iniicirt. aber nicht von Blut 
unterlaufen. Die Hirnrinde gegenüber dem Einriss in der Dura 
in ungefähr gleicher Ausdehnung, Wie letztere, ebenfalls durch¬ 
brochen. Die vorhandene Oeffnung wird durch Eingehen mit 
dem Finger erweitert, welcher senkrecht zur Hirnoberfläche unge¬ 
fähr 2—3, schräg nach hinten dagegen mindestens 5—6 Ctm. 
eindringt. Einführung von 2 Drains in die Abscesshöhle. Ver¬ 
band. — Abends 38,8. 

9. IV. 39,1. P. 120. R. 36, beide regelmässig. Patient ist von 
4 Uhr Morgens an etwas ruhiger geworden und liegt jetzt in 
tiefster Bewusstlosigkeit da, stöhnt und delirirt aber noch im¬ 
mer. Unwillkürliche Harnentleerungen. Pupillen gleich weit 
Divergentes Schielen des linken Auges. Ausgesprochener Tris¬ 
mus. Der rechte Mundwinkel leicht gesenkt. Beständige Greif¬ 
bewegungen mit der linken Hand durch fortwährend wiederholtes 
Andrücken des Daumens gegen den Zeigefinger. Mässig starke 
Contractur des rechten Annes (Beugung des Ellenbogens, Faust¬ 
bildung der Hand). Das rechte Bein in subparetischem Zustande. 
Ausgesprochene Lähmungen nicht vorhanden. Beim Verband¬ 
wechsel wird ein beträchtlicher Hirn Vorfall constatirt — Abends 
40 3. 

10. IV. 40,6. P. 174. R. 44. Der Strabismus weniger deutlich. 
Die Augen stehen halboffen. Die unteren Hälften der Horn¬ 
häute bereits ulcerirt. Die Extremitäten werden nicht mehr 
bewegt. Agonie. Exitus letalis um 12 Uhr 30 Minuten Mittags. 

Sectionsbefuud: An den Weichtheilen des Schädels keine 
Entzündungserscheinungen mehr zu bemerken. Entsprechend 
dem hinteren unteren Winkel des Scheitelbeines, hinter dem 
äusseren Gehörgang, doch in einem etwas höheren Niveau, ist 
der Hirnschädel bis auf die Dura von einer rubelgrossen Oeff¬ 
nung durchbrochen. Die Dura ist über die ganze Breite dieser 
Oeffnung in horizontaler Richtung aufgespalten. Aus derselben 


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43 


ragt hervor ein hühnereigrosser Prolaps erweichter Hirnsubstanz, 
welche dem Schläfenlappen angehört, ln diesem wiederum steckt 
ein Drainrohr in einer Oeffnnng am äusseren Pole des Pro¬ 
lapses. — Die Pia ist überall stark injicirt und getrübt. An 
beiden Heraisphaeren finden sich stellenweise perivasculäre Eiter¬ 
ansammlungen. — Das Hirn selbst stark hyperaemisch. — Die 
Abscesshöhle zieht sich aus der weissen Substanz des Scbläfen- 
lappens in die des Hinterhauptlappens hinüber und steht mit 
der Höhlung des Seitenventrikels an der Umbiegungsstelle in 
das Unterhorn in breiter Verbindung. Der Plexus choroldeus des 
Seitenventrikels ist mit Eiter belegt. Im Uebrigen aber ist der¬ 
selbe leer. Im linken Seitenventrikel findet sieb eine blutig 
tingirte, eiterhaltige Flüssigkeit, im IV. Ventrikel reiner Eiter. — 
An der Schädelbasis keine Fissuren. — Der Befund an den in¬ 
neren Organen entbehrt eines besonderen Interesses. Nur die 
Leber ist durchsetzt von kleinen gelbgefärbten, offenbar in V er- 
eitcrung begriffenen Infarcten. 

Beobachtungen, wie die vorliegende scheinen extrem selten 
zu sein. Wenigstens ist es mir nicht gelungen, in den mir 
zu Gebote stehenden literarischen Quellen auch nur einen 
Hinweis auf die Möglichkeit ähnlicher Vorkommnisse auf¬ 
zufinden. Das Besondere unseres Falles liegt darin, dass 
in unmittelbarem Anschluss an eine complicirte 
Scliädelfractur nicht etwa der gewöhnliche corticale 
oder subdurale Hirnabscess — d. h eigentlich viel¬ 
mehr eine mehr oder weniger begrenzte und mit®Verei¬ 
terung eines oberflächlichen Quetschungsherdes in der Hirn¬ 
rinde verbundene Leptomeningitis — entstanden war, 
sondern, neben einer minimalen Schädigung der 
Hirnrinde, eine ausgedehnte Vereiterung der 
weissen Substanz mit raschem Durchbruch in den 
Seitenventrikel. 

Auch dieser rasche Verlauf ist etwas Ungewöhnliches. 
Nach von Bergmann M ) darf man das Auftreten des ge¬ 
wöhnlichen subduralen Abscesses nicht vor der zweiten 
Woche nach dem Trauma erwarten, und die durchschnitt¬ 
liche Dauer desselben würde 3—5 Wochen betragen. In 
unserem Falle dagegen erfolgte der Durchbruch in den 
Seitenventrikel, durch welchen offenbar der in der Kran¬ 
kengeschichte geschilderte Sturm der terminalen Erschei¬ 
nungen entfesselt wurde, schon am 7. Tage. 

Dabei war der Beginn ein so ausserordentlich unschein¬ 
barer gewesen, dass der Patient 5 Tage lang noch ruhig 
seinen täglichen Verrichtungen nachging, ehe er ins Ho¬ 
spital kam. Ja, das Bischen Kopfschmerzen und Schlaf¬ 
sucht, mit dem er sich mir am Morgen des 7. April prä- 
sentirte, fand in der phlegmonösen Infiltration der Kopf¬ 
haut eine so ungezwungene und ausreichende Erklärung, 
dass in mir auch nicht einmal der Gedanke an eine Tre¬ 
panation aufstieg. Findet doch auch von Bergmann 15 ) 
dieselbe bei complicirten Schädelbrüehen — abgesehen von 
etwaigen Hirndrucksymptomen — nur dann indicirt, wenn 
entweder Fremdkörper, will sagen Schmutz im chirurgi¬ 
schen Sinne, in den Fissuren eingeklemmt ist, oder wenn 
letztere klaffen und das Vorhandensein von todten Räu- 
mep hinter den Fragmenten vermuthet werden muss. Die 
Entzündung der äusseren Weichtheile aber hoffte ich 
— und, wie der Erfolg gezeigt hat, mit Recht —, in 
kürzester Frist zu beseitigen. Am nächsten Tage freilich 
wurde die Operation schon ohne Aussicht auf einen Heil¬ 
erfolg und nur, um nichts zu unterlassen, ausgeführt. 

Betreffs des Entstehungsmechanismus dieses tiefen Him- 
abscesses enthalte ich mich jeder Hypothese, da der Sec- 
tionsbefund dafür keinerlei Grundlage bietet. Betont mag 
werden, dass eine mechanische Schädigung der weissen 
Himsubstanz bei der Geringfügigkeit der Rindenläsion 
nicht wohl angenommen werden kann. 

Im Uebrigen bedarf der Fall keines Cominentares. 

Referate. 

Prof. V. Babes und Prof. N. Kalendero. Ueber die 

Wirkung des Koch’schen Heilmittels bei Lepra. 

(Deutsche med. Wochenschr. Jfc 3). 

u ) 1. c. pg. 25 — Die Lehre von den Kopfverletzungen, p. 513 

'*) Beri. klin. W. 1886. X 39. 


Bericht über 5 Fälle von Knötchenlepra und 2 von Nerven- 
lepra. Alle Fälle zeigten eine deutliche allgemeine Reaction und 
mit Ausnahme eines Falles von Lepra nervosa auch ausgespro¬ 
chene locale Reaction; dabei waren die Patienten der Tubercu« 
lose durchaus nicht verdächtig, vielmehr erfreuten sie sich eines 
vorzüglichen Allgeroeinzustandes. Auf Grundlage ihrer Beobach¬ 
tungen gelangen Verff. zu folgenden Schlüssen: 1. Es bedarf bei 
Leprösen derselben oder einer etwas grösseren Dose des Heil¬ 
mittels, um die fieberhafte Reaction auszulösen. 2. Während 
bei der Tuberculose die Allgemeinreaction etwa 6—8 Stunden 
nach der Injection beginnt, erscheint das Fieber bei Leprösen 
in der Regel 24 Stunden, selten 12 Stunden nach der Einspritzung. 
3. Die Symptome und die Dauer der das Fieber begleitenden 
Erscheinungen sind dieselben, und gleich verschiedenartig bei 
beiden Erkrankungen, dauern aber, ebenso wie das Fieber, län¬ 
ger bei den Leprösen. 4. Nach einer einmaligen Einspritzung 
kann sich das Fieber mehrere Tage wiederholen — was bei Tu¬ 
berculose gewöhnlich nicht der Fall ist. 5. Während bei der 
Tuberculose die Accumulation der Wirkung des Mittels selten 
beobachtet wird, ist dies Verhalten bei Lepra die Regel. 6. Wäh¬ 
rend bei der Tuberculose die locale Reaction gewöhnlich von 
Anfang an zugleich mit dem Fieber hervortritt, fehlt gewöhn¬ 
lich bei Leprösen während der ersten fieberhaften Reaction die 
locale Einwirkung des Mittels. Dieselbe erscheint meist erst 
nach mehrtägiger Behandlung. 7. Die Reaction ist zunächst 
undeutlich, kaum wahrnehmbar. Erst während späterer Fieber¬ 
anfälle treten Empfindlichkeit, Röthung und bedeutende Schwel¬ 
lung der leprösen Infiltrationen auf, oft ein beginnendes Erysi¬ 
pel vortäuschend: in der Umgebung der Lepraknoten entsteht 
eine mehr oder weniger intensive, breite, rothe Zone. Nach 
Ablauf der Reaction constatirt man Abfall und Verblassung der 
leprösen Infiltrate, sowie Vertrockung der Lepraknoten, welche 
an der Oberfläche erodirt, von grösseren oder kleineren trocke¬ 
nen Krusten bedeckt sind. In einem Fall war die Abschwellung 
ganz auffallend. Es handelte sich um einen Patienten, welcher 
in Folge lepröser Larynxaffection seit vielen Monaten ganz apho- 
niscli geworden war und an Athembeschwerden litt. Nach 14 
tägiger Behandlung waren Aphonie und Athembeschwerden ver¬ 
schwunden. 8. Bei der Nervenlepra ist die locale Reaction schwer 
zu constatiren. ln einem Falle constatirten Verff. Röthung der 
leprösen Flecke, Steigerung der Empfindlichkeit der anaesthe- 
tischen Partie. Zunahme der Beweglichkeit der atrophischen Ex¬ 
tremitäten. Verff. betonen die Verschiedenheiten der allgemei¬ 
nen und localen Reaction bei Lepr& und Tuberculose. 

(l)r. Julius Gold Schmidt (Madeira) berichtet in der Ber¬ 
liner klin. Woch. JVi 2, 1891 über 5 Fälle von Lepra, in 
welchen nach den Injectionen ebenfalls sowohl allgemeine als 
locale Reaction constatirt wurde Anm. des Ref.). 

Abelmann. 

L. Wikham. Ueber die sogenannte Paget’sche Krankheit. 
(Thfcse de Paris 1890). Monatshefte für prakt. Dermatolo¬ 
gie. Band XI .V 3 1890). 

Diese immer häufiger vorkommende Krankheit tritt gewöhnlich 
an der Brustdrüse auf. Sie beginnt mit hornigen Auflagerungen 
unter denen sich eine lebhaft rothe Fläche verbirgt, die schliess¬ 
lich in Eiterung übergeht. Sie weist in ihrem ersten Stadium 
eine papierartige Verhärtung auf und ist von einem scharfen 
Rande begrenzt, und schliesslich geht sie in eine krebsartige 
Entartung über, indem sich an einem beliebigen Punct der 
Warzengegend oder in der Drüse selbst ein harter epitheliomatöser 
Kern bildet, der den Charakter eines lobulären oder alveolären 
Epithelioms, aus Pflasterepithclien bestehend, annimmt. 

Das Wichtigste ist nun, dass diese Wucherung bedingt ist 
durch Psorospermien, die sich in die Ausführungsgänge der 
Knäuel und Talgdrüsen hineindrängen, dieselben vollkommen 
ausfüllend; es bilden sich vom Epithel aus grosse, epitheliale 
Sprossen, die sich in das Derma hineinziehen; in allen diesen 
Epithelsprossen findet sich der Parasit wieder, der daselbst in 
Form von kleineren, sehr verschieden gestellten Massen, ent¬ 
sprechend den verschiedenen Entwickelungsstadien, die durch 
Carmin sehr lebhaft gefärbt werden, nachzuweisen ist. 

Sich seihst überlassen kann die Krankheit allmälig die ganze 
Brustdrüse inficiren und auf diese Weise den Tod herbeiführen. 

Die Diagnose am Lebenden hat im Anfangsstadium das Eczem 
auszuschliessen. Die erwähnte Induration und der scharfe Rand, 
der bisweilen in einen Wulst übergeht, bieten die Anbaltspuncte. 
In späteren Stadien kommt das Epitheliom in Betracht. Man 
kratzt behufs der Diagnose einen beliebigen Punct auf, zer¬ 
zupft das Abgekratzte und untersucht, nachdem man das Ma¬ 
terial mit Lugol’scher Lösung, nach Gram, behandelt, direct 
in einem Tropfen Wasser. Im ersten Stadium bestehen die 
Parasiten aus Protoplasmamassen oder aus Kernen, später um¬ 
geben sie sich mit einer glänzenden, zuweilen dicken Membran, 
werden rund und enthalten olt mehrere Kerne. Sie wachsen 
allmälig zu oft colossalen Cysten aus, ergiessen sich immer 
wieder von neuem und bilden so neue Wucnerungsherde. 

Die Therapie muss nicht in der Exstirpation, sondern in anti¬ 
parasitären Mitteln bestehen. Darier, der die parasitäre Na¬ 
tur des Processes nachgewiesen, hat bereits einen ermuthigenden 


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44 


Erfolg zu verzeichnen. Er ätzt mit Chlorzinklösung (1:2) und 
applicirt dann ein „Emplastrum de Vigo“ oder eine 10% Jodo- 
t'ormsalbe. E. Krug (Hungerburg). 


BUcheranzeigen und Besprechungen. 

Prof. Wilhelm Winternitz. Die Hydrotherapie auf phy¬ 
siologischer und klinischer Grundlage. Zweite durch¬ 
aus umgearbeitete und vermehrte Auflage. Erster Band 
Wien und Leipzig. Urban & Schwarzenberg. 1890. 

Das Verdienst die Hydrotherapie auf eine physiologische Ba¬ 
sis gestellt zu haben gebührt vor vielen anderen Autoren Prof. 
Winter nitz, dessen umfangreiche experimentelle Forschungen 
und klinische Beobachtungen viel zu dem gewaltigen Aufschwung 
beigetragen haben, den die hydriatische Behandlungsmethode, 
als besonderer Zweig der Therapie erlangt hat. In dem vor¬ 
liegenden ersten Bande hat Verf. sich bemüht die Wirkungs¬ 
weise der hydriatischen Methode, ihre Technik und Indica- 
tionen darzulegen, ln klaren Zügen schildert er die Wirkungen 
iles Wassers bei äusserlicher und innerlicher Anwendung und 
durch eine ganze Reihe von Versuchen werden die Wirkungen 
bekräftigt. Eingehende Auseinandersetzung erfährt die Wärme¬ 
regulation des Körpers, ihre Beziehung zur Fiebergenese; Alles, 
was bis jetzt auf diesem Gebiete bekannt geworden ist, findet 
der Leser hier exact gesichtet. Die verschiedene Technik des 
Wasserheilverfahrens wie z. B. die Abreibung Abklatschung, 
das Lackenbad, die feuchte Einpackung die Theilbäder sind 
ausführlich behandelt, nebenbei die Inaicationen und Contra- 
indicationen. In den 2 letzten Capiteln findet sich die für den 
Praktiker überaus wichtige Beschreibung der verschiedenen 
Umschläge. Binden (Leib-Hämorrhoidal-Magenbinden etc.) und 
Schläuche (Rückenscnläuche, Chapmann-Beutel, Herzkühler, Atz- 
perder’scher Kühlzapfen etc.); als Anhang die Anwendungsweise 
der Klysmen. Es genügt somit das vorliegende Werk vollauf 
sowohl den Anforderungen des Theoretikers, als denen des prak¬ 
tischen Arztes und sei es hiermit auf das Wärmste empfohlen. 

Abelmann. 

J. Michel. Lehrbuch der Augenheilkunde. 2. Aufl. Berg¬ 
mann. Wiesbaden. 1890. 

Das bekannte Lehrbuch liegt uns in bedeutend erweiterter 
und wesentlich verändertei* Form vor; es umfasst bei grösse¬ 
rem Format 780 Seiten (gegenüber 674 S. der ersten Auflage 
1884) und enthält 142, zum Tlieil farbige Text-Abbildungen; 
dagegen sind die zwei ophthalmoskopischen Farbentafeln der 
ersten Auflage fortgeblieben. Die Anordnung des Stoffes ist 
eine andere, und wie uns scheinen will, zweckmässigere ge¬ 
worden; an Stelle der zwei Haupttheile der ersten Auflage 
(eines physiologisch-klinischen und eines pathologisch-klinischen 
Theilesl sind die drei Hauptabschnitte: Untersuchungsmethoden, 
Erkrankungen, Verletzungen und Operationen, getreten. Die 
pathologische Anatomie hat auch diesmal eingehende Berück¬ 
sichtigung gefunden; auch sind wie früher den einzelnen Ca¬ 
piteln recht reichliche Literaturangaben vorausgeschickt. Sehr 
zu loben ist das ausführliche, sorgfältig ausgearbeitete Sach¬ 
register, welches die Benutzung des Buches ausserordentlich 
erleichtert. 

In sachlicher Beziehung möchten wir nur mit einigen Worten 
auf die Stellungsnahme des geehrten Verf. zur Frage derHemi- 
anopie eingehen. Bekanntlich steht Michel unter den Oph¬ 
thalmologen der Gegenwart fast allein auf dem Standpuncte, 
dass er eine vollständige Kreuzung der Seknervenfasern im 
Chiasma behauptet und demnach die Läsion eines Tractus opti¬ 
cus als Ursache einer contralateralen homonymen Hemianopie 
nicht anerkennt; diese von der allgemein geltenden, durch zahl¬ 
reiche anatomische, experimentelle und klinische Befunde ge¬ 
stützten Lehre vollständig abweichende Auffassung hat er noch 
kürzlich ausführlich zu begründen gesucht (Ueber Sehnerven¬ 
degeneration und Sehnervenkreuzung. Festschrift zu Kölli¬ 
ker ’s siebzigstem Geburtstage. Würzburg 1887) und ebenso 
auch in diesem Lehrbuch dem Capitel über die Hemianopie 
zu Grunde gelegt; hierbei aber sind die sehr gewichtigen Gründe, 
welche die überwiegende Mehrzahl der Ophthalmologen zu der 
Annahme einer nur theilweisen Faserkreuzung im Chiasma 
bestimmt haben, unseres Erachtens nicht in dem Maasse be¬ 
rücksichtigt worden, wie es in einem objectiven Lehrbuche 
hätte geschehen sollen. Der Fachmann wird, wenn ihm der 
Verf. auch eine befriedigende Erklärung der homonymen Hemi¬ 
anopie nicht giebt, dennoch mit Interesse von den abwei¬ 
chenden Anschauungen derselben Kenntniss nehmen, der Ler¬ 
nende aber, für den ein Lehrbuch doch in erster Linie be¬ 
stimmt sein soll, wird durch eine solche — sit venia verbo! — 
einseitige Darstellung an einer einheitlichen und klaren Auf¬ 
fassung der gegenwärtig sehr klaren Lehre von der Hemi¬ 
anopie verhindert. Blessig. 


Auszug aus den Protokollen 

der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. 

1152. Sitzung am 7. November 1890. 

Anwesend'43 ordentliche Mitglieder und 14 Gäste. 

1) Dr. Schabert verliest seinen angekündigten Vortrag 
„über Vergiftung durch animalische Nahrungsmittel . 
Vortragender hebt hervor, dass die Bezeichnungen: Fleisch-, 
Fisch-, Wurst-, Käse- uud Milchvergiftung nicht:“,den Anspruch 
einerDiagnose machen, da mit ihnen nur im Allgemeinen auf 
die Quelle des Giftes hingewiesen, nicht aber das Gift selbst 
gekennzeichnet sei. 

Bei der Vergiftung durch Fleisch und Fisch sei zu unter¬ 
scheiden, ob die toxischen Eigenthaften vom lebenden Thier 
herstammen (Vergiftungen mit frischem Fleisch) oder ob sie im 
Cadaver erst entstanden sind (Cadaververgiftungen). 

I. An sich giftiges Fleisch von Säugern und Vögeln kennt man 
nicht. Wohl aber könne Gift aus bestimmter Nahrung herstammen 
und übertragen werden z. B. Belladonna durch Hasen, Kaninchen 
und Geflügel, die selbst gegen dieses Gift ziemlich immun sind. 
Ferner könne das Gift gewisser Krankheiten übertragen werden 
z. B. Anthrax und das septische Gift puerperalkranker Kühe. 
— An sich giftige Fische sind in den tropischen Meeren zahl¬ 
reich und verursacht der Genuss derselben den sogenannten 
Ichthysmus paralyticus, den Ichthysmus exanthematicus und den 
Ichthysmus choleriformis, welche letztere Krankheit auch in Eu¬ 
ropa durch die Barbe (cyprinus barbus) zu gewissen Zeiten ver¬ 
ursacht worden ist (Barnencholera). — Von den Krankheiten 
der Fische ist sehr wenig bekannt, doch weiss man bereits von 
Epizootien der Barsche, deren Fleisch dadurch Giftwirkung er¬ 
langen kann. 

II. Cadaververgiftungen. Die üblichen Unterscheidungen von 
Fleisch-, Fisch- und Wurstvergiftung hält Vortragender für un¬ 
gerechtfertigt, da es sich nur um das specifische Product des 
Fäulnissprocesses handle, nicht aber darum, ob diese Fäulniss 
sich in einer Wurst oder in einem Stück Stör abgespielt habe. 
Auch die Literatur bestätige diese aprioristisch vielfach ver¬ 
tretene Annahme. — Wenn das Symptomenbild nicht immer ein 
constantes ist, so liege das nicht an dem Material (Fleisch, 
Fisch, Wurst), sondern an den specifischen Fäulnissproducten 
(Fäulniss-Atronin, Muscarin etc.). Unter diesen Cadaververgif¬ 
tungen sowohl der Wurst-. Fleisch-, wie Fischvergiftung sei 
jene Form die weitaus häufigste, die von Kobert kurzweg als 
Ptomatoatropinvergiftung bezeichnet worden.— Vortragender 
berichtet über drei einschlägige Fälle, die er im verflossenen 
Sommer beobachtet 

Am 11. Juli hatte die Familie des A. H.. bestehend aus ihm, 
seiner Frau und dem Pflegevater als Abendmahlzeit Thee, Brod, 
Hammelfleisch und Pilze genossen. Am nächsten Tage um 10 Uhr 
Morgens stellte sich bei ihm profuses Erbrechen gallig gefärbter, 
nach faulen Eiern schmeckender Flüssigkeit ein. Nach 2 Stun¬ 
den abermals, am Abend ein 3. Mal Erbrechen, in diesen Fällen 
brauner, kaffeesatzähnlicher Massen.—Nach diesen Initialerschei¬ 
nungen am 3. Tage: Hitze und Trockenheit im Munde, unlöschlicher 
Durst; unmögliches, später erschwertes Schlingen, hartnäckige 
Stuhlverstopfung. Darnach Sehstörungen, das Nahliegende scheint 
verschwommen, während Gegenstände in der Ferne deutlich ge¬ 
sehen werden. Hinzutreten: allgemeine muskulöse Erschöpfung, 
Apathie, Schlafsucht. — Der Status am 16., an welchem Tage 
ärztlicher Rath zum ersten Mal eingeholt wurde, ergab: Puls 
mittelgross, regelmässig, 106 Lunge und Herz normal. Leib etwas 
aufgetrieben, Magengegend nicht druckempfindlich. Im Ab¬ 
domen nichts Abnormes. Harn saturirt, trübe, Eiweissspur, viel 
Urate, 1021. — Schleimhaut der Mundhöhle trocken,- die Zunge 
mit dickem, weissgrünem Belag, der weiche Gaumen stark ge- 
röthet. Die Bulbi treten vor. Pupillen mittelweit, reagiren träge. 
Ophthalmoskopischer Befund (Dr. Dahlfeld.): Accomodations- 
schwiiche, Hyperopie mit + Gläsern zu corrigiren. Hintergrund 
normal. — Patient erhält ein starkes Sennainfus, später Exci- 
tantia und Roborantia, symptomatisch Convexbrille und Eserin¬ 
instillationen, die vorzüglich wirken. Im weiteren Verlauf 
stellt sich trockener croupartiger Husten mit stark sedimen- 
tirendem Auswurf ein. Im Uebrigen war der Krankheitsverlauf 
charakterisirt durch auffällige Stabilität der Symptome. — Am 
ehesten Hessen die Schlingbeschwerden nach, dann die Trocken¬ 
heit im Munde, dann die Selistörungen und schliesslich die 
Verstopfung. Störungen der psychischeu Functionen, der Mo¬ 
tilität und der Sensibilität wurden vermisst. Erst 2*/* Monate 
nach stattgehabter Vergiftung erfolgte die Genesung. — Das 
geschilderte Krankheitsbild hatte sich in vollem und gleichem 
Umfauge bei der Frau entwickelt, in etwas schwächerem Maasse 
waren die Symptome bei dem alten Manne (72 a. n.) die gleichen. 

Die Eindeutigkeit der vorliegenden Fälle machte keine diffe¬ 
rentialdiagnostischen Schwierigkeiten, die Aehnlichkeit mit 
Atropinvergiftung ist evident — bis aut den späten Eintritt der 
Symptome (nach 12Stunden), was wieder die Ptomatoatropin¬ 
vergiftung charakterisirt. 

Als Quelle der Vergiftung müsse das Hammelfleisch gelten, 


Diaitizec 


zedby GoOgle 




45 


ici tu4i itiaiu i/uoio ^uauucu, nuouaiu iuc ä \\ uitai ucö 

's nicht alle die Ptomatoatropinvergiftung charakterisi- 
Symptome habe aufkommen lassen. 


dessen Vorrath völlig consumirt war. Die Pilze waren Agaricus 
campestris,d er ungiftig ist. 

Das Wesen dieser Vergiftung anlangend, ist von allen For¬ 
schern bisher eine toxische Fäulnissbase als Grundlage ange¬ 
nommen worden. Die Darstellung und Isolirung derselben hat 
indess grosse Schwierigkeiten gemacht. — Nachdem 1869 Son¬ 
nenschein und Zuelzer einen atropinähnlichen Körper in 
der Maceration anatomischer Präparate gefunden, isolirte Eh- 
renberg 1886 aus giftiger Wurst Aethyl-Dimethylamin, Neurin 
und Cholin, letzteres mit Muscarinwirkung. Einen atropinähn- 
lichen Körper fand er iedocli nicht. 1887 hat (nach Robert) 
v. An rep aus Störfleisch una den Organtheilen der Vergifteten 
ein Ptomain isolirt, das Atropinwirkung hatte. Neben diesem 
fand An rep ein zweites, das muscarinähnlich wirkte. Letz¬ 
terem Ptomain ist jedoch das atropinähnliche an Wirkung 
überlegen, woraus sich das meist der Atropinvergiftung ähn¬ 
liche Krankheitsbild der Vergifteten erklärt. — Der einzige Fall 
von muscarinähnlicher Ptomainvergiftung dürfte der im vorigen 
Jahre von Sobbe in der Berliner klinischen Wochenschrift ver¬ 
öffentlichte sein. 

Eine zweite häufig beschriebene Form der Vergiftung ver¬ 
läuft als acute Gastroenteritis. Die Aetiologie ist hier zwei¬ 
fellos nicht einheitlich: intestin. Anthrax, Ichthysmus choleri- 
forrais, Enteritis nach dem Genuss von Fleisch septischer Kühe 
etc.; jedoch scheint die Gastroenteritis auch als Cadaververgif- 
tung Vorkommen zu können. Ein Gastroenteritis erzeugender 
Bacillus ist von Gaertner gefunden worden. Gaffky fand 
einen ähnlichen in alter Rossfleischwurst, — was darauf hinweist, 
dass das Wesen dieser Vergiftung auf Mikroorganismen beruhen 
könne. 

Das Wesen der Käse- und Milchvergiftung (besonders in 
Amerika) anlangend, die beide als Gastroenteritis verlaufen, so 
ist das Wesen derselben in dem von Vaughan isolirt en Tvro- 
toxicon zu suchen, welch letzterer Körper auch von Firtli aus 
giftiger Milch kristallinisch dargestellt wurde. Specielle Chemie 
und toxicologiscnes Experiment stehen noch aus. 

Zum Schluss gab Vortragender ein übersichtliches Schema 
der Gruppirung für die Vergiftungen durch auimalische Nah¬ 
rungsmittel und recurrirte auf die am 1. November 1889 von 
Dr. Hahn mitgetheilten Fälle, welche er gleichfalls als Pto- 
matoatropinvergiftung auffassen möchte. Bei letzteren habe es 
sich aber uni letale Dosis gehandelt, weshalb die Acuität des 
Verlaufs 
renden 

Im Anschluss hieran giebt Dr. Heerwagen eine kurze Ueber- 
sicht über das Wenige, was über die Eigenschaften der Pto- 
maine bekannt ist. Chemisch charakterisirt sind sie als Ammo¬ 
niakderivate, meist sind es Diamine. Die chemische Constitution 
ist erst bei wenigen unanfechtbar sicher, wie z. B. beim Cada- 
verin, welches bereits synthetisch dargestellt worden ist. Durch 
Ptomaine, respective Toxine, wie die höchst giftigen Reprae- 
sentanten derselben von Brieger genannt werden, wirken die 
Bakterien auf den animalen Organismus; neuerdings sind auch 
äusserst giftige Eiweisskörper (Toxalbuminc) aus Rcinculturcn 
dargestellt worden. Dass die Bakterien ihre Krankheit erre- 

§ enden Wirkungen thatsächlich den Toxinen verdanken, ist da- 
urch bewiesen, dass die Reinculturen durch Kochen und Fil- 
triren sicher keimfrei gemacht, vielfach ähnliche Wirkung auf¬ 
wiesen, wie die Reincultur selbst (pyogenes aureus, Tetanus¬ 
bacillus u. a.). Höchst interessant, zumal im Augenblick, ist ein 
gewisser Antagonismus zwischen den Toxinen resp. Bakterien. 
So fand Garre, dass der Bacillus fluoresc. putrid, der Nähr¬ 
gelatine die Fähigkeit nimmt, als Nälirboden für staphvl. mögen, 
aur.. bac. typh. abd. u. a. zu dienen, während der ^inkler-Pri- 
orsclie Commabacillus üppig auf so vorbereitetem Boden wächst. 
Büchner gelang es durch Injection sterilisirter Culturen des 
Friedländerschen Capselcoccus die Mehrzahl der mit Milzbrand 
inficirten Kaninchen vor dem sonst sicheren Tode zu retten. 
Chamberland und Roux machten durch Einverleibung stei¬ 
gender Dosen von bacillenfreien Culturen des malignen Oedems 
Thiere immun gegen diese Krankheit. In dieses Gebiet gehört 
wohl auch Robert Koch’s Mittel gegen Tuberculose. 

Ueber die Herkunft der Ptomaine: ob sie dem abgestorbenen 
Zellleib der Bakterie entstammen (Cantani, Büchner) oder 
ihr Stoffwechselprodoct darstellen, wie die me : sten Autoren an- 
nehmen, sind die Acten noch nicht geschlossen. 

Dr. Wolferz glaubt eine ganze Reihe von chronischen Er¬ 
krankungen, die ihre Symptome in Anaemic und Kopfschmerzen 
haben, auf die Resorption abnormer Zersctzungsproducte ani¬ 
malischer Nahrungsmittel, die Dr. Wolferz für Ptomaine hält, 
zurückführen zu müssen. Salzsäure habe ihm dabei gute Dienste 

S ’ ' ‘ot. Ein Fall besserte sich bedeutend bei rein vegetabi- 
Kost und verschlimmerte sich, als wieder Fleisclmah- 
rung genossen wurde. Es erinnere ihu dieses an die Fälle, 
über welche Dr. Westphalen auf dem Aerztetage in Wenden 
berichtete. 

Dr. Mercklin begründet, warum er Dr. Wolferz’s. wie auch 
Westphalens Fälle für nicht eigentlich hierher gehörig er¬ 
achte. Man habe zu unterscheiden: 1) einfache giftige Nahrungs¬ 
mittel, welche eben bei allen Jndividucn Vergiftung horvorrufeu 


und 2) abnorme Zersetzungsproducte an sich ungiftiger Nahrungs¬ 
mittel in Folge eines gestörten Verdauungscnemismus. Diese 
letzteren kommen blos in Dr. Wolferz Fällen in Betracht. Dr. 
Schabert macht darauf aufmerksam, dass Dr. Wolferz’s Me- 
dication (Salzsäure) blos Gährungsvorgänge im Magen berück¬ 
sichtige, den Darm aber ausser Acht lasse. Sei Dr. Wolferz 
Calcul richtig, so müsse man sich von Calomel mehr Erfolg ver¬ 
sprechen. 

Dr. Hampeln. Nach Versuchen in Gerhardts Klinik sei 
Calomel in üblicher Dosis ebensowenig befähigt die Darinfäul- 
niss zu hindern wie Salicylsäure und Salol. Merkwürdiger 
Weise hat dagegen Campher diese Wirkung. 

2) Dr. Hach ergänzt seinen Bericht vom 3. October über 
einen von ihm ausgeführten Kaiserschnitt nach Porro dahin, 
dass auch der weitere Verlauf vollständig ungestört gewesen. 
Am 73. Tage nach der Operation habe Pat. nach einer Spa¬ 
zierfahrt den den Cervix umschnürenden Gummischlauch per 
vaginam verloren. Derselbe wird vorgelegt und darauf hin¬ 
gewiesen, wie die den Knoten sichernden Seidennähte unver¬ 
sehrt sind. 

3) Dr. Hübner legt ein Instrument zum Spalten von Eis vor, 
von dessen praktischer Brauchbarkeit er sich überzeugt hat 
und empfiehlt dessen Anwendung im Krankenzimmer. 

_ Heerwagen. 

Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

— Eich hörst (Zeitschr. f. kliu. Med. XVII Suppl.) hat an 

2 Patienten mit in den Magen oder die Luftwege durch¬ 
brechenden Leberechinokokken ein nach ihm sicheres 
Symptom für ein solches Vorkommnis» kennen gelernt, näm¬ 
lich das Auftreten eines sjiecifischen, an Pflaumenmus erin¬ 
nernden Geruchs. _ _ (Ther. Mon. XI). 

Vermischtes. 

— Der nächste (V.) Congrcss russischer Aerzte wird 
in St. Petersburg tagen. Zu Gliedern des Organisations- 
comites desselben sind auf dem letzten Congress in Moskau die 
Proff. Manassein, A. I. Krassowski, W. Anrep. S. W. Schid- 
lowski, W. W. Ssutugin, und zu Candidaten die Proff. Sla- 
wjanski, W. W. Pascnutin, W. M. Tarnowski, sowie die 
DDr. Eber mann und E. A. Dniitrijew gewählt worden. 

— Verstorben: 1) Am 21. Januar in Riga der freipraktisi- 
rende Arzt Dr. Felix v. Huebner nach kurzer Krankheit 
im 56. Ixibensjahre. Der Hingeschiedene stammte aus Estland 
und hatte seine medicinische Ausbildung in Dorpat erhalten, 
wo er von 1853—58 studirte und im Jahre 1861 die Doctor- 
würde erlangte. Nachdem er sodann 13 Jahre als Landarzt 
in Livland (in den Kirchspielen Anzen und Theal-Fölk) fungirt, 
besuchte H. von 1874—76 ausländische Universitäten, um sich 
speciell mit gynäkologischen Studiem zu befassen. Seit 1876 
praktisirte H. in Riga, wo er sich bald die Liebe seiner Pati¬ 
enten und die Achtung seiner Collegen erwarb. — 2) In Galitsch 
am 19. Januar der Landsehaftsarzt W. K. Abramow am Fleck¬ 
typhus mit dem er sich im Hospital infieirt hatte. Der Ver¬ 
storbene hat seine Wittwe mit drei unmündigen Kindern ganz 
mittellos hinterlassen Die Beerdigungskosten wurden von der 
Landschaft, bei welcher er 11 Jahre gedient hat, getragen 
3) Am 16. Januar der dortige Arzt W. W. Pentschkowsk i. — 

— Jn der vorigen Woche sind hier zwei der bekanntesten 
Apotheker St. Petersburgs gestorben: der wirkl. Staatsrath 
E. Gern, langjähriger Apotheker des Findelhauses und A. 
Forsmann, Apothekenbesitzer und Präsident derpharmaceuti- 
sclien Gesellschaft, sowie Deputirter dieser Gesellschaft beim 
Medicinalrath. — 

— Vor dem St. Petersburger Bezirksgericht wurde am 10. und 
17. Januar die Entschädigungsklage des Dr. Rochel gegen 
das Ministerium des Innern verhandelt. Dr. Rochel hatte im 
J. 1868 die Mineralquellen von Staraja Russa auf 24 Jahre ge¬ 
pachtet. Im Mai-Monat des vorigen Jahres, also 2 Jahre vor 
Ablauf der Pachtzeit nahm aber das Ministerium des Innern 
ganz unmotivirt dem Pächter die Mineralquellen ab und setzte 
eine Kronsvcrwaltung ein. Da Dr. Rochel sich einer Ver¬ 
letzung des Kontraktes nicht bewusst war, so reichte er eine 
Entscnädigungsforderung gegen das Ministerium im Betrage 
von 26,532 Ilbl. ein. — Das Bezirksgericht erkannte mittelst 
Resolution vom 17. Januar die Ansprüche des Dr. Rochel 
auf Entschädigung seitens des Ministeriums des Innern als be¬ 
rechtigt an und Überliess es dem Kläger, die von ihm angege¬ 
benen Verluste bis zum Betrage von 26,532 Rbl. nachzuweisen. 
Ausserdem wurde das Ministerium zur Zahlung der Gerichts- 
kosteu von 25 0 Rbl, an Dr Rochel verurtheilt. 

BV Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 5. Februar 1891. 

Annahme der Mitgliedsbeiträgc und Abonnements auf die 
„S t. Pete rsburger Medicinische Wochenschrift“. 

IV Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. Februar 1891. 


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46 


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Neue Folge VIII. Jahrg. 


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unter der Redaction von 

Frof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Mediciuische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.- Der AbonnementepreiB ist in Russland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 

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IV* Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate "Vp 

bittet mau ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Bdoker in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect fl» 14, zu richten. — Kanusoripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Schröder in 
St.Petersburg, Malaja Italjansktya .V: 33, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 

1891 


St. Petersburg, 9. (21.) Februar 


Inhalt. E. Moritz: Die Koch’sohe Behandlung im deutschen Alexander-Hospital. — Referate: Mosetig-Moorhof (Wien): 
Zur Behandlung nicht operabler bösartiger Neubildungen. — J. Michael: Erfahrungen über die Anwendung des Koch’schen 
Mittels bei Kehlkopftuberculose. — T. Colcott Fox (London): Ueber Urticaria im Säuglings- und Kindesalter. — Kleinere 
Mittheilungen und therapeutische Notizen. — Vermischtes. — Vacanz. — Mortalitäts-Bulletin St. Peters¬ 
burgs. — Anzeigen. 


Die Koch’sche Behandlung im deutschen Alexander- 
Hospital. 

von 

Dr. E. Moritz. 

St. Petersburg. 

Als wir am 6. (18.) December 1S90 im deutschen 
Alexander-Hospital mit der Koch’schen Behandlung der 
Tuberculose begannen, lagen bereits mehrfache Publica- 
tionen Uber diesen Gegenstand vor und ich selbst hatte 
in Berlin Gelegenheit gehabt, eine Reihe von Kranken 
zu sehn, die mit Koch’schen Injectionen behandelt waren. 
Das genügte natürlich lange nicht, um uns mit festen 
Normen für alle Fälle auszurüsten — es galt erst selb¬ 
ständige eigne Erfahrung auf Grund selbst beobachteter 
Fälle, zu gewinnen. Namentlich Hess sich ein Urtheil über 
die Zulässigkeit der Injectionscur, resp. die Wahrschein¬ 
lichkeit des Erfolges im einzelnen Falle nur bilden, wenn 
man möglichst viele analoge gesehen hatte. Daher waren 
wir anfangs dem Andringen auch schwer an Phthisis er- i 
krankter Personen gegenüber nachgiebiger als wir es jetzt | 
sind. Um die Wirkungen zu studiren, konnten uns die ! 
Obductionen ungünstiger Fälle sehr werthvoll werden. 
Aber auch bei einigen nicht tuberculösen Kranken haben 
wir Injectionsbehandlung geübt, wenn die Patienten es 
wünschten, — um unsere Kenntniss über die Wirkungsweise 
des Mittels zu erweitern. 

Der Zweck vorliegender Mittheilung ist, — über die 
bisherigen Erfahrungen Rechenschaft abzulegen. Wir ha¬ 
ben an 36 Patienten im Ganzen 335 Injectionen ge- 1 
macht, — ein Material, das zwar kein sehr grosses ist, ; 
immerhin doch gewisse Schlüsse gestattet. 

Zunächst sei gesagt, dass die Reaction in bekannter j 
typischer Weise in allen Fällen eintrat, wo Tuberculose 
constatirt oder mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ver- 
muthet .wurde. Sie trat aber auch ein in einem Falle 
(Kruskopf), der ziemlich sicher nichts mit Tuberculose zu 
thun hat und in einem 2. bei welchem sie nicht erwartet 
wurde und dessen tuberculose Natur dadurch erst wahr¬ 


scheinlich geworden, obschon noch nicht erwiesen ist 
(Dickson). 

Die Injectionen blieben reactionslos in einigen Fällen 
(Jurjewitsch, Prjanischnikow), wo sie diagnostischen 
Zweck hatten und die aus anderen Daten gestellte nega¬ 
tive Diagnose somit bestätigt wurde. — Die wichtigste 
Frage, — in wie weit die Koch’sche Flüssigkeit als Heil¬ 
mittel Werth hat, event. in wie weit sie als Gift, also 
schädlich wirkt, — diese Frage kann von uns ebenso¬ 
wenig definitiv beantwortet werden, wie von den zahl¬ 
reichen höchst competenten Beobachtern vor uns. R. Koch 
selbst hält sie noch für eine offne. 

Sicher ist, dass es eine kurze Antwort nicht giebt, — 
dass in vielen Fällen das neue Mittel sich in der That 
als Heilmittel bewährt hat, — dass es aber auch in eben¬ 
falls zahlreichen Fällen den unglücklichen Ausgang be¬ 
schleunigt hat. Die am Deutschen Alexander-Hospital 
in 8 Wochen gesammelten Erfahrungen haben Belege 
für Beides geliefert, —jedoch ist der Totaleindruck bis- 
hiezu ein günstiger. Ein Unglücksfall unmittelbar nach 
oder durch eine Injection ist nicht vorgekommen und die 
letalen Fälle waren sämmtlich vollkommen verlorne Posten 
und nur auf Drängen der Unglücklichen, die auch dieses 
Letzte zur Rettung versuchen wollten, — wurde die Be¬ 
handlung begonnen. — Dem gegenüber sind unter den in 
Besserung befindlichen Fällen mehrere, welche früher un¬ 
bedingt als verloren angesehen werden mussten; — 2 
Kranke sind bereits als vorläufig genesen entlassen (Toro¬ 
painen, Ludwig) — der objective Befund hat sich gebes¬ 
sert, Husten ist geschwunden, Bacillen konnten bei den 
letzten Untersuchungen nicht mehr nachgewiesen werden. 

Bei chirurgischer Tuberculose und intacten Lungen 
haben wir auf Grund unserer wenigen Fälle einen im Ganzen 
günstigen Eindruck gewonnen. Ein Fall, welcher uns 
als Lupus zugeschickt wurde, ist soeben in Behandlung 
getreten (Treublut), scheint sich jedoch als eine Form 
von Lues zu erweisen, — dieses dankbarste Object für 
die Koch’sche Behandlung ist uns also bisjetzt versagt 
geblieben. Bei einem Kranken (Katzkow), welcher we¬ 
gen eines tuberculösen Herdes in der Tibia in Behandlung 


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trat, — zeigte sieh nach den ersten Injectionen eine locale 
Schwellung und Röthe in 2 kleinen Verhärtungen der 
rechten Wange, welche nach einem vor Jahren eröffneten 
Abscess zurückgeblieben waren; nach den spätem Injec¬ 
tionen fehlte diese Loealreaction in der Wangenhaut, die 
Wange wurde definitiv blasser und kleiner als die in- 
tacte linke. 

Einen ebenfalls günstigen Erfolg scheinen uns die tu- 
berculösen Erkrankungen der Schleimhäute zu verspre¬ 
chen. Von grossem Interesse ist ein Fall von tuberc.ulöser 
Ulceration des weichen Gaumens (Kühlewein), an welchem 
die specifische Wirkung des Koch’schen Mittels sich in 
bequemster Weise beobachten Hess. Es lag eine kleine 
unreine, ulcerative Perforation des Velum rechts neben 
der Uvula vor. Nach der 1. Injection von 1 Milligramm, 
welche kein Fieber bewirkte, schwoll das Velum mächtig 
an, eine intensive Röthe erschien in der Umgebung des 
Ulcus und binnen einigen Tagen vergrösserte sich das 
geschwürige Loch im weichen Gaumen rapide bis endlich 
die letzte schmale Schleimhautbrücke am Gaumenbogen 
durchriss und nun eine offne Lücke vorlag. Auf die 
letzten Injectionen folgten intensive allgemeine aber keine 
localen Reactionen mehr; die Ränder des Defects sind in 
Vernarbung begriffen, die flammige Röthe des weichen 
Gaumens ist abgeblasst, — die Heilung scheint nicht 
mehr fern. 

Tuberculöse Erkrankungen des Kehlkopfs sind unter 
unsern Fällen stark vertreten, doch alle combinirt mit 
Lungentuberculose (12) und leider die Mehrzahl Peri- 
chondritis. — Zwei Fälle sind (Zurmühl, Ludwig) der Hei¬ 
lung nahe, drei andere (Klostowsky, Anissimow, Rautiai- 
nen) in Behandlung—die übrigen sind theils ihrer schweren 
Phthise erlegen, theils als aussichtslos entlassen. 

Die grosse Mehrzahl unserer Kranken (26) hatten 
Lungentuberculose in grösserem oder geringem Umfang und 
in mannigfachen Combinationen mit andern Erkrankungen. 
Von der ganzen Zahl waren 7 zur Zeit als die Injections- 
behandlung begann — fieberlos, oder subfebril (37,6— 
37,9) die übrigen mehr oder minder hoch fiebernd. Von 
den Fieberlosen sind 2 geheilt (d. h. anscheinend) ent¬ 
lassen, 1 in der Besserung und 1 (Petsch) hat angefan¬ 
gen zu fiebern, 3 stehen noch im Beginn der Behandlung. 
Von den Fieberhaften haben 2 ihr Fieber verloren, 5 sind 
gestorben, bei 5 ist die Behandlung nach einigen Injectio¬ 
nen aufgegeben, weil resultatlos—bei 6 ist noch kein Ur- 
theil über den Erfolg möglich. Alle unsere fiebernden 
Phthisiker sind oder waren solche, die nach frühem An¬ 
schauungen für hoffnungslos hätten gelten müssen; 2—3 
von ihnen wären vielleicht noch durch jahrelange klima¬ 
tische Curen zu halten gewesen, doch waren dies eben 
Personen, die unter den ungünstigsten hygieinischen Be¬ 
dingungen sich befanden und durch Handwerk ihren Le¬ 
bensunterhalt zu erarbeiten hatten, also an Gesundheits¬ 
reisen ;*nichC£denken durften. Bei allen hoch (39° und 
mehr) fiebernden Lungenphthisikern hat sich ziemlich über¬ 
einstimmend herausgestellt, dass die Injectionen keine 
Fiebersteigerung, wohl aber oft einen stärkern Fieber¬ 
abfall, stärkeren Schweiss bewirkten, wobei mehr oder 
weniger locale Reaction sich zeigte. Diese letztere variirte 
einigermaassen innerhalb der schon vielfach von Anderen 
beschriebenen Erscheinungen. Zunahme der Dämpfungen, 
die bisweilen wieder nachlassen, Auftreten tympanitischer 
Schallphänomene, Vermehrung des Auswurfs, der Rassel¬ 
geräusche,— auscultatorisch Vennehrung der Höhlensymp¬ 
tome,—bisweilen blutige Färbung der Sputa, mehr Husten, 
Gefühl von Druck und Enge auf der Brust. 

Im Ganzen sind wir durch unsere Wahrnehmungen am 
Krankenbett sowie durch die Obductionsbefunde zu der 
Ueberzeugung gekommen, dass bei wirklicher Lungen¬ 
phthise, wo nachweisbare grössere Verdichtungen und 
namentlich wo bereits hektisches Fieber besteht, — 
durch die Injectionsbehandlung der sonst unvermeidliche 


traurige Ausgang beschleunigt wird, — die Zerstörung ein 
rascheres Tempo annimmt. Einige Facta scheinen dafür 
zu sprechen, dass während der Injectionscur (ob durch?) 
reichliche miliare Eruption (Dissemination) stattgefunden 
hat. Mir erscheint es als kaum zweifelhaft, dass das hek¬ 
tische Fieber des Phthisikers durch dieselben in dem 
Lungengewebe des Kranken sich entwickelnden Stoff- 
wechselproduete der Bacillen erzeugt wird, welche Koch 
uns in seiner Lymphe rein dargestellt liefert. Man wird 
also meistens wohl ein Recht haben aus hohem Fieber 
zu folgern, dass die Bacillen in der betr. Lunge in leb¬ 
hafter Entwicklung begriffen sind (N. B. wenn nicht starke 
Eiterung als Fiebergrund mitwirkt), dass das „Kochin“ 
bereits täglich seine Reaction, eben das hektische Fieber, 
macht — aber vergeblich, dass eine weitere Injection von 
demselben Gifte also nur noch raschem Zerfall und gros¬ 
sem Collaps produciren kann. Wo abendliche Fieber¬ 
steigerungen bis 38° und etwas darüber bei nicht zu 
tiefen Morgenremissionen vorliegen, — mag die neue Be¬ 
handlung bisweilen noch Nutzen bringen (Fall Zurmühl),— 
doch kommt es auch vor, dass nach derselben die Tempe¬ 
raturen sich dauernd höher einstellen. In solchen Fällen 
ist unter gew. Umständen die Injectionscur zu wagen;— 
als solche Umstände sehe ich an, wenn Patient durch 
ökonomische Lage oder Beruf genöthigt ist, unter fort¬ 
wirkenden Schädlichkeiten weiter zu leben und damit jede 
Rettung auf anderem Wege ausgeschlossen ist. 

Günstigen Erfolg von der Injectionsbehandlung darf 
man sich versprechen in Fällen, welche keine ausge¬ 
dehnteren nachweisbaren Verdichtungen und zur Zeit 
kein Fieber haben, — wo es sich also wesentlich um 
„tuberculösen Catarrh“ handelt. Auf das Vorkommen 
und die Bedeutung einer primären tuberculösen Erkrank¬ 
ung der Schleimhäute des Respirations — und Diges- 
tionstractus habe ich schon bei frühem Gelegenheiten 
(cf. Sitzungsprotokolle des deutsch, ärztl. Vereins 1885 
und 1889) aufmerksam gemacht, weil ich glaube, dass 
dieser oftmals die tuberculöse Infection einleitet. Damit 
leugne ich keineswegs jene andern wohlbekannten Fälle, 
bei welchen nachweisbare Verdichtungserscheinungen im 
Lungengewebe — Dämpfungen, Consonanz u. s. w. gleich 
von Anfang an da sind, bei nur unbedeutendem ja 
selbst ganz fehlendem Catarrh. Die Anfänge einer 
Larynxtuberculose bieten ja meist auch nur das Bild 
eines Catarrhs, dem dann die oberflächlichen Ulcera- 
tionen, endlich die tiefem Zerstörungen, die Perichondri- 
tis und Knorpelnekorse folgen. Ich halte also daran 
fest, — und die Anamnese ungezählter Fälle bietet mir 
dafür Belege —, dass Lungentuberculose sehr oft in 
der Weise entsteht, dass ein Catarrh vorangeht, dass 
in der geschwellten schleimbedeckten Mucosa eingeath- 
mete Bacillen hängen bleiben, sich ansiedeln und ver¬ 
mehren können und dann erst in’s Lungengewebe Vordrin¬ 
gen. Wenn ein fieberloser oder von geringen vorüber¬ 
gehenden Fieberschüben begleiteter Husten monate¬ 
lang dauert, das Sputum schleimig- eitrig, wiederholt 
blutige Beimischungen zeigt, entsteht Verdacht auf tuber¬ 
culösen Catarrh, der auch durch negativen Bacillenbe¬ 
fund nicht entkräftet, durch positiven aber öfters bestä¬ 
tigt wird. Es dauert oft viele Monate ehe der Process 
aus diesem vorwiegend catarrhalischen Stadium zu ausge¬ 
dehnter Gewebserkrankung fortschreitet, welche deut¬ 
liche percutorische und auscultatorische Symptome giebt. 
Freilich wird auch im catarrhalischen Stadium eine ge¬ 
wisse oberflächliche Erosion, Ulceration zugegeben wer¬ 
den müssen, sobald sich blutige Tinction der Sputa zeigt; 
das bildet noch keine Contraindication der Kochschen Cur. 
Einer unserer Fälle (Ludwig) ist ein Beispiel eines sol¬ 
chen Frühstadiums, in welchem erat nach der Injection 
zum erstenmal Bacillen gefunden wurden und eine leichte 
relative Dämpfung 1. h. 0. für kurze Zeit auftrat und 
bald wieder schwand. Patient war seit dem Sommer 


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von einem heftigen* Husten geplagt, der die Nachtruhe 
störte; öfters war das Sputum.röthlich gefärbt; das Allge¬ 
meinbefinden litt, — er wurde schwächer trotz fehlenden 
Fiebers. Nach der Kochschen Behandlung — ist Hus¬ 
ten gar nicht mehr, Auswurf wenig, nicht mehr blutig, 
Allgemeinbefinden vortrefflich, Körpergewicht um 10 Pf. 
gestiegen; er ist bereits als vorläufig geheilt entlassen. 
Aber auch noch Fälle mit mässigen Verdichtungser¬ 
scheinungen, — geringste Spitzendämpfung, etwas con- 
sonirendes feinblasiges Rasseln, — geben bisweilen Resul¬ 
tat (Toropainen, Gawen), wenn kein Fieber da ist. 

Ebenso günstig prognostisch wie die Schleimhauter¬ 
krankungen an den Luftwegen, Mund, Rachen, Kehlkopf, 
Bronchien, dürften solche iin Verdauungstractus sein; da¬ 
für scheint ein schwerer Fall (Elkan) zu sprechen, der 
sich unerwartet rasch nach den ersten Injectionen bes¬ 
serte: Die zahllosen wässrigen Stühle wurden seltner, 
es zeigten sich sofort blutige Beimischungen, welche nach¬ 
her wieder schwanden und zuletzt sind die Stühle breiig 
geworden, Ernährung und Kräfte haben sich gebessert. 
Der schliessliche Ausgang ist aber doch wegenAscites,Leber¬ 
und Milzschwellung (Amyloid?) fraglich. Das auffallend 
gute Aussehn der Darmgeschwüre in unsern Obductionsfäl- 
len scheint uns dafür zu sprechen, dass Tuberculose der 
Darmschleimhaut allein, ohne andere Localisation, heilbar 
sein dürfte, eine Varietät, die aber leider selten vorkommt. 

Ueber Tuberculose seröser Häute können wir aus eig¬ 
ner Erfahrung kaum etwas sagen. Ein Fall von Menin- 
gealtuberculose (Holm), der zur Section kam, lässt die 
Annahme zu, dass durch die Behandlung diese miliare 
Eruption von den schwer erkrankten Lungen her über¬ 
mittelt wurde; denn vorher war nicht das geringste An¬ 
zeichen einer Hirnerkrankung vorhanden. 

Ich lasse nun eine Uebersicht aller im Alex. Hosp. 
mit Kochscher Injection behandelter Fälle nach den Noti¬ 
zen der Abtheilungs- AerzteDrr. Westphalen, Höhlein, 
Taube, Schomacker folgen. Den Bericht über die Sec- 
tionen wird Dr. H. Westphalen später selbständig 
publiciren. Bei der Kleinheit unseres Materials habe ich 
nur 2 Gruppen gebildet,—die erste umfasst alle Lungen- 
tuberculosen mit oder ohne Complicationen, — die zweite 
alle Fälle ohne Lungenerkrankung. In beiden Gruppen 
folgen die Fälle in chronologischer Reihe nach dem Da¬ 
tum ihres Eintritts in die Behandlung. 

I. Fälle von Lungentuberculose. 

1. Tailow. 37 J. kräftiger Körper, abgelaufene Spitzenaftec- 
tion rechts, frische links oben vorn; Bacillen im Sputum, das 
öfters blutig tingirt; der rechte Hoden im Mai d. J. wegen Tu¬ 
berculose entfernt, seitdem minime Fistel an d. betr. Stelle; fri¬ 
schere Erkrankung d. 1. Hodens und d. Lymphdrüsen rechts 
an d. Innenfläche d. Beckens. Fieber. Abmagerung. — 6. Dec. 
Injection von V« Milligr. — seitdem 20 Injectionen. Zuletzt 120 
Milligr., typische Reaction. Während dieser Zeit zuerst 3 Wochen 
auffallende Besserung, Gewichtszunahme, Rückbüdung der Schwel¬ 
lungen an Hoden und Lymphdrüsen, Besserung des Lungenbe- 
iundes. Neuerdings intercurrent anhaltendere Fieberperioden 
mit Schmerzen in d. Drüsenpaketen im Abdomen, Verdacht auf 
Bildung eines Abscesses daselbst. Complication durch eine oberfl. 
granulirende Brandwunde. Gesammtbennden im Allgemeinen gut 

2. Zurmühl, 23 J. bleich, abgemagert, Fieber bis 39°, remifc- 
tirend. L. Spitze ausgedehnt verdichtet (Dämpfung, Bronchial- 
athmen, conson. Rasseln), Heiserkeit, tubercul. Ülceration im 
Larynx. Bacillen im Sputum. 6. Dec. Inject V* Milligramm 

g esteigert bis jetzt (20 Injectionen) auf 40 Milligramm. Starke 
.eactionen. Besserung aller Erscheinungen, Zunahme des Kör¬ 
pergewichts um 5 Pfund. 

3. Toropainen, 26 J. kräftiger Bau, neuerdings abgemagert. 
Fieberlos. R. V. 0. massiges Infiltrat mit conson. Rasseln, Bacillen 
im Sputum, starker Husten. Inject. am 6. Dec. mit 1 M.; bis jetzt 
19 Injectionep zuletzt 100 Milligramm; anfangs typ. Reactionen, 
später geringere. Dämpfung anfangs intensiver, später Aufhel¬ 
lung, Schwinden des Hustens und der Bacillen. Auf dringen¬ 
des Verlangen, weil subjectiv gesund, entlassen. 

4. Elkan, 38 J. Catarrh der rechten Lungenspitze (etwas nicht 
consomrendesRasseln). Pleuritis sero-fibrinosa., Ascites (mehrfache 
Mesenterialdrüsenschwcllung), tuberculöse Darmgeschwüre mit 
profuser Diarrhoe, subfebrii. Infolge der Diarrhoen schwinden 
Pleuritis und Ascites. Das Allgemeinbefinden macht enorme 


Rückschritte. Beginn der Injectionen mit 1 Milligramm 6. Dec. 
Blutige Diarrhoe, darnach Stühle seltner, mehr breüg,die Kräfte 
bessern sich, Körpergewicht nimmt zu. Es tritt geringes Fieber 
mit Diarrhoe auf. Milz und Leber werden gross und hart, 
(Amyloid?). Bis jetzt 19 Injectionen allraälig auf 40Milligr. ge¬ 
stiegen, mit stets starker' Reaction. Wird weiter behandelt. 

T. Petsch 35 Jahre, anämisch, stark abgemagert, seit Jahren 
an Phthisis pulmonum leidend. Abgelaufene Spondylitis lumba- 
lis mit Senkungsabscess; Tuberculose der Retroperitonealdrüsen. 
Im linken oberen Lungenlappen Cavernen. im linken unteren 
Lappen grosses Infiltrat. Febris hektica, profuse Nachtsckweisse, 
massenhaft Bacillen im Sputum. Beginn der Injectionen am 
7. Dec. — 1 Milligramm. Deutüche Reaction nach jeder Ipjec- 
tion ohne Besserung. Vom Januar an erhält Pat. neben den 
Injectionen Kreosot — darauf erhebliche Besserung der subjec- 
tivenTund objectiven Erscheinungen. 4 Tage nach einer Injection 
von 20 Milligramm (11. Jan.) Bildung einer grossen Cavernc 
im linken unteren Lappen in der Linea axillans, seitdem Ver¬ 
schlimmerung des Allgemeinbefindens und Auftreten von diarrhoi- 
schen Stühlen. Bacillen im Sputum massenhaft vorhanden, Ab¬ 
nahme des Körpergewichts. 

9. Gawen 28. J. Ziemlich kräftig. Geringes Infiltrat r. h. 0. 
(Dämpfung, abgeschwächtes Athmen, etwas conson. Rasseln) 
kein Fieber. Albuminurie, Bacillen im Sputum; Inject, am 10. 
Dec. 2 Milligr; seitdem 19. Inject — zuletzt 100 Milligramm. 
Typische Reaction. Wesentliche Besserung, Aufhellung der 
Dämpfung, weniger Rasseln, Verminderung der Bacillen. Subjectiv 
wenig gebessert. 

12. Ludwig 46 J. kräftig gebaut, abgemagert, seit V* Jahr 
heftiger Husten, schleimigeitriges Sputum mit häufigen blutigen 
Beimischungen. Keine Verdichtungssymptome, keine Bacillen; 
Heiserkeit, Larynxcatarrh; bei Beginn der Behandlung fieberlos. 
Vom 11. Dec. mit 1 Milligr. begonnen, bis 25. Jan. in 18 Injec¬ 
tionen auf 100 Milligr. gestiegen; anfangs starke, später etwas 

eringere Reaction; nach der 1. Injection werden Bacillen im 

putum gefunden. Nach einigen Injectionen zeigt sich geringe 
relative Dämpfung 1. h. 0, die bald wieder schwindet. Der Husten 
schwindet vollständig, Sputum vermindert sich—seit 4 Wochen 
kein Blut, Stimme wird reiner, Allgemeinbefinden besser. Wird 
am 26. Jan. auf dringenden Wunsch, weil subjectiv gesund, ent¬ 
lassen. 

13. Hausl 38 J. Ausgebreitetes Infiltrat der linken Lunge 
mit Cavernenbildung; rechte Spitze gleichfalls, nur weniger stark 
infiltrirt. Tuberkelbacülen im Sputum. Tuberculöses Infiltrat 
über dem rechten Aryknorpel. Tuberculöse Darmgeschwüre (Di¬ 
arrhoe). Febris hektica. Cachexie sub finem. Soor. Erste Injec- 
tion 1 Milligr. am 6. Dec., letzte 6 Milligr. 6. Jan. Keine deut¬ 
üche Reaction nach der Injection, nur stärkerer Tempcraturab- 
fall am folgenden Tage. Exitus 17. Jan.' 

14. Woinow 23 J. anämisch, äusserst abgemagert. Ausgebrei¬ 
tete ^Infiltration der ganzen linken Lunge mit Cavernenbildung 
im Oberlappen; geringes Infiltrat der rechten Spitze; zahlreiche 
Ulcerationenjim Larynx mit Perichondritis. Zalilreiche Bacillen 
im Sputum. Fieber bis 39,5. 6. Dec. 1. Injection 1 Milligr.; letzte 
10 Milligr. ;iim Ganzen 12 Injectionen. Keine präcisen Reaetions- 
erscheinungen. Patient wird ungebessert entlassen. 

ftr 15. Diesfeld 48 J. Ausgebreitete Infiltrate beider Lungen, 
tub.Kehlkopfgeschwüre,Darmgeschwüremitintercurrenten Durch¬ 
fällen. Amyloid von Leber und Milz, hektisches Fieber, massen¬ 
haft Bacillen. Trotz ärztlicher Erklärung, dass Erfolg unwahr¬ 
scheinlich, Injection das Ende beschleunigen könne, verlangte 
Pat. dringend die Cur. Es wurden im Ganzen 9 Injectionen ge¬ 
macht, die letzte 6 Milligr; es wurde keine präcise Reaction, 
nur vermehrter Schweiss und Collaps am folgenden Tage be¬ 
obachtet. Tod 10. Jan. 

16. Holm 36 J. Ausgebreitetes Infiltrat beider Spitzen mit 
Cavernenbildung rechts, Tuberkelbacillen. Im Larynx Schwellung; 
keine Ulcera im Rachen. Febris continua. Erste Injection am 10. 
Dec. 1 Milligramm; 6. und letzte am 28. Dec., im Anschluss 
an die letzte Ipjection tuberculöse Meningitis. Keine Reaction 
nach der Iniection, nur stärkerer Temperaturabfall am folgen¬ 
den Tage. Exitus 7. Januar. 

17. Mickwitz 27. J. Hereditär belastet. Spitzenaffection rechts; 
vor 1 Jahr bereits Bacillen nachgewiesen ; vorübergebend sind 
Fieberbewegungen vorgekomraen. Retraction der rechten Spitze, 
consonirendes Rasseln. Beginn der Injectionen 17. Dec. mit 1 
Milligr., im Lauf von 6 Wochen 22. Injectionen mit steigender 
Dosis bis auf 40 Milligr. Erste deutliche Reaction bei 7 Milligr., 
danach vermehrte Bacillen im Sputum; nach den letzten 5 In¬ 
jectionen blieben die Reactionen aus. Zwei Mal trat Scharlach¬ 
ähnliches Exanthem auf, das bald schwand. Pat. fühlt sich ge- 
kräftigt, hat 3 Pf. an Körpergewicht zugenomraen, Nachtschweisse 
geschwunden. Expectoration leicht, viel weniger Eiterbei¬ 
mischung. Scheint auf dem Wege der Genesung. 

18. Otto 31 J., hochgradig abgemagert. Fieber bis über 39°. 
Infiltration der ganzen rechten Lunge mit zahlreichen Cavernen. 
Bacillen in grosser Menge. Kehlkopf frei. Wird auf dringende 
Bitte mit Koch’scher Injection behandelt. 15. Dec. 1. Injection 
1 Milligr.; letzte 8 Milligr. 2. Jan. Zahl der Injectionen 7. Bis 
auf geringes Mattigkeitsgefühl und vermehrten Husten keine 


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deutlichen Reactionserscheinungen. Seit dem 2. Jan. Injections- 
cur unterbrochen, da im Anschluss an eine profuse Haemoptoe 
sich der Zustand bedeutend verschlimmerte. Exitus 27. Jan. 

19. Pussell 30 J. Alkoholisches Fettherz, Fettleber ausge¬ 
breitete frische Tuberculose in der Lunge, ausgedehnte Ulcera- 
tionim Larynx, Perichondritis, Schlingbeschwerden; hohes Fieber. 
Injection auf Andringen der Verwandten begonnen, im Ganzen 8, 
von 1—7 Milligr. Tod 10. Jan. 

20. Mohr 36 J. abgemagerter Steinschleifer. Ausgebreitete 
Infiltration in beiden Lungen mit Cavernenbildungen; hektisches 
Fieber, massenhaft Bacillen. Pat. verlangt dringend Injection, 
da er sonst doch „wie seine Eltern und Geschwister“ an Schwind¬ 
sucht sterben müsse. 3 Injectionen von 1 — 3 Milligr. Tod 
17. Jan. 

21. Kuddlik 31 J. Laryngitis tuberc ulcerosa. In der Lunge 
ausgedehntes Infiltrat R. 0., weniger links, Bacillen vorhanden. 
Febris hektica. Nach 5 Injectionen mit 1—5 Milligr. ohne 
deutliche Reaction als aussichtslos entlassen. 

25. Klostowsky 30 J. alt; kräftig gebaut; massig abgemagert. 
Temperaturen subfebril. Massiges Infiltrat der rechten Spitze. 
Bacillen im Sputum. Perichondritis und starkes Larynxoedem. 

5. Jan. 1. Injection 1 Milligr.; 6. Injection am 17. Jan. 8 Milligr.; 
deutliche, doch nicht heftige allgemeine und locale Reactions¬ 
erscheinungen im Kehlkopf. Im Anschluss an die 6. Injection 
protrahirtes Fieber bis 39" Leibschmerz, Durchfälle. Daher die 
Injectionen zeitweilig unterbrochen; bei Nachlass des Fiebers 
31. Jan. 7. Injection, danach fieberlos. 

26. Wotschilo 40 J. Reducirtes Allgemeinbefinden, Abma¬ 
gerung, intensiver Husten mit starker Expectoration. Fieber¬ 
hafter Zustand, im Sputum trotz mehrfacher Untersuchung 
keine Bacillen. Diffuser Bronchialcatarrh, nirgends Dämpfungen. 
Injectionen von 2—6 Milligr. ergeben erst bei hohem Dosen 
geringe Reaction. 

27. Metger 27 J. Ausgedehntes Infiltrat R 0., beginnendes 
L. 0. — Schwellung von Leber und Milz, Albuminurie — deuten 
auf Amyloid. Bacillen. 7. bis 17. Jan. 5 Injectionen von 1—6 
Milligr.j keine deutliche Reaction, nur stärkere Abfälle. 21. Jan. 
ungeteilt entlassen. 

29. Zapfe 19 Jahr, Habitus phthisicus, subfebril, leichte Hä¬ 
moptoe. Spärliches, bacillenfreies Sputum. Rechtsseitiges In¬ 
filtrat des oberen Lappens mit vereinzelten consonirenden Rassel- 
geräuschen, keine Cavemensymptome. Nach Injectionen von 
1—4 Milligramm 11.—31. Jan. jedesmalige Reaction unter Glieder¬ 
schmerzen, Schmerzen in der rechten Brusthälfte. Zunahme der 
Expectoration und der Rasselgeräusche im Bereich des Infiltrats. 
Zunahme des Körpergewichts im Verlaufe von 3 Wochen um 
27* Pf. wird weiter behandelt. 

30. Kerem 23 J. alt; kräftig gebaut; kaum abgemagert. 
Temperaturen normäl. Massiges Infiltrat der rechten Spitze. 
Bacillenbefund positiv. Kehlkopf frei. 1. Injection 1 Milligramm 
am 14. Jan.; letzte 5 Milligramm am 31. Jan. Zahl der Injec¬ 
tionen 7. Jedesmal deutliche, zum Theil recht heftige Reactions¬ 
erscheinungen. Im Anschluss an die 4. Injection haben sich 
subfebrile Temperaturen eingestellt. Der objective Befund, eben¬ 
so das subjective Befinden unverändert geblieben. Gewichts¬ 
zunahme 2 Pf. 

31. Walkonen 26 J. Ausgedehntes Infiltrat der linken Lunge, 
geringes rechts. Perichondritis laryngis. Bacillen. Febris hektica. 
Da die 1. Inject, keine Reaction giebt, als unheilbar entlassen. 

33. Anissimow 44 J. alt; gracil gebaut; ziemlich bedeutend 
abgemagert. Temperaturen subfebnl. Geringes Infiltrat der 
rechten Spitze. Aphonie. Starkes Oedem des Larynx; starke 
Infiltrationen der Epiglottis und der Stimmbänder. Bacillenbefuud 
positiv. 1. Injection 1 Milligramm am 21. Jan., letzte 3 Milli¬ 
gramm am 31; Zahl der Injectionen 4. Mässige Reactionserschei¬ 
nungen. Objectiv ist eine Zunahme des Larynxoedems und Auf- 
schiessen neuer Excrescenzen im Larynx bisher constatirbar. 
Gewichtszunahme 3 Pf. 

34. Rautiainen 30 J. alt; beträchtlich abgemagert. Tempera¬ 
turen bis 38,5. Nachweisbar nur ein massiges Infiltrat der rechten 
Spitze. Bacillenbefund negativ (einmalige Untersuchung}. 1. In¬ 
jection 1 Milligramm am 23. Jan., 3 Milligramm 31. Mässige 
Reaction 

35. Wellene 18 J. Bleich und mager; seit lange hustend. 
Geringer objectiver Befund. Bacillen constatirt; subfebril. 1. In¬ 
jection 25. Jan 1 Milligramm, 3. Injection 31. Jan. 3 Milli¬ 
gramm, deutliche Reaction. 

36. Schillinger 28 J. Blass, abgemagert. R. Spitzenaffeetion 
Bacillen vorhanden, fieberlos. 3 Injectionen 25.—31. Jan. mit 1—3 
Milligramm, keine Reaction. 

II. Fälle ohne manifeste Lungentuberculose. 

5. Dickson 46 J. Wegen Verdacht auf tuberculösen Charak¬ 
ter eines complicirten Krankheitszustandes, der mit hochgra¬ 
diger Abmagerung einhergeht, der Injection unterworfen. 

6. -28. Dec. 7 Injectionen 1—20 Milligramm mit jedesmaliger 
deutlicher Reaction. Auftreten einer mässig intensiven aber 
ausgedehnten Dämpfung d. r. Lunge, Ascites, psychische Stör¬ 
ungen, Erbrechen. Vorher kein Fieber, später constant gerin¬ 


ges Fieber. Seit Authören d. Injection ungünstiger Verlauf. 
Nach Abschluss des Falles wird überdenseiben berichtet werden. 

6. Kruskopf. 47 J. kräftig gebaut, doch beträchtlich abge¬ 
magert. Im Mai 1890 einer Totalexstirpation der carcinoma- 
tösen Zunge unterworfen. Seit dem September Recidiv am Mund¬ 
höhlenboden und den rechtsseitigen Halsdrüsen. Pat wird 
auf eigenen Wunsch einer Iujectionscur unterworfen. Erste 
Injection 4 Milligramm am 5. Dec., letzte 20 Milligramm am 
23. Januar; Zahl d. Injectionen 10.—Pat. hat jedes Mal mit Tempera¬ 
turerhöhung bis zu 40°, grosser Mattigkeit etc. reagirt. An¬ 
fänglich stärkere Eiterung und Kleinerwerden der carcinoma- 
tösen Infiltration; späterhin Zunahme der Wucherung. Ab¬ 
nahme der Schmerzen. Besserung des subjectiven Befindens, 
Abnahme der Schlingbeschwerden. Seit 28. Jan. wieder Ver¬ 
schlimmerung. Exitus 4. Febr. Bei d. Section nirgends Tuber¬ 
keln gefunden. 

8. Bade 27 J., Verdichtung d. 1. Spitze, keine Bacillen. Thorax¬ 
fistel nach Thoracotomie wegen Pyothorax (vor 1 Jahr) in der lin¬ 
ken Linea axillaris. Entleerung eines dünnflüssigen Secrets 
aus der Fistel. Die Fistelöffnung von schwammigen Granula¬ 
tionen umgeben. 8. Dec. bis 2. Jan. im Ganzen 11 Injectionen 
1—70 Milligr. Reaction nur bei 20 Milligramm., später keine. 
Reinigung des Fistelgangs, Abnahme der Secretion bis auf 
ein Minimum, Aufhellung des linken Spitzeninfiltrats, Zunahme 
des Körpergewichts. 

19. Jefremow 19 J., blühendes Aussehen, fieberfreier Zustand. 
Grosses Lymphdrüsenpaket an der rechten Seite des Halses 
nur unterhalb des Unterkieferrandes. Secernirende Fistel nach 
vor 7* Jahr exstirpirten Drüsen. Lungen frei. Nach 3 Milligramm 
verspätete Reaction bis 39° weiter Reaction nach 10 Milligr.; 
gesteigerte Injectionen reactionslos. Resultat: Kleiner - und 
Weicherwerden der Drüsenpakete, Reinigung der Fistel. Ent¬ 
lassen 7. Jan. Die Fistel später vollkommen verheilt. 

11. Katzkow 20 J., gutes Allgemeinbefinden, hin und wieder 
subfebrile Temperatur. Ostitischer Process im oberen Drit- 
theil der rechten Tibia, Auftreibung und Druckempfindlichkeit 
des Knochens. Eingezogene Narbe auf der rechten Wange, 
von einem vor Jahren operirten Abscesse herstammend. Lunge 
frei. Auftreten der ersten Reactionserscheinungen an der Narbe 
erst nach 10 Milligramm. Anschwellung und Röthung der Narbe, 
Auftreten discreter Knötchen in der Umgebung derselben. Bis 
5 Milligramm jedesmalige Reaction unter denselben Erschein¬ 
ungen; späterhin keine an der Wange, — dagegen allmälig 
Zunahme der Schwellung am Knochen. 11. Jan. Operation, 
Ausräumung eines tuberculösen osteomyelitischen Herdes in der 
Tibia. Guter Verlauf. 

22. Jurjewitsch 32 .U schlank aber kräftig gebaut; gut ernährt. 
Temperatur normal. Einknickuug d. sternalen Endes der r. 2. 
Rippe nach Trauma. Baeillenbefuno negativ. In der Fossa infra- 
clavicularis dextra leichte Dämpfung. Pat. wird einer diagno¬ 
stischen Injectionscur unterworfen. Erste Injection 2 Milligramm 
2. Januar; und letzte 20 Milligr. 11. Jan. Nicht die geringsten 
Reactionserscheinungen. Pat. wird als nicht tuberculös entlassen. 

23. K hiewein 30 J., tuberculöses Ulcus d. weichen Gaumens. 
Lungen und Larynx gesund, normale Temp. — Vom 2.—31. Jan. 
7 Injectionen von 1—5 Milligr. anfangs nur locale, später nur 
allgemeineReaction; enorm rascherZerfall undVergrösserung des 
Geschwürs, es spriessen in der Nachbarschaft flache Ulcerationen 
auf und confluiren mit dem Ulcus. Reinigung und beginnende 
Benarbung des Geschwüres, das jetzt fast ganz geheilt ist. 

24. Prjanischnikow 19 J., anämisch, abgemagert. Beit vielen 
Jahren wiederholt an Osteomyelitis der langen Röhrenknochen 
leidend. Das letzte Mal wegen Osteomyelitis humeri den 20. Dec. 
operirt. Kein Husten. Lungen frei. Diagnostische Injections¬ 
cur. Erste Injection 1 Milligramm 4. Jan, 3. und letzte 4 
Milligramm am 7. Jan. Keine Spur von Reaction. Entlassen. 

28. Schindhelm 48 J. hochgradiges Lungenemphysem, herab¬ 
gesetzte Herzthätigkeit, normale Temperatur. Sputum bacillenfrei. 
Diagnostische Probeinjection von 1 /a und 4 Milligramm er¬ 
geben keine Reaction, die Erscheinungen der insufficienten 
Athmung nehmen continuirlich zu. Cyanose, Somnolenz, Exitus 
2. Febr. Bei d. Section nirgends Tuberkel gefunden. 

32. Treublut 16 J.; guter Ernährungszustand. T. normal. 
Ausgedehnte Narben an der Streckseite des rechten Armes 
und rechten Beines. Defect im Septum narium, eingefallene Nase. 
Pat. giebt an, dass die Narben von einer lupösen Erkrankung 
herrühren, während sie dem Anschein nach luetischen Ursprungs 
sind. Daher Probeinjeetionen vorgenommen. Erste Injection 
1 Milligramm am 18., 4. und letzte 8 Milligramm am 23. Nicht 
die geringsten allgemeinen oder localen Reactionserschein¬ 
ungen. Entlassen._ 

Referate. 

Prof. v. Mosetig-Moorhof (Wien). Zur Behandlung 
nicht operabler bösartiger Neubildungen. (Vortrag, 
gehalten in der Sitzung der Gesellsch. der Aerztc in Wien 
30. Jan. 1891. — Wien. med. Presse, A» 6). 

Länger als ein Docennium hat sich Prof. v. Mosetig mit der 
brennenden Frage beschäftigt, ob und auf welche Weise man 


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51 


solchen bösartigen Neubildungen beikommen könne, welche, 
obwohl äusserlich zugänglich, doch aus irgend einem Grunde 
für operative Eingriffe nicht geeignet sind. Anfangs versuchte 
M. beinahe alle die zahlreichen Mittel, welche im Laufe der 
letzten 25 Jahre gegen den Krebs empfohlen worden sind, doch 
stets ohne nennbaren Erfolg. Auch die Anwendung der Milch¬ 
säure, welche nicht ohne Wirkung war, musste er aufgebeu, 
weil ihre Application recht schmerzhaft ist und stets einen 
Zerfall der Neubildung bedingt. 

Als M. sich nun auf seine eigenen Küsse stellte, baute er seine 
Pläne auf die Thatsache, dass die pathogenen Zellenelemente 
eine wesentlich geringere biologische Potenz besitzen, als die 
gesunden physiologischen, - eine Thatsache, welche auf die Mög¬ 
lichkeit hinweist, mit Schonung der gesunden Umgebung das 
Neoplasma allein wirksam in Angriff zu nehmen. Da nun die 
Proliferation der pathogenen Zellenelemente, auf welchen das 
Wachsthum eines Neoplasma beruht, erfahrungsgemäss vom 
Kerne der Zellenelementc ausgeht, so kam M. auf den Gedan¬ 
ken, auf das Wachsthum der Kerne hemmend einzuwirken, um 
dadurch den Neubildungsprocess zum Stillstände zu bringen, 
eventuell gar eine regressive Metamorphose des betreff. Tumors 
einzuleiten. 

In diesem Sinne machte er einen Versuch, mit arsenfreiem 
Anilinfarbstoff das Neugebilde in corpore vivo zu tingiren, da 
die Zellenkerne bekanntlich gern Farbstoffe annehmen. Als 
Versuchsobject diente ein 50jähriger Mann mit einem orange- 
grossen, im Schenkelbug sitzenden Rundzellensarkom, welches 
von verschiedenen Chirurgen Wiens für inoperabel erklärt wor¬ 
den war. M. begann mit der Einspritzung von 1 Gramm einer 
wässerigen 1% Lösung von Anilinum trichloratum in die Ge¬ 
schwulst. Nach achtwöchentlicher Behandlung war der Tumor 
zu einem derben, kaum nussgrossen Knoten reducirt, die Ulce- 
rationsstelle vernarbt, so dass der Kranke als geheilt entlassen 
werden konnte. Derselbe ist nach einem Jahre an einer intercur¬ 
renten Pneumonie gestorben: ein Recidiv der Neubildung war 
aber nicht eingetreten. 

M. hat das Anil. trichlor. noch in 3 weiteren Fällen angewandt, 
jedoch wegen unangenehmer, ja gefahrdrohender Nebeuwirkun- 
en dasselbe schliesslich aufgegeben. Aus Mangel an benutz- 
arem Material stellte er dann seine Versuche auf längere Zeit 
ganz ein. Erst im vorigen Jahre, als die Firma Merck in 
Dannstadt zwei neue Farbstoffe, das Methvlviolett und das 
Auramin in den Handel brachte, denen "Prof. Stilling die 
Namen Pyoktanin gab und die er für völlig unschädlich erklärte, 
nahm M. seine Versuche Ende September 1890 wieder auf. Der 
erste Versuch wurde an einer 60jähr. Frau mit einem faustgrossen 
Unterkiefersarkom gemacht, welches weit nach vorn ragte und 
nach hinten die Zunge derart gegen den harten Gaumen drängte, 
dass die Kranke weder sprechen, nach Nahrung zu sich nehmen 
konnte. Der Tumor wurde mit einer Methylviolettlösung 1:500 
später 1:300, im Ganzen 35 Mal (jedes Mal 3—6 Gramm) inji- 
cirt und ist jetzt (ohne Zerfall) soweit geschrumpft, dass nur 
ein Theil des intraossalen Neugebildes noch vorhanden und 
Patientin frei von allen früheren Beschwerden ist. Die Tinc- 
tionsbehandlunff wird noch fortgesetzt. M. beschreibt dann noch 
5 weitere Fälle (Cystosarkom des Sternoclaviculargelenks, 
Papillom'der Harnblase, Sarkom der Bauchhöhle, 2 Drüseucarci- 
nome des Halses), in welchen er mittelst dieser Methylviolett- 
injectionen ganz gründliche Besserung erreicht hat und de¬ 
finitive Heilung vielleicht zu erhoffen, mindestens nicht auszu- 
schliessen ist. 

Was die Anwendung der Injectioncn anbetrifft, so müssen sie 
selbstverständlich unter antiseptischen Cautelen ausgeführt und 
jeden 2. oder 3. Tag wiederholt werden. Bisher hat M. Methyl¬ 
violettlösungen von 1:1000, 1:500 und 1:300 angewandt, glaubt 
aber, dass man noch viel stärkere Lösungen ohne Schaden an- 
wenden könne. Geschlossene Tumoren zerfallen bei dieser Be¬ 
handlung nicht, sie gehen nur eine regressive Metamorphose ein 
und schrumpfen, offene hingegen secerniren profuser und ver¬ 
kleinern sich scheinbar rascher. 

Zum Schluss verwahrt sich M. gegen die etwaige Annahme, 
dass er das Methylviolett der Merck’schen Fabrik als allein¬ 
seligmachendes Präparat proclamiren wolle, obgleich er allen 
Grund habe, damit zufrieden zu sein. Er meine vielmehr, dass 
man vielleicht bessere, weil rascher wirkende Tinctionsstoffc 
ausfindig machen wird. Durch seine Auseinandersetzungen habe 
er nur den Weg angeben wollen, auf dem nun weiter gearbeitet 
und geforscht werden möge. Bern hoff. 

J. Michael. Erfahrungen über die Anwendung des 
Koch’schen Mittels bei Kehlkopftuberc.ulose. (Deutsche 
Med. Wochenschr. Ai 2). 

16 Fälle von Larynxphthise von den leichtesten bis zu den 
schwersten. Eintheilung in 3 Gruppen: 1) sichere Phthisis (11 
Fälle): 2) zweifelhafte Fälle (3); 3) Lupus (2). Beantwortung 
folgender Fragen: Ist die Injection ein sicheres Mittel zur Fest¬ 
stellung der Diagnose einer tuberculösen Larynxaffection? Sicher 
ist das für den Lupus des Kehlkopfes der Fall, und dieser Um¬ 
stand ist um so mehr erfreulich, als die Differentialdiagnose zwi- 
schen Lupus und Lues des Kehlkopfes zuweilen änsserst sclurie- 


rig ist. Bezüglich der Phthise wird wohl meistens ebenfalls ein 
etwaiger Zweifel durch die Injection beseitigt werden, dennoch 
kann in einzelnen Fällen Zweifel übrig bleiben. — Ist die Injec¬ 
tion ein Heilmittel für tuberculösc Erkrankungen; ist sie es für 
sich allein oder in Verbindung mit irgend welcher localen The¬ 
rapie? Bei Lupus darf man wohl sicherlich eine Heilung er¬ 
warten. Für Larynxphthise kann man nach den bisherigen Er¬ 
fahrungen nur sagen, dass das Kochin die Krankheit günstig 
beeinflusst. Während der Reaction tritt fast stets eine vermehrte 
Turgescenz der Kehlkopfschleimhaut und Röthung der Stimm¬ 
bänder auf. Manchmal constatirt man auch das Auftreten neuer, 
recht grosser Ulcerationen; deshalb ist grosse Vorsicht geboten. 
Ob eine Localbehandlung mit den Injectionen verbunden werden 
soll, wird sich erst mit <ier Zeit entscheiden lassen. 

Wird die Schwellung bei der Reaction die Tracheotomie er¬ 
fordern? Dass der Lupus sie erforderlich machen kann, beweist 
ein initgetheilter Fall. Bei der Phthise war sie, trotz der gros¬ 
sen Zahl der publicirten Fälle bisher nicht nöthig; selbst in 
solchen Fällen, wo bereits vorher Stridor bestand, hat sich der¬ 
selbe nicht vermehrt. Abelmann 

T. Colcott Fox (London). Ueber Urticaria im Säuglings- 
und Kindesalter. (Monatsh. f. prakt. Dermatologie. Bd. X. 

A* 12. 1890 

Verfasser lenkt die Aufmerksamkeit auf eine in England we¬ 
nigstens häufige Erkrankung und sucht darzulegcn, dass die 
in verschiedenen Lehrbüchern dazu noch höchst stiefmütterlich 
behandelten Krankheitsbilder, die unter verschiedenen Namen 
beschriebenen Symptomencomplexe wesentlich verschiedenen Sta¬ 
dien einer und derselben Krankheit, der Urticaria, angehören. 
Die gewöhnliche Urticaria der Erwachsenen ist im Kindesalter 
höchst selten; der Lichen'urticatus Bateman ist eine wirkliche 
Urticaria und Urticaria ist eine der häufigsten Affectionen des 
jugendlichen Alters. Im Unterschied jedoch zur Urticaria adul¬ 
torum treten zu der Quaddel im Kindesalter, die Verf. nicht 
als Entzündung, sondern als circumscripte Hyperämie und oede- 
matöse Schwellung auffasst, entzündliche Erscheinungen, Papeln, 
Bläschen, Bulli etc. hinzu, die unter Umständen das ursprüng¬ 
liche Krankheitsbild vollständig verdecken können. Stets lassen 
sich aber bei genauer Betrachtung, oder zu gewissen Zeiten 
wenigstens, Urticariaquaddeln finden. Dieses Auftreten der 
erwähnten Entzündungsmorphcn hat auch dazu gedient, verschie¬ 
dene Krankheitsbilder aufzustellen, die alle einem und demsel¬ 
ben Typus angehören, so den Lichen urticatus. Prurigo infan- 
tilis bei Auftreten von Papeln auf den ursprünglichen, gewöhn¬ 
lich transitorischen Quaddeln, die Varicella pruriginosa und 
wahrscheinlich manche papulöse, vesiculöse und pustulöse Impf- 
exantheme, auch der von den französischen Autoren beschriebene 
Strophulus und Lichen Strophulus, ebenso wie die Urticaria pa¬ 
pulosa Hebrae. 

Verfassers Material besteht in 213 Fällen. Er schildert kurz 
und klar den Verlauf. Das entzündliche Gebiet auf der Quad¬ 
del ist beinahe ausnahmslos vorhanden Diese Quaddeln haben 
häufig eine täuschende Aehnlichkeit mit Insektenstichen, die 
auch bisweilen ein aetiologisches Moment darbieten können. 
Häufig tritt die Eruption nach einem Bade und namentlich nach 
dem zu Bette gehen auf, oft ganz plötzlich, und gewöhnlich in 
den wärmeren Monaten, mit dem Höhepunkt der Häufigkeits- 
curve im Juli. Niemals hat Verf. Scabies als Grund finden 
können. Dagegen ist die Impfung in einer Reihe von Fällen 
unzweifelhaft die Ursache gewesen; auch auf Masern, Varicellen 
und andere fieberhafte Affectionen kann der Ausschlag folgen. 

Anfang und Recidive treten sowohl acut, als auch allmälig auf, 
der Verlauf dauert zwischen wenigen Tagen und Wochen, Mo¬ 
naten und Jahren, jedenfalls tendirt das Leiden zur Chronicität. 
Nach dem 8. Jahr tritt gewöhnlich die Urticaria an seine Stelle. 
Verf sieht diese Affection an als eine abnorme Reizbarkeit der 
Haut oder eine Gleichgewichtsstörung der Vasomotoren, die, 
angeboren oder acquirirt, dazu führt, dass äussere Heize als 
Kratzen, Insektenstiche oder überhaupt vermehrter Blutandrang 
zur Haut infolge von Baden, Bettwärme, körnerlichen Anstren¬ 
gungen und geistigen Erregungen, sowie auch inneren Reizmit¬ 
teln, gewöhnlich gastro-intestinaler Art, etc. etc. zum Auftreten 
dieses polymorphen Exanthems führen. 

Diagnose: dabei käme in Betracht die echte Prurigo, die 
allerdings, als auch mit Quaddeln beginnend, in den ersten 
Säuglings- und Kinderjahren eine genaue Diagnose unmöglich 
machen oder doch sei» - erschweren kann. Beim R ckbilden der 
kleinen Papeln könne sie mit Lichen planus, namentlich wenn 
keine Quaddeln vorhanden sind, verwechselt werden. Scabies, 
mit der die Affection sehr häufig verwechselt wird, ist durdlr Ab¬ 
wesenheit des Erzems, der Gänge, durch die Entwicklung,- die 
negativ ausfallende specifische Behandlung stets auszuschliessen. 
Bei acuten Fällen kämen Varicellen in Frage. 

Therapie: leider sehr wenig erfolgreich. Dem Verf. der alle 
möglichen Mittel versucht hat, als Sublimat, Arsen, Ichthyol, 
Chinin, Mineralsäurcn, Eisen, Jodkali, Aconit, Cliloral, Bella¬ 
donna, Bromkali, hat sich am besten Opium in kleinen lange 
fortgesetzten Gaben bewährt (Vorsicht!). Bei vorhandenen Cache- 
xien, Dysc.rasien (Lues, Rhachitis) natürlich gegen diese gerich- 


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52 


tete Behandlung. Gegen das Nachts auftretende, die Kinder 
sehr mitnehmende Jucken: Chloral od. Brompraeparate. Bäder 
müssen sehr vorsichtig erlaubt werden. Pustulöse Formen wer¬ 
den durch eine Mischung von Liq. plumbi subacetatis (pt. 1) 
mit Liq. carbon. detergent. fpt. V) 1 Theelöffel auf ein V* Liter 
lauwarmen Wassers am wohlthuendsten beeinflusst. 

Vor allem muss die Verdauung in jedem Falle aufs sorgfältigste 
controllirt und geregelt werden. 

Wir haben uns ein genaueres Eingehen auf diese Arbeit er¬ 
laubt, weil sie uns auf ein allgemeines Interesse des praktischen 
Arztes Anspruch zu erheben berechtigt schien. 

E. Krug (Hungerburg). 


Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

— In der Berlin, klin. Wochenschr. As4. hatteDr. Liebmann 

(Triest) die Mittheilung gemacht, dass er bei 8 mit Koch’schen 
Injectionen behandelten Tuberculösen im Blute Tu¬ 
berkelbacillen (in kleiner Anzahl) gefunden habe, während 
dieselben in Controllversuchen bei nicht mit diesen Injectionen 
behandelten Tuberculösen im Blute nicht nachweisbar waren. — 
In A& 6 der „Deutschen med. Wochenschr.“ veröffentlichen nun 
P. Guttmann und P. Ehrlich eine Entgegnung, in der sie 
mittheilen, dass sie bei 29 mit Koch’schen Injectionen behan¬ 
delten Lungentuberculösen in gleicher Weise, wie in den Lieb- 
mann’schen Angaben, das Blut untersucht (1—2 Praeparate von 
jedem Kranken, meist von mehreren Untersuchern durchgeprüft) 
und in keinem Praeparate Tuberkelbacillen gefunden haben. 
Das Blut wurde zu verschiedenen Zeiten, vom fieberhaften Reac- 
tionsstadium bis 3 Tage nach der Injection, entnommen; die 
Kranken hatten 3 bis 45 Injectionen erhalten. — Auch Ewald 
hatte bei den gleichen Untersuchungen ein negatives Ergebnis« 
erhalten. (Deutsche med. Wodicnschr. 6). 

— Ferreira (Bull, deiner. 15/IX. 1890) hat von der Darrei¬ 
chung von Exalgin in Gaben von 0,3—0,4 gegen die lanci- 
nirenden Schmerzen und das Gürtelgefühl bei 2 Tabikern, 
heftige Neuralgien, Angina pectoris mit glänzendem Er¬ 
folge und ohne jede üble Nebenwirkung angewandt. 

_ (Ther. Monatsh. XI). 


Vermischtes. 

— Zum Director des vom Prinzen Alexander vonOldenburg 
hierselbst errichteten Instituts für experimentelle Patho¬ 
logie ist der bisherige Oberarzt des städtischen Kalinkinhos- 
pitals, wirkl. Staatsrath Dr. E. F. Sperck, ernannt worden. 
Wie verlautet, haben Prof. Metschnikow, welcher gegenwär¬ 
tig am Pasteur-Institut wirkt, und Prof. Kowalewsk i in Odessa 
die an sie ergangene Benifung auf diesen Posten ausgeschlagen. 

— Der Präsident des Veterinär-Comite’s beim Ministerium 
des Innern, wirkl. Staatsrath Dr. Jerussalimski, welcher sich 

S egenwärtig krankheitshalber in Italien aufhält, beabsichtigt, 
em Vernehmen nach, von seinem Posten zurückzutreten. 

— Ernannt: Der Medicinalinspector des Archangelschen 
Gouvernements, wirkl. Staatsrath Dr. J. Plikatus — zum 
Gouvernements-Medicinalinspector von Taurien. Der wirkl. 
Staatsrath Dr. v. Anrep. berathendes Mitglied und gelehrter 
Secretär des Medicinalratlis und Beamter zu besonderen Aufträ¬ 
gen VI. Classe beim Minister des Innern — zum Mitglied des 
Conseils des Ministeriums der Volksaufklärung, unter Belassung 
in seinen bisherigen Aemtern. 

-- Verstorben: 1) Am 1. Februar im Flecken Schlock (in 
Livland) der ehemalige Kronsarzt Collegienrath Dr. Samuel 
Kappellerim Alter von nahezu 77 Jahren. Der Hingeschiedene 
stammte aus Kurland und hat seine medicinische Bildung iu 
Dorpat erhalten, wo er von 1834—37 Medicin studirte. Nach 
Absolvirung des Arztexamens im J. 1844 wurde K. Arzt im 
Flecken Schlock und tungirte in den Sommermonaten auch als 
Badearzt in Dubbeln. Seme letzten Jahre verlebte er pensio- 
nirt in Schlock. -- 2) Am 26. Januar in Odessa der Vicepräsi- 
dent der Gesellschaft Odessaer Aerzte, wirkl. Staatsrath Dr. N a- 
than Bernstein Im Jahre 1836 als Sohn eines Odessaer Kauf¬ 
manns geboren, besuchte er ein Gymnasium in Odessa und be¬ 
zog im J. 1853 die Moskauer Universität, an welcher er 1858 
den medie. Cursus mit dein Arztgrade und der goldenen Medaille 
absolvirte. Nach Erlangung der Doctorwürde l. J. 1861 liess er 
sich als praktischer Arzt in seiner Vaterstadt nieder und wurde 
bei Eröffnung der Neurussischen Universität (1865) zum Docenten 
der Anatomie und Physiologie ernannt, welches Amt er jedoch 
i. J. 1881 aus Gesundheitsrücksichten niederlegte, um sich einige 
Zeit im Auslande aufzuhalten. Der Hingeschiedene, welcher sich 
durch umfassende Kenntnisse nicht allein in seinem Fache, son¬ 
dern auch in anderen Wissenschaften auszeichnete, gehörte zu 
den bekanntesten und beliebtesten Aerzten Odessa’s. 3) Am 10. F e- 
bruar n. St. in Berlin einer der ältesten Aerzte dieser Stadt, 
Geh.-Mcdicinalrath Dr. Herrn. Quincke (Vater des bekannten 
Kieler Klinikers Heinr. Quincke) im 84. Lebensjahre. Der Ver¬ 
storbene war Mitglied der wissenschaftlichen Deputation für 
das Medicinalwesen in Preussen und wurde im J. 1831 von der 
Regierung behufs Studiums der Cholera nach Russland und Po¬ 
len gesandt. 


— Zum Bibliothekar der militär-medicinischen Aca- 
demie ist an des verst. Dr. Kondratjew Stelle von den fünf 
Candidaten. welche sich zu diesem Posten gemeldet hatten, Dr. 
med. P. J. Golubew, bisher Laborant der Chemie an der Aca- 
demie, gewählt worden. 

— Als Candidaten für den vacanten Lehrstuhl der 
Hospitalklinik an der militär-medicinischen Acade- 
mie sind, ausser den von uns bereits in A* 3 nahmhaft ge¬ 
machten, noch Prof. Stolnikow (Warschau) und die Privat- 
docenten der Academie ßogomolow, Ssirotinin und Ja- 
nowski aufgetreten. 

— In Egypten ist die Zwangsimpfung eingeführt worden 
und in Frankreich ist die Revaccination für die Medi¬ 
cin Studirenden obligatorisch gemacht worden. 

— Die Juchnowsche Landschaftsversammlung (Gouv. 

Smolensk) hat beschlossen, dem schwerkranken Landschafts¬ 
arzte, M. F. Ciechanowicz^ welcher 10 Jahre in dieser Land¬ 
schaft thätig gewesen ist und sich allgemeine Liebe unter der Be¬ 
völkerung erworben hat, jährlich 1000 Rbl. bis zu seiner 
Genesung zu geben. (Wr). 

— Der Stabsarzt a. D. Dr. Eduard Angerstein, welcher. 
Oberturnwart in der Stadt Berlin ist, hat den Titel Profes¬ 
sor“ erhalten. A. ist bekanntlich Verfasser der trefflichen An¬ 
leitung zur „Haus-Gymnastik für Gesunde und Kranke“. 

— Üeber die Koch’sche Behandlungsmethode berich¬ 
teten vor Kurzem in der medicinisch-cnirurgischen Ge¬ 
sellschaft zu Neapel die Proff. Cantani und De Renzi. 
Letzterer hat im Ganzen 409 Injectionen an 44 Kranken aüs- 
geführt, Cantani 26 Kranke derartig behandelt. Beide sind 
einig in ihrem Urtheil, dass das Koch’sche Verfahren eine 
der grössten Errungenschaften der Therapeutik ist. 
Auf Grund dessen wurde auf den Vorschlag des Prof. Armani 
folgende Resolution angenommen: „Nach Entgegennahme der 
ermuthigenden Berichte und der Erfolge, welche von den nea- 

E * ' anischen Klinikern erzielt werden, sollen dieselben veröffent- 
werden. um den übermässigen Zweifeln entgegenzutreten, 
welche sich heute gegen diese Cur kundgeben, und sowohl der 
Wissenschaft, als auch dem leidenden Publicum zum Schaden 
gereichen, ebenso sehr wie die übertriebenen Hoffnungen an¬ 
fänglich es getkan haben“. (A. m. C.-Ztg.). 

— Dem „Wratsch“ wird von Prof. Wyssozki aus Kasan te- 
legraphirt, dass die von der dortigen mea. Facultät zur Prüfung 
der Koch’schen Lymphe erwählte Commission vor Anwendung 
derselben die zwei (eines von Dr.Guttmann durch die örtliche 
Medicinalverwaltung, das andere von Dr. Libbertz durch das 
Medicinal-Departement) ihr zugestellten Fläschchen mit Lymphe 
mikroskopischer und bakteriologischer Untersuchung unterzog 
und in beiden lebensfähige Mikroorganismen fand. Die Com¬ 
mission macht die Collegen auf diesen Befund aufmerksam, der 
darauf schliessen lässt, dass die Zusammensetzung der Koch’¬ 
schen Lymphe nicht beständig dieselbe bleibt; dafür spreche 
auch, dass die Reaction der Lymphe deutlich alkalisch war, 
während sie nach Dr. Jolles (Fortschritte der Med. IX, pag. 33) 
neutral sein soll, ln Anbetracht dessen wurde beschlossen die 
Lymphe nicht bei Menschen in Anwendung zu bringen, sondern 
nur zu Versuchen an Thieren zu benutzen und die gefundenen 
Mikroorganismen näher zu untersuchen. (Wr. As 5). 

— Unser abfälliges Urtheil über das Verhalten des „Wratsch“ 
gegen Koch hat von demselben eine Entgegnung erfahren, die 
aber leider den Kernpunkt des Vorwurfes unberücksichtigt lässt. 
Wir hoffen trotzdem, dass sein sonst stets bewährtes Gerechtig¬ 
keitsgefühl ihn bewegen wird, in Zukunft den Abdruck von ge¬ 
hässigen Urtheilen über Kocn^ mit denen er selbst nicht über¬ 
einstimmt, zu unterlassen. Wir stimmen mit dem „Wratsch“ 
durchaus darin Überein, dass die Presse verpflichtet ist, über 
die Ethik des ärztlichen Standes zu wachen, ohne Ansehen 
der Person, und sahen uns deshalb auch gezwungen, den „Wratsch“ 
auf sein nicht zu rechtfertigendes Verhalten Koch gegenüber 
aufmerksam zn machen. Bedauern müssen wir es, «fass der 
„Wratsch“ bei dem einmal eingenommenen Standpunkt unbe¬ 
wegt verharrt, in der zeitweiligen Geheimhaltung des Mittels 
eine „Verletzung der elementaren Grundsätze der ärtzlichen 
Ethik“ zu sehen und zu erklären, dass er auch fernerhin diese 
Thatsache geissein werde, die wiederum beweise, dass „ein 
grosser Name in der Wissenschaft nicht gleich bedeutend sei 
mit Makellosigkeit des Wandels“. Wir können auf diese Er¬ 
klärung hin uns nicht enthalten, den „Wratsch“ aufmerksam zu 
machen auf die bekannte Thatsache, dass Koch gerade in 
dieser Sache der ganzen ärztlichen Welt ein leuchtendes Beispiel 
hochherziger Uneigennützigkeit gegeben hat (er lehnte bekannt¬ 
lich Millionen, die ihm geboten wurden, ab): diese Thatsache 
allein sollte wohl genügen Jeden davon abzunalten, ihm voreilig 
„Makellosigkeit des Wandels“ abzusprechen. Was nun aber die 
Ursache dieses letzteren Unheils betrifft, die zeitweilige Ge¬ 
heimhaltung der Bereitung des Mittels, so müssen wir nochmals 
erklären, dass wir über dieselbe vollständig anders denken, 
als der „Wratsch“, obgleich wir überzeugt sind, nicht weniger 
warm, als er, für die ethischen Forderungen unseres Stan¬ 
des einzutreten. Es ist wohl noch nicht dagewesen, dass 
die nur 2 Monate (!) lange Zeit zwischen der vorläufigen 


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53 


Mittheilung eines Forschers über ein neu entdecktes Mittel 
und den darauffolgenden genaueren Ausführungen und Angaben 
von der ungeduldigen Presse zu einer Menge von Invectiven 
gegen diesen, dazu noch allbekannten und geachteten Mann be¬ 
nutzt wird, obgleich derselbe öffentlich erklärt hat (Deutsche 
med. Wochenschrift Ai 46 a 1890), dass er sich die Angaben 
„über Herkunft und Bereitung des Mittels für eine 
spätere Mittheilung Vorbehalte, da seine Arbeiten 
noch uichtabgeschlossen seien.“ Mag man in der durch dieBe- 
deutung der Sache hervorgerufenen Erregung auch eine gewisse 
Erklärung für dies Verhalten eines Theiles der Presse finden, 
eine Entschuldigung bietet sie nicht. Um so weniger, als jene 
angekündigte spätere Mittheilung auch richtig sehr bald erfolgt 
ist und zwar gewiss nicht auf Druck durch den „Unwillen der 
ganzen ärztlichen Welt“, wie der „Wratsch“ sagt, aber nicht sagen 
würde bei Berücksichtigung jener Ankündigung. Leider 
geht derselbe aber soweit, dass er auch die, vielleicht noch 
einige Monate lange Zeit bis zur nächsten genaueren Mittheilung 
über die Darstellung des Mittels benutzten will zu weiterer 
Verurtheilung dieses Verfahrens des Autors, weil die Angaben 
noch nicht genau genug sind. Wir können ihn nicht daran 
hindern, honen aber, dass er sich im Verurtheilen nicht zu 
sehr beeilt und die gegebene Zeit nicht zu sehr ausnutzt. — 
Wir können übrigens nicht umhin zu bemerken, dass gerade 
ein Beispiel hier in Russland wohl sehr dafür spricht, dass Koch 
nicht falsch gehandelt hat wenn er erst zuverlässige Daten über 
die Wirkung des von ihm selbst dargestellten Mittels haben 
wollte, bevor er die Darstellung desselben veröffentlichte und 
damit der Controverse Thür und Thor öffnete, ob das an verschie¬ 
denen Orten nach seiner Angabe dargestellte Mittel auch das¬ 
selbe sei. Eis wird wohl Allen noch in Erinnerung sein, wie 
eine ganze grosse Heerde Schafe in Süd-Russland an der Imp¬ 
fung zu Grunde ging, welche sie gegen Milzbrand immun machen 
sollte. Und doch war die Impfung genau nach den Angaben 
Pasteur’s durch einen Assistenten des Odessaer bakteriologi¬ 
schen Instituts ausgeführt worden. War nun das Mittel dasselbe 
wie das Paste ursche? Oder ist der unglückliche Ausgang 
der Impfung als Beweis gegen Pasteur’s Verfahren anzusehen? 
Die Scnuldrrage blieb, so viel wir wissen unentschieden, das 
Resultat aber war, dass diese für Russland besonders wichtigen 
Praeventivimpfungen in Misscredit kamen. Wahrscheinlich 
mit Unrecht; für die Klarlegung des Nutzens derselben und für 
den Wohlstand Russlands wäre es aber jedenfalls besser gewe¬ 
sen, wenn die Impfungen, wenigstens in der ersten Zeit, mit 
einem Pasteur’sehen Praeparat vorgenoramen worden wären; 
und der allgemeine Nutzen ist doch schliesslich das Entschei¬ 
dende in solchen Fragen. In diesem Falle handelte es sich 
nur um Schafe, für das Koch’sche Mittel aber um Menschen. Das 
Mittel war ein dem Koch’schen sehr ähnliches. — Auf den 
gegen uns persönlich gerichteten Angriff am Ende der Ent¬ 
gegnung des „Wratsch“ gehen wir nicht ein um jede nicht sachliche 
Polemik zu vermeiden; bemerken wollen wir nur in Bezug aut 
unser Urtheil über „l’Union m6d“, dass der „Wratsch“ unser 
Urtheil wohl gerechtfertigt finden wird, wenn er sich die Mühe 
macht, einen m jenem Blatte vor 3 Jahren erschienenen Artikel 
nachzulescn, der in dem damals wogenden Streit der Meinun¬ 
gen über die Krankheit des Kaiser Friedrich III. in sehr piquan- 
ter Form und auf Grund von daselbst angedeuteten That- 
sachen für Lues entschied, was sich später, wie bekannt, als 
falsch herausstellte. 

— Bei der am 19. Januar c. stattgehabten Immatricula- 
tion wurden in die Zahl der Studirenaen der Dorpater Univer¬ 
sität 89 neu aufgenommen, von denen sich 30 dem Studium der 
Medicin. 22 dem Studium der Pharmacie widmen. Im Ganzen 
betrug die Zahl der Studirenden an der genannten Universität 
an diesem Tage 1735 (gegen 1732 im vorigen Jahre), von denen 
1015 (und zwar 874 Mediciner und 141 Pnarmaceuten) der me- 
dicinischen Facultät angehören 

— Vor Kurzem verstarb hieselbst einer der ältesten Einwohner 
St. Petersburg’s, der frühere Theehändler A. S. Bolotin, im 
Alter von 106 Jahren. Derselbe hatte seit 1819 ununterbro¬ 
chen in St.-Petersburg gelebt und nie eine Krankheit durchge¬ 
macht. Er starb bei voller Besinnung an Altersschwäche. 

— In der französischen Stadt St Denis ist ein Apotheker, 
welcher aus Versehen Chlorbaryum abgelassen hatte, in 
Folge dessen der Kranke starb, von der Behörde verurtheilt 
worden: zur Zahlung einer Strafe von 300 Frcs, einer Entschädi¬ 
gung an die Wittwe von 6,000 Frcs und einer jährlichen Pen¬ 
sion von je 300 Frcs für jedes der beiden Kinder des Verstor¬ 
benen bis zu ihrer Volljährigkeit. 

Im klinischen Institut der Grossfürstin Helene Pawlowna 
werden seit dem 13. Jan. a. c. jeden Sonntag für Aerzte und Stu- 
dirende unentgeltlich folgende Vorlesungen gehalten: 

12.—1. Dr. 0. Peteraen: ausgewählte Capitel aus der Der¬ 
matologie. 

1. —2. Dr. A. Selenkow: Chirurgie der Verdauungsorgane. 

2. -3. Dr. H. 8chapiro: Klinik der Herzkrankheiten. 

— Der XX. Congress der Deutschen Gesellschaft für 
Chirurgie findet wie der derzeitige Vorsitzende Prof. Thiersch 
mittheilt, vom 1.—4. April n. St. in Berlin statt. Die Begrüs- 


suug der Congressmitglieder geschieht am 31. März n.St., Abends 
8 Uhr im Centralhötel (Eingang von der Friedrichstrasse). Die 
Sitzungen werden am 1. April von 12—4 Uhr, an den anderen 
Tagen von 2—4 Uhr, in der Aula der Universität, die für De¬ 
monstration von Präparaten und Krankenvorstellung bestimm¬ 
ten Morgensitzungen von 10—1 Uhr in der Universitütsklinikab- 

S ehalten. Für den ersten Sitzungstag ist die Besprechung der 
[ochschen Entdeckung anberaumt, über welche Prof. v. Berg¬ 
mann den einleitenden Vortrag übernommen hat. 

Ankündigung von Vorträgen, Mittheilungen und Demonstra¬ 
tionen sind sobald als möglich an die Adresse des ständigen Schrift¬ 
führers, Geh. Medicinalraths Prof. Dr. Gurlt. (W., Keithstrasse 
J6 6), zu richten. 

— Von der St. Petersburger städtischen Sanitätscommission wird 
bekannt gemacht, dass zur unentgeltlichen ärztlichen Hülfe sei¬ 
tens der städtischen Aerzte und zur unentgeltlichen Aufnahme in 
die städtischen Gebärasyle nur die ärmste Bevölkerung berech¬ 
tigt ist und dass dieses Recht nur nach Beibringung eines Ar- 
muthszeugnisses in Anspruch genommen werden Kann. 

— Der Centralhülfscasse für die Aerzte Deutschlands 
ist eine sehr reiche Erbschaft zugefallen. Der verstorbene 
praktische Arzt Dr. Emil Müller hat derselben ein Capital 
von mehr als 1,100000 Mark testamentarisch vermacht. 

— Das Kocnsche Heilmittel hat statt des von einer Seite 
vorgeschlagenen Namens „Kochin“ jetzt officiell den Namen 
Tuberculin“ erhalten. Säramtliche von Dr. Libbertz in der 
Fetzten Zeit versandten Holzkästchen, welche die Kochsche Ori¬ 
ginallymphe enthalten, tragen nämlich die Inschrift „Tuberculin“. 

— Die Gesammtzahl der Kranken in den Civilhospi- 
tälern St. Petersburgs betrug am 20. Januar a. c. 6973 (143 
mehr als in der Vorwoche); darunter 519 Typhus — (45 mehr), 
686 Syphilis — (58 mehr), 145 Scharlach — (2 mehr), 22 Diph¬ 
therie — (10 mehr), 13 Masern — f4 mehr) und 55 Pockenkran¬ 
ke (15 weniger als in der Vorwoche). 

— Die Gesammtzahl der Kranken in den Civilhospi- 
tälern St. Petersburgs betrug an 27. Januar a. c. 6942 (31 
weniger als in der Vorwoche), darunter 539 Typhus—(30 mehr), 
687 Syphilis — (1 mehr), 157 Scharlach — (12 mehr), 17 Diph¬ 
therie — (5 weniger ), 7 Masern — (6 weniger) und 46 Pocken¬ 
kranke (9 weniger als in der Vorwoche). 


Vacanz. 

— Von dem PcnsaschenGouverneinents-Landschaftsamte wird 
bekannt gemacht, dass bei diesem Landschaftsamte der Posten 
eines Sanitätsarztes und Statistikerscreirtist,demdieLei- 
.tungder Sjiecialabthcilung des Landschaftsamtes obliegt, welche 
als Executivorgan der periodischen Congresse der I>andschafts- 
ärzte des Pensaschcn Gouvernements dienen und das sanitäts- 
statistische Material bearbeiten und herausgeben soll. Gehalt 
und Quartiergeld 1,200 Rbl. jährlich. Für die Amtsfahrten und 
die Geschäftsführung in der genannten Specialabtheilung sind 
besondere Summen ausgesetzt. Bewerber wollen ihre Meldungen 
unter Beifügung von Auskünften über die Absolvirung des Cur- 
sus, ihre dienstliche und praktische Thätigkeit sowie ihre et¬ 
waigen literarischen Arbeiten bis zum 1. März d. J. an die „TleH- 
8eHcaaa PyöepHCKaa 3eMCKaa Ynpaßa“ einsenden. 

Mortalitäts - Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 13. Januar bis 19. Januar 1891. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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333 263 596 

128 

41 

82 

13 

5 

22 

56 

58 

56 

51 

41 

28 

14 

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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 2, Typh. abd. 9, Febris recurrens 4, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 8, Masern 5, Scharlach 
19, Diphtherie 11, Croup 1, Keuchhusten 4, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 27. Eirysipelas 5, Cholera nostra 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Mening'tis 0, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 0, Pyämie und Septicaemie 9, Tu- 
berculose der Lungen 127, Tuberculose anderer Organe 4, Alko¬ 
holismus und Delirium tremens 2, Lebensschwäche und Atrophia 
intantum 4L Marasmus senilis 27, Krankheiten des Verdanungs- 
canals 42, Todtgeborene 30. ___ 

Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 19. Februar 1891. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. Februar 1891. 


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54 




ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von CARL RICHER in St. Peters¬ 
burg, Newsky-Pr. A* 14, sowie in allen in- und ausländischen Annoncen-Comptoiren angenommen. 


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XVI. JAHRGANG. 


Neue Folge VIII. Jahrg. 



UEDICIHim WOCIENSCHEIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Ki^a. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 

Die „St. Petersburger Mediciuische Wochenschrift“ erscheint jeden Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate **W 

Sonnabend.- Der Abonnementspreis ist in Russland 8 Rbl. für das j bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Carl Sicher in 
Jahr. 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung: in den anderen ! St. Petersburg. Xewskv-Prospect J'fe 14, zu richten. — Manuscripte 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
für die Sinai gespaltene Zeile in Petit ist 10 Kop. oder 35 Pfenn. — Den den geschäftsführenden Redactenr Dr. Theodor von Sohröder in 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. - St.Petersburg, Malaja Italjanskaja .V: 35. Quart. 3, zu richten. Sprech- 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Rogen honorirt. stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 

JTs 7 St. Petersburg, 10 . (28.) Februar _ 1891 

Inhalt W. Beckmann: Ein letal verlaufender Fall von Morbus niaculosus Werlhotii. — Kn»i 1 Aronson: Ein Fall von soge¬ 
nannter „ansteckender“ Epilepsie.--Referate: H. v. Bnrckhardt: Mittheilungen über das Koch scbe Heilverfahren. — Die Behand¬ 
lung der Tubereulose mit dem Koeh’sehen Mittel. — Jacob Grünborg: Ein Beitrag zur Behandlung complieirter RetroHexionen 
und Prolapse. -- Otto Küstner: Die Behandlung complieirter RetroHexionen und Prolapse besonders durch ventrale Operationen. -- 
.1 oh. Seit z: Feber die Rötheln. - Büchcra nzeigen und Besprechungen: Olof Hammarsten: Lehrbuch der physiologischen 
Chemie. — Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft praktischer Aerztc zu Riga — Protokolle desäereins 
St. Petersburger Aerzte. — Kleinere Mittli eilungen und therapeutische Notizen. — Vermischtes. — Vacanzcn.— 
Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ein letal verlaufender Fall von Morbus macu- 
losus Werlhotii. 

Aus dem Evangelischen Hospital zu St. Petersburg. 

Von 

Dr. W. Beckmann, 

Assistenzarzt. 

In Folgendem berichte ich über einen Fall von Mor¬ 
bus maculosus Werlhofn, der unlängst im Evangelischen 
Hospital zur Beobachtung kam und nicht nur durch ein 
aussergewöhnlich langes Prodromalstadium, sondern auch 
die Schwere seines Verlaufes und seinen letalen Aus¬ 
gang durch Hirnhämorrhagie das Interesse weiterer Kreise 
zu beanspruchen vermag. 

Anamnese vom 9. Sept. 1890: Agafja Antonowa 62 a. n., 
unverheiratet, ist früher Wäscherin, in den letzten Jahren Köchin 
gewesen. In Bezug auf Heredität lässt sich nichts Besonderes 
constatiren. Bis vor 6 Jahren war Pat. völlig gesund, seitdem 
leidet sic an Schmerzen in den Weiclitheilen der Extremitäten. 
Gelenkerkrankungen werden in Abrede gestellt. Gegen ihren 
Muskelrheumatismus brauchte Pat. eine Schlammbadeeur in 
Arensburg und Anieisenbäder auf ärztlichen Rath. Ihre jetzige 
Krankheit begann vor mehr als einem Monat mit Gefühl von 
Schwäche, Appetitraangel, vorübergehender Uehelkeit und un¬ 
bestimmten Schmerzen. Letztere sassen bald im Rücken, den 
Seiten, dem Halse oder den Unterschenkeln. Diese Erschein¬ 
ungen bestanden bis zum 6. Sept. Am genannten Tage ging 
Pat in die Badstube, wonach sie eine entschiedene Verschlim¬ 
merung ihres subjectiven Befindens bemerkte. Als sie am 
nächsten Morgen aufwachte, nach einer unruhig verbrachten 
Nacht fand sie ihren Körper mit den unten beschriebenen 
Flecken bedeckt; gleichzeitig hatte das allgemeine Schwächege- 
ffthl so zugeuommen, dass sie ihren Dienst den sie bis dahin noch 
immer versehen hatte, nicht mehr verrichten konnte und im 
Bette bleiben musste. Seit diesem Morgen traten blutiger Spei¬ 
chelfluss, blutiger Urin und schwarze Stühle auf. Genossen nat 
Pat seitdem fast garnichts da bei dem geringsten Versuche, 
Speisen za sich zu nehmen, Erbrechen eintrat. Starker Durst, 
Verlangen nach sauren Getränken, Hitze- und Frostgefühle, 
völlige Schlaflosigkeit zwangen Pat. am '•>. Sept. Nachmittags 
die Hilfe des Evang. Hospitals in Anspruch zu uehmen. 

Status praesens den 10. Sept: Pat ist kräftig gebaut und 
besitzt ein ausserordentlich stark entwickeltes Fettpolster. 
Schleimhäute eiu wenig anämisch. Pat. bemüht sich fortwähr¬ 


end einen zähen, klebrigen, blutig tingirten Speichel, der sich 
in ihrem Munde ansammelt, auszuspeien. Sensorium frei. Der 
allgemeine Eindruck ist der einer Sehwerkrauken. Die Tempe¬ 
ratur war gestern 38, 1— 39, 2— 39, 6. Puls gestern abends 
92. Morgentemp. heule 37,8 P. 82 ziemlich kräftig. Arterien von 
mittlerer Füllung, weich, ohne fühlbare sclerotische Veränder¬ 
ungen. 

Das in die Augen springende Krankheitssymptom besteht in 
dunkelrothen bis schwarzen Flecken, welche Uber die ganze 
Körperoberfläeho verbreitet sind. Dieselben erheben sich nicht 
Über das Niveau der Haut, verschwinden auf Druck nicht, 
lassen die Epidennis unverändert erscheinen und haben znm 
grössten Theil scharfe Grenzen. Sie sitzen offenbar dicht unter 
der Epidermis und haben eine sehr dunkle, stellenweise sogar 
fast schwarze Farbe, wie z. B. an den Fingerspitzen. Andere, 
die offenbar die tieferen Hautschichten einuehmen, erscheinen 
: von hellerer Farbe. Ausser diesen scharf begrenzten linsen-lbis 
erbsengrossen Blutaustritten finden sich andere, die in der Pe- 
i ripherie durch blaue, grüne und gelbe Farbentöne allmälig in 
die normale Hautfarbe übergehen und daher mehr diffus erschei- 
! neu. Diese sind bis thalergross. wie z. B. an Brust, Bauch. 
I rechtem Oberschenkel, auch an den Handrücken. Endlich 
! finden sich noch kleine streifenförmige Blutaustrittc von völlig 
violetter Farbe. 

ln Bezug auf die Localisation der beschriebenen Ecchymo- 
sen ist Folgendes auzuführen. Das Gesicht ist verhältniss- 
mässig am meisten verschont ; nur an der Stirn, der Haargrenze, 
den Augenlidern und den Wangen finden sich vereinzelte kleine 
Flecke, während ein grösserer Blutaustritt mit der beschriebenen 
F’arbenabstufung in der Peripherie sich vom rechten Mund¬ 
winkel bis zum Unterkieferrande hinzieht. Die behaarte Kopf¬ 
haut ist völlig frei, an den Ohrmuscheln einzelne erbsengrosse 
blaue Flecke. Auch der Hals ist wenig befallen; um die Schultern 
finden sich dagegen zahlreiche grössere und kleinere Hämor- 
rhagien. An Rücken. Brust and Bauch relativ wenig kleinere, 
dafür aber zahlreiche bis handtellergrosse Blutergüsse. Am 
Manubrium sterni findet sich eine 5-kopekengrosse strahlige Ver¬ 
brennungsnarbe; auch in ihr zahlreiche Blutaustritte. Völlig 
besäet mit Ecchymosen sind die Extremitäten. Beide Hand¬ 
rücken fast diffus bläulich verfärbt durch aneinander stossende 

f rosse blaue Flecke. Volae manus fast ganz frei, dagegen an den 
’ingerkuppen mehrere schwarze Flecke. Unter- und Oberarme 
von gesprenkeltem Aussehen An der Streckseite der Unter- 
und Oberarme mehrere blasenförmige Erhebungen der Haut, 
die mit blauschwarzen festen Gerinnseln gefüllt sind. Die Ober¬ 
schenkel durch zahlreiche grössere, die Unterschenkel und 
Füsse durch kleinere, auch streifenförmige Blutaustritte ge¬ 
mustert; an der Streckseite der Unterschenkel, wie an den 
Unterarmen B'.asen, auch der Epidermis beraubte exeoriirte 
Stellen. Nirgendwo Hautoedeine. 


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56 


Auch die sichtbaren Schleimhäute weisen ähnliche Ecchy- 
mosen auf. In den Conjunctiven kleinere Flecke. Lippenschleim¬ 
haut diffus blau verfärbt. An der Schleimhaut der Zunge, des 
Zahnfleisches, der Wangen, des Mundbodens, des weichen 
Gaumens und Pharynx, zahlreiche erbsen — bis 20-kopst(lck 
grosse rundliche und ovale dunkelroth-schwarze sich über das 
Niveau der Schleimhaut erhebende Blutgerinnsel, der letzteren 
ziemlich fest anhaftend. Nach Entfernung derselben, was Schmerz 
verursacht, erhält man exeoriirte Stellen in der Schleimhaut, 
^.us diesen stammt offenbar das Blut, welches sich dem Spei¬ 
chel beimengt. Es besteht Foetor ex ore. 

Herzspitzenstoss etwas nach aussen von der M. L. im VI. J. 
C. R. Weder percutorisch noch auscultatorisch an den Brust¬ 
organen Veränderungen nachweisbar. Der untere Leberrand ragt 
etwa fingerbreit in der r. M. L. unter dem Rippenbogen her¬ 
vor. Milz nicht herauszupercutiren. Milzgegend ziemlich druck¬ 
empfindlich, ebenso das Hypogastrium. 

Urin dunkelrothschwarz mit reichlichem Bodensatz von rothen 
Blutkörperchen. Gelöstes Hämoglobin und Albumin in massigen 
Mengen. Urinmeuge von gestern bis heute früh 1250 Ccm. 
Stuhl nach Lavement durch Beimengung zersetzten Blutes kohl¬ 
schwarz verfärbt. 

Der Verlauf der Krankheit war leider ein unerwartet 
schneller. Bei der ersten Untersuchung machte Pat. einen noch 
relativ kräftigen Eindruck. Die T° war 37,8 — 37,5 — 37,5 — 
38,5 — 37,8. Essen konnte Pat. wegen sogleich entstehender 
Brechneigung nichts. In der nächsten Nacht war sie recht un¬ 
ruhig, soll aber nach Angabe der dujourirenden Schwester auch 
etwas geschlafen haben. Um 4 Uhr morgens hat Pat, zum letz¬ 
ten Mal urinirt, um 6 Uhr fand man sie schon todt. 

Die am 11. Sept. vorgenommene Section ergab im Wesent¬ 
lichen Folgendes: Sehr fette Leiche, Panniculus adiposus an 
der vorderen Bauchwand etwa 10 Cm. dick. Musculatur gut 
entwickelt, frei von Blutaustritten. Die in der Krankenge¬ 
schichte näher beschriebenen Hauthämorrhagien fanden sich 
zum grössten Theil im Corium, der kleinere Theil derselben, 
und zwar die umfangreicheren, im subeutanen Bindegewebe. 
Ausser diesen bei Lebenszeiten schon wahrnehmbaren Blutaus¬ 
tritten fand man noch solche, die im Fettpolster selbst sassen, 
doch in nicht grosser Anzahl. Zahlreiche kleine linsen-bis hanf¬ 
korngrosse Hämorrhagien im präperitonealen Fett. 

Blut dunkel, flüssig, ohne Spuren von Gerinnselbildung. 

Beide Lungen lufthaltig. Linke Lunge oben und hinten mit 
der Pleura costalis verwachsen, enthält an der Spitze eine kleine 
Narbe. Geringes Lungenödem. An der Pleura viscer. spärliche 
nadelspitzengrosse Ecchymosen. Bronchialschleimhaut etwas 
livid verfärbt ohne Blutaustritte. Pleurahöhlen leer, Pleura 
costal. und diaphragm. von zahlreichen stecknadelkopfgrossen 
Ecchymosen durchsetzt. 

Im mediastinellen Fett spärlich grössere und kleinere Hämor¬ 
rhagien. Im Herzbeutel etwa 20 Ccm. leicht gefärbten Serums. 
Penkardiura parietale überall spiegelnd, enthält sehr zahlreiche 
kleinere und grössere bis erbsengrosse Blutaustritte, die sich 
nirgendwo über das Niveau erheben. Herz ziemlich stark ver¬ 
grössert, sehr fettreich. Beide Ventrikel, besonders der rechte, 
mit flüssigem dunkelrothem Blut gefüllt, ohne Gerinnselbil¬ 
dung. Klappen schlussfähig, Semi lunarklappen der Aorta und 
Mitralklappen an den Rändern etwas verdickt. Perikardium 
viscer. spiegelnd, enthält nicht sehr zahlreiche Ecchymosen bis 
Stecknaaelkopfgrösse. Am rechten Vorhof wird etwa die Hälfte 
der hinteren Wand von einer flächenhaften Hämorrhagie einge¬ 
nommen. Dieselbe ist vom Perikard überzogen, auf dem Durch¬ 
schnitt V* Cm. dick und besteht aus fest geronnenem dunklem 
Blut, An der vorderen Fläche des rechten Vorhofs mehrere bis 
erbsengrosse discret stehende Blutaustritte unter dem perikar¬ 
dialen Ueberzuge im Fette sitzend. Herzmusculatur des linken 
Ventrikels trübe, von normaler Dicke, enthält nur vereinzelte 
kleine Ecchymosen. Letztere sind ebenso spärlich im leicht 
getrübten Endokard. Rechter Ventrikel dilatirt, Musculatur 
dünn und schlaff, stark fettdurchwachsen. 

An der Oberfläche der grossen Gefässe nicht sehr zahlreiche 
Blutaustritte. Aorta von normaler Weite, im Arcus einzelne 
beetförmige Erhebungen und eine 2 Cm. lange V* Cm. breite 
Kalkplatte. Dicht über den Klappen verfettete Stellen. 

Milz mässig vergrössert, weich, zerfliesslich, an der Oberfläche 
kleine Blutaustritte. 

Leber leicht vergrössert, Fettleber. Peritonealer Ucberzug 
enthält vereinzelte Ecchymosen. 

Fettkapsel der Nieren beiderseits von Blutaustritten völlig 
durchsetzt. Nieren vergrössert, besonders im Dickendurchmesser. 
Nierenbecken, Kelche und Ureteren mit geronnenem Blut aus¬ 
gegossen und stark ausgedehnt. Ureteren fast kleinfingerdick. 
Nierenkapseln mässig adhärent, von flächenhaften sehr zahlreichen 
kleineren und auch grösseren Blutaustritten, sowohl in der Kap¬ 
sel als zwischen Kapsel und Rinde, durchsetzt. Ebenso Hämor¬ 
rhagien in den oberflächlichen Schichten der Rinde. Rinde ver¬ 
breitert, Rinde und Mark von trüber Farbe. Consistenz des 
Nierengewebes ziemlich derb. 

Peritoneum parietale und viscerale geradezu gemustert durch 
sehr zahlreiche und dicht stehende kleine stecknadelkopf- bis 


hantkorngrosse Ecchymosen. Dieselben sind überall von rund¬ 
licher Form, nur am peritonealen Ueberzuge des Magens strei¬ 
fenförmig, entsprechend der Anordnung des Muskelfaserver¬ 
laufes. Peritoneum überall spiegelnd. Alle vom Peritoneum ge¬ 
bildeten Bänder wie auch das ganze Aufhängeband des Dünn- 
und Dickdarmes durch sehr zahlreiche zusammenfliessende Blut¬ 
austritte blutig suffundirt. 

Magen nicht vergrössert. enthält ca. 50 Ccm. blutigen Schlei¬ 
mes. Die anscheinend intacte Magenschleimhaut von dicht ne¬ 
beneinander stehenden erbsen- bis nussgrossen braunschwarzen 
Blutaustritten durchsetzt. An der Kardia und am Pylorus je 
ein bohnengrosses über das Niveau sich erhebendes Hämatom. 
Dasselbe aus geronnenem Blut bestehend, reicht anscheinend nicht 
bis in die Muscularis. 

Dünn- und Dickdarm enthalten reichliche Mengen schwarzen 
veränderten Blutes. Die intacte Dünndarmschleimhaut von spär¬ 
lichen auf der Höhe der Falten und um die Follikel sitzenden 
Blutaustritten durchsetzt. Im Coecum und Dickdarm ist fast die 
gesammte Schleimhaut blutunterlaufen. 

Die Blase enthält blutigen Harn, Schleimhaut mit streifigen 
Ecchymosen besetzt. 

Uterus senil involvirt, an beiden Ovarien apfelgrosse Kystome. 

Die mit subcutanem Fettpolster versehene Kopfschwarte ent¬ 
hält in demselben zahlreiche kleinere und grössere Blutaustritte. 

Dura mit dem Schädel ziemlich fest verwachsen. Im Subdu¬ 
ralraum der grossen Hemisphären eine dünne flächenhaft ausge¬ 
breitete Blutschicht, links grösser als rechts. Pia an den Gross¬ 
hirnhemisphären getrübt. Kleinhirn, Medulla oblongata und 
Basis cerebri bis zum Chiasma nervorum optic. von zusammen- 
fliessenden Blutaustritten im Subarachnoidalraum umgeben. Die 
ganze rechte Kleinhirnhemisphäre durch einen apoplektischen 
Herd zertrümmert. Hirnventrikel leer. An den grossen Ganglien 
keine Veränderungen. Himgefässe zartwandig, collabirt, ohne 
sichtbare Veränderungen. 

Die mikroskopische Untersuchung verschiedener Organe war 
besonders bemünt das Verhalten des Gefässsystems und etwaige 
Veränderungen an demselben festzustellen. Doch konnten weder 
an den Capularen, noch auch an den kleineren Gefässen, ausser 
einer Arteriosclerose geringen Grades, bemerkenswerthe Ab¬ 
weichungen von der Norm constatirt werden. 

Nur zur Ergänzung des makroskopischen Befundes sei Folgen¬ 
des erwähnt. 

Das dem Herzen entnommene flüssige Blut ergab ein norma¬ 
les Verhältniss der rothen zu den weissen Blutkörperchen. Mi¬ 
kroorganismen Hessen sich in Deckglastrockenpräparaten durch 
Färbung nicht nachweisen. 

Die Herzmusculatur wies Verschmälerung und leichte Trübung 
der Muskelfasern auf. Die schon makroskopisch wahrnehmbaren 
Blutaustritte stellten sich als diffus mit Blutpigment durchtränkte 
Stellen dar, an welchen die Gewebsstructur undeutlich war. 

Der an der Wand des rechten Vorhofs beschriebene grosse 
Blutaustritt sass vorzüglich im subperikardialen Fettgewebe, das 
förmlich mit Blutkörperchen ausgefüllt war, erstreckte sich aber 
auch in die oberste Schicht der Vorhofswand selbst. 

Das ganze Mark der Niere mit miliaren, diffus begrenzten, 
von Blutpigment gefärbten Flecken durchsetzt. Rindensubstanz 
relativ frei. Das die Nierengefässe umgebende Bindegewebe 
braun verfärbt. Glomeruluskapselräume mässig ausgedehnt, theils 
leer, theils mit nicht grossen Mengen prolifenrten Epithels und 
körnigen Massen erfüllt. Epithel der Tubuli contorti stellenweise 
trübkörnig geschwellt, stellenweise völlig zu Grunde gegangen, 
theils auch anscheinend unverändert Tubuli recti im Bereich 
der Ecchymosen zu Grunde gegangen, sonst wesentlich nicht 
verändert. Im Magen sind Mucosa und besonders Submucosa 
von der Blutung betroffen. Erstere ist an den 2 oben beschrie¬ 
benen sich über das Niveau erhebenden Hämatomen nekrotisch, 
von Blutfarbstoff durchtränkt und an der Oberfläche mit Gerinn¬ 
seln bedeckt, ln der Submucosa finden sich neben Stellen, die 
nur von Blutpigment verfärbt sind, auch solche, wo die ausgetre¬ 
tenen Blutkörperchen noch ihre Gestalt bewahrt haben. 

Fassen wir noch einmal das Gesagte kurz zusammen. 
Eine kräftige, bis auf einen Muskelrheumatismus gesunde 
Person von 62 Jahren bekommt nach mehrwöchentlichem 
Unwohlsein über Nacht zahlreiche Hämorrhagien in der 
Haut, den Schleimhäuten der verschiedensten Organe wie 
auch den serösen Häuten und geht unter Fiebererschei¬ 
nungen in Folge von Hirnhämorrhagie plötzlich zu Grunde. 
Damit ist das Bild eines schweren, tödtlich verlaufenden 
Falles von Morbus maculosus Werlhofii gezeichnet. Die 
meisten Autoren definiren diese Krankheit als plötzlich 
auftretende primäre hämorrhagische Diathese, deren Ae- 
tiologie bis jetzt unklar geblieben ist. Diese Definition passt 
insofern nicht auf unser Krankheitsbild, als den allerdings 
plötzlich und schubweise auftretenden Blutungen ein mehr¬ 
wöchentliches Prodromalstadium mit Gefühl von Unwohl¬ 
sein, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Gliederscbmer- 


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67 ' 


zen vorausging. Letztere Erscheinungen müssen wir auf 
Purpura hämorrhagica beziehen, wenn dieselben nicht etwa 
einer anderen selbständigen Krankheit angehören. Es ist 
ja bekannt, dass Purp, hämorrhag. besonders häufig im 
Anschluss an viele Infectionskrankheiten vorkommt, viel¬ 
leicht am häufigsten nach dem Typhus. Einzelne Autoren, 
wie z. B. Wilhelm Koch in seiner weiter unten citirten 
Arbeit, gehen sogar soweit, die hämorrhagischen Formen 
von Masern, Scharlach und Pocken auf eine Mischinfec- 
tion zu beziehen, indem neben der specifischen Masern-, 
Scharlach- oder Pockennoxe ein selbständiger Krankheits¬ 
erreger die Blutaustritte verursache. Für das Vorherge¬ 
gangensein einer selbständigen Krankheit, speciell eines 
Typhus, konnten in unserem Falle keinerlei Anhaltspuncte 
gefunden werden. Bei der Annahme eines längeren Pro¬ 
dromalstadiums können wir, glaube ich, auch deswegen 
stehen bleiben, weil der Morbus maculosus Werlhofii in 
seinen einzelnen Erscheinungsformen keineswegs ein stets 
gleichbleibendes Krankheitsbild darbietet. Schon die grosse 
Zahl verschiedener Namen, wie Purpura Simplex, rheuma- 
tica, fulminans, febrilis, afebrilis etc. deutet auf die Ver¬ 
schiedenartigkeit der einzelnen Krankheitsfälle, wobei aller¬ 
dings das Wesentliche, die Blutaustritte, allen gemeinsam 
bleiben. Bei einer verwandten Krankheit, dem Skorbut, 
kommt ein längeres Prodromalstadium vor, die Skorbut¬ 
kachexie, mit welcher Muskelschmerzen einhergehen. Der 
Skorbut ist jedoch durch die die Blutungen begleitenden 
entzündlichen Erscheinungen deutlich charakterisirt. Die 
bei unserer Patientin vorhandenen Zahnfleischblutungen, 
welche vielleicht auf den ersten Blick an Skorbut hätten 
denken lassen können, zeichneten sich durch völlige Reac- 
tionslosigkeit der die Blutaustritte umgebenden Schleim¬ 
haut aus. Nirgends fanden sich Auflockerung oder ent¬ 
zündliche Schwellung des Zahnfleisches selbst. — Die Zeit 
ist nicht sehr fern, wo Purpura hämorrhagica und Skorbut 
nicht auseinander gehalten wurden. Auch in allemeu- 
ster Zeit hat man beide Krankheiten als zusammen¬ 
gehörig ansehen wollen. Willi. Koch ist in einer Arbeit 
unter dem Titel „Die Bluterkrankheit in ihren Varianten“ *) 
bestrebt, nachzuweisen, dass Purpura hämorrh., Skorbut 
und Hämophilie eine Krankheitseinheit bilden mit der 
gemeinsamen Neigung des Blutes, aus den scheinbar un¬ 
veränderten Gefässen herauszutreten entweder in die Ge¬ 
webe, bei den „Bluterkranken“, oder an die freie Ober¬ 
fläche der Schleimhäute und der Haut, bei den „Blutern“. 
Diese neue Krankheitseinheit möchte Koch mit dem alten 
Namen Skorbut oder Scharbock belegen. Dabei fasst er 
dieselbe als Infectionskrankheit auf mit Entwickelung 
giftiger Stpffwechselproducte — Toxine (cf. pag. 138) von 
Seiten des pathogenen Mikroorganismus. Der Nachweis 
einer Zusammengehörigkeit von Hämophilie, Skorbut und 
Morbus maculosus ist in exacter Weise nur durch den 
noch ausstehenden Beweis des gleichen Krankheitserregers 
für alle drei Krankheiten zu führen. Solange der Nach¬ 
weis eines gleichen Krankheitserregers nicht erbracht ist, 
muss man Hämophilie, Morb. macul. und Skorbut als ver¬ 
schiedene klinische Krankheitseinheiten auseinanderhalten, 
zumal erstere durch die auffallend gesetzmässige Vererb¬ 
barkeit, letztere durch die charakteristische Kachexie und 
entzündliche Erscheinungen sich vom Morbus macul. 
unterscheiden. Freilich ist nicht zu leugnen, und das 
betont Koch besonders, dass häufig Uebereinstimmungen 
in gewissen Symptomen unter den einzelnen Krankheiten 
Vorkommen. 

Leider bin ich nicht in der Lage, in Bezug auf die 
Aetiologie oder die pathologische Anatomie meines Falles 
etwas Neues vorzubringen. 

Schon mehrfach haben verschiedene Forscher, und dar¬ 
unter bedeutende Autoritäten, geglaubt den specifischen 
Krankheitserreger in Form eines Mikroorganismus gefun¬ 


l ) Deutsche Chirurgie, Lieferung 12. 1889. Enke, Stuttgart. 


den zu haben. In jüngster Zeit will Letzerich a ) in 3 
Fällen von Morb. macul. Werlhofii den specifischen Bacil¬ 
lus gefunden haben, dessen Reinculturen auf Thiere ver- 
iinpft, analoge Krankheitsbilder hervorgerufen haben sollen. 
Doch bedarf diese Beobachtung noch weiterer Bestätigung. 

Die in meinem Falle gefundenen pathologisch anato¬ 
mischen Veränderungen können wohl alle als Folgeerschei¬ 
nungen der zahlreichen reactionslosen Blutaustritte gedeutet 
werden. Damit bin ich mit der Mehrzahl der Untersucher 
in Uebereinstimmung. Nur Wenige betonen das Vorkom¬ 
men von GefässVeränderungen. Auch in meinem Falle 
fand sich eine geringe Sclerose der Aorta und einzelner 
kleinerer Gefässe, besonders der Nierenarterien; darauf 
kann aber wegen des allzuhäufigen Vorkommens der Ar- 
teriosclerose bei älteren Personen kein Gewicht gelegt 
werden. 

Was die Krankheitserscheinungen selbst betrifft, so ist 
mein Fall entschieden zu den sehr schweren zu zählen. 
Nicht nur die Haut, sondern auch alle Schleimhäute mit Aus¬ 
nahme der der Luftwege und alle serösen Häute waren 
von den sehr reichlichen Blutungen betroffen, wobei an 
den Schleimhäuten neben interstitiellen massenhaft super- 
ficielle Blutungen erfolgten. Von den serösen Häuten war 
das ausgiebige Befallensein der Hirnhäute von Interesse. 
Endlich gehört eine Blutung in die Hirnsubstanz, wie sie 
bei meiner Patientin das tödtliche Ende hervorrief, keines¬ 
wegs zu den häufigen Erscheinungen bei Purpura hä¬ 
morrhagica. 

Ein Fall von sogenannter „ansteckender“ 
Epilepsie. 

Von 

Dr. Emil Aronson 
in Libau. 


In seinem Handbuch der spec. Pathologie und Therapie 
führt Eichhorst unter den ätiologischen Momenten der 
Epilepsie auch als Gelegenheitsursache den Nachahmungs¬ 
trieb an. Mittheilungen über derartige Fälle scheinen mir, 
so weit die Literatur mir zugänglich war, spärlich ver¬ 
treten zu sein ; vorliegender Fall, den ich vor einigen Mo¬ 
naten zu beobachten Gelegenheit hatte, dürfte desshalb 
zur Veröffentlichung geeignet sein. 

Am Vormittag des 3. Mai 1890 wurde ich zu dem plötzlich er¬ 
krankten Dienstmädchen Lotte S. gerufen. Anamnestisch konnte 
ich feststellen, dass Patientin plötzlich einen Schrei ausgestossen, 
das Bewusstsein verloren habe, und hingefallen sei; vor vier 
Wochen habe sie einen ähnlichen Anfall durchgemacht. Ich fand 
Patientin bewusstlos auf dem Bette liegend; das Gesicht der 
kräftig und stark gebauten Person ist bleich, die Augen sind ge¬ 
schlossen, die Kiefer fest auf einander gepresst, der Körper nach 
rückwärts gebeugt, die Musculatur der Extremitäten in tonischem 
Krampfzustande. Der Puls etwa 100; die Respiration beschleunigt; 
auf öussereReize. wie Nadelstich, keine Schmerzreaction, kurzum 
der ganze, reichlich 10 Min. dauernde Anfall bot das Bild des 
ausgeprägten epileptischen Anfalls. Nach Anwendung der noth- 
wendigen therapeutischen Maassnahmen kamPatientin bald zusich. 
— Am Abend desselben Tages abermals zu einer plötzlich 
erkrankten Dienstmagd gerufen, fand ich beim Hinzutreten an 
das Krankenbett zu meinem Erstaunen das eben geschilderte 
Krankheitsbild, nur in Bezug auf einzelne Erscheinungen in viel 
schwererer Form. Die Augen sind geöffnet starr, die Bulbi nach 
innen rotirt, ebenso Kieferstarre, Bewusstlosigkeit, beim öffnen 
des Mundes hört man klägliche Schmerzenslaute. Der Puls ist 
weich, beschleunigt, die Respiration normal: anfangs tonische, 
nachher klonische Krämpfe. Beim Erwachen klagt Patientin über 
Schmerzen in den Extremitäten. — Ich suchte nun durch eine 
genaue Anamnese einen vielleicht vorhandenen Zusammenhang 
zwischen den eben beschriebenen, in ihren Erscheinungen ein¬ 
ander so ähnlichen Fällen zu ermitteln, was mir auch gelang. 
Beide Patientinnen sind Schwestern, ihrer Nationalität nach Jü¬ 
dinnen. Auf die Nachricht von der Erkrankung ihrer Schwester 
Lotte war die zweite Patientin. Minna, am Nachmittage zu ihr 
ekommen; es hatte sich zwischen den Schwesteni ein lebhafter 
treit entwickelt, der bei der erst erkrankten, von dem Anfall am 


*) Citirt nach Dusch, Deutsche Mcdic. Wocbensehr. 1889, 
pag. 919). 


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Vormittage noch angegriffenen Lotte zu einem neuen, schweren 
Anfall führte. Natürlich tief erschüttert durch das grausige Bild, 
das die in Krämpfen sich windende Schwester bot, war die Minna 
S. nach Hause gekommen, anfangs auffallend still gewesen, bis 
sie schliesslich erkrankte. 

In einem sehr sachlich und anregend geschriebenen 
Artikel der „Deutschen medicinischen Wochenschrift “(J£ 29), 
Jahrg. 1890) weist Dr. R. Wichmann auf die in Folge 
von Nachahmung auftretenden Choreaepidemien hin: er 
erwähnt u. A. ferner die Epidemie Hysterischer im Kran¬ 
kenhause zu Haarlem und auch in Folge von Nachahmungs¬ 
trieb in Form epileptischer Anfälle auftretende Erkrankun¬ 
gen. Man ist geneigt, in diesen Fällen, ähnlich wie bei 
einer Infectionskrankheit von einem contagiösen Virus, 
so von einem psychischen Contagium zu sprechen. Wich¬ 
mann meint, und seine Gründe sind recht einleuchtend, 
man könne bei diesen Neurosen weder von einem psychi¬ 
schen Contagium, noch von einfacher Imitation sprechen; 
es ist daher der Ausdruck: „ansteckende Epilepsie“ u. s. w. 
nicht ganz correct. Die secundäre psychische Erkrankung 
findet, wie auch in diesem Falle, meist bei einander nahe¬ 
stehenden Personen statt, und Wichmann meint mit Wer¬ 
ner, dass in solchen Fällen eine gewisse Labilität des Ge¬ 
hirns vorhanden sei, die durch angeerbte oder erworbene 
Prädisposition, wie in unserem Falle, noch begünstigt werde. 
Wichmann will diese secundären psychischen Erkran¬ 
kungen als sogenannte« Suggestion mentale“ des Hypnotis¬ 
mus aufgefasst wissen und führt manches recht einleuch¬ 
tende Argument dafür an. „Es geht hier die Uebertra- 
gung der Suggestion von der inducireuden Person auf die 
inducirte unbewusst für beide vor sich und deshalb glaubt 
man, es handle sich um Imitation“. Nach den eben an¬ 
geführten Gesichtspuncten würde der von mir beschriebene 
Fall hier hineinpassen: die Kranken stehen in verwand- 
schaftlich nahen Beziehungen, sie sind Geschwister, sie 
sind Jüdinnen, die ja häufig zu hysterischen und ähnlichen 
Störungen neigen; eine lebhafte psychische Erregung in 
Form eines Streites ist vorhergegangen; ihre sociale Stel¬ 
lung als Dienstmädchen bedingt in damit verbundener 
wenig ausreichender Ernährung auch eine gewisse Prädis¬ 
position und endlich hat das Bild des epileptischen Anfalls 
Stunden lang im Gehirne der zweiten Schwester nachge¬ 
wirkt, bis es zur Auslösung durch die eigene Erkran¬ 
kung kam. 

Referate. 

H. v. Burckhardt. Mittheilungen über das Koch’sche 
Heilverfahren. (Württemb. med. Correspondenzblatt 
33-35, 1890). 

Auf Grundlage seiner Erfahrungen (an der chirurgischen Ab¬ 
theilung des Katharinen- und Ludwigshospitals in Stuttgart) 
erörtert Verf. einige sehr wichtige Puncte; dieselben beziehen 
sich 1) auf die diagnostische Bedeutung, 2) auf die Dosirung 
des Mittels, 3) auf seine Heilwirkung. Bei den ausgesproche¬ 
nen Fällen von Tuberculose traten die allgemeine und die locale 
Reaction constant auf, wenn nicht nach der ersten Injection, so 
doch nach der zweiten oder folgenden. Einen grossen diagno¬ 
stischen Werth scheint nach Verf. das Kochin bei einer in der 
chirurgischen Praxis sehr stark vertretenen Gruppe zu haben 
— es sind diejenigen Fälle, bei denen nach dem klinischen 
Bilde ein Zweifel darüber besteht, ob der tuberculöse Process 
abgelaufen ist oder nicht Sehr überraschend war die Beobach¬ 
tung, dass bei Wiederholung derselben Dose eine viel heftigere, 
allgemeinere Wirkung auftrat, als zuvor. Bedrohliche Erschei¬ 
nungen seitens des Herzens wurden in einigen Fällen consta- 
tirt. In einem Fall (Jfc 8 der Krankengeschichten) trat als un¬ 
mittelbarer Effect der Injectionen der Tod ein: 23 jähriges, 
ziemlich bleiches, zart gebautes, aber nicht schlecht genährtes 
Mädchen mit ausgedehntem Lupus der Nase, des Gaumens, der 
hinteren Rachenwand und des rechten Unterschenkels. An den 
Lungen keine Abnormität nachweisbar. Nachdem 2 Injectionen 
von 0,005 und 0,008 intensive, aber nicht beängstigenae, allge¬ 
meine und locale Symptome erzielt hatten, bewirkte eine Injec¬ 
tion von 0,01 hochgradige Cyanose, starke Respirations- und 
Pulsfrequenz, Pulsschwäche, Coma und trotz Excitantien trat 
nach 22 Stunden der Exitus letalis ein. Der Urin enthielt 0,55°/» 
Eiweiss (vor den Injectionen ganz normal), zahlreiche Epithel- 
cylinder, spärliche rothe, zahlreichere weisse Blutkörperchen. 


Die genauere histologische Untersuchung der Organe durch 
Professor Baumgarten ergab neben einer subacuten intersti¬ 
tiellen Entzündung eine ausgedehnte Nekrose des Epithels der 
gewundenen Harncanälchen und zahlreiche Blutungen in die 
Bowman’schen Kapseln, Harncanälchen und in das interstitielle 
Gewebe. An den übrigen Organen keine ausgedehntere oder 
bemerkenswerthe Erkrankung. Was das in den 3 Wochen seit 
Beginn der Behandlung Erreichte betrifft, so lassen die Erfah¬ 
rungen beim Lupus nicht den mindesten Zweifel, dass das 
Köchin die wunderbare Eigenschaft besitzt, lupöse Gewebe, zu¬ 
weilen geradezu in zauberhafter Weise, zu beseitigen. Indcss 
handelt es sich bei diesen nur um sehr erhebliche Besse¬ 
rungen und noch nicht um Heilungen. Ueber die Erfolge 
bei Knochen- und Gelenkleiden lässt sich Bestimmtes noch 
nicht sagen. Bei einem Fall von Tuberculose des Kehlkopfes 
und der Lungen hat sich der Zustand ohne Zweifel verschlim¬ 
mert, ob aber durch die Behandlung mit dem Koch’schen Mit¬ 
tel oder trotz desselben, lässt sich nach Verf. nicht entscheiden. 
Bei einem 9jährigen Mädchen mit tuberculöser Halsdr isen- 
anschwellung trat nach einer Injection von 0,0005 eine schnelle 
Verkleinerung des Drüsenpackets ein. Abelmann. 

Die Behandlung der Tuberculose mit dem Koch’schen 
Mittel. 

Die Mittheilungen über die Erfahrungen, welche mit dem 
Kocb’scheu Mittel bei der Tuberculose gemacht worden sind, 
mehren sich dermaassen, dass es uns nicht mehr möglich ist, die 
Fluth zu beherrschen und dass wir uns darauf beschränken 
müssen, nur diejenigen Publicationen zu referiren, welche uns 
als die wichtigsten erscheinen. 

Aus der ersten Zeit der Anwendung der Koch’schen Lymphe 
sei es uns gestattet nachträglich noch eines Vortrags von Se¬ 
nator (Mittneilungon über das Koch’sche Heilverfahren gegen 
Tuberculose. Berl. klin. Wochenschr. 1890, As 51) zu geden¬ 
ken, welcher sich dadurch auszeichnet, dass er schon recht 
bald nach dem Bekanntwerden des Mittels die Indicationen und 
Contraindicationen für dasselbe mit grosser Klarheit feststellt. 
Da es sich nach Koch im Wesentüchen um eine durch das 
Mittel bewirkte Abstossung tuberculösen Gewebes handelt, so 
sind die günstigsten Resultate da zu erwarten, wo die Abstossung 
an freien Flächen vor sich geht und das nekrotische Gewebe 
leicht aus dem Körper elinnnirt werden kann. Daher geben, 
wie es scheint, die tuberculösen Darmgeschwüre günstige Hei¬ 
lungsresultate, desgleichen auch die tuberculösen Erkrankungen 
des Kehlkopfes unter der Voraussetzung, dass eine Erstickungs¬ 
gefahr nicht eintritt oder durch die Tracheotomie beseitigt 
wird. Weniger günstig liegen die Verhältnisse an den Lungen, 
wo wir unsere Erwartungen nicht zu hoch spannen dürfen. Nur 
die frischen, wenig fortgeschrittenen Fälle sind für die Behand¬ 
lung geeignet, aber gerade bei ihnen ist die Beurtheilung des 
Erfolges schwierig, weil dieselben auch ohne besondere Behand¬ 
lung ausheilen können. Die Tuberculose der geschlossenen Höhlen 
bietet die ungünstigsten Chancen, daher ist die Luugenphthise, 
welche schon zu Cavernenbildung geführt hat, nur mit der 
grössten Vorsicht oder gar nicht mit dem Koch’schen Mittel 
zu behandeln. Vollständig coutraindicirt ist dasselbe bei der 
Tuberculose der Schädelhöhle. 

Am 7. Januar d. J. hat Virchow (Berl. klin. W. S. 1891. 
•\* 2) in der Berliner medicinischen Gesellschaft an der Hand 
von 21 Sectionen solcher Tuberculöser, welche der Behandlung 
mit Koch'scher Lymphe unterzogen worden waren, einen das 
grösste Aufsehen erregenden Vortrag über die Wirkung des Koch’¬ 
schen Mittels auf innere Organe Tuberculöser gehalten. 16 von 
den 21 Fällen betrafen Lungen tuberculose. Nach V. ist die 
Wirkung des Mittels auf die tuberculös erkrankten Partien in 
erster Linie eine irritative; dieselben zeigen eine intensive 
Röthung und Schwellung, die nicht auf den Krankheitsherd be¬ 
schränkt ist, sondern sich auch auf dessen Umgebung ausdehnt 
und die bei Lupösen auch am Lebenden direct beobachtet wird. 
Präparate von tuberculöser Meningitis, Darmgeschwüren, Mast¬ 
darmfisteln, Lungencavernen und tuberculösen Kehlkopfgeschwü- 
reu liefern hierfür den Beweis. — Ferner bieten die tödtlich ver¬ 
laufenen Fälle von ulceröser Lungenphthise den Beweis, dass 
sich unter dem Einfluss des Koch’sehen Mittels in der Umge¬ 
bung der alten Krankheitsherde frische Veränderungen tu¬ 
berculöser Natur in grosser Ausdehnung etabliren können; 
V. bezeichnet dieselben als käsige Hepatisation. Ferner sind 
weit verbreitete pneumonische Verdichtungen beobachtet 
worden, welche eine gewisse Aehnlichkeit mit der lobulären 
oder catarrhalischen Pneumonie haben und ein wässerig trübes 
Infiltrat in die Alveolen und das Lungenparenchym setzen. An 
den serösen Häuten hat V. die Eruption von ganz fri¬ 
schen submiliaren Tuberkeln gesellen, von denen es sich 
nicht annehmen üess, dass dieselben schon vor der Behandlung 
mit der Koch’schen Lymphe bestanden haben sollten, und de¬ 
ren Keime offenbar auf dem Wege der Blutbahn verschleppt 
worden sind. Es ist nach V. möglich, dass die mehr oder we¬ 
niger flüssigen Zerfallsproducte, welche durch die Wirkung des 
Mittels entstehen, verschleppt werden und mit Hilfe der mitge¬ 
rissenen Bacillen an andern Stellen neue Herde erzeugen. So 


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können auch bei Phthisikeru, welche die iu ihreu Lungen entste¬ 
henden Zerfallsproducte nicht aushustenjkönnen, durch Verschlep¬ 
pung des virulenten Materials in andre Bronchialzweige neue 
tuberculöse Herde in den Lungen hervorgerufen werden. 
In Folge des verstärkten Zerfalls der tuberculösen Massen ist 
auch die Gefahr der Perforation tuberculüser Darmgeschwüre, 
wovon B. Fränkel einen Fall erlebt hat, beider Koch’schen 
Behandlung grösser als gewöhnlich. - Endlich behauptet V. 
dass, obgleich die Nekrose und der Zerfall des tuberculösen 
Gewebes zweilellos durch das Koch'sehe Mittel bewirkt wird, 
dennoch häutig die submiliaren • grauen Tuberkel, so wie die 
grossen sog. solitären Tuberkel des Gehirnes auch grossem Do¬ 
sen dieses Mittels wiedersteheu und durch dasselbe nicht ver¬ 
ändert werden. 

Gegenüber diesen Mittheilungen Virchows, welche zweifellos 
beweisen, dass das Koch’sehe Mittel unter Umständen grosse 
Gefahren für die Kranken in sich birgt, sei es erlaubt, den Be¬ 
richt Guttmans (Berl. klin. W. S. 1891. 3) über 170 Kranke, 

die im Krankenhause Moabit zum grössten Theil anf Kochs 
eigner Abtheilung mit dessen Lymphe behandelt worden sind, 
kurz wiederzugeben. Iu 41 Fällen Handelte es sich hierbei um 
frühe Stadien, wo nur die Lungenspitzen intiltrirt waren; von 
diesen ist die grösste Mehrzahl durch die Behandlung deutlich 
gebessert worden, indem das Körpergewicht und das subjectivc 
Befinden sich hob und. indem bei nicht ganz wenigen sich auch 
die physikalischen Veränderungen im günstigen Sinne änderten. 
Auen Dei den vorgeschrittenen Fällen ist in einer kleinen Zahl 
deutliche Besserung erzielt worden. Bei 30 Fällen von Kehl- 
koptaffectionen sind die Ergebnisse durchweg günstig. G. glaubt 
daher, dass der Erfolg der Behandlung wesentlich abhäugen 
wird von der Auswahl der Fälle. Nur die frühen Stadien 
der Lungentuberculose sind für die Behandlung mit dem Koch’¬ 
schen Mittel geeignet; nicht hingegen soll man die vorgeschrit¬ 
tenen Fälle behandeln. 

Jacob Grünberg. Ein Beitrag zur Behandlung com- 
plicirter Retroflexionen und Prolapse. Inaug. Diss. 
Dorpat 1890. 

Prof. Otto Küstner. Die Behandlung complicirter 
Retroflexionen und Prolapse besonders durch ven¬ 
trale Operationen. Sammlung klin. Vorträge. Neue 
Folge. J'fe 9. 

ln der anf Anregung Prof. Küstner’s unternommenen Arbeit 
giebt G. nach kurzer historischer Einleitung einen Ueber- 
blick über die bei Lageveränderangen der Gebärmutter im All¬ 
gemeinen üblichen Behandlungsmethoden und geht dann zur 
detaillirteren Besprechung der therapeutischen Maassnahmen 
über, welche uns bei irreponiblen oder anderweitig der Behand¬ 
lung trotzenden Fällen von Retroversio-flexio uteri zu Gebote 
stehen. Der Zweck der Arbeit ist, eine dieser Methoden, die 
Ventrofixatio, an einer Reihe von Krankengeschichten (12) nach 
verschiedenen Richtungen hin zu beleuchten, und dadurch zur 
Klärung der Frage beizutragen, in wieweit die Laparotomie 
mit oder ohne Ventrofixation bei Retrodeviationen und Prolap¬ 
sen in Anwendung zu kommen habe. 

Die Schlüsse, welche Verf. am Ende seiner Arbeit zieht, sind 
folgende: 

1) bei mobilem Uterus keine Ventrofixation j 2) bei sonst un¬ 
heilbaren Prolapsen Ventrofixation als Radicaloperation, ev. 
mit einer Kolporhaphie combinirt; 3) bei fixirten Retroflexio¬ 
nen würde nach Prof. Küstner’s Ausführungen *) die Hauptauf¬ 
gabe in der Trennung der pelveoperitonitischen Fixationen be¬ 
stehen, und von da ab der Operationsgang nach mehreren Rich¬ 
tungen hin auseinandergehen: a) findet man Ovarien und Tuben sehr 
schwer chronisch-entzündlich erkrankt, so ist vielleicht die Ex¬ 
stirpation derselben das Rationellste; b) falls keine oder nur 
geringgradige Salpingo-Oophoritis besteht, so unterbleibt die Ex¬ 
stirpation der Adnexa Uten und man veutrofixirt den Uterus, wenn 
die Pat im Klimakterium oder demselben nahe ist. ist sie 
aber in jugendlichem Alter, so ist die Ventrotixatioh zu ver¬ 
meiden und die Kranke nach Trennung der fixirenden Stränge 
einer typischen Pessarbehandlung, wenn man nicht das Freund- 
Frommel’sche Verfahren vorzieht, zu unterwerfen. 

Von denselben Gesichtspuncten aus behandelt Prof. Küstner 
diese Frage in seinem Vortrage. Mit Entschiedenheit spricht 
er sich dahin aus, dass nicht unter allen Umständen nach aus¬ 
geführter Laparotomie der Uterus ventrofixirt werden müsse, 
sondern dass mit der Ventrofixation eklektisch zu verfahren sei. 

Zur Durchtrennung der fixirenden Adhaesionen wird von K. 
aufs Wärmste das Ferrum candens empfohlen, da bei Anwen¬ 
dung desselben Nachblutung am sichersten vermieden, mithin 
auch der Entstehung neuer Adhaesionen mit grösster Wahr¬ 
scheinlichkeit vorgebeugt wird. Dobbert. 

Joh. Seitz: Ueber die Rötheln (C’orr. Bl. f. Schw. Aerz. 

1890, As 12, 13 u. 14). 

*) Wissenschaftliche Verhandlungen der Dorpater Med. Fa- 
cultät in A? 16 dieser Wochenschr. 1890. 


Auf Grund eigener, während der 1888-Epidemie und früher 
in Zürich gemachter Beobachtungen und unter zweckentspre¬ 
chender Benutzung der grossen einschlägigen Literatur, bei 
der englischen und deutschen, versucht Ven. einige noch un¬ 
sichere Puncte in der Rötheinfrage zu erledigen; er möchte 
dazu beitragen, dass es immer mehr zum ärztlichen Bewusst¬ 
komme: wo Masern und Scharlach in Frage stehao, 


sein 


sind stets auch die Rötheln mit in Erwägung zt ziehen. Die 
aus dem langen Artikel hier hervorzuheoenden Hauptthesen 
haben in gekürzter Fassung folgenden Wortlaut. Die Rötheln 
sind eine besondere ansteckende Krankheit, welche ganz vor¬ 
wiegend in der Privatpraxis Und einzelnen Kinderinstituten, nicht 
aber in Spitälern beobachtet wird. Man kann annehmen, dass 
den Rötheln eine eigene in’s Blut gelangte Pilzart zu Grunde 
liegt und diese bloss vom kranken Menschen aus an andere, 
namentlich Kinder aller Stände, weiteigegeben wird Die Keim¬ 
zeit für die eingetretenen Bakterien mag 17—18 Tage betragen 
und ruft vielleicht recht häufig prodromale Störungen hervor; 
Vorläufererscheinungen vor dem Eintritt des Ausschlages können 
aber auch ganz und gar fehlen. Das Charakteristische der Rö¬ 
theln ist die sehr leichte Form der Erkrankung und sind die 
Begleiterscheinungen zumeist mit denen der Masern verwandt 
(leichter Catarrh der grossen Luftwege und der nahen Schleim¬ 
häute). Die Temperaturerhöhung ist vorwiegend eine geringe, 
der Verdauungscanal bietet sehr wenige Erscheinungen, die 
Nieren bleiben im Ganzen ungeschädigt, ebenso Herz und Gefässe. 
Von Seiten des Nervensystems erfolgt fast keine Complication 
und Knochen, Gelenke und Muskeln sind sozusagen fast stets 
frei. ..Hinsichtlich des Exanthems ist zunächst die Möglichkeit 
seines eventuellen Fehlens zuzugeben und für alle Fälle von 
vornherein jede besondere Form in Abrede zu stellen. Die be- 
merkenswerthesten Eigenthümlichkeiten des Ausschlages sind 
das fast regelmässige Absteigen desselben von Kopf und Hals 
auf Rumpf und Glieder, mit Vergehen an den erstbefallenen 
Stellen; die grosse Buntheit der Ausschlagsformen, der im 
Ganzen rasche Ablauf und die leichten Grade der zerstreuten 
fleckigen Hautröthung. Miliaria, Bläschen, feine Blutungen sind 
von Einzelnen beobachtet worden, im Allgemeinen steht aber 
fest, dass die verschiedenen Hautgebiete recht ungleich aussehen, 

f ’osse rothe Flächen neben kleinen Flecken zeigen und im 
nfang zuweilen punctirt oder mit Roseolis und Scnweissfriesel- 
knötchen etc. bedeckt erscheinen. Der Röthelnausschlag kann 
eine Masernform. eine Scharlachform, eine Mischung von Ma¬ 
sern- und Scharlachformen annehmen, aber auch dann ent¬ 
spricht er nicht ganz dem Einen, nicht ganz dem Andern. Zu¬ 
weilen geht Erythem dem Ausschlage voraus, zuweilen exsistirt 
ein lebhaftes Jucken: das Schilfern ist meistens ganz fehlend, 
dafür aber leichte Lymphdrüsenschwellung sehr gewöhnlich. 
Allgemeine Regel ist, dass der Process 3—4 Tage nach Eintritt 
des Ausschlages abläuft; Nachkrankheiten und Complicationen 

S tielen eine sehr geringe Rolle. Urticaria kann jedoch neben 
ötheln auftreten oder sogar das einzige Exanthem bilden. 
Neben dieser leichten Form der Rötheln, wie sie in der unge¬ 
heueren Mehrzahl der Fälle beobachtet wird, dürfte aber ganz 
ausnahmsweise doch vielleicht eine schwerere Form Vorkommen, 
die mit heftigem Fiebef und starkem Ausschlag einhergeht und 
zum Tode durch Pneumonie, fibrinöse Rachen-Kehlkopfentzün¬ 
dung oder Erschöpfung führen kann. Nachschübe una wieder¬ 
holte Ansteckungen kommen bei Rötheln verhältnissmässig häufig 
vor, auch sind Mischinfectionen (Rötheln mit Scharlach, mit 
Masern, mit Schutzblattern, mit Varicellen) beobachtet worden 
und kann die Diagnose zuweilen, namentlich bei einer zweiten 
Erkrankung, auf erhebliche oder sogar unüberwindliche Schwie¬ 
rigkeiten stossen. Fremmert. 

BUcheranzeigen und Besprechungen. 

Prof. Olof (laminarsten. Lehrbuch der physiologischen 
Chemie. Nach der zweiten, schwedischen Auflage über¬ 
setzt und etwas umgearbeitet vom Verfasser. Wiesbaden. 
Verlag von J. F. Bergmann. 1891. 

Der Name des berühmten schwedischen Physiologen und Che¬ 
mikers bürgt eigentlich schon genügend für den hohen Werth 
des Lehrbuches In der That bietet dieses Werk ein völlig 
klares, übersichtliches Bild von dem gegenwärtigen Stand der 
physiologischen und pathologischen Chemie. Der gewaltige Stoff 
ist so gegliedert, dass zunächst die Bestandtheile des Körpers, 
seine Gewebe und Säfte genau berücksichtigt und besprochen 
werden und darauf folgt die Schilderung der physiologischen 
Bedeutung derselben, der chemischen Umsetzungen in den Ge¬ 
weben und Säften.> Besonders eingehend wird die Physiologie 
der Verdauung abgehandelt, ein Gebiet, auf dem es'noch so 
Manches zu enträthseln und aufzuklären gibt. Der analytisch- 
chemische Theil der Materie ist zwar dem Zwecke des' Lehr¬ 
buches entsprechend kürzer abgehandelt, jedoch für praktische 
Zwecke ausreichend genug. Besonders sorgfältig werden die 
verschiedenen Harnanalysen besprochen. Im letzten C’apitel 
giebt der geschätzte Autor einen Ueberblick über den ge¬ 
summten Stoffwechsel, über den Bedarf des Menschen an ver- 


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schiedcnen Nahrungsstoffen. Die Literaturangaben sind leider 
ganz spärlich, was aber durchaus nicht im Stande ist den 
Werth des Gebotenen, klar, wissenschaftlich Dargestellten her¬ 
abzusetzen. Das Werk kann gewiss als vortrefflicher Führer 
auf dem schwierigen Gebiete der physiologischen Chemie gelten 
und als solcher wann empfohlen werden. Die Ausstattung des 
Buches ist eine ausgezeichnete. Abelmann. 


Auszug aus den Protokollen 

der Q-esellschaft praktischer Aerzte zu Riga. 

1153. Sitzung am 21. November 1890. 

Anwesend 67 Mitglieder und 23 Gäste. 

1. Präses widmet dem verstorbenen Collegen Heinrich 
Schultz wanne Worte des Nachrufs. Die \ ersammlung ehrt 
das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. 

2. Dr. Fritz Berg demonstrirt eine Epispadie an einem sehr 
kräftig entwickelten 6 jährigen Jungen. Scrotum und Testikel 
gut entwickelt, Penis rudimentär, Harnröhre verläuft als seichte 
Furche zwischen den beiden Schwellkörpern des Penis und geht 
in einen grossen Defect in der vorderen Blasenwand über, der 
bequem den Zeigefinger passiren lässt. Referent gelang es, den 

rossen Defect zu scnliessen durch Transplantation zweier dem 
Ions veneris entnommener grosser Lappen. Der untere Rand 
derselben wurde mit einem Theil des Praeputium vernäht, das 
nach oben geklappt war, nachdem in dasselbe ein genügend 
grosser Schlitz geschnitten, durch welchen die Glans gesteckt 
wurde. Es gelang somit eine quasi Harnröhre herzustellen. 
Zur Zeit ist alles gut vernarbt, nur ist das Harnträufeln, wenn 
auch noch vorhanden, da ja ein Schliessmuskel der Blase fehlt, 
so doch wesentlich besser geworden. Patient trägt einen Harn- 
recipienten, der das Scrotum mit fasst. Referent glaubt, dass 
es ihm gelingen werde bei einer zweiten Operation die jetzt 
vorhandene weite Harnröhre so weit enger zu gestalten, dass 
ein Zurückhalten des Harnes möglich sein wird. 

Dr. Fritz Berg demonstrirt ein kindskopfgrosses Uterusfi¬ 
brom mit Uterus und den beiden Ovarien. Praeparat gewonnen 
durch Laparotomie von einer 41 jährigen Bauersfrau. Patientin 
ist von mittlerem Körpergewicht, kräftig entwickelt, will seit 
2 Jahren einen Tumor im Leibe bemerkt haben. Menses regel¬ 
mässig, zuweilen profus. Schmerzen im Abdomen, namentlich 
links, die ihr das Arbeiten unmöglich machen. Wünscht drin¬ 
gend und um jeden Preis von ihrem Leiden befreit zu werden. 
Derber, kindskopfgrosser Tumor im unteren Theile des Abdomen, 
wenig beweglich, mit dem Uterus im Zusammenhang. Yaginai- 
portion schlank, zum Kreuzbein hin verzogen Sonde dringt 
auf etwa 5 Zoll in die Uterushöhle ein. Laparotomie. Tumor 
ist mit dem Beckenbodeu fest verwachsen und hat den Uterus 
nach links oben und hinten verdrängt, die Vaginalportion lang 
ausgezogen. Da ein Herausschälen des Tumors allein nicht mög¬ 
lich erscheint, wird nach Unterbindung der Lig. lata die su¬ 
pravaginale Amputation gemacht. Stiel mit mehrfacher Seide in 
toto ligirt nach der keilförmigem Excision von rechts nach links 
vernäht. Uterinae beiderseits extra unterbunden. Die lange 
Dauer der Operation (IV* Stunden) und die zahlreichen Seiden¬ 
ligaturen Hessen ein völliges Verschliessen der Abdominalhöhle 
gefährlich erscheinen, daher Douglas durchstossen und mit Jo¬ 
doformgaze zur Scheide hinaus drainirt. Etagennaht der Bauch¬ 
wunde mit Catgut, Hautnaht mit Seide. Referent hat bei der 
Etagennaht niemals die so lästige Diastase der Narbe beob¬ 
achtet. Völlig fiebcrloser Verlauf. Prima intentio der Bauch¬ 
decken. Nach 14 Tagen verlässt Patientin das Bett. In der 
dritten Woche stossen sich durch die kleinen Douglaswunden 
einige Ligaturen ab. 

3. Dr. Max Schmidt. „Erfahrungen mit Robert Kochs 
antituberculösem Mittel“. 

Vortragender berichtet einleitend über die von ihm zum Zwecke 
des Studiums der Kochschen Impfung unternommenen Reise nach 
Berlin, woraus hervorgeht, dass nur auf Professor Bergmanns 
Klinik der Gang der Behandlung bequem und ausgiebig verfolgt 
werden konnte, während man sonst mehr oder weniger auf 
Schwierigkeiten stiess. Man war eben in Berlin auf den mas¬ 
senhaften Andrang von Aerzten nicht genügend vorbereitet. 

Nachdem Dr. Schmidt die verschiedene Handhabung des 
Mittels bei verschiedener Form und Localisation der Tubercu- 
lose besprochen, auch besonders seinen diagnostischen Werth 
hervorgehoben, schildert er die einzelnen günstigen Resultate, 
die er namentlich an Patienten mit äusserer Tuberculose ge¬ 
sehen, wenn auch zur Zeit noch kein einziger Fall als definitiv 
genesen anzusehen war. 

Im Rigaschen Krankenhausc sind eine Reihe von geeigneten 
l allen geimpft worden und in allen Fällen ist die erwartete 
Reuction eiugetreten. Einige diagnostische Probeinjectionen 
mit charakteristischen Resultaten sind ebenfalls ausgeführt 
worden. Mit grosser Spannung ging man an die Versuche mit 
Leprösen heran, welche auf Koch’s speciellen Wunsch hier 
vorgeuomraeu wurden. Der erste Kranke war ein älterer ma- 


rastischer Mann, der schon sehr lange an seiner Lepra leidet. 
Er reagirte sehr krältig. Dagegen ’reagirten zwei neue Lepröse 
gar nicht und es ist somit der Verdacht gerechtfertigt, dass der 
erste Kranke ausserdem noch phthisisch ist. Die rechte Lun¬ 
genspitze ist bei ihm auch leicht gedämpft und man hört dort 
einige Rasselgeräusche. Die Versuche werden mit grösseren 
Dosen noch fortgesetzt werden. 

Dr. Bergmann erörtert, wie es a priori habe möglich er¬ 
scheinen müssen, dass Robert Kochs Mittel auch die Lepra be¬ 
einflusse. Nicht der Tuberkelbacillus, sondern das tuberculöse 
Gewebe werde getroffen. Tuberkel und Lepraknoten bie¬ 
ten aber mikroskopisch ein völlig gleiches Bild. Diese Hoff¬ 
nungen haben leider durch die bisherigen Erfahrungen keine 
Stütze gewonnen. 

Dr. Worms warnt davor, jeden für nicht tuberculös zu er¬ 
achten, der auf eine Probeinjection massiger Dosirung nicht 
reagire. Wie bei jedem Mittel, so könne auch bei diesem das 
individuelle Verhaften eine grosse Rolle spielen, der eine Tuber¬ 
culöse auf kleine Dosen bereits kräftig, der andere auf grössere 
noch gar nicht reagiren. Gerhardt habe erfahren, dass ein 
notorisch Tuberculöser auf die erste Injection von 2 Milligr. 
nicht und auch auf die zweite von 3 Milligr. nicht reagirte. 
Erst nach einer Dosis von 5 Milligramm trat die Reaction 
ein. 

Aut eine Anfrage des Herrn Dr. Hübner erklärt Dr. Girgen- 
sohn, Director des allgemeinen Krankenhauses, Namens der 
Adminstration desselben und im Einverständnis mit den Ab¬ 
theilungsvorständen, dass die Beobachtung der von Dr. Schmidt 
mit dem Koch’scben Mittel im Krankenhause behandelten 
Fälle sowohl bisher jedem Arzt freigestanden habe, als auch 
in Zukunft freistehe. Dr. Girgensohn bittet ferner die Col¬ 
legen dem allgemeinen Krankenhause Fälle von chirurgischer 
Tuberculose zuzuweisen, um ausgiebige Studien über die Wir¬ 
kung des Mittels anstellen zu können. 

4 Dr. Helmsing „Ueber einen Fall schwerer Schwan¬ 
gerschaftserkrankung“. Fr. 0.18 a. n. 1'/« Jahr verheiratet, 
nullipara, ist bis auf einige in den Kinderjahren überstandene 
Infectionskrankheiten stets gesund gewesen. Menses stets regel¬ 
mässig, schmerzfrei. Fluor nie gewesen, letzte Per. am 18. Juli 
1890. Beginn der Schwangerschaft ohne Störung. Mitte des 
zweiten Monats stellen sich zeitweise heftige Schmerzen in der 
Magengegend ein, die nach zwei Wochen lmt dem Auftreten von 
Erbrechen schwanden. Dieses, anfangs selten, tritt jetzt häufiger 
ein. Stuhl täglich. Am 24. September trat blutig gefärbter 
Ausfluss ein, seitdem bemerkt Patientin hin und wieaer rosa¬ 
farbene Flecken auf der Wäsche. 

Status am 3. October 1890: Patientin ist mittelgross, gracil 
gebaut. Pannieulus spärlich. Conjunctiven und Zahnfleisch anae- 
misch. Zunge belegt. Leib weich, nirgends druckempfindlich. 
Fundus uteri 2 Finger über der Symphyse. Portio erhalten, 
Muttermund geschlossen. 

Alle gegen das Erbrechen angewandten Mittel beeinflussen 
dasselbe nur in der ersten Zeit ihrer Anwendung, daher schliess- 
üch Ernährung per Klysma. Das Erbrechen wird seltener. Stnhl 
täglich. Quälender Durst, zeitweise stellen sich Schmerzen im 
Unterleib und etwas Ausfluss ein, zum Schluss eine mässige 
Blutung. Fundus uteri nach circa 14 Tagen 2 1 /* Finger über 
dem Nabel. Portio erhalten, Muttermund für die Fingerkuppe 
zugänglich, keine Herztöne, keine palpablen Kindstheile. Die 
Anämie nimmt stets zu. Puls bis 160, leichte Fieberbewegungen. 
Nach Ausschluss der ähnUche Erscheinungen erzeugenden patho¬ 
logischen Vorgänge (Hydramnion und Placentarlösung mit 
Retention der Blutcoagula) wird eine Blasenmole diagnosticirt 
und Einleitung des Aborts proponirt. Die hinzugezogenen Dr. 
Dr. v. Stryk und Dietrich stimmen der Diagnose bei. 

Zweimalige Jodoformgazetamponade der Cervix und Vagina 
erweitern in circa 15 Sunden die Cervix bis zur Durchgängig¬ 
keit für zwei Finger. Bei der Ausspülung gehen Blasen ab. 
In Narkose wird die Cervix manuell weiter dilatirt und die 
Lösung der Mole ausgeführt. Expression von Aussen befördert 
sie zu Tage. Es folg! Controllaustastung, Ausspülung und Jodo¬ 
formgazetamponade des Uterus. Die Gaze wird nach circa 20 
Stunden entfernt. 

Durch 2 1 /* Wochen werden Eisbeutel, Secale, heisse Ausspül¬ 
ungen gebraucht. Temperatur an 3 Abenden 38, 1 -38, 2 — 
im übrigen normal. Puls kehrt bald zur Norm zurück. Die 
3 ersten Tage ernährende Klystiere. Lochien bis zum 5. Tage 
blutig tiugirt, dann stets gelblich. Patientin erholt sich zu¬ 
sehends und verlässt am 17. Tage das Bett. Befund: Fundus 
uteri unter der Ebene des Beckeneinganges, Uterus gut invol- 
virt, Muttermund für die Fingerkuppe zugänglich, Cervicalca- 
nal geschlossen. — Acht Tage später bemerkt Patientin am 
Nachmittage einige blutig wässerige Flecke auf der Wäsche 
— braucht Ausspülungen, Secale. Drei Tage später d. h. (4 
Wochen p. op.) tritt nach einer unvorsichtigen Bewegung Blut¬ 
ung ein. Der Cervicalcanal ist jetzt für den Finger durchgän¬ 
gig, in ihm ein Blutcoagulum. — Ausräumung des Uterus. Bei 
genauer Besichtigung des Entfernten und der Wäsche finden 
sich keine Blasen, keine Chorionhautfetzen, sondern ledigUch 
Decidualreste. — Weiterer Verlauf glatt. 


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Das Erbrechen erklärt Vortragender als ein reflcctorisches, 
bedingt durch die rapide Volumzunahme des Uterus. 

Der Umstand, dass, nach später gemachter Angabe, Patien¬ 
tin bereits in den ersten Wochen der Schwangerschaft stark 
abgenommen und sehr blass ausgesehen habe, scheint Vortragen¬ 
dem dafür zu sprechen, dass in seinem Falle in erster Linie 
das rapide Wacnsthum des Myxoms es gewesen ist, das die 
rasch zunehmende Anaemie der Patientin bedingt hat. Das Hin¬ 
zutreten des Erbrechens hat, so will ihm scheinen, nur die 
Zunahme des Kräfteverfalls beschleunigt. 

Die grosse Mole wird demonstrirt und bespricht Vortragender 
zum Schluss die Anatomie, Aetiologie, Genese und Bedeutung 
des Myxoms der Chorionzotten an der Hand der Arbeiten über 
diesen Gegenstand. 

Auf Dr. Hampel ns Anfrage ergänzt Dr. Helmsing, er habe 
zu jedem Nährfclystiere 3 Eier verwenden lassen und solche 
Klystiere in 4stündlichen Intervallen in Anwendung gebracht. 

Dr. Hampeln bedient sich jetzt derselben Form der Nähr- 
klystiere (nach Kussmaul), während er früher blos das Weisse 
von Hühnereiern dazu benutzt hat Nach Ewald könne man 
60 mit etwa 12 Eiern pro Tag, namentlich wenn sie in 20pro- 
centiger Zucker- oder Traubenzuckerlösung applicirt werden, 
einen Erwachsenen im Gleichgewicht seiner Ernährung erhalten. 
Dr. Hampeln kann dieses aus einer jüngst im Krankenhause 
gemachten Erfahrung bestätigen, wo es auf diesem Wege gelang, 
einen Fall von Steinkolik mit unstillbarem Erbrechen auf seinem 
Körpergewicht zu erhalten. 

l)r. Treymänn beglückwünscht Dr. Helmsing zu der früh¬ 
zeitig gestellten richtigen Diagnose: das sei ein sehr seltener 
Fall; meist sei es aber auch gar nicht möglich, die Diagnose zu 
stellen, wie z. B. in dem einzigen Fall, den er im allgemeinen 
Krankenhause erlebt. Es handelte sich um eine im 4. Monat 
schwangere, Frau, bei welcher Dr. Treymann nach vorher¬ 
gegangener Tamponade wegen Blutung und Erweiterung der 
Cervix neben Placenta und 4monatlicher Frucht eine Blasen- 
* mole ausräumen musste. Dass neben Placenta und Frucht die 
Blasenmole gefunden worden, sei sehr selten. 

Dr. Helmsing. Die Diagnose des Myxoraa chorii stützt sich: 

1. auf eine Vergrösserung des Uterus, die der Schwanger¬ 
schaftsdauer nicht entspricht; 

2. auf unregelmässige, allmälig sich steigernde Blutungen; 

3. auf den Abgang von Blasen. 

Erst durch dieses Symptom werde die Diagnose sichergestellt; 
sonst müsse man sich mit einer Wahrscheinlichkeitsdiagnose 
zufrieden geben, wie er im referirten Falle. In Dr. Treymanns 
Fall sei anzunehmen, dass die Molenentwickelung erst gegen 
Ende des zweiten Monats begonnen habe. Dohrn und Hegar 
seien der Ansicht, dass das Myxoma chorii auch partiell auf- 
treten könne. — 

7. Es wird gemäss Anträgen der Drr. Tiling und He erwä¬ 
gen beschlossen Prof. R. Koch in Berlin telegraphisch den 
Ausdruck der Bewunderung und Hochachtung auszusprechen 
und ihn zu bitten, die Würde eines Ehrenmitgliedes aer Ge¬ 
sellschaft entgegenzunehmen. Heer wagen. 

1154. Sitzung am 5. December 1890. 

Anwesend 47 ord. Mitglieder und 17 Gäste. 

1. Dr. H. Dehio: Zur Casuistik der Kleinhirntumo¬ 
ren. (Autorreferat). A. R. 27. a. n. hat in der Jugend Masern, 
später eine Herzbeutelentzündung überstanden, stürzte als Ca- 
vallerist zwei Mal vom Pferde. Seit einem Jahr als geisteskrank 
im Militärhospital zu St. Petersburg, wurde Patient am 19. Juni 
1889 der Anstalt Rothenberg zur Pflege übergeben. 

Bei der Aufnahme bestand eine einfache apathische Demenz. 
Tuberculöse Geschwüre am Halse und an einem Finger, begin¬ 
nende Phthisis pulm. Bis zum ersten Januar 1890 nur häufige 
Klagen über Kopfschmerz und Schwindel, dann mehrere schwere 
Schwindelanfälle. Status im Januar 1890: Andauernder heftiger 
Stirnkopfschmerz; Schwindel; Sensibilität normal; Patellarretiex 
gesteigert. Muskelkraft beiderseits gleich. Beim Stehen hängt 
der Körper nach links, dabei Schwanken in der Richtung nacn 
vorn und links. Der Gang langsam und schwerfällig, Neigung 
nach vorne zu fallen. Stehen auf einem Bein fast unmöglich. 
Im Liegen werden alle Bewegungen, auch bei Augenschluss sicher 
ausgefünrt. Ophthalmoskopisch beginnende Stauungspapille; die 
übrigen Hirnnerven normal. 

Im weiteren Verlauf tagelang dauernde Anfälle von Somnolenz, 
heftigem Kopfschmerz, Erbrechen und ein Mal Flexibilitas cerea, 
welche vom April an ausbleiben, während die Stauungspapille 
sich vollständig ausgebildet hat, die Bewegungsstörung zuniinmt, 
der Kopfschmerz jetzt im Hinterkopf localisirt wird und PupiU 
lenstarre bei erweiterten Pupillen auftritt. Wegen zunehmender 
Entkräftung und tuberculöser Erkrankung beider Ellenbogen- 

f ;elenke, wird Patient vom Juli an dauernd bettlägerig. In der 
etzten Zeit knickt er beim Aufrichten sofort zusammen; Nacken¬ 
starre; wegen allgemeiner Schwäche und psychischer Hyperaes- 
thesie ist eine Untersuchung nicht mehr ’ durchführbar. Tod 
am 20. September 1890. 

Die Section ergab: Leichte Abplattung der Gyri. Hirnsub¬ 


stanz feucht. Ventrikel kaum erweitert. In der linken Hemi¬ 
sphäre des Kleinhirns ein Conglomerattuberkel von der Grösse eines 
kleinen Apfels. Ausserdem tuberculöse Abscesse und Fisteln an 
beiden EUenbogengelenken, tuberculöse Geschwüre am Halse 
und am rechten Mittelfinger^ hochgradige Tuberculöse beider 
Lungen und des Darms. Theils seröse, theils fibrinöse Media¬ 
stinitis, Concretio pericardii totalis. 

Die Diagnose konnte bei der langsamen, gleichmässigen Ent¬ 
wickelung aller Symptome und der Stauungspapille nur auf Tumor 
cerebri lauten; die isolirt bestehende Gleichgewichtsstörung wies 
aufs Kleinhirn hin. — Die Allgemeinsymptome sind wohl ausge¬ 
prägt. bieten aber nichts für Kleinhimtumoren charakteristisches. 
So fehlt die nach Wernicke oft auftretende Amaurose, welche 
auf Compression des Tractus opticus durch hydrocepnalische 
Vorwölbung des Infundibulum beruht, indem die Lage des Tu¬ 
mors keine Störung der Circulation des Liquor cerebri und des 
venösen Abflusses bedingte. Dem entspricht auch die geringe 
Ausbildung der Anfälle von gesteigertem Hirndruck, bei denen 
nur das Symptom der Flexibilitas cerea bemerkenswerth ist. Das 
Fehlen der Convulsionen ist nur für die Localisation des Tumors 
ausserhalb der motorischen Bahnen zu verwerthen. Die von 
Wernicke betonten tonischen Krämpfe ohne Bewusstseins¬ 
verlust sind vielleicht in der Nackenstarre angedeutet, doch kann 
sie auch Folge des Occipitalschmerzes sein. Die von Ferher in 
ihrer Erscheinungsform und Bedlhtung zuerst richtig geschil¬ 
derte cerebellare Ataxie findet sich im referirten Falle in cha¬ 
rakteristischer Weise ; wenn auch anfangs nur in geringem Grade 
entwickelt. Die Ansicht Nothnagels, dass nur Tumoren des 
Wurmes cerebellare Ataxie erzeugen, ist angesichts unseres Fal¬ 
les dahin zu modificireh, dass Tumoren der Kleinhirnhemisphae- 
ren auch ohne Betheiligung der Nachbarschaft bei genügender 
Grösse dasselbe bewirken können. Die Hoffnung zu einer topi¬ 
schen Diagnose innerhalb des Kleinhirns zu gelangen, bleibt 
auch in unserem Falle unerfüllt. 

Danach demonstrirt Vortragender das gehärtete Praeparat. 
Die äussere Hälfte der linken Kleinhirnhemisphaere ist durch 
einen Tumor ersetzt, der die erhaltenen Theile um ein gerin- 

S es nach rechts gedrängt hat. Nucleus dentatus wohlerhalten. 

>ie Höhle des 4. Ventrikels nicht verlegt. Die Medulla leicht 
comprimirt, an Weigert-und Carminpraeparaten keine Degene¬ 
ration nachweisbar. Die Substanz des Tumors besteht überwie- 
end aus theils fester, theils bröcklicher, käsiger Masse, nur in 
er Peripherie spärliche miliare Tuberkeln mit reichlichen Bacillen. 
Zum Schluss demonstrirt Vortragender Praeparate von einem 
erbsengrossen Gumma der Art. basilaris cerebri, welches zufällig 
bei der Section eines an Dementia paralytica Verstorbenen ge¬ 
funden wurde, und betont die Bedeutung derselben in der Pa¬ 
thologie der Hirnlues. 

Dr. Eduard Schwarz. Wenn auch hochgradigster Schwin¬ 
del an eine Erkrankung des Kleinhirns zu denken berechtige, 
so sei nicht ausser Acht zu lassen, dass dieses Symptom auch 
Tumoren anderer Himregionen zukommen könne. So erinnere 
er sich eines Kranken mit ganz colossalem Schwindel, bei dessen 
Section sich ein Tumor in der Grosshirnhemisphaere fand. Fer¬ 
ner ist auch in frühen Stadien Schwindel und Schwanken nach 
einer Seite nicht charakteristisch für Kleinhirnerkrankung, da 
alle Processe in der hinteren Schädelgrabe diese Erscheinung 
aufweisen können, wie Dr. Schwarz an einem Kranken mit 
Tumor im Pons und an einem anderen mit Erkrankung der Med. 
oblongata beobachten konnte. Auffallend ist, dass in der Aetio- 
logie der Kleinhirntumoren fast ausnahmslos Trauma eine Rolle 
spielt: auch in 3 von Dr. Schwarz beobachteten und kurz mit- 
getheilten Fällen fehlte das den Hinterkopf treffende Trauma 
kein Mal. 

Dr. Tiling. Seiner Erfahrung nach sei der von Kleinhirn¬ 
tumoren abhängige Schwindel allerdings hochgradiger, als bei 
irgend einer anderen Erkrankung. Das deutliche Schwanken 
nach einer Seite ist wahrscheinlich vom Kleinhirnschenkcl ab¬ 
hängig. Tumoren mitten in den Hemisphaeren geben mehr 
Symptome allgemeinen Schwindels. Ile er wagen. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerztt. 

Sitzung am 27. November 1890. 

1. Dr. Hoerschelmann spricht, im Anschlüsse an seinen in 
der Sitzung vom 30. Octob. verlesenen Bericht, über die ge- 
seztlichen Bestimmungen, betreffend das Ammenwesen 
und legt einen hierauf bezüglichen Entwurf vor. Vortr. beabsich¬ 
tigt hierdurch die noch keineswegs abgeschlossenen, aber sowohl 
in medicinischer wie auch in socialer und moralischer Beziehung 
hochwichtigen Fragen, welche das Ammenwesen und besonders 
die Stellung der in Privatdienst tretenden Ammen betreffen, in 
ärztlichen Kreisen anzuregen; der gegenwärtige Zeitpunct ist 
um so mehr hierfür geeignet, als diese Fragen auch auf dem 
bevorstehenden IV Congresse russischer Aerzte in Moskau zur 
Discussion kommen sollen. 

Dr. Anders hält es für geboten, den medicinischen Thejl 
dieser Angelegenheit von dem polizeilich-administrativen zu schei« 


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den, da in Bezug auf den letzteren das Votum der Aerzte allein 
nicht maassgebend ist. 

Prof. Tiling weist auf den gegenwärtigen Mangel eines ge¬ 
setzlichen Schutzes der Amme vor Iufeetion von Seiten eines 
syphilitischen oder anderweitig ansteckend kranken Säuglings 
hin; durch die bestehenden Gesetze wird der Säugling mehr 
geschützt als die Annne. 

2. l)r. Sehomacker berichtet über die Anwendung des 
Koch’schen Heilmittels gegen Tubereulose, soweit er 
dieselbe während seines Aufenthaltes in Berlin (12.—24. Nov. 
alten St.) in den Kliniken von Bergmann, Fräntzel, Ger¬ 
hardt und Henoch zu sehen Gelegenheit gehabt hat. Vortr. 
möchte sich auf die mündliche Mittheilung der gesehenen 
Fälle beschränken, da er sich zu einer Veröffentlichung dersel¬ 
ben an dieser Stelle nicht für befugt hält. Es sollen hier daher 
nur einige allgemeine Angaben Platz finden: Definitive Heilun¬ 
gen wurden zur Zeit, als Vortr. sich in Berlin befand, nicht 
constatirt (auch nicht bei Lupus), wohl aber zahlreiche Fälle 
von bedeutender Besserung, besonders bei Lupus und Gelenk- 
tuberculose. Todesfälle in Folge der Injectionen wurden da¬ 
mals nicht gesehen, dagegen verliefen schwere Fälle von Lun- 
gcntuberculosc trotz der Injectionen letal; in einem Falle 
vorgeschrittener Lungen- und Kehlkopftuberculose ergab die 
Section, dass die Larynxgeschwüre sich gereinigt hatten und 
zur Heilung tendirten; ein Kall von tuberculöser Meningitis bei 
einem Kinde, welchem in extremis eine Injection gemacht wor¬ 
den war, zeigte bei der Autopsie eine colossale Hyperämie der 
Meningen und der Hirnrinde. Bei Larynxtuberctilosc war die 
reactive Schwellung der Schleimhaut zuweilen so hochgradig, 
dass eine Tracheotomie in Aussicht genommen werden musste. 
Bei Kindern war die allgemeine Reaction oft eine recht schwere. 
Reizung der Injectionsstelle hat Vortr. nur einmal gesehen. Die 
Anfangsdosis beträgt in der Regel bei Erwachsenen 0,002—0,003, 
bei Kindern 0,0003. Zum Schlüsse seines Berichtes rühmt Vortr. 
mit warmen Wollen die überaus grosse Liebenswürdigkeit und 
Liberalität, welche von den Berliner Herren Collegen, Dircetoren 
und Assistenten der Kliniken, trotz grossen Andranges und 
l.'eberhäufung mit Arbeit den auswärtigen Aerzten allenthalben 
entgegeugebracht wird Zu Ende der Sitzung wird die Koch’sche 
Spritze demonstriil; übrigens theilt I)r. Scliomacker mit, 
dass gegenwärtig in Berlin vielfach auch die Pravaz’sche Spritze 
zu demselben Zwecke angewandt wird. 

Secretär: Dr. E. Blessig. 

Sitzung am 11. Deccmber 1890. 

1. Dr. Petersen stellt einen 31 jähr. Pat. des städt. Alexander¬ 
hospitals vor. welchem wegen wahrscheinlichem Lupus der 
Rücken- und Achselgegend Injectionen von Koch¬ 
scher Flüssigkeit gemacht worden sind. Von anderer Seite 
war die Diagnose Syphilis gestellt worden; vor 8 Jahren näm¬ 
lich hat Pat. ein Ulcus pems gehabt: 9 Monate später zeigten 
sich die ersten Knötchen an der Hüfte; seit 4 Jalircn besteht 
die Affection am Rücken: unterhalb der rechten Scapula begin¬ 
nend und unter die rechte Achsel sich erstreckend, zahlreiche 
Narben, in deren Peripherie neben frischeren Narben in Zerfall 
begriffene Knötchen stehen. Aehuliche Veränderungen finden 
sich an der Innenseite der Oberschenkel, in der Regio pubica 
und am Scrotum Ausserdem besteht Impetigo. Am 1. Dec. 
erhielt Pat. eine Injection von 0,002 des Koch’schen Mittels; 
Fieber trat danach nicht ein, wohl aber profuser Sehweiss und 
deutliche locale Reaction. bestehend in Röthung und Schwellung 
der befallenen Partien. Am 3. Dec. zweite Injection von 0.002. 
T. 38,1°; Sehweiss: locale Reaction geringer als das erste Mal: 
es sollen noch weitere Injectionen gemacht werden. 

2. Dr. v. Rentein demonstrirt ein am 8. Dec. im Evangelischen 
Hospital operirtes intraligamentäres Fibromyom des 
Uterus und berichtet in Kürze über die Krankheits- 

eschichte und den Verlauf der Operation. Pat. 52. J. a. 

atte den Tumor zuerst vor 8 Jahren bemerkt; erst in letzter 
Zeit stellten sich erhebliche Beschwerden (Schmerzen und Blu¬ 
tungen) ein. Leibesumfang 85 Ctm, der obere, im rechten Hypo- 
ehondrium liegende Theil der Geschwulst Hess sich nicht ab¬ 
tasten, der untere Pol lag links über dem Beckeneingang. Die 
Operation wurde nach Fritsch (mit extraperitonealer Stielver¬ 
sorgung) ausgeführt; der Bauchschnitt war sehr lang, reichte 
bis 2 Fingerbreiten unter den Proc. xiphoYd. Die Kuppe des 
Tumors liess sich nur mit Mühe aus dem rechten Hypochon- 
drium hervorwälzen: Schwierigkeiten bereitete auch die Unter¬ 
bindung der Lig. lata, besonders des rechten, welches sehr 
massig und blutreich war; wegen der Kürze der Ligament¬ 
stümpfe gelang es nicht, dieselben an den Uterusstumpf heranzu¬ 
ziehen; aus dem genähten und versenkten Stumpf des rechten 
Lig. latum trat noch intra operationem eine heftige Nachblutung 
ein, welche schnell zur Bildung eines grossen retroperitonealen, 
von der Fossa iliaca bis zum Diaphragma hinaufreichenden 
llaematoms führte und erst nach Anlegung von Pean’schen 
und Köberle’schen Klemmpincetten stand; die mit Jodoform¬ 
marly umwickelten Pincetten mussten in der Wunde belassen 
werden; Drainage; Verband. Der Puls war nach der Operation 
klein, hob sich aber bald nach Campherinjectionen; höchste T. 


bisher 37,9°. Puls 100; Erbrechen ist nur 2 Mal gewesen. Vortr. 
wünscht die Meinung der anwesenden Fachgenossen derüber 
zu hören, ob die Klemmpincetten nun zu entfernen oder noch 
länger in der Wunde zu belassen seien. 

Das Präparat stellt den ganzen Tumor nebst Uterus, rechtem 
Ovarium und rechter Tube dar. Gewicht 3550 Grm. Grösste 
Durchmesser der Geschwulst 28 Ctm. und 16 Ctm. 

Dr. v. Grüncwaldt räth, die Klemmpincetten nunmehr zu ent¬ 
fernen; es müsse sich bereits ein festes Gerinnsel gebildet haben: 
werden doch auch nach der Uterusexstirpation die Klemmen schon 
nach 48 Stunden entfernt. Die Gefahr der Anwesenheit der 
Fremdkörper in der offenen Bauchwunde scheint hier grösser 
als diejenige einer Nachblutung. 

Prof. Bidder spricht sich gleichfalls dafür aus, die Klemm- 
pincetten jetzt zu entfernen; die Blutung habe wahrscheinlich 
aus den Venen des Plexus uterinus stattgefunden; die Prognose 
eines solchen Haematoms sei übrigens wohl besser als hei jenen 
grossen Haematomen, die bei Verletzungen des Uterus (Ruptur 
intra partum etc.) entstehen und oft durch erneute Blutung oder 
durch lnfection vom puerperalen Uterus aus gefährlich werden. 

Dr. v. Sehrenck hat der Operation beigewohnt und den Ein¬ 
druck gewonnen, dass es sich um eine arterielle Blutung han¬ 
delte: so lange die Temperatur normal ist, möchte er rathen, 
die Klemmpincetten noch liegen zu lassen. 

3. Dr. Nissen hält einen zum Druck bestimmten Vortrag 
„Ueber den Einfluss der Alkalien auf die Galle und 
ihre therapeutische Bedeutung“. 

Secretär: Dr..E. Blessig. 


Kleinere Mfttheilungen und therapeutische Notizen. 

— 1) Szadek. Zur Behandlung der Syphilis mit In- 
tramusculären Injectionen von Hydrargyrum thymo- 
lo-aceticum (Merck) (Wien. med. Wochenschr. JV» 12). 

2) Löwenthal, Hugo. Intramusculäre Einspritzungen 
von Hydrargyrum tnymolo-aceticum bei Syphilis (Deut¬ 
sche med. Wochenschr. As 25). 

1) Verf. injicirte von Rp. Hydr. thymolo-acetic. l,5*Mucil. arab 
0,5, Aqu destill. 20,0 eine ganze Spritze (0,075 des Mittels) 
alle 3—4 Tage intramusculär. 18 Syphilisfälle wurden mit 122 
Injectionen 27 Tage mit durchschnittlich je 6—8 Einspritzungen 
behandelt und schwanden sowohl frische, als auch ältere und reci- 
divirte syphilitische Erscheinungen schon nach 2—3 Injectioneni 
welche auch bei Laryngitis svphilitica sehr günstig cm wirkten • 
Keine Reizerscheinungen seihst nach starker körperlicher An' 
strengung, weder Schmerz noch Abscesse, nur geringe Indurationen 5 
hinsichtlich radicaler Heilung der Lues und Vorbeugung von 
Recidivem leistete das Mittel nicht mehr als andere. 

2) Verf. benutzte folgende Lösung: Rp. Hydr. thymolo-acet. 
1,0, Glycerini 10,0, Cocaüui muriat 0,1, eine Spritze voll, ohne 
Schmerzen, kaum Infiltration — auf strenge Antisepsis und Fri¬ 
sche des Präparates ist sehr zu achten. Zu vollständiger Hei¬ 
lung auch nach Schwinden der manifesten Erscheinungen sind 
8—12 Injectionen nöthig, nur 1 Mal trat Stomatitis und Sali- 
vation auf Es wurden im Ganzen 60 Kranke, 50 Männer und 
10 Weiber mit im Ganzen 293 intraglutäaleu Injectionen be¬ 
handelt, die Fälle betrafen frische, veraltete und recidivirte Sy¬ 
philis. 


Vermischtes. 

— Die St. Petersburger medicinische Gesellschaft hat den 
Professor der Physiologie an der Universität Charkow, Dr. Da- 
nilcwski. zum Ehrenmitglied erwählt. 

— Oberarzt des Hospitals der St. Georgs Gemeinschaft hierselbst 
ist der Privatdocent der mil.-mediciniscnen Academie Dr. Ssiro- 
tinin geworden. Derselbe ist gleichzeitig zum Arzt für Abcom- 
mandirungen bei der militär-mcdicinischcn Academie unter der 
Bedingung ernannt worden, dass er an dem Krankenmaterial des 

enannten Hospitals Vorlesungen für dio Studenten der Aca- 
emie hält. Der Conferenz der Academie ist cs überlassen 
worden, Dr. Ssirotinin nach Verlauf von einigen Jahren zum 
ausseretatmässigen Professor zu ernennen, ohne Gage von der 
Academie. (Wr). 

— Die Functionen des Oberarztes des städtischen 
Kalinkin-Hospitals sind, nach Ernennung des Dr. Sperck 
zum Chef des Instituts für experimentelle Medicin, dem älte¬ 
ren Ordinator des Hospitals T. P. Pawlow interimistisch über¬ 
tragen worden. 

— Verstorben: 1) Am 3. Februar in Moskau der Professor 
der Geburtshülfe, der Frauen- und Kinderkrankheiten an der 
dortigen Universität, wirkl. Staatsrath Dr. Nik. Tolski, im 
Alter von 63 Jahren am Herzchlage. Nach Absolvirung des 
med. Cursus an der Moskauer Universität im J. 1853 fungirte 
T. zuerst als Assistent an der Universitätsklinik und dann als 
Ordinator am städtischen Arbeiter-Hospital. Von 1859—61 hielt 
er sich im Auslande behufs weiterer Vervollkommnung auf und 
wurde nach seiner Rückkehr zum Professor-Adjunct für Geburts¬ 
hülfe, Frauen- und Kinderkrankheiten ernannt; im J. 1879 wurde 


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63 


T. als Professor auf dem Lehrstuhl der Kinderkrankheiten be¬ 
stätigt. Seit mehr als 20 Jahren fungirte er auch als Viceprä- 
sident der Moskauer physiko-medicinischen Gesellschaft. Der 
Verstorbene galt alsein geschickter und liebenswürdiger Kinder¬ 
arzt. 2) In Wilna am 30. December a. pr. der junge Arzt 
Urniasch, welcher erst vor Kurzem den Cursus in Charkow 
absolvirt hatte. 3) Am 20. Januar in St. Petersburg der ältere 
Ordinator des hiesigen Marienhospitals, wirkl. Staatsrath Dr. 
Paul Conrady, 53 Jahre alt. Der Verstorbene hatte seine 
medicinische Ausbildung an der Moskauer Universität erhalten. 
Während des deutsch-französischen Krieges war er im deutschen 
Lager als Arzt thätig. 

— Die Verwaltung des letzten (IV.) Congresses russi¬ 
scher Aerzte war bei der Moskauer Stadtverwaltung mit der 
Petition um Bewilligung eines Beitrages von 3500 Rbl. 
für den Druck der Verhandlungen des Congresses ein- 
gekonunen. Die Duma hat nach kurzer Debatte über diesen 
Gegenstand die nachgesuchte Subsidie bewilligt. 

— Mittelst Circulärvorschrift des Ministeriums des Innern vom 
5. Januar 1891 sind 74 Medicamente der Apothekertaxe im 
Preise herabgesetzt worden. Zu diesen Modicamenten ge¬ 
hören sämintliehe Chininsalze, verschiedene Extracte (von Opium, 
Rheuin, Filix mas) Tincturen (von Opium, Jod, Digitalis. Ferrum), 
Jod- und Bromkalium. Jod- und Bromnatrium, Kali chloric. und 
hypermang., Riciniusöl, Borax, Atropin, sulf., Pulvis Doweri, 
Santonin u. A. 

— Wie aus Astrachan berichtet wird, hat der bekannte Cliar- 
kower Chirurg Prof. Grube für eine Operation, die er an einem 
reichen Fischhändler in Astrachan ausführte, ein Honorar von 
5000 Rbl. nebst Reisekosten erhalten. Prof. G. hat sich nur einen 
Tag und eine Nacht in Astrachan aufgehalten. 

— Vonder inilitär-medicinischenAcademie und von sänuntlichen 
medicinischeu Facultüten des russischen Reiches sind im verflos¬ 
senen Jahre (1890) im Ganzen 775 medicinische Diplome 
verliehen worden, und zwar 90 Doctor- und 685 Arztdiplome. 

— Die Kostroma’sche Gouvernements-Landschaftsversammlung 
hat einen Preis im Betrage von 150 Rbl. für die beste Bro¬ 
ch üre ausgesetzt, in welcher die Eigenschaften aller Infections- 
kraukheiten und die Pflege der Kranken in für das gewöhn¬ 
liche Volk vollkommen verständlicher Weise beschrieben werden. 
Bewerber haben ihre Brochüren bis zum 1. August 1891 an das 
Kostromasche Gouvernements-Landschaftsamt einzusenden. 

— In Ssimferopol(Taurien) ist vor Kurzem ein seltenes Ju¬ 
biläum gefeiert worden — das 60-jährige Jubiläum eines 
Feldschers. Der Jubilar ist der ältere Feldscher des örtlichen 
Gouveruements-Landschaftshospitals Roman Shukow, welcher 
seit dem Jahre 1831 ununterbrochen als Feldscher fungirt, an¬ 
fangs im Militärdienst, seit 25 Jahren aber im Dienste der Tau- 
risenen Landschaft. Trotz seiner 77 Jahre ist derselbe noch 
recht rüstig und erfüllt nach wie vor die Functionen des älte¬ 
ren Feldschers an dem grossen Ssimferopoler Landschaftshospi- 
taL Zu Ehren des Jubilars wurde ein Festessen veranstaltet, an 
welchem sämmtliche Aerzte und das Administrations-Personal 
des Hospitals Theil nahmen. 

— Professor Helmholtz in Berlin hat vom Präsidenten der 
französischen Republik das Grossoft'icierkreuz der Ehren¬ 
legion erhalten. Es ist das seit 1870 die erste Verleihung die¬ 
ser Auszeichnung an einen Deutschen. 

— Als Nachfolger Prof. Nussbaum’s auf dem Lehrstuhl 
der Chirurgie an der Universität München wird Prof. An ge rer 

enannt, welchem bereits seit dem Tode Nussbaums die Leitung 

er chirurgischen Klinik in München übertragen ist. 

— Professor Sattler in Prag ist zum Nachfolger des jüngst 
verstorbenen Prof. Coccius auf dem Lehrstuhl der Augenheil¬ 
kunde an die Universität Leipzig berufen worden und hat den 
Ruf angenommen. 

— Die XIII. öffentliche Versammlung der baineolo¬ 
gischen Gesellschaft zu Berlin wird am 6. 7. und 8. März 
d. J. (nach neuem Styl) im Hörsaale des pharmakologischen Insti¬ 
tuts uer Berliner Universität abgehalten werden. Am 5. März 
findet um 9'/t Uhr Abends die Begrüssung der auswärtigen Mit¬ 
glieder im Restaurant „Zum Kniephof“ (Dorothecnstrasse 30) 
und am 8. März ein gemeinsames Diner im Festsaale des Grand 
Hötel de Rome statt. 

— Das preussische Cultusministerium und die übrigen bethei¬ 
ligten Ressorts haben nach Abschluss der Verhandlungen über 
die Stellungsnahme des Staates zu der Koch’schen Ent¬ 
deckung sich dahin entschieden, den Verkauf des „Tuber- 
culin“ den Apotheken unter gewissen Cautelen zu übertra- 

en, während die Erzeugung des Koch’schen Mittels in der 

isher üblichen Weise zunächst weiter erfolgen soll. Der Verkauf 
wird nur auf ärztliche Ordination erfolgen, sodass das Mittel nicht 
direct in die Hände des Publicums gelangen kann. Auch sollen 
Anordnungen getroffen werden, nach welchen der Umtausch des 
Tuberculin wegen der durch die Länge der Zeit eintretenden 
Veränderungen seitens der Apotheken in gewissen Perioden 
vorzunehmen ist. 

Wie wir in der „Allg. med. Central-Zcitung“ lesen, giebt die 
Kronen-Apotheke (Friederichstrassc Ai 160) in Berlin bereits 


Koch’sehe Lymphe in Originalflacons und in lprocentiger 
Lösung ab. 

— Eine neue Zeitschrift für Nervenheilkunde soll dem¬ 
nächst unter der Redaction der Proff. Erb, Schultze und 
Strümpell erscheinen. 

— Die „Medicinischeu Neuigkeiten für praktische Aerzte“ tre¬ 
ten mit dem 41. Jahrgang 1891 aus dem Verlag von Palm «fc 
Enke in Erlangen in den von Jos. Ant. Finsterlin in München 
über. Mediz. Rath Prof. Dr. Martin bleibt Herausgeber und Re- 
dacteur. Seiner langjährigen Thätigkeit verdankt diese Zeit¬ 
schrift ihre Beliebtheit in weiten Kreisen besonders der vielbe¬ 
schäftigten Aerzte, denen sie eine Orientirung auf allen Gebie¬ 
ten der medicinischen Wissenschaften bietet. 

— Eine Flecktyphus-Epidemie ist in Moskau in der Ka¬ 
serne (in der Nähe des Centraltransportgefängnisses) unter der 
Mannschaft des Cominandos, welches für den Transport der Ge¬ 
fangenen bestimmt ist, ausgebrochen. Von 160 Mann sind in 
kurzer Zeit bereits 60 Mann erkrankt und 2 gestorben. 

— Auf der in diesem Jahre stattfindenden internationalen 
elektrischen Ausstellung in Frankfurt am Main wird, 
wie man uns schreibt, in grosser Vollständigkeit Alles ver¬ 
einigt sein, was die medicin. Elektrotechnik bisher geschaffen, 
so (lass die Ausstellung wohl jedem Arzte von grossem Inte¬ 
resse sein wird. — 

— Am 19. Aug. a. c. läuft der Termin ab, bis zu welchem 
die Arbeiten einzureichen sind, die an dem von der rossichen 
Gesellschaft des rothen Kreuzes zum Andenken an Kaiser Ale¬ 
xander II. ausgeschriebenen Concurs theilnehmen sollen. Für 
die besten^ zur Erleichterung der Leiden der verwundeten und 
kranken Krieger beitragenden Arbeiten sind 2 Prämien ausge¬ 
setzt von 1000 Rbl. und 500 Rbl. Die genaueren Bedingungen 
des Concurses werden Allen, die es wünschen, von der Canzel- 
lei der Hauptverwaltung der Gesellschaft (IfHxeHepiuu! As 9) 
unentgeltlich zugeschickt. — 

— Der „Wratsch“ ist in den Stand gesetzt, folgende Nach¬ 
richten über die Geldsummen der medicinischen Unter- 
stützungscasse zu bringen: Im Jahre 1890 wurden in Ein¬ 
nahme gebucht 19,960 R. 35 K. in baarem Gelde und 149,000 R. 
in Werthpapieren, in Ausgabe dagegen 18,604 R. 93 K. in 
baarem Gelde und 51,000 R. in Werthpapieren. Der Bestand 
der Casse belief sich am 1. Januar 1891 auf 1,355 R. 42 K. 
in baarem Gelde und 14390 R. in Werthpapieren. Ausserdem 
wurde für das Capital zur Unterstützung der Aerzte und 
ihrer Familien in ausserordentlichen Fällen (Manas- 
seinscher Rubel) im Jahre 1890 vereinnahmt: 3,217 R. 49 K. in 
baarem Gelde und 2,000 R. in Werthpapieren. Der Cassenbe- 
stand desselben belief sich am 1. Januar 1890 auf 351 R. 16 K. 
baar und 2,000 R. in Werthpapieren. In der Abtheilung der 
Unterstützungs-Casse für weibliche Aerzte waren am 
1. Januar 1891—584 R. vorhanden. 

— Vor Kurzem wurde hierselbst von Dr. V. E. Ciechanowski 
unter Mitwirkung von Künstlern und Dilettanten eine Theater¬ 
vorstellung zum Besten des Capital s zur Unterstützung 
der Aerzte und ihrer Familien in ausserordentlichen 
Fällen veranstaltet, welche einen Reinertrag von 415 R. 5 K. 
ergab. 

— In diesem Jahre wird der V. französische Congress für 
Chirurgie in Paris vom 30. März bis 4. April (n. St) unter 
dem Präsidium des Prof. Guyon stattfinden. Die Eröffrungs- 
sitzung wird am 30. März um 2 Uhr im grossen Amphitheater 
der medic. Facultät statt haben. — Vom Comitä sind folgende 
Fragen auf die Tagesordnung gesetzt worden: 1) Chirurgische 
Eingriffe bei Affectionen der Centralorgane (ausgenommen die ein¬ 
fache Trepanation des Schädels); 2) Allgemeinwirkung der Ab¬ 
tragung der Uterusadnexe bei nicht neoplastischen Affectionen 
derselben; 3) die verschiedenen Arten der Eiterung vom bak¬ 
teriologischen und klinischen Standpuncte aus. — Mittheilungen 
sind zu adressireu an: Mr. le Dr. S. Pozzi, secr6taire g6n6ral, 
chez. Mr. Alcan, editeur du congres, 108 Boulevard St Germain, 
Paris. 

— Die Gesamintzahl der Kranken in den Civilhospi- 
tälern St. Petersburgs betrug am 3. Februar d. J. 6966 (24 
mehr als in der Vorwoche); darunter 571 Typhus —(32 mehr), 
664 Syphilis—(23 weniger), 145 Scharlach—(12 weniger), 12 Diph¬ 
therie—(5 weniger,) 9 Masern — (2 weniger) und 51 Pocken- # 
kranke (5 mehr als in der Vorwoche). 


Vacanzen. 

1) Ein Arzt, der freie Praxis im Kirchspiel Carolen (Livland) 
auszuüben wünscht, wird gebeten, sich zu melden bei C. v. Bloss¬ 
fel dt in der Carolcnschen AjKmieke bei Walk. 

2) Die hebräischen Einwohner des Fleckens Grossulowo im 
Tiraspolschen Kreise des Cherson’schen Gouvernements suchen 
einen Arzt für diesen Flecken. Eine Subsidie im Betrage von 
300 Rbl. wird garantirt. Nähere Auskünfte ertheilt der örtliche 
Apotheker (Adresse: AirreKapio ‘I*. MycKaTÖJHTy bi m. l’pocy- 
jobo, XepcoecKoft ryö., TupacuoiBCKaro y-fcsAa). Für die Ant¬ 
wort ist eine Postmarkc beizufügen. 


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G4 


Mortalitäts - Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 20. Januar bis 26. Januar 1891. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exantli. 1, Typh. abd. 11, Fehris recurrens 10, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 8, Masern 6, Scharlach 
17, Diphtherie 2. Croup 4, Keuchhusten 3, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 38, Erysipelas 2, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 1, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 0, Pyämie und Septicaemie 8, Tii- 
berculosc der Lungen 82, Tuberculose anderer Organe 7, Alko¬ 
holismus und Delirium tremens 4, Lebensschwäche und Atrophia 
infantum 36, Marasmus senilis 22, Krankheiten des Verdauungs- 
canals 60, T odtgeborene 20 .___ _ 

HC Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 19. Februar 1891. 


Für die Woche vom 27. Januar bis 2. Februar 1891. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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56 

48 

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36 

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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exantli. 3, Typh. abd. 7, Fehris recurrens 4, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 7, Masern 7, Scharlach 
15, Diphtherie 10, Croup 2, Keuchhusten 2, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 32, Erysipelas 12. Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 0, Epidemische Meiling tis 0, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und Septicaemie 10, Tu¬ 
berculose der Lungen 101, Tuberculose anderer Organe 8, Alko- 
holjsmus und Delirium tremens 1, Lehensschwäche und Atrophia 
infantum 38, Marasmus senilis 19, Krankheiten des Verdauungs¬ 
canals 40, Todtgeborene 24. _ 

UV Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. März 1891. 


Dieser Nummer liegt ein Preiscourant des „Depot Ungarischer Weine“ zu geil. Beachtung bei. 

Herausgeber: Dr. Th. v. Schröder. Buchdruckerei von A. L. EbermaNN nBaskoff Per. K 4. 


J.03B. geaa. Ciiö. 15 ^eapans 1891 r. 












XVI. JAHRGANG. 


Neue Folge VIII. Jalirg. 


ST. PETERSBURGER 


MEEICINISCHE WOCHEHSCHHIFT 


unter der Redaction von 

Prof. Dr. Xarl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.— Der Abonnementipreii ist in Btunland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis ; 
für die 8 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 85 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 

Jß 8 St. Petersburg, 23. 


fiC Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Bicker in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect 14, zu richten. — Xanuscripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Sohröder in 
St.Petersburg, Maloja Italjanskaja Jfc 33, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 

Februar (7. März) 1891 


Inhalt P. Hampeln: Ueber gastro-intestinale Blutungen. — Referate: E. Sonnenburg: Weitere Mittbeilungen über die 
chirurgische Behandlung der Lungencavemeu. — Rieh et: Injectionen von Hundeblutserum gegen Lungentuberculose.— H. Büchner: 
Ueber eiterungerregende Stoffe in der Bakterienzelle (nach Mittheilungen in der morphologisch-physiologischen Gesellschaft 
zu München am 6. Mai und 8. Juli 1890). — N. Reichmann (Warschau): Oesophagitis [exfoliativa. — Bücheranzeigen und 
Besprechungen: Karl Hochsinger: Die Auscultation des kindlichen Herzens. — Auszug aus den Protokollen der Ge¬ 
sellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Bericht über die wissenschaftliche Thätigkeit des VereinsSt. Peters¬ 
burger Aerzte für 1890. — Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. — vermischtes. — Mortalitäts- 
Bulletin St. Petersburgs. —- Anzeigen. 


Ueber gastro-intestinale Blutungen. 

(Vortrag gehalten in d. Ges. pr. Aerzte zu Riga am 19. Dcc. 1890). 

Von 

Dr. P. Hampeln. 

Riga. 

Infectionen und Intoxicationen stehen zur Zeit im Vor¬ 
dergründe des medicinischen Interesses. Thatsächlich je¬ 
doch dominiren nach wie vor auf weiten Gebieten me¬ 
chanische Schädlichkeiten als Krankheitsursachen. Das 
gilt auch gegenüber den Anämien, dem Gegenstand unserer 
Betrachtung. Als ätiologisch bekanntere Formen mögen 
unberücksichtigt bleiben die offenbaren acuten traumati¬ 
schen Anämien im engeren Sinne, ferner auch die symp¬ 
tomatischen als Folge acuter oder chronischer Infections- 
und Intoxicationskrankheiten, als Folge consumirender 
Organleiden, von Herz-, Lungen-, Nieren- und Magen- 
Darmerkrankungen, welche ja alle, bekannt genug, zur 
Anämie führen können. Von alledem soll hier nicht die 
Rede sein, sondern sei als Object der Betrachtung 
das Gebiet der sogenannten essentiellen Anämie erwählt 
und zwar soweit Beziehungen zu gastro-intestinalen Blu¬ 
tungen wahrscheinlich oder erwiesen sein sollten. 

Das früher grosse Gebiet der essentiellen Anämien 
hat bekanntlich in den letzten Jahren vielfache und be¬ 
gründete Einschränkung erfahren. Es ist gelungen für 
viele unter dem Bilde der pernieiösen Anämie verlaufende 
Fälle Darmschmarotzer, theils blutsaugende, theils an¬ 
dere als Ursache aufzudecken. Zuerst wurde das Anchy- 
lostomum duodenale in seinen Beziehungen zu schweren 
tödtlichen Anämien erkannt (die sog. Gotthardttunnel-, 
Ziegelbrenneranämie). Sodann haben Reyher in Dor¬ 
pat, nach ihm Runeberg in Helsingfors den Nachweis 
geliefert, dass auch der Bothriocephalus latus das Symp- 
tomenbild der pernieiösen Anämie zu erzeugen vermag: 
diese Anämien, die Helminthiasis-Anämien kurzweg, sind 
darum aus dem Gebiet der essentiellen Anämien zu schei¬ 
den und bilden eine Gruppe für sich. Auch mit diesen 
wollen wir uns darum nicht eingehender befassen. Es 


sei hier nur kurz die auffallende Thatsache festgestellt, 
dass, obschon der Bothrioc. latus auch bei uns in Riga 
zu den gewöhnlichen Dingen gehört, die Bothriocephalus- 
Anaemie äusserst selten beobachtet wird. Mit Rücksicht 
auf diese auffällige Seltenheit eines an anderen Orten so 
häufig wahrgenommenen Ereignisses, sei es mir erlaubt 
einen und zwar den zweiten Fall meiner Beobachtung hier 
kurz mitzutheilen. 

M. 45 Jahr alt, von kräftiger' Constitution, fühlt sich seit 3 
Monaten ernstlich krank. • Er ist auffallend bleich geworden, 
aber nicht magerer. Grosse Mattigkeit und Schwäche gestatten 
ihm jetzt kaum einige Schritte zu gehen. Dabei stellte sich Schwin¬ 
del und Herzklopfen ein. Mitunter kam es zu Uebelkeit, ein¬ 
mal zum Erbrechen galliger Massen. Appetit mässig, hingegen 
stärkerer Durst. Normale Consistenz una Farbe des Stuhls, nur 
nach Eisengebrauch Schwarzfärbung. Keine Schmerzen, keine 
abnormen Sensationen sonst. Guter Schlaf. Die Untersuchung 
ergab: auffallend anämisch-gelbliches Hautcolorit des sonst kräftig 
aber etwas gedrungen aussehenden Mannes. Hochgradige Blässe 
der sichtbaren Schleimhäute. Leichtes Tibialödem. Leber und 
Milz wenig vergrössert, nicht empfindlich. Im Uebrigen normaler 
Organbefund. Venengeräusche. Harn braun, klar, albuminfrei. 
Rothe Blutkörperchen spärlich, Poikilocytose, keine Leukocytose. 
Patient giebt nun auf Befragen zu, dass er vor 15 Jahren und zum 
letzten Mal vor l 1 /* Jahren das Abgehen von Bandwurmstücken 
beobachtet habe. Eine darauf hin von mir vorgenommene Stuhl¬ 
untersuchung ergiebt massenhaft Eier des Bothr. latus. Die 
eingeleitete Bandwürmern- befreite den Kranken bald und defi¬ 
nitiv von seinen Leiden. Zu bemerken ist in diesem Falle noch 
Folgendes. Patient machte die Abtreibungscur zu Hause, in 
einer benachbarten Stadt durch und ist es weder am Tage der 
Abtreibung noch später gelungen, den Bandwurm selbst zu Ge¬ 
sicht zu bekommen. Offenbar war er bereits während der Vor- 
bereitungscur unbemerkt abgegangen. Im später noch einmal 
von mir untersuchten Stuhl fehlten die Eier und war darum von 
einer Wiederholung der Bandwurmcur abgesehen worden. 

Nach Ausscheidung nun dieser Helminthiasis-Anämien 
bleibt aber immer noch ein Rest essentieller Anämien. 
Ihr wesentlicher Repräsentant ist die Chlorose und die 
bei uns so überaus seltene pernieiöse Anämie. Aber 
selbst der Chlorose wird jetzt das Recht der Sonderexi¬ 
stenz bestritten. Es macht sich die Ansicht und wie es 
scheint mit guter Begründung geltend, dass es sich hier 
um latente viscerale Blutungen als Ursache, somit eigent¬ 
lich auch um traumatische Anämien im weiteren Sinn, 


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66 


nämlich um Anämien in Folge von Blutverlust handele. 
Ehe ich zu diesen Blutungen, meinem eigentlichen Thema, 
übergehe, möchte ich zuvor kurz meiner Ueberzeugung 
Ausdruck verleihen, dass so wahrscheinlich solch ein Zu¬ 
sammenhang für viele Fälle durch die sorgfältigen Un¬ 
tersuchungen Hoessl ins (München. med.W. .\? 14. 1890) 
erscheint, dennoch eine wichtige Gruppe mehrerer essen¬ 
tieller Anämien, welche sich einer mechanischen Erklä¬ 
rung nicht fügen wollen, übrig bleibt. Von diesen wahren 
Chlorosen unterscheiden sich aber schon durch den kli¬ 
nischen Verlauf ihnen in mancher Beziehung allerdings 
ähnliche Erkrankungsfälle. Für diese erscheint die durch 
Ho esslin inaugurirte und mit Scharfsinn vertretene neue 
Betrachtungsweise von grosser Bedeutung. Wenden wir 
uns darum jetzt den Blutungen und zwar den so leicht 
zu übersehenden gastro-intestinalen Blutungen als Ursache 
dieser Pseudo-Chlorose zu. 

Es empfiehlt sich für die heutige Betrachtung diese 
Blutungen einzutheilen 1) in latente 2) in pseudo-latente 
gastro-intestinale und 3) in manifeste gastrale Blutungen. 

1. Latente Blutungen. Sie bilden offenbar die wich¬ 
tigste Gruppe. Die Blutung als solche ist unmittelbar 
nicht zu erkennen, der Symptomencoraplex der Anämie 
ihr einziges Zeichen. Hoesslin bemerkt, dass erst Blu¬ 
tungen von 500 Ccm. an, in den Magen ergossen, aus der 
Theerfarbe des Koths zu erkennen sind. Geringere Men¬ 
gen, welche doch schon einen erheblichen Blutverlust be¬ 
deuten namentlich wenn sie sich häufig wiederholen, ver¬ 
ändern die Farbe des Koths gar nicht oder kaum be¬ 
merkbar. 

Was berechtigt nun in den fraglichen Chlorosefällen 
trotzdem das Bestehen solcher unwahrnehmbarer Blutun¬ 
gen anzunehmen? 

Einmal der eigenthümliche, von dem gewöhnlichen der 
Chlorose abweichende Symptomencomplex und Verlauf. 
Zur Gewissheit würde die Annahme, wenn der chemische 
^Nachweis des Bluts aus den Fäces gelänge. Hoesslin 
will diesen Erweis durch Haematinbestimmungen geführt 
haben. Sehen wir aber von diesem Resultat als einem 
noch zu bestätigenden vorläufig ab, so fällt doch sehr in’s 
Gewicht, dass in der That im Magen häufig Blutungen 
direct nachgewiesen werden konnten, die gross genug er¬ 
schienen, eine hochgradige Anämie zu erzeugen und sich 
dennoch den gewöhnlichen Untersuchungsmethoden ent¬ 
ziehen mussten. Korczynski z. B. fand bei 24 Ulcus- 
kranken 6 mal grössere oder geringere Blutungen im 
ausgeheberten Mageninhalt. Hoesslin hat bei seinen 
methodisch angestellten Leichenuntersuchungen wiederholt 
blutigen Mageninhalt gefunden trotz geringfügiger Ma¬ 
genläsionen, in einem Fall von Erosionen sogar 500 Ccm. 

Wir sind darum völlig im Recht in zweifelhaften Chlo¬ 
rosefällen, falls erst eine Helminthiasis ausgeschlossen 
ist, vor Allem an latente Magen- und Darmblutungen zu 
denken und demgemäss zu handeln. 

Als Ursache dieser Blutungen kommen in Betracht das 
Ulcus rotundum ventriculi, sodann und wie es scheint in 
noch höherem Grade die bisher in der Praxis noch we¬ 
nig beachteten und neuerdings von Ewald mehr beton¬ 
ten Erosionen der Magenschleimhaut. . Auf die Bedeutung 
solcher Erosionen und sog. Faltenblutungen der Magen- 
und Darmschleimhaut als Blutungsquelle ist in einer jüngst 
erschienenen Arbeit Harttungs 1 ), auf die ich noch zu¬ 
rückkommen werde, hingewiesen worden. Erst zuletzt 
wäre wohl auch des Ulcus duodenale zu gedenken. 

Diese latenten und eben darum so bedenklichen ga- 
stralen Blutungen können nun eine Anämie in zwiefachem 
Sinne erzeugen. Erstens eine direct traumatische, von 
der fortdauernden Blutung abhängige, der günstigere Fall. 
Zweitens eine nach abgelaufener Blutung noch fortbeste- 


l ) Harttuug, Deutsche med. Wochenschr. 1890. As 38. „Ueber 
Faltenblutungen etc.“. 


hende, somit indirect traumatische. Es ist aus der gy¬ 
näkologischen Praxis bekannt, dass kleine aber constante 
Blutungen einen hohen Grad von Anämie zu erzeugen 
im Stande sind, welche als selbstständige Erkrankung, 
trotzdem die Blutung aufgehört hat, lange währen, ja un¬ 
heilbar sein kann. Dieses wäre der zweite, ungünsti¬ 
gere Fall einer durch latente Magenblutungen verursach¬ 
ten Pseudochlorose. Während dem ersteren gegenüber 
die wesentliche und vielleicht einzige Aufgabe der The¬ 
rapie in Stillung der Blutung besteht, kann im zweiten 
davon nicht mehr die Rede sein, sondern gilt es die Lö¬ 
sung eines viel schwierigeren Problems, nämlich einer 
chronischen permanenten Anämie Herr zu werden. 

Ueber die Behandlung dürfte man sich rasch einigen. 
Im ersteren Fall Ruhe, Horizontallage, reizlose, flüssige 
Kost, eventuell Nährklystiere und äussere Eisapplication, 
innerlich Arg. nitricum und Liq. ferri sesquichlorati, 
nachher wieder Eisen und entsprechende diätetische Be¬ 
handlung, wie bei manifesten Magenblutungen. Im zweiten 
Fall kämen neben dem Eisengebrauch diätetische und 
klimatische Kuren, Heilgymnastik in Betracht, in schweren 
Fällen Bluttransfusion oder subcutane Blutinjection. Es 
ist bekannt, welch guten Erfolg Dehio in einem Fall 
schwerster Anämie durch diese Injectionen erzielte. Man 
erkennt, die Behandlungsprincipien sind in einem wich¬ 
tigen Punkt einander entgegengesetzt. Das eine Mal 
grosse Ruhe, Horizoutallage, das andere Mal umgekehrt 
Bewegung in freier Luft, Heilgymnastik etc. Daraus 
folgt, dass die Unterscheidung der uns hier beschäfti¬ 
genden Anämien nach diesen 2 Richtungen, ob die Blu¬ 
tung noch vorhanden oder beseitigt ist, nicht ohne Be¬ 
deutung ist. Man wird nicht unterschiedslos chlorotische 
Mädchen ins Gebirge, in den Turnsaal, auf die Reitbahn, 
in den Ballsaal schicken, sondern dieses, wenn überhaupt, 
erst thun dürfen, nachdem die Ueberzeugung gewonnen 
wurde, dass eine etwa vorliegende Blutung definitiv ge¬ 
stillt ist. Kurz, wir werden dessen eingedenk sein müssen, 
diese Krauken eventuell ebenso zu behandeln, wie solche 
mit manifesten Blutungen. An dieser Stelle mögen kurz 
2 Krankengeschichten meiner Praxis zur Mittheilung ge¬ 
langen. 

1. Ein 20 jähriges Fräulein gab im Sept. 1888 an, vor 5 Jahren 
zum ersten Mal -bleichsüchtig“ gewesen zu sein. Kasche Gene¬ 
sung nach dem Gebrauch von pyrophosphorsaurem Eisenwasser. 
Seit 3 Jahren dasselbe nun äusserst hartnäckige Uebel, Besse¬ 
rung im Winter. Geringe Magenbeschwerden, Schmerz und Uebel- 
keit vor 2 Jahren. Nie Erbrechen. Träger Stuhl. In den letzten 
4 Monaten Ausbleiben der Periode. Hochgradigste Blässe der 
Haut und Schleimhäute bei guter Körperfülle, Unterschen¬ 
kelödem; Herz dilatirt, systolische Herz- und Venen- 
geräusche. Blut hell, reichliche weisse, spärliche rothe t blasse, 
unregelmässig geformte Blutkörperchen. Harn albumin- unu 
zuckerfrei. Nach einer Cur mit Karlsbader Mühlbrunncn bei 
Buhe und strenger Diät tritt auffallende Besserung ein, die Periode 
kehrte wieder. 

Ich beurtheilte diesen Fall als Ulcus ventr. mit laten¬ 
ten Magenblutungen und scheint der Verlauf die Annahme 
zu bestätigen. 

2. Frau B. 41 Jahr alt, vor 2 Jahren etwa von mir untersucht, 

f ab an, bereits 3 Jahre sich sehr matt zu fühlen. Starkes Ilerz- 
lopfen und Athemnoth beim Gehen, etwas Rückenschmerz und 
Druckgefühl in der Magengegend, unabhängig vom Essen, Ap¬ 
petit gut, kein auffallender Durst, Stuhl oft halbweich. Urin 
normal. Seit 2 Jahren geschwollene Füsse. In diesen Jahren 
immer mehr zunehmende Blässe. Periode sehr schwach aber 
regelmässig. Keinerlei Blutungen sonst, kein Bandwurm. Die 
Untersuchung ergab hochgradige allgemeine Anämie bei guter 
Körperfülle, starkes Oedem des rechten, geringeres des linken 
Beines. Herz nach links dilatirt, lctus em. Systolische Geräusche 
an allen Ostien. Leber, Milz, Lungen normal. Druckempfind¬ 
lichkeit der Magen- una linken Nierengegend. Urin: SG = 1031, 
trübe, Albuminspurj kein Zucker. Im Sediment nur Urate und 
Harnsäure nachweisbar. Stuhl normal, ohne Helmintheneier. 
Blut hell, Erythrocythen blass aber normal geformt, Leukocythen 
nicht vermehrt. Rectalbefund normal. Kein Uterinleiden. 

In diesem Falle von einem geschätzten Collegen consultirt 
laubte ich mich per exclusionem dafür entscheiden zu müssen, 
ass entweder eine versteckte Helminthiasis oder hochsitzende 


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Magen- resp. Darmblutung vorliege. Ich rieth trotr des nega¬ 
tiven Stuhlbefundes zu einem Versuch mit Extr. filic. maris and 
folgendem Eisengeb rauch. Der Rath wurde befolgt. Kein sicht¬ 
barer Helminthenabgang, aber die Dame genas und befindet 
sich auch jetzt noch in gutem Gesundheitszustand. 

Ich gehe nun zur kurzen Betrachtung der zweiten 
Gruppe über. 

2. Die pseudolatenten gastro-intestinalen Blu¬ 
tungen. Ich verstehe darunter Blutungen, welche sich 
nicht gerade der Beobachtung aufdrängen und darum 
leicht übersehen werden können. Entdeckt werden sie 
erst bei Besichtigung des Stuhls, falls dieser überhaupt 
zu erlangen ist, anderenfalls vermag blos die Mittheilung 
des Kranken grössere oder geringere Gewissheit über 
erfolgte Blutentleerung per anura zu verschaffen. Die 
Angabe, dass zu Zeiten auffallend schwarze Stuhlfarbe 
bemerkt worden ist, kann für die Beurtheilung einer 
Erkrankung von Bedeutung werden. Spontan jedoch 
erfolgt diese Mittheilung kaum. Ohneweiters folgt über¬ 
dies aus solcher Thatsache, sobald sie ermittelt ist, noch 
keineswegs eine Hämorrhagia gastro-intestinalis, da auch 
andere unschuldigere Ursachen die schwarze Färbung des 
Stuhls bewirken können. Ich erinnere an den Gebrauch 
von. Eisen und Wismuth. In einem Fall schwerer, Jahre 
währender Anämie erfuhr ich von der betr. jungen Dame, 
dass ihr Stuhl seit einiger Zeit auffallend schwarz aus¬ 
sehe, obschon sie weder Eisen noch Wismuth brauchte. 
Eine Stuhlprobe erwies sich in der That in Ueberein- 
stimmung mit dieser Angabe als dunkelschwarz. Ich war 
schon geneigt darin das Zeichen einer Magenblutung als 
Ursache der Anämie zu erblicken. Doch ergab die mikro¬ 
skopische Untersuchung ein inniges Gemenge der Fäces 
mit Kohlenpulver als Ursache der auffallenden Färbung. 
Nun ermittelte ich, dass es seit einiger Zeit Gewohnheit 
der jungen Dame sei, wiederholt Kohlenpulver zu schlu¬ 
cken. Als sie das in der Folge sein liess, trat auch 
wieder die gewöhnliche Farbe ein. Somit war der Beweis 
einer Magenblutung wenigstens auf dieses Moment nicht 
mehr zu stützen. 

Aber selbst deutlich als solche erkennbare blutige 
Abgänge per anum sollen wegen des verborgenen Orts 
ihrer Entleerung mitunter, ins besondere von Frauen 
lange übersehen werden können. Zufällig oder absicht¬ 
lich unterziehen sie dann einmal den Stuhl einer Be¬ 
sichtigung und entdecken zu ihrer Ueberraschung, dass 
es sich um reines Blut handelt. Eine ähnliche Erfahrung 
liegt mir in Bezug auf einen Mann vor. In Fällen dieser 
Art handelt es sich meist um Hämorrhoidalblutungen, 
welche lange Zeit vom Patienten nicht beachtet wer¬ 
den, weil die belästigenden Hämorrhoidalknoten fehlen. 

3. Manifeste gastrale Blutungen. Aus praktischen 
Gründen will ich mich nur auf diese als die klinisch 
wichtigeren beschränken und die intestinalen unberück¬ 
sichtigt lassen. Die Blutung als solche tritt hier un¬ 
verkennbar in die Erscheinung und es handelt sich nun¬ 
mehr nur um die Fragen: ob das scheinbar erbrochene 
Blut auch wirklich durch den Brechact aus dem Magen 
entleert ist, wenn ja, ob es sich um eine Magenblutung 
sensu strictiori handelt, d. h. die Magenwand selbst Quelle 
der Blutung ist oder endlich, ob das Blut, anders woher 
stammend, sich in dem Magen ergossen hat, um dann 
von dort durch Erbrechen entleert zu werden. 

Was die erste Frage betrifft, so wird man, glaube 
ich, im Beobachtungsfalle selbst kaum je im Zweifel 
sein, ob das Blut erbrochen oder auf andere Weise ent¬ 
leert wird, etwa ein Aneurysma in den Oesophagus oder 
die Trachea perforirt ist, oder eine Lungen blutung vor¬ 
liegt. Auf anamnestischem Wege dieses zu entscheiden 
ist jedoch mitunter recht schwierig. Der gewöhnliche 
Conflictsfall ist der einer Haematemesis mit der Haemo- 
ptoe. Ich habe bisher nur einmal eine profuse Oeso- 
phagusblutung beobachtet, die rasch zur Diagnose des 
Oesophaguskrebses führte. Perforirende Aneurysmen führen 


in der Regel rasch den Tod herbei. Gewöhnlich handelt 
es sich daher um die Frage: Lungen- oder Magenblutung? 
Um diese Frage zu entscheiden, erscheint eine Thatsache 
von besonderer Bedeutung, die wir bereits erwähnt finden, 
so bei S t r ü m p e 11 und Ewald. Bei einigermaassen intel¬ 
ligenten Personen nämlich gelingt es meist leicht zu er¬ 
mitteln, ob nach stattgehabter profuser Blutung, und nur 
auf diese kommt es im Conflictsfall an, auch noch an den 
folgenden Tagen Blut expectorirt wurde oder nicht. Im 
Falle einer Lungenblutung wird diese Frage bejahend 
beantwortet werden, während die Magenblutung zu einer 
solchen noch lange fortwährenden Blutexpectoration keine 
Beziehungen hat. Geringe Lungenblutungen kommen, 
wie gesagt, nicht in Betracht, die können ja an einem 
Tage beendet sein, werden aber wohl nicht mit Magen¬ 
blutungen verwechselt. Eine Einschränkung muss ich 
jedoch zur obigen Bemerkung machen. Bei Spätblutungen 
der Phthisiker aus grossen Cavernen, sei es dass es sich 
um wahre Phthise oder Bronchiectasien handelt, kann 
auch eine profuse Blutung an einem Tage definitiv 
beendet sein und der Auswurf schon am folgenden Tage 
seine gewöhnliche Beschaffenheit wieder erlangt haben. 
Doch ist dies ein seltener Fall und dürfte wegen der 
sonst auffallenden obj. nachweisbaren Veränderungen 
keine diagnostischen Schwierigkeiten bereiten. 

Ist nun die erste Frage im Sinne einer Blutentleer¬ 
ung aus dem Magen oder einer Magenblutung sensu la- 
tiori entschieden, so fragt es sich weiter, ob nicht aus 
irgend einem ausserhalb des Magens gelegenen Körper- 
theil das Blut in den Magen gelangt ist. 

Bekanntlich können profuse pharyngeale und nasale 
Blutungen unter Umständen als solche latent verlaufen, 
ihren Weg nicht nach aussen, sondern zum Magen hin 
einschlagen. Aus dem Oesophagus, dem Darm kann 
Blut in den Magen perforiren. Mitunter ist die Ent¬ 
scheidung schwierig. So wurde im verflossenen Jahr in 
meiner Abtheilung des Krankenhauses ein Fall tödtlicher 
Magenblutung in diesem weiteren Sinn beobachtet. Nach 
Erwägung aller Umstände wurde die Diagnose auf ein 
latentes Ulcus ventriculi, welches in solchen Fällen in 
der Regel herhalten muss, gestellt. Die Section jedoch 
ergab ein kleines sackförmiges Aneurysma des absteigen¬ 
den Aortenastes welches in den Oesophagus perforirt war 
und seinen Inhalt allmälig in den Magen entleerte. 

Meist aber wird eine sorgfältige Anamnese imd obj. 
Untersuchung den Thatbestand ergeben und eine sichere 
Diagnose gestatten. Lautet nun diese auf Magenblu¬ 
tung im engeren Sinne, so bleibt noch die letzte Frage 
nach der besonderen Magenerkrankung als Blutungsursache. 
Als gewöhnlicher Fall gilt und wohl mit Recht das Ul¬ 
cus ventriculi. Wir werden später eine diese Auffassung 
einschränkende Thatsache kennen lernen. Als zweite Quelle 
kommt nach meinerErfahrung dasMagencarcinom in Betracht 
und zwar wird eine profuse, das Leben direct gefährdende 
Blutung nicht blos, wie bekannt, als Spätsymptom, son¬ 
dern auch als Früherscheinung, ehe noch ein anderes 
Zeichen das Carcinom verräth, beobachtet. Dieses fest¬ 
zustellen, bot sich mir im Krankenhause 2 mal die Ge¬ 
legenheit. Die Section bestätigte die schliesslich gestellte 
Carcinomdiagnose. Die differentielle Diagnose erscheint 
dadurch mitunter erheblich erschwert. Als seltenste 
Ursache wären noch die Varicen der Magen wand zu nennen, 
welche imVerlauf derLebercirrhose entstehen können. Aus 
meinerErfahrung liegt keine derartige Beobachtung vor, 
obschon Lebercirrhose bei uns zu den häufigeren Organ¬ 
erkrankungen gehört. Nur einmal erinnere ich mich an 
der Leiche einen allerdings zum Bersten reifen Varix ge¬ 
sehen zu haben. 

Bekanntlich können profuse Magenblutungen bei Infec- 
tionskrankheiten, beim Morb. maculosus, der Phosphor¬ 
vergiftung, acuter gelber Leberatrophie, Septicaemie etc. 
Vorkommen. Diese symptomatischen resp. secundären 


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68 


Gastrorhagien seien aber von unserer Betrachtung aus¬ 
geschlossen. Um so grössere Beachtung verdient dagegen 
folgender Fall einer seltenen Entstehungsursache der 
profusen tödtlichen Magenblutung. 

Er betrifft ein Mädchen von 23 Jahren, welches stets gesund 
gewesen war, in specie nie au Blutungen, ausser der normalen 
menstrualen gelitten hatte. Eltern leben, Vater brustleidend, 
Mutter und Geschwister gesund. Die Kranke trat am dritten 
Krankheitstage, den 2. Jan. 1887 ins Krankenhaus ein. Sie war 
vor 3 Tagen Abends mit Uebelkeit und Erbrechen dunkeln, 
rothen Blutes erkrankt, ohne Schmerzen. Die Haematemesis 
wiederholte sich am folgenden Tage. Auch per rectum hatten 
sich zu Hause schwarze, theils noch roth gefärbte Massen ent¬ 
leert. Sie hatte starken Durst, Schwindel und Ohnmachtsgefühl 
empfunden. Am 3. Tage, dem Tage des Eintritts ins Kran¬ 
kenhaus fand ich an der sonst gesundeu und kräftigen Kranken 
die Zeichen höchster Anämie. Im Uebrigen negativer Befund, 
ins besondere keinerlei Zeichen einer Blutung aus Mund, Nasen¬ 
oder Rachenhöhle. Reg. epigastrica etwas druckempfindlich. 
P. 133, schwach. Resp. 28. Temp. 37,9. An diesem Tage wieder 
heftiges Bluterbrechen, kein Stuhl. Am 3. Jan. kein Erbrechen, 
aber Uebelkeit, Schmerzen im Magen und Rücken. Temp. 38,0. 
Am 4. Jan. Morgens wieder Bluterbrechen, Stuhl reichlich und 
blutig. Temp. 37,1 und 37.2. Am 5. Jan. endlich Erbrechen 
schwarzer Massen, Abends Gollaps, Tod. Temp. 37,8:38,6 

Dass in diesem Fall das Blut nicht blos aus dem Magen 
stammte, sondern eine Magenblutung im engeren Sinne vorlag, 
konnte keinem Zweifel unterliegen. Als Quelle derselben wurde 
ein latentes Ulcus ventric. angenommen. Doch ergab die Section 
(Dr. Krannhals) als einzigen patholog. anat. Befund einige 
Erosionen der Magenschleimhaut in der Nähe des Pylorus und 
der kleinen Curvatur. Bei Injection der Art. coron. ventr. sup. 
d. trat keine Flüssigkeit durch die erodirten Stellen der Mucosa. 

Ueber einen ganz gleichen Fall, beobachtet von Krables 
in Greifswald, berichtet Harttung in seiner oben erwähn¬ 
ten Arbeit. 

Diese beiden Fälle scheinen mir in zwiefacher Hinsicht 
beachtenswerth. Erstens sind sie wohl geeignet die Be¬ 
deutung einer wahrgenommenen Blutung für die Diagnose 
eines Ulcus ventr. erheblich einzuschränken. Es kommt 
in fraglichen Fällen auch die Erosion oder einfache ca- 
pilläre Magenblutung in Betracht, mehr jedenfalls, als 
wir bisher diesen Vorgängen einzuräumen gewohnt waren. 
Es ist höchst wahrscheinlich, dass dieses Ereigniss, eine 
profuse capilläre Magenblutung sonst gesunder, insbeson¬ 
dere weiblicher Individuen nicht so selten vorkommt. 
Wenn wir nur alle Fälle von Haematemesis unserer 
Beobachtung, in welchen die Diagnose eines Ulcus ventr. 
gestellt wurde, nochmals einer Prüfung auf Grund obiger 
Thatsachen unterzögen, so würde sich vielleicht für viele 
die Annahme einer Erosion als berechtigt und die Unzu¬ 
lässigkeit der Ulcusdiagnose ergeben. 

Aber die Thatsache so profuser Magenblutungen trotz 
geringfügiger Magenläsionen scheint auch für unsere 
Frage nach der traumatischen Chlorose insofern wichtig, 
als sie die Bedeutung dieser capillären Magenblutung erst 
so recht ad oculos demonstrirt. Die Section, der patho¬ 
logisch-anatomische Befund belehrt uns darüber, was 
sonst, auf blos klinische Erfahrung hin, zweifelhaft bliebe; 
jene liefern den unanfechtbaren ^Beweis des Zusammen¬ 
hangs zwischen Anämien und capillären Blutungen. Das 
wird uns um so eher geneigt machen, auch für eine 
grosse Zahl der chronischen Anämien, für die Chlorosen, 
capilläre Magenblutung als Ursache anzuerkennen und 
damit Hoesslin in seiner Auffassung von der Chlorose 
im Princip Recht zu geben. 

Wieviel die Praxis von einer solcheu veränderten Stel¬ 
lung vortheilen kann und wird, muss die Erfahrung lehren. 
Dass sie, weil auf klarere und sichrere Principien gestellt, 
von Nutzen sein wird, dürfen wir hoffen. 


Referate. 

Prof. E. Sonnenburg. Weitere Mittheilungen über die 
chirurgische Behandlung der Lungencavernen. Deut, 
med. Wochensch. J'ß 6. 

Seit seinem Berichte über 4 von ihm chirurgisch behandelte 
Lungenkranke mit Cavernen (siehe Referat in der St. Petersb. 


med. Wochenschr. J'fe 3. 1891) hat Verf. noch einen, also im ganzen 
5 Patienten operirt. Von diesen befinden sich 3 in Heilung, 
einer ist „so gnt wie geheilt“. Gerade das Lungengewebe ist 
nach der&Meinung des Verf. sehr geeignet die nach der Ein¬ 
führung des Tuberculins entstehenden Keactionen sichtbar zu 
machen. Das erste auffällige Symptom nach der Operation ist 
eine relativ schnell vor sich gehende Vergrösserung aer Caverne. 
Nachdem durch das Glüheisen die Wand der Höhle durchge¬ 
brannt ist, zeigt sich zunächst eine mit schmierigem Inhalte 
angefüllte Caverne von etwa Haselnussgrösse oder weit grösser. 
Sobald man jetzt mit den Injectionen beginnt, vergrössert sich, 
die Höhle immer mehr und mehr, das kranke Gewebe der Wan¬ 
dungen schmilzt ein, es vereinigen sich die Ausbuchtungen der 
Caverne mit der in der Mitte gelegenen Höhle. Das Secret der 
um das 2—3 fache vergrösserten Caverne wird eitrig. Die Wan¬ 
dungen reinigen sich allmälig, es schwinden die käsigen Pröpfe, 
die Färbung geht alle Nüancen von grau, rosa bis roth durch 
und auf diese Weise wandelt sich die bisher schmie¬ 
rige Höhle in eine gesund aussehende Granulations¬ 
höhle um. 

Durch einen Controlversuch konnte sich Prof. Sounenburg 
überzeugen, dass ohne Anwendung des Tuberculins die geöffnete 
Caverne nicht das eben beschriebene Aussehen anninnnt: weder 
findet die geschilderte allmälige Vergrösserung der Caverne, 
noch die Reinigung derselben statt. — Mit der zunehmenden 
Schrumpfung und Verkleinerung der Cavernen, nahm auch die 
besonders im Anfänge starke Secretion ab und verlor den eitri¬ 
gen Charakter, — sie wurde mehr schleimig; auch die im An¬ 
fänge reichlich vorhandenen Bacillen des Sputums verschwanden. 
So war z. B. am 20. Januar bei einem Kranken der Auswurf 
reichlich, schleimig-eiterig, nicht geballt, leicht abgehend, keine 
Tuberkelbacillen enthaltend. Erst im sedimentirten Auswurf 
wurden spärliche Bacillen gefunden, darunter dicke, kurze, in 
Häufchen liegende. Auch dieser Befund zeigt eine auffallende 
Besserung nach der Operation: Das Allgemeinbefinden ist ein 
ausgezeichnetes, Schlaf und Appetit gut, Gewichtszunahme über 
4 Pfund. Prof. Sonnen bürg hebt hervor, dass er weder in 
der Umgebung der Cavernen, noch in der Wunde das Auftreten 
müiarer Knötchen bemerkt nabe. 

Eine genaue Indicationsstellung für die chirurgische Behand¬ 
lung der Lungencavernen hält Verf. noch nicht für möglich, 
bevor nicht weitere. Erfahrungen gesammelt seien. Vorläufig 
ist er der Meinung, dass man aas Koch’sche Verfahren mit der 
chirurgischen Behandlung nur in solchen Fällen anwenden soll, 
wo die Patienten noch einen verhältnissmässig guten KÖrper- 
zustand aufweisen, und bei denen die Erkrankung der Lunge 
sich auf einen bestimmten Theil zu beschränken seneint. Auch 
die Grösse der Caverne wird bestimmend sein. Abel mann. 

Richet: Injectionen von Hundeblutserum gegen Lungen- 
tuberculose. — Verhandlungen der Soci6te de biologic 
zu Paris 24. Januar 1891. 

Richet beschäftigte sich im vorigen Jahre mit Injectionen 
von Reincultnren des Staphylokokkus pyosepticus bei Kaninchen 
und Hunden. Erstere gingen ausnahmslos nach derartigen In¬ 
jectionen zu Grunde. Letztere aber erwiesen sich diesem Bak¬ 
terium gegenüber refraetär. Es zeigte sich ferner, dass Ka¬ 
ninchen, denen unter aseptischen Cautelen Hundeblut in die 
Peritonealhöhle eingebracht worden war, der Injection wider¬ 
standen, während die Controlthiere in 48 Stunden zu Grunde 
gingen. Diese Beobachtung führte Richet auf die Vennuthung, 
dass die Injection des Blutes von einem gegen Tuberculose 
refraetären Thiere bei empfänglichen Thieren gleichfalls eine 
Verminderung der Empfänglichkeit dieser Krankheit gegenüber 
erzeugen könnte. Es wurden nun 10 Kaninchen mit intraperi- 
tonealen Injectionen von Hundeblut behandelt und dann mit 
Reinculturcn von Tuberkelbacillen inficirt; bei 10 anderen Ka¬ 
ninchen wurden nur Injectionen von Tuberkclbacillenculturen 
vorgenommen. Nach 3 Monaten constatirte Richet, dass die 
Thiere der ersten Reihe an Körpergewicht zugenommen hatten 
und gut gediehen, während die anderen bis zum Skelett abge¬ 
magert erschienen, einzelne gingen sogar an Tuberculose zu 
Grunde. Nach 6 Monaten waren die Thiere beider Reihen tuber- 
culös. Jedenfalls war durch die nur einmal vorgenommene in¬ 
traperitoneale Impfling die Entwickelung der Tuberculose hinaus¬ 
geschoben worden. Gestützt auf diese Erfahrung versuchte nun 
Richet die gewonnenen Kenntnisse für die Therapie der Tuber¬ 
culose beim Menschen zu verwerthen. 

Zur Iniection verwendet er das in kleinen zugeschmolzenen 
Glasphiolen aufbewahrte, unter aseptischen Cautelen direct aus 
der Arterie aufgefangene Blutserum von Hunden. Alle 3—4 Tage 
wurden subcutane Injectionen von 1—2 Ccm. vorgenommen. Nie 
wurden dabei irgend welche Nebenerscheinungen beobachtet. 
Bei 4 nach dieser Methode behandelten Fällen zeigte sich eine 
Besserung sowohl der Lungen als der Kehlkopfaffection, auch 
die subjectiven Symptome wurden gemässigt. Richet glaubt 
annehmen zu müssen, dass das Hundeblutserum gewisse Stoffe 
enthalte, welche in den Geweben der Tuberculösen abgelagert, 
die Entwickelung der Tuberkelbacillen hindern. — Bertin 


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(Professor in Nantes) und Picq (Thierarzt in Nantes) haben vor 
kurzem 3 tuberculösen Kindern frisches Ziegenblut in das sub- 
cutane Zellgewebe injicirt, von der Erfahrung ausgehend, dass die 
Ziege gegen Tuberculose immun ist. In Paris sind mit derselben 
Heilmethode von Herard und Filleau Versuche angestellt 
worden an einem 17jährigen jungen Manne und an einer 30jäh¬ 
rigen Frau. Bei beiden soll unmittelbar nach der Einspritzung 
(am Oberschenkel ausgeführt) ein Temperaturabfall von mehreren 
Graden erfolgt sein, die Nachtschweisse aufgehört haben, der 
Auswurf sich eingestellt und das allgemeine Befinden sich ge¬ 
hoben haben. Abelmann. 


H. Büchner. Ueber eiterungerregende Stoffe in der 
Bakterienzelle (nach Mittheilungen in der morpho¬ 
logisch-physiologischen Gesellschaft zu München am 
6 Mai und 8 Juli 1890). Centralblatt f. Bakteriol. und 
Parasitenk. Bd. VIII. 11. 


Während bisher gemeiniglich die Stoffwechselproducte der 
Bakterien für dasjenige Moment gehalten wurden, welches direct 
die Eiterbildung hervorruft, unterliegt es nunmehr nach den Un¬ 
tersuchungen von H. Büchner kaum noch einem Zweifel, „dass 
es die Albuminate der (Bakterien-)Zelle sind, welche eitererre¬ 
gend wirken“. 

Bereits in einer früheren Arbeit (Centralbl. f. Bakteriol. Bd. VII. 

1) hat Verf. die Beobachtung mitgetheilt, dass der Pneumo- 
baciilus von Friedländer seine pyogene Wirkung auch dann 
noch äussert, wenn er durch hohe Temperatur abgetödtet und 
getrennt von seinen Stoffwechselproducten subcutan injicirt wird, 
während die Stoffwechselproducte desselben ebenso wie sterile 
Aufschwemmungen fein vertheilter, mechanisch reizender Substan¬ 
zen sich als wirkungslos erweisen. 

In der vorliegenden Arbeit hat nun Verf. zunächst dasselbe 
Experiment mit 17 zum Theil für völlig harmlos geltenden Bak¬ 
terienarten ausgeführt und ist, trotz der chemischen und biolo¬ 
gischen Verschiedenheiten derselben doch stets zu dem gleichen 
Resultate gelangt, wie bei dem Pneumobacillus. Wenn schon 
diese Thatsache den Verf. dazu berechtigte, in den Albuminaten 
des Bakterienplasma die wirksame Substanz zu erkennen, so 
wurde er darin noch mehr bestärkt, als er fand, dass die ba¬ 
sischen Anilinfarben (in specie Methylviolett), welche bekannt¬ 
lich mit dem Bakterienplasma chemische Verbindungen eingehen, 
die pyogene Wirkung der abgetödteten Bakterien aufheben. 

Verf. ging nun noch einen Schritt weiter, indem er den be¬ 
treffenden Eiweisskörper rein darzustellen versuchte. Es gelang 
ihm dieses beim Pneumobacillus nach dem von Nencki für 
Mykoproteln eingeschlagenen Verfahren und er erhielt einen 
dem Anthraxproteln (v. Nencki und Dyrmond) nahestehen¬ 
den Stoff, welchem er den Namen „Pneumobacillenprotein“ 
beilegte. Die Voraussetzung des Verfassers bestätigend erwies 
sich derselbe als geeignet, ebenso wie die Zelle selbst, eine 
aseptische Eiterung zu erzeugen. 

Zum Schluss spricht Verfasser folgende Ansicht aus: Während 
die experimentelle Extraction des pyogenen Albuminates aus 
der Zelle wegen der resistenten Beschaffenheit der Zellmembran 
einen complicirten chemischen Gang erfordert, wird im leben¬ 
den Gewebe das Albuminat offenbar bei dem Zugrundegehen, 
der Involution der Bakterien allmälig von selbst ausgeschieden. 
„Der bisher unberücksichtigt gebliebene Vorgang des Absterbens 
der Bakterien in den Geweben erscheint demnach von grosser 
Bedeutung für die Erklärung der pathologischen Vorgänge“. 

Wladimiroff. 


N. Reichmann (Warschau): Oesophagitis exfoliativa. 

(D. med. Wocb. 1890 46.) 

Verf. wurde von einem 33 Jahre alten Herrn consultirt, wel¬ 
cher seit 10 Jahren leichte Beschwerden von Seiten des Oeso¬ 
phagus hatte: beim Essen von Fleisch trat plötzlicher totaler 
Verschluss des Oesophagus ein, indem ein Bissen im unteren 
Theil der Speiseröhre stecken blieb. Nach 5 Tagen völliger 
Nahrungsenthaltung wurde eine ca. 100 Cm. grosse Membran 
herausgewürgt, ohne dass dadurch das Passagehinderniss elimi- 
nirt worden wäre. Am folgenden Tage stiess Verf. das Hinder¬ 
niss vermittelst einer Richet’schen Sonde in den Magen hinab 
und konnten jetzt dauernd flüssige und feste Substanzen genos¬ 
sen werden. Nach einigen Tagen entleerte Pat. mit den Faeces 
eine der obigen ähnliche Membran. Nur die erste Membran 
wurde genauer untersucht und bestand dieselbe ausschliesslich 
aus mehreren Schichten von Plattenepithel. Die Zellen waren 
in verschiedenem Grade verhornt, was durch die Blasko’sche 
Färbemethode nachgewiesen werden konnte, und unterschieden 
sich kaum von der normalen Oesophagusauskleidung. Hinsicht¬ 
lich der Grösse der Membran spricht verf. die Vermuthung aus, 
dass zugleich mit einer Hyperproduction von Zellen viel¬ 
leicht auch eine festere Kittsuhstanz oder eine abnorm grosse 
Menge derselben gebildet wurde. Diese Membranbildung, weiche 
häufig in der Vagina und Urethra zur Beobachtung gelangt, 
führt verf.auf einen katarrhalisch entzündlichenProcess zurück 
und weist darauf hin, dass vor ihm auch schon ein ähnlicher 
Fall von Birch-Hirschfeld unter dein Namen pseudo-croupöse 


Entzündung' beschrieben worden, jedoch seien hier die äusseren 
Epithelschichten stark mit runden Zellen infiltrirt gewesen. Verf. 
schlägt die Bezeichnung Oesophagitis exfoliativa vor. Das Zu¬ 
standekommen des totalen Oesophagusverschlusses wird erklärt 
durch das Zwischentreten des Bissens zwischen die an ihrem 
oberen Theil gelöste Membran und die Oesophagusschleimhaut^ 
wodurch auch die Entleerung des einen Membrantheiles per os ihre 
Erklärung findet. — Kusik. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 

Karl Hochsinger. Die Auscultation des kindlichen Herzens. 

Wien. Moritz Perles, 1890. 

Verfasser hat sich der Mühe unterzogen in einer umfangreichen 
Abhandlung die Eigentümlichkeiten der Auscultation aes kind¬ 
lichen Herzens zusammenzustellen und seine eigenen, ganz neuen 
Gesichtspunkte zu begründen. Zunächst schildert er die Be¬ 
funde bei der Auscultation des Herzens normaler und kranker 
Kinder der ersten 4 Lebensjahre. Wir erfahren dabei, dass 
der systolische Ton bei kleinen Kindern überall den diastolischen 
überwiegt, also auch an den arteriellen Ostien. Die durch Endo¬ 
karditis erworbenen Herzgeräusche sind bei Kindern unter 5 
Jahren immer systolisch — es ist fast stets nur die Mitralis er¬ 
krankt. Eingehender befasst sich Verf mit den accidentellen 
Geräuschen und den Fortleitungsverhältnissen der Geräusche. 
Bei Kindern bis zur 2. Hälfte des 4. Lebensjahres sollen die acci¬ 
dentellen Geräusche gar nicht Vorkommen; deshalb sei in die¬ 
sen Jahren die Differentialdiagnose zwischen organischen und 
accidentellen Geräuschen sehr leicht. Verf. bespricht ausführ¬ 
lich die infantüe Endokarditis, ihre Beziehung zu den verschie¬ 
denen Infectionskrankheiten. In den lezten 5 Capiteln werden 
die angeborenen Herzkrankheiten beschrieben und sehr aus¬ 
führlich die Differentialdiagnose zwischen den einzelnen Formen 
besprochen. Somit bietet dieses Werk äusserst werthvolle Bei¬ 
träge' zur Diagnostik der Herzkrankheiten bei Kindern und 
kann deshalb den Pädiatern sehr empfohlen werden. 

Abelmann. 


Auszug aus den Protokollen 

der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. 

1155. Sitzung am 19. December 1890. 

Anwesend 51 ordontl. Mitglieder und 15 Gäste. 

1. Die Abtheilungsvorstände am allg. Krankenhause 
Drr. Max Schmidt, Bergmann und Hampeln berichten in 
Kürze über die Erfahrungen welche sie mit Kochs antitu- 
berculösem Mittel gemacht. — Wenn auch die am hiesigen 
Orte gemachten Erfahrungen mit den anderorts gemachten im We¬ 
sentlichen übereinstimmen, so ist doch hervorzuheben, dass Drr. 
Bergmann und Hampeln berichteten, wohl allgemeine, nicht 
aber locale Reaction bei Nebenhodentuberculose Beobachtet zu 
haben, und dass Dr. Bergmann durch einmalige Injection von 
10 Milligr. in einem Fall von Fungus des Handgelenks, sowie 
in einem zweiten Fall von Diaphysenerkrankung des Femur 
mit Production von käsigem Eiter weder allgemeine noch locale 
Reaction erzielte. 

Ferner hat sich an 2 uncomplicirten Fällen von Lepra her¬ 
ausgestellt, dass Dosen von 15 Milligr. keinerlei Beeinflussung 
dieser Krankheit hervorriefen — im Gegensatz zu Kaposi’s An¬ 
gaben, der sowohl allgemeine wie locale Reaction, wenn auch 
durchaus nicht in erwünschtem Sinne, beobachtete. — Nachdem 
Dr. Hampeln den diagnostischen Werth einer positiven Reaction 
hervorgehoben und Dr. Bergmann referirt, wie ihn das Ausblei¬ 
ben der Reaction in einem Falle, den er für Tuberculose des 
Urogenitalsystems gehalten, zu der richtigen Diagnose einer 
luetischen Affection geführt, erwähnt Dr. Deubner im Hinblick 
auf Dr. Bergmanns nicht reagirende Fälle, dass Fräntzel von 
einem notorisch Tuberculösen berichtet habe, der erst auf 4—5 
Centigr. reagirte. 

2. Dr. A. Bergmann hält seinen angekündigten Vortrag: 
„Zur Pathologie und Therapie der katarrhalischen 
Erkrankungen der Nase und ihrer Nebenhöhlen“.— 
Vortr. weist darauf hin, dass das Capitel der Nasenkrankheiteu 
ein wichtiges, vielfach jedoch noch uuausgebautes sei. That- 
sachen wie das Vorkommen von Pneumoniekokken im Secret 
katarrhalisch erkrankter Nebenhöhlen, Communication der 
Lymphgefässe der Nasen-Rachenschleimhaut mit den subduralen 
und a. in. seien in ihrer allendlichen Tragweite noch nicht ab¬ 
zusehen. 

Vortr. giebt eine kurze Schilderung des anatomischen Baues 
der Nasenhöhle, demonstrirt am Präparat die Nebenhöhlen der 
Nase und ihre Einmündungsstellen in den mittleren Nasengang 
und schliesst hieran die Beschreibung des Nasen-Rachenraums 
mit der Pharynxtonsille und der sogen. Thornwald’schen Bursa. 
Die Katarrherkrankungen der Nasenschleimhaut, wie sie in ihrer 
chronischen Form ungemein häufig (in einzelnen Ländern wie 
Amerika z. B. fast allgemein) Vorkommen, bespricht Vortr. in 


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ihren beiden Hauptgruppen: dem Schwellungskatarrh, dessen 
besondere Eigentümlichkeit in einer Hyperplasie des aaenoiden 
Gewebes der Schleimhaut, in einer Hypersecretion ihrer Drüsen 
besteht — und dem sog. trockenen Katarrh, dessen vorwiegendes 
Charakteristicum die Epithelmetaplasie ist die Umwandlung des 
Cylinderepithels der Nase in Plattenepitnel, die soweit gehen 
könne, dass die Schleimhaut einen epidermoidaleu Charakter 
aunehme. Je weiter sich dieser leztere Process entwickele, desto 
häutiger sei damit ein specifischer Geruch des auf der trockenen 
Schleimhaut stagnirenden und eintrocknenden Secrets — die sog. 
Ozaena — verbunden. Vortr. glaubt constatiren zu können, dass 
der sog. trockene Katarrh nicht blos ein Endstadiura der ersten 
Gruppe darstelle, sondern will ihm in einer Anzahl von Fällen 

S rimäre Bedeutung gewahrt wissen. Namentlich um die Zeit 
er Influenzaepidemie ist es Vort aufgefallen, wie häutig er 
diese ForraFdes Katarrhs auf Schleimhäuten gefunden, die keine 
Andeutung einer längerenKatarrherkrankung aufzuweisen gehabt. 
Endlich trete dieser Katarrh acut mit Fieber, allgemeinem Krank¬ 
heitsgefühl, der Empfindung schmerzhafter Trockenheit namentlich 
im Rhinophaxvnx auf. 

Was die Therapie anbetreffe, so sei der Schwellungskatarrh 
mit Jodglycerinpiuselungen, Chromsäureätzungen, Galvanokaustik 
zu behandeln, während der trockene Katarrh eine durchaus milde 
Behandlung: Spülung mit schwachen Soda-Salz-Glycerinlösungeu, 
Emser-Wasser etc. erheische. — Vort. bespricht dann noch die 
Hack’schen Reflexneurosen, welche von den sog. Schwellkörpern 
der Nase ausgelöst werden, und weist darauf hin, dass in der¬ 
artigen Fällen es sich stets um eine katarrhalische Erkrankung 
der Nase handle und dass nach der jetzt herrschenden Ansicht 
die Reflexe von einem meist besonders prädisponirten Gebiet 
ausgelöst werden. — Vortr. hat folgenden interessanten Fall be¬ 
obachtet: Pat, 30jähriger Mann, Prediger, leidet an Schwellungs¬ 
katarrh der Nase (besonders untere Muschel). Bei starken 
stimmlichen Anstrengungen iu der kalten Kirche, im Freien, 
bemerkt Pat. ein successives „Festwerden“ der Nase, zuerst 
rechts, dann links; dann fange Pat. rechts am Rippenrande zu 
schwitzen an und gehe der Schweissausbruch über den ganzen 
Körper, worauf es dazwischen zum Ausbruch eines Ausschlages 
komme, der rechts zuerst auftrete. Vortr. konnte dieses Exan¬ 
them selbst constatiren: es war ein beide Regiones hypochon- 
driacae einnehmender und auf den Bauch sich ausbreitender 
Herpes.—Pat., ein kräftiger Mann, ist sonst nie krank gewesen.— 
Localbehandlung befreite Pat. von seinen Beschwerden. 

In Betreff der Nebenhöhlen bespricht Vortr. die operative 
Eröffnung derselben und deraonstnrt zum Schluss die Durch¬ 
leuchtung der Highmors- und Stirnbeinhöhle. — tAutorreferat). 
3. lnternum. Heerwagen. 


Bericht über die wissenschaftliche Thätigkeit des 
Vereins St. Petersburger Aerzte für 1890. 

Während des Jahres 1890 hielt der Verein 16 wissenschaft¬ 
liche Sitzungen ab, in welchen von 26 Mitgliedern und 3 Gästen 
51 wissenschaftliche Mittheilungen gemacht, 15 Patienten vor¬ 
gestellt und zahlreiche Präparate, Instrumente und Apparate 
demonstrirt wurden. 

Die Vorträge und Mittheilungen vertheilen sich folgender- 
maasseu auf die einzelnen Disciplinen: 


Innere Xedioin. 

Beckmann: Fall von Morbus maculosus Werlhotii mit tödt- 
lichem Ausgang (13/xi). 

Frantzen: Abguss des Trachealbaumes von einem Falle von 
Diphtheritis des Larynx und der Trachea (6/iu). 

Kernig: Mittheilungen über die Influenza-Epidemie in Ber- 

Derselbe: Fall von Ulcus pepticum ventriculi (6/m). 

Kernig, Anders und Westphalen: Mittheilung eines Krank¬ 
heitsfalles nebst patholog. anatom. Befund (Diagnose unentschie¬ 
den). (6/ii). 

Moritz: 2 Fälle von gastrischem Infectionstieber mit Exanthem 
und rheumatoiden Schmerzen (10/iv). 

Derselbe: Zur Behandlung pleuritischer Exsudate (16/x). 

Nissen: Ueber den Einfluss der Alkalien auf die Galle und 
ihre therapeutische Bedeutung (11/xn). 

Peudin: Fall von Aneurysma der Aorta ascendens (20/m). 

v. Rentein: Die Behandlung der Lungentuberculose mit Ku- 
myss und Kreosot im Curorte Poguljanka (10/iv). 

Scbomacker: Ueber die Anwendung des Koch’schen Heil¬ 
mittels gegen Tuberculose in den Berliner Kliniken (27/xi). 

Westphalen und Selenkow: Fall von Atrophie der Magen¬ 
schleimhaut, verbunden mit motorischer Iusufficienz der Magen- 
musculatur — Gastroenterostomie (20/m). 

Westphalen: Ueber Kopfschmerzen bei gastrischen Störun- 
geu (18/ix). 

Chirurgie. 

Anders: Fall vou septico-pyämischer Erkrankung (Osteo¬ 
myelitis?) (24/i v) 

Derselbe: Fall von Osteomyelitis des Os humeri (2/x). 


Dombrowsky: Enchondrom des Unterkiefers (10/iv). 

Derselbe: Ueber Aktinomykose des Menschen (6/u). 

Derselbe: Fall von Osteomyelitis des Os ilei (6/u). 

Hagen-Torn: Ueber Chloroformnarkose und Chloroform¬ 
tod (6/iu). 

Derselbe: 2 Fälle von angeborener Luxation des unteren 
Endes der Fibula (30/x). 

Mobitz: Ein mit keilförmiger Excision der Fusswurzelknochen 
operirter Pes equinovarus (20/n). 

Peterseu: Anwendung der Anilinfarbstoffe (Pyoktanin und 
Auramin) als Antimykotica (8/v). 

v. Schroeder: Fall von Chloroformtod (16/x). 

Selenkow: Fall von Hirnabsccss infolge von Caries des Fel¬ 
senbeins (2/x). 

Tiling: Fall von Chloroformtod (23/i). 

Derselbe: 2 Fälle von Herniotomie mit nachfolgenden Lungeu- 
erscheinungen (23/1). 

Derselbe: Resection des Hüftgelenks (23/i). 

Derselbe: Arthrektomie des Kniegelenks (23/i). 

Zmigrodsky: Fall von schwerer Pyaemie (eigene Krank¬ 
heitsgeschichte) (2/x). 

Oehurtihilfe und Frauenheilkunde. 

Bidder: Hydrosalpinx (23/i). 

Derselbe: Umwandlung einer Scheitellage in eine Gesichts¬ 
lage mittelst der Zange (23/i). 

Dobbert: Ueber partielle Nekrose des Uterus und der Va¬ 
gina (10/iv). 

Dombrowsky: Dermoidcyste des Ovariums, ein knöchernes 
Gebilde enthaltend (10/iv). 

Derselbe: Adenocarcinom des Uterus (10/iv). 

Frantzen: Operation eines Ovarialcystoms (mit Hochlagerung 
nach Trendelenburg) (30/x). 

v. Grünewaldt: Zur Casuistik des Cystadenoma proliferum 
ovarii (6/m). 

v. Renteln: Operation eines intraligamentären Fibromyoma 
uteri (nach Fritsch) (11/xu). 

Wiedemann: Myomotomie (nach Fritsch) wegen Fibro¬ 
myoma uteri, complicirt durch eine Ovarialcyste (24/rv). 

Kinderheilkunde, Kinderernährung. 

Lunin: Ueber Intubation bei acuter Larynxstenose (16/x). 

Hörschelmann: Das Ammen- und Kinderasyl des Grafen 
Kuschelew-Besborodko (30/x). 

Derselbe: Ueber die gesetzlichen Bestimmungen, betreffend 
das Ammenwesen (27/xi). 

Schomacker: Ein modificirter Milch-Sterilisatidnsapparat 
nach Escherich (30/x). 


Hautkrankheiten und Syphilis. 

Masing: Sectionsbefund von einem Falle von Erythema no- 
dosum (30/x). 

Petersen: Fall von Pithyriasis rubra universalis (20/m). 

Derselbe: Gangraen der Glans penis. 

„ Gummöse Geschwüre der Glans penis. 

„ Gummöse Affection des Metacarpus. 

„ Gnmmöse Geschwüre des Gesichts. 

Derselbe: Fall von Lupus, mit dem Koch’schen Heilmittel 
behandelt (11/xu). 

Augenheilk u nde. 

Graf Magawly: Extraction eines Eisensplitters aus dem 
Glaskörper mittelst des Elektromagneten (16/'x). 

v. Schroeder: 3 Fälle von primärer, einseitiger, intracra- 
nieller traumatischer Abducenslänmung (18/ix). 

Fernere Vorträge. 

Biel: Ueber Antrophore (16/x). 

Martenson: Zur Geschichte des Mikroskops (23/i). 

Poehl: Ueber Spermin (24/iv). 

Längere Discussionen schlossen sich an die Mittheilungen von 
Kernig, Anders und Westphalen: Krankheitsfall nebst 
patholog. anatom. Befund (Diagnose unentschieden) und von 
Anders: Fall von septicopyämischer Erkrankung (Osteomyelitis), 
sowie an die Vorträge: von Hagen-Torn: „über Chloroform¬ 
narkose und Chloroformtod“ von Moritz: „über gastrisches In- 
fectionsfieber mit Exanthem und rheumatoiden Schmerzen“ und 
von Petersen: „über die Anilinfarbstoffe als Antimykotica“. 

Secretär: Dr. E. Blessig. 


Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

— Rovighi, über die Beweglichkeit der pleuritischen 
Exsudate. (Rivista clin. •/») 40 Fälle aus der Baccelli’- 
schen Klinik in Rom und Versuche an Leichen mit künstlicher 
Flüssigkeitsinjection. Entscheidung der Frage, ob durch ver¬ 
schiedenartige Lagerung des Kranken auch eine Lageverände- 
rung der enaopleuritischen Exsudate eintrete, in folgender Weise: 
1) die Beweglichkeit der pleuritischen Exsudate wird am besten 
durch consecutive Untersuchung des Kranken zuerst in sitzen¬ 
der, dann in Bauchlage constatirt. 2) Die serös-fibrinösen 


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Exsudate verändern leicht ihre Lagerung mit der des Körpers, 
a) wenn sie spärlich sind, b) wenn sie in mittelmässiger Menge 
keinen starken Druck auf aas Lungenparenchym ausüben. 3) Diese 
Beweglichkeit erleichtert die differentielle Diagnose zwischen 
einer Lungeninfiltration und einem Pleuraexsudat und zwischen 
freiem und abgesacktem Exsudat 4) Die serösen Exsudate ver¬ 
ändern schneller ihre Lage, als die serös-fibrinösen, diese Er¬ 
scheinung reicht aber nicht aus, um die verschiedene Natur der 
Flüssigkeit festzustellen, da die serös-fibrinösen Exsudate auch 
stark ihre Lage verändern können (D. M. Z. As 101.) 

— Rumpf bringt zur Diagnose vonLungencavernen die 
Methode des sogen, inspiratorischen Scnallhöhenwech- 
sels in Vorschlag; diesen erzeugt man dadurch, dass während 
der einen Inspiration bei geschlossenem Munde und geschlos¬ 
sener Nase, während der folgenden Inspiration bei geöffnetem 
Munde mit vorgestreckter Zunge und geöffneter Nase percutirt 
wird und umgekehrt. Der hierbei entstehende Schallwechsel 
dürfte ein ebenso sicheres Cavernensymptom sein, wie der Wint- 
rich’sche, Gerhardt’sche undFriedreich’sche Schallwechsel 

(Berl. klin. W. & 44. 1890.) 

— Freund empfiehlt das Ichthyol zur Behandlung von 
Schrunden der Brustwarze, und zwar strich er Ichthyol- 
zink nach vorangegangener Abwaschung der Schrunden auf die 
wunden Stellen, welche bei dieser Behandlung in 2—5 Tagen 
heilten. Vor dem Anlegen des Kindes muss jedesmal die dicke, 
schwärzliche Ichthyolzinkdecke mit Wasser abgewaschen werden. 

(Berl. klin. W. 45. 1890.) 

—- ImSept. 1888 machte Schnirer die zuiällige Entdeckung, 
dass das Spülwasser von Weintrauben, welche bei einem Wiener 
Strassenhändler gekauft waren, unter allen erforderlichen Cau- 
telen in die Bauchhöhle von Meerschweinchen injicirt, bei letz¬ 
teren Tuberculose erzeugte. Die Versuchsanordnung lässt keinen 
Zweifel darüber aufkommen, dass die Tuberkelbacillen dem an 
den Weintrauben haftenden Strassenstaube entstammten. Auf 
Grund dieser Beobachtung warnt Schnirer vor dem Genuss 
ungereinigten Obstes und macht auf die Nothwendigkeit auf¬ 
merksam. die Untersuchungen Cornet’s über die Ubiquität der 
Tnberkelbacillen an bewohnten Orten mit etwas veränderter 
Versuchsanordnung fortzusetzen. (W. Med. Presse As 1.) 

— Odo Betz hat ein Instrument anfertigen lassen, welches 
den Gebrauch der Simon’sehen Specula ohne Assistenz er¬ 
möglicht. Der Apparat besteht aus einem federnden Ring, über 
welchen die in einer Büchse befestigten Platten geschoben wer¬ 
den, wodurch zugleich der offene Ring an einer Stelle geschlos¬ 
sen wird. Durch Zusammeudrücken werden die Platten einan¬ 
der genähert und im schrägen Durchmesser in die Vagina ein- 
gefünrt. Beim Loslassen weichen die Platten auseinander und 
gewähren freien Einblick in die Scheide. Der erweiternde Me¬ 
chanismus liegt ausserhalb des Gesichtsfeldes und hindert nicht 
bei vorzunehmenden Manipulationen. 

(Centralbl. f. Gvn. As 52.) 

— Aus Versuchen die G. Kelterborn an 18 Thieren ange¬ 

stellt ist zu ersehen, dass Epithelabschilferungen und Brand¬ 
schorfe des Peritoneum wie auch Ligaturen zu keiner Adhae- 
sionsbildung führen. Bei sonst normalem Peritoneum lässt sich 
dieselbe in den weitaus meisten Fällen auf Infection zurück¬ 
führen. (Centralbl. f. Gyn. Ai 51.) 


Vermischtes. 

— Wie verlautet, ist zum Director der hiesigen Maxi¬ 
milian-Heilanstalt an Stelle des verstorbenen Dr. Bartsch 
der wirkl. Staatsrath Dr. Arnheim (vom klinischen Elisabeth- 
Kinderhospital) ernannt worden. 

— Für den Lehrstuhl der Kinderkrankheiten an der Moskauer 
Universität ist als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Pro¬ 
fessor Tolski der Docent der genannten Universität Dr. N. 
F. Filatow zum ausserordentlichen Professor gewählt worden. 

— Zum Oberarzt des Marien-Magdalenen-Hosnitals ist der 
ältere Ordinator des städtischen Alexander-Baracken-Hospitals. 
Dr. S. W. Posadski gewählt worden. 

— Dr. Claude du Bois-Reymond, ein Sohn des berühmten 
Berliner Physiologen, hat sich als Privatdocent für Augenheil¬ 
kunde an der Berliner Universität habilitirt 

— Verstorben: 1) In Staraja Toida (Gouv. Woronesh) der Land¬ 
schaftsarzt P. N eher. 2) In Kamenez Podolsk der Oberarzt des 
Kosakenregiments Peter Merzalow an Phthisis. 3) In Chotin 
der Landschaftsarzt E. N. Mich ne witsch, 28 J. alt., welcher 
sich einige Tage nach seiner Hochzeit erschossen hat. 

— Behufs Ersparung der umständlichen Verdünnungen der 

Kochschen Lymphe hat die Kadesche Oranienapotheke 
in Berlin eine einfache Dispensationsmethode er¬ 
sonnen. Es werden nämlich die einzelnen Dosen in der ent¬ 
sprechenden Verdünnung (von 1 Mgrm. bis zu 1 Decigramm auf¬ 
steigend) in Glasröhrchen eingescnmolzen und die Spitze des 
Behälters unmittelbar vor dem Gebrauch mit einem kleinen Metall¬ 
rohr abgebrochen. (Pharm. Ztg.) 


— Der militär-medicinischen Acadeinie hat dieWittwe 

des verst. Prof, der Academie D. Kaschlakow die aus über 
2000 Bänden bestehendemedicinische Bibliothek des Verstorbenen 
zum Geschenk gemacht. Die Bibliothek enthält u. A. gegen 
600 Werke über verschiedene Zweige der medicinischen Wissen¬ 
schaft und gegen 900 Doctor-Dissertationen in verschiedenen 
Sprachen. v 

In Moskau sind seit Ueberführung der Mannschaft des Convoi- 
commandos aus der Kaserne (in der Nähe des Centraltransport¬ 
gefängnisses) nach der Krutizkischen Kaserne keine neuen Er¬ 
krankungen an Flecktyphus mehr vorgekommen. Von den 
60 Erkrankten (cfr. unseren Bericht in der vorigen As) sind 11 
bereits gestorben. 

— Der X. Congress für innere Medicin findet vom 6. 
bis 9. April d. J. n. St. zu Wiesbaden unter dem Vorsitz Prof. 
Lcyden's (Berlin) statt. Zur Verhandlung kommen folgende 
Hauptthemata: Montag, den 6. April: Die Gallenstein- 
krank heit en. Referenten: Naunyn (Strassburg) und Für¬ 
bringer (Berlin). 

Dienstag, den 7. April: Das Koch’sche Heilverfahren 
bei Lungentuberculose und anderen inneren tuberculösen Er¬ 
krankungen. 

Mittwoch, den 8. April: Angina pectoris. Referenten: 
A. Fränkel (Berlin) und 0. Vierordt (Heidelberg). 

Ausserdem ist eine ganze Reihe interessanter Vorträge an¬ 
gemeldet. 

Mit dem Congresse ist eine Ausstellung neuer ärztlicher Ap¬ 
parate, Instrumente, Präparate u. s. w. verbunden. Anmeldungen 
rar dieselbe sind an den Secretär des Congresses, Dr. Emil 
Pfeiffer, Wiesbaden, Friedrichstrasse, zu richten. 

— Die Gesammtzahl der Kranken in deuCivilhospi- 
tülern St. Petersburgs betrug am 9. Februar d. J. 7022(56 
mehr als in der Vorwoche); darunter 564 Typhus — (7 weniger), 
646 Syphilis—(18 weniger), 152 Scharlach—(7 mehr), 25 Diph¬ 
therie — (13 mehr,) 9 Masern — (2 weniger) und 48 Pocken¬ 
kranke (3 weniger als in der Vorwoche). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 3. Februar bis 9. Februar 1891. 


Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: § o 


i2,2oSeS«8e«eao3e3eSeSe3 


M. W. Sa. ■» 2 10 2 

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302 269 571 138 35 88 13 


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8 20 64 53 50 44 35 16 


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s § 

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00 ^ 
7 0 


2) nach den Todesursachen: 

— Typli. exanth. 1, Tvph. abd. 12, Febris recurrens 5, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 11, Masern 2, Scharlach 
17, Diphtherie 13, Croup 4, Keuchhusten 2, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 30, Erysipelas 4, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 1, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 1, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und Septicaemie 4, Tii- 
berculosc der Lungeu 110, Tuberculose anderer Organe 6, Alko¬ 
holismus und Delirium tremens 2, Lebensschwäche und Atrophia 
infantum 44, Marasmus senilis 14, Krankheiten des Verdauungs¬ 
canals 56, Todtgeborene 27. 


1. (Baden bei Wien) erfreut sich jetzt auch einer Winter- 
Cur, dank seiner eminenten Schwefelquellen. Cureinrichtungcn 
und herrlichen waldreichen Umgebung. Diese Curstadt besitzt 
das köstliche Trinkwasser der Alpen-Hochquellenleitung, was 
von grosser hygienischer Bedeutung ist. Baden bei Wien wird 
seit Jahren von russischen Gästen mit Vorliebe frequentirt 

(Wiener Curzeitung Hygiea). 

2. (B i 1 i n e r Q u e 11 e). Der Biliner Sauerbrunn 

in Böhmen schreitet in Versendung nach Russland des 
Brunnens, sowie der „Biliner P a s t i 11 e s digestives“ 
mächtig vorwärts. Die russischen Aerzte haben eben gefunden, 
dass dieses vortreffliche Wasser sowohl, als auch die aus dem¬ 
selben gewonnenen „Pastilles digestives“, in der Privatpraxis 
wie auf der Klinik seit langer Zeit mit guten Erfolgen angewendet 
werden (Wiener Curzeitung Hygiea). 


9C Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 5. März 1891. 

8V Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. März 1891, 


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ANNONCEN JEDER ABT werden in der Buchhandlung von CABL BICKEB in St. Peters¬ 
burg, Newsky-Pr. A? 14, sowie in allen in- und ausländischen Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Verlas von FEBEINANI) ENKE in Stuttgart 


Soeben erschienen: 


Bilder 

für 

Stereoscopische Uebungen 

zum 

Gebrauch für Schielende 

von 

Dr. C. Dahlfeld. 

Zwanzig lithographische Tafeln, 
ln Enveloppe. kl. 8. M. 4.— 

Ueber den Einfluss des Alkohols 

auf den Organismus des Kindes 

von 

Professor Dr. R. Demme. 

8. geh. M. 2. 40. 

Experimentelle Studien 
auf dem Gebiete der 

GEDANKENÜBERTRAGUNG 

und des 

sogenannten Hellsehens 

von 

Charles Bichet. 

Professor der Physiologie an der medicinischen Fakultät in Paris. 

Autorisierte deutsche Ausgabe 

von 

Dr. Albert Freiherrn vcn Sehrenok-Notzing. 

prakt, Arzt in München. 

Mit 91 Abbildungen in) Text. 8. geh. M. 6 — 


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den strahligen Pilz der Actinomycose, Un¬ 
tersuchung der Faeces auf thier. Para¬ 
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Aobii. ueaa. Cn6. 22 ßeBpaxa 1891 r. 


Herausgeber: Jh\ Th. v. Schröder. Buchdruckerei von A. L. Ebermann, Baskoff Per. As 4. 


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XVI. JAHRGANG. 


ST. PETERSBURGER 


Neue Folge VIII. Jalirg. 


HEIMISCHE WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaction von 

Prof. Br. Karl Behio. ' Br. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Br. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden \ 
Sonnabend. — Der AbonnomentepreiB ist in Bauland 8 Rbl. für das ' 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der InsertioMprei« ! 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfeun. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


StT" Abonnements-Aufträge sowie alle Znierate “W 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Bieter in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect Je 14, zu richten. — Manuscripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Sohröder in 
St.Petersburg, Malaja Italjanskaja .\s 33, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 


M9 


St. Petersburg, 2. (14.) März 


1891 


Inhalt R. Kobert: lieber den jetzigen Stand der Eisenftage. — N. P. Krawkow: lieber die qualitative Zusammensetzung 
des Harns und der Epidermis bei Psoriasis universalis. — Referate: 0. Liebreich: Die Wirkung der cantharidinsaurcu Salze. 
Eine pharmakologische Mittheilung. — P. Scharff (Stettin): Eine Impfung des Trichophyton auf den Menschen. — William 
Macoweu: lieber Heilung von Aneurysmen durch Erzeugung von weissen Thromben im Innern des Sacks. — Sokolowitsch: 
Ueber die larvirte Form von Lungentuberculose. — Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. — Ver¬ 
mischtes. — Yacanz. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


lieber den jetzigen Stand der Eisenfrage. 

Vortrag gehalten in der wissenschaftlichen Sitzuug der mcd. 

Facultät zu Dorpat am 30. Jan. 1891. 

Von 

R. Kober t. 

I. Wie wird das Eisen beim normalen Menschen 
aufgenommenV Diese Frage ist zu verschiedenen Zeiten 
verschieden beantwortet worden. Jahrzehnte lang hat man 
geglaubt, dass nicht nur das in fast allen Nahrungsmit¬ 
teln in complicirter organischer Bindung enthaltene Eisen 
in den Kreislauf überginge, sondern dass auch beliebige 
Eisenpraeparate der Apotheke (metallisches Fe, Oxydsalze, 
Oxydulsalze, einfache metallorganische Verbindungen) direct 
auftiahmefähig wären. Dieser Glaube ist aber ein nicht be¬ 
weisbarer; ja es ist durch Wöhler (1824), Vetter, Gelis 
(1841), Kletzinskv (1854), C. F. Müller (1882) und 
Andere die Aufnahmefähigkeit anorganischen Eisens direct 
als nicht vorhanden nachgewiesen. Auf indirectem Wege 
haben Kobert (1883) und Cahn (1884) diese schwierige 
Frage zu lösen gesucht, indem sie statt des Eisens das ihm 
chemisch so nahe stehende Mangan verwandten. Für 
dieses Metall liess sich mit grosser Sicherheit nachweisen, 
dass es selbst bei monatelanger Darreichung nicht aetzender 
Verbindungen bei Thieren nur in Spuren aufgenommen 
wird. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass beim 
Menschen aus anorganischen Verbindungen weder 
Eisen noch Mangan aufgenommen wird. 

Dass aus der Nahrung Eisen aufgenommen wird, beweist 
das wachsende Kind, dessen Eisengehalt jahrelang zunimmt. 
Was dies für Verbindungen sind, wissen wir erst durch 
Bunge, der wenigstens eine derselben, das sogenannte 
Haematogen des Eidotters 1885 analvsirte und sich dahin 
aussprach, dass wohl in vielen Nahrungsmitteln ähnliche 
Verbindungen enthalten seien. Dass das Haematogen direct 
in Blutfarbstoff übergehen kann, zeigt uns das bebrütete 
Hühnerei, in welchem wir Hand in Hand mit der Bildung 
won Haemoglobin das Haematogen schwinden sehen. Be¬ 
kanntlich kann man auch nach dem Auskriechen die 


Hühnchen noch wochenlang bei reiner Eidotternahrung 
sich normal weiter entwickeln sehen. Damit ist erwiesen, 
dass das Haematogen beim Hühnchen eine der Substanzen 
ist, welche aus der embryonalen und postembryonalen Nah¬ 
rung direct in die Körpersäfte übergehen und dort Hae¬ 
moglobin bilden. Diesen Uebergang auch für ein Säuge¬ 
thier zu beweisen ist soeben C. A. Socin, einem Schüler 
Bunge’s gelungen, der einen Hund mit Hühnereiern fütterte 
und dabei die Eisenausscheidung im Harn um mehr als 
1000 Procent ansteigen sah. Nach diesem Versuche kann 
es kaum noch zweifelhaft sein, dass auch beim nor¬ 
malen Menschen aus Hühnereiern Haematogen 
aufgenommen und in Haemoglobin umgewandelt 
werden kann. 

II. Wie verhält sich das Eisen zwischen Auf¬ 
nahme und Abgabe? Diese Frage ist namentlich durch 
zahlreiche Untersuchungen unseresJDorpater physiologi¬ 
schen Institutes neuerdings gefördert worden. Wir wissen, 
dass fortwährend rothe Blutkörperchen in der Leber und 
Milz eingeschmolzen werden und dass in letzterem Organ 
dabei eine farblose Eisenverbindung entsteht, welche sofort 
wieder zum Aufbau neuen Haemoglobins verwendet werden 
kann; ja wir können beide Processe sogar extra corpus 
im Reagenzglas verfolgen. Was aus der bei der Ein¬ 
schmelzung der rothen Blutkörperchen zum Zweck der 
Bildung von Gallensäuren und Gallenfarbstoffen in der Leber 
als Schlacke entstehenden Eisenverbindung wird, ist aber 
weder von Al. Schmidt und Dr. Krüger noch von dem 
auf gleichem Gebiete arbeitenden Dr. Stadelmann bis 
jetzt festgestellt worden. Nur soviel ist durch zahlreiche 
mikrochemische und andere Analysen nachgewiesen, dass 
die Leber bald nach Zugrundegehen zahlreicher Blut¬ 
körperchen in der Tliat auffallend eisenreich ist. Es läge 
sehr nahe anzunehmen, dass das überschüssige Eisen der 
Leber fortwährend durch die Galle abgeführt wird. Diese 
Annahme ist jedoch nicht mehr zulässig seit Hamburger 
nachgewiesen hat, dass die Eisenausscheidung durch 
die Galle äusserst minimal ist. 

III. Wie und wo wird das resorbirte Eisen beim 
normalen Thier und Menschen wieder abgegeben? 


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74 


Da die Ausscheidung durch die Galle so äusserst gering 
ist, müssen wir nach anderen Orten der Abscheidung suchen, 
von denen 3 zu unterscheiden sind. 

1) Ein gewisser wenn auch kleiner Theil des Eisens wird 
in der Milz, gelegentlich auch in der Leber als anorga¬ 
nisches oder kaum noch organisch gebundenes Eisen in 
unresorbirbarer Form für immer deponirt. N a s s e zeigte, 
dass z. B. in der Milz der Pferde dies beträchtliche 
Mengen betragen kann. 

2) Ein anderer Theil, und zwar der weitaus grösste, 
geht durch die Dannschleimhaut in den Koth über und 
zwar entweder in Form eines eisenhaltigen Secretes oder 
in Form von äusserst eisenreichen Epithelien. Carl 
Schmidt fand zuerst, dass die hungernde Katze bis zum 
Tode mit den Dannentleerungen reichlich Eisen abschei¬ 
det. Beim Menschen sind mir analoge Versuche nicht 
bekannt, obwohl solche am hungernden Cetti wohl hätten 
angestellt werden können. Spritzt man einem Thiere 
grössere Dosen von Eisen unter die Haut oder ins Blut 
in Gestalt nicht netzender und nicht coagulirender Ver¬ 
bindungen und tödtet das Thier nach 12—24 Stunden, 
so zeigt nach meinen Versuchen namentlich der Darm 
die Schwefelammoniumreaction des Eisens, so dass wir 
annehmen dürfen, dass auch dieses eingespritzte Eisen in 
bedeutenden Mengen durch den Darm zur Ausscheidung 
gelangt. Für das Mangan hat Cahn dasselbe Verhalten 
nachgewiesen. 

3) Der letzte und klinisch interessanteste Theil des 
Eisens der Organe verlässt den Körper des Menschen und 
der Säugethiere durch den Harn. Die Menge des im 
normalen Menschenham enthaltenen Eisens ist so gering, 
dass Bunge’s Schüler So ein geradezu den Satz aufstelit 
„Filtrirter Harn enthält bei gewöhnlicher Nahrung keine 
quantitativ bestimmbaren Eisenmengen“. Dieser Satz ist 
nach Untersuchungen, welche Herr stud. Damaskin mit 
unendlicher Sorgfalt seit 3 Semestern in meinem Institute 
angestellt hat, entschieden unrichtig. Der Harn des ge¬ 
sunden und kranken Menschen enthält vielmehr stets 
quantitativ bestimmbare Eisenmengen; aber die Analyse 
derselben erfordert die grösste Sorgfalt und ist überhaupt 
nur möglich, wenn der Ham literweis zur Verfügung steht. 
Die Menge des im 24-stündigen Harne enthaltenen Eisens 
ist bei gewöhnlicher täglich wechselnder Kost keine con- 
stante; sie schwankt vielmehr nach Damaskin und nach 
Herrn Kumberg, der ebenfalls in meinem Institute mit 
der Damaskin’schen Methode arbeitete, recht bedeutend, 
nämlich von 0,5 Mg. bis 1,1 Mg. Gottlieb hat neuer¬ 
dings unter E. Ludwig in Wien nach einer besonderen, 
von ihm genau beschriebenen Methode die Eisenmenge 
des Harns bei Eiseneinnahme in Form anorganischer 
Salze bestimmt und gefunden, dass eingegebene Eisen¬ 
salze die Eisenausscheidung durch den Harn auf Null 
herabsetzen. Herr Kumberg hat diese Versuche wie¬ 
derholt und ist zu einem ganz anderen Ergebniss ge¬ 
kommen: nach ihm ist die Einnahme anorganischer Ei¬ 
sensalze auf die Eisenausscheidung beim normalen Men¬ 
schen gänzlich ohne Einfluss. Von Paschkis ist in den 
letzten 2 Jahren gezeigt worden, dass man bei Anwen¬ 
dung geeigneter Vehikel von der äussern Haut des Men¬ 
schen aus Arsenik, Salicylsäure, Lithionsalze etc. zur Re¬ 
sorption bringen kann. Herr Kumberg hat unter Anwen¬ 
dung des von Paschkis besonders empfohlenen Vehikels 
Eisensalze in die menschliche Haut energisch eingerieben, 
konnte aber nicht die geringste Steigerung der Eisenaus¬ 
scheidung im Harn dadurch hervorrufen. Die vonSocin 
ausgesprochene oder wenigstens angedeutete Meinung, 
dass der Eisengehalt des Harnes lediglich auf morphoti- 
schen Elementen beruhe, konnte von Damaskin nicht 
bestätigt werden. Um die Frage zu lösen, ob das Schwan¬ 
ken der Eisenmenge des Harns vom Schwanken der Zu¬ 
sammensetzung der Nahrung abhängt, veranlasste ich Herrn 
Kumberg, eine Versuchsreihe bei constanter Diät aus- 


zuführeu. Es zeigte sich, dass dabei die Zahlen der 
Eisenausscheidung eine Gleichmässigkeit zeigen, wie man 
sie nicht schöner hätte erwarten können. Die Reihe war 
übrigens trotz täglicher Zufuhr von sechs Eiern eine 
fallende, so dass die Aufnahme von Eisen aus Eiern beim 
Menschen doch eine geringe genannt werden muss. Die 
Versuche Socin’s sind nämlich nicht am Menschen, son¬ 
dern am Hunde ausgeführt und zwar mit toxischen Dosen 
von Eidotter, so dass sie für die Verwerthung am Kranken¬ 
bett weniger brauchbar sind, als die von Kumberg. 
Eiseneinnahme in Form anorganischer Salze hatte auf 
die Eisenausscheidung Kumberg’s während der constan- 
ten Diät gar keine Einwirkung. Durch die Versuche 
Damaskins und Kumbergs, die in den Arbeiten des 
pharmakologischen Instituts (Bd. VII) zum Abdruck ge¬ 
langen, scheint mir entschieden zu sein, 1) dass der 
Menschenharn in der That coustant Eisen ent¬ 
hält; 2) dass dieses Eisen quantitativ bestimmbar 
ist; 3) dass es nicht nur von den morphotischen 
Elementen des Harns abhängt; 4) dass die Ein¬ 
nahme anorganischer Eisensalze und das Einreiben 
von Eisensalben die Eisenausscheidung im Harn 
weder vermehrt noch vermindert; 5) dass bei 
gleichmässiger Diät die Eisenausscheidung im 
Harn ebenfalls gleichmässig wird und also durch 
die Nahrung bedingt sein muss; 6) dass selbst 
bei 6 Eiern in der täglichen Nahrung die Eisen¬ 
menge, welche davon im Harn wiedererscheint, 
pro die nur Bruchtheile eines Milligrammes be¬ 
trägt. Herr Damaskin hat dann weiter auch noch die 
Form untersucht, in welcher das Eisen im Harn auftritt, 
und festgestellt, dass die Sonnenschein-Jeserich’sche 
Zerstörungsmethode mit Chlor in statu nascendi diese 
Verbindung nur äusserst langsam und unvollkommen zer¬ 
setzt. Wir dürfen daraus schliessen, dass das Eisen im 
Harn sich in einer äusserst resistenzfähigen organischen 
Verbindung befindet. 

Anmerkung. Bei vielen Thieren selbst der Wirbelthierreihc 
ist Aufnahme, Vertheilung und Ausscheidung des Eisens nach 
den Untersuchungen von Robert Schneider total verschieden 
von der beim Menschen und den höher stehenden Säugern 
So hat z. B. Stern die Knochen des Rindes absolut eisenfrei 
gefunden und Damaskin hat diesen Satz wenigstens für die 
compacte Substanz bestätigen können, während z. B. beim Sala¬ 
mander die Knochen, ja selbst die Zähne stark eisenhaltig sind. 
Man sei hier also mit Schlüssen vom niedern Thier auf 
den Menschen möglichst vorsichtig. 

IV. W T as wissen wir über die echte Bleichsucht? 
Wir wissen von ihr nach dem übereinstimmenden Ergeb¬ 
niss fast aller Forscher aller Länder: 1) dass sie mit be¬ 
deutender Farbstoffverarmung des Blutes sowie meist mit 
Verdauungsstörungen einhergeht und 2) dass sie durch 
massive Dosen vieler anorganischer Eisenpraeparate nicht 
selten geheilt wird. Diese Thatsache scheint auf den 
ersten Blick den Ergebnissen der Untersuchungen von 
Bunge etc. zu widersprechen, wonach anorganische Eisen- 
praeparate vom Dann nicht aufgenommen werden, falls sie 
nicht etwa aetzend wirken. Aber sie brauchen ja auch 
gar nicht aufgenommen zu werden. Es giebt vielmehr zur 
Erklärung ihrer Wirkung (ohne Resorption!) drei Theorien: 

1) Theorie von Bunge. B. nimmt an, dass bei 
den Chlorotischen eine abnorm starke Entwickelung von 
Schwefelwasserstoff im Darm vor sich geht, und dass 
dieser das Haematogen aller Nahrungsmittel schon vor 
der Resorption zerstört und als unresorbirbares Schwe¬ 
feleisen fällt. Dass Schwefelwasserstoff aus alkalischer 
Lösung das Haematogen rasch niederreisst und zerstört, 
lässt sich im Reagenzglas leicht darthun. Giebt man nun 
anorganische Eisensalze in grossen Dosen ein, so werden 
diese vom Schwefelwasserstoff niedergeschlagen und der 
Schwefelwasserstoff selbst dabei gebunden, so dass er 
auf nachgegebenes Haematogen nicht mehr zerstörend 
einwirken und dessen Resorption nicht mehr hindern kann. 


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75 


2) Theorie von Landwehr. Dieser Forscher glaubt 
im Darm der Chlorotischen eine abnorm reichliche Mu- 
cinbildung annehmen zu dürfen. Dieses Mucin über¬ 
ziehe in dicker Schicht die Schleimhaut und lasse nur 
leicht resorbirbare Stoffe zur Resorption gelangen, wäh¬ 
rend das schwer resorbirbare Eisen der Nahrung so gut 
wie gar nicht zur Aufsaugung gelange. Giebt man nun 
anorganische Eisenverbindungen ein, so bilden diese mit 
dem gummiarabicumartigen Mucin Mucineisen, welches eine 
festere Masse ist, die nicht mehr an den Darmwandungen 
so zähe anhaftet, sondern per anum abgeht und dadurch 
die Resorption des nachher gegebenen Haematogens der 
Nahrung erleichtert. 

3) Theorie der Pharmakologen, insonderheit des 
Verfassers. Alle Metalle in Form anorganischer Salze 
gegeben, reizen und röthen die Darmschleimhaut. Die 
Dannschleimhaut der Chlorotischen ist ohne Arzneimittel 
so blutarm, dass sie das Resorptionsgeschäft nur für 
leicht resorbirbare Substanzen prompt ausführt, für das 
schwer resorbirbare Nahrungseisen aber sehr ungenügend 
leistungsfähig ist. Giebt man nun irgend ein Metall in 
Form anorganischer oder wenigstens unresorbirbarer Salze, 
so wird durch diese die Schleimhaut gereizt und geröthet 
und dadurch resorptionsfähiger für das nachrückende 
Haematogen der Nahrung. Ob wir Eisensalze oder, was 
jetzt beliebt ist, Mangansalze geben oder ein Gemisch 
von Eisen und Mangan, ist an sich gleich; nur wirkt 
das Mangan nach Kobert schwächer reizend auf die Dann¬ 
schleimhaut als das Eisen. 

Diese 3 Theorien von G. Bunge, Landwehr und 
Kobert ergänzen sich gegenseitig, so dass viel¬ 
leicht an jeder derselben etwas Wahres ist. Je¬ 
denfalls zeigen dieselben, dass die anorganischen Eisen¬ 
salze bei der Chlorose, trotzdem sie nach allen drei 
Theorien nicht resorbirt zu werden brauchen, dennoch als 
Arzneimittel das leisten, was wir von ihnen verlangen. 

Es fragt sich jetzt nur noch, ob wir durch Eingeben 
der anorganischen Eisenverbindungen nicht unter Um¬ 
ständen auch schaden können. Und dies ist ein Punct, 
der allgemeinere Beachtung verdiente. Hösslin hat näm¬ 
lich durch genaue Kothuntersuchungen der Chlorotischen 
feststellen können, dass bei ihnen nicht selten Darm¬ 
blutungen stattfinden und will daraus sogar die Genese 
unserer Krankheit herleiten. Mir scheinen diese Blutun¬ 
gen mehr etwas Secundäres zu sein, denn eine sehr 
anämische Darmschleimhaut bekommt sehr leicht blutende 
Ulcera. Geben wir also in einem solchen Falle noch 
ätzende Metallsalze, wie Ferrum sulfuricum, so besteht 
die Gefahr, dass wir die Ulcerationen durch unsere 
Mediation noch vennehren oder gar sie erst dadurch 
hervorrufen. In solchen Fällen würden also die etwas 
milderen Albuminat- und PeptonatVerbindungen des 
Eisens oder Mangans zu wählen sein; oder man lässt 
die Metalle ganz beiseite und giebt Amara (z. B. Cetra- 
rin ä 0 , 1 ), von denen Herr stud. Kannn ! ) nachgewiesen 
hat, dass sie den Darm hyperämisch machen und zu Be¬ 
wegungen anregen, und die schon seit Alters bei Chlorose 
ebenfalls beliebt sind. Ob die von einigen Seiten empfoh¬ 
lenen Blutklystiere nicht mehr schaden als nützen, 
scheint mir noch nicht ausgemacht zu sein. 

Eine in letzter Zeit in Aufnahme gekommene viel be¬ 
sprochene Behandlungsmethode der Chlorose, welche fast 
homöopathisch klingt, besteht in Aderlässen. Sollte 
sich dieselbe wirklich als nützlich erweisen, so würde man 
annehmen dürfen, dass im Blute der Patientinnen ein 
Giftstoff circulirt, welcher die Neubildung von Blutfarb¬ 
stoff hindert oder den bereits gebildeten wieder zersetzt, 
also etwa ähnlich, nur weniger giftig wirkt als Schwefel¬ 
wasserstoff. Die Entstehung eines solchen Stoffes ist, da 
die Patientinnen fast stets an Darmstörungen leiden, sehr 

l ) Histor. Studien aus dem pharmakol. Inst, zu Dorpat hsgbn. 
von R. Kobert. Bd. II, 1890, p. 91. 


wohl denkbar; ein eigentliches Ptomatin brauchte es 
nicht einmal zu sein. Ist dieser Stoff wirklich vorhanden, 
so wird durch einen Aderlass das Blut davon einiger- 
maassen befreit und kann’ nun neugebildet werden, bis 
der Giftstoff sich von Neuem angehäuft hat. 

Die von einigen Autoren behauptete Alkalescenz- 
erhöhung des Blutes der Chlorotischen besteht in Wirk¬ 
lichkeit nicht; die Alkalescenz ist vielmehr eher vermin¬ 
dert als erhöht. 

Die von Virchow früher einmal entdeckte abnorme 
Enge des Arteriensystems trifft für die meisten Fälle 
von Chlorose nicht zu; höchstens scheint das Gefäss- 
system enger der ungenügenden Füllung wegen. 

Alles in Allem dürfen wir wohl sagen, dass der Stand- 
punct der Eisenfrage jetzt ein befriedigenderer ist, als 
er noch vor wenigen Jahren war. Wenn Kliniker, Pharma¬ 
kologen, Pathologen und physiol. Chemiker Hand in Hand 
so weiter arbeiten wie bisher, dürften wir bald nicht mehr 
im Finstern tappen sondern klar wissen, um was es sich 
z. B. bei der Chlorose handelt und wie ihr sicher und 
ohne Gefahr abzuhelfen ist. 


Ueber die qualitative Zusammensetzung des Harns 
und der Epidermis bei Psoriasis universalis. 

(Aus der dermatologischen Klinik des Prof. A. G. Polotebnow). 

Von 

N. P. Krawko w. 

Bis jetzt fehlen der experimentellen Physiologie und 
Pathologie zur Beurtheilung der Bedeutung der Haut in 
der Oekonomie des Organismus klinische Thatsachen und 
hat sich diese Disciplin eigentlich nur mit den körper¬ 
lichen Veränderungen bei solchen Störungen beschäftigt, 
welche mit selbständigen Erkrankungen der Haut wenig 
Gemeinsames haben, so z. B. Fimissungen der Haut, 
Verbrennungen u. a.; die hierbei erhaltenen Resultate 
stimmen ausserdem nicht immer mit den klinischen That¬ 
sachen überein. Die recht selten zu beobachtende Psoriasis 
universalis ') dient als vorzügliches Paradigma einer func- 
tionellen Störung fast der ganzen Hautoberfläche und 
kann deshalb die klinische Beobachtung derartiger Er¬ 
krankungen der Physiologie und Pathologie der Haut 
werthvolle Hinweise liefern. Ohne die Aetiologie dieser 
Affectionen, welche Prof. A. G. Polotebnow zu den 
nervösen zählt, zu berühren, muss ich bemerken, dass 
das augenfälligste Symptom bei der Psoriasis universalis 
die äusserst gesteigerte Production und Desquamation 
der Hornschicht der Haut in Form von Schuppen dar¬ 
stellt, wodurch der Organismus des betreffenden Kranken 
unter solche Bedingungen gestellt wird, dass er ganz un¬ 
productiv eine bedeutende Menge plastischen Materials 
verbraucht, welches zur Wiederherstellung seiner ver¬ 
brauchten Energie durchaus nothwendig ist. Eine solche 
Functionsstörung versetzt den Körper in ein ganz beson¬ 
deres Verhältniss zu äusseren Einflüssen und muss vor¬ 
zugsweise Lungen und Nieren in ihrer Eigenschaft als 
vicariirende Organe beeinflussen. Solche Thatsachen lassen, 
abgesehen von vielen andern Störungen im Organismus 
in Folge so ausgedehnter Erkrankung der Haut 2 ), a priori 
Anomalien des Stoffwechsels voraussetzen. Angaben be¬ 
züglich solcher Abweichungen des Stoffwechsels giebt es 
äusserst wenige, am meisten verdienen Beachtung die 
Untersuchungen Grammatschikow’s 3 ) über den Stoff- 

‘) Die Psoriasis nahm in meinem Falle die ganze Körper- 
obertläche ein, angetangen von der behaarten Kopfhaut bis zu 
den Füssen; freigeblieben waren nur Handteller und Sohlen. 
Der Kranke trat in die Klinik des Prof. Polotebnow am 17. 
September 1889 ein und verliess dieselbe, wesentlich gebessert 
am 5. April 1890; der Krankheitsprocess erreichte seine Höhe 
im Verlaufe von 2 Monaten. 

*) Prof. Polotebnow, Dermatologische Beobachtungen. Lief. 
I & U, 1886—1887. (Russisch). 

s ) Ibidem. 


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76 


Wechsel und die Assimilation des Stickstoffs bei Psoriasis, 
welcher zu dem Schlüsse gekommen ist, dass bei Gegen¬ 
wart dieses Exanthems die N-aufnahme fast ebenso gross 
sei, als bei Abwesenheit desselben (etwas mehr als 0,36%), 
der Stoffwechsel des Stickstoffs aber bedeutend herabge¬ 
setzt sei und zwar um 16,86%. Ich kann diesen Schluss¬ 
folgerungen nicht vollständig zustimmen, weil dieser Be¬ 
obachter bei seinen Versuchen die N-menge, welche durch 
die Abschuppung dem Körper verloren geht, unbeachtet 
gelassen hat, sie ist aber, wie wir sehen werden, nicht 
unbedeutend. Nach Quinqaud’s 4 ) Analysen enthalten die 
Schuppen bei derartigen Hauterkrankungen ein grosses 
Quantum N, von welchem nur ein unbedeutender Theil 
dem mit den Schuppen abgesonderten Harnstoff angehört, 
weshalb auch dieser Autor die Meinung ausspricht, dass 
eine solche systematische Verarmung an Stickstoff als 
Moment für die Erschöpfung des Organismus diene. 
Vidal und Raymond 5 ) bestätigen diese Angaben für 
die Dermatitis exfoliativa und weisen auf den vermehrten 
Harnstoffgehalt des Blutes hin; die Menge des Harnstoffes 
in den Schuppen soll nach diesen eine bedeutende sein. 

In Anbetracht dessen, dass die Frage von dem Stoff¬ 
wechsel bei der Psoriasis universalis sich noch in einem 
embryonalen Zustande befindet, unternahm ich, auf den 
Vorschlag des Prof. Polotebnow hin, Untersuchungen 
des Harns ;und der Schuppen bei dieser Affection. Mein 
Kranker konnte, theils wegen seiner ausnahmsweisen 
Stellung, theils seiner niedergedrückten Stimmung halber, 
nicht, experimenti causa, einer genau geregelten Diät 
unterworfen werden und musste ich mich deshalb auf 
die Harnanalyse beschränken. Kann auch diese kein 
sicheres Urtheil über die Grösse des Stoffwechsels bei 
einem Psoriatiker ermöglichen, so giebt mir doch die 
lange dauernde Untersuchung der Zusammensetzung des 
Harns ein Recht, die Abweichungen von der Norm und 
indirect den Stoffwechsel zu besprechen. 

Der Harnstoff wurde nach Liebig, die Sulfate nach Baso 
durch Wägung bestimmt und erhielt ich folgendes Resultat. 

undDat. Harnmenge. s l ,ec - Gew. Harnstoff. Phosphate. Sulfate. 


Oct. 6 

3520 

1,010 

28,00 

2,820 

1,4262 

7 

3120 

1,011 

30,70 

2,880 

1,1142 

8 

2600 

1,010 

28,88 

2,340 

0,9900 

9 

2400 

1,011 

30,00 

1,680 

0,8100 

10 

2680 

1,011 

29,48 

2,158 

0,8900 

11 

2860 

1,010 

31,46 

2,288 

1,1200 

12 

2780 

1,011 

30,58 

2,224 

0,9930 

13 

2800 

1,012 

28,00 

1,960 

0,8650 

14 

2520 

1,012 

27,72 

2,016 

1,0550 

15 

3400 

1,007 

30,60 

2,040 

0,9806 

16 

2280 

1,008 

25,08 

2,964 

0,8890 

17 

2820 

1,008 

25,38 

2,820 

0,6972 

18 

2940 

1,008 

26,46 

2,499 

0,6057 

19 

2340 

1,006 

24,57 

2,340 

0,7553 

20 

2500 

1,007 

27,50 

2,250 

1,0473 

21 

3500 

1,006 

28,00 

2,450 

1,1296 

22 

3600 

1,005 

25,20 

1,800 

1,1124 

23 

2600 

1,010 

20,80 

1,680 

1,3390 

24 

2100 

1,010 

19,95 

1,575 

1,3988 

26 

2320 

1,007 

23,20 

2,009 

1,2745 

27 

3260 

1,008 

24,45 

2,119 

1,1193 

28 

2840 

1,009 

21,30 

1,988 

1,1171 

30 

2100 

1,009 

21,00 

2,100 

0,9373 

31 

3040 

1,008 

18,24 

1,976 


Nov. 1 

3400 

1,008 

23,80 

2,550 

, 

2 

2940 

1,009 

20,58 

2,352 

_ 

3 

1480 

1,013 

22,32 

2,220 

_ 

4 

1660 

1,017 

24,90 

3,2377 

- -- 

20 

4700 

1,013 

— 

2,820 

0,7424 

21 

3060 

1,010 

— 

2,295 

1,2397 

22 

3280 

1,007 

— 

2,624 

1,1261 

Dec. 11 

3500 

1,003 

— 

1,225 

0,5770 

12 

2200 

1,003 

— 

0,880 


13 

5140 

1,002 

— 

0,515 

_ 

14 

4860 

1,004 

— 

1,455 

— 

4 ) Quinqaud, Note 

sur les 

pertes subies 

par l’oriranisme 

dans les 

affections cutanees effoliantes. Congr. intern. 

de der- 

matol. et syphilograph. tenu ii ] 
dr. H. Feufaud. Paris, 1890. 

Paris en 1889. 

CR publ 

1. par le 


b ) Cf. Quinqaud. 


Eiweiss konnte ich kein einziges Mal nachweisen, was 
die Ansicht Thibierge’s 6 ) bestätigt, dass das Vorkom¬ 
men von Albumin bei Psoriasis eine äusserst seltene Er¬ 
scheinung darstelle; die Harnmenge ist bedeutend grösser 
als normal, das specifische Gewicht sank bisweilen auf 
1,002, der Harn reagirte immer sauer. Die Menge des 
Harnstoffs ist im Mittel etwas geringer, als normal, was 
mit den Angaben von Vidal, Raymond und Quinqaud 
übereinstimmt; die Phosphate waren gleichfalls subnonual 
(nach Vogel beträgt die Norm 3,5) und fiel deren Menge 
auf 0,880 und selbst 0,515 Grm. pro die. Das über¬ 
haupt bei Psoriasis verringerte Quantum an Sulfaten im 
Ham zeigt ein interessantes Schwanken zwischen Ver¬ 
mehrung und Verminderung, welches in einem gewissen 
Verhältnisse zur Abschuppung und zwar in einem der¬ 
artigen steht, dass einer Verstärkung der Desquamation 
eine Verringerung der Sulfate entspricht und umgekehrt. 
Diese Erscheinung kann vielleicht dadurch erklärt werden, 
dass durch die Abschuppung ein bedeutendes Quantum 
Schwefel, der bekanntlich sehr reichlich im Keratin vor¬ 
handen ist, aus dem Organismus ausgeschieden und da¬ 
durch auch entsprechend die Schwefelmenge im Harn 
vermindert wird. 

Ich gehe jetzt zur Besprechung des Verlustes an Stick¬ 
stoff durch die abfallenden Schuppen über. 

Gesammelt wurden sie aus dem Bette des Kranken, 
sowie es auch Quinqaud gethan und betrugen täglich 
ungefähr 16,0 Grm. Um den N-gehalt der Schuppen zu 
bestimmen, wurden die Schuppen sorgfältig mittelst der 
Lupe von den unvermeidlichen Beimengungen ausgelesen 
und bis zu constantem Gewichte zuerst bei 50—60°, 
dann bei 120° C. getrocknet; sie enthielten deshalb viel 
weniger Wasser, als wie es Quinqaud beobachtet hatte 
(bei Psoriasis = 65,28 %). Die getrockneten Schuppen 
wurden mit rauchender H 2 SO 4 behandelt und ihr N-ge¬ 
halt nach Kjeldal-Borodin bestimmt, wobei sich ein 
Stickstoffgehalt von 12,809% der Trockensubstanz her¬ 
ausstellte; mithin verliert der Organismus des Psoriatikers 
auf diese Weise eine recht bedeutende Menge Stickstoffs. 

Es war mir von Interesse zu erfahren, ob bei der all¬ 
gemeinen Psoriasis sich echtes oder ein anomales Keratin 
bildet. Die histologischen Untersuchungen (Suchard, 
Sirski 7 ) haben vollkommenen Schwund des Stratum 
granulosum und des Eläidin’s bei Psoriasis nachgewiesen, 
was eine unvollkommene Verhornung beweist. Dieser 
Umstand bestärkte mich noch mehr in dem Vorsatze, 
die Eigenschaften des Keratins bei Psoriasis chemisch zu 
prüfen und wurden zu diesem Zwecke die sorgfältig mit 
der Pincette ausgesuchten Schuppen mit siedendem Wasser, 
schwacher HCl, siedendem Alkohol und Aether behandelt 
und bei 120°C. getrocknet, wobei sich der N-gehalt der 
resultirenden Substanz, die Keratin sein musste, auf 
17,35% der Trockensubstanz stellte. Zur Bestimmung 
des S-gehaltes der oben bezeichneten Substanz wurde 
diese mit Soda geschmolzen und der Schwefel aus BaScu 
bestimmt; seine Menge betrug 1,374%. Den grossen 
Unterschied dieser Substanz von andern bekannten Kera¬ 
tinen illustrirt am besten folgende Tabelle 8 ). 


22 

03 

U 

a 

o> 

tc 

3 1 

03 

*- D 

2” 0 

W S™ 

cd 

£ 




Stickstoff 25,01 
Schwefel 0,74 


20,85 

5,00 


21,75 

2,80 


22,51 

3,42 


19,49 

4,23 


zz z 

03 

.52 03 

21,97 

3,60 


J ä 

19,56 

2,22 


G. 2 

m 

03 V) 

Cm 

17,35 

1,374 


Hieraus folgt, dass die von mir untersuchte Substanz 
sich bedeutend von den bisher untersuchten Keratinen 
unterscheidet und sich den Eiweissstoffen nähert, welche 
15—18% N (z. B. Fibrin nach Maly 9 ) = 17,34 N, fast 

*) Citirt nach Polotebnow, dermatologische Untersuchungen 
1886-1887. 

7 ) Polotebnow x 1. c. 

8 ) Wurtz, Trait6 de chimie biologique. 

®) Ibidem. 


/ 


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77 


dieselbe Menge wie in meiner Substanz) enthalten. Hin¬ 
sichtlich des S-gehaltes ist ein ähnlicher Unterschied vor¬ 
handen, ausserdem unterscheiden sich die Psoriasisschuppen 
durch grössere Löslichkeit in schwachen Säuren, besonders 
in Salpetersäure. Die Schuppen quellen ein wenig in 
Wasser, stärker aber in Essigsäure auf, lösen sich leicht 
in schwachen alkalischen Lösungen (5% KHo) auf; bei 
Zusatz von Säuren zu solchen Lösungen entwickelt sich 
ein Geruch nach Schwefelwasserstoff, was auf die Anwe¬ 
senheit von S hinweist. Pepsin und Trypsin blieben im 
Verlaufe von 24 Stunden ohne Wirkung auf diese Sub¬ 
stanz. 

Auf Grund der eben angeführten chemischen und histo¬ 
logischen Daten muss ich schliessen, dass die Schuppen 
bei Psoriasis in Folge unvollkommener Verhornung der 
epidennoidalen Bildungen ihrer Zusammensetzung nach 
sich den Eiweisskörpern nähern, gleichzeitig aber auch 
bekannte Merkmale der Keratine aufweisen, weshalb es 
erlaubt sein mag, diese Zwischensubstanz als Kerato¬ 
alb um in zu bezeichnen. 


Referate. 

O. Liebreich. Die Wirkung der cantliaridinsauren Salze. 
Eine pharmakologische Mittheilung. Thcrap. Monats- 

Dcr Telegraph und die politischen Zeitungen haben uns von 
den durch Prof. Liebreich mittelst subcutaner Injectionen von 
cantharidinsaurem Kali erhaltenen glanzenden Resultaten bei 
Tuberculose berichtet und deshalb möge hier die Quintessenz 
des 8 Druckseiten langen Artikels mitgetheilt werden. Nachdem 
er die Nützlichkeit der von ihm vorgeschlagenen Methode, der 
sogen, chemischen Methode der pharmakologischen Untersu¬ 
chungen hervorgehoben, bei welcher jede Arzneimittelprüfung 
mit chemischen Operationen beginnen und ihr eine physiologische 
Prüfung folgen möge, worauf am Krankenbette die Richtigkeit 
der theoretischen Voraussetzungen geprüft werden sollten — eine 
Methode, nach welcher eine grosse Anzahl nützlicher Substanzen 
für die Therapie bereits gewonnen worden ist — geht L. auf die 
von Pelikan 1886 gemachte Entdeckung über, nach welcher 
Saponin, subcutan injicirt, bei Thiereu locale Anästhesie pro- 
ducirt und berichtet über eigene Versuche mit einer sehr grossen 
Anzalü ähnlich wirkender Körner, welche die Eigenschaft be¬ 
sitzen. locale Empfindungslosigkeit bei gleichzeitiger Schmerz¬ 
haftigkeit in der Nähe der injicirten Stelle hervorzurufen, wobei 
nur ein reinphysikalischer Vorgang als Wirkung angenom¬ 
men werden könne. Er bezeichnet aie Gruppe solcher Körper als 
Anästhetica dolorosa. Die Wirkung der Koch’schen In¬ 
jectionen, welche L. zuerst bei einer Form von Lupus beobachtete, 
rief in ihm die Vorstellung wach, dass dabei eine zur Gruppe 
der Acria gehörige Subtsanz wirke und wurde seine'Aufmerksam- 
keit auf das Cantharidin gelenkt. Ich übergehe hier die sehr 
interessanten historischen Daten über die Wirkungen des Can- 
tharidins. welche im Originale nachzulesen sind und hebe nur 
hervor, dass die tödtliche Wirkung grösstentheils auf die Neph¬ 
ritis bezogen worden ist, während die bei der Canthariden- 
vergiftung eintretende Beeinflussung der Athmungsorgane weniger 
berücksichtigt wurde. In den Nieren bewirkt das Mittel das 
Auftreten eines zelligen Exsudats, in den Lungen tritt eine, im 
Wesentlichen zellenfreie seröse Flüssigkeit aus, ohne Verän¬ 
derung des Blutdrucks und der Hcrzthfttigkeit, ohne Hyperämien 
und Extravasate, die seröse Flüssigkeit tritt eben ohne hyper- 
ämischen Vorgang aus. Diese Vorgänge sind nun freilich ex¬ 
perimentell nicht nachgewiesen, doch zwingt der pharmakody- 
namische Standpunkt zur Annahme einer eigenartigen Einwirkung 
der Canthariden auf die Capillaren, welche durch die eigen- 
thümüche, chemische Beschaffenheit des Körpers bedingt wird. 
Die spanischen Fliegen üben eine bisher nicht zu erklärende Wir¬ 
kung auf die Capillaren aus, so dass Serum ausgeschieden wird; die 
von den Mikroskopikern angegebenen Zellenexsudationen treten 
nur bei hochgradiger Vergiftung ein. Diese reizende Wirkung 
der Canthariden auf die Gefässwand muss, wenn diese sich in 
einem nicht mehr normalen Zustande befindet, eine grössere 
sein. Ein solcher Zustand wird nun durch Reize bacillärer oder 
anderer Natur hervorgebracht; dass minimale Mengen Mate¬ 
rials einen solchen 1 . Vorgang hervorrufen können, haben die Ko c Ir¬ 
schen Injectionen bewiesen. Es handelt sich also darum, mit 
dem Cantharidin einen Versuch anzustellen, um obige Hypothese 
experimentell nachzuweisen. Da die bisher benutzten Lösungen 
von 'Cantharidin bedeutende Unbequemlichkeit haben, so ge¬ 
brauchte L. folgende Lösungen von cantharidinsaurem Kali. Es 
werden 0,2 G. Cantharidin und 0,4 G. Kalihydrat genau abgewogen, 
in einem lOOOCcm. fassenden Messkolben mit etwa 20 Ccm. Wasser 
inv Wasserbade erwärmt, bis klare Lösung erfolgt, dann ganz 


allmälig unter fortwährendem Erwärmen beinahe bis zur Marke 
Wasser zugesetzt uud schliesslich nach dem Erkalten genau 
bis zur Marke nachgefüllt; dasselbe kann man mit 0,2 G. Can¬ 
tharidin und 0,3 G. Natronhydrat machen. Von dieser Lösung 
wird 1 Ccm. = 0,0002 cantharidins. Ka oder Na am Rücken 
unter den gebräuchlichen Cautelen für die Desinfection der 
Stichstelle und der Spritze injicirt, und allmälig die Gabe ge¬ 
steigert; die Stichstelle röthet sich nicht, es tritt kein Fieber 
ein, nur muss sorgfältig das Verhalten des Harns und des Stuhl¬ 
ganges beobachtet werden; tritt Brennen in der Harnröhre auf, 
so muss die Injection ausgesetzt und einige Tropfen Opiumtinctur 
gegeben werden. 

Die Versuche an Kranken, welche nächstens in extenso ver¬ 
öffentlicht werden, speciell bei Tuberculose des Kehlkopfs und 
catarrhalischer Anschwellung der Stimmbänder, hat die Richtigkeit 
obiger Hypothese bewiesen, die Geschwüre heilten rasch unter 
der in loco auftretenden Exsudation. L. meint, dass diese wohl 
den fixen Gewebszellen derartig Nahrung zuführt, dass normale 
Proliferation trotz der Anwesenheit von Bakterien oder durch 
Aufhebung der Schädlichkeit der Bakterien stattfindet, dass 
aber ausserdem nach den Untersuchungen von Büchner an 
Kaninchen und Hund und von Stern an Menschen das Blut¬ 
serum eine directe baktericide Wirkung ausübe. 

Die bis jetzt erhaltenen glänzenden Resultate bei Kehlkopf- 
tuberculose (in den Kliniken von Ewald, Hahn, B. Fränkel. Land¬ 
graf) fordern zu weitern Versuchen bei anderen Erkrankungen 
auf. Hinze. 

P. Scharff (Stettin). Eine Impfung des Trichophyton 
auf den Menschen (Monatshefte f. praktische Derma¬ 
tologie 1890. Band X As 12), 

Verf. hat den Versuch an sich selbst gemacht. 4 Tage nach 
der Impfung trat Röthe und darauf kleinste Papeln, die allmälig 
Bläschencharakter aunahmen. auf. Es entwickelte sich durch 
Aneinanderlagerung dieser Efnorescenzen eine markstückgrosse 
Platte, die allmälig im Centrum abblasste und sich peripher in 
Bogenlinien weiter fortpflanzte. Aus dem Centrum wurden Haut¬ 
stückchen bis auf das Fettgewebe hinein excidirt und mikro- 
skopirt. Der Befund war merkwürdiger Weise ein recht spär¬ 
licher. Es gelang nur wenige wirkliche Mycelien, die übrigens 
mit den blassgelblichen vielgestaltigen Figuren, welche geron¬ 
nenes Blut auf feinen Schnitten zeigt, grosse Aähnlichkeitbesassen, 
nachzuweisen. Isolirte Färbung der Pilzelemente ist mit keiner 
Färbemethode gelungen. Dieselben lagen erstens innerhalb der 
unteren Lage der Hornschicht und zweitens im unteren Theil 
der Haarbalgtrichter gleichfalls zwischen Hornzellen. Die Stachel¬ 
schicht der Oberfläche und des Haarbalgs war vollkommen frei. 
Die Haut zeigte die Symptome der chronischen Entzündung. 

Diese geringe Ausbeute erklärt Verf. damit, dass die Horn¬ 
schicht ein schlechter Nährboden für den Pilz ist, er bei der 
eintretenden Hyperämie etc. abstirbt und nur in den relativ ent¬ 
zündungsfreien peripheren Bezirken sich fortpflanzen kann, wo 
er dann immer wieder durch die eintretende Reaction ertödtet 
wird. Damit stimmt überein, dass die Reaction an der mit dichten 
Haaren besetzten Cutis der Kopfhaut eine nur geringe ist, daher 
auch dort der Pilz besser wuchern kann. Die künstliche Reizung 
und Entzündung, die als therapeutische Maassregel bereits em¬ 
pfohlen werde, kann daher nur rationell genannt werden. 

E. Krug (Hungerburg). 

William Macewen. Ueber Heilung von Aneurysmen 
durch Erzeugung von weissen Thromben im Innern 
des Sacks (The Lancet Ai 3508, November 1890). 

Für viele Fälle von Aneurysmen, namentlich an den Extre¬ 
mitäten, haben wir in der Unterbindung des Gefässes oberhalb 
des Aneurysma eine Methode, die wenig zu wünschen übrig lässt. 
Bei gewissen Getässerkrankungen dagegen ist diese Methode an 
den Extremitäten ebenso wenig anwendbar wie überhaupt bei 
intrathoracischen Aneurvsmen und Aneurysmen der Abdommala- 
orta In diesen letzten Fällen ist die Unterbindung des Gefässes 
unterhalb des Aneurysmas gefährlich und vor Allem unsicher. 
Dasselbe gilt von Hungercuren zum Zweck der Erzeugung von 
marantischer Thrombose im Aneurysma. Man hat daher versucht 
auf verschiedene Weise das Blut im Sack durch directe Einwir¬ 
kung zur Gerinnung zu bringen (Galvanopunctur, Acupunctur, 
Einführen von Rosshaar, Catgut etc. in den Sack). Wenn diese 
Versuche Erfolg haben, so resultirt ein den aneurysmatischen 
Sack ausfüllender rother Thrombus. Derselbe besteht aus einem 
Fibrinnetz, in das massenhaft rothe, wenig weisse Blutkörper¬ 
chen eingelagert sind; das Ganze ist reichlich mit Serum durch¬ 
tränkt. Durch Contraction des Fibrins wird das Serum ausge¬ 
resst, das Coagulum nimmt an Umfang bedeutend ab und sehr 
äufig stellt sich der Blutstrom wieder her, namentlich wenn die 
Wand des Aneurysma starr ist. Der rothe Thrombus geht dann 
noch weitere Veränderungen ein. Zuweilen, aber sehr selten 
wird er von Leukocyten durchsetzt, welche ihn absorbiren und, 
an seiner Stelle Bindegewebe produciren. Das ist der günstigste 
Fall. Meist unterliegt der Thrombus der rothen oder gelben Er¬ 
weichung. Die erstere birgt die Gefahr von Embolien, die letztere 


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78 


die Gefahr der Vereiterung und Beratung des Sackes und der 
einbolischen Pyämic. Ger Gefahr der Vereiterung kann man 
allerdings durch sorgfältige Antisepsis Vorbeugen. Fast sicher 
tritt die Erweichung des rotlien Thrombus ein, wenn der Blut¬ 
strom im Aneurysma nicht gehemmt werden kann, wie inner¬ 
halb des Thorax, an den untern Partien des Halses etc. Die 
Erzeugung eines rothen Thrombus ist also nur selten im Stande, 
ein Aneurvsma zur Heilung zu bringen. Wo dennoch Heilung zu 
Stande gekommen ist^ hat man bei späterer Untersuchung aller¬ 
meist einen weissen Thrombus gefunden und ihn sich als durch 
Organisation des ursprünglich rotlien entstanden gedacht. Mace- 
wen ist aber der Ueberzeugung, dass die weissen Thromben 
als solche entstehen. Sie sind viel stabiler als die rothen. Weisse 
Thromben entstehen auch bei ununterbrochenem Blutstrom an 
jeder Stelle, wo die Gefässwaud gereizt und von Endothel ent- 
blösst ist. Die ihn constituirenden Leukocyten stammen theils 
aus der Gefiisswand selbst (Vasa vasorum) theils aus dem Blut¬ 
strom. Ist der Proces« eingeleitet, so hat der weisse Thrombus 
die Neigung, sicli durch immer neue Apposition von Leukocyten 
zu vergrössern, zuweilen bis zum vollständigen Verschluss des 
Gefässes. Die Leukocyten wandeln sich bald in eine feingranu- 
lirte Masse um, die etwas schrumpft, aber bei weitem nicht so 
stark, wie die rothen Thromben. Eitriger Zerfall lässt sich durch 
Sauberkeit vermeiden. Der weisse Thrombus wird meist durch 
gefässhaltiges Bindegewebe ersetzt, indem die Gefässwaud zu¬ 
nächst von den Vasa vasorum aus mit Leukocyten durchsetzt 
wird, die dann in den Thrombus einwandern, sich in Fibroblasten 
und schliesslich in Bindegewebe umwandeln. Die Gefässe dieses 
Bindgewebes sind Fortsetzungen der Vasa vasorum. Dieses mit 
der Gefässwand verwachsene Bindegewebe, aber auch schon der 
noch nicht organisirte weisse Thrombus kann sich unter Um¬ 
ständen mit Endothel bedecken, so dass die Heilung unter gün¬ 
stigen Umständen ideal werden kann. Allerd ugs muss hervor¬ 
gehoben werden, dass die Bildung eines obturirenden weissen 
Thrombus in einem grösseren Aneurysma Monate beansprucht; 
ferner, dass bei Verkalkung der Wand des Aneurysma die Vas- 
cularisationdes den Thrombus ersetzenden Bindegewebes ausbleibt. 
Immerhin ist sicherlich ein weisser Thrombus viel besser geeig¬ 
net, ein Aneurysma dauernd zur Heilung zu bringen als ein 
rother. Für die Praxis ergiebt sich daraus die Forderung, mit 
Sicherheit einen oder mehrere weisse Thromben im Aneurysma 
zu erzeugen. Dieses kann man durch leichte Verletzungen der 
Gefässintima erreichen; nur muss die Verletzung natürlich nicht 
so stark sein, dass eine consecutive Erweichung der Gefässwand 
eintritt. Gleichmässig auf die ganze Innenfläche des Sacks ein¬ 
zuwirken ist nicht möglich. Daher muss mau durch multiple 
kleine Reize eine grössere Menge kleiner weisser Thromben er¬ 
zeugen, von denen ausschliesslich durch fortschreitende Apposi¬ 
tion und Organisation vollkommene Obliteration des Aneurvsmen- 
sacks erzielt wird. Die dazu von Macewen empfohlene Methode 
ist folgende. Nach sorgfältiger Desinfcction der Hautdecken 
wird eine möglichst feine lange Nadel in das Aneurysma gestossen 
und soweit vorgeschoben, dass sie die gegenüberliegende Wand 
des Sacks berührt. Sind die Wand des Sacks und die ihn be¬ 
deckenden Schichten dünn, so dass die Nadel leicht beweglich 
ist, so kann man es dem Blutstrom überlassen, die Nadelspitze 
hin und her zu bewegen und leichteste Verletzungen der Intima 
zu erzeugen. Sonst tnut man das, indem man immer möglichst 
vorsichtig manipulirt, mit der Hand. Hat man so etwa 10 Mi¬ 
nuten lang manipulirt, so richtet man die Spitze der Nadel, ohne 
letztere herauszuziehen, gegen einen andern Punct der Innen¬ 
fläche des Aneurysma, und verfährt hier wie bei dem ersten, 
und so fort bis mau möglichst die ganze Innenfläche ganz leicht 
eritzt hat. Je langsamer man verfährt um so sicherer scheint 
er Effect zu sein, doch soll in keinem Fall die Nadel länger als 
48 Stunden im Sack verweilen. Am besten umgiebt man sie 
während dieser Zeit mit einem antiseptischen Verband. Ist das 
Aneurysma sehr gross, so kann man in grossem Abständen meh¬ 
rere Nadeln gleichzeitig einführen. Oft kann man erst nach 
einigen Wochen eine deutliche Verdickung der Wand des Sacks 
coustatiren. Da die Organisation langsam vor sich geht, so ist 
eine Wiederholung der Operation nicht vor einigen W ochen vor- 
zunchmeii. Früher würde die Nadelspitze nur den leblosen 
Thrombus treffen und mithin keine Reaetiou bewirken. Ueber 
die Nadeln ist Folgendes zu bemerken. Sie müssen in verschie¬ 
denen Dicken vorräthig sein; man wählt jedesmal die dünnste, 
die noch im Stande ist, die Aneurysmenwand zu durchdringen. 
Die Nadeln sind rund (cylindrisch) und enden einerseits in eine 
feine Spitze, andrerseits in einen kleinen Knopf. Endlich müs¬ 
sen sie möglichst glatt polirt sein. Bevor man die Operation 
untern mint muss auch der kleinste Entzündungsherd, Ohrenci- 
terungen, Furunkel und dergl. beim Patienten beseitigt werden. 
Zum Schluss folgen 4 genaue äusserst interessante Krankenge¬ 
schichten, die wir in Kürze mittheilen wollen. 

Fall I. 42-jähriger Ingenieur. Aortenaneurysma, welches das 
steriiale Ende der rechten Clavicula nach vorn und die Trachea 
nach links verdrängte. Heftige dyspnoische Anfälle, Heiserkeit, 
neuralgische Schmerzen im rechten Arm. Operation in 7 Sit¬ 
zungen (in Intervallen von einigen Tagen). Deutliche Consoli- 
dation des Sacks. Nach c. 1 Monat ging Pat. während eines 


dyspnoischen Anfalls schnell zu Grunde. Obductiou: Seitliche 
Compression der Trachea. Arrosion des Stammes und der Wir¬ 
belsäule durch das Aneurysma. Letzteres erstreckt sich von der 
Schilddrüse bis zum Abgang der Anonyma von der Aorta, */* 
des Sacks von geschichteten festen weissen Thromben ausgefüllt 
die am dicksten sind, wo die Nadelspitze eingewirkt hatT dün¬ 
ner an den Einstichstellen, fehlend an einer versteckten Stelle, 
wohin die Nadel nicht gelangen konnte. 

Fall II. Allgemeine Atheromatose. kleines Aneurvsma der 
linken Femoralis, ein grösseres von 5 Zoll Länge und Breite am 
obern Ende der rechten Femoralis und untern Ende der Iliaca 
externa. Operation des rechtsseitigen Aneurvsma in einer Sit¬ 
zung (2 Stunden). Nach 15 Tagen an Stelle des Aneurysma ein 
solider, nicht pulsirender Tumor. Pat. steht auf und arbeitet. 
13 Monate später Tod durch Zungencarcinom. Obduction: 
Das kleine nicht operirte Aneurysma links mit einem lockern 
rothen (marantischen) Thrombus hur zum Theil gefüllt. Rechts 
ein aus gefässhaltigem Bindegewebe bestehender 2 Zoll langer 
und s 4 Zoll breiter solider Knoten, unterhalb desselben die 
Femoralis thrombosirt. 

Fall III. Locomotivführer. Aneurysma des obern Theils der 
Aorta abdominalis, das den Magen nach unten drängt und an 
die Bauchdecken heranreicht. Pat. arbeitsunfähig Operation 
in 3 Sitzungen innerhalb eines Monats. Bedeutende subjective 
und objective Besserung; so dass Pat. zur Fortsetzung der Cur 
nicht zu bereden war und seine schwere Arbeit wieder aufuahm. 
2\/i J.ihre später noch bestes Wohlbefinden. 

Fall IV. 44-jährige Haushälterin. Pulsirender Tumor über 
der linken Clavicula, der sich in den Thorax hinein erstreckt 
(Dämpfung), wahrscheinlich von der linken Subclavia ausgehend, 
Oedein, motorische und sensible Parese des Arms, Vertaubungs¬ 
gefühl und neuralgische Schmerzen. Puls in der linken Art. 
radialis abgeschwäcnt. Operation in 4 Sitzungen innerhalb eines 
Monats, dann nach 4 monatlicher Pause wieder 5 Sitzungen. 
Langsame aber stetige Besserung. Zuletzt war der Tumor so 
solid, dass man mit der Nadel keinen Hohlraum mehr in ihm 
auffinden konnte. Nach einem Jahr war der Arm kräftig, Neu¬ 
ralgien und Vertaubung hatten ebenso wie das Oedem aufgehört, 
kurz es bestanden normale Verhältnisse. Der Radialpuls er¬ 
loschen. Der Tumor pulsirte nicht, war hart und geschrumpft, 
so dass er noch tief hinter der Clavicula gefühlt werden konnte. 

Wanach. 

Sokolowitsch: Ueber die larvirte Form von Lungen- 
tuberculose (Semaiue medic. 41. 1890). 

Einer Reihe von Krankheitsformen begegnet der Arzt, die 
häufig zu diagnostischen Irrthümern Veranlassung geben und sich 
schliesslich als Tuberculose entpuppen. Hierzu gehört die Pseu¬ 
dochlorose, bei welcher Herzsymptome vorherrschen, die Pseu¬ 
dogastritis, Pseudolaryngitis, das Pseudoemphysem etc. Die Pseu¬ 
dochlorose ist bereits von Trousseau, See* Herard, Cornil 
u. A. beschrieben und gewürdigt worden. Weniger bekannt 
sind aber diejenigen Fälle, die mit Symptomen von Seiten des 
Herzens einhergehen. Die Patienten empfinden bei den geringsten 
Anstrengungen Herzklopfen, klagen über schnelle Ermüdung, 
rapide Abmagerung und erst nach Monaten oder Jahren stellen 
sich trockener Husten und Blutspeien ein. Bei der physikalischen 
Untersuchung findet man in dieser Latonzperiode nichts, was auf 
eine etwaige Erkrankung der Lungen hiudeuten könnte; dagegen 
findet man eine ausserordentliche Steigerung der Pulsfrequenz, 
ein systolisches Geräusch an der Herzspitze. Von Wichtigkeit 
ist eine andere Form, die Pseudomalaria: regelmässig inter- 
mittirendes Fieber mit Schüttelfrost, Hitze. Schweissausbrüchen, 
Abmagerung — das sind die Symptome, denen man in solchen 
Fällen begegnet: ab und zu tritt geringer Husten auf, indessen 
kann dieses nicht zur Differentialdiagnose verwerthet werden, 
da gerade Intermittensfälle Vorkommen, die mit Lungensymp- 
toraen einhergehen. Viel wichtiger ist ein anderes Symptom, 
nämlich das Ausbleiben der Chininwirkung. 

Eine der häufigsten Erkrankungserscheinungen, unter denen 
sich die Phthise verbirgt, ist die Gastrointestinalform: Appetit¬ 
losigkeit, Schmerzen in der Magengegend, Magenkrämpfe, Stö¬ 
rungen von Seiten des Darmcanals wechseln mit einander ab — 
so geht das lange Zeit bis sich endlich Lungensymptome einstellen. 
Von Wichtigkeit ist die Untersuchung der Excremente, in welchen 
häufig Tuberkelbacillen zu finden sirfd. Das Pseudoemphysem 
wird wohl immer bei genauer Untersuchung als Tuberculose er¬ 
kannt werden. Abel mann. 


Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

— Albrandt stellte in der Berl. med. Gesellschaft am 21. Jan. 
im Aufträge von Prof. Schöler einen Fall von Conjuncti- 
valtuberculose vor, der mit Tuberculiuinjcct ioneu be¬ 
handelt worden war. Die erblich belastete lTjälir. Patientin 
litt vor 1 Jahr au einer nicht schmerzhaften Anschwellung des 
rechten oberen Augenlides, welche von Uhthoff mikroskopisch 
und durch Impfversuche als tuberculös diagnosticirt wurde. Zer¬ 
störung mit Messer und Galvanokauter. Im December 90 Re- 
cidiv; Infiltration der zugehörigen Drüsen am Kieferwinkel. 


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79 


Behandlung (Schüler) initTuberculininjectioncn, allgemeine and 
locale Reaction (beträchtliche Wulstuug der kranken Stelle und 
Anschwellung von in der Umgebung befindlichen Tuberkel¬ 
knötchen) nach 0,015—0,04. Bei fortgesetzten Injectionen all- 
mälige Abnahme der Erscheinungen, bis nach 0,15 Oberhaupt 
keino Reaction mehr eintrat. Die Conjunetiva blasste allmälig 
ab, die Knötchen verschwanden. — An den erwähnten Lymuh- 
drüsen zeigte sich locale Reaction, zwei erweichten und wurden 
ausgelöffelt; das Gewebe enthielt massenhaft Bacillen. 

— Leviseur (New York) empfiehlt die Behandlung der 
Acne durch heisses Wasser und zwar so heiss, dass es im Mo¬ 
ment der Auftragung nahezu unerträglich fQr den Kranken ist. Es 
genügt die kranken Hautstellen zweimal in jeder Sitzung während 
einer Minute mit dem heissen Wasser zu betupfen. 2—3 Mal 
täglich wird die Procedur wiederholt. Leviseur giebt im 
Medical Ri cord ein kleines Instrument an, das er Thermophor 
nennt. Es besteht aus einem einfachen Holzstäbchen, weiches 
an dem einen Ende ein nach oben offenes kurzes Röhrchen trägt. 
Dieses Röhrchen wird zur Hälfte mit heissem Wasser gefüllt und 
mit einem Tampon aus hygrosk. Watte geschlossen. Indem man 
das Röhrchen an der betreffenden Stelle umstürzt, imprägnirt 
die nun heiss getränkte Watte auch die betreffende Hautstelle. 

(D. med. Woch. 52). 

— Zu hypodermatischen Injectionen bei Geburtswehen empfiehlt 

Auvard folgende Lösung: Cocaini muriat 0,01 Antipyr 5,0 Aq. 
dest. 20,0. (Deut. med. Woch. 52). 

— 0. Israel berichtete in der letzten Sitzung derCharite-Aerztc 
über eine neue Färbungsmethode für Tuberkelbacillen, 
welche den Vortheil hat, die feineren histologischen Vorgänge, 
besonders der Karyokinese, und Tuberkelbacillen in gleicher 
Deutlichkeit zu zeigen und in 15—20 Minuten vollendet werden 
kann, sie besteht in Folgendem. Die Schnitte werden in Böh¬ 
mer’s Hämatoxylin 1—2 Minuten gefärbt, dann mit destillirtem 
Wasser abgespült, dann Carbolfuchsin während 3—5 Minuten bei 
Zimmertemperatur, darauf verdünnte LugoPsche Lösung nicht, 
länger als 1 Minute, Anilinöl, besser nachher Anilinölxylol (2:1), 
bis keine Farbstoffwolken von dem Schnitte ausgehen. Xylol; 
Xyloldamar. Die ruhenden und in Theilung begriftenen Kerne 
erscheinen hierbei intensiv blau, die Bacillen leuchtend roth, die 
Zellkörper leicht rosa oder blassblau gefärbt, je nach der Dauer 
der Hämatoxylinlösung. 

Diese Färbung ist wie diejenige Weigert’s, der diese neue 
Methode nachgebildet ist, nicht zur differentiellen Diagnose der 
Bacillen, sondern zu histologischen Zwecken verwendbar. 

(Ther. Monatsh. Sonderheft v. 20 J. 1891). 

— Nach der München, med. Wochensclir. 1891 Ai 1 besteht das 

neuerdings häufig genannte Biedert’sche Verfahren zur 
leichten Auffindung der Tuberkelbacillen im Sputum 
in Folgendem: 1 Esslöffel Sputum wird mit 2 Esslöffeln Wasser 
und 7—8 Tropfen Liqu. Natri caustici versetzt, bis zur Ver¬ 
flüssigung gekocht, dann 4 Esslöffel Wasser zugesetzt und bis 
zum Entstehen einer gleiclimässigen Flüssigkeit gekocht; ist die 
erkaltete Masse noch nicht dünnflüssig, so setzt man weitere 
3—6 Esslöffel Wasser hinzu. Diese Lösung wird in einem Spitz¬ 
glase 2—3 Tage ruhig hingestellt, daun bis auf eine circa 5 Cm. 
hohe Schicht abgegossen, in welcher sich dann die Tuberkel¬ 
bacillen gesammelt befiuaen. (Ther. Monatsh. II). 


Vermischtes. 

— Prof. J. J. Stolnikow (Warschau), hat seine Candidatur 
auf den vacanten Lehrstuhl der therapeutischen Hospitalklinik 
an der militär-mediciuischen Academic zurückgezogen. (Wr.) 

— Verstorben: 1) Am 10. Februar inSsamarader Oberarzt 
des örtlichen Militärlazaretbs Dr. W. Netschajew. an einem 
organischen Herzfehler. Der Verstorbene hatte i. j. 1878 den 
Cursus an der mil -med. Academie absolvirt und 1887 die Doctor- 
würde nach Vertheidigung seiner Dissertation p Ueber die dia- 

S lostische Bedeutung der Abwesenheit von freier Salzsäure im 
agensaft bei Magenkrebs“ erlangt. N. erfreute sich allgemeiner 
Liebe sowohl bei seinen Collegen als auch bei seinen Patienten. 
Um sein Andenken zu ehren, haben ihm nahestehende Personen 
am Tage seiner Beerdigung eine Subscription behufs Stiftung 
eines Stipendiums auf den Namen des Hingeschiedenen eröffnet. 
2) In St. Petersburg der frühere Landschaftsarzt aus Perm 
A. Butkin, 30 Jahre alt, welcher hierher gekommen war, um 
sich nach der Koch'sehen Methode behandeln zu lassen. Der 
Verstorbene hat seine Frau mit drei kleinen Kindern ganz mittel¬ 
los hinterlassen. 3) Am 18. Januar der Arzt an den Kohlen¬ 
gruben im Gebiet der Donischen Kosaken, PI. Kurotschkin, 
im 33. Lebensjahre plötzlich in Folge eines Herzfehlers. 4) Am 
20. Januar der Jekaterinburg’sche Laudschaftsarzt N. Kok- 
scharow 28 J. alt, an der Lungenentzündung. Der Verstor¬ 
bene hatte seine medicinische Ausbildung in Kasan erhalten, 
wo er als Student für eine pharmakologische Arbeit mit der 
oldenen Medaille ausgezeichnet wurde. 5) In Shitomir der 
ortige Arzt, Staatsrath S. A. Kannegiesser. 6) In Frankfurt 
a/Main der bekannte medicinische Schriftsteller Dr. Wilhelm 
Stricker im 76. Lebensjahre. 


— Dr. Eugen v. Bamberger (ein Sohn des verstorbenen Kli¬ 
nikers), welcher als Assistenzarzt an der Klinik des Prof. Noth¬ 
nagel fungirt, ist zum Primararzt der internen Abtheilung des 
Ruoolf-Spitales in Wien ernannt worden. 

— Das von Prof. Liebreich empfohlene ca nt h a ridin 
saure Kali in Lösung ist, wie wir aus einem Inserat in der 
„Allg. m. C.-Ztg.“ ersehen, bereits aus Scherings Grüner 
Apotheke (Berlin, Chausseestrasse .N; 19) zu beziehen. 

— Aus Rom wird berichtet, dass der Minister des Innern ein 
Rundschreiben an die Präfecten erlassen hat, welches auf Grund 
eines Gutachtens Prof. Baccelli’s und der bisherigen Erfahrungen 
im Inlande und im Auslande allen Aerzten die Anwendung des 
Koch’schen Heilmittels gestattet unter der Bedingung der An¬ 
gabe und des Berichts über den Verlauf der behandelten Fälle. 
Die Beschaffung der Lymphe geschieht dagegen ausschliesslich 
durch die Staatsbehörde, damit die Gefahr einer Verfälschung 
verhütet werde. 

— Die französische Academie der Wissenschaften 

hat eine aus den Professoren Berthold, Charcot und Larrey 
bestehende Commission eingesetzt, um das Verfahren der 
Medicinal-Elektrolyse des Dr. Foveau de Courmelles 
zu prüfen. Das Verfahren besteht in dem directen und un¬ 
mittelbaren Einwirken der Arzneimittel auf innere Organe auf 
elektrischem Wege, mittelst dessen nach Courmelles Heilung 
erlangt wird in Fällen, in denen chirurgische Operationen nöthig 
wären, aber nicht ausführbar sind, wie bei gewissen Lungen- 
Magen- und Herzleiden. (A. m. C. Ztg.). 

— Aus der uns übersandten Liste der „Arbeiten des Con- 
gresses für technische und professionelle Bildung in 
Russland“ möchten wir Interessenten auf den 2. Theil der¬ 
selben aufmerksam machen, welcher u. a. die Schulhygieine 
behandelt (russisch). 

— Der 10. Congress für innere Medicin findet vom 6.-9. 
April 1891 zu Wiesbaden statt. Den Vorsitz übernimmt 
Herr Leyden (Berlin). 

Folgende Hauptthemata sollen zur Verhandlung kommen. 

Montag, 6. April: Die Gallensteinkrankheiten. Referenten: 
Herr Naunyn (Strassburg) und Herr Fürbinger (Berlin). 

Dienstag, 7. April: Das Koch’sche Heilverfahren bei Lungen¬ 
tubereulose und anderen inneren tuberculösen Erkrankungen. 

Mittwoch, 8. April: Angina pectoris. Referenten: Herr A. 
Fränkel (Berlin) und Herr 0. Vierordt (Heidelberg). 

Ausserdem sind folgende Vorträge bereits angemeldet: Herr 
Kahler (Wien): Ueber intermittirende Albuminurie. — Herr 
Mo sie r (Greifswald): Ueber Behandlung der Leukämie. — 
Herr Th. Schott (Nauheim): Ueber Differentialdiagnostik der 
Pericardialexsudate und der Herzdilatation. — Herr Kn oll 
(Prag): 1) Zur Lehre von den Kreislaufstörungen. 2) Zur Lehre 
von den Krankhaften Veränderungen der quergestreiften Muscu- 
latur. — Herr Brieger (Berlin): Ueber chemische Vorgänge bei 
Infectionskrankheiten. — Herr Rosenstein (Leiden): Ueber die 
Diagnose der hypertrophischenLebercirrhose. — Herr Ouincke 
(Kiel): Ueber Hydrocephalus. — Herr Eichhorst (Zürich): 
Wahrnehmungen über den Patellarsehnenreflex bei Tabes dor- 
salis. — Herr Edlefsen (Kiel): 1) Zur Frage der Entstehung 
des vesiculären Athmungsgeräusches. 2) Zur Statistik der Vari¬ 
cellen, mit Rücksicht auf die neuerdings wieder behauptete 
Zugehörigkeit derselben zur Variola. — Herr Külz (Marburg): 
Thema Vorbehalten. — Herr Tappeiner (München): Ueber die 
diuretische Wirkung der Phenylmethylpyrazolcarbonsäure. — 
Herr G. Klemperer (Berlin): Tnema Vorbehalten. — Herr Leo 
(Bonn): Thema Vorbehalten. — Herr Friedländer (Leipzig): 
1) Ueber die Methode der „Mathematischen Diagnostik“ des 
acuten Gelenkrheumatismus und aller sonstigen Gestaltungs¬ 
formen des Rheumatismus centralis. 2) Zur Aetiologie des 
morbus Brightii. — Herr Leubuscher (Jena): Klinische Unter¬ 
suchungen über die Säureabscheidung bei Geistes- und Nerven¬ 
krankheiten.—Herr Lenhartz (Leipzig): Thema Vorbehalten.— 
Herr Schmaltz (Dresden): Die Untersuchung des specif. Ge¬ 
wichts des menschlichen Blutes und das Verhalten desselben 
bei anämischen Zuständen. — Herr Mordhorst (Wiesbaden): 
Zur Diagnose und Behandlung der Gicht. 

Mit dem Congresse ist eine Ausstellung neuerer ärtzlicher 
Apparate, Instrumente, Präparate u. s. w. verbunden. Anmel¬ 
dungen für dieselbe sind an den Secretär des Congresses, Herrn 
Dr. Emil Pfeiffer, Wiesbaden, Friedrichstrasse, zu richten. 

— In Potsdam starb vor kurzem der bekannte Optiker Hart¬ 
nack. 

— Der „New-York Medical Record“ bespricht in seiner 
Nummer vom 7. Februar die Frage : ob arme Leute Medicin 
studiren sollen? Vor20Jahreu, sagt die Redaction. hätte eine 
solche Frage keinen Siun gehabt, denn damals konnte jeder ge¬ 
bildete und gewissenhafte Arzt dreist auf Erfolg rechnen. Jetzt 
hat sich aber die Sachlage in den Vereinigten Staaten auffallend 
geändert. Die Zahl der Acrzte ist bedeutend gewachsen, noch 
mehr aber hat die Zahl der Krankenhäuser und Kliniken zu- 

enommen, in denen auch bemittelte Leute sich nicht geniren, 
ie ärztliche Hülfe unentgeltlich in Anspruch zu nehmen; ebenso 
gemessen auch zahlreiche Mitglieder verschiedener Verbände 
und Clubs unentgeltlich die Dienstleistungen der Acrzte. Es 


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bleibt daher in jetziger Zeit selbst ein talentvoller und fleissiger 
Arzt oft ohne genügende Praxis oder gelangt zu solcher erst 
nach mehreren Jahren harten Kampfes ums Dasein. Aus diesen 
Gründen erscheint der Rath an arme Leute vollkommen gerecht¬ 
fertigt, eine andere Beschäftigung zu wählen, welche ihre Exi¬ 
stenz besser, als die Medicin, sicherstellt. 

— Nach dem vor Kurzem erschienenen „Personal-Ver- 
zcichniss der Universität Dorpat pro I. Semester 1891 
betrug die Gesammtzahl der Studirenden am 1. Februar d. J. 
1784 (gegen 1812 am 1. September des vorigen Jahres). Es ist 
somit m diesem Semester im Gegensatz zu der bisherigen stei¬ 
genden Tendenz die Zahl der Studirenden in Dorpat um 28 zurück¬ 
gegangen. Von diesem Rückgänge ist die medicinische Fa- 
cultät nicht berührt worden, da sie auch in diesem Semester 
einen kleinen Zuwachs, nämlich 885 Medicinstudircnde (gegen 
884 am 1. Sept. 1890) und 152 Pharmaciestudirende (gegen 
148 im vorigen Semester) aufweist. Was die Herkunft der 
Studirenden anbelangt, so stammen aus den Ostseeprovinzen 
1086, also ca. 60,8%. aus dem Zarthum Polen 87, aus anderen 
Theilen des russischen Reiches 606 und aus dem Auslande 5 
Studirende. Die Zahl der freien Zuhörer beträgt 10. 

— Die Helsingforser Universität zählt in diesem Se¬ 
mester 161 Medici ns tudir ende bei einer Gesammtzahl von 
1738 Studenten, von denen jedoch nur etwa die Hälfte in diesem 
Semester anwesend sind. Die medicinische Facultät ist an Zahl 
die kleinste von den 5 Helsingforser Facultäten. 

— Der IV. Congress der deutschen Gesellschaft für 
Gynäkologie wird vom 21.—23. Mai n. St. in Bonn tagen, 
zu welchem die Proff. Veit (Bonn) und Kehrer (Heidelberg) 
als Vorsitzende an die Fachgenossen bereits Einladungen er¬ 
lassen haben. Anmeldungen von Vorträgen und Demonstrati¬ 
onen werden bis zum Anfang April an Prof. G. Veit in Bonu 
erbeten. 

— Die Gesammtzahl der Kranken in den Civilhospi- 
täleru St. Petersburgs betrug am 17. Februar d. J. 6984(38 
weniger als in der Vorwoche); darunter 566 Typhus — (2 mehr), 
669 Syphilis—(23 mehr), 131 Scharlach — (21 weniger), 16 Diph¬ 
therie— (9 weniger), 10 Masern — (1 weniger) und ^Pocken¬ 
kranke (6 weniger als in der Vorwoche). 

Vacanz. 

— Von dem Nowgorodschen Gouvernements-Land- 
schaftsainte werden zwei beständige Aerzte speciell für 


die Epidemien im Gouvernement gesucht. Gehalt 1500 Rbl. jährlich; 
die Amtsfahrten auf Kosten der Landschaft. Es wird Bekannt¬ 
schaft mit der Herstellung vonKuhpockeulvmphe verlangt. Wegen 
näherer Auskünfte hat man sien an Dr. E. J. Lebedew im 
Nowgorodschen Gouvernementslandschaftsamtc oder an Dr. K o- 
korew in St. Petersburg (Adresse: B. OxTa, Typ^ima yj. 28, 
von 8—10 Uhr Morgens) zu wenden. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 10. Februar bis 16. Februar 1891. 


Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


t . t . t. ^ ^ r. 

Im Ganzen: § o*g-S < S'S*S-9*g'g'S*S' 

S ^ C3roC8C3w5TOCQC3raCG 

M. W. Sa. « 2 ° 2 2 S S 3 S S ? 8 

iii i iiiTiTit 

342 262 604 132 48 81 14 11 22 53 66 39 56 40 26 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth.2, Typh. abd. 10, Febris recurrens 6, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 7, Masern 3, Scharlach 
28, Diphtherie 10, Croup 0, Keuchhusten 4, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 17, Erysipelas 3, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 0, Kotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyämie und Septicaemie 8, Tu- 
berculose der Lungen 112, Tuberculose anderer Organe 6, Alko¬ 
holismus und Delirium tremens 2, Lebensschwäche und Atrophia 
infantum 43, Marasmus senilis 28, Krankheiten des Verdauungs¬ 
canals 64, Todtgeborene 24. 


MT Näohste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
Aerzte Dienstag den 5. März 1891. 

2W Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. März 1891. 


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Untersuchungen des Harns, der Milch. Un¬ 
tersuchung des Sputums auf Koch'sche Tu¬ 
berkelbacillen, auf elastische Fasern, auf 
den strahligen Pilz der Actinomycose, Un¬ 
tersuchung der Faeces auf thier. Para¬ 
siten etc. 10—2 

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bei Frau Ewald. 

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Frau Duhtzmann, ßeMHAOBi nep. a - 9, 
KB. 9. 

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E. van der Vliet, Eitaxep. bahuh 166, 
kb. 25. 

Marie Mohl, Bac. Ocip. 1 ji. a. 44, kb. 3. 


r (o3B. neun. 0n6. 27 $CBpaJia 1891 r. 


Herausgeber: Dr. Th. ▼. Schröder. Buclidruckerei von A. L. Ebermann, Baskoff Per. Ai 4. 


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XVI. 


JAHRGANG. 


ST. PETERSBURGER 


Neue Folge VIII. Jalirg. 


MED1CINICCHE WOCEIHSCEEIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Br. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinisclie Wochenschrift“ erscheint jeden 1 
Sonnabend. — Der Ahonnementeprei» ist in Bauland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der IneertionBpreia 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 

Ns 10 St. Petersburg 


BC Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Biokor in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect JVs 14, zu richten. — Kanuscripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsfuhrenden Redacteur Dr. Theodor von Schröder in 
St.Petersburg, Malaja Itaflanskaja .Ns 33, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 

9. (21.) März 1891 


Inhalt W. Nissen: Ueber den Einfluss der Alkalien auf die Galle und die therapeutische Bedeutung derselben. — Referate 
J. Stilling und J. Wortmann. Anilinfarbstoffe als Antiseptica und ihre ^Anwendung in der Praxis. — Heymanu und 
B. Fränkel. Die Wirkung des cantharidinsauren Kali auf Tuberculöse. — Protokolle der Gesellschaft praktischer Acrzte 
zu Riga. — Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin 
St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber den Einfluss der Alkalien auf die Galle 
und die therapeutische Bedeutung derselben. 

Vortrag, gehalten am 11. December 1890 im Verein St. Peters¬ 
burger Aerzte. 

Von 

Dr. W. Nissen. 

Nachdem zuerst durch Schwann in den 40-er Jahren 
die Anlegung von Gallenfisteln an Thieren geübt worden 
war, hat eine grosse Reihe von Autoren diesen Weg 
der Gewinnung und Untersuchung von Galle betreten. 
Die Arbeiten waren theils chemisch-physiologische resp. 
pathologische, theils rein pharmakologische. Doch so 
viel auch die Beeinflussung der Gallenbildung durch 
pharmakologische Mittel Gegenstand des Studiums gewe¬ 
sen ist, so ist es zu einem abschliessenden Urtheil 
unter den Forschern noch keineswegs gekommen. Bei 
der Durchsicht der Literatur geht vielmehr bei den ver¬ 
schiedenen Autoren wie Bidder u. Schmidt, Nasse, 
Röhrig, Rutherford u. Vignal, Spiro, Baldi, Pasch- 
kis, Röhmann, Zavilski, Klikowitsch u. Lewa- 
schew, Prävost u. Binet u. A., ein merklicher Wider¬ 
spruch hervor in der Wirkung der einzelnen Arzneimittel 
und namentlich auch der Alkalien auf die Gallensecretion. 
Eine allseitige Einigkeit herrscht auch nicht in Bezug 
auf ein einziges Mittel. Diese Thatsache veranlasst wohl 
auch Nothnagel u. Rossbach in ihrem Handbuch dfer 
Arzneimittellehre zu dem skeptischen Ausspruch, dass in 
Betreff der Wirkung der Alkalien auf die Galle in der 
Literatur sehr wenig brauchbare Angaben existiren. 

Die Ursache der so eruirten verschiedenen Wirkung 
gleicher pharmakologischer Agentien liegt offenbar in der 
Mannigfaltigkeit der Versuchsanordnungen begründet, von 
denen nicht jede ohne weiteres einwurfsfrei dasteht. 

Während die einen Autoren z. B. bei der Etablirung 
einer sog. permanenten Gallenblasenfistel an Hunden den 
Ductus choledochus völlig verschont Hessen, so dass die 
Galle sowohl in den Darm, als auch nach aussen durch 
die Blasenfistel abfloss und hier zum Zwecke der Unter¬ 


suchung aufgefangen werden konnte, unterbanden und 
resecirten andere den Ductus choledochus, so dass die 
gesammte Galle sich nur durch die permanente Blasen¬ 
fistel nach aussen ergoss. Auf diese Art resultirte die 
sog. complete permanente Blasenfistel. Noch andere Auto¬ 
ren hatten es wiederum nicht mit einer permanenten 
Blasenfistel zu thun, sondern experimentirten an jedes¬ 
mal frisch laparotomirten, curarisirten Hunden, denen eine 
Canüle, durch die die aufzusammelnde Galle sich in Tropfen 
entleerte, in den Ductus choledochus eingeführt wurde, 
während der Ductus cysticus durch eine Klerampincette 
abgesperrt werden konnte u. s. w. 

Ein anderer wesentlicher Unterschied bei den Ver¬ 
suchsanordnungen der verschiedenen Autoren ist darin 
gegeben, dass die Einen eine directe Abhängigkeit ihrer 
Versuchsanstellung von der zeitlichen Nahrungsaufnahme 
der Thiere beobachteten, Andere dagegen nicht. Und 
doch ist sowohl das zeitliche Moment der Nahrungsauf¬ 
nahme wie auch Quantität und Qualität derselben bekannt¬ 
lich nicht ohne Belang für die Gallensecretion und Gal¬ 
lenbildung. 

Ein dritter, ich möchte fast sagen, wesentlichster Grund, 
die differente Wirkung eines Mittels bei den Autoren zu 
erklären, ist dann namentlich in der verschiedenen zeit¬ 
lichen Ausdehnung der einzelnen Versuche zu suchen, 
welche oft nur kurze Zeiträume umfassten, während derer 
am Versuchstage zunächst die normale Gallensecretion 
quantitativ resp. auch qualitativ bestimmt und hernach, 
nach Einverleibung eines Mittels per os oder subcutan 
im Gegensatz dazu der Einfluss des Mittels während der 
gleichen Zeiteinheit wiederholt constatirt wurde. Als 
Norm galt hier also immer eine während einer ge¬ 
wissen höchstens 2-stündigen, meist aber halb- und vier¬ 
telstündigen oder gar nur minutenlangen Zeiteinheit auf- 
gefangene Gallenmenge. Dieser Modus ist nun durchaus 
anfechtbar. Wer sich z. B. die Aufgabe stellt, einige 
Tage hindurch ceteris paribus die normale Gallensecre¬ 
tion von Stunde zu Stunde an einem Gallenfistelhunde zu 
beobachten und zu messen, dem werden die grossen un- 
gleichmässigen Schwankungen nicht unbekannt bleiben 


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denen sie während kleiner Zeiteinheiten unterliegt; dem¬ 
selben Beobachter wird es aber aulfallen müssen, dass 
die ausgeschiedene Gallenmenge während eines grösseren 
Zeitraumes, wie namentlich von 12 Stunden, eine grössere 
Constanz zeigt und in ihrer Gesammtheit weit geringeren 
Schwankungen unterliegt. Es ist dies auch eine That- 
sache, welche von einigen Autoren wie Vossius, Sta¬ 
delmann und Gorodezki bei anderer Gelegenheit schon 
hervorgehoben ist. 

Aus Obigem geht daher auch hervor, dass der Ver¬ 
gleich von Gallenportionen, wie sie quantitativ und qua¬ 
litativ in kurzen Zeiträumen ausgeschieden werden, zur 
Verwendung von Schlussfolgerungen über den Erfolg eines 
Mittels unzweckmässig, wenn nicht unrichtig ist; ein 12 
ständiger Zeitraum erscheint hingegen weit geeigneter 
zu vergleichenden Beobachtungen. 

Auf diesen Standpunct stellte ich mich auch bei mei¬ 
nen Untersuchungen, die ich auf Anregung des Herrn 
Docenten Dr. Stadelmann speciell über den Einfluss der 
Alkalien auf die Secretion und Zusammensetzung der 
Galle in Dorpat vornahm. 

Im Folgenden erlaube ich mir Ihnen, meine Herren, 
in Kürze über den Gang und die Resultate jener Unter¬ 
suchungen, die in meiner Inauguralschrift ’) niedergelegt 
sind, zu referiren, um dann auch noch auf einige thera¬ 
peutische Gesichtspuncte einzugehen, die sich gleichzeitig 
aus den Resultaten jener Arbeit gewinnen liessen. 

Die Versuche machte ich an einem kräftigen. 23 Kilo 
schweren Hunde mit permanenter, completer Gallenbla- 
senfistel. Das Thier war, um event. Schwankungen in 
der Gallenbildung durch verschiedenartige Nahrung aus 
dem Wege zu gehen, während der 4monatlichen Dauer 
meiner Versuche auf constante Diät gesetzt und erhielt 
täglich 

600 Ccm. abgerahmter Milch, 

200 Gramm Weissbrod, 

800 „ Fleisch. 

Von dieser Quantität nahm er morgens und abends um 
8 Uhr je eine Hälfte zu sich. Hernach erhielt er Wasser. 
Das Fleisch wurde jedesmal sorgfältig von Knochen- und 
Fettspuren befreit. Der genauen Befolgung dieser letzteren 
Massregel, so wie der Verabreichung nur sehr guten und 
frischen Fleisches, glaube ich es verdanken zu müssen, 
dass mein Gallenfistelhund während der ganzen Dauer 
der Versuche von überaus befriedigendem Befinden war. 
Verdauungsstörungen und Diarrhöen, wie sie Schmidt 
und Bidder an ihren Thieren bei gemischter Nahrung 
regelmässig auftreten sahen, während Röhmann mit 
Recht jene Störungen nur auf die z. Th. erhebliche Fett- 
beimengung bezog, fehlten im vorliegenden Falle fast voll¬ 
ständig. Auch trotz dei: Einführung grösserer Mengen 
von Alkalien war der Appetit des Hundes immer ein reger, 
das Fleisch wurde z. B. niemals stehen gelassen, und 
zeigte der Hund etwa an einem Tage kein ebenso aus¬ 
gesprochenes Verlangen nach Brod mit Milch, so wurde 
dieser Tag jedenfalls zu einem Versuche nicht verwandt. 

Während jeder Versuchsdauer wurde der Hund in ge¬ 
wöhnlicher Stellung unter einem galgenartigen Apparat 
auf einer horizontal hängenden Matratze, welche mit ent¬ 
sprechenden Ausschnitten lür die Extremitäten versehen 
war, eingeschnallt. In der Mitte der Matratze befand 
sich ausserdem noch ein grosser Ausschnitt, durch wel¬ 
chen aus der Blasenfistel ein frisch eingeführter elastischer 
Katheter in ein mit einem durchbohrten Kork versehenes 
Glaskölbchen mündete, das um den Leib des Thieres be¬ 
festigt wurde. Das Thier befand sich während des Ver¬ 
suches bei Tag und bei Nacht unter steter Aufsicht. 


1 ) W. Nissen. Experimentelle Untersuchungen über den Ein¬ 
fluss von Alkalien auf Secretion und Zusammensetzung der Galle. 
Dissertat. Dorpat, Nov. 1889. Daselbst findet sich auch eine 
Uebersicht Ober die einschlägige Literatur. 


Das Kölbchen mit der aufgenommenen Galle wurde des 
Tages alle 2 Stunden, des Nachts alle 4 Stunden ge¬ 
wechselt, die Galle in einem Maasscylinder nach Ccm. ge¬ 
messen und sofort ihr Farbstoffgehalt auf spectralanaly- 
tischem Wege ermittelt. Die einzelnen Portionen einer 
je 12-stündigeu Tag- oder Nachtperiode wurden sodann 
in einer grossen Porzellanschale zusammengethan, über 
dem Wasserbade eingeengt und der quantitativen Ana¬ 
lyse auf gallensaure Salze und Fettbestandtheile unter¬ 
worfen. 

Auf diese Art stellte ich zu allererst in einer Reihe 
von Normalversuchen, die vorausgeschickt und auch spä¬ 
terhin zwischen mehrere Alkaliversuche eingeschaltet* 
wurden, den mittleren Durchschnittswerth für die 12 stän¬ 
dige Gallenausscheiduug des Hundes fest. Diese Mit¬ 
telzahl betrug bei rel. geringen Schwankungen 110 Grm. 
Galle (Maximum 122,0 Minimum 94,6 Grm.). Die ande¬ 
ren gefundenen Werthe betrugen im Mittel: 

60,54 Mgr. Farbstoff, 

2,78 Grm. Gallensäuren 
0,22 Grm. Fette. 

Ehe ich sodann an die Alkaliversuche herantrat, war 
es noch von Wichtigkeit, den Einfluss von Wasser auf 
die Gallensecretion festzustellen, da dasselbe hernach als 
Excipiens der einzuführenden Alkalien benutzt werden 
sollte. 

Mehrere Versuche ergaben, dass die Einführung per 
os von 500 bis 2500 Ccm. kalten oder warmen Wassers 
ohne merklichen Einfluss blieb in Bezug auf Menge 
und Bestandteile der Galle. 

Dieses Resultat, das zwar in Einklang mit dem eini¬ 
ger Experimentatoren auf diesem Gebiete steht, tritt jeden¬ 
falls in einen Gegensatz zu der weit verbreiteten An¬ 
nahme, dass Wasser an und für sich ein die Galle ver¬ 
mehrendes Mittel sei. Wenigstens hat die Empirie, die 
dem physiologischen Experiment so vielfach vorgreift, ihr 
schwerwiegendes Urtheil nach dieser Richtung zu Gun¬ 
sten des Wassers einmal abgegeben und fast alle Bal- 
neologen z. B. schreiben, wie Klikowitsch und Lewa¬ 
sch ew 2 ) hervorheben, dem Wasser selbst, abgesehen 
von den in ihm gelösten Salzen, eine sehr wesentliche 
Bedeutung zu im Sinne einer Verminderung der Consi- 
stenz und Vermehrung der Quantität der Galle. 

Eine Erklärung für das indifferente Verhalten von Was¬ 
ser Hesse sich nun vielleicht in der Thatsache finden, dass 
das eingeführte Wasser, wenn es einmal aus dem Darm¬ 
canal resorbirt ist, viel zu rasch den Kreislauf wieder 
verlässt und in den Nieren ausgeschieden wird ehe es noch 
zu einer effectvollen Wasservermehrung des Blutes sowie 
auch seines Derivates, der Galle kommt. So konnte z. B. 
weder Magen die 3 ) nach reichlichem Trinken von Wasser 
eine Abnahme des specifischen Gewichtes des Blutes nach- 
weisen, noch auch Leichtenstern 4 ) in seinen Unter¬ 
suchungen über den Haemoglobingehalt nach reichlichem 
Trinken photometrisch eine Verminderung des Haenioglo- 
bingehaltes des Blutes constatiren, trotzdem seine Ver¬ 
suchsperson 7 Liter Wasser täglich zu sich nahm. 

Bei allen Alkali versuchen hielt ich nun an der gewon¬ 
nenen Ueberzeugung fest, dass das Wasser sich zur 
Gallenausscheidung indifferent verhalte. 

Von den Alkalien, die zur Untersuchung kamen, waren 
es in erster Reihe diejenigen, welche die wesentlichsten 
Bestandtheile des Karlsbader Salzes ausmachen: das Natr. 
bicarb., (’hloraatrium und Natr. sulf.; auch Karlsbader 
Salz als solches wurde untersucht. Von sonstigen Ver¬ 
bindungen der Alkalimetalle prüfte ich die Wirkung des 

-) Zur Frage von dein Einfluss alkalischer Mittel auf die Zu¬ 
sammensetzung der Galle. Lpzg. 1884. 

’) l’itirt nach Leichtenstern 

*) Ziemssen’s Handbuch der allgem. Therapie. IW II. Lpzg. 
1880. 


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Natr. phoSphoricum, Kali aceticum, ferner das Magn. sulf. 
Die Endreihe der Untersuchungen hatte dann das Studium 
der Beeinflussung der Galle durch gallensaure Alkalien, 
glycocholsaures und taurocholsaures Alkali, zur Aufgabe, 
sowie Eruirung des Einflusses der Galle selbst und zwar 
der Hunde- und Ochsengalle. 

Sämmtliche Verbindungen wurden als chemisch reine 
angewandt und meist in V 2 Lit. warmen Wassers 
gelöst dem Hunde vermittelst einer Magenschlundsonde 
per os eingeführt. Die Dauer jedes einzelnen Versuches 
erstreckte sich auf 12 bis zu 36 St. en suite, je nachdem 
die Norm früher oder später wieder hervortrat. Nament¬ 
lich die ersten Alkaliversuche dehnte ich im Vergleich zu 
den späteren schon deshalb möglichst lange aus, um einer¬ 
seits einen vollen Einblick in die Wirkung der Alkalien 
während eines längeren Zeitraumes zu gewinnen, und um 
andererseits über die Möglichkeit einer späteren Nach¬ 
wirkung ausser allem Zweifel zu sein. 

Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin zu be¬ 
merken, dass derartige Untersuchungen an einem Gallen¬ 
fistelhunde mit zu den schwersten physischen Anstrengun¬ 
gen gehören, denen man sich in einem Laboratorium unter¬ 
zieht. Ca. 42 specielle Versuchstage mit 21 im La¬ 
boratorium verbrachten Nächten, eine stete Controlle des 
im Apparat oft unruhig werdenden Hunde}-', die 2 resp. 
4 stündliche Abnahme, Messung und spektroskopische Farb¬ 
stoffbestimmung der Galle bei Tag und bei Nacht, sowie 
die zeitraubende quantitative Analyse der festen Bestaiul- 
theile der Galle sind wohl geeignet, die volle Arbeitskraft 
eines Untersuchenden mehrere Monate hindurch zu absor- 
biren. 

Die Ergebnisse der mit den Alkalien angestellten Ver¬ 
suche lassen sich, da alle Verbindungen mit Ausnahme des 
taurochol- und glycocholsauren Alkali sich von einheit¬ 
licher Wirkung in Bezug auf die Gallenausscheidung zeig¬ 
ten, summarisch zusammenfassen. 

Es ergab sich, dass das Natr. bicarb., Chlornatrium, 
Natr. sulf., Karlsbader Salz, Natr. phosph., Kal. aceticum 
und Magn. sulf. in schwächeren Lösungen (0,5 und 
l,5°/o) keine Erhöhung, in concentrirteren Lösun¬ 
gen aber (3 und 5%>) eine nicht unbeträchtliche 
Verminderung der Gallensecretion bedingen. Die 
stärkste Verminderung ergab hierbei das Kalium aceti¬ 
cum, welches während der ersten 12 Stunden ein Sinken 
der Gallenmenge um c. 57%> im Vergleich zur Norm be¬ 
wirkte. Alsdann erfolgte, wie bei allten Alkalien, ziemlich 
rasch wieder die Rückkehr zur Norm ohne jeglich Nach¬ 
wirkung. 

Der Gallenfarbstoff weist unter dem Einfluss der Al¬ 
kalien keine ebenso ausgesprochene Gesetzmässigkeit auf. 
wie das Verhalten der Gallenmenge. Es unterliegt 
der Farbstoffgehalt bedeutenden Schwankungen. 
Im Allgemeinen geht aber aus den Tabellen wohl hervor, 
dass mit Abnahme der Gallenmenge der rel. Procent¬ 
gehalt an Gallenfarbstoff steigt, so dass die Galle in¬ 
folge des Einflusses der Alkalien wasserärmer 
und concentrirter wird. 

Die Gallensäuren zeigen den Alkalien gegen¬ 
über durchweg ein völlig indifferentes Verhalten, 
ihre Ausscheidung verblieb immer innerhalb normaler 
Grenzen — unabhängig von der veränderten Gallenmenge 
und vom Steigen oder Sinken des Farbstoffs. 

Die Fettbestandtheile ergaben sehr verschiedene Werthe; 
bezüglich der Erörterung dieses Umstandes muss ich auf 
die Originalarbeit verweisen. 

Fragen wir nach einer Erklärung für die gefundene 
Wirkung der Alkalien, so muss ich zunächst hervorheben, 
dass ein Theil der Autoren wie z. B. Lewasehew : und 
Klikowitsch, welche sich unter anderen Versuchsbedin¬ 
gungen speciell auch mit der Frage der Alkalien beschäf¬ 
tigten, wobei sie jedoch eine durch dieselben bedingte 
Vermehrung der Galle und Verdünnung derselben consta- 


tirten — uns'jede Erklärung für die von ilmen eruirte 
Wirkung schuldig bleiben; desgleichen auch Prövost 
und Bin et. Andere Autoren führen eine vermehrte resp. 
verminderte Gallenproduction auf Reizung der Leberzellen 
zurück, eine Reizung, die durch die veränderte Blutbe¬ 
schaffenheit auf die nervösen Apparate der Leber zu 
Stande käme. Nach Harnack beruht die Bedeutung der 
therapeutischen Wirkung der Alkalien darauf, dass der 
Darminhalt rasch entleert, der Leber also eine geringere 
Menge von Nährstoffen aus dem Darm zugeführt, und ihr 
somit eine geringere Arbeit zugemuthet wird. 

Diese Annahme möchte ich nicht so ohne Weiteres auch 
zur Deutung der oben dargelegten Alkalienwirkung herbei¬ 
ziehen. Handelte es sich doch hier nicht um eine ver¬ 
minderte Gallensäuren-und Farbstoffbildung, welche auf 
ein Fehlen von festen Bestandtheilen im Pfortaderblute 
schliessen Hesse, sondern lediglich um eine Verminderung 
des Wassergehaltes der Galle. Auch hätte sich doch wohl 
eine verminderte Ausnützung und Resorption von Nah¬ 
rungsmitteln unter dem Einflüsse der den Darm angeblich 
rasch entleerenden Alkalien in einem constanten Sinken 
des Körpergewichtes beim Hunde geäussert. Das war 
aber, wie wiederholte Wägungen des Hundes ergaben, 
nicht oder wenigstens in nicht nennenswerther Weise der 
Fall. Eine abführende Wirkung der AlkaHen trat auch 
ausserdem durchaus nicht prägnant genug hervor; immer 
prävalirte die diuretische Wirkung, während eine laxirende 
sogar in den meisten Fällen vermisst wurde. Es bleibt 
somit, wenn man schüesslich auch noch von der Annahme 
einer etwaigen specifischen Wirkung der Alkalien auf die 
Leber Abstand nimmt, wesentüch nur die Annahme einer 
chemischen Beziehung dex resorbirten Alkalien 
zum Wasser übrig, welches sie wie allen Geweben, so 
auch der Leber entziehen, an sich binden und dem Orga¬ 
nismus entführen — ein Einfluss, den wir bekanntlich als 
Salzwirkung zu bezeichnen pflegen. 

Es geschah oben noch einer letzten Versuchsreihe mit 
Galle und gallensauren Alkalien (taurochol- und glycochol- 
saurem Natron) Erwähnung. Ich will jedoch auf diese 
Versuche hier nicht näher eingehen, wiewohl dieselben 
im Einzelnen manches Interessante bieten. Es sei mir 
nur gestattet zu erwähnen, dass die Einführung von Galle 
und gallensauren Alkalien per os eine ganz bedeutende 
bis zu 24 ja 36 St. anhaltende Vermehrung der Gallen¬ 
menge sowie eine vermehrte Gallensäureausscheidung zur 
Folge hat. Der Gallenfarbstoff bleibt dabei unbeeinflusst. 

Als die die Vermehrung bedingenden Factoren erwiesen 
sich die Gallensäuren, die überhaupt nach ihrer Einfüh¬ 
rung per os aus dem Magendarmtractus resorbirt werden 
und in toto in der Leber zur Ausscheidung kommen, ein 
Umstand, der sich mit nahezu mathematischer Genauig¬ 
keit feststellen liess. Es besteht somit betreffs der Gal¬ 
lensäuren ein sehr vollkommenes Verhältniss zwischen 
Resorption und Ausscheidung durch die Leber.— Die dabei 
veranlasst« grössere-Wasserausscheidung in der Galle ist 
vielleicht nur als Ausdruck einer durch die vermehrten 
Gallensäuren bedingten stärkeren Bindung von Wasser 
in der Leber anzusehen. 

Ich habe auch noch mit Natrium salicylicum einige 
Versuche angestellt, die jedoch nicht unbedeutende Ver¬ 
giftungserscheinungen zur Folge hatten (vorübergehende 
Lähmung, Hämoglobinurie etc.), so dass die Untersuchung 
der Galle während dieses Zeitraumes mehr von toxikolo¬ 
gischem Interesse ist. 

Wenden wir uns einigen therapeutischen Erörterun¬ 
gen zu. 

Die Ergebnisse unserer Untersuchungen führten dahin, 
den Alkalien, wie dem Natr. bicarb., Chlornatrium, Natr. 
sulf., Magn. sulf., Karlsbader Salz, Natr. phosphoricum 
und Kalium aceticum eine gallenherabsetzende Wirkung 
zuzusprechen. Die Herabsetzung der Secretion kam in 
Folge einer verminderten Wasserausscheidung zu Stande. 


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Die Gallensäuren zeigten sich dabei von indifferentem 
Verhalten. 

Fragen wir nun, ob diese Resultate auch in Einklang 
zu bringen sind mit der Leistung der Alkalien in der 
Therapie der Leberkrankheiten, sowie mit dem Gesichts- 
puncte, unter welchem die Anwendung der Alkalien bei 
Leberkrankheiten erfolgt? 

Die günstige Wirkung der Alkalien bei Cholelithiasis 
und Ikterus steht ausser allem Zweifel, die Erklärung 
dieses nutzbringenden Einflusses findet jedoch eine ver¬ 
schiedentlich e Auslegung. Die einen Autoren mit Fre- 
richs 5 ) an der Spitze führen denselben auf eine Ver¬ 
mehrung der Galle und Verdünnung derselben zurück, 
so dass also die Bezeichnung der Alkalien als „Cholagoga“ 
bei dieser Auffassung in vollem Sinne zu Recht besteht. 
Andere wie Bamberger 6 ), Nothnagel und Rossbach 7 ) 
constatiren- zwar den empirisch unbestreitbaren Nutzen 
der alkalischen Mittel bei Ikterus und Gallensteinkolik, 
gestehen aber, dass ihre Wirkungsweise noch keines¬ 
wegs sicher genug festgestellt worden sei. 

Noch andere Autoren, wie z. B. Leichtenstern 8 ), 
geben bei der heilsamen Wirkung salinischer Wässer auf 
den acuten und chronischen katarrhalischen Ikterus neben 
der günstigen Beeinflussung des Duodenalkatarrhs und 
der Hinwegräumung der dem Gallenabfluss entgegen¬ 
stehenden Hindernisse in Gestalt der Schleimhautschwel¬ 
lung die Möglichkeit reichlicher Absonderung einer dün¬ 
neren, wasserreicheren Galle zu, doch müsse diese Secre- 
tionssteigerung dem Wasser und nicht dem Alkali zuge¬ 
schrieben werden. 

Wir waren nun aber in der Lage, auch beim Wasser, 
und zwar sowohl allein wie in Verbindung mit den Al¬ 
kalien, diesen die Secretion angeblich vermehrenden Ein¬ 
fluss zu widerlegen. Es forderte daher dieses Factum 
dazu auf, bei der Erklärung der günstigen Wirkung von 
Alkalien auf einen katarrhalischen Ikterus auch diesem 
Umstand zum mindesten Rechnung zu tragen Ich glaube 
aber noch weiter gehen zu dürfen, indem ich geradezu 
der Herabsetzung der Gallensecretion in solchen 
Fällen einen nicht geringen Antheil an der güns¬ 
tigen Wirkung zuspreche. 

Bei Ikterus auf katarrhalischer Basis haben wir es ja 
wesentlich mit Schleimhautveränderungen und Schwel¬ 
lungszuständen zu thun, einerlei welcher Ursache, mögen 
dieselben innerhalb der Gallenwege selbst oder ausser¬ 
halb im Duodenum liegen — genug wir haben ein Pas- 
sagehinderniss, welches die Galle bislang nicht überwinden 
kann. Die Folge davon ist eine Stauung von Galle und 
eine gewisse Drucksteigerung innerhalb der Abflusswege 
derselben. Aber auch diese Drucksteigerung ist nicht 
im Stande, das Hinderniss, zumal noch wenn es ganze 
geschwellte Gallengänge betrifft, zu überwinden, so dass 
sich allmälig, begünstigt von dem Einfluss der Druckstei¬ 
gerung eine Resorption von Galle innerhalb der Gallen¬ 
gänge immer mehr geltend macht und die Erscheinungen 
des Ikterus zunehmen. 

Erscheint es daher nicht fraglich, wie weit es unter 
solchen Umständen überhaupt rationell wäre, eine jede 
Drucksteigerung durch grössere Secretionsthätigkeit der 
Leber noch anzuregen? Die Alkalien, die das der An¬ 
forderung nach bewirken sollen, thun es jedenfalls nicht 
und der Organismus fährt, wie die Erfahrung es lehrt, 
besser dabei. Sie vermindern vielmehr unseren Ergeb¬ 
nissen nach die Wasserausscheidung in der Leber und 
beugen somit wohl einer übermässigen Drucksteigerung 

5 ) Frerichs, Klinik der Leberkrankheiten. Braunschweig, 
1861. 

®) Bamberger, Krankheiten des chylopoetischen Systems. 
Virchow, Handb. der spec. Pathol. und Therapie, 133; IV. 
Abth. I, S. 629. 

7 ) Nothnagel und Rossbach, Handb. d. Arzneimittellehre. 
Berlin, 1884. 

8 ) L. c. 


gerade vor, entlasten also dadurch die grossen, kleinen 
und namentlich kleinsten Gallengänge, wohin wir, wie 
Kunkel 9 ) darauf hin weist, wesentlich die Resorption 
verlegen müssen, weil hier der Gesammtquerschnitt am. 
grössten, also die absorbirende Oberfläche am weitesten ist. 

Inzwischen üben dann aber auch die Alkalien gleich¬ 
zeitig ihre durchaus wohlthätige Wirkung in der Beein¬ 
flussung des Katarrhs der afficirten Schleimhäute aus 
und die Galle selbst wird bei ihrem event. stärkeren 
Alkaligehalt durch Lösung des Schleimes weniger zähe 
und getrübt erhalten, bis die Abflusswege der Galle 
wieder gebahnt sind. Dieser selbige Gesichtspunct lässt 
sich auch bei der Therapie der Cholelithiasis vertreten. 

Auf diese Art ist der Organismus auch vor 
einer grösseren Imprägnirung und Ueberschwem-: 
mung mit Galle und ihren Bestandtheilen ge¬ 
schützt. 

Von dieser Anschauung ausgehend, Hesse sich demnach 
das Karlsbader Wasser im Verein mit dem Kalium 
aceticum, welches ja die Gallensecretion am ener¬ 
gischesten herabsetzt, für die Therapie eines katarrha¬ 
lischen Ikterus durchaus empfehlen. Aber nicht nur 
beim katarrhal. Ikterus, auch bei completer Behinderung 
der Abflusswege aus anderen dauernden oder vorüber¬ 
gehenden Ursachen, Hesse sich das Kal. acet. empfehlen, 
um wenigstens die lästigen Symptome eines zunehmenden 
Ikterus, ja selbst vielleicht das Hautjucken zu heben. 

Mehrere Versuche, welche ich mit grösseren Gaben von 
Kal. acet. auf der Dorpater medicinischen Klinik unter 
meinem Chef, Prof. Unverricht, Gelegenheit hatte an 
Ikterischen auszuführen, haben nicht ungünstige Resultate 
ergeben: der Harn wurde meist sehr bald unter dem 
Einfluss von Kal. acet. (ä 4—6 Grm. pro die) auffallend 
heller, und der nachweisbare Gallenfarbstoff in demselben 
nahm ab oder schwand ganz. Wurde sodann mit dem 
Kal. acet. ausgesetzt, so nahm der Harn wieder ziemlich 
rasch eine recht dunkle Farbe an, und es trat in dem¬ 
selben wieder Gallenfarbstoff auf. Diese Erscheinungen 
gingen dann wiederum zurück, sobald mit dem Kalium 
aceticum aufs Neue eingesetzt wurde. Dabei wurden auch 
die übrigen Erscheinungen des Ikterus nicht ungünstig 
beeinflusst — vornehmlich beim katarrhal. Ikterus. In 2 
Fällen von hypertrophischer Lebercirrhosis mit Hautjucken 
schwand dasselbe, ebenso wie auch bei gewöhnlichem 
katarrhalischen Ikterus, nach kürzerer Zeit. 

Die Patienten vertragen das Kalium acet. recht gut, 
auch selbst bei längerem Gebrauch. Am meisten zu 
empfehlen ist wohl die Vereinigung von Karlsbader Wasser 
und Kalium aceticum, wobei von ersterem, wenn erwünscht, 
morgens ein Glas und hinterher im Verlauf des Tages 
Kalium aceticum in mehrmaligen Gaben ä 1—1,5 Grm. 
in Mixtur verabreicht werden kann. 

Wollte man nun aber wirklich einen katarrhalischen 
Ikterus oder Cholelithiasis auf dem Wege eines höheren 
Secretionsdvuckes durch dem entsprechende Mittel — also 
Cholagoga iin eigentlichen Sinne des Wortes — behandeln, 
so wäre das ein Gesichtspunct, den ich vor der Hand durch¬ 
aus nicht abweisen möchte, namentlich nicht, sofern das 
entsprechende Mittel gleichzeitig die Bildung fester Gallen- 
bestandtheile herabsetzt, so dass die verringerte Gallen- 
concentration wenigstens ausgeglichen würde. 

Auf Grund letzterer Bedingung muss auch bei einem 
Ikterus die Anwendung von Galle selbst und gallensauren 
Salzen, als ein die Secretion vermehrendes Mittel, jeden¬ 
falls durchaus verwerflich erscheinen, da die erhöhte 
Wasserausscheidung hier mit einer vermehrten Ausschei¬ 
dung und Resorption von Gallensäuren in der Leber 
zusammenhängt. 


9 ) Kunkel, Eisen- und Farbstofbestimmung in der Galle. 
Pflügers Archiv. Bd. XIV. 


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Referate. 

J. Stilling und J. Wortmann. Anilinfarbstoffe als Anti- 
septica und ilire Anwendung in der Praxis. Zweite 
Mittheilung. Strassburg 1890 J. Trtlbner. 

Im ersten, botanischen Theile der Arbeit bringt Wortmann 
eine ganze Reihe sorgfältig durchgeführter Experimente und 
Untersuchungen zum Beweise der eminent entwicke¬ 
lungshemmenden und bakterientödtenden Eigen¬ 
schaften der Anilinfarbstoffe. 

Der Anilinfarbstoff lagert sich zunächst in die Micellarin- 
terstitien der Membran der Zelle. Bringt man solche membran- 
gefärbte Zellen in reines Wasser, so diffundirt der Farbstoff sehr 
bald wieder heraus und die Zelle wird wieder farblos. Hieraus 
ist zu schliessen, dass der Farbstoff die Membran der lebenden 
Zelle nicht chemisch afficirt, sondern rein mechanisch. Gelangt 
aber der Farbstoff, bei concentrirteren Lösungen oder längerer 
Einwirkung, in das Protoplasma, so wird dadurch die Zelle ab- 
getödtet. Bemerkenswerth ist, dass in der getödteten Zelle 
der Farbstoff festgehalten und in Wasser nicht wieder ab¬ 
gegeben wird. 

Fäulnissbakterien werden in Methylviolettlösung von 1:1000 
in V* Stunde und in 1:2000 in 1 Stunde getödtet. 

Bacillus subtilis wird in 1:1000 bereits in 5 Minuten ge¬ 
tödtet. • « 

Bacillus anthracis wird in 1:16000 in nur 10 Minuten ge¬ 
tödtet. 

Staphylokokkus pyogenes aureus wurde in 1:10000 in 
15 Minuten sicher getödtet. 

Milzbrandsporen und Heubacillus in 1:500 und 1:1000 
in V* Stunde vernichtet. 

Penicillium glaucum, Phycomvces nitens, Asper- 
gillus lriger werden ebenfalls durch Methylviolett in ihrer Ent¬ 
wickelung gehemmt resp. abgetödtet. Den Culturversuchen sind 
zahlreiche controlirende Thierversuche angeschlossen. 

Die Anilinfarbstoffe können als vollständig ungiftig 
angesehen werden. Ein Kaninchen verträgt z. B. I 1 /« Gramm 
suDcutan vollständig gut. Auf offene Wunden dürfen dreist 
grosse Quantitäten der reinen Substanz aufgepulvert werden. 
Ausserordentlich ist die Diffusibilität der Anilinfarb¬ 
stoffe. Eine örtlich reizende Wirkung übt das Pyo- 
ktaninnicht aus. DasPyoktauin coagulirtkeinEiweiss, 
ist geruchlos. Es entspricht somit allen Forderungen, die man 
a priori an e i Q brauchbares Antisepticum stellen muss. 

Bekanntlich wurde das Mittel bereits in der ersten Veröffent¬ 
lichung Stilling’s sehr dringend empfohlen; es wurde allge¬ 
mein stark verlangt und jeder Arzt dürfte Gelegenheit gehabt 
haben, es in der Praxis zu versuchen. Die Urtheile über die 
Leistungsfähigkeit des Mittels fielen bekanntlich sehr verschieden 
aus und nicht wenig Stimmen erhoben sich, welche den Werth 
des Pyoktanins auf Grundlage gemachter klinischer Erfahrung 
nicht Bestätigten. In Sonderheit war solches der Fall auf dem 
Gebiete der Ophthalmologie, dem Specialfache Stilling’s. Der 
ersten Veröffentlichung Stillings üoer das Pyoktanin kann mit 
vollem Rechte der Vorwurf gemacht werden, dass dieselbe zu 
optimistisch gehalten war und genauer Hinweise auf die Art der 
Verwendung in der Praxis entbehrte. Die vorliegende Arbeit 
wird nun letzterer Anforderung zum Theil gerecht und Referent 
glaubt, dass wohl Jeder der bisher mit dem Mittel keine Resul¬ 
tate erzielte, nach Einsicht in die vorliegende Mittheilung, sich 
nochmals der Mühe unterziehen sollte, das Pyoktanin zu erproben. 

Stilling erbittet sich die Mithilfe aller Specialisten um für das 
Pyoktanin eine Methode auszubilden, nach der es in richtiger 
Weise in den verschiedenen Krankheitsgruppen zur Anwendung 
kommen sollte. 

Von den Gesichtspunkten, die Stilling für eine richtige Me¬ 
thode anführt, seien folgende erwähnt. 

Es kommt im einzelnen Falle darauf an, sich über den Sitz 
der krankheitserregenden Organismen und über die Verhält¬ 
nisse, unter welchen dieselben wirken, klar zu werden. Um 
den Zutritt des Farbstoffes zu ermöglichen z. B. bei Hautkrank¬ 
heiten, sollte man zunächst die Stellen mit Alkohol reinigen, 
respective alkoholische Lösung anwenden. Bei oberflächlichen 
IIornhautinfiltFaten bemühe man sich durch geeignete Kopf und 
Lidhaltung ein zu schnelles Abfliessen zu hindern. Bei sub- 
cutaner Anwendung in eiterdurchtränkte Gewebe muss man sich 
darüber erst klar sein, Welche Hindernisse zu überwinden sind, 
um den Farbstoff hineinzubringen, und muss annähernd abge¬ 
schätzt werden, wieweit die injicirte Flüssigkeit durch die Aus¬ 
scheidungen in den erkrankten Geweben verdünnt werden könnte. 
In casu könnte also eine Lösung von 1:1000, die sonst sicher 
Eiterkokken tödtet, zu schwach sein. Man soll im Ganzen das 
Pyoktanin für die Behandlung in eiterigen Processen in der 
Chirurgie, wie das Jodoform gebrauchen. Auf grosse Wunden 
und ausgiebige, den Zugang vermittelnde Einschnitte kann das 
Pyoktanin Grammweise m reiner Substanz aufgepulvert werden. 
Die Wunden heilen ohne Störung des Allgemeinbefindens unter 
Schorfbildung. Bei Fisteln sind Pyoktaninantrophore anzuwenden. 
Bei Anwendung von Lösungen ist zu bedenken, dass nicht nur 


die kranken, sondern auch die umgebenden gesunden Theile 
das Pyoktanin aufsaugen und rasch weiter dimindiren lassen, 
also der Stoff verloren geht, während die erkrankten Theile 
den Farbstoff aufspeichern sobald genügender Zutritt vorhanden 
ist Höhlen sind daher öfter auszuspritzen. 

Zahlreiche Versuche haben Stilling bewiesen, dass Eiterung 
coupirt werden kann, wenn man das Pyoktanin mit den eiternden 
Geweben in innige Berührung bringt. Wie solches im ein¬ 
zelnen Falle zu erreichen ist, aas ist noch der Erfahrung Vieler 
Vorbehalten. 

Stilling hat gute Erfolge gehabt bei Geschwüren. Furunkeln, 
Knocheneiterungen. Speciell in der Augenheilkunde: bei Ble¬ 
pharitiden mit 2°/o Salbe und dem Stift, mit welchem die Haar¬ 
wurzeln gehörig zu touchiren sind. Bei eiteriger Conjunctivitis 
die besten Erfolge mit Einträufelungen 1:1000 oder auch 2% 
Streupulver. Schwellungskatarrhe ohne starke Secretion wider¬ 
stehen dem Pyoktanin. In gewissen Fällen wäre vor Application 
des Pyoktanins zu scarificiren, um dem Farbstoffe den Eintritt 
zu ermöglichen. Trachom hat Stilling mit dem Stift touchirt 
mit Erfolg. Da Pyoktanin auch die thierische Zelle tödtet, so 
wandte Stilling es auch bei Pterygien und Ulcus rodens der 
vorderen Wand des Thränensackes an und zwar ebenfalls mit 
Erfolg. Sehr zufriedenstellend waren die Resultate bei den 
ulcerösen Hornhautprocessen; öfters wird mit Einstichen und 
Einschnitten der Substanz der Weg gebahnt. Bei Panophthal- 
mitis und Cyclitis empfiehlt Shilling es mit l°/oInjectioneu zu 
versuchen. Die 2°/o Pyoktanin-Salbe hat im Ganzen dieselben 
Indicationen, wie die Pagenstechersche Salbe. Das Pyoktanin 
entfaltet am Auge eine auffallend schmerzstillende Wirkung und 
beseitigt in Folge dessen Lidkrampf und Lichtscheu. Bei Kera¬ 
titis parenchymatosa mit unverletzter Oberfläche der Hornhaut 
ist letztere erst etwas anzustechen, damit der Farbstoff ein- 
dringen kann. Gute Erfolge wurden auch bei Iritis und Cho¬ 
rioiditis erzielt. Auch hier ist die Frage der Kammereröffnung 
in Betracht zu ziehen, um das Anilin direct hineinzubringen. 
Bei Eczemen und venerischen Krankheiten, sowie in der Thier¬ 
heilkunde wurden ebenfalls sehr gute Erfolge erzielt. 

Die bisher verwandten Praeparate sind: 1) Substanz — bei 
offenen grösseren Wunden una Geschwüren; muss so reichlich 
aufgepudert werden, dass sich eine Schorfdecke bildet, deren 
spontane Abstossung abzuwarten ist. 2) Stifte, grosse und 
kleine, die vor dem Gebrauch anzufeuchten sind, zu den ver¬ 
schiedensten Sterilisationen. 3) Streupulver l°/oo und 2%», in der 
Augenheilkunde und bei kleinen oberflächlichen Hautdefecten. 
4) Salbe 2%> bis 1:10 in der Augenheilkunde und bei Haut¬ 
krankheiten, Constituens Vaselin. 5) Lösungen l°/oo bis l°/o, 
in der Augenheilkunde und zu Irrigationen und Iniectionen. 
Zu beachten ist, dass die Lösungen sich am Lichte bald zer¬ 
setzen, daher ist nur auf einige Tage Vorrath fertig zu halten. 
Die beginnende Zersetzung macht sich kenntlich an der Ab¬ 
nahme der Färbekraft, was am besten am Auge zu sehen ist 
Stäbchen und Antrophore aus Pyoktanin sind ebenfalls bereits 
zu haben. Ger mann. 

Hey mann und B. Frankel. Die Wirkung des cantha- 
ridinsauren Kali auf Tuberculöse. Vorträge in d. Berl. 
medic. Gesellschaft. Berl. klin. Woch & 9. 

Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Liebreich, gehalten 
in der Berliner medicinischen Gesellschaft, berichteten Hey¬ 
mann und B. Fr änkel über die Beobachtungen und Erfahrungen, 
die sie mit dem cantharidinsauren Kali gemacht haben. Ersterer 
hat in seiner Behandlung 27 Kranke; — sein Bericht erstreckt 
sich jedoch nur auf 17; von diesen betreffen 11 Fälle tuber¬ 
culöse Zerstörungen im Kehlkopf, zum Theil allerschwerster 
Natur, während die übrigen 6 Patienten an chronischem Kehl¬ 
kopfkatarrh laborirten. Die Fälle von Kehlkopftuberculose waren 
sämmtlich mit Lungenphthise complicirt. Die angewandte Dosis 
des Mittels schwankte zwischen 0,0001—0,0004 Gr. Die Injec- 
tionen wurden meist täglich ausgeführt. Absichtlich gestattete 
Hey mann seinen Patienten, ihren Lebensgewohnheiten nach¬ 
zugehen. selbst das Cigarrenrauchen wurde nicht verboten. Die 
Einspritzungen vertrugen die meisten Kranken sehr gut. All¬ 
gemeine Klagen wareu nicht häufig; 2mal wurden Kopfschmerzen 
angegeben. Einige Patienten bekamen diarrhoische Stühle, die 
aber bald wieder verschwanden, ferner Tenesmus und Brennen 
beim Uriniren. In solchen Fällen wurden die Injectionen aus¬ 
gesetzt und T-ra Opii verordnet. Albuminurie trat nicht ein. 
l)ie Fälle von Tuberculöse gehörten zu deu schwereren bis zu 
den schwersten, die Laesionen im Kehlkopf und in den Lungen 
waren sehr umfangreich. Die Stimme war meist stark heiser, 
sogar bis zur Tonlosigkeit. Schon nach 3 oder 4 Einspritzungen 
trat eine auffallende Besserung des Allgemeinzustandes ein, die 
Sprache hellte sich auf. In 3 Fällen coustatirte Heymann, 
dass die feuchten Rasselgeräusche, sowie das Schnurren und 
Pfeifen auf der Lunge fast gänzlich schwanden, der Husten wurde 
seltner. In fast allen Fällen verminderten sich die Naehtschweisse. 
Die laryngoskopische Untersuchung ergab eine Abnahme der 
Röthung und Infiltration, ein Erblassen und eine Abflachung 
der Granulationen. Die Geschwürsbildungen reinigten und ver¬ 
kleinerten sich vom Rande her. Eine Reihe wohl constatirter 


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Geschwüre ist bereits völlig geheilt, andere sind in Heilung be- 

f iiffen. Zu acuten Nachschüben kam es zwar zuweilen, jedoch 
esserten sich dieselben bald. Zum Schluss seines Vortrages 
führt Heymann noch folgenden Fall an: Ein hereditär be¬ 
lasteter Patient bot bei seiner Annahme eine geringe Infiltration 
und Rüthuug des rechten und eine straffe wurstförmige Ver¬ 
dickung des linken Stimmbandes. Auf der Höhe dieser Infil¬ 
tration befand sich eine grauweiss belegte Geschwürsfläche. Die 
Stimme des Patienten tonlos. Geber der rechten Fossa supra- 
spinata Abschwächung des Percussionsschalles, unbestimmtes 
Athmen mit bronchialem Exspirium. Nach 9 Einspritzungen 
heilte das Geschwür vollständig, die Infiltration ging merklich 
zurück und nach 12 Injectionen schwauden auch die ausculla- 
torischen Erscheinungen. Die Stimme wurde klar und rein. 
Die Fälle von katarrhalischem Kehlkopfleiden reagirten im 
Ganzen auch günstig auf das Cantharidin. 

In derselben Sitzung demonstrirte Prof. B. Fraenkel 5 Pa¬ 
tienten, welche mit dem cantharidinsaurenKali behandelt wurden. 
Auch er constatirte eine rapide Besserung tuberculöscr Affec- 
tionen, das Geringwerden der Kehlkopfinnltrate und die Rei¬ 
nigung der tuberculösen Kehlkopfgeschwüre. Bei genauer Unter¬ 
suchung der Bacillen während der Behandlung mit dem Can¬ 
tharidin constatirte F., dass die Tuberkelbacillen etwas von 
ihrer Tinctionsfähigkeit verlieren. Färbt man sie in der ge¬ 
wöhnlichen schnellen, vom Autor selbst angegebenen Weise, so 
tärben sich manche Bacillen gar nicht. Ausserdem glaubte 
Fraenkel eine Abnahme ihrer Zahl constatiren zu können. 
Was die Injectionen anlangt, so seien sie schmerzhaft. Stran- 
gurie trete häufig ein; einmal beobachtete er Tenesmus, Blut- 
narnen nie, einmal eine leichte Opalescenz des unter dem Zusatz 
von Salpetersäure gekochten Urins. Als Anfangs losis stellt F. 
0.0001 auf. Einige Patienten klagen nach den Einspritzungen 
über eigeuthümlicke Erscheinungen im Halse, einige gaben das 
Gefühl der Völle, der Wärme im Halse an. Bei der zu dieser 
Zeit vorgenommenen laryngoskopischen Untersuchung constatirte 
F. ein starkes Glänzen der betreffenden Region, ohne dass ver¬ 
mehrte Schwellung vorhanden war. Abel mann. 


Protokolle der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. 

1156. Sitzung am 16. Januar 1891. 

Anwesend 53 ordentl. Mitglieder und 9 Gäste. 

1. Internum. 

2. Zu dem auf der vorhergehenden Sitzung gehaltenen Vor¬ 
trage Dr. Bergmann’s äussert Dr. Voss: Vom Standpunct 
des Ohrenarztes könne er sich mit Dr. B.’s Ansicht, adenoide 
Vegetationen des Nasenrachenraumes seien hier zu Lande in 
der Regel gering und meist leicht durch Jodglycerin zu besei¬ 
tigen, nicht einverstanden erklären. Nachdem auch er anfangs 
Jodglycerin versucht, habe ihn die Erfahrung gelehrt, dass 
man damit meist nicht ausreiche. Jetzt kratze er den Nasen¬ 
rachenraum in der Regel aus und sei oft erstaunt gewesen, wie 
grosse Massen von adenoiden Vegetationen er habe entfernen 
müssen. 

Zu der operativen Behandlung der Nebenhöhlen übergehend, 
macht Dr. Voss auf die grossen anatomischen Differenzen in 
der Lage und Grösse der Highmorshöhle aufmerksam, die sogar 
bei ein und derselben Person beobachtet werden, er spricht 
sich, hierauf gestützt, dahin aus, dass nur bei breiter Eröffnung 
von aussen man dessen sicher sei, sie zu treffen. Der vom 
Gaumen her eingestossene Troicart gelange manchmal statt in 
die Highmorshöhle in die Nase oder in die Weichtheile. 

Dr. Bergmann: Der einzelne Fall erfordere die Wahl einer 
Methode der Eröffnung der Highmorshöhle entweder durch Er¬ 
weiterung des physiologischen Weges oder durch Eröffnung von 
aussen u. s. w. — Adenoide Vegetationen im Nasenrachenraum 
reibt Dr. B. aufs gründlichste mit Jodglycerin ein. indem er 
dazu eine mit Watte umwickelte Sonde benutzt, und ist mit den 
Resultaten dieser Behandlung zufrieden. Reicht man hiermit 
nicht aus, so sei zur operativen Beseitigung zu schreiten. — Fälle, 
bei denen die Prüfung des Gehörs ein ungünstiges Resultat er¬ 
geben, schicke er zum Ohrenarzt. 

3. Dr. Dahlfeld stellt einen Fall von doppelseitiger Ocu¬ 
lomotoriuslähmung vor. Vollständig gelähmt sind beider¬ 
seits Reet, int., Reet, sup., Reet inf., Obliquus inf. und der Sphincter 
iridis. Nicht gelähmt ist beiderseits der Levator palpebrae. sup. 
und der Ciliarmuskel. Ob der Trochlearis paretisch ist, lässt 
sich nicht sicher constatiren—jedenfalls ist ein erheblicher Theil 
seiner Function erhalten. Sämmtliche übrigen Ilirnnerven func- 
tioniren normal. Vortragender deducirt, wie mau auf Grund 
dieses Befundes eine Nuclearlähmung anzunehmen berechtigt sei. 
(Autorreferat). 

4. Dr. Johannson demonstrirt einen Aeranius, den eine 
20jährige Prostituirtc im Hospital zu Alexandershöhe geboren. 
Die Pars frontalis mit den Tut», frontal, des Stirnbeins fehlt voll¬ 
ständig; ebenso fehlt der grösste Theil der Scheitelbeine, nur 
entsprechend den beiden hinteren oberen Winkeln sind dieselben 
mit einander knöchern verbunden. Vollständig fehlt auch die 
Schuppe des Hinterhauptbeins. Anstatt derselben fiudet sich 


eine grosse dreieckige Oeffnung, aus welcher ein walluussgrosses 
sehr blutreiches Gewebestück heraushängt. Die Kopfhaut, mit 
spärlichen 2 Cm. langen Haaren besetzt, bedeckt den rudimen¬ 
tären Hirnschädel bis zur vorhin genannten Oeffnung im Hinter¬ 
kopf. — Die Geburt fand am Schluss des 8. Schwangerschaftsmo¬ 
nats statt und dauerte 50 Stunden. Hydramnion. (Autorreferat). 

5. Dr. Eduard Schwarz demonstrirt zwei Schwestern mit 
progressiver Muskelatrophie nach dem Typus Duchenne. 
Die Krankheit lässt sich bereits durch 4 Generationen verfolgen: 
die Urgrossmutter hat blos Atrophie einzelner Gesichtsmuskeln 
aufgewiesen (unvollkommener Lidschluss); bei dem jetzt 73 jäh¬ 
rigen Grossvater stellten sich die ersten Krankheitserscheinungen 
mit 50 Jahren ein; die Mutter weist bedeutende Atrophien auf, 
namentlich an den Schultern. Von 5 lebenden Geschwistern ist 
ausser bei den zwei demonstrirten an 2 Brüdorn beginnende 
Atrophie zu constatiren, bei dem jüngsten blos an den Augen, 
bei aem Zweitältesten auch an den Oberarmen. 

Anschliessend hieran referirt Vortr. über folgende familiäre Er¬ 
krankung: von 5 Kindern eines gesunden Elternpaares sind 4 
mit typischer Dystrophia muscularis Erb behaftet, die jede 
für sich in classischer Weise die verschiedenen Stadien der 
Erkrankung erkennen lassen. 

Zum Schluss demonstrirt Vortr. einen Mann mit atrophischer 
Schultermusculatur, aber bis auf den Supinator longus mtacten 
Annen; die Erkrankung stammt nach Angabe des Pat. aus dem 
Kindesalter.. Vortr. hält den Fall für eine Dystrophia musc. Erb, 
die im Kindesalter entstanden und zum Stillstann gekommen ist. 
Pat. hat trotz seiner elenden Schulter mit Plankentragen sein 
Brod verdient —was ihm der äusserst kräftige Levator anguli 
scapulae ermöglicht, _ Heerwagen. 

Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

— Legoux lobt folgende Pinselung gegen Fussschweisse: 
Liquor terr. sesqüichl. 30,0 Glycerini 10,0 01. Bergam. gtt nonnull. 

— Bei der Behandlung eines Gesichtsschmerzes, welcher die Au¬ 
genlider eines Patienten, der ausserdem noch an Hemeralopie litt, 
betraf, hat Grandclement eine ausserordentliche Besserung 
der letzteren vom Antipyrin gesehen. Auch bei 2 anderen 
Kranken mit Hemeralopie in Folge von Retinitis pigmentosa trat 
auffallende Besserung ein. G. räth die Anwendung des Anti¬ 
pyrin gegen Hemeralopie dringend an. (Sem. medic 54). 

— Das Pyoktanin hat sich nach einer von Prof. Eggeling 
im Teltower landwirtschaftlichen Verein gemachten Mittei¬ 
lung auch bei der Maul- und Klauenseuche ausserordent¬ 
lich bewährt. Der kranke Körperteil wird mit einer Lösung 
von 1:100 gut ausgespritzt. (Allgem. med. Centrlz. A; 17). 


Vermischtes. 

— Zum ausserordentlichen Professor der Pharmako¬ 
logie an der Universität Tomsk ist Dr. A. M. Fortuna- 
tow aus St. Petersburg ernannt worden. 

— An Stelle des im vorigen Jahre verstorbenen Dr. Goli- 
zynski ist Dr. Jablokow zum Oberarzt der Säuglings- 
Abtheilung des Moskauer Findelhauses ernannt worden. 

— Verstorben: 1) Ara 16. Februar in Ssusdal der Land¬ 
schaftsarzt W. M en zi im 60. Lebensjahre. Er wurde vom Schlage 
gerührt, als er gerade einen kranken Collegen besuchte. Der 
Hingeschiedene erfreute sich allgemeiner Liebe unter den Ein¬ 
wohnern ; hinter seinem Sarge folgte daher fast die ganze Stadt 
und viele Bauern aus den umliegenden Dörfern (Wr.). 2) Am 
13. Februar in Kirssanow der freiprakticirende Arzt Const. 
Radwilowitsch im 65. Lebensjahre. Er hat seine Familie 
ganz mittellos hinterlassen. 3) In Ufa am 3. Februar der Or- 
dinator des dortigen Gouvernements - Landschaftshospitals N. W. 
Tschanschanski, 35 Jahre alt. 4) In Grodno am 17. Feb¬ 
ruar der Dorfarzt im Flecken Skidel, N. W. Pjechow, im 
33. Lebensjahre an der Schwindsucht. Seine Frau ist ohne jeg¬ 
liche Existenzmittel zurückgeblieben. 5) In Budapest der Pro¬ 
fessor der Physiologie und Mitglied der Academie der Wissen¬ 
schaften, Dr. Eugen Jendrassik, im 68. Lebensjahre an Ery- 
sipelas. 6) In Graz der bekannte Ophthalmologe, Prof. emer. 
Dr. Carl ßlodig. 

— Verabschiedet mit Uniform: Der Divisionsarzt der 
V. Cavalleriedivision Dr. Hermann, unter gleichzeitiger Be¬ 
förderung zum wirklichen Staatsrath. 

— Prof. Liebreich (Berlin) soll von einer französischen Dame, 
die an Tuberculose leidend in Pau weilt, dorthin berufen sein, 
um sein neues Heilverfahren anzuwenden und die Reise nach 
Pau über Paris, wo er einige Tage sich aufhalten wird, bereits 
angetreten haben. 

— Wie aus Paris gemeldet wird % hat Dr. Ley in Paris mit 
den von ihm zu Rathe gezogenen Klinikern Cornil und Rieh et 
die Behandlung von Tuberculösen nach der Liebreich’schen 
Methode begonnen. 

— Prof. Robert Koch, der sich gegenwärtig in Egypten auf¬ 
hält, gedenkt zu Anfang des April Monats nach Berlin zurück- 
zukehreu, um die Leitung des der Vollendung entgegengehenden 
neuen Instituts für Infectionskrankheiten zu übernehmen. 


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XVI. JAHRGANG. 


ST. PimSllljRGER 


Neue Folge Vlftl. Jalirg. 


KEDimilSCIE WOCHEKSDHEIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonnementaprei* ist in Bauland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
L&ndern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn. — Den 
Autorfti werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
RefeÄte werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die ßuchhaudlung von Carl Bicker in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect ,\s 14, zu richten. — llanuscripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet mau au 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Schröder in 
St.Petersburg, Malaja Itayanskaja.>e 33, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 


11 


St. Petersburg, 16. (28.) März 


1891 


Inhalt. A. v. Bergmann: lieber das Indicationsgebiet der Gelenkresectionen.— Oscar Johannseu: l'ebcr Stenose des 
üussern Muttermundes. — Referate: Prof.Unverricht: Dermatomyositis acuta. — Richard Wolffhardt: Ueber den Einfluss 
des Alkohols auf die Magenverdauuug. — Protokolle der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Wissenschaft¬ 
liche Verhandlungen der Dorpater Medicinischen Facultät. — Vermischtes. — Anzeigen. 


Ueber das Indicationsgebiet der Gelenk- 
resectionen. 

Vortrag gehalten auf dem II. Aerztetag der Gesellschaft 
livländischer Aerzte. 

Von 

l)r. A. v. Bergmann. 

(Riga) 

M. H. Das erste halbe Jahrhundert geht zu Ende, 
seitdem die Gelenkresectionen sich Eingang in die chirur¬ 
gische Praxis geschafft. Wohl sind sie von den Chirurgen 
der alten und neuen Welt in ausgiebigster Weise ange¬ 
wandt, geprüft und erprobt worden, aber noch stehen 
wir vor einer Anzahl • offener Fragen auf diesem Gebiet 
chirurgischen Eingreifens, Fragen die sich trotz der Er¬ 
fahrungen der grossen Kriege dieses halben Jahrhunderts, 
trotz einer ansehnlichen Reihe von statistischen Zusammen¬ 
stellungen über Resectionen in der Friedenspraxis noch 
immer nicht zu einer endgültigen allgemein angenom¬ 
menen Lösung durchgerungen, wenngleich in mancher 
Beziehung auch eine derartige Lösung in nicht allzuferner 
Zukunft zu erwarten steht. 

Gestatten Sie mir nun Ihnen kurz diese Fragen 
zu beleuchten. 

Abstrahiren wir zunächst von den Resectionen in der 
Friedenspraxis und denken Sie sich den Kall, in den ja 
die Mehrzahl von Ihnen stets kommen kann, dass Sie im 
Frieden Kriegschirurgie treiben müssen, und dann Stellung 
zu nehmen haben, ob Sie den vorliegenden Gelenkschuss 
mittelst antiseptischer Occlusion und immobilisirendem 
Verbände behandeln wollen, ob Sie ihn conservativ bis 
zu einer Resection in der 2. oder 3. Woche nach der 
Verletzung, der sog. sekundären Resection, hinhalten wollen, 
oder ob sie primär reseciren resp. sofort amputiren sollen. 
Oder endlich, wenn Sie den Fall dem Chirurgen des 
nächsten grösseren Hospitals zuweisen wollen, ob Sie den 
Verletzten transportiren dürfen und unter welchen Cau- 
telen. 

Jede einzelne dieser Fragen hat ein Mal die Majorität 


der maassgebendsten Chirurgen für sich gehabt, v. Langen- 
beck, Stromeyer, Esmarch lehrten nach dem l.dä- 
, nischen Kriege, dass die Gelenkschüsse primär zu rese- 
I ciren seien. Während des 2. dänischen Krieges 1864 
und während des nordamerikanischen Krieges ist dieses 
: denn auch geschehen, soweit Schulter- und Ellenbogenge- 
i lenk betroffen waren, für den Knieschuss galt die Ampu- 
1 tation, für den Schuss in’s Hüftgelenk die Exarticulation 
: als einzige rationelle Behandlung. Allein schon 186G, als 
j v. Langen heck und Maas noch die Noth wendigkeit derpri- 
I mären Resection betonten, sind sehr wenig primäre Re¬ 
sectionen gemacht worden, dasL T ebermaass an Arbeit zwang 
zur exspectativen Behandlung, uud diese bewies jetzt 
und noch mehr während des Krieges 7 %i, dass eine Anzahl 
von Gelenkschüssen unter dem Schorf mit vollster Be¬ 
weglichkeit des Gelenkes auszuheilen im Stande sei, und 
dass ferner die Gelenke, welche im weiteren Verlauf eine 
sog. Secundärresection erforderten, wesentlich bessere Re¬ 
sultate geben, als die noch 1868 von v. Langenbeck') in 
seiner Rede über die Schussfracturen der Gelenke ge¬ 
forderte Primärresection. Nach dem deutsch-französischen 
Kriege ist auch v. L an ge n b eck Anhänger der conservati ven 
Behandlung geworden, und wahrlich giebt Gurlts 2 ) Sta¬ 
tistik der Resectionen der 4 deutschen und des nord¬ 
amerikanischen Krieges ein trauriges Facit: 

Von 652 mit dem Leben davongekommenen Resecirten 
haben nur 36,81°/« ein gutes functionelles Resultat zu 
verzeichnen, während nahezu % (63,10°/«) eine gänzlich 
unbrauchbare Extremität als Resultat des Eingriffes nach¬ 
behielten; dabei betreffen diese Zahlen vorwiegend Schulter-, 
Ellbogen-, Hand- und Fussgelenkresectionen, da von den 
resecirten Hüftgelenken 00,67% und von den resecirten 
Knien 81,89% der Operation erlegen waren. Sie werden 
einwenden, dass diese Zahlen nur mehr historischen Werth 
haben, dass nach dem Umschwung, den die Einführung 
des antiseptischen Verbaudes zu Stande gebracht, völlig 

v. Lange nb eck. Rede über die Schussfracturen der Gelenke 
und ihre Behandlung. 1868. Berlin. 

*) Gurlt. Die Gelenkresectionen nach Schussverlctzungen. 
Berlin. 1870. 


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andre Resultate zu erwarten seien. Sie haben darin völlig 
Recht, dass die Mortalitätsziffer überall, wo es gelingt, 
die Verwundeten in kürzester Zeit vom Schlachtfelde auf¬ 
zulesen, sie antiseptisch zu behandeln, absolut entschieden 
um ein Bedeutendes geringer sein wird als in vorantisep¬ 
tischer Zeit. Allein das Verhältniss der Mortalitätsziffer 
der conservativ behandelten Fälle und der primär Re- 
secirten dürfte wohl nur wenig verschoben werden. Denn 
bei den primär Resecirten ist durch den Eingriff, den auf 
denselben folgenden Transport mit allen seinen Gefahren 
die Möglichkeit der Infection mehr vorhanden, als bei 
den Fällen, welche unter dem Schutz der antiseptischen 
Occlusion und einer rationellen Immobilisation die denkbar 
günstigsten Erfolge haben müssen, nachdem sie schon 
in vorantiseptischer Zeit und oft ohne jeglichen Verband 
rasche Heilung und günstigstes Functionsergebniss zur Folge 
gehabt. 

Reyher 3 ) hat im Kriege 1877/78 von 19 primär Re¬ 
secirten (Knie- und Hüftgelenk befinden sich nicht dar¬ 
unter) nur 2 verloren, von 8 primär conservativ anti¬ 
septisch Behandelten keinen einzigen. 

Von 15 Kniegelenkschüssen, die v. Bergmann 4 ) nach 
dem Sturm auf Telisch und Gorni Dubnjak rein occlusiv 
mit Salicylwatteverband und Gypseinwickelung, welche 
Hüfte und Fussgelenk feststellte, behandelte, hat er 3 
secundär amputiren müssen, und ist ein einziger dieser 
Amputirten gestorben, was eine Mortalität von 6,6% re- 
präsentirt. Auch Reyher, so günstig seine Statistik der 
primären Resectionen sonst ist, empfiehlt die antiseptische 
Occlusion, indem er die Wunde, welche das moderne Klein¬ 
gewehrgeschoss setzt, als ganz besonders für die Natur¬ 
heilung geeignet bezeichnet, sobald ihr die Antisepsis zu 
Hülfe kommt. In den Kriegen der Zukunft sind noch 
glattere Wundverhältnisse der Schusswunden durch Klein¬ 
gewehrkugeln zu erwarten, da Bruns 5 ) Experimente be¬ 
weisen, wie gewaltig die Durchschlagskraft der modernen 
9 und 8 Mm. Geschosse und wie gering ihre Sprengkraft 
im Vergleich zu der des Langbleies unserer bisher üblichen 
Gewehre ist. 

Die Aufgabe der heutigen Kriegschirurgie ist es, 
möglichst rasch möglichst allen Verwundeten den Schutz 
des antiseptischen Verbandes und der Immobilisirung der 
verletzten Extremität zu geben. Dazu gehört vor Allem 
ein systematisches Zusammenarbeiten sämmtlicher dispo- 
nibelen Kräfte auf dem Verbandplatz; durch richtige Arbeits- 
theilung und möglichst gleichmässige, wenn auch maxi¬ 
male Anspannung jeder einzelnen Kraft wird ein Arbeits¬ 
quantum geleistet, wie ein solches auch noch während 
der Schlachten des letzten russ.-türkischen Krieges manches 
Mal zu wünschen gewesen wäre. 

Es ist nicht Aufgabe der Aerzte des Verbandplatzes 
elegant eine schulgerechte Primärresection zu machen, 
dieselbe erfordert viel Zeit und absorbirt viel ärztliche 
Kräfte zur Assistenz. Sind die Verletzungen des Gelenkes 
derart, dass sie eine einfache aseptische Occlusion 
contraindiciren, so möge eine atypische mit Meissei und 
Hammer rasch ausgeführte Resection die Verhältnisse 
glätten; ein aseptischer die Wundhöhle ausstopfender 
Tampon erleichtert heute den Transport auch dieser 
Kranken um ein Bedeutendes. Der Secundärverschluss 
der Wunde durch die Naht kann im Feldlazareth ohne Ge¬ 
fahr für den Operirten vorgenommen werden, selbst wenn 
die Ankunft desselben im Feldlazareth sich um ein paar 
Tage verzögert. Bei den primär Resecirten mit primärer 
Naht ist doch nach 24 Stunden gewöhnlich der erste Ver¬ 
bandwechsel nöthig geworden. 


*) Reyher. Volkm. Vortröge 142. 143. Schuchardt. D. 
Zeitschr. f. Chir. 23 p. 414 u. ff. 

4 ) v. Bergmann. Die Behandlung der Schusswunden des Knie¬ 
gelenks im Kriege. Stuttgart 1878. 

6 ) Bruns. Die Geschosswirkung der neuen Kleinkaliberge¬ 
wehre. Beiträge zur kün. Chirurgie VI. I. 


Atypische Resectionen sind vereinzelt mit gutem Erfolge 
bereits von den Kriegschirurgen Friedrichs des Grossen 
geübt worden, sie haben ferner nach der Gurlt’schen 
Statistik eine um 2% geringere Mortalität als die pri¬ 
mären Resectionen, sie haben functioneil ein besseres Re¬ 
sultat und ermöglichen die raschere Fertigstellung des Ver¬ 
wundeten zum Transport, wodurch derselbe schneller den 
Platz auf dem Verbandtisch seinen Leidensgenossen räumt, 
die dem Fortschreiten der Schlacht entsprechend in immer 
steigender Anzahl um den Verbandtisch gelagert werden. 
Die Directive für die Behandlung der Kriegsverletzungen 
im Frieden ergiebt sich aus dem Angeführten von selbst. 

Vor Allem nur keine Sonden- oder Digitaluntersuchung 
des Schusskanals. Haben Sie sich überzeugt, dass nicht 
etwa eine Verletzung der Hauptschlagader der betroffenen 
Extremität einen anderweitigen Eingriff erfordert, so um¬ 
hüllen Sie die zuvor sorgfältig gesäuberte Extremität mit 
aseptischem Verbandmaterial und immobilisiren sie voll¬ 
ständig durch Gyps- oder Schienenverband. Ist die Im¬ 
mobilisirung gut gelungen, so ist der Kranke jetzt trans¬ 
portfähig. Wartet derselbe die Heilung zu Hause ab, so 
vollzieht sich diese gewöhnlich unter paarmaligem Ver¬ 
bandwechsel. Zeigen Steigen derTemperatur undSchmerzen 
an, dass es nicht gelungen den Fall aseptisch zu halten, 
dann ist sofortiger Eingriff indicirt. Das Gelenk wird breit 
eröffnet, die Kugel extrahirt, Knochenfragmente entfernt, 
kurz es werden glatte Wund Verhältnisse geschaffen. 

Um nochmals das Gesagte zusammenzufassen, so giebt 
die Indication für die primäre Gelenkresection bei Schuss¬ 
verletzung nur die Ausdehnung der Verletzung und der 
Grad der Zertrümmerung der Knochen. Man resecirt am 
Besten atypisch. Für das Gros der Fälle gilt die asep¬ 
tische Occlusion und die rationelle Immobilisirung als Regel. 

Der secundären Resection resp. Amputation fallen alle 
diejenigen Fälle zu, in denen es nicht gelingt Asepsis zu 
erzielen. 

Das Indicationsgebiet der Friedensresectionen wird fast 
ausschliesslich durch die tuberculösen Gelenkerkrankungen 
gegeben. Die Fragen, um welche sich heute der Kampf 
der Meinungen dreht, sind, kurz gefasst, folgende: 

Wie lange darf conservative Behandlung fortgesetzt 
werden? 

Ist nicht gestützt auf die antiseptische Wundbehandlung 
die Frühresection in allen Fällen tuberculöser’ Gelcnker- 
krankung indicirt? 

Soll typisch oder atypisch resecirt werden? 

Ist Ankylose oder bewegliches Gölenk als Resectionsre- 
sultat anzustreben? 

Welche« Gebiet ist den Gelenkresectionen zu reserviren 
und innerhalb welcher Grenzen sind die Gelenkpunctionen 
mit Jodoforminjection zu üben? 

Die Resultate der Gelenkresectionen aus vorantisepti¬ 
scher Zeit waren meist derartige, dass es rationeller er¬ 
schien den Kranken conservativ zu behandeln. Zwar ist 
diese Behandlung mit befriedigendem Erfolge nur durch¬ 
zuführen, wenn Eltern, Pfleger und nicht zum mindesten 
der behandelnde Arzt völlig davon durchdrungen sind, 
dass die Resultate dieser Behandlungsmethode erst nach 
langer Zeit in Erscheinung treten, dass bis dahin viel Geduld, 
viel Energie erforderlich und auch viel pädagogisches Talent 
vorhanden sein muss, um den Pat. zur Mitarbeit an dem 
langwierigen Werk zu erziehen. Je früher die Diagnose 
der fungösen Erkrankung oder — richtiger — ihrer Vor¬ 
boten gestellt wird, desto rascher werden Sie mit der con- 
servativen Behandlung zum Ziel gelangen. Der kleine Pa¬ 
tient, an dem es der Mutter auffällt, dass er nicht mehr 
die Laufspiele seiner Geschwister mitmachen will, der über 
Schmerzen im Knie klagt, in der Nacht anfängt aufzu¬ 
schreien, und bei dessen Untersuchung Sie ausser behin¬ 
derter Rotationsbewegung seines Hüftgelenks nichts weiter 
finden, würde, wenn Sie ihn seinem Schicksal überlassen 
in kurzer Zeit in dasjenige Stadium der Gelenkentzündung 


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91 


treten, für welches Viele heut zu Tage die sofortige Re- 
section fordern. Legen Sie den eben geschilderten Fall 
in Extension, stellen damit das Gelenk ruhig und entlasten 
die Gelenkflächen von dem gegenseitigen Druck, so werden 
Sie meist in wenig Wochen die Freude haben Ihr früh¬ 
zeitiges und energisches Vorgehen von Erfolg gekrönt zu 
sehen. Es werden diese Fälle auch von den radicalsten 
Anhängern der Resection nicht in deren Gebiet hineinge¬ 
zogen, sondern sie indiciren unstreitig ausschliesslich die 
conservative Behandlung. Nehmen wir aber ein um einige 
Grade vorgeschrittenes Krankheitsbild, so befinden wir uns 
bereits auf streitigem Gebiet. Eine Entscheidung, ob wir 
conservativ weiter behandeln oder ob wir operiren sollen, 
von der Statistik abhängig zu machen, ist hier ganz be¬ 
sonders misslich. Schwanken doch die Angaben des Morta¬ 
litätsprocentsatzes z. B. nach Hüftgelenkresection zwischen 
21,4% (Prawitz) und 77,6% (Albrecht). Es müssen 
doch bei Aufstellung derartig von einander abweichender 
Zahlen Factoren mitspielen, deren Natur und Tragweite 
aus der Lectüre dieser Statistiken nicht ohne Weiteres 
erhellt. Am Eclatantesten ergiebt sich die Schwierigkeit 
der Stellungnahme zu dieser Frage beim Hüft- und Knie¬ 
gelenk, während für Schulter- und Ellbogengelenk zunächst 
einmal das Factum feststeht, dass sie tuberculös sehr viel 
seltener erkranken, dann aber eine bessere Tendenz zur 
Ausheilung zeigen, und endlich von jeher die besten Re- 1 
sultate bei der Resection gaben. König 6 ) sagt: „je länger 
ich tuberculöse Ellbogengelenke behandele, desto mehr 
werde ich der Ueberzeugung, dass die conservative Be¬ 
handlung derselben durchaus zweifelhafte Resultate schafft“. 
Kummer 7 ) hat bei Ellbogenresection kein einziges Mal 
Impftuberculo8e gesehen, während dieselbe nach Hüftge- 
lenlcresection z. B. in einem nicht ganz unbeträchtlichen 
Procentsatz der Fälle vorkommt. 

Middeldorpf 8 ) berechnet 2%, die den Wundinfections- 
krankheiten zum Opfer fallen. In weiteren 2,46% ist die 
Secundäramputation des Gliedes nothwendig geworden, 
gegenüber einem Procentsatz von 5,34, bei dem in vor¬ 
antiseptischer Zeit die Resection Fiasko gemacht hatte und 
die Amputation in ihre Rechte trat. 

Nach 7 1 /« Jahren hat Middeldorpf von allen am Ell¬ 
bogen Resecirten 68,92% am Leben gefunden, nach 12,6 
Jahren lebten noch 43,22% und waren die Uebrigen 
meist der Tuberculöse erlegen. Kinder vor dem 5. Jahr 
resecirt gehen in 50% der Fälle an allgem. Tuberculöse 
zu Grunde. Die beste Prognose für die Resection bietet 
das Alter von 10—20 Jahren. 

Die partielle Resection ist der totalen vorzuziehen, weil 
sie functionell bessere Resultate giebt und auch den ge¬ 
ringeren Eingriff darstellt. Kommt durch die Resection 
ein Schlottergelenk zu Stande, so wiegt dieser Uebelstand 
beim Ellbogengelenk noch am wenigsten schwer. Ein 
Schienenapparat schafft den genügenden Halt. Es haben 
schon Resecirte trotz ihres Schlottergelenks bis zu 40 Pf. 
heben können. Am meisten umstritten in Bezug auf die 
Behandlungsmethode ist das Kniegelenk. 

Tritt hier nach der typischen Resection keine Ankylose 
ein, so hat man ein unbrauchbares Schlottergelenk. Ein 
Gelenk von zweckmässiger Beweglichkeit nach typischer 
Knieresection ist eine Rarität, wie auch der Fall Czerny’s 
bisher vereinzelt dasteht. Czerny gelang es einer von 
Maas operirten und mit Schlottergelenk entlassenen Pa¬ 
tientin nachträglich zu einer brauchbaren Extremität 
zu verhelfen dadurch, dass er mittelst Einschlagen von 
Elfenbeinstäben ein relativ gut bewegliches Gelenk er¬ 
zielte 9 ). 

Die Gehfähigkeit mit einseitig ankylotischem Knie ist 
eine sehr gute. Ergreift jedoch die Tuberculöse auch das 

•) Tuberculöse der Knochen und Gelenke, pag. 167. 

’) Deutsche Zeitschr. f. Chirur. XXVII pag. 1 u. ff. 

8 ) Middeldorpff. Langenb. Archiv. Ba. XXXIII. 

•) Hoffa. Langenb. Archiv XXXII pag. 788. 


andere Knie, so ist es sehr misslich dasselbe typisch zu 
reseciren, da die Folge davon beiderseitig ankylotisches 
Knie und grosse Unbeholfenheit des Pat. wäre. Endlich 
bekommt noch ein grosser Theil der mit gut geheilter An¬ 
kylose entlassenen jugendlichen Individuen (unter 20 Jahren) 
im Lauf des ersten Jahres Contracturen 10 ). Allerdings ist 
ja dem gegenüber zu betonen, dass Contracturen und Ver¬ 
kürzungen auch bei conservativ Behandelten und zwar nach 
Bothe 11 ) gerade so häufig als bei den Resecirten zu Stande 
kommen. 

Die Mortalität bei Kniegelenkresection schwankt nach 
den verschiedenen Kliniken ganz bedeutend, sie beträgt 
nach Zoege-Manteuffel für die Dorpater Klinik 11%, 
etwa den gleichen Procentsatz hat Strassburg (10%), während 
Göttingen 28%, die Kieler Klinik bloss 5% und Bruns 
(nach Bothe) in Tübingen nur 0,7% Mortalität aufzuweisen 
haben, so dass Bothe ,2 ) sich zu dem Ausspruch veranlasst 
sieht: „die Lebensgefahr von Seiten der Operation ist 
gleich Null, die Zahl der Primaheilungen beträgt 91%, 
die der definitiven Ausheilung des Gelenks mit Erhaltung 
des Gliedes 87%.“ 

Eine grössere mehrere Statistiken zusammenfassende 
Procentberechnung Schlüter’s 13 ) ergiebt 76,7% günstiges 
und 23,3% ungünstiges Resultat. Diese Zahlen entsprechen 
nicht der Statistik Albrecht’s 14 ), die eine Mortalität von 
57,14% für die Resecirten und eine von 36,7% für die 
conservativ Behandelten berechnet. Jedoch auch nach 
Alb rech t’s Zusammenstellung erzielt die conservative Be¬ 
handlung nur 50% mit Ankylose oder guter Beweglich¬ 
keit geheilter Fälle. Wenn wir diese Statistiken sorgfältig 
gegen einander abgewogen, so sind wir zum Schluss be¬ 
rechtigt, dass für Erwachsene die Kniegelenkresection nicht 
nur ein berechtigter, sondern auch ein gebotener Eingriff 
ist, sobald einmal die tuberculöse Erkrankung manifest 
geworden, und zwar diejenige, bei welchen die das Gelenk 
constituirenden Knochen Sitz und Ausgangspunkt der Er¬ 
krankung bilden. 

Der Ankylose als Endergebniss der Resection stellen die 
Methoden von Tiling, Lauenstein u. A. ein gut bewegli¬ 
ches Gelenk gegenüber. So ingeniös diese Methoden auch 
ersonnen sind, die darauf auslaufen, den Bandapparat 
des Gelenkes zu erhalten ohne der Möglichkeit Abbruch 
zu thun, alles Erkrankte sorgfältig zu entfernen, so sind 
zunächst die Mittheilungen über erreichte günstige Erfolge 
sehr spärlich. 

A priori nimmt gegen diese Methoden ein, dass passive 
Bewegungen im operirten Gelenk sehr früh vorgenommen 
werden, damit es nicht doch zu einer Ankylose komme, 
während sowohl die conservative Behandlung der Früh¬ 
stadien, sowie die übliche Behandlung der Resectionen 
darauf hinweisen, dass ein wichtiger Factor für die Aus¬ 
heilung der tuberculösen Gelenke die Ruhe, die Immo- 
bilisirung sei, und dass, wo dieses Moment zu früh in 
Wegfall komme, sehr rasch ein Recidiv auch wieder 
da sei. 

Hervorzuheben ist, dass Sendler, Israel u. A. in einer 
Reihe von Fällen mit ausschliesslich oder vorwiegend syno¬ 
vialer Localisation der Erkrankung durch seitliche Längs¬ 
schnitte das Erkrankte entfernt und functionell sehr gün¬ 
stige Resultate meist schon nach kurzer Behandlungsdauer 
erzielt haben. Allein gerade diese Fälle und die Gelenk- 
tuberculose bei Kindern scheinen nach den in letzter Zeit 
gesammelten Erfahrungen die Indication für ein noch viel 
weniger eingreifendes Verfahren zu geben — die Punc- 
tion des Gelenks mit nachfolgender Jodoforminjection. 

,0 ) Bothe. Beiträge für klin. Chir. VI. II. berechnet die Zahl 
derselben auf 55°/o. 

Hitzegrad. Mitth. d. chir. Klinik zu Kiel IV. notirt 36°/o 
Flexionscontractur und 8°/o seitlicher Verbiegungen. 

n ) o. a. 0. pag. 281. 

1S ) o. a. 0. pag. 259. 

Schlüter. Deutsche Zeitschr. f. Chir. XV. p. 285 u. ff. 

14 ) Albrecht. Deutsche Zeitschr. f. Chir. XIX. p. 137 u. ff. 


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92 


F. Krause lR ) hat beim Kniegelenk 41,16% Heilung nach 
dieser Methode erzielt. Wendeis tat lö ) hat bei einer Ge- 
sammtsumme von 85 derart behandelten Gelenken 42,3% 
Heilung zu verzeichnen, auch aus unserer Provinz hat 
Dsirne ,7 ) kürzlich über einen derart behandelten günstig 
verlaufenen Fall berichtet Allerdings differirt das ange¬ 
gebene Heilungsprocent nicht unbeträchtlich von dem 
Procentsatz, wie ihn die meisten Kliniker bei der Resec- 
tion erzielt, allein es steht ja immer noch offen das Gelenk 
zu reseciren bei dem man mit der Jodoforminjection nicht 
vorwärts gekommen. Denkbar bequem ist jedenfalls diese 
neue Methode, ob man nun vor der Injection spült nach 
Krause oder nach Bruns direct injicirt. Die Extremität 
wird nicht immobilisirt, sondern im-Gegentheil für leichte 
Bewegungen frei gelassen, die Injectionen werden nach 
,x bis 14 Tagen wiederholt und unter 2—6 Injectionen 
von 30 Gramm 10—20% Jodoformemulsion ist Pat. schon 
nach der ersten Injection seine Schmerzen los und wird 
dann mit gut oder leidlich beweglichem Knie geheilt. 

Noch günstigere Resultate als am Knie hat Krause 
beim Handgelenk gehabt, wo er von 5 Fällen 3 durch 
Jodoforminjection geheilt. Für die nächste Zeit werden 
also Handgelenk und wohl auch Fussgelenk, bei dem schon 
die grosse Anzahl von angegebenen Operationsmethoden 
darauf hin weisen, dass keine recht allgemeine Befriedigung 
durch die Resultate derselben herrscht, in das Indications- 
gebiet der Jodofonninjectionen fallen. 

Was nun endlich das Hüftgelenk anbetrifft, so erzielt 
hier die conservative, die Extensionsbehandlung, Vorzüg¬ 
liches, allein wie bereits erwähnt, bei frühzeitigster An¬ 
wendung. Wie oft kommt es vor, dass die Schmerzen 
der Kinder auf sog. Knochenwachsthum geschoben werden, 
dieselbe Aetiologie auch dem Knieschmerz vindicirt wird, 
„da ja am Knie nichts zu sehen sei“ und die sorglosen 
Eltern den Arzt erst zu Rathe ziehen, wenn deutliche 
Anzeichen der Gelenkerkrankung sie dazu zwingen. Ist 
der günstige Zeitpunkt für die Extensionsbehandlung vor¬ 
über, dann erscheint es rationell nicht gar zu lange ab¬ 
zuwarten, sondern lieber früh zu reseciren. Wenn ich 
mich zu dieser Ueberzeugung durch mancherlei traurige 
Erfahrungen des conservativen Verfahrens hindurchge¬ 
rungen, so schliesse ich mich damit Grosch an 18 ), dessen 
ungemein sorgfältig zusammengestellte Statistik auf diesen 
Schluss hinausläuft. Doch darf ich nicht unerwähnt lassen 
dass ein Jahr nach Gr osch’s Arbeit die sehr umfang¬ 
reiche Statistik von Albrecht 19 ) aus der Züricher Klinik, 
erschien, die für das Knie- sowie für das Hüftgelenk die 
conservative Behandlung als die einzig richtige hinstellt 
und einen gewaltigen Moitalitätsprocentsatz für die Re- 
section herausrechnet. Es werden für das Hüftgelenk 
77,6% Mortalität der Resecirten 33% Mortalität der con- 
servativ Behandelten gegenübergestellt. Allein unter den 
49 Resecirten sind unterschiedslos solche der vorantisep¬ 
tischen Aera, mit Charpie und Gypsverband und solche 
mit Salicylwatte und Gypsverband Behandelte zusammen¬ 
gestellt. Erstere umfassen 33 Resecirte mit 26 Todes¬ 
fällen, oder 78,48% gegen 75%. Ein wesentliches Herab¬ 
sinken der Mortalität seit Beginn der antiseptischen Aera 
ist in diesem Beobachtungsmaterial nicht zu constatiren, 
während sonst die Statistiken sehr deutlich diesen Unter¬ 
schied erkennen lassen. Die Statistik von Leisrink 20 ) 
hat aus vorantiseptischer Zeit 64% Mortalität und 36% 
Heilung berechnet. Grösch findet unter 120 Fällen der 
antiseptischen Aera 63,5% Heilung 36,7% Mortalität, 
oder die antisept. Aera in 2 Perioden getheilt, für die 

15 ) Krause. Berl. klin. Wochensch. 1889 49. 1890 As 28, 

29. 33. Verb, des d. Congresses f. Chir. 1890. 

1«) Wendelstat. Centralbl. f. Chir. 1889 38. 

”) Dsirne. Peterb. med. W. 1890 A* 32. 

18 ) Grosch. Beitrag zur Statistik der Hüftgelenkresection. 
Dissert. Dorpat 1882. 

'*) Albrecht. D. Zeitsch. f. C’bir. XIX pag. 137 u. ft. 

**) Grosch. Dissert. pag. 74. 


erste 41,5%, für die zweite 32,8% Mortalität. Es sinkt 
also die Mortalitätsziffer entsprechend der Vervollkomm¬ 
nung. Endlich hat Albrecht alle seiner Statistik zu 
Grunde liegenden Resectionsfälle dem Stadium der fungös 
eitrigen Erkrankung des Gelenks entnommen, während 
er die conservativ Behandelten aus allen Stadien zusammen¬ 
rechnet. Aus diesem vorgeschrittensten Stadium der Er¬ 
krankung sind 4 conservativ behandelt, von denen 3 Erfolg 
hatten, jedoch welchen? 

JV» 35 21 ) „Das Bein ist kurz und schwach geworden, 
Pat. geht mit Stock und erhöhter Sohle“. 

.V 17 22 ) „war noch 1 Jahr bettlägerig (nach 8Va mo¬ 
natlichem Hospitalsaufenthalt), ging dann erst mit dem 
Stock, dann allein. Das 1. Bein ist 4 Ctm. kürzer, atroph, 
das Kniegelenk ist ganz steif. In der Hüfte ist halbe 
Beugung möglich. Das Gelenk ist wenig empfindlich. 
Der luxirte Kopf schwer zu finden. Der Gang schleppend, 
nach der Seite wackelnd“. 

.V 9 23 ) „Muss zwar hinken, befindet sich aber sonst 
wohl“. 

Ich brauche ja wohl diesen Resultaten gegenüber Sie 
nur an den vorgestellten Fall zu erinnern. Allein Sie 
werden dagegenhalten die traurigen Fälle, die Sie nach 
Resectionen gesehen, Schultergelenke, langdauernde Fistel¬ 
eiterung und endlich im unmittelbaren Anschluss an die 
Operation aufgetretene Todesfälle. Wenn in der Grosch’- 
schen Statistik 7,4% Todesfälle in Folge der Operation 
aufgeführt werden, so kommt ein Theil davon auf Carbol- 
intoxicatiou. Heut zu Tage kommt dieser Theil in Wegfall, 
da man davon abgekommen ist, die Wunde mit Mitteln 
zu spülen, welche toxisch wirken könnten. Die Secun- 
därnaht reducirt feiner die Möglichkeit der septischen 
Phlegmone auf ein Minimum, so dass die Gefahr, welche 
der Eingriff als solcher bringt entschieden heute zu Tage 
so gering ist, dass er den Qualen eines langen Kranken¬ 
lagers, der Verkrüppelung der Extremität gegenüber nicht 
in Betracht kommt. Endlich ist noch der Procentsatz 
zu erwähnen, welcher an allgemeiner Tuberculose zu 
Grunde geht, die im unmittelbaren Anschluss an die Ope¬ 
ration zur Entwickelung kommt, durch dieselbe also ge- 
ursacht wird. Lücke 24 ) hat 4,7% seiner Operirten auf 
diese Weise verloren, während aus der Göttinger Klinik 
48,0% 25 ) als derart zu Grunde gegangen gemeldet werden. 
Dieser Procentsatz ist seit der Jodoformbehandlung auf 
der Göttinger Klinik entschieden herabgegangen, da Kö¬ 
nig wiederholt hervorgehoben, wie sehr viel günstiger 
sein Resectionsresultat seit der Jodoformbehandlung ge¬ 
worden. Ferner mag ja wohl auch von Einfluss sein, ob 
man sich angelegen sein lässt, weit im Gesunden zu re¬ 
seciren oder ob man sich bemüht alles Krankhafte zu 
entfernen, ohne dabei die Lymph- und Gewebsspalten des 
gesunden Gewebes breit zu eröffnen, welche nun frische 
Infection und Resorption von tuberculösem Virus in aus¬ 
giebigster Weise vermitteln können. 

M. H. Lassen Sie mich resümirend die oben gestellten 
Fragen kurz beantworten. 

Die conservative Behandlung darf fortgesetzt werden, 
so lange nicht Fieber auftritt oder Anzeichen weiterschrei¬ 
tender Zerstörung des Gelenks, Schmerzen, Beeinträch¬ 
tigung des Allgemeinbefindens in progredienter Weise» die 
Kräfte des Kranken reduciren. 

Die Frühresection ist nur in dem Sinne anzuwenden, 
als jedenfalls vorerst conservative Behandlung versucht 
worden sein muss. Schulter, Ellbogen und Hüftgelenk 
geben zunächst die beste Prognose bei früh ausgeführter 
Resection. Sieht man also in 8—14 Tagen gar keine 

11 ) o. a. 0 pag 421. 

■ i ) o. a. 0 pag 417. 

**) o. a. 0 pag 413. 

24 j P. Baehr. Ueber Endresultat« der Hüftgelenksresectionen. 
D. Zeitsch. f. Chir. XXX p. 349. 

“) P. Baehr. o. a. 0 pag 404. 


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93 


Aenderung des Befindens durch die conservative Behand¬ 
lung eintreten, so empfehle man die Resection. 

Die atypische Resectionsmethode ist der geringere und 
rationellere Eingriff, bei dem man sich innerhalb des Schutz¬ 
walles bewegt, welchen das gesunde Gewebe als Reaction 
dem Virus entgegenzustellen sich bemüht. 

Die Gelenkresectionen geben an Schulter, Ellbogen und 
Hüfte, sowie bei vorwiegend ossaler Localisation an an¬ 
deren Gelenken noch die besten Erfolge, finden also hier 
ihr Indicationsgebiet. Die Erkrankungen vorwiegend syno¬ 
vialer Localisation besonders beim Knie-, Hand- und Fuss- 
gelenk können allem Anschein nach mit bestem Erfolge 
der Gelenkpunction mit Jodoforminjection zugewiesen 
werden. Was endlich die Frage betrifft, ob bewegliches 
Gelenk oder Ankylose zu erzielen sei, so wird für Schulter 
und Ellbogen unbedingt das bewegliche Gelenk anzu¬ 
streben sein. An Hüfte und Knie hüte man sich vor dem 
Schlottergelenk und ziehe dann schon lieber Ankylose vor. 

M. H! Wenn ich es versuchte in kurzen Zügen ein 
grosses Gebiet unseres chirurgischen Handelns vor Ihnen 
zu skizziren, so geschah es vor allem in dem Hinblick den 
praktischen Arzt, den Hausarzt anzuregen Stellung in 
dieser Frage zu nehmen, denn dem letzteren ganz be¬ 
sonders liegt die wichtige Aufgabe ob, die Frühstadien der 
in dieses Gebiet schlagenden Krankheit zu erkennen, den 
Zeitpunkt zu bestimmen, wo er die conservative Behandlung 
aufzugeben und die Angehörigen des Patienten auf den 
operativen Eingriff vorzubereiten hat. 

Lassen Sie mich hoffen diesem meinem Ziel nahe ge¬ 
kommen zu sein. 

Ueber Stenose des äussern Muttermundes. 

Von 

Dr. Oscar Johannsen. 

Oberarzt am Stadthospital zu Libau. 

Es ist eine häufige Erscheinung, dass Frauen mit klei¬ 
nem rundem Muttermunde und tonischer Cervix Jahre 
lang in steriler Ehe leben und dann nach einer Spaltung 
der Cervix gravid werden, während wiederum andere Frauen, 
bei denen ganz genau derselbe Grad von Enge des Mut¬ 
termundes vorliegt, bald nach eingegangener Ehe ohne 
irgend welche Kunsthülfe concipiren. 

Dieses verschiedene Verhalten der Frauen mit conischer 
Cervix hat schon längst die Aufmerksamkeit der Gynä¬ 
kologen auf sich gezogen, jedoch noch nie eine ausreichende 
Erklärung gefunden. 

In diesem Sinne schreibt Kehrer (Arch. f. Gyn. X, 
p. 450): . „Man kann zugeben, dass jene erwähnten Zu¬ 
stände (Stenose des Muttermundes oder ganzen Cervical- 
canales etc.) die Empfängniss zeitweise oder dauernd ver¬ 
hindern können, weil nach Beseitigung des einen oder des 
anderen Fehlers, vorher sterile Frauen öfters schwanger 
werden. 

Aber auf der anderen Seite möchte ich betonen, dass 
es zu den schwierigsten und selbst durch Untersuchung 
aller bei der Conception in Betracht kommenden Bedin¬ 
gungen nicht immer lösbaren Aufgaben der Diagnostik 
gehört, zu bestimmen, ob eine im Einzelfalle factisch be¬ 
stehende Anomalie der Alt als Sterilitätsursache zu be¬ 
trachten ist. Denn es ist mir im Verlaufe meiner Unter¬ 
suchungen klar geworden, dass trotz bestehender Ano¬ 
malie Conception weit häufiger eintritt, als wir dieses 
jetzt annehmen, dass z. B. die Bedeutung der Stenose etc. 

ganz entschieden überschätzt worden ist. 

Wann können wir den Cervialcanal für so verengt 
halten, dass er die Conception hindert ? Etwa dann, wenn 
einfach die gewöhnliche Uterussonde nur schwer oder gar 
nicht durchgeht? Oder soll man nur dann die Stenose 
diagnosticiren, wenn neben diesem Sondenbefunde Dys- 
mennorrhoe besteht? 


Ueber hohe Grade von Stenose werden die Meinungen 
nicht auseinander gehen, wohl aber über die Grenzen zwi¬ 
schen dem mittleren Grade der Enge und dem physiolo¬ 
gischen Zustande. 

An dieser Stelle möchte ich noch auf Folgendes hin- 
weisen. Ich habe mich durch öftere Untersuchungen einer 
Reihe von Individuen im Verlaufe eines grösseren Zeit¬ 
raumes überzeugt, dass Enge des Muttermundes vor der 
Ehe bestand und nachträglich trat trotzdem meist rasch 
Schwangerschaft ein“. 

Aehnlich spricht sich Ohlshausen aus (klin. Vorträge 
Nt 67): 

„Bei welchem Giade der Kleinheit der Muttermund be¬ 
ginnt eine pathologische Enge zu zeigen, ist schwer zu 
sagen, da bei den kleinen Dimensionen uud der Erweiter¬ 
bark eit der von Weichtheilen gebildeten Oeffnung Mes¬ 
sungen unthunlich sind. Nur in extremen Fällen kann 
man über die pathologische Verengerung nicht im Zweifel 
sein. Ein Muttermund, den man sich Mühe geben muss 
mit dem Finger zu fühlen, an welchem die von geübter 
Hand geführte Sonde erst wiederholt vorbeischiesst und 
endlich mit einem tüchtigen Rucke hineingleitet — ein 
solcher Muttermund ist immer pathologisch und es wird 
bei ihm die Erscheinung der Dysmennorrhoe auch höchst 
selten fehlen. Ein normaler virgineller Muttermund lässt 
immer eine dicke Gebärmuttersonde mit 3—4 Mm. starkem 
Knopfe noch ohne Widerstand passiren; aber es giebt 
Fälle, wo dieses wie gewöhnlich noch geschieht und doch 
dem untersuchenden Finger die Oeffnung abnorm klein er¬ 
scheint. Besteht alsdann gleichzeitig eine deutliche Dys¬ 
mennorrhoe neben Sterilität, so sind wir gewiss nicht im 
Irrthum, wenn wir eine wirkliche pathologische Enge des 
Orificium anuehmen und darnach handeln“. 

Als Indication für die blutige Erweiterung des Mut¬ 
termundes bezeichnet er demnach: 

„Alle Fälle von deutlicher Enge des Orificium ext., 
sobald sie Dysmennorrhoe erheblicheren Grades oder Ste¬ 
rilität bedingen und ferner solche Fälle, in welchen die 
Verengerung minder deutlich ist, für die bestehende Ste¬ 
rilität aber ein anderer Grund nicht gefunden werden 
kann“. 

Wie man sieht, gelingt es nicht eine praecise Indication 
für die Operation der Stenose hinzustellen, solange man 
es eben versucht die Diagnose auf anatomischer Basis 
aufzubauen. Die Stenose ist aber kein anatomi¬ 
scher sondern ein functioneller Begriff. 

Ein Ostium aortae mag bei einem Manne enger sein, 
als bei den anderen Männern von gleicher Grösse und 
Körperbeschaffenheit. Dieses berechtigt uns jedoch noch 
nicht, bei jenem eine Stenose der Aorta zu diagnosticiren. 
Erst wenn wir sehen, dass das Herz nicht mehr im Stande 
ist das Blut in genügend rascher Zeit durch das Ostium 
hindurchzutreiben, so dass in Folge dessen eine Erwei¬ 
terung des linken Ventrikels eintritt — erst dann diag¬ 
nosticiren wir eine Stenose. 

Ebenso wird man nicht früher von einer Stenose des 
Pyloru8 sprechen, als bis eine Erweiterung des Magens 
eingetreten ist. 

Diesen Gesichtspunkt müssen wir auch beim Uterus 
festhalten. 

Solange der Uterus im Staude ist, den Secreten der 
Uterushöhle genügenden Abfluss zu geben, so lange haben 
wir nicht das Recht von einer Stenose zu sprechen. 

Wenn diese Secrete jedoch einen ungenügenden Ab¬ 
fluss finden, dann dehnen sie die Uterushöhle aus. Diese 
Ausdehnung äussert sich in einer Verlängerung des Ca- 
nales im supravaginalen Theile des Uterus. Je länger 
der Canal wird, um so grösser wird wiederum die secer- 
nirende Fläche und dadurch das Missverhältnis zwischen 
Secretmenge und Lumen des Ost. ext. noch mehr ge¬ 
steigert. Nun tritt das Bild der Stenose auf mit allen 
ihren Erscheinungen. 


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94 


So z. ß. sehen wir ein junges Mädchen, welches mit 
conischer Cervix und kleinem rundem Muttermunde be¬ 
haftet ist, Jahre lang ruhig dahinleben, ohne die geringsten 
Beschwerden von Seiten der Genitalorgane zu empfinden— 
die Absonderungen des Uterus haben eben auch durch 
die enge Oeffhung noch genügenden Abfluss. 

Nun tritt das Mädchen in die Ehe. Durch den Coitus 
wird ein häufiger Congestionszustand des Uterus hervor¬ 
gerufen. Dieser muss nothwendiger Weise auch eine 
stärkere Secretion der Uterusschleimhaut herbeiführen, 
ein vermehrtes Quantum von Secret hat nun den engen 
Cervicalcanal zu passiren, der vielleicht selbst durch den 
Congestionszustand noch enger geworden ist. 

Ebenso wird nach der Yerheirathung die Menstruations¬ 
blutung häufig stärker und dauert länger, als bei der 
Jungfrau. 

Jetzt tritt die Insufficienz zu Tage — der Uteruscanal 
wird dilatirt; an diese dilatatio uteri reiht sich die En¬ 
dometritis chrou. und so tritt dann das ganze Heer der 
nervösen Beschwerden auf, unter denen diese sterilen 
Frauen zu leiden haben. Wie oft hört man nicht diese 
Frauen klagen und immer wieder von Neuem betonen 
„aber ich war doch bis zu meiner Verheirathung so voll¬ 
ständig gesund“. 

Ein anderes junges Mädchen mit ganz eb.mso beschaf¬ 
fenen Organen concipirt bald nach eingegangener Ehe und 
wird so radical geheilt. 

Also bei ganz gleicher anatomischer Beschaffenheit, 
welch verschiedener Lebensweg. 

Schon Kehrer betonte, dass, wenn Frauen mit coni¬ 
scher Cervix schwanger werden, dieses meistens bald nach 
der Hochzeit zu geschehen pflegt. Der Grund ist nach 
obigem einleuchtend: es war in diesen Fällen noch nicht 
zur Dilatatio uteri gekommen. Das Pathologische beginnt 
demnach mit der Verlängerung des Canales. Wir können 
daher unsere Ansicht kurz dahin zusaramenfassen: 

Eine Stenose ist bei conischer Cervix zu dia- 
gnosticiren, sobald eine Verlängerung des Canals 
eingetreten ist. Nur diese Verlängerung indicirt 
daher eine Spaltung der Cervix. Die Operation 
ist als gelungen zu betrachten, wenn die Verlän¬ 
gerung sich wieder zurückgebildet hat. 

Was nun die Länge des Uteruscanales bei engem run¬ 
dem Muttermunde anbetrifft, so habe ich in 49 Fällen — 
die Dauer der sterilen Ehe betrug l / 2 —10 Jahre — eine 
Messung desselben vorgenommen, (ln 5 dieser Fälle glitt 
die Sonde noch beim Os int. über ein Hinderniss). 

1 Mal betrug die länge 47a Zoll. 

21 . 3 Vs » 


n »i n n n r> 

8 „ 27 < „ 

4 „ 2 V* „ 

Diejenigen Fälle, in denen ich den Uteruscanal nur 2 */•* 
2 und 17 1 Zoll lang gefunden, will ich hier nicht weiter 
berücksichtigen. Ohne Zweifel ist die conische Cervix 
eine Hemmungsbildung und wenn nun diese Hemmungs¬ 
bildung nicht mehr auf die Cervix beschränkt geblieben, 
sondern sich auch auf den Uterus selbst erstreckt hat, 
so ist solch ein infantiler Uterus nicht mehr Object medi- 
cinischer Behandlung. Wenigstens sollte er es nicht mehr 
sein. Freilich habe ich mehrfach gesehen, dass bei 2 
Zoll langem Uterus zur Hebung der Sterilität noch die 
Spaltung der Cervix gemacht worden war, ein Mal sogar 
bei einer Frau, die in ihrem ganzen Leben noch nie¬ 
mals menstruirt gewesen war! 

Sehen wir uns nun die 4 Fälle genauer an, bei denen 
der Uteruscanal nicht verlängert gefunden und die mithin 
nach meiner Auffassung nicht als Stenosen zu betrachten 
sind, obgleich bei ihnen nach dem anatomischen Befunde 
diese Diagnose ebenso gerechtfertigt gewesen wäre, wie 
bei den übrigen 45 Fällen, 


1. Fall. Verheirathet lty* Jahr; sehr kleine spitze Va¬ 
ginalportion. Die Regeln verlaufen im 4wöchentlicheu Ty¬ 
pus völlig schmerzlos. 

2. Fall. Verheirathet 4 Jahre; Periode alle 4 Wochen 
von 5tägiger Dauer. Derselbe Typus, wie vor der Ver¬ 
heirathung. Sie fühlt sich auch ebenso gesund, wie sie 
es als Mädchen gewesen. Uterus retroflectirt, beweglich. 

3. Fall. Verheirathet 5 Jahre; Periode alle 25 Tage, 

3 Tage lang schwach ohne Schmerzen. 

4. Fall. Verheirathet 2 Jahre; Periode war früher alle 

4 Wochen, 3 Tage lang; seit 9 Monaten jedoch alle 25 
Tage und 8 Tage dauernd. 

Wir sehen also in den ersten 3 Fällen gar keine Dys¬ 
menorrhoe, im 4. Falle ist dieselbe im Begriffe sich zu 
bilden und die Erscheinungen hätten sich wohl auch 
bei diesem sonst kräftig entwickelten Weibe schon weiter 
entwickelt, wenn nicht durch längere Trennung vom 
Manne auch der Coitus wieder längere Zeit ausgeblieben 
wäre. 

Auch bei den Fällen mit geringer Verlängerung des 
Canales war die Menstruation schwach und die dysme- 
norrhoischen Beschwerden gering. 

Wie ich schon oben bemerkt, bildet sich die Verlän¬ 
gerung des Canales nach erfolgter Spaltung wieder zurück. 
Hierzu bedarf es jedoch einiger Zeit. 

Nach einem Monate habe ich noch gar keine Verän¬ 
derung gefunden, nach 2 Monaten war schon eine Ver¬ 
kürzung bemerkbar und nach 3 Monaten manchmal die 
Rückbildung bereits vollendet. Was nun den Effect der 
Operation auf die Symptome der Dilatatio uteri anbetrifft, 
so ist der Erfolg gegen die Dysmenorrhoe viel hervor¬ 
ragender als der gegen die Sterilität. 

Dass bei solcher conischer Cervix Sterilität eine so 
häufige Erscheinung ist, kann uns nicht Wunder nehmen, 
wenn wir berücksichtigen, dass es sich hier um eine 
Hemmungsbildung handelt und daher die Vermuthung 
nahe liegt, dass, wenn an einer Stelle die Entwickelung 
eine unvollständige gewesen, dieselbe auch an anderen 
Stellen der Genitalsphäre nicht vollständig zu Stande ge¬ 
kommen sein mag. Dieser Gedanke drängte sich mir be¬ 
sonders in den Fällen auf, in denen gar keine oder nur 
eine unbedeutende Verlängerung des Canales eingetreten 
war und welche kleine gracile Frauen betrafen, bei denen 
die Menstruation sehr spärlich auftrat. Ferner muss a 
priori angenommen werden, dass ein solcher dilatirter 
Uterus, der mit der Ausstossung der Secrete im Rück¬ 
stände bleibt und daher eine vorwiegende Tendenz zur 
Expulsion entwickeln wird — dass ein solcher Uterus gegen 
eingedrungene Spermatozoen keine grosse Gastfreundschaft 
entfalten wird. Ich möchte als analoges Beispiel auf den 
Brechreiz des dilatirten Magens bei Pylorusstenose ver¬ 
weisen. 

Wie hinderlich endlich der Conception eine hinzutre¬ 
tende Endometritis ist, braucht nicht weiter erörtert zu 
werden. 

Indessen sind bei der conischen Cervix noch andere Mo¬ 
mente vorhanden, welche der Conception im Wege stehen, 
weshalb ich auf das Verhalten des Uterus beim Coitus 
näher eingehen möchte. 

Allem zuvor muss ich jedoch bekennen, dass ich für 
die Cristeller’sche Theorie keine Sympathie empfinden 
kann, denn ich vermag nicht anzunehmen, dass ein Excret, 
wie der Schleim der Cervicaldrüsen, bei der Erhaltung 
der Art eine solch hervorragende Rolle zu spielen berufen 
sein soll, wie Criste 11 er dieses annimmt. 

Das Excret der Cervicaldrüsen kann meiner Ansicht 
nach keine weitere Bestimmung haben, als wie der Nasen¬ 
schleim bei der Nase, nämlich die Schleimhaut feucht zu 
erhalten oder aber nach Einwirkung von Reizen durch 
gesteigerte Bildung die Oeffnung zu verstopfen. 

Wenn dieses Secret aber schon so stark abgesondert 
wird, dass es den ganzen Cervicalcanal verstopft, dann 


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handelt es sich bereits um eine pathologische Vermehrung 
desselben. 

Für eine normale Cervix gehört es unbedingt zur Regel, 
dass sie frei von einem Schleimpropf angetroffen wird. 

Ich stelle mir daher den Act folgender Maassen vor: 

Schon im Beginn des Coitus befindet sich der Uterus 
in einem congestionirten Zustande. Dadurch gesteigerte 
Secretion der Uterusdrüsen. Wie massenhaft die genitalen 
Drüsen in kurzer Zeit zu secerniren vermögen, kann man 
an den Bartholinischen erkennen. Ausserdem möchte ich 
hieran die massenhaften gnssähniichen Entleerungen dünnen 
Uterinsecretes erinnern, wie sie sich so häutig bei vielen 
Frauen momentan nach jeder heftigen Gemüthsbewegung 
zu bilden pflegen, ohne dass diese Frauen deshalb schon 
an Endometritis chronica litten. 

Sobald nun der Uterus eine gewisse Füllung mit Secret 
erhalten, erfolgt eine Ausstossung desselben und die 
diesen Act hervorbringenden Contractionen des Uterus 
sind von dem Wollustgefühle begleitet. 

Dass bei diesen Contractionen zum Schluss eine Er¬ 
weiterung des Os externum eintritt, müssen wir annehmen, 
da eine solche ja auch bei der Galvanisation des Uterus 
beobachtet worden ist. Mit dem Aufhören der Contrac¬ 
tionen muss dann natürlich eine Aspirationsbewegung zu 
Stande kommen. 

Wie wird sich nun der enge Muttermund bei diesem 
Acte verhalten? 

Es lässt sich aunehmen, dass jene zum Schluss auf¬ 
tretende Erweiterung des äusseren Muttermundes unge¬ 
nügend ausfallen wird und in Folge dessen bei der Aspi¬ 
rationsbewegung weniger Sperma eingeschlürft werden kann. 
Doch dieses Moment kann nicht sehr wesentlich sein, da 
ja im Beginn der Ehe oft genug Schwangerschaft einzu¬ 
treten pflegt. 

Ganz anders gestalten sich jedoch die Verhältnisse, 
wenn Stenose mit consecutiver Dilatatio uteri vorhanden. 
Hier wird es dem Uterus mit seinen Contractionen i Icht 
gelingen sämmtliches Secret aus seinem Cavum durch den 
engen Muttermund hinauszupressen und die nothwendige 
Folge der nicht vollständigen Entleerung des Utirus ist 
dann — das Ausbleiben der Aspirationsbewegung. 

Ausserdem ist aus obiger Darstellung ersichtlich, welche 
grosse Bedeutung es hat, dass der Coitus so lange dauert 
bis am Uterus alle oben geschilderten Stadien sich ab¬ 
gespielt haben. Wird der Mann z. B. zu frühe fertig, 
ehe es noch beim Weibe zur Auslösung der Uteruscon- 
tractionen gekommen ist, so kommt es auch nicht zu der 
am Schlüsse der Contractionen auftretenden Eröffnung 
des Os ext. und der Aspirationsbewegung. 

Aber wenn auch der Penis seine volle Schuldigkeit 
thut uud erst nach normaler Dauer des Coitus die Kja- 
culation eintritt, so wird dennoch die Conception in dem¬ 
selben Maasse wie oben gestört sein, wenn aus irgend 
welchen anderen Gründen es nicht zur Auslösung der 
Uteruscontractionen kommt. 

Das derartige Ursachen bis zu einem gewissen Grade 
bei der Dilatatio uteri mitspielen, wird dadurch wahr¬ 
scheinlich gemacht, dass diese Frauen beim Coitus kein 
Gefühl haben. Dieses Symptom ist für die Dilatatio uteri 
specifisch und habe ich, seitdem ich auf dasselbe auf¬ 
merksam geworden, es immer wieder bestätigt gefunden. 

Nun wäre es ja wohl denkbar, dass beim Coitus die 
Uteruscontractionen ganz regulär ausgelöst werden und 
trotzdem nicht vom Wollustgefühle begleitet sind und es 
wird ja auch so manche Frau schwanger, die beim Coitus 
ganz kalt bleibt. Indessen ist es'doch immer sehr auf¬ 
fällig, wenn solch *ein Symptom mit so grosser Regel¬ 
mässigkeit auftritt. 

Dieses Symptom gewinnt aber noch eine ganz andere 
Bedeutung, wenn wir sehen, dass nach der Spaltung der 
Cervix das Wollustgefühl sich regelmässig wieder einstellt. 

Mithin war der Mangel des Wollustgefühles hier nicht 


eine Charaktereigenthümlichkeit des betreffenden Weibes, 
sondern nur bedingt durch die Störungen, zu denen die 
Stenose des Muttermundes geführt hatte. 

Was nun die Anwendung der oben entwickelten Grund¬ 
sätze auf die Therapie anbetrifft, so kann ich mich kurz 
fassen. 

Findet man bei einer jungen Frau eine conische Cervix, 
den Uteruscanal aber noch nicht verlängert, so wird man 
von einer Spaltung noch Abstand nehmen. 

Da wir jedoch wissen, dass die Insufficienz hier eine 
relative ist und sofort ein treten kann, sobald die Secre- 
tionen des Uterus stark vermehrt werden, so wird die 
therapeutische Aufgabe darin zu bestehen haben, die Se- 
crete des Uterus soviel wie möglich herabzumindern. 
Man gestatte den Coitus nur selten und nie mehrmals 
hinter einander. Ferner sorge man für regelmässige Stuhl¬ 
entleerungen. Das vorzüglichste Mittel jedoch um Uterus- 
secretionen jeglicher Art zu beschränken bleiben immer 
die kalten Seebäder. 

Unter diesem Regime wird oft genug noch Conception 
eintreten. 


Referate. 

Prof. Unverricht: Dermatomyositis acuta. (Deutsche med. 

Woch. A; 2). 

Zu den bis jetzt noch wenig gekannten, ätiologisch dunklen 
Erkrankungen gehören unzweifelhaft diejenigen Fälle von acuten 
Entzündungen der quergestreiften Musculatur, welche nicht auf 
der Einwanderung von Trichinen beruhen. Zuerst vom Verfasser, 
der diese Erkrankung mit dem Namen Polymyositis acuta 
progressiva belegte, dann von Wagner, Hepp (Pseudotri¬ 
chinose) und Plenn sind solche Fälle beschneien worden. 
Mit Ausnahme des Plehn’schen endeten die anderen Fälle letal. 
Die charakteristischen Symptome der Erkrankung waren: Fieber, 
Milzschwellung, acute Entzündung der quergestreiften Musculatur 
mit Ausnahme der des Herzens, der Augen, der Zunge und des 
Zwerchfells. Oedem der Haut, urticaria- oder erysipelartige Aus¬ 
schläge und, wie bereits erwähnt, schliesslich Tod unter Er¬ 
stickungsanfällen und Lungenerscheinungen. Später wurden von 
Wätzold noch 2 Fälle publicirt mit ähnlichem Krankheits¬ 
bild. In der vorliegenden Abhandlung theilt nun Verf. einen 
jüngst beobachteten, sehr interessanten Fall mit, der manches 
Abweichende von den früher beschriebenen darbietet. Es handelt 
sich um eine 39 jährige, verheirathete Bäuerin (gravida im8. Mo¬ 
nate), aus der Umgegend Dorpats. Ursachen für die bestehende 
Erkrankung wurden nicht angegeben. Lues soll nicht bestanden 
haben. Die Haut des Gesict ts in der Gegend der Process. zy- 
goraat. etwas geschwellt und gerötliet. Oedem der unteren Ex¬ 
tremitäten. Die Haut an den Unterschenkeln glänzend roth, 
sehr gespannt und sich heiss anfühlend. Die Oberschenkel sind 
gleichfalls geschwollen und erscheinen besonders dick und plump 
in der Gegend der Adductoren. Die Haut an der Vorderffächc 
der Oberschenkel derb infiltrirt fühlt sich rauh an. Die Haut- 
temperatar ist hier erhöht. Auf stärkeren Druck Schmerzhaftig¬ 
keit. An den unteren Extremitäten deutliche Spuren von Kratz¬ 
effecten. Am Leibe, sowie an der Brust ein Exanthem von quaddel- 
artiger Beschaffenheit. Die einzelnen, eircumscripten Promi¬ 
nenzen erscheinen bläulich roth. Die Bewegung der Augen und 
der Gesichtsmusculatur ist völlig unbehindert. Sensibilitätsstö- 
rungen sind nicht vorhanden, mit Ausnahme einer erhöhten 
Schmerzempfindlichkeit bei leisen, namentlich auch bei tieferen 
Nadelstichen oder bei kräftigem Druck mit dem Finger auf die 
Haut. Eine gleiche Empfindlichkeit besteht beim Fingerdruck 
gegen den Thorax, wobei der Druck in einen Intercostalraum 
empfindlicher ist. als der auf die Rippe selbst. Die Athmung 
ist nicht schmerzhaft, die rohe Kraft der Extremitätenmusculatur 
ist nicht herabgesetzt. Alle Bewegungen in den Gelenken sind 
frei und können unbehindert ausgerührt werden. An den inneren 
Organen nichts Abnormes. Im weiteren Verlaufe der Beobachtung 
nahm zunächst die Schwellung des Gesichts zu, Patientin konnte 
nur sehr schwer die Augen öffnen. Das Jucken wurde uner¬ 
träglich. — Nach einigen Tagen nahmen daun die eben be¬ 
schriebenen Krankheitssymptome an Intensität ab und Patientin 
verliess am 30. October 1889 die Klinik. Am 11. April 1890 wurde 
sie wieder aufgenommen. Status: Nirgends Anschwellung im 
Gesicht wahrnehmbar; die linke Wange, die Gegend des Tem- 
poralis beiderseits, der Masseteren besonders links auf Druck 
empfindlich. Beim Kauen bestehen Schmerzen, besonders links. 
Hals-und Nackenmusculatur etwas schmerzhaft, ebenso der Kopf¬ 
nicker und die Deltoidei. Die Gegend dieser Muskeln erscheint 
etwas zu schwach gewölbt, atrophisch. Musculatur der Ober¬ 
arme ist druckempfindlich, weniger die der Unterarme und die 
der Hand. Die Haut fühlt sich besonders an den Oberarmen derb 


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an und ist druckempfindlich. Der Stamm ist fiberall druckempfind¬ 
lich, namentlich die Lumbalgegend. Die Musculatur der ganzen 
rechten Seite ist stärker entwickelt^ wie die der linken, besonders 
erscheint der linke Infraspinatus ziemlich flach. An den untern 
Extremitäten bestehen spontane Schmerzen, daneben ein Gefühl 
von Vertaubung. Atif Druck ist die Musculatur des Oberschenkels 
wenig empfindlich mit Ausnahme der Adductoren, welche schon 
bei leichtem Druck schmerzhaft sind. Die Muskeln reagiren sehr 
prompt und normal anf den faradischen Strom. 

Wir haben hier einen ausführlichen Auszug aus der Kranken- 

S eschichte wiedergegeben im Hinblick aut die Eigenartigkeit 
er Erkrankung. Die Affection des Muskelfleisches trat, wie 
Verf. weiter ausführt, in diesem Falle so in den Hintergrund, 
dass man nur auf Grund einer genauen Palpation die Druck¬ 
empfindlichkeit derselben nachweisen konnte. Was die Aetio- 
logie anlangt, so ist sie noch ziemlich dunkel: Prof. Un verricht 
lenkt die Aufmerksamkeit auf die Arbeit von Pfeiffer, der ähn¬ 
liche Krankheitssymptome bei Thieren constatirte und zwar 
als Folgeerscheinung der Gregarineneinwanderung (Myositis gre- 
garinosa). Pfeiffer ist der Meinung, dass die oben erwähnten 
Krankheitsfälle auch durch Einwanderung vonGregarineu bedingt 
waren. Zum Schluss seiner Abhandlung schlägt Verf. vor, dieser 
Affection den Namen Dermatomyositis zu geben, weil die Haut, 
wie dieser Fall lehrt, sogar eine Hauptansiedlungsstätte des in- 
fectiösen Agens sein kann. Abelmann. 

Richard Wolffhardt. Ueber den Einfluss des Alkohols 
auf die Magenverdauung. (München, med. W. A* 35 
Verf. hat eine Reihe von Versuchen angestellt zur Klärung 
der Frage, ob Alkohol, resp. die alkoholischen Getränke einen 
günstigen oder ungünstigen, einen beschleunigenden oder ver-) 
langsamenden Einfluss auf die Verdauung im Magen ausüben. 
Verf. fand, dass absoluter Alkohol einen hemmenden Einfluss 
auf die Verdauung sowohl der Amylaceen, als des Fleisches aus¬ 
übt. Dieser Einfluss ist zu constatiren bei Quantitäten von 
15—30 Gr., sei es, dass dieselben auf einmal oder in kleineren 
Portionen während der Verdauungszeit genommen werden. Die 
Verlangsamung betrug bei den Versuchen im Durchschnitt« 
30—40 Minuten. 60 Gr. 50°/o Cognacs scheinen auf die blosse 
Amylaceenverdauung hemmend einzuwirken, bei der Fleisch¬ 
nahrung dagegen beschleunigen sie, während des Essens genom¬ 
men, die Verdauung, verzögern sie jedoch in kleinen Rationen 
während der Verdauungszeit genommen um 30—40 Minuten. 

90 Gr. 50°/o Cognacs in Portionen von 3 mal je 30 Gr. während 
der Verdauungszeit genommen, verzögern die Verdauung um 
40—50 Minuten. 

30 —40 Gr. 50°/o Cognacs theils in Einzeldosis ? theils in be¬ 
stimmten Rationen genommen, beschleunigen die Verdauung 
um ungefähr 30—35 Minuten. 

Roth- und Weissweine üben einen verdauungsbefördernden 
Einfluss aus, sowohl wenn sie während der Mahlzeit als vor 
derselben genommen werden. Mobitz. 


Protokolle der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. 

1157. Sitzung am 6. Februar 1891. 

Anwesend 45 ordentl. Mitglieder und 10 Gäste. 

1. Präses widmet dem am 21. Januar c. verstorbenen ord. 
Mitgliede Dr. F. Hübner warme Worte des Nachrufs. Zu 
Ehren des Verstorbenen erheben sich die Anwesenden von ihren 
Sitzen. 

2. Dr. Voss weist 5 Präparate ad enoi'der Vegetationcn 
vor, die zum Theil sehr umfangreich, von ihm auf operativem 
Wege aus dem Nasenrachenraum entfernt worden sind. 

l)r. Bergmann kann 2 von Dr. Voss Präparaten nicht als 
adenoide Vegetationen anerkennen : es sind dies hyperplastische 
Pharynxtonsillen, au einer ist auch die Thornwald’scne Bursa 
noch" erhalten. Dr. B. will den principiellen Unterschied zwi¬ 
schen neugebildeten adenoiden Wucherungen an den Seiten des 
Rhinopharynx und Hyperplasie der physiologischen Pharynxton¬ 
sille gewahrt wissen, wenn auch hm und wieder diese beiden 
principiell verschiedenen Erkankungen die gleiche operative 
Therapie erheischen. 

Dr. Voss glaubt sich nicht berechtigt, diese Unterschiede 
scharf zu machen, weil cs sich in beiden Fällen um adenoides 
(iewebe handle, die gesetzten Symptome gleich seien und auch 
in beiden Fällen dieselbe Therapie m Anwendung gebracht wird. 

3. Dr.Kiwull: Ueber Gelenkerkrankungen bei Tabes. 
Yortr. giebt die Symptomatologie dieser zuerst von Charcot 
(1868) beschriebenen Erkrankungen und hebt hierbei das an¬ 
scheinend spontane Entstehen derselben, die Fieber- und Schmerz¬ 
losigkeit, die Neigung zu Ergüssen, wie zu monströsen Knochen- 
productionen in der Umgebung der betroffenen Gelenke, wie die 
schnelle Ausbildung einer Arthritis deformans hervor. Von der 
gewöhnlichen Arthr. deform, unterscheide sich die der Tabetiker 
durch schnelleren Verlauf und durch Bildung retrocansulärer Os- 
teophyten In allen Stadien der Tabes vorkommeuu, betreffen 
diese Erkrankungen am häufigsten das Kniegelenk, nöcbstdem 
Hüfte, dann Schulter- und Fussgelenk. 


Noch nicht entschieden ist die Frage, ob diese Gelenkaffec- 
tionen und Tabes in einem blos äusserlichen oder in einem in¬ 
neren causalen Zusammenhang stehen. Rotter hält die Ge¬ 
lenkleiden für nicht tabischen Ursprungs und führt sie auf Ataxie 
und Sensibilitätsstörung zurück. Da sich jedoch typische Ge¬ 
lenkleiden dieser Art ohne Ataxie finden, hat diese Anschauung 
wenig für sich. Charcot tritt für einen causalen Zusammen¬ 
hang zwischen Gelenkleiden und spinaler Erkrankung ein — hat 
aber bisher einen genügenden anatom. Beweis nicht gebracht. 
Uppen he im und Si einer ling beschreiben sowohl parenchyma¬ 
töse Degenerationen, als auch interstitielle Veränderungen in 
den peripheren Nerven bei Tabes und glauben dadurch den Zu¬ 
sammenhang erklären zu können. 

Im Anschluss hieran demonstrirt Dr. K. einen 51jährigen Pat. 
mit vorgeschrittener Tabes. Sein linkes Fussgelenk erscheint 
verbreitert, der Bogen des inneren Fussgewölbes ist flacher; 
nach innen und hinten vom Malleolus int. findet sich eine halb¬ 
wall nussgrosse Prominenz, die alle Bewegungen des Calcaneus 
mitmacht. Zu beiden Seiten der Tendo Achfllis retrocapsuläre 
Osteophyten. Bei Bewegungen deutliche Crepitatiou (oder rich¬ 
tiger Reiben) im oberen Spruuggelenk. — V on diesen hochgra¬ 
digen Veränderungen am Fussgelenk hat Pat. keine Ahnung. 

vor 5 und vor 10 Jahren hat Pat. sich den linken Unter¬ 
schenkel gebrochen. Vortr. ist geneigt diese Fracturen als ta- 
betische Spontanfracturen anzuseheu. 

Dr. Holst erklärt sich für Charcots Auffassung des Causal- 
nexus zwischen Tabes und den in Rede, stehenden Gelenkleiden. 
Die Angaben in der Litteratur, dass im Frühstadium der Tabes 
Fussgelenk und Knie, in späteren Stadien aber erst Hüfte und 
Schultergelenk erkranken, finden ihre Erklärung in dem all- 
mäligen Aufsteigen des Processes im Rückenmark. Nach 
seinen Erfahrungen seien übrigens diese Gelenkleiden durchaus 
nicht immer progressiv: speciell im Kniegelenk habe er mehrfach 
einfache Ergüsse, ohne weitere Erkrankung des Gelenkes ge¬ 
sehen, die rasch vollkommen genasen. Solche Fälle kommen 
naturgemäss nicht in chirurgische Behandlung. 

Dr. Kiwull: temporäre Rückbildungen, namentlich der Er¬ 
güsse, kommen vor; letztere recidiviren, und eine allmälige Ver¬ 
schlimmerung sei sicher, wie er wenigstens aus der chirurgischen 
Litteratur sc.hliesse. 

Auch Dr. Bergmann will die Möglichkeit einer Besserung 
dieser Gelenkleiden nur insofern zugeben, als ein Erguss rc- 
sorbirt werden kann. Dr. B. erinnert ferner au die Thatsachc. 
dass man auch bei Syringomyelie eine Arthritis deform, beob¬ 
achtet, die wohl ebenso wie die tabetische, als specifischen Ur¬ 
sprungs der ei nfachen Arthr. deform, gegenüber zu stellen sei. 

Dr. Ed. Schwarz: es stehe heute nicht fest, dass Tabes.eine 
reine Rückenmarkskrankheit ist. Neuere Autoren (z. B. Hirt 
1891) behandeln sie neben der multiplen Sklerose etc. unter den 
allg. Krankheiten des Nervensystems, vor Allem, w r eil bei Tabes 
Erkrankung der peripheren Nerven häufig ist. Der Gedanke, 
dass tabische Gelenkleiden durch Erkrankung der das betreffende 
Gelenk speciell versorgenden Nerven verursacht werden (Oppen¬ 
heim) hat viel für sich. Dr. Schw. sah bei Erb einen alten 
Mann im Frühstadium der Tabes, dem bei ruhigem Gehen auf 
ebener Strasse die Achillessehne gerissen war. Dies lässt sich 
nur durch specielle Erkrankung der gerissenen Sehne erklären. 
Solche Thatsachen mit ausschliesslicher Erkrankung der Hinter- 
stränge zu erklären, erscheine ihm fast unmöglich. 

4. Dr. Radecki: Ueber einen Fall von Hydramniou. 
Eine 33jährige Frau, die bereits 6 mal normal geboren, war 
im Mai 18JO 3 Wochen lang oedematös (wahrscheinlich Nephri¬ 
tis). Letzte Menses im Juli, Verlauf der Schwangerschaft bis- 
zum December normal. Dann rapide Zunahme des Leibes, starke 
Schmerzen im Unterleibe, Orthopnoe, Kräfteabnahme. Unter¬ 
suchungsbefund: Harn eiweissfrei, geringe Verbreiterung der 
Herzdämpfung nach links, leises systolisches Geräusch Uber der 
Herzspitze. Leib colossal ausgedehnt, prall elastisch; Kindstheilc 
nicht zu nalpiren, keine kindlichen Herztöne hörbar. Percus¬ 
sionsschall über dem Tumor gedämpft, an den abhängigen seit¬ 
lichen Part eu heller. Bei Lagewechsel keine Schalländerung. 
Diagn.: collossales Hydramniou. ln Anbetracht der lebeusbe- 
drönlichen Beschw erden der Frau und des sicher zu erw-artenden 
Absterbens der Frucht wird am 29. XII. 1890 die Frühgeburt 
mittelst Eihautstichs eingeleitet. Nach 2 Stunden sind mindestens 
7 Stoof (c. 9 Liter) normal aussehenden Fruchtwassers abge¬ 
flossen. Nach 18stündigen Wehen Geburt einer stark oedema- 
tösen todten Frucht, ‘/t Stunde darauf eines zweiten normal 
entwickelten, ebenfalls todten Kindes. Nach einer weiteren halben 
Stunde wird eine sehr grosse Placenta ausgestossen. Die Früchte 
lagen in einem Fruchtsack. Secale cornut.; keine Atonie des 
Uterus. Wochenbett normal. 

Vortr. bespricht darauf kurz die Aetiolggie des Hvdramnion 
im Allgemeinen. Im speciellen Fall glaubt er die Entstehung 
desselben mit der Erkrankung der Pat. im Mai — offenbar acute 
Nephritis — und ihrer Anaemie bei sich rasch folgenden Ge¬ 
burten in Zusammenhang bringen zu müssen. Die Obductiou 
der oedematösen Frucht ergab ein durchaus negatives Resultat. 
Eine Erklärung, warum nur die eine Frucht erkrankt, obgleich 
nur eine Placenta und ein Fruchtsa ck vorha nd en, — bei vöHig ... 

negativem Sectionsbefunde —, ist Vortr. zu geFen nicht Im . 

Stlnde. _ Heerwagen. | 


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XVI. JAHRGANG. 


ST. PETEKSBIMfiER 


Neue Folge VIII. Jalirg. 



lESIGINISCBE WOCIENSC 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonntmtntipreii ist in Russland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustelluug; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Inserüonepreie 
für die 8 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 85 Pfenn. — Den 
Antoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


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bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Sieker in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect Ai 14, zu richten. — Xanuscript® 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Schröder in 
St.Petersburg, Malaja Italjanskaja .^6 83, Quart. 3. zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 


N 12 


St. Petersburg, 23. März (4. April) 


1891 


Inhalt W. Kernig: Kurzer vorläufiger Bericht über die in der Frauen-Abtheilung des Obuchow’sehen Hospitals nach Koeh- 
seber Methode behandelten Schwindsüchtigen. — H. Westphalen: Bericht über 5 ObductionsfÜlle nach Behandlung mit Koch's 
Heilmittel (Tuberealin). — Referate: Ch. Hellmann: Die Diagnose des Rotzes vermittelst subcutaner Injectionen eines Aus¬ 
zuges von Rotzbacillen. - Prof. Bostroem: Untersuchungen über die Aktinomykose des Menschen. — Vermischtes. — 
Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Kurzer vorläufiger Bericht Uber die in der Frauen- 
Abtheihing des Obuchow’schen Hospitals nach 
Koch’scher Methode behandelten Schwindsüch¬ 
tigen 1 ). 

Von 

Dr. W. Kernig. 

St. Petersburg. 


Seit dem 27. November vorigen Jahres wurden in der 
Frauen-Abtheilung des Obuchow’schen Hospitals, ausser 
den chirurgischen Kranken, über welche Herr Dr. A. A. 
Kadian Bericht erstattet, im Ganzen 21 lungenschwind- 
süchtige Frauen der Behandlung nach Koch unterzogen. 
Von ihnen sind 7 hier nicht in Betracht zu ziehen, tlieils 
wegen nicht vollständig gesicherter Diagnose, tlieils wegen 
zu kurzer Beobachtungszeit. 

Dieser Bericht umfasst somit nur 14 lungenschwind¬ 
süchtige Frauen, die von mir zusammen mit dem älteren 
Ordinator, Herrn Dr. X. M. Iwanow unter Assistenz der 
Herrn Doctoren Krewer, Ekkert, Witt und Wygodsky 
beobachtet wurden. 

Von diesen 14 Kranken sind zwei gestorben. 

I. Die erste, W&rwara Jakowlewa, Bürgerstochter, 34 Jahre 
alt, krank seit einem Jahr, trat am 1. September 90 in das Hos¬ 
pital mit mässig ausgedehnten Infiltrationen beider Spitzen und 
mit schwerer Larynxaffection. Tuberkelbacillen in nicht reich¬ 
licher Menge iin Auswurf. Die Temperaturen während des Sep¬ 
tember, Octobcr and November beständig subfebril mit seltenen 
Ausnahmen. Sie bekam im Ganzen drei Einspritzungen: am 30. No¬ 
vember, 1. Deceinber und 3. December a 0,5, 1 und 2 Mgrm. 
Obgleich diese Einspritzungen die gewöhnlichen Tempcraturre- 
actionen nicht zur Folge hatten, so ist doch aus der Temperatur- 


') Das Stadthaupt von St Petersburg, HerrW. J. Lichatschew, 
hat zur Erörterung der Behandlung der Tuberculösen mit dem j 
Koch’schen Mittel Tn den städtischen Hospitälern drei öffentliche i 
Couferenzen im Stadthause veranstaltet. Auf einer dieser Sit- j 
zungen, am 23. Februar 91 wurde dieser Bericht vor einem aus 1 
Aerzten und Laien bestehenden Publicum verlesen. Er deckt | 
sich vielfach mit meinem Vollrage im Verein St. Petersburger j 
Aerzte am 8. Januar a. <•. 


rurve ersichtlich, dass das Fieber von den genannten Tagen ah 
steigt und in erheblicher Höhe bis zum Tode am 1. Januar fort¬ 
dauert. Die localen Veränderungen an Lungen und Iiarynx ver¬ 
schlimmerten sich mehr und mehr, das Gewicht fiel von 121 Pfd. 
(24/XI) auf 10ü*/4 Ptd. (22/XII). Bei der Seetionain 2. Januar 
wurden ausser alten tuberculöseu Herden (Cavcrnen in den Ober¬ 
lappen) die Lungen dicht durchsetzt von frischen miliaren Tuber¬ 
keln gefunden; ausserdem fanden sich stell weise in den Lungen 
Mengen kleiner Höhlen, die offenbar ihren Ursprung einem ne¬ 
krotischen Zerfall des Gewebes verdankten und die dem Gewebe 
fast ein schwammartiges Aussehen verliehen. Wir mussten sowohl 
die frische Miliartuberculose der Lungen als die ganz eigenartige 
Bildung kleiner Höhlen um so mehr mit den statt gehabten In¬ 
jectionen in Verbindung bringen, als derartige Veränderungen 
gegenwärtig von verschiedenen Seiten, vor Allem von v irchow 
als Folgen ner K o c lf sehen Injectionen beschrieben werden. Diese 
Lungen wurden von dem Prosector des Hospitals, Herrn Dr. N. 
W. Petrow in der Gesellschaft russischer Aerzte und in der 
Gesellschaft der Obuchow’schen Aerzte deinonstrirt. 

II. Die zweite verstorbene Kranke, Helene Kaminskaja, 34 Jahre 
alt, aus adligem Stande, trat am 20. November 90 auf eigenen 
Wunsch in’s Hospital, eigens in der Absicht sich den Einsprit¬ 
zungen zu unterziehen. 3 Jahre krank, erhebliche Verände¬ 
rungen in den Oberlappen, viel Bacillen. Schon vor Beginn der 
Einspritzungen fieberte Pat. erheblich, bis 39,0. Sic erhielt vom 
28. November bis 22. December sieben Einspritzungen von einem 
bis zwei Milligramm, keine erheblichen Temperaturreactionen. 
auch ein unmittelbarer Schaden von den Injectionen nicht er¬ 
sichtlich. Aber im Allgemeinen verschlimmerte sich der Zustand 
der Kranken immer mehr und mehr, es bildeten sich Cavernen 
in den beiden Spitzen, das erhebliche Fieber dauerte fort, stieg bis 
40,0: das Gewicht fiel von 140V* Pfd- (28/XI) bis 120 Pfd. (29/XII). 
Auf eigenen Wunsch verliess die Kranke das Hospital am 5. Ja¬ 
nuar und starb zu Hause am 15. Januar. Hinsichtlich dieser 
Kranken blieben wir, die behandelnden Aerzte, im Zweifel ob 
die Verschlimmerung im Zustande derselben von den Koch’schen 
Injectionen oder vom natürlichen Verlauf der Dinge abhängig 
zu machen sei. 

Verschlimmerung im Verlauf der Injectionscur 
trat bei drei von den 14 Kranken ein. 

III. Tatjana Andrejewa, 19 Jahr alt. trat am 20. November 90 
in’s Hospital, fi Jahre krank. Erhebliche Veränderungen in 
den Spitzen, Zeichen einer dagewesenen rechtsseitigen Pleuritis. 
Geschwür auf dem linken Stimmband. Eine Menge Bacillen im 
Auswurf. Trat ein ohne Fieber, begann jedoch zu fiebern vor 
der ersten Injection Erhielt vom 11. December bis 20. December 
vier Injectionen, eine ü '/*, zwei t\ 1, und eiue ä 2 Mgrm. Es 
traten erhebliche Reactionen ein; der Allgemeinzustand ver¬ 
schlimmerte sich, Cavemcnbildang in der rechten Spitze, neue 


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Geschwüre im Larynx, beständiges Fieber, das Gewicht fiel von 
112 Pfd. (28/XI) auf 105 Pfd. (29X11). Wir mussten die Injec- 
tionen einstellen. Die Kranke lebt noch, fiebert weiter, der All¬ 
gemeinzustand gegenwärtig sehr schlecht, eine grosse Caverne 
rechts. Gewicht letzt 997» Pfd. Wir konnten uns in diesem 
Falle dem Eindruck einer Verschlimmerung durch das Koch’sche 
Mittel nicht verschliessen. 

IX. Denselben Eindruck machte auf uns die zweite Kranke 
aus dieser Gruppe, Adelaide 8., ein junges gebildetes Mädchen, 
23 Jahr alt. Trat ein am 6. December. Krank seit 2 Jahren. 
Beim Eintritt befriedigender Allgemeinzustand, kein Fieber, nur 
zuweilen subfebrile Temperaturen. Ziemlich ausgebreitete Infil¬ 
trate beider Oberlappen, wenig Husten, spärliches, aber stark ba¬ 
cillenhaltiges Sputum. Vom 13. bis 30. December im Ganzen 
sechs Einspritzungen von 1 bis 5 Mgrm. Temperaturreactionen 
sehr gering, aber nach der letzten Einspritzung am 30. December 
entwickelte sich ein geringes (ca 38,0) doch beständiges Fieber. 
Ebenso entwickelte sich in der zweiten Decemberhälfte eine In¬ 
filtration im linken Untcrlappen, zugleich traten Zeichen einer 
Caverne in der linken Spitze auf. Das Gewicht fiel von 137 Pfd. 
(5/XH) auf 126 Pfd. (12/1). Die Kranke trat aus am 13. Januar, 
befindet sich bis jetzt unter Beobachtung von Herrn Dr. Witt. 
Gegenwärtig fiebert sie nicht, ihr Allgemeinzustand bessert sich 
wieder. 

V, Die dritte Kranke dieser Gruppe. Eva Bulwin, Bürgers¬ 
tochter, 42 Jahre alt, erkrankte am 6. October 1890 an einer rechts¬ 
seitigen Pleuritis, wegen welcher sie am 15. October in’s Hos¬ 
pital trat. Geringes Exsudat, dessen Resorption alsbald beginnt, 
die Kranke fieberlos vom 28. October ab. Einige Tage nach 
Eintritt der Krauken in’s Hospital wird Dämpfung über der rechten 
Lungenspitze mit unbestimmtem Athmen constatirt. Im geringen 
Auswurf werden wiederholt Bacillen in geringer Quantität ge¬ 
funden. Vom 27. November bis zum 31. Januar a. c. im Ganzen 
16 Einspritzungen von 1 bis 16 Mgrm. Anfangs starke Tem¬ 
peraturreactionen, später schwache. Mitte December verschwanden 
die Bacillen aus dem Auswurf und gegen Mitte Januar hatte sich 
der Zustand der Kranken so weit gebessert, dass wir sie für fast 
gesund hielten. Husten und Aus wurf kaum vorhanden, die Dämpfung 
über der rechten Spitze fast vollständig aufgehellt, die mit der 
ersten Einspritzung über der linken Spitze eingetretene Dämpfung 
wieder geschwunden. Das Gewicht hatte sich von 1367* Pfa. 
(27/XI) auf 141 Pfd. (2/1) gehoben. Doch dauerte dieser gün¬ 
stige Zustand der Kranken nicht lange an. Vom 4. Februar ab 
trat beständiges Fieber ein, täglich bis 38,5 und 39,0. Sie hustet 
wieder mehr, der Auswurf hat sich auch wieder vermehrt und 
enthält seit dem 18. Februar wieder Bacillen, nach zweimonat¬ 
lichem Intervall. Ueber der linken Spitze ist eine erhebliche in¬ 
tensive Dämpfung mit feinem Rasseln aufgetreten. Das Gewicht 
bis zum 21. Februar wieder auf 129 Pfd. gefallen, also jetzt um 
12 Pfd. geringer als am 2. Januar. Die Kranke lehnt weitere 
Einspritzungen ab; die letzte Einspritzung hat am 31. Januar noch 
vor Beginn des beständigen Fiebers stattgefunden. 

Der Eindruck dieses Falles wirkt auf uns niederdrückend. Die 
Kranke, nach den ersten 12 Einspritzungen fast völlig gesund 
in jeder Beziehung, beginnt be : m Uebergang zu etwas nöhern 
Dosen, die indessen 16 Mgrm. nicht überschreiten, abzumagern; 
es tritt beständiges Fieber und eine frische Infiltration der linken 
Lunge ein. 


Von den restirenden neun Kranken ist bei sieben 
eine merkliche Besserung eingetreteu; bei zwei 
Kranken ist weder Besserung noch Verschlimme¬ 
rung zu constatiren. 

VI. Anna Archipowa, Tochter eines Diakon, 43 Jahre alt, trat 
ein am 14. October 90, hustet seit einem Jahr, im Frühjahr 90 
Blut im Auswurf, starke Nachtschweisse. Aasgedehnte Infiltrate 
beider Oberlappen, Catarrh der Unterlappen; eine Menge Ba¬ 
cillen im Auswurf, die indessen schon vor Beginn der Injections- 
cur sich vermindern beim Gebrauch von Creosot. Sie fieberte 
nicht. Sie bekam im Ganzen 21 Einspritzungen von 7 * bis 25 
Mgrm. vom 29. November bis 17. Februar. Die Temperaturre- 
actionen waren im Allgemeinen unbedeutend, meist nicht höher 
als 38,0, auch die localen Reaetionserscheinungen an den Lungen 
nicht besonders ausgesprochen. Gegenwärtig hustet dieeKranke 
bedeutend weniger, der Auswurf ist von einigen hundc rt Ccm. 
auf 30—50 Ccm. herabgegangen. Ab und zu finden si h in den 
Sputumpräparaten nur einzelne, zu anderen Zeiten wieder reich¬ 
liche ' Bacillen. Die Nachtschweisse sind längst geschwunden, 
das Gewicht ist von 151 Pfd. (29 XI) auf 159 Ptd. (21/11) ge¬ 
stiegen. Die örtlichen Zeichen über den Lungensptzen haben 
sich entschieden gebessert; im Allgemeinen ist der Schall voller, 
rechts vorn oben kaum merkbar gedämpft, das Athmungsgeräuseh 
hier unbestimmt. Viel weniger Rasseln. Zu Anfang Januar bil¬ 
dete sich über der linken Spitze eine kleine Caverne, deren phy¬ 
sikalische Zeichen gegenwärtig verschwinden. Es ist dieses somit 
ein schwerer Fall, der unter der Behandlung mit dem Koch’schen 
Mittel sich zweiffellos bessert. 

VII. Helene Alexandrowa, Weberin, 20 Jahre alt, krank seit 
8 Monaten, trat in’s Hospital am 23. November. Dämpfung über 


beiden Spitzen mit unbestimmtem Athmen, spärlichesfeines Rasseln 
Wenig Auswurf mit wenig Bacillen. Vom 27. November bis 
19. December 10 Einspritzungen von 1 bis 2 Mgrm; lebhafte 
Temperaturreactionen. Anlässlich der Weihnachtstage verliess 
die Kranke das Hospital m früh, am 22. December, jedoch in 
merklich gebessertem Zustande. Der Schall vorn oben beider¬ 
seits bedeutend voller als früher, hinten oben auch aufgehcllt, 
das Athmen über den Spitzen überall vesicul&r. Husten und 
Auswurf waren fast nicht mehr vorhanden. Pat fühlte sich beim 
Austritt sehr gut, hatte um 1 Pfd. an Gewicht zugenommen. 
In zwei Präparaten wurden beim Austritt Bacillen nicht mehr 
gefunden. 

VHI. Maria Ewdokimowa, Schneiderin, 17 Jahre alt, trat am 
22. October in’s Hospital wegen einer Angina, die rasch aus¬ 
heilte. Ueber der rechten Spitze Dämpfung mit abgeschwächtem 
Athmen; wenig Husten, wenig bacillentreier Auswurf. Zeitweilig 
subfebrile Temperaturen. Vom 29. November bis zum 13. Feb¬ 
ruar 16 Injectionen von 1 bis 16 Mgrm. mit sehr geringen Tem- 

S eraturreactionen. Gegenwärtig befindet sie sich sehr wohl; 
as Aussehen ist gut, das Gewicht von 122 auf 130 Pfd. ge¬ 
stiegen; kein Husten, kein Auswurf: die Dämpfung über der 
rechten Spitze ist fast vollständig geschwunden. Die rechte vor¬ 
dere obere Thoraxgegend dehnt sich fast ebenso vollständig aas 
wie die linke \ doch zeigen sich noch ab und zu subfebrile Tem- 

f ieraturen. Sie trat am 16. Februar aus, da sie Petersburg ver- 
assen musste. 

IX. Alexandra Kweten, Spitzenklöpplerin, 31 Jahre alt, krank 
27* Jahre lang, im vorigen Winter geringe Haemoptysis; trat 
ein am 22. December, wünschte selbst geimpft zu werden. Sie 
ist gross von Wuchs, doch mangelhaft entwickelt, Dämpfung 
über beiden Spitzen mit abgeschwächtem Athmen und mit spär¬ 
lichem Rasseln links oben. Fast kein Auswurf, derselbe (Mine 
Bacillen. Vom 26. December bis zum 22. Februar 13 Einsprit¬ 
zungen von ein bis 15 Mgrm.; Temperaturreactionen sehr gering, 
bei den letzten Einspritzungen von 0,01 und mehr gar keine 
Reaction. Gegenwärtig fühlt sich Patientin ausgezeichnet, und 
sieht dieselbe vortrefflich, geradezu gesund aus. Das Gewicht 
ist von 135 Pfd. auf 151 gestiegen, sie hustet nicht, Auswurf 
sehr gering, immer ohne Bacillen. Der Schall vorn oben beider¬ 
seits kaum gedämpft; hinten oben gar nicht mehr gedämpft: 
kein Rasseln. Das Athmen schwach, vesiculär. 

X. Sophie B., 28 Jahre alt, Tochter eines Arztes, mehrere 
Glieder aer Familie sind schwindsüchtig. Die Kranke wurde 
vor 3 Jahren heiser. Beim Eintritt ins Hospital am 19. Decem¬ 
ber erhebliche und intensive Dämpfung links vorn oben und 
links hinten oben mit abgeschwächtem Athmen, auf dem linken 
wahren Stimmbande ein kleines gelbweissliches Geschwür. Kein 
Husten, kein Auswurf. Vom 20. December bis 2. Januar 5 Ein¬ 
spritzungen von 1 bis 5 Mgrm., die letzten drei mit starken Tem¬ 
peratursteigerungen bis 39 und 40. Sie verliess das Hospital 
bereits am 6. Januar, konnte sich in die Hospitalsordnung und 
Umgebung nicht finden, war überhaupt immer im Hospital sehr 
erregt. Sie hatte ein Pfd. an Gewicht verloren (von 129 auf 
128) aber die Stimme bedeutend besser als beim Eintritt und 
der Schall über der linken Spitze viel voller, kaum merkbar 
gedämpft. Am 18. Februar wurde sie von Herrn Dr. Witt zu 
Hause untersucht; sie hat sich jetzt 6 Wochen nach Verlassen 
des Hospitals bedeutend erholt, hat 5 Pfd. an Gewicht zuge¬ 
nommen, eine Dämpfung über der linken Spitze ist nicht vor¬ 
handen, das Athmen nier ist vesiculär, die Stimme weniger heiser. 

XI. Christine Isiskar, 24 Jahre alt, trat am 23. December 
ein, hustet seit 3 Jahren, wenig Auswurf, derselbe schleimig ohne 
Bacillen. Der Schall hinten oben über beiden Spitzen fast ab¬ 
solut dumpf, das Athmen abgeschwächt, etwas Rasseln. Vorn 
beiderseits ausgesprochene Dämpfung bis zur 3. Rippe mit ab¬ 
geschwächtem Atnmen. Vom 26. December bis 15. Februar 
10 Einspritzungen von 1 bis 8 Mgrm. Die Temperaturreactio- 
neu reent erheblich. Die Aufhellung des Schalles über beiden 
Spitzen jetzt zweifellos, vorn ist der Schall fast normal, hinten 
weniger gedämpft, als früher. Dos Athmen links vorn schwach 
vesiculär, kein Rasseln; hat an Gewicht um ein Pfd. zugenom¬ 
men (von 101 auf 102). 

XII. Alexandra Egorowa, 17 Jahre alt, Eltern schwindsüch¬ 
tig, erkrankte im November 189(1 mit Schmerz, Hitze und Blut¬ 
husten. Trat ein am 3. Januar ohne Fieber, blieb auch fieber- 
los bis jetzt mit Ausnahme der Tage, wo die Einspritzungen 
gemacht werden. Dämpfung über beiden Spitzen mit ob- 
geschwächtem Athmen, rechts verlängertes Exspirium. Wenig 
Auswurf, ohne Bacillen. Vom 15. Januar bis 17. Februar 10 
Einspritzungen von 1 bis 14 Mgrm. mässige Temperaturreactio- 
neu. Das Befinden jetzt ausgezeichnet, hat Vit Pfd. an Gewicht 
zugenommen. Die Dämpfung über den Spitzen ist fast geschwun¬ 
den, jetzt kaum bemerkbar. Das Athmen über der rechten 
Spitze vesiculär, doch abgeschwächt, über der linken Spitze 
normal. 

Es verbleiben zwei Kranke ohne merkbare Besse¬ 
rung und ohne merkbare Verschlimmerung. 

XIII. Tatjana Koschanowa, 34 Jahre alt, Stubenmädchen, trat 
ein am 12. December, hustet 4 Jahre lang. Dämpfung über der 


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101 


rechten Spitze mit verschärftem Athmen und mit nicht reichli¬ 
chem crepitirendem Rasseln. Rechts Reste einer früheren Pleu¬ 
ritis. Links ebenfalls Dämpfung der Spitze. Keine Bacillen. 
Vom 19. December bis 9. Januar 5 Einspritzungen von 1 bis 3 
Mgrm., starke allgemeine und örtliche Reaction. Am 27. Decem¬ 
ber nach der 3. Injection Bacillen im Auswurf. Yerliess das 
Hospital am 5. Januar auf eigenen Wünsch ohne merkbare Ver¬ 
änderungen im Localbefünde. Hatte 2*/« Pfd. Gewicht verloren 
(134*/« Pfd. am 14/xii, 132 Pfd. am 2/i). 

XIV. Alexandra Iwanowa 28 Jahre alt, früher Krankenwär¬ 
terin im Aufnahmezimmer des Obuchow’schen Hospitals. Krank 
seit 1. Mai 1890, trat ein am 13. October. Ausgedehnte Infil¬ 
trationen beider Spitzen, Bacillen in reichlicher Menge. Die 
Temperaturen meist subfebril. Vom 27. November bis 19. Fe¬ 
bruar 20 Einspritzungen von 1 bis 9 Mgrm. Die Temperatur- 
reactionen im Allgemeinen nicht stark. Bis Mitte Januar merk¬ 
bare Besserung der objectiven Erscheinungen, der Schall über 
den Spitzen voller, das Rasseln weniger, weniger Husten, Ver¬ 
minderung des Auswurfs, zeitweilig sehr wenig Bacillen. Das 
Gewicht ist gestiegen von J09 1 /* Pfd. am 27. November auf 112 % 
Pfd. am 21. Februar. Nach einer Injection am 19. Januar trat 
ohne Fieber ein heftiger, tagelang anhaltender Schmerz in 
der Ileocoecalgegend auf, der uns an eine locale Peritonitis 
denken liess. Das Gewicht fiel in diesen Tagen um 2 Pfd. Ge¬ 
genwärtig erholt sich die Kranke wieder, hat wieder an 2 Pfd. 
angesetzt, die Schmerzen im Unterleibe nach den Injectionen 
höchst unbedeutend. Der Schall über der rechten Spitze jetzt 
viel voller als beim Eintritt, dagegen über der linken Spitze 
dumpfer. 

Das Gesammtresultat ist somit folgendes: 

Von den 14 Kranken 

sind zwei gestorben; der Tod der einen Kranken 
ist zweifellos den Koch’schen Einspritzungen zuzu¬ 
schreiben ; 

haben sich drei verschlimmert; alle drei in Folge 
der Einspritzungen, eine von ihnen erholt sich jetzt 
zu Hause; 6 

haben sich sieben gebessert in mehr oder weniger 
bedeutendem Grade; 

lässt sich bei zweien weder Besserung noch Ver¬ 
schlimmerung constatiren, eine von diesen ist 
noch in Beobachtung. 

Entsprechend der gegenwärtig (Ende Februar) wohl all¬ 
gemein sich geltend machenden Anschauung, kann ich das 
Kocb’sche Mittel nur ein zweischneidiges Schwert nennen. 
Es kann nützen, es kann aber auch viel schaden. — Wenn 
indessen in Zukunft bewiesen werden sollte, dass Nutzen 
und vollständige Heilung von dem Koch’schen Mittel nur 
zu erwarten ist in ganz frischen Fällen und in denjenigen 
chronischen Fällen, welche verhältnissmässig gutartig, lang¬ 
sam, ganz oder fast ganz fieberlos verlaufen, und welche 
mit noch wenig ausgebreiteten Infiltrationen in die Behand¬ 
lung treten, so wäre auch dieses ein grossartiger Erfolg. 
Wenn wir nur solche Fälle, wie ich sie hier andeute, in 
Zukunft zur Behandlung mit dein Koch’schen Mittel nehmen, 
so werden wir ja doch auch auf diesem Wege mitwirken 
zur geringeren Verbreitung und zur Ausrottung der Schwind¬ 
sucht. Es ist nicht zu vergessen, dass Koch selbst in 
seiner ersten Mittheilung hinsichtlich der Lungentuber- 
culose sich in eben diesem Sinne ausgesprochen hat d. h. 
er erwartet von seinem Mittel Nutzen nur in frischen und 
leichten Fällen von Lungentuberculose. Ausserdem ist zu 
bedenken, dass jedes jjeue stark wirkende Mittel seine 
Opfer gefordert hat, ich erinnere nur an Chloroform, 
Chtoral und CocaYn. Unsere Aufgabe besteht gegenwär¬ 
tig nur im Aufsuchen und Finden möglichst präciser In- 
dicationen für das Koch’sche Mittel und der möglichst 
richtigen Gebrauchsmethode desselben. Diese Aufgabe ist 
nicht erfüllbar in wenigen Monaten, vielleicht wird erst 
die Erfahrung einiger Jahre uns lehren, wann und wie 
wir dieses mächtige Mittel zum Nutzen der Kranken an¬ 
wenden sollen. 


Bericht Uber 5 Obductionsfälle nach Behandlung 
mit Koch’s Heilmittel (Tuberculin). 

Aas dem Deutschen Alexander-Männerhospital in St. Petersburg. 

Von 

Dr. H. Westphalen 
Prosector. 

Folgende Mittheilung beansprucht ausschliesslich als 
eine Fortsetzung des Berichtes des Herrn Dr. Moritz 
(& 6 dieser Wochenschrift) über die Resultate der Im¬ 
pfungen im Deutschen Alexander-Hospital mit dem Koch’¬ 
schen Heilmittel zu gelten. 

Sie hat den Zweck die Collegen mit denjenigen Ver¬ 
änderungen bekannt zu machen, welche wir bei den Ob- 
ductionen von Leichen gewonnen haben, welche bei Leb¬ 
zeiten mit dem Koch’schen Mittel behandelt worden waren. 

Ich möchte es hier gleich hervorheben, dass es sich 
hierbei ausschliesslich um Kranke handelt, welche schon 
bei ihrem Eintritte in das Hospital ausgedehnte Verän¬ 
derungen in den Lungen und andern Organen darboten 
und nur auf eigenen Wunsch und oft gewaltsames Drängen 
mit Koch’schen Injectionen behandelt wurden und schliess¬ 
lich ihrer Phthise erlagen. Infolge der bekannten Publi- 
cationen Virchow’s macht sich leider bei Aerzten und 
dem Publicum nur zu sehr das Bestreben geltend die un¬ 
günstigen Sectionsergebnisse dieses Autors zu verallge¬ 
meinern und die Anwendung des Mittels überhaupt, selbst 
bei Frühformen der Lungentuberculose, zu desavouiren. 

Die Resultate, welche in den folgenden Zeilen nieder¬ 
gelegt sind, unterscheiden sich in keinem Punkte von den¬ 
jenigen von Virchow, Hansemann, Israel, Jürgens 
u. A.; sie bringen nichts Neues und bestätigen im Allge¬ 
meinen die Angaben der erwähnten Forscher. 

I. Fall. Johann Pussell 30 J. a. (AbtheiL Dr. Westphalens) 
Porcellanmaler. Bei seiner Aufnahme in das Hospital überwogen 
namentlich die Erscheinungen eines chron. Alkoholismus, des 
Fettherzens und der Herzinsufficienz. Während sich diese Symp¬ 
tome iedoch bei passender Behandlung bald besserten, machte 
eine gleichzeitig vorhandene Phthise rapide Fortschritte und führte 
unter dem Bilde einer Phthisis florida verbunden mit schwerer 
Larvnxtuberculose und terminaler Pleuritis rasch zum Exitus 
letalis. 

Pat hatte im Ganzen 9 Injectionen (0,001—0,008) erhalten. Die 
letzte Einspritzung wurde 2 Tage vor dem Tode gemacht 

Auszug aus dem Sectionsprotokoll: Lipomatose und Myo- 
degeneratio cordis, Lipomatose und centrale venöse Hyperaemie 
der Leber. Hyperplastischer Milztumor. Miliartuberculose der 
Milz, Leber una Nieren mit Confluenz mehrerer Tuberkel. (In 
der Leber begegnet man namentlich mikroskopisch verschie¬ 
denen Stadien der Tuberkeleruptionen, neben einer bloss localen 
Ansammlung lymphoider Zellen erkennt man sehr schöne einzel¬ 
stehende Tuberkel mit einer peripheren Zone aus Grauulations- 
zellen, epitheloiden und Riesenzellen und centraler Verkäsung, 
während an anderen Stellen mehrere der Tuberkeleruptionen zu- 
sammenfiiessen und stellenweise vollständige Conglomeratknoten 
bilden. In letzterer Form präsentiren sich namentlich auch die 
Tuberkel der Nierenrinde). An deh Rachenorganen nichts Ab¬ 
normes. An der Epiglottis ein eitrig belegtes tuberculöses Ge¬ 
schwür. Das Innere des Kehlkopfes und der obere Theil der 
Trachea in ein ausgedehntes tuberculöses Geschwür mit schmu¬ 
tzigem gefetztem Grunde umgewandelt, in welchem sich nur mit 
Müne Reste der Stimmbänder erkennen lassen. (Es verdient 
hier vielleicht erwähnt zu werden, dass der Kranke zum Zwecke 
einer erleichterten Nahrungsaufnahme täglich mehrmals imLarynx 
mit Cdcainlösung gepinselt worden war). Die Schleimhaut der 
Trachea und der grossen Bronchien hvperaemisch von zahllosen 
miliaren Tuberkeln durchsetzt. Doppelseitige serös fibrinöse Pleu¬ 
ritis, cylindrische Bronchiectasien t>eider Lungen mit Schwellung 
und Hyperaemie der Bronchialschleimhaut. Das Lungengewebe 
im Allgemeinen hyperaemisch und oedematös, im linken obern. 
Weniger im rechten Oberlappen und den beiden Unterlappen 
das Gewebe durchsetzt von zahlreichen Käseherden, welche viel¬ 
fach Uebergänge zur Cavernenbildung zeigen, deren Wand und 
Umgebung auffallend hyperaemisch irnd von punctförmigcn Blut¬ 
austritten durchsetzt erscheint. Daneben erkennt man miliare 
Knötchen und lobuläre, theils gallertig feucht ausgehende, theils 
derbere über die Schnittfläche promimrende Infiltrate von leicht 
körniger Beschaffenheit. Namentlich im Bereich des linken Unter¬ 
lappens tritt letztere Erscheinung auffallend deutlich hervor, da 
hier die lobulären Infiltrate discreter stehen und stellenweise 


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confluiren und sich anscheinend um die einzelnen Käseherdes | 
gruppiren (mikroskopisch erweisen sich im Bereich dieser lobu¬ 
lären Partien die Lungenalveolen erfüllt mit Blut, vereinzelten mehr- 
kernigen lyinphoidenZellen, feinkörnigen Massen, innerhalb derer 
sich Fibrinfüden erkennen lassen und sehr zahlreichen abge- 
stossenen Alveolarepithelen. Die Käseherde unterscheiden sich mi¬ 
kroskopisch in keinem Punkte von dem Aussehen der lobulär- 
käsigen Pneumonien innerhalb tuberculöser Lungen überhaupt). 

hn Darm namentlich im untern Ileumende reichliche tuber- 
culöse Ulcerationen, welchen an der Serosa Anhäufungen miliarer 
grauer Körner entsprechen. Die Geschwüre unterscheiden sich 
wesentlich von dem gewöhnlichen Aussehen der tuberculösen 
Darmgeschwüre, sie erscheinen zum grössten Theil im Grunde 
und Umgebung hyperaemisch und gereinigt. Ihre Ränder fallen 
sanft ab und ihr Grund erscheint sanimetaftig roth. welchem 
nur stellenweise einige Gewebsfetzen und Zerfallsbröckel anhaften. 

Die Meseuterialdrüsen markig geschwellt, mehrere derselben 
ziemlich blutreich. 

II. Fall. Pat. Diesfeldt 42 J. a. Kaufmann aus Reval (Abth. 
Dr. H ö h 1 e i n). Inveterirte I <ues, seit 1 Jahre I iarynx und Lungen¬ 
phthise. Cachexie, mässige Febris hectica. Ausgebreitete tuber- 
culöse Ulcera des Larynx, ausgedehnte Infiltrate beider Lungen 
mit Cavernenbildung. Reichliche Bacillen im Sputum. Lu¬ 
etischer Defect des harten Gaumens. Amyloid der Leber, Milz 
und Nieren. 

9 Inject. (0,036 in toto), letzte Injection 4 Tage vor dem Tode. 

Auszug aus dem Sectionsprotokoll: Sklerose und Athe¬ 
rom der grössern Arterien. Trübung des Myokard. Amyloid der 
Leber, Milz (Sagomilz) und Nieren lmt massiger chronisch paren¬ 
chymatöser Nephritis. Miliartuberculose der Milz und Leber. 
Confluirte Tuberkel beider Nieren. An der Zungenbasis und 
den Rachengebilden strahlige Narben (Lues). Defect des harten 
Gaumens, Defect der Epiglottis, der freie Rand des Kehldeckel¬ 
restes von einem gereinigten tuberculösen leicht granulirenden 
Geschwüre eingenommen. Am rechten Stimmbande ein flaches 
Ulcus mit unregelmässig gestaltetem Grunde und Rändern. Im 
Uebrigen im Larynx Schwellung und Röthung der Mucosa, in 
welcher vereinzelte graue Körner erkennbar sind, Trachea und 
Oesophagus normal. In beiden Lungenspitzen zahlreiche con- 
fluirende Cavernen mit röthlichgrauem trübem eitrigem Inhalt. 
Ihre Wand theils geglättet, theils geschwürig zerfallen, stark 
hyperaemisch und eccnymosirt. Auen die Umgebung der Höhlen, 
welche zum grössten Theile aus derbem schieferig pigmentirtem 
NarbengeweDe besteht, auffallend blutreich. Im ÜeDrigen das 
Gewebe Deider Lungen venös hyperaemisch und oedematös durch¬ 
setzt von miliaren Tuberkeln und zahlreichen Käseherdeu, welche 
auch hier durch Verflüssigung ihrer centralen Abschnitt« zahl¬ 
reiche Uebergünge zur Entstehung von Cavernen zeigen. 

Im Darm Katarrh des untern Ileumendes ohne Geschwürsbildung. 
Im Coecum und Colon asc. einige grössere mit ihrer Längsaxe ver- 
tical zum Darmverlaufe gestellte Geschwüre. Dieselben erscheinen 
alle nahezu vollständig gereinigt, hyperaemisch im ihrem Grunde 
und Umgebung. An der Serosapartie, welche diesen Ulcerationen 
entspricht, zahlreiche miliare Tuberkel neben einer leicht ange¬ 
deuteten Lymphangitis tuberculosa. 

III. Fall.* Franz Holm 36 a. n. Tischler (Abth. Dr. Taube); 
starke familiäre Belastung vom Vater her, auch das Kind des 
Pat. war vor kurzem einer tuberculösen Meningitis erlegen. 
Ausgesprochene Kachexie, Febris continua, mässig ausgebreitete 
Infiltrate beider oberen Lungenlapnen, rechts Höhlensymptome. 
Massenhaft Tuberkelbacillen im Sputum. Im Larynx diffuse 
Röthung und Schwellung, keine Ulcerationen. 

Pat. erhielt vom 17/XII—30/XIIin 6 Injectionen 0.0175 Koch’scher 
Flüssigkeit Nach der 6. und letzten Injection trat plötzlich 
Schwindel und Somnolenz ein, zu welchem sich das ganze Bild 
einer tuberculösen Meningitis hinzugesellte: Kau- und Greifbe¬ 
wegungen, Tremor, tonische und klonische Contracturen, Unbesinn¬ 
lichkeit und Bewusstlosigkeit, Erhöhung der Sehnenreflexe, Puls¬ 
verlangsamung, Pupillenstarre und Pupillendifferenz etc. Unter 
collapsartigem Absinken der Temp. erfolgte schliesslich der Tod 
am 7/1 91. 

Auszug aus dem Sectionsprotokoll: Starker Meteorismus 
und Hochstand des Zwerchfells, Trübung des Mvokard, der Leber 
und Nieren. Hypeiplasie der Milzpulpa, Miliartuberculose der 
Leber, Milz und Nieren. In der Nierenrinde mehrere Imsen - 
grosse durch Confluenz einiger miliarer Tuberkel entstandene 
graugelbe Herde mit mikroskopisch sichtbarer centraler Ver¬ 
käsung. Im Larynx diffuse Röthung und Schwellung der Mu¬ 
cosa, in welcher sich einige graue Knötchen erkennen lassen. 
Am linken Stimmbande ein flaches Geschwür. 

I n beiden Lungenspitzen eine Anzahl grösserer und kleinerer 
Ca vernen mit hyperaemisch ecchymosirter Wand und Umgebung. 
Im Uebrigen in dem Lungengewebe zahlreiche käsige Pneumonien, 
sowie miliare graue Körner; massiges Oedem des Lungengewebes. 

Im lleuin mehrere flache, j^um Theil gereinigte Ulcerationen 
mit hyperaemischer Reactionszone. Im Colon ascendens einige 
grosse quer zur Längsaxe des Darmes gestellte Geschwürsflächen, 
deren Grund glatt und rein von der gewissermassen freipraepa- 
rirten Darmmnscnlaris gebildet wird, so dass das ganze Bild im 
hohen Grade an das Aussehen gereinigter dysenterischer Ge- 


chwüre erinnert und nur die typische Querstellung der Ulcera¬ 
tionen und die Tuberkeleruption an^der Serosafläche, welche 
dem Ulcus entspricht, den tuberculösen Character der Geschwüre 
beweisen. Mesenterialdrüsen lebhaft markig geschwellt ohne Ein¬ 
lagerung gösserer Käseherde. 

Dura mater normal. Stirnwindungen stark abgeplattet Pia im 
allgemeinen wenig getrübt Im Bereiche des rechten Parietal¬ 
lappens die Flüssigkeit in den Arachnoidalräumen eitrig getrübt, 
desgleichen auch an der Hirnbasis im Bereich des Chiasraa ner- 
vorumopticoruni. Hierselbst in der Pia einige Tuberkel. Tuberkel¬ 
eruptionen finden sich weiter in grösserer Anzahl und verschiedener 
Grösse wesentlich in der Pia des Cerebellum und der Vorder¬ 
fläche der Medulla oblongata, sowie in der Adventitia der basalen 
Hirnarterien und der Artt. Fossae Sylvii rechts und links. Hirn¬ 
substanz stark oedematös, Hirnventrikel stark erweitert, mit leicht 
getrübter Flüssigkeit erfüllt. In den Plexus chorioidei eine Anzahl 
stecknadelkopfgrosser graugelber Knoten (confluirte Tuberkel). 

IV. Fall. Johann Hausl 38 a. n. Bierbrauer. (Abth. Dr. 
Höhlein). Ausgedehnte Infiltration der linken Lunge neben 
massiger Infiltration der rechten Lungenspitze. Schwellung des 
rechten Aryknorpels, reichliche'Tußerkelbacillen im Sputum. 
Febris hectica. 

Pat hat im Ganzen in 9 Inject 0,031 Koch’sche Flüssigkeit 
erhalten. Die letzte Injection 14 Tage vor dem Exitus. 

Auszug aus dem Sectionsprotokoll: Im obern Lappen 
der linken Lunge eine nahezu kleinapfelgrosse glnttrandige Ca- 
veme, deren Rand hyperaemisch und ecchymosirt erscheint. Da¬ 
neben das Gewebe beider Lungen in auffallend starker Weise 
durchsetzt von zahlreichen grossen und kleinen Käseherden, 
welche in ihrem centralen Anschnitte höhere Grade der Ver¬ 
flüssigung zeigen, wodurch aus den Käseherdeu eine grosse 
Menge grösserer und kleinerer eitrig gefüllter Cavernen hervor¬ 
geht. Dadurch gewinnen die Lungen ein nahezu schwamm¬ 
ähnliches Ansehen. Das Lungengewebe ist stark rareficirt und 
von zahllosen Höhlen durchsetzt, aus welchen sich bei Druck 
auf die Lunge dickflüssige Eitermassen auf die Schnittfläche ergies- 
sen. Daneben erkennt man auch mehrfach inselförmige Stellen 
mit körniger Infiltration des Lungengewebes, welche mikrosko¬ 
pisch zahlreiche Uebergänge des Alveolarinhaltes in Verkäsung 
darbieten. Schwellung der Bronchialschleimhaut, in derselben 
zahlreiche Tuberkel. Herzbeutel bindegewetyg obliterirt. Trü¬ 
bung und fettige Degeneration des Myokard. Milztumor, Mili¬ 
artuberculose der Milz. Das Lebergewebe fettig infiltrirt und 
von miliaren Tuberkeln durchsetzt. Nieren bis auf eine mässige 
Trübung der Rinde normal. Im Larynx Schwellung im Bereich 
des rechten Aryknorpels. Magen, Pankreas, Nebennieren nor¬ 
mal. In der Schleimhaut des Jejunum und Ileum mehrere opake 
linsengrosse Knoten, welche in flache Geschwüre mit unregel¬ 
mässig beschaffenem Grunde und Rändern übergehen. In der 
Umgehung derselben stärkere Gefässinjection. 

Im Colon transv. an 2 Stellen starke Röthung und Schwellung 
der Mucosa. Daneben eine Menge von Geschwüren von sehr 
verschiedenem Aussehn. Während einige der Geschwüre an das 
Aussehn der Ulcerationen im Jejunum und Ileum erinnern, er¬ 
scheint bei den andern der Geschwürsgrund gereinigt, von röth- 
lich sammetartiger Beschaffenheit, noch andere Ulcera erweisen 
sich als vollständig benarbt und sind mit einer zarten Narbe 
bedeckt. An der Serosa im Bereich der erkrankten Partien des 
Colon eine leichte bindegewebige Trübung, lebhaftere Gefäss- 
injection und vereinzelt« graue durchscheinende Körner. Die 
Mesenterialdrüsen nicht auffallend verändert. 

V. Fall. F. Mohr 31 a. n. Steinschleifer (Abth. Dr. Höhl ein). 
In den letzten Monaten mehrfache Haemoptoe. Cachexie. Con- 
tinuirliches Fieber. R. V. oben und R. II. oben in grösserer 
Ausdehnung unbestimmtes Athmen und reichliches consoniren- 
des Rasseln. Diarrhoe. 

3 Iujec. zu 0,001-0,002 -0,003, letzte Injection 12 Tage vor 
dem Exitus. 

Auszug aus dem Sectionsprotokoll: Massiger Ascites. 
Miliartuberculose des grossen Netzes. Pigmentatrophie des 
Herzens. Doppelseitige geringgradige tuberculös - haemorrha- 
gische Pleuritis. 

Die Lungen zeigen iin Allgemeinen die Erscheinungen der 
chron. indurativen interstitiellen Pneumonie mit starker Pigmen- 
tation, daneben erscheinen sie jedoch durchsetzt von einer An¬ 
zahl grosser und kleiner luftleerer Partien, Infiltraten des Lun¬ 
gengewebes, und von zahlreichen käsig pneumonischen Herdeu. 
Letztere zeigen Uebergänge zur Cavernenbildung, deren Wand 
und Umgebung lebhaft geröthet, stellenweise aucli ecchymosirt 
erscheint. Im Larynx normaler Befund. In der Trachea und 
den Bronchien dünnflüssiger eitriger Inhalt. Die Wand dieser 
Theile lebhaft geröthet und geschwellt und von zahlreichen mi¬ 
liaren Tuberkeln durchsetzt, aus denen eine Anzahl flacher Ul¬ 
cerationen mit leicht gelblichem Grunde hervorzugehen scheint. 

Milz leicht vergrössert. Miliare Tuberkel in derselben. Die 
Leber mit dem Zwerchfell in grösserer Ausdehnung bindegewe¬ 
big verwachsen. Das Lebergewebe von normalem Aussehn, an 
einigen Stellen eingesprengte graue Knötchen. Die Niere bis 
auf die Entwickelung weniger confluirter Tuberkel der Rinde 
normal. 


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In der Mucosa des Dünndarms vielfach opake stecknadelkopf- 
bis linsengrosse Knoten, welche gegen aas Ileum hin immer 
zahlreicher werdeu und in Hache Bunde Geschwüre mit unregel¬ 
mässig gestaltetem Grunde und Rändern übergehen. Im untern 
Ileumende sind diese Geschwüre am zahlreichsten und hat es 
den Anschein, als ob dieselben vornehmlich aus den solitären 
Follikeln hervorgehen. Ebenso erscheinen auch die Peyer’schen 
Hänfen stark geschwellt, hyperaemisch und in unregelmässige 
Geschwürsflächen umgewandelt. In der Umgebung der Geschwüre 
ist die Mucosa lebhaft geröthet, ecchyniosirt und geschwellt, 
während die Serosa dieser Theile bindegewebig verdickt ist una 
vpn zahlreichen miliaren Tuberkeln dursetzt wird. Im Coecum 
und Colon ist die Geschwürsbildung von anderem Charakter. Wir 
erkennen daselbst grössere lanakartenartig ausgebreitete Ge¬ 
schwüre mit unregelmässiger Begrenzung, wobei jedoch die Ul- 
cerationen im Allgemeinen mit ihrer Längsrichtung senkrecht 
zum Darmverlaufe gestellt sind. Die meisten dieser Geschwüre 
sind mit bröckeligen Zerfallsmassen bedeckt, an andern ist eine 
beginnende Reinigung des Geschwürgrundes constatirt. Auch 
hier die angrenzendenPartien der Mucosa geröthet und geschwellt. 

Die Mesenterialdrüsen in grosser Anzahl markig geschwellt 
ohne grössere Verkäsung. 

Ueberblicken wir nun kurz die Befunde der 5 Obduc- 
tionen, so verdient Folgendes hervorgehoben zu, werden. 

In den Lungen hat es den Anschein — mit Sicherheit 
dürfte eine Entscheidung bei dem kleinen Material schwer 
fallen — als ob unter dem Einflüsse des Koch’schen Mit¬ 
tels, des Tuberculins, wie es neuerdings benannt worden 
ist, ein erhöhter Zerfall tuberculöser Processe stattfinde 
und namentlich gerade älterer tuberculöser Neubildungen, 
da an den frischen kleinen Knötchen oder ihrer Umge¬ 
bung keinerlei Veränderungen erkannt werden konnten. 
Es ist dieses eine Beobachtung, welche schon von Vir- 
chow, Baumgarten, Hansemann u. A. genügend her¬ 
vorgehoben worden ist. Durch den Zerfall tuberculösen 
Materials in der Lunge entstehen zahlreiche meist kleine 
Cavernen, welche so reichlich werden können, dass da¬ 
durch die Lunge nahezu schwammähnliches (Fall Hausß 
Aussehen gewinnt und aus zahllosen mit dickerem oder 
dünnerem Eiter gefüllten Höhlungen besteht, deren Ent¬ 
stehen unschwer aus den käsigen pneumonischen Herden 
hergeleitet werden kann. Von einer solchen Lunge sagt 
Virchow, dass dieselbe von oben bis unten von lauter 
grossem und kleinern Höhlen durchsetzt sein kann und 
von dem Lungengewebe schliesslich nur ein „Strickwerk 
von wenigen Balken“ übrig bleibt. In der Umgebung der 
Käseherde‘und der Cavernen, sowie in der Cavernenwand 
selbst konnte, regelmässig, namentlich, wo nicht zu lange 
Zeit nach der letzten Injection verstrichen war, Hyperaemie 
und Ecchymosenbildung constatirt werden, mehrfach zeigte 
auch der Inhalt der Cavernen eine blutig röthliche Bei¬ 
mengung. 

Weiter hat es den Anschein, als ob in den Lungen der 
mit dem Koch’schen Heilmittel behandelten Patienten 
ganz auffallend zahlreiche Verkäsungsprocesse gefunden 
werden. Es ist diese Frage schon mehrfach anderwärts 
betont worden und dürfte namentlich in der Voraussetzung 
gipfeln, dass möglicherweise durch den erhöhten Zerfall 
des tuberculösen Gewebes reichliche Bacillen gewisser- 
massen frei werden und theils in den Säftestrom gelangen 
und den Organismus überschwemmen, theils in erheb¬ 
licher Anzahl in die Bronchien entleert werden. Von hier 
aus dürften sie wiederum durch Aspiration in die Lungen 
gelangen, sich in denselben ansiedeln und zu erneuter 
Localinfection Veranlassung geben. Dafür scheint mir 
auch namentlich der Befund der ausgedehnten Tuberkel¬ 
eruptionen in der Trachealschleimhaut und den Bronchien 
mit oberflächlicher Ulceration zu sprechen, sowie ferner auch 
die Thatsache der zahlreichen frischen oft gelatinösen 
inselförmigen Pneumonien, denen wir in unsem Fällen 
begegnet sind. Letztere sind zuerst von Virchow ge¬ 
sehen worden und haben den Namen „Injectionspneumo- 
nien“ erhalten. Sie kennzeichnen sich mikroskopisch als 
lobuläre vornehmlich fibrinös-haemorrhagischedesquamative 
Pneumonien mit Uebergang der Exsudatmassen innerhalb 
der Alveolen in feinkörnigen (käsigen) Zerfall. 


Im Uebrigen fanden wir bei unsem Fällen an den Lungen 
nur die Erscheinungen eines mehr weniger starken Oedems, 
sowie ziemlich zahlreiche miliare Tuberkel, welche inner¬ 
halb des Lungengewebes verstreut waren. 

Die Pleuritiden der Fälle Pussel und Mohr dürften 
nicht nothwendigerweise mit den Koch’schen Injectionen 
in Zusammenhang gebracht werden. 

Höchst interessant erschienen die Veränderungen im 
Darm* welche sich im Allgemeinen dahin präcisiren lassen, 
dass anscheinend unter dem Einflüsse einer stärkeren Hy¬ 
peraemie und Exsudation infolge des Koch’schen Mittels eine 
Abstossung tuberculöser Massen und eine Reinigung der 
Geschwüre bis zur vollständigen Benarbung (Fall Hausl) er¬ 
folgen kann. Dass daneben aber auch die Gefahr einer 
Perforation der Geschwüre in die Bauchhöhle während 
der Reinigungsperiode erfolgen kann, worauf schon Vir¬ 
chow in seinem ersten Vortrage aufmerksam gemacht hat, 
dürfte der Fall Holm beleuchten. Hierselbst war die 
Abstossung des tuberculösen Gewebes im Darm bis in die 
Muscularis vorgedrungen. Nur ein Weniges weiter, so 
hätte leicht an dieser Stelle die Serosa eine Perforation 
erleiden können. 

Während die 4 ersten meiner Fälle in Bezug auf den 
pathologischen Befund im Darm sich mehr weniger gleich¬ 
artig verhielten und nur verschiedene Stadien der Ent¬ 
wickelung und Reinigung der tuberculösen Geschwüre dar¬ 
boten, nimmt der letzte Fall (Mohr) eine gewisse Sonder¬ 
stellung ein. Zunächst erwies sich hier die Geschwürs¬ 
bildung und die Entwickelung der Käseherde, aus denen 
die Geschwüre hervorgingen, ganz besonders zahlreich, auch 
schien hier die Localisation der Ulcerationen, wie es auch 
die mikroskopischen Präparate bewiesen, vornehmlich an die 
lymphatischen Apparate des Darmes, die solitären Folli¬ 
kel und die Peyerschen Haufen gebunden zu sein. Wir 
haben es hier mit einem Verhalten zu thun, welches 
meines Wissens unter gewöhnlichen Verhältnissen ^nament¬ 
lich in so grosser Ausdehnung nicht häufig beobachtet 
wird, jedoch auch schon von Virchow in 2 Fällen ge¬ 
würdigt zu sein scheint. 

Ueber den Befund im Larynx möchte ich kurz hinweg¬ 
gehn, da hier die Beobachtung im Leben bessere Resul¬ 
tate abgeben dürfte, als bei der Section. Anscheinend han¬ 
delte es sich auch hier um Abstossung und Reinigung 
tuberculös zerfallenen Materials. Jedoch möchte ich es 
auch an dieser Stelle nicht unterlassen zu erwähnen, dass 
die auffallend ausgedehnte und hochgradige Zerstörung 
mit gangränösem Zerfall im Larynx des Falles Pussell 
möglicherweise mit den häufigen zu therapeutischen Zwecken 
vorgenommenen Cocainpinselungen des I^arynx zu Leb¬ 
zeiten des Pat. und mit einer localen Dissemination frei¬ 
gewordener Tuberkelbacillen in Verbindung gebracht wer¬ 
den kann. 

Mit der Koch’schen Impfung dürfte auch die schon er¬ 
wähnte reichliche Tuberkelentwickelung in der Schleim¬ 
haut der Trachea und der Bronchien in Beziehung stehen, 
wie sie namentlich in den Fällen Hausl und Mohr gefunden 
wurde, ebenso auch die Entstehung der zahlreichen flachen 
gelblichen Ulcerationen dieser Theile, welche augenschein¬ 
lich flachen tuberculösen Geschwürsprocessen entsprachen. 

Unter den 5 Fällen begegnen wir 4 mal einem mehr 
weniger hochgradigen Milztumor. Bei dem Vorhandensein 
eines Marasmus und ulcerativer Vorgänge in den Lungen 
ist es schwierig denselben mit den Tuberculininjectionen 
in Beziehung zu bringen, obwohl auf ein solches Verhalten 
namentlich von klinischer Seite aufmerksam gemacht ist. 
Mit Hansemann möchte ich aber auf das Auftreten eines 
reichlichen, bräunlichen Pigmentes in der Milz der Fälle 
Diesfeldt, Hausl und Mohr aufmerksam machen, welches 
den Schluss auf einen Untergang zahlreicher, rother 
Blutzellen gestattet. 

In klinischer Beziehung hat Cantani hervorgehoben, 
dass er häufig im Laufe der Behandlung mit dem Tuber- 


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104 


culin die Entstehung von Anaemien beobachtet hat, welche 
sich durch eine Herabsetzung des Hämoglobingehaltes des 
Blutes kennzeiöhneten. 

Was schliesslich die brennendste Frage der Koch’schen 
Behandlung anbetrifft, welche namentlich von den Patho¬ 
logen einstimmig behauptet wird — das Freiwerden der 
Tuberkelbacillen und die Resorption derselben aus Re¬ 
gionen, wo ihrer Hinausbeförderung aus dem Organismus 
Hindernisse im Wege stehen, und eine Ueberfluthung des 
Organismus mit den Bacillen — so muss ich gestehen, dass 
meine Sectionsfälle mir die gleiche Vennuthung aufge¬ 
drungen haben. 

Ich stütze mich hierbei weniger auf das Aussehen der 
Tuberkelknoten, aus welchem namentlich Hansemann 
einen Rückschluss auf ihr Alter zieht, sondern hauptsäch¬ 
lich auf die Thatsache, welche sämmtlichen Beobachtern 
aufgefallen ist, dass bei Section von Verstorbenen, die mit 
Tuberculin behandelt worden waren, in den verschiedenen 
Organen auffallend zahlreiche miliare Tuberkel gefunden 
wurden. In allen meinen 5 Fällen fand ich die Leber, 
Milz und Nieren (4 Fälle) in hohem Maasse von Tuber¬ 
kelknötchen erfüllt. Tuberculose der serösen Häute in 
grösserm Umfange habe ich bis auf den Fall Holm (Tubercu¬ 
lose der Pia) vermisst. Namentlich scheint mir hier der Be¬ 
fund der Tuberkel in der Niere, welche nur im Falle 
Hausl vermisst wurden, ziemlich maassgebend zu sein, 
da sonst eine secundäre tuberculose Affection der Nieren 
weniger constant vorzukoramen pflegt. 

Für die Frage einer Dissemination der Tuberkelbacillen 
im Organismus als einer directen Folge der Behandlung 
mit Koch’s Heilmittel könnte möglicherweise auch der 
Ftfil Holm herangezogen werden, welcher ein Individum 
betraf, das nach der 4. Injection an tuberculös meningiti¬ 
schen Erscheinungen erkrankte und verstarb. Bei der 
Autopsie fand man Tuberculose der Pia und der Adven- 
titia der cerebralen Arterien. Da es mir zweifelhaft er¬ 
scheint, in wie weit sichere Schlüsse aus dem Aussehen 
der Tuberkel auf die Zeit ihrer Entstehung gezogen werden 
können, so möchte ich mich auf den Standpunkt derje¬ 
nigen Collegen stellen, welche einschlägige Fälle beschrieben 
haben (Körte, Rütimeyer) und behaupten, dass sich 
„post hoc“ und „propter hoc“ nicht vollkommen decken. 

Fasse ich nun meine Beobachtungen auf Grund des 
kleinen Materials von 5 secirten Fällen zusammen, so 
scheint sich mir in Uebereinstinmiung mit den übrigen Beob¬ 
achtern folgendes zu ergeben: 

1. Aeltere tuberculose Processe scheinen durch das 
Koch’sche Mittel einer rapiden Zerstörung entgegenge- 
fiihrt zu werden, während frisches tuberculöses Gewebe 
nicht wesentlich durch dasselbe beeinflusst wird. 

2. Es hat den Anschein, dass dort, wo keine Bedin¬ 
gungen einer raschen Entfernung des zerstörten lebende 
Bacillen enthaltenden Materials gegeben sind, es zu einer 
Resorption der Bacillen und zu einer Weiterverbreitung 
derselben im Körper kommt. 

Im Larynx und Kehlkopf, wo es sich um Oberflächen¬ 
erkrankungen handelt, sehen wir infolge dessen Heilung 
der tuberculösen Geschwüre bis zur vollständigen Benar- 
bung, während in der Lunge im Gegentheil durch Re¬ 
sorption und Aspiration von tuberculösem Material eine 
Weiterverbreitung der tuberculösen Neubildungen statt- 
tinden dürfte. _ 

Referate. 

Cli. IIeilmnun. Die Diagnose des Rotzes vermittelst 
subcutaner Injectionen eines Auszuges von Rotzba¬ 
cillen. Zeitschr. f. öftentl. Veterinairhcilkuude 1891 Ai 5 
(BliCTUHKi. ofimecTBeHHofi BeiepHBapiw). 

Vor Jahresfrist hat Vcrf. bereits mitgetheilt, dass es ihm ge¬ 
lungen ist, durch subcutane Injectionen eines Extractes von 
Rotzbacillen bei rotzkranken Pferden charakteristische locale 
Reartion und Temperatursteigerung hervorzurufen. Sein Zweck 
war damals mit Hülfe dieses Mittels Immunität der Versuchs- 


thiere gegen Malleus humidus zu erzielen, was er auch bei einem 
Pferde in der That erreicht hat. Neuerdings ist nun Yerf. auf 
Grund weiterer Versuche zu der [Jeberzeugung gelangt, dass das 
erwähnte Extract ein überaus gichtiges diagnostisches Hilfsmittel 
ist, da dasselbe in einer gewissen Dosis verabreicht am rotz¬ 
kranken Pferde binnen 24 Stunden folgende Erscheinungen her¬ 
vorruft : 

1. Temperatursteigerung bis auf 39,8—40,5° C. (die Normal- 
temperatur beträgt 37,6—38,1° C); 

2. an der Impfstelle eine Anschwellung von der Grösse zweier 
Handteller und mehr; 

3. auffällige Appetitabnahme; „ 

4. deutliches Acuterwerden der sichtbaren localen Processe 
(Ausfluss aus der Nase, Anschwellung der Drüsen und dergl. m.). 

Bei gesunden Pferden dagegen erhöht dieselbe .Dosis die 
Temperatur entweder gar nicht oder doch nur bis auf 38,5° C; 
auch die Anschwellung an der Impfstelle erreicht, wenn sie 
überhaupt auftritt, höchstens die Grösse eines kupfernen Fün¬ 
fers (ca. 33 Mm. Durchmesser); der Allgemeinzustand bleibt un¬ 
verändert. 

Die Wiedergabe der Versuche (20 an der Zahl) und der Sec- 
tionsbefunde, an denen Verf., meist in Gegenwart von Comis- 
sionen, die genannten Thatsacheu festgestellt hat. würden zu 
weit führen, wir wollen uns daher nur darauf beschränken die 
Angaben des Verfassers über das Extract und seine Herstellung 
zu berichten. Die Bacillen werden den Reinculturen auf Kar¬ 
toffeln entnommen und in destillirtem Wasser mit oder ohne 
Glycerinzusatz zu einer Emulsion verarbeitet. Letztere wird 
einige Stunden lang zunächst auf 50°, dann auf 80°, schliesslich 
auf 115° C. erhitzt und darauf durch das Pasteur’sche Filter ge¬ 
trieben. Das für die Filtration erforderliche überschüssige 
Wasser wird endlich durch Abdampfen entfernt. Die chemische 
Natur des wirksamen Stoffes, des Malleins ist vor der Hand 
noch nicht sicher festgestellt, jedoch ist Verf. geneigt dasselbe 
als Alkaloid anzusehen, da es eine ganze Reihe von Alkaloid- 
reactionen giebt 

Wem es bekannt ist, welche Schwierigkeiten die Diagnose 
auf Rotz am Pferde meistens bietet und wieviel Opfer an Men¬ 
schenleben und Geld diese Unsicherheit der Diagnose alljähr¬ 
lich nach sich zieht, der wird den enormen praktischen Werth 
eines so einfachen Hilfsmittels ermessen können, wie es in dem 
Hellmann’scheii MalleYn vorliegt, welches die Möglichkeit 
giebt die Krankheit in wenigen Stunden sicher zu erkennen. 

Wladimirow. 

Prof. Bostroem. Untersuchungen über die Aktino- 
mvkose des Menschen. 240. S. m. 10 Tafeln u. 3 Ab¬ 
bildungen im Text. Sonderabdr. aus „Beiträge z. pathol. 
Anat. u. z allgem. Pathol. herausg. v. Prof. E. Ziegler. 
Bd. IX.“. Gustav Fischer. Jena. 1890. 

Der geschätzte Verfasser, bekanntlich eine Autorität auf dem 
Gebiete der Aktinomykose, hat in der vorliegenden Arbeit die 
Resultate langjähriger Beobachtung niedergelegt. .Obwohl im 
Laufe der letzten Jahre die klinische Casuistik der Aktinomy¬ 
kose schnell angewachsen ist und eine grosse Mannigfaltigkeit 
in Bezug auf die Art und den Ort der Erkrankung erwiesen hat ist 
dennoch die Kenntnis* der morphologischen und biologischen 
Eigenschaften des Strahlenpilzes, aer Aetiologie und Pathogenese 
der durch ihn hervorgerurenen krankhaften Veränderungen bis¬ 
her nur wenig gefördert worden; die Autoren richteten ihr Haupt¬ 
augenmerk auf jene Gebilde, welche wohl die Diagnose bereits 
bei oberflächlichster mikroskopischer Untersuchung ermöglichen, 
keineswegs aber das Wesentliche des Pilzes darstellen, und be¬ 
gnügten sich meist mit dem Nachweis dieser pilzlichen Theile. 
In Folge dieser mangelhaften Kenntniss der Morphologie des 
Strahlenpilzes sind auch die bisher angestellten Culturversuche 
so gut wie resultatlos geblieben und die Versuche, die Aktino- 
mykose auf Thiere zu übertragen, wenig beweisend ausgefallen. 
Verf. hat nun gerade dieser Seite der Frage seine besondere 
Aufmerksamkeit zugewandt; wir müssen uns darauf beschränken, 
an dieser Stelle nur einige wesentliche Puncte aus dem reichen 
Inhalte seiner Arbeit hervorzuheben. Das klinische Mate¬ 
rial, welches den Untersuchungen zu Grunde gelegen hat, ent¬ 
stammt hauptsächlich den Kliniken von Freiburg und Giessen 
und setzt sich aus zwölf Fällen zusammen, welche sich nach dem 
Orte der Invasion des Strahlenpilzes (Israel’s Eintheilung) 
folgendennaassen gruppiren: Einwanderung des Pilzes durch Mund, 
Rachen und Speiseröhre — 9 Fälle, durch die Luftwege—1 Fall, 
durch den Intestinaltractus—2 Fälle. Sämmtliche Krankheitsge¬ 
schichten sind in extenso mitgetheilt. ln Bezug auf die Mor¬ 
phologie des Aktinomykes, welche hier eine besonders ein¬ 
gehende Bearbeitung gefunden hat, verweisen wir auf das 
Original; dagegen seien die Ausführungen des Verf. über die 
pathogene Wirkung des Pilzes hier wörtlich wiederge- 

f eben: -der Aktinomykes ruft in dem befallenen Gewebe eine 
intzündung hervor; innerhalb der entzündlichen Gewebeneubil¬ 
dung tritt entweder ein schnell um sich greifender nekrobioti- 
scher Zerfall ein, der zur Bildung von Erweichungsherden führt; 
diese eröffnen sich gerne nach aussen oder in benachbarte Hohl¬ 
organe; oder Cs kommt zur Entwickelung eines ausgedehnten 


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.105 „ 


entzündlichen Granulationsgewebes, durch welches der Pilz in 
seiner Entwickelung gehemmt werden kann, indem dann die De- 

S eneration der Pilzfäden mehr um sich greift. Das entzündliche 
ranulationsgewebe geht, wenn der Entzündungsreiz, obgleich 
abgeschwächt, bestehen bleibt, in Schwielenbildung über; fällt 
der Entzündungsreiz fort, so bildet sich oft eine der Grösse des 
Entzündungsherdes kaum entsprechend grosse, glatte Narbe. 
Der Aktinomykes veranlasst keine Eiterung und keine Lymph- 
dj-üsenmetastasen. Wo deV Pilz vegetirt, ist Entzüudung und 
Erweichung des entzündlichen Gewebes vorhanden: wo seine 
Entwickelung gehemmt oder wo derselbe abgestorben, bildet 
sich vorzugsweise ein entzündliches Grauulationsgewebe, welches 
in Bindgewebsbildung übergeht. Die Aktinomykose kann daher 
uicht zu der Gruppe der infectiösen Grauulatiousgeschwülste ge¬ 
rechnet werden“. 

Die an verschiedenen Thieren vorgenommenen Impfversuche 
gaben sämmtlich ein negatives Resultat, wie denn Verf. auch 
aas angeblich positive Ergebniss der Experimente Pontick’s 
bestreitet. Culturen wurden auf festen und in flüssigen Nähr¬ 
böden gewonnen: Verf. giebt eine genaue Beschreibung der 
Reinculturen und weist die gegen seine früheren Resultate er¬ 
hobenen Einwände Afanassjew's zurück; die das Wachsthum 
der Culturen betreffenden Details sind im Originale nachzulesen. 

Mit einigen Worten möchten wir noch auf das besonders inte¬ 
ressante Schlusscapitel über die Aetiologie der Aktinomykose 
eingehen. In Bezug auf das Vieh unterliegt es wohl keinem 
Zweifel, dass der Pilz mit pflanzlichen Gebilden, hauptsächlich 
spitzen Getreidegrannen (Gerste!) in die Gewebe gelangt; solche 
mit Aktinomyceten behaftete Grannen können sich, besonders 
zur Zeit des Zahnwechsels, tief in die Zahualveolen einbohren 
und linden sich sehr häufig in den Gebilden der Mundhöhle, 
inmitten der aktinomykotisenen Herde (des Uterkiefers una 
der Zunge); dieselben können auch beim Reiben und Scheuern 
der Thiere an den Futterständen in die Haut und die darunter 
gelegenen Theile eingespiesst werden. Was nun den Menschen 
anlangt, so ist eine Infection durch das Thier, sei es direct, sei 
es durch den Genuss des Fleisches oder der Milch von aktino- 
mykotischeu Thieren, bisher nicht bewiesen und auch aus theo¬ 
retischen Gründen wenig wahrscheinlich. Vielmehr ist an- 
zunehraen, dass der Mensch sich aus derselben Quelle inticirt, 
wie das Vieh, nämlich durch Getreidegrannen. In der Literatur 
giebt es bereits zahlreiche Fälle, in welchen ein solcher Infec- 
tionsmodus nachgewiesen werden konnte, und auch dem Verf. 
ist es, so oft er danach suchte, gelungen, solche mit Strahlen- 

E ilzen besetzte Grannen in dem erkrankten Gewebe zu linden. 

lamit stimmt auch die Beobachtung, dass vorwiegend solche 
Leute an Aktinomykose erkranken, welche bertifsmässlg oder 
aus Gewohnheit oft in die Lage Kommen, Getreidekörner in 
den Mund zu neraen, und ferner die aus einer Zusammenstel¬ 
lung von 149 Fällen von Aktinomykose der Kiefer, der Zunge, 
des Halses und der Körperoberfläche sich ergebende, bemer- 
kenswerthe Thatsache, dass 77% der Erkrankungen auf die 
Monate August bis Januar, also gerade auf die Zeit fallen, 
während welcher Getreidekörner ausschliesslich in getrock¬ 
netem Zustande vorhanden sind; ebenso wird auch die 
Aktinomykose beim Vieh hauptsächlich zur Zeit der Trocken¬ 
fütterung beobachtet. Die aetiologische Bedeutung cariöser 
Zähne hält Verf. nicht für erwiesen. 

Soviel über den Inhalt des Buches, welches ein Jeder, der 
sich für die Frage der Aktinomykose des Menschen interessirt, 
gewiss gerne durchstudiren wird. Zum Schlüsse sei noch die 
ausserordentlich schöne Ausführung der dem Werke beigege¬ 
benen, zum Theil farbigen Tafeln (lithogr. Anst. v. Werner 
u. Winter in Frankfurt a. M.) rühmend neryorgehoben. 

_ Blessig. 

Vermischtes. 

— In Riga wurde vor kurzem ein eigenartiges Jubiläum 
begangen. Am 10. März vollendeten sich nämlich, wie die „Ztg. 
f. Staat und Land“ mittheilt, fünfundzwanzig Janre, während 
welcher Dr. E. v. Bochmann, welcher bekanntlich im vorigen 
Jahre von der langjährigen Direktion des rigaschen allg. Kran¬ 
kenhauses wegen Krankheit zurücktrat, sich dem freiwilligen 
Dienst der Stadt im Sanitätswesen gewidmet hat. Im Laufe 
dieser Frist hat der Jubilar nicht nur seine Kenntnisse und Er¬ 
fahrungen dem regelmässigen Gange des städtischen SanitÄts- 
wesens zu Nutze gemacht, sondern auch in hervorragender 
Weise durch Bearbeitung besonderer Fragen von sanitärer Be¬ 
deutung (die Frage der Canalisation, die Scnlachthaus-Frage und 
8. w.) theoretische Gesichtspunkte aufgestellt, welche für die 
dereinstige Durchführung dieser Unternehmungen als maassge¬ 
bend anerkannt worden sind. Das Stadtamt hat durch Ueber- 
reichung einer Adresse, welche das Stadthaupt an der Spitze 
einer Deputation verlas, der Anerkennung Ausdruck gegeben, 
welche die Stadt Dr. v. Bochmann für seine nützliche freiwil¬ 
lige Thätigkcit schuldet. 

— Der Professor der Psychiatrie an der hiesigen militär-med. 
Academie, Dr. J. P. Mierzejewski, ist von dem polnischen 
Verein cLer Freunde der Wissenschaften in Posen zum Ehren- 
mitgliede gewählt worden. 


— Neuerdings sind wieder zwei Lehrstühle an der Univer¬ 
sität Tomsk besetzt worden und für dieselben die Privatdo- 
centen der jnilitär-medicinischen Academie Dr. Gramatikati 
'hndDr. Jcrofejew zu Professoren ernannt worden, erstercr 
für Geburtshülfe und Gynäkologie, letzterer für Augenheilkunde. 

— Ernannt: der ältere Ordinator des hiesigen klinischen 
Elisabeth-Hospitals, wirkl. Staatsrath Dr. Arnheim — zum Di- 
rector der Maximilian-Heilanstalt, unter Belassung in seinen 
bisherigen Stellungen. 

— Verstorben: 1) Der Oberarzt des Ssaratowschen örtlichen 
Lazarcths, Staatsrath Th. Dmitrijew. 2) Der.'zur Reserve der 
Militär-Medicinal-Beamten des Warschauer Kreises zugezählte 
Arzt David Grjodzinski. 3) Am 12. März hierselbst der Ober¬ 
arzt des städtischen Alexanderhospitals, Dr. Nicolai Wassil- 
jew, dessen Tod wir bereits kurz gemeldet haben, am Herz¬ 
schlage. Als Sohn eines anneu Beamten zu St. Petersburg im 
Jahre 1852 geboren, absolvirte W. 1874 den Cursus an der 
hiesigen medico-chirurgischen Academie mit der goldenen Me¬ 
daille. Nachdem er sodann mehrere Jahre als Ordinator an 
der Botkinschen Klinik fuugirt und während des letzten russisch¬ 
türkischen Feldzuges als Militärarzt in der Donauarmee ge¬ 
wirkt, erluelt er im J. 1880 nach Verthcidigung seiner Disser¬ 
tation „Ueber den trophischen Einfluss des N. Vagus auf den 
Herzmuskel“ die Doctorwürde und wurde auf Kronskosten zur 
weiteren Ausbildung auf 2 Jahre ins Ausland geschickt. Nach 
seiner Rückkehr aus dem Auslande habilitirte sich W. als Pri- 
vatdocent für interne Medicin an defr Academie und bekleidete 
zugleich den Posten eines Ordinators, dann des Oberarztgehül- 
fen am Alexanderbarackenhospital und vom J. 1889 an das Amt 
des Oberarztes am städtischen Alexanderhospital. Der Hinge¬ 
schiedene ist vielfach literarisch thätig gewesen; ausser der oben¬ 
erwähnten Dissertation hat er mehrere.Arbeiten, wie „Ueber den 
Einfluss des Calomels auf den Gährungsprocess“; ? Die Rotzba¬ 
cillen und ihre Bedeutung für die Diagnose“; „Die niederen Pilze 
als Ursache der Diphtherie“, „der infectiöse Ikterus“ u. A. ver¬ 
öffentlicht. Ausserdem redigirte W. seit 1885 die „Botkin’sche kli¬ 
nische Wochenschrift“, welche seit dem vorigen Jahre unter dem 
Titel „S. P. Botkins Hospitalzeitung“ erscheint. Da der Ver¬ 
storbene seine Frau mit 6 kleinen Kindern mittellos hinterlas¬ 
sen hat, so hat unsere Stadtduma der Wittwe zur Bestreitung der 
Begräbnisskosten u. s. w. den Betrag der Jahresgage des Mannes 
(2.000 Rbl.) bewilligt und ausserdem beschlossen, der Wittwe 
und den Kindern eine Pension auszusetzen. 

— Der Professor der Psychiatrie, Dr. E. Kraepelin, hat in 
diesen Tagen Dorpat verlassen, um mit dem Sommersemester 
seine Lehrthätigkeit au der Universität Heidelberg zu beginnen. 
Die' Achtung und Zuneigung, welche sich Prof. Kraepelin in 
academischen Kreisen und namentlich auch bei der Studenten¬ 
schaft in den vier Jahren seines Wirkens in Dorpat erworben 
hat, sprach sich unter anderem auch in einer Ovation aus, die 
dem ^scheidenden Universitätslehrer am 18. März dargebracht 
wurde. An der Spitze eines von der Studentenschaft veranstal¬ 
teten Fackelzuges gab, wie wir der „N. D. Ztg.“ entnehmen, 
der Präses des Chargirten-Convents, stud. A. Wihtol, in war¬ 
men Worten dem Dank und der Hochachtung der Studenten¬ 
schaft Ausdruck. In ebenso warmer Rede antwortend, hob der 
Scheidende hervor, dass er die Zeit seiner Wirksamkeit in Dor- 

at und die Dorpater Studentenschaft stets in gutem Andenken 

chalten werde. Er hoffe, dass die 14.000 Immatriculirteu Dor- 
pat’s nur ein kleiner Bruchtheil derjenigen Studenten-Genera- 
tionen sein werde, die nach ihnen kommen. Prof. Kraepelin 
schloss mit einem begeistert aufgenommenen „Hoch“ auf die 
Dorpater Studentenschaft. 

— Zum Dirtector der St. Petersburger Pharmaceuti- 
schen Gesellschaft ist, an Stelle des verstorbenen Apothe¬ 
kers Forsmann, der Mag.-Pharm. J. Martenson, Apotheker 
am Kinderhospital des Prinzen v. Oldenburg, gewählt worden. 

— Dem Vernehmen nach steht eine Publication Prof. Robert 

Koch’s bevor, die dazu bestimmt sein soll, die gegen die spe- 
cifische Wirksamkeit des Tuberculin bisher veröffentlichten Ein¬ 
wendungen, insbesondere die Virchow’s. zu widerlegen. An 
dieser Arbeit soll sich Prof. Pfuhl, der Schwiegersohn Kochs 
betheiligen. (A. m. C. Ztg.) 

— In der letzten Sitzung der Gesellschaft ;der Aerzte in Wien 
hat Prof. v. Mosetig — Morhof eine weitere Zahl von ihm mit 
Injectionen von Metnylviolett behandelter Fälle von malignen 
Neubildungen vorgestellt. Prof. Billroth hat sich in dieser 
Sitzung gegen eine specifische Wirkung des Mittels auf die Krebs¬ 
zellen (resp. Kerne) ausgesprochen. Sobald uns ein genauerer 
Bericht über diese Sitzung vorliegt, werden wir Näheres über 
diese Fälle mittheilen. 

— In Chicago sollen an der Influenza neuerdings wieder ca. 

50,000 Personen erkrankt sein. (A. m. C.-Ztg.) 

— Die Gesammtzahl der Kranken in den Civilhospi- 
tälern St. Petersburgs betrug am 24. Februar d.J. 6950 (34 
weniger als in der Vorwoche), darunter 545 Typhus—(21 weniger), 
636 Syphilis—(33 weniger), 107 Scharlach — (24 weniger), 12 Diph¬ 
therie — (4 weniger), 16 Masern — (6 mehr) una 46 Pocken¬ 
kranke (4 mehr als in der Vorwoche). 


Diaitiz 


zedby Google 


106 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 24. Februar bis 2. März 1891. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Für die Woche ypm 3. März bis 9. März 1891. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: § § S 


Im Gauzeu: 


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298 224 522 99 45 75 18 10 16 46 62 42 38 44 13 13 1 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd. 8, Febris recurrens 9, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 2, Pocken 2, Masern 10, Scharlach 
10, Diphtherie 9, Croup 1, Keuchhusten 1, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 19, Erysipelas 8, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 2, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotitis epidemica 1, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und Septicaemie 3, Tu- 
berculose der Lungen 103, Tubereulose anderer Organe 6, Alko¬ 
holismus und Delirium tremens 7, Lebensschwäche und Atrophia 
infantum 30, Marasmus senilis 17, Krankheiten des Verdauungs¬ 
canals 38 1 To dtgebo renc 29. _ 

S ^W Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger 
erzte Dienstag den 2. April 1891. 


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298 237 535 106 38 76 14 6 20 58 56 47 51 33 21 8 1 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 4, Tvph. abd. 10. Febris recurrens 9, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 2, Pocken 2, Masern 10, Scharlach 
18, Diphtherie 11, Croup 1, Keuchhusten 3, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 33, Erysipelas 1, Cholera nostras 0, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Mening tis 0, Acuter Gelenkrheumatis¬ 
mus 0, Parotit's epidemica 0, Rotzkrankheit 0, .Anthrax 0, Hy¬ 
drophobie 1, Puerperalfieber 1, Pyämie und Septicaemie 9, Tu- 
berculose der Lungen 81, Tubereulose anderer Organe 5, Alko¬ 
holismus und Delirium tremens 4, Lebensschwäche und Atrophia 
infantum 39, Marasmus senilis 18, Krankheiten des Verdauungs- 
canals 32, Todtgeborene 37. 

Corrigendum: In A? 9, pag. 78, Zeile 45 von unten lies 
„Sokolowski“ statt „Sokolowitsch“. _ 


IW Nächste Sitzu 
lerzte Dienstag den 2. 


gV Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 8. April 1891. 


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burg, Newsky-Pr. 14, sowie in allen in- und ausländischen Annoncen-Comptoiren angenommen. 


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tersuchung des Sputums auf Eooh’sohe Tu* 
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Herausgeber: Dr. Th. v. Schröder. Buchdruckerei von A. L. Eber mann, Baskoff Per. .Y* 4. 


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XVI. JAHRGANG. 


Neue Folge VIII. Jabrg. 



MEDICINISCHE WOCHENSGHRIFT 


unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Dorpat. Riga. 

Dr. Theodor von Schröder. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Woebenschrift“ erscheint jeden ! 
Son Haltend.- - Der Abonn*mentapr*i« ist in Bauland 8 Rbl. für das ; 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen ; 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Znaertionspreis 
für die Sinai gespaltene Zeile in Petit ist 10 Kop. oder 35 Pfenu. — Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. — 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 'VV 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Oarl Bicker in 
St. Petersburg, Newsky-Prospect As 14, zu richten. — Xanuscripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mitteilungen bittet mau an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr. Theodor von Schröder in 
St.Petersburg, Maltya Itajjanskaja Ai 33, Quart. 3, zu richten. Sprech¬ 
stunden täglich von 2—4 Uhr Nachm., ausser Sonntags. 


Ns 13 


St. Petersburg, 30. März (13. April) 


1891 


Inhalt. Prof. H. Unverricht: Untersuchungen über die Wirkungen des Tuberculins. — Referate: 11. Büchner: Die che¬ 
mische Reizbarkeit der Leukocyten und deren Beziehung zur Entzündung und Eiterung. — Heusten und Tichborne: Ein nicht 
giftiges, nicht reizendes antiseptisches Verbandmittel.—William Rüssel: